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Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Wirtschaft und Bevölkerung in Deutschland

Hausarbeit 2007 33 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichtliche und politische Situation
2.1. Der industrialisierte Krieg
2.2. Das letzte Kriegsjahr

3. Situation nach Kriegsende
3.1. Novemberrevolution
3.2. Die Auseinandersetzung mit der Niederlage
3.3. Die Legende vom Dolchstoß
3.4. Der Vertrag von Versailles und der Aufstieg des Nationalsozialismus..
3.5. Kapp-Putsch, Radikalisierung und Gewaltakzeptanz
3.6. Inflation, Hyperinflation und die Wirkung auf die Bevölkerung

4. Zusammenfassung der Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf

Wirtschaft und Bevölkerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der am Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem in Europa tobende Erste Weltkrieg war nicht nur aufgrund seiner Ausmaße ein völlig neues Element in der Geschichte der Menschheit, er sollte auch die politische Entwicklung der beteiligten Nationen und das Wohl und Leid seiner Bewohner bestimmen. Aufgrund der Komplexität des Themas möchte ich mich in dieser Hausarbeit auf einige wenige Auswirkungen des Krieges auf die deutsche Wirtschaft und Bevölkerung konzentrieren; eine vollständige Betrachtung der Entwicklung vom Kaiserreich zur Weimarer Republik würde den Rahmen einer Hausarbeit sprengen.

Die 1918 in Deutschland durch Kriegsmüdigkeit und die schlechte Ernährungssituation ausgelösten Wirren versuchten viele Interessenträger zu ihren Gunsten zu nutzen, auch durch das Verbreiten falscher Tatsachen über die Gründe der deutschen Niederlage. Im Deutschen Kaiserreich erfolgte mit der Novemberrevolution 1918/19 eine tief greifende Änderung der politischen Landschaft; die nach dem Krieg geschlagene deutsche Bevölkerung forderte die Abdankung Kaiser Willhelms II. und eine neue demokratische Verfassung. Von Kriegsende an bis weit in die Zeit der Weimarer Republik entstand eine weitreichende Radikalisierung und Militarisierung in der Bevölkerung, es kam zu Kämpfen der Anhänger verschiedener politischer Lager.

2. Geschichtliche und politische Situation

2.1.Der industrialisierte Krieg

Der 1914 beginnende Erste Weltkrieg war das Ergebnis einer bereits Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden Aufrüstungsspirale der europäischen Großmächte, verursacht durch machtpolitische Gegensätzlichkeiten und Weltmachtsstreben. In Deutschland prägte am 6. Dezember 1897 der damalige Staatssekretär des auswärtigen Amtes Bernhard von Bülow den Begriff des „Platz an der Sonne“ als Ziel Deutschlands und Grund für eine massive Aufrüstung der Flotte.1

Während vor allem das Vereinte Königreich von England zu einer imperialen Koloniemacht wuchs, hielt das Deutsche Kaiserreich lediglich unbedeutende kleinere Kolonien in Afrika. So sorgten auch nationalistische Tendenzen für einen schwelenden Konflikt der Großmächte. Auch durch den ausgerufenen Ausbau der Deutschen Flotte fühlte sich die Seemacht Großbritannien provoziert.

Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten sich die bereits bestehenden Blockstrukturen in Europa stärker heraus; die am 8. April 1904 geschlossene Entente zwischen Frankreich und Großbritannien ergänzte den Bund Frankreich-Russland zum so genannten Triple Entente (Dreierbund).2 Ursprünglich diente die Entente zwischen Frankreich und Großbritannien zur Beilegung der Kolonialstreitigkeiten der Mächte in Afrika. Die Streitigkeiten waren das Resultat energisch betriebener Kolonialisierung. Während Großbritannien Afrika einen Kolonialgürtel von Nord nach Süd aufzwingen wollte, arbeitete Frankreich an einem Ost-West-Gürtel. Die Kollision der Interessen erfolgte schließlich in Faschoda; nach diesem Ort ist diese Krise auch benannt. Schließlich einigte man sich friedlich und legte somit unbewusst den Grundstein für die spätere Allianz.

Diesem Bündnis gegenüber standen die aufgrund ihrer zentralen Lage so genannten Mittelmächte. Zu den verbündeten Deutschen Reich und ÖsterreichUngarn gesellten sich später das Osmanische Reich sowie Bulgarien. Der 1879 zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn geschlossene Zweibund diente beiden Parteien hauptsächlich als Absicherung von einem Überfall durch das russische Zarenreich.3

Die von Bismarck gefürchtete Annäherung Russlands an Frankreich wurde durch die Politik von Wilhelm II. gefördert und resultierte in der Triple Entente. Wilhelm II war maßgeblich für die zwischen den Großmächten auftretenden Spannungen mitverantwortlich.

Zwar war das Deutsche Reich mit seiner Flotte zu keiner Zeit ein äquivalenter

Gegner für die englische Flotte [Tabelle 1], jedoch allein die Absicht führte zu Misstrauen gegenüber der deutschen Politik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bau der Großkampfschiffe (Dreadnoughts) 1905 - 19134

In der Tat wurde kein anderer militärischer Bereich ähnlich stark gefördert wie die Flotte, die auch als Wilhelms „liebstes Spielzeug“ bezeichnet wurde. Nach der Gründung des Deutschen Flottenvereins zur Begeisterungssteigerung der Bevölkerung für die Flotte versuchte Staatsekretär Tirpitz die finanzielle Kontrolle der Flotte direkt dem Kaiser zu unterstellen. Von der Flottenbegeisterung des Kaisers erhoffte er sich einen weiterhin starken Ausbau der deutschen Marine. Wie in Tabelle 1 zu sehen, erfolgte der erste Bau von Großkampfschiffen, so genannten Dreadnoughts, 1905 in England. Da diese übermächtigen Schiffe den militärischen Wert bereits vorhandener Schiffe verringerten, erfolgte ein neuerliches Wettrüsten. Nach 1909 war jedoch der Vorsprung Großbritanniens wiederhergestellt. Die massiven Investitionen in die Flotte sollten sich für Deutschland im Krieg als kaum gerechtfertigt herausstellen.

Die verfehlte Flottenpolitik kann auch sinnbildlich für die gesamte Diplomatie Deutschlands zur Jahrhundertwende betrachtet werden, getrieben durch Selbstüberschätzung und Arroganz isolierte sich Deutschland in Europa und baute ein Feld der Spannung auf.

Vor dem Beginn des Krieges befand sich die Entente-Koalition in einer besseren Ausgangslage als die Mittelmächte. Auch durch die deutliche Überzahl an Kolonien konnten Großbritannien und Frankreich auf mehr Soldaten und Rohstoffe zugreifen.

Schließlich kam es im spannungsgeladenen Europa am 28. Juni 1914 zum Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo. Diesem Ereignis wird eine Auslöserfunktion zugeschrieben; inwiefern Geheimdienste den serbischen Attentäter unterstützen ist umstritten.5 Nach dem Ablauf eines von Österreich-Ungarn gestelltem Ultimatum, welches Serbien zu Aktionen gegen Österreichs Gegner im Land und weitere Schritte aufforderte, befand Österreich-Ungarn die von Serbien eingeleiteten Maßnahmen als ungenügend. Nach Drohungen und Mobilmachungen beiderseits sprach sich Russland zur militärischen Unterstützung Serbiens aus. Eine von England, Russland und dem Deutschen Reich vorgeschlagene Botschafterkonferenz erfolgte nicht.

Der Erste Weltkrieg begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 25. Juli 1914. Russland machte gegen Österreich mobil, was die Kriegserklärung Deutschland gegen Russland am 1. August nach sich zog. Am 3. August 1914 erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands gegen Frankreich. England erklärte Deutschland den Krieg am 4. August 1914, nachdem Deutschland bereits am 3. August in Belgien einmarschiert war.6

Das Attentat von Sarajevo war letztendlich nur ein Funke, der eine durch Militarismus, Nationalismus und Imperialismus geschaffene explosive Situation entzündete.

Der von Deutschland umgesetzte Schlieffen-Plan sollte die Brisanz eines ZweiFronten-Krieges entschärfen, indem an der Ostfront die Stellungen lediglich gehalten werden sollten, während Frankreich mit aller Macht erobert werden sollte. Jedoch entwickelte sich an der so genannten Westfront ein erbitterter Stellungskrieg; geringe Raumgewinne mussten mit starkem Materialeinsatz und hohen Verlusten an Soldaten bezahlt werden.

Im Vorfeld des Krieges wurde der Wirtschaft im Kriegsfall nur geringe Aufmerksamkeit gewidmet. Zum einen ging man von einer sehr kurzen Kriegsdauer aus, zum anderen rechnete man mit hoher Rohstoffbeute in besetzten Gebieten.

Im Gegensatz zu früheren Kriegen hatte der Erste Weltkrieg starke wirtschaftliche und soziale Auswirkungen auf Deutschland. In den ersten Kriegsjahren fehlten vor allem Arbeiter in der Landwirtschaft, im Laufe des Krieges fehlte es vor allem an Nahrung sowie Rohmaterial und Arbeitskraft. Fast die gesamte deutsche Wirtschaft diente letztlich dem Militär. Durch die hohen Kosten des Krieges, die durch den normalen Staatshaushalt nicht gedeckt werden konnten, war eine Inflation unausweichlich. Durch die Zwangsbewirtschaftung während des Krieges konnten die Folgen jedoch gemildert werden. Gerade Deutschland nutzte die Möglichkeit, mithilfe von Propaganda und dem Appell an den Patriotismus Kriegsanleihen auszugeben. Schwer getroffen wurde die deutsche Wirtschaft außerdem von der englischen Seeblockade. Besonders die Stickstoffversuchung für die Sprengstoffproduktion war in Gefahr. Nur mit Hilfe von Beschlagnahmungen in der Privatwirtschaft konnte die neu gegründete Kriegsrohstoffabteilung die Kriegsproduktion aufrechterhalten. Durch die Blockade unter Druck gesetzt erfolgten große Anstrengungen, von Importen unabhängiger zu werden. Neben Forschung im Chemiebereich wie dem Haber-Bosch-Verfahren zur Gewinnung von Salpeter aus Luftstickstoff erfolgte eine staatliche Regelung der Chemiekonzerne. Auch die Preise für kriegsrelevante Rohstoffe und Produkte wurden staatlich kontrolliert, was in der Wirtschaft auf heftigen Widerstand stieß.7 Bereits 1914 war Deutschland auf Lebensmittelimporte angewiesen, mit dem Mangel an Arbeitskräften, Zugtieren und Düngemittel verschlechterte sich die Ernährungslage während des Krieges schnell. Bereits im März 1915 wurden Brotmarken eingeführt, Mai 1916 Fleischmarken. Im Winter 1916/17 kam dazu eine schlechte Kartoffelernte, der Begriff Steckrübenwinter ergab sich durch die Verpflegung großer Teile der Bevölkerung in Suppenküchen mit Steckrüben. Die Rationierung von Lebensmitteln durch den Staat zog einen florierenden Schwarzhandel nach sich.

Durch den Stellungskrieg an der Westfront und den damit verbundenen Kosten an Material stiegen die Kriegskosten stark an. Ab 1916 konnten Steuern und Anleihen den Haushalt nicht mehr decken. Mit den Drucken neuen Geldes zur Kriegsfinanzierung wurde eine Inflation ausgelöst, die schließlich 1917 in eine galoppierende Inflation überging.

2.2.Das letzte Kriegsjahr

Bereits 1917 wurde ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den Mittelmächten und dem Russischen Reich geschlossen, 1918 wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk unterzeichnet. Russland verzichtete auf Ansprüche in Polen und im Baltikum. Für Deutschland fiel die zweite Front weg. Durch den Kriegseintritt der USA allerdings konnte das Deutsche Reich keinen Nutzen aus dem Wegfall der Ostfront ziehen. Seit dem Kriegseintritt der USA arbeitete die Zeit gegen Deutschland und seine Verbündeten.8

Am 21. März 1918 überwand die deutsche Offensive die englischen Linien an der Somme und erreichte einen Geländegewinn von über 50 km. Im Oktober 1917 konnte bereits an der italienischen Front einen Geländegewinn von 110 km erreicht werden. Der amerikanische Nachschub traf nur schleppend in Frankreich ein und war zum Teil schlecht ausgebildet. Weiterhin musste Frankreich 1917 krisenhafte Monate hinnehmen, ausgelöst durch Streiks, Meutereien, Instabilität der Regierung und pazifistische Strömungen in der Bevölkerung.9

Nach der deutschen Offensive vom März 1918 ging man an der Westfront im April wieder zum Stellungskrieg über. Bereits am 18. Juli konnten die Alliierten durch die immer stärker werdende amerikanische Unterstützung zur Gegenoffensive übergehen. Das an Soldatenzahl weit unterlegene deutsche Heer musste langsam aber stetig zurückweichen. Im November 1918 befand sich nur ein kleiner Teil Nordostfrankreichs sowie die Hälfte Belgiens in deutscher Hand. Das die Alliierten Deutschland nur langsam zurückdrängen konnten und ihn bis zuletzt kein entscheidender Durchbruch gelang, festigte später die so genannte Dolchstoßlegende.

Bereits am 18. Januar 1918 legte der amerikanische Präsident Wilson im amerikanischen Kongress sein Friedensprogramm vor. Darin forderte er:10

1. DieÖffentlichkeit aller internationalen Verhandlungen,
2. Die Freiheit der Meere in Krieg und Frieden,
3. Die Beseitigung von Handelsschranken,
4. Internationale Abrüstung und Rüstungsbegrenzung,
5. Die freie und unparteiische Ordnung der kolonialen Ansprüche unterBerücksichtigung der Interessen der Kolonialvölker,
6. Die Räumung der besetzten russischen Gebiete,
7. Räumung und Wiederherstellung Belgiens,
8. Räumung und Wiederherstellung Frankreichs einschließlich Elsaß-Lothringens,
9. Eine Berichtigung der Grenzen Italiens,
10. Die autonome Entwicklung für die Völker der Donaumonarchie,
11. Räumung Rumäniens, Serbiens und Montenegros sowie freien Zugang zum Meer für Serbien,
12. Die autonome Entwicklung für die unter türkischer Herrschaft stehendenNationalitäten undÖffnung der Sardanellen für die internationale Schifffahrt,
13. Die Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates mit einem freien Zugangzum Meer,
14. Die Bildung eines allgemeinen Verbandes der Nationen, um die gegenseitigenGarantien der politischen Unabhängigkeit und der territorialen Integration fürgroße und kleine Staaten gleichermaßen zu gewährleisten.

Hindenburg und Ludendorff verlangten am 29. September 1918 die Ausarbeitung eines Waffenstillstandsangebots. Der neue Reichskanzler Max von Baden unterbreitete den Alliierten am 4. Oktober ein entsprechendes Angebot auf der Grundlage der 14 Punkte von Wilson. Trotz der Waffenstillstandsbemühungen wurde der deutschen Flotte am 29. Oktober das Auslaufen zu einer letzten Schlacht befohlen. Aufgrund dieses aussichtslosen Unterfangens kam es zum Matrosenaufstand, der sich innerhalb weniger Tage zur Novemberrevolution entwickelte.

[...]


1 Schulz-Hageleit, Peter: „Leben in Deutschland 1900 - 1950“ S.29.

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Triple-Entente, gesehen am 10.06.2007.

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmächte, gesehen am 10.06.2007.

4 Görtemaker, Manfred: „Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien“ S. 370.

5 http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg, gesehen am 13.06.2007.

6 Görtemaker S.373.

7 http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg, gesehen am 13.06.2007.

8 Kolb, Eberhard: „Der Frieden von Versailles“ S.12

9 Kolb S.13

10 Koch, Hans-Jörg: „Der 9. November in der deutschen Geschichte“ S.18.

Details

Seiten
33
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638895767
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85214
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1,3
Schlagworte
Auswirkungen Ersten Weltkrieges Wirtschaft Bevölkerung Deutschland Studium Generale

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