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Einfluss der Peer Group auf die Sozialisation in der mittleren Kindheit

Hausarbeit 2004 17 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Aspekte
2.1. Peer Group
2.2. mittlere Kindheit
2.3. Sozialisation

3. Merkmale der Einzigartigkeit der Beziehungen in der Peer Group
3.1. Das Modell der Schüler-Schüler-Interaktion nach Hans PETILLON
3.2. Die symmetrische Beziehung
3.3. Die reziproke Beziehung

4. Mögliche Funktionen der Interaktion in der Peer Group
4.1. Auf- und Ausbau von sozialer Kompetenzen
4.2. Erweiterung des Verhaltensrepertoires
4.3. Verbessertes Selbstmanagement
4.4. Internalisieren bestehender Regeln, Werten und Normen, sowie Entwicklung eigener Vorstellungen von Regeln

5. Freundschaften

6. Mögliche Folgen der Ablehnung durch die Peer Group

7. Resumé

1. Einleitung

Neben den Eltern, der Schule und dem Berufseintritt wird der Peer Group eine hohe sozialisatorische Bedeutung zugesprochen. Durch die zunehmende Wegentwicklung von der traditionellen Kernfamilie dürfte die Bedeutung der Peer Group für die Kinder in der mittleren Kindheit wohl noch weiter angestiegen sein, da mehr Zeit mit den Gleichaltrigen und weniger Zeit mit den Eltern verbracht wird. Worin die Bedeutung der Peer Group für die Kinder liegen könnte, ist Thema meiner Hausarbeit.

Dazu werde ich zu Beginn, die verwendeten Begriffe definieren und die Besonderheiten der Peer Beziehungen klären.

Im Hauptteil der Hausarbeit (Punkt 4. bis 6.) stelle ich zunächst mögliche aus der Literatur zusammengetragene Funktionen der Peer Group nach 4 Oberbegriffen gegliedert vor. Einen besonderen Teil der Peer Beziehungen machen die Freundschaften aus, denen auch besondere Funktionen zugeschrieben werden, welche ich in Punkt 5 kurz erörtern möchte.

Während Punkt 4 und 5 sich mit den positiven Aspekten der Peer Beziehung beschäftigt, wendet sich Punkt 6 den misslungenen Peer Beziehungen und deren möglichen Folgen zu. In Punkt 7 ziehe ich das Resumé aus meiner Beschäftigung mit den Peer Beziehungen.

2. Definitorische Aspekte

Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich die Bedeutung der verwendeten Begriffe, die je nach Blickwinkel unterschiedlich akzentuiert verwendet werden können, klären, um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden.

2.1. Peer Group

Die wörtliche deutsche Übersetzung des englischen Begriffs „Peer Group“ (Gruppe Gleicher) spiegelt nur unzureichend die Facetten, die die Beziehung unter „peers“ ausmachen.

Mit der Peer Group ist die Gruppe der Kinder und Jugendlichen gemeint, die sich nicht lediglich aufgrund ihres Alters, sondern auch hinsichtlich ihres sozialen Status und ihres Entwicklungsstandes gleichen. Die Mitglieder der Peer Group sind einander -die Hierarchie in der Peer Group außer acht lassend- ebenbürtig und akzeptieren sich als gleichberechtigte Interaktionspartner.

Nach HURRELMANN charakterisiert sich die Peer Group dadurch, „dass sie ihren Mitgliedern gruppenbezogen vollwertige Teilnahmechancen gewähren und damit eine Erfahrung in einem als relevant empfundenen sozialen Raum gestatten, die ihnen in anderen gesellschaftlichen Handlungsbereichen verwehrt bleibt“ (HURRELMANN, 1995, S. 152).

Das Mitglied einer Peer Group ist dennoch von einem Freund zu unterscheiden, da Freundschaften eine besondere Form von Peer-Beziehung darstellen. Zu den Besonderheiten der Freundschaft werde ich unter Punkt 6. kurz eingehen.

Im folgenden Text soll der Begriff der Gleichaltrigen synonym zur Peer Group gebraucht werden, auch wenn dabei die weiteren Faktoren Status und Entwicklungsstand vernachlässigt werden.

2.2. mittlere Kindheit

Als mittlere Kindheit wird oft die Zeit zwischen dem 7. Lebensjahr und der Pubertät bezeichnet. Diese Zeit erscheint für die Sozialisation durch die Peer Group besonders relevant, da die Gleichaltrigen ab der Einschulung einen hohen Stellenwert im Leben der Kinder erhalten. Zwar sind die meisten Kinder bereits im Kindergarten oder ähnlichen Einrichtungen mit einer Gruppe Gleichaltriger konfrontiert, doch erhält die Peer Beziehung in der Schule eine neue Qualität, da hier die Gruppe zum ersten Mal auch ohne betreuende Erwachsene zusammentrifft.

Die mittlere Kindheit entspricht ferner etwa der 3. Stufe in dem Stufenmodell der Intelligenz-Entwicklung nach Jean PIAGET. In dieser Stufe der „konkreten Operation“ erschließt sich durch die Peer Beziehungen eine neue soziale Welt für die Kinder, in der sie gezwungen werden, ihren Egozentrismus, der sich durch impulsive Handlungen ausdrückt, zu Gunsten von überlegtem Handeln aufzugeben.

„Doch eine Überlegung ist nichts anderes als eine Diskussion, die man so führt, als ob man sie mit Gesprächspartnern oder realen, äußeren Gegenspielern abhalten würde.“ (PIAGET, 1972, zitiert nach KOHN, 1996, S. 170)

2.3. Sozialisation

Der Begriff der Sozialisation wird als lebenslanger Prozess verstanden, der laut HURRELMANN wie folgt definiert werden kann: „Sozialisation bezeichnet den Prozess der Entwicklung der Persönlichkeit in produktiver Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen (der „inneren Realität“) und mit der sozialen und physikalischen Umwelt (der „äußeren Realität“) (HURRELMANN, 2002, S. 7). Als Ziel einer erfolgreichen Sozialisation kann demnach ein selbstbewusster, sozial handlungsfähiger Erwachsener angenommen werden, der trotz Anpassung an die Werte und Normen der Gesellschaft seine Identität bewahrt.

3. Merkmale der Einzigartigkeit der Beziehungen in der Peer Group

Um beurteilen zu können, inwiefern die Peer-Beziehungen zur Sozialisation beitragen, ist zunächst die Frage entscheidend, was die Besonderheit der Peer Group im Gegensatz zu den in den anderen Sozialisationsinstanzen vorherrschenden Beziehungsstrukturen ausmacht.

3.1. Das Modell der Schüler-Schüler-Interaktion nach Hans PETILLON

Das Schüler-Schüler-Interaktionsmodell nach PETILLON macht deutlich, dass eine erfolgreiche Interaktion in der Peer Group mit sozialer Kompetenz verbunden ist, da die Persönlichkeit und die Beziehung beider Interaktionspartner auf das Verhalten und die Kommunikation einwirken. Auf der Basis des Symbolischen Interaktionismus konkretisiert PETILLON folgende Einflussfaktoren auf die Entscheidung, welches Verhalten von Schülern als angemessen erachtet wird:

- die persönlichen bisherigen Erfahrungen des Schülers in Elternhaus und Schule,
- die Voreinstellungen zu sich selbst,
- die „gegenwärtigen Sozialbeziehungen“ und
- die „objektivierten Einflüssen“ durch Fernsehen, Mode und Zeitschriften.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638003056
ISBN (Buch)
9783640922123
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85232
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Soziologisches Institut
Note
2.0
Schlagworte
Einfluss Peer Group Sozialisation Kindheit

Autor

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Titel: Einfluss der Peer Group auf die Sozialisation in der mittleren Kindheit