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Das Napoleonische System - Kennzeichen der französischen Hegemonie in Europa

Seminararbeit 1999 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kriege und Koalitionen

2. Wirtschaft und Handel

3. Kultur und Gesellschaft

4. Kirche und Religion

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Zentrales Element der europäischen Außenpolitik gestern und heute ist der Begriff der Sicherheit. Was ist darunter zu verstehen? Objektiv gesehen bedeutet Sicherheit die Abwesenheit von Gefahr. Unter subjektiver Sicherheit versteht man dagegen den Schutz vor Gefahr bzw. den Schutz vor anderen politischen Akteuren. Der Begriff Sicherheit ist in Europa eng mit zwei Wortpaaren verbunden: auf der einen Seite mit Freiheit und Selbstbestimmung und auf der anderen Seite mit Krieg und Frieden. Zentrale Elemente der europäischen Sicherheitsstrukturen sind die Ökonomie, die militärischen Potentiale der einzelnen Länder, Allianzen und Koalitionen zwischen den Staaten, die geostrategische Lage des jeweiligen Landes, sowie die Kultur und Religion eines souveränen Staates. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die grundlegenden Kennzeichen des französischen Hegemonialsystems während Herrschaft Napoleons über Europa in der Zeit von 1799 bis 1815 darzustellen und zu erläutern. Die zentralen Elemente der europäischen Sicherheitsstrukturen werden dabei als Grundlage verwendet. Im ersten Teil wird auf Kriege und Koalitionen im napoleonischen Europa eingegangen. Welche Allianzen und Verträge wurden geschlossen? Danach werden die wirtschaftliche Situation in Europa und die internationalen Handelsbeziehungen in dieser Zeit beleuchtet. Welche Auswirkungen hat z.B. die Seeüberlegenheit der britischen Flotte auf die Entwicklung der kontinentalen Wirtschaft? Im dritten Teil werden kulturelle und gesellschaftliche Aspekte untersucht. Schwerpunkt der Untersuchung ist dabei der Einfluß des napoleonischen Frankreich auf die deutsche Justiz- und Verfassungsentwicklung. Zum Schluß wird das Verhältnis von Staat und Kirche im napoleonischen Herrschaftssystem erläutert. Welche Stellung besitzt die Kirche im napoleonischen Europa und welche Einflußmöglichkeiten hat der Papst auf die Politik Napoleon Bonapartes?

1. Kriege und Koalitionen

Die Französische Revolution von 1789 mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit droht die monarchisch – absolutistische und ständische Grundordnung in den europäischen Staaten zu erschüttern. Preußen und Österreich, vertreten durch König Friedrich Wilhelm II. (1786 - 1797) und Kaiser Leopold II. (1790 - 1792), stellen angesichts dieser gemeinsamen Bedrohung von außen ihre Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zurück und finden sich 1791 gegen das revolutionäre Frankreich und zur Verteidigung der Monarchie in Europa in der Pillnitzer Konvention1 zusammen. Diese provoziert 1792 die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich. Die ersten drei Koalitionskriege (1792 - 1797, 1799 - 1802 und 1805) unter wechselnden europäischen Koalitionen gegen das revolutionäre Frankreich führen schließlich zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Fast ununterbrochen toben von 1792 - 1815 Kriege in Europa, die im Englischen gewöhnlich, wenn auch nicht ganz richtig, als Napoleonische Kriege bezeichnet werden. Sie stellen die längste Kriegsperiode dar, die Europa seit dem frühen 18. Jahrhundert erlebt2. Die europäischen Mächte kämpfen gegen die Verbreitung revolutionärer Ideen und die Expansion der französischen Republik, die seit 1799 von Napoleon Bonaparte geführt wird. Diese Kriege verändern das politische Gleichgewicht zugunsten einer französischen Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Sie wecken zugleich den nationalen Widerstand der europäischen Völker und deren Bereitschaft zu Reformen, die den Grundstein zu modernen Staatswesen legen.

Im Folgenden werden die Koalitionen und Kriege und deren Folgen für Europa erläutert. 1792 fordert Frankreich von Österreich seine Rüstungen in den von ihm verwalteten südlichen Niederlanden (dem heutigen Belgien) herabzusetzen. Österreich kommt diesen Forderungen Frankreichs nicht nach. Daraufhin beschließt die französische Gesetzgebende Versammlung am 20. April 1792 Österreich den Krieg zu erklären3.

Es kommt zum Ersten Koalitionskrieg (1792 - 1797). Frankreich kämpft gegen Österreich und Preußen um die Rheinlinie. Die preußischen Truppen dringen bis Verdun vor. Nach der Kanonade von Valmy treten sie jedoch am 20. September 1792 den Rückzug an, so daß die französischen Revolutionsheere bis Speyer, Worms und Mainz vorrücken können.

Das österreichische Heer wird ebenfalls besiegt und Belgien von Frankreich besetzt. 1793 treten alle Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie England, die Republik der nördlichen Niederlande (Holland), Spanien, Portugal, Sardinien und Neapel der preußisch - österreichischen Koalition gegen Frankreich bei4.

In den Jahren 1794 - 1795 erobert der französische General Pichegru5 die nördliche Niederlande, die in Batavische Republik umbenannt wird. Am 5. April 1795 wird der Friede von Basel zwischen Frankreich und Preußen unterzeichnet. Das gesamte linke Rheinufer bleibt bei Frankreich. Österreich trägt nun die alleinige Last des Ersten Koalitionskrieges. Sie besiegen die in Süddeutschland eingedrungenen Franzosen bei Amberg und Würzburg. 1796 dringen die Franzosen unter Führung von General Napoleon Bonaparte in Italien ein, wo sie die Österreicher besiegen sowie den König von Sardinien und den Papst zum Frieden zwingen. Weite Teile Italiens fallen unter französische Herrschaft. 1797 wird die Cisalpinische Republik, bestehend aus Mailand, Modena, Ferrara, Bologna und Romagna, errichtet sowie die Ligurische Republik (Genua). Die Republik Venedig wird aufgehoben. Am 17. Oktober 1797 wird der Friede von Campo Formio zwischen Frankreich und Österreich von Napoleon Bonaparte und Graf L. Cobenzl unterzeichnet. Österreich tritt Belgien an Frankreich ab und erhält dafür Venedig. 1798 wird Rom durch die Franzosen besetzt und die Tiberinische Republik errichtet. Papst Pius VI. wird als Gefangener nach Frankreich geführt. Die Schweiz, der Bund der Eidgenossen, wird in die Helvetische Republik umgewandelt. 1798 - 1799 unternehmen die Franzosen unter Führung von General Napoleon Bonaparte einen Feldzug nach Ägypten und Syrien6.

Auf Initiative von Minister Pitt dem Jüngeren verbünden sich England, Rußland, Österreich, Portugal, Neapel und die Türken gegen Frankreich. Preußen bleiben neutral. Es kommt zur zweiten europäischen Koalition gegen Frankreich und so zum Zweiten Koalitionskrieg von 1799 - 1802. 1799 kehrt Napoleon Bonaparte aus dem Orient zurück. Er macht sich mit Hilfe eines Staatsstreichs zum Ersten Konsul in Frankreich und übernimmt der Regierungsgeschäfte. Talleyrand7, der frühere Bischof von Autun, wird Außenminister der Konsulatsregierung. Am 14. Juni 1800 siegt Napoleon bei Marengo über die österreichischen Truppen. Am 9. Februar 1801 wird der Friede von Luneville zwischen Frankreich und Österreich unterzeichnet. Darin wird der Friede von Campo Formio bestätigt. Das linke Rheinufer bleibt bei Frankreich. Am 27. März 1802 kommt es zum Friede von Amiens zwischen Frankreich und England. Napoleon wird aufgrund einer Volksabstimmung zum Ersten Konsul auf Lebenszeit ernannt. Im selben Jahr schließt er ein Konkordat mit der römisch - katholischen Kirche. Am 25. Februar 1803 kommt es auf der letzten, außerordentlichen Reichsdeputation des Regensburger Reichstages des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation8 zu einem Beschluß, der die politischen und rechtlichen Grundlagen des Reiches entscheidend ändern wird. In dem Beschluß wird die Entschädigung der Fürsten, die infolge der Frieden von Basel und Luneville ihre linksrheinischen Gebiete an Frankreich abtreten müssen, festgesetzt. Alle geistlichen Fürstentümer werden aufgehoben. Ausnahmen sind der vom Kurerzkanzler von Mainz neugeschaffene Staat Aschaffenburg – Regensburg und die Gebiete des Johanniterordens sowie des Deutschen Ordens. Das gesamte Kirchengut wird säkularisiert und die Reichsstädte bis auf Hamburg, Lübeck, Bremen, Frankfurt a. M., Augsburg und Nürnberg werden mediatisiert. Die Kurfürstentümer Baden, Württemberg, Hessen-Kassel und Salzburg werden neu geschaffen. 1804 nennt sich der römisch-deutsche Kaiser Franz II. als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Bisher war Österreich nur Erzherzogtum innerhalb des Reiches9.

1805 kommt es zum Dritten Koalitionskrieg gegen Frankreich. England, Rußland, Schweden und Österreich verbünden sich gegen Frankreich. Preußen bleibt wieder neutral und Spanien und die süddeutschen Staaten sind Verbündete Frankreichs. Am 17. Oktober 1805 siegen die Franzosen über Österreich bei Ulm und Wien wird besetzt. Am 21. Oktober 1805 versenkt Admiral Nelson10 bei Trafalgar die vereinigte französisch - spanische Flotte. England ist nun alleinige Seemacht. Am 2. Dezember 1805 siegt Napoleon in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz über Österreich und Rußland. Am 15. Dezember 1805 wird das Schutz- und Trutzbündnis von Schönbrunn zwischen Frankreich und Preußen geschlossen. Am 26. Dezember 1805 kommt es zum Friede von Preßburg, der den Frieden von Luneville im wesentlichen bestätigt. Venedig fällt an Italien. Tirol, Vorarlberg, Eichstätt, Passau, Trient u.a. gehen an Bayern. Dafür fällt Salzburg an Österreich. 1806 verliert das Haus Bourbon durch Verfügung Napoleons das Königreich Neapel, das an Napoleons Bruder Joseph geht. Die Batavische Republik wird in das Königreich Holland umgewandelt. König wird Napoleons Bruder Louis, der mit Napoleons Stieftochter Hortense de Beauharnais verheiratet ist.

[...]


1 Pillnitzer Punktation, nach dem Schloß Pillnitz (Dresden), dem Ort der Zusammenkunft (27.08.1791) zwischen Kaiser Leopold II., dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. und dem späteren französischen König Karl X. benannte Erklärung der europäischen Monarchen zugunsten der französischen Monarchie.

2 Vgl. Crouzet, Francois: Kriege, Kontinentalsperre und wirtschaftliche Veränderungen in Europa 1792-1815, in: Sieburg, Heinz-Otto (Hrsg.): Napoleon und Europa. Köln 1971, S. 231.

3 Vgl. Presser, Jacques: Napoleon. Das Leben und die Legende. Zürich 1990, S. 998.

4 Vgl. Presser: Napoleon, S. 999/ 1000.

5 Pichegru, Charles, französischer Offizier, * 16.02.1761 Arbois, + 06.04.1804 Paris (Selbstmord); 1793-1796 Divisionsgeneral, erobert Holland, schlägt den Jakobineraufstand 1795 in Paris nieder; 1797 Präsident des Rats der Fünfhundert; nach Napoleons Staatsstreich deportiert nach Cayenne, entkommt nach England, unternimmt von dort aus mit G. Cadoudal den Attentatsversuch auf Napoleon.

6 Vgl. Presser: Napoleon, S. 1000/ 1001.

7 Talleyrand, Charles Maurice de, Herzog von T., Fürst von Benevent, französ. Staatsmann, * 13.02.1754 Paris, + 17.05.1838 Paris; 1788 Bischof von Autun; schließt sich 1789 in der Nationalversammlung dem 3. Stand an. 1791 regt er die Einziehung des Kirchenguts an und leistet als erster Kleriker den Eid auf die französische Verfassung; 1797-1807 Außenminister. Er unterstützt zwar den Staatsstreich Napoleons, lehnt aber dessen Eroberungspolitik ab. 1814/ 15 ist er erneut Außenminister. Auf dem Wiener Kongreß betreibt er erfolgreich die Rehabilitierung Frankreichs.

8 Bestehend aus Kurmainz, Böhmen [Österreich], Sachsen, Brandenburg [Preußen], Pfalz-Bayern, dem Hoch- und Deutschmeister, Württemberg und Hessen-Kassel.

9 Vgl. Presser: Napoleon, S. 1001/ 1002.

10 Nelson, Horatio Viscount of (1801), englischer Admiral, * 29.09.1758 Burnham-Thorpe, + 21.10.1805 bei Trafalgar an Bord der „Victory“; Er besiegt die spanische Flotte bei Kap St. Vincent 1797 und die französische Flotte bei Abu Qir 1798. Nelson zerstört die dänische Flotte bei Kopenhagen 1801 und sichert mit dem Sieg über die spanisch - französische Flotte bei Trafalgar 1805 die britische Alleinherrschaft über die Meere.

Details

Seiten
23
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638154567
ISBN (Buch)
9783638640480
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8503
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Napoleonische System Kennzeichen Hegemonie Europa Seminar Europäische Sicherheitsstrukturen

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Titel: Das Napoleonische System - Kennzeichen der französischen Hegemonie in Europa