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Dropout, Quereinstieg und Wiedereinstieg im Leistungssport

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 30 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Schlagwort „Talentbewahrung“

2. Dropout
2.1 Gründe für ein Dropout
2.1.1 Belastungen durch Schule/Beruf
2.1.2 Verletzungen
2.1.3 Fehlende Freizeit
2.1.4 Konflikte im sportlichen Umfeld
2.1.5 Fehlende Unterstützung durch die Familie
2.1.6 Lustlosigkeit und Motivationsprobleme
2.1.7 Soziale/ geografische Mobilität Kritik am Leistungssport

3. Entscheidungsprozess Dropout
3.1 Bewältigung des Karriereabbruchs
3.2 Orientierung nach dem Dropout

4. Lösungsvorschläge und Vermeidbarkeit von Dropout
4.1 Massnahmen der Olympiastützpunkte

5. Quereinstieg
5.1 Gründe für einen Quereinstieg

6. Wiedereinstieg
6.1 Gründe für einen Wiedereinstieg

7. Schlussbemerkung
7.1 Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Leistungssport hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt.

Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Unter anderem liegen die Verbesserungen in der Tatsache, dass sich der Leistungssport zu einem eigenständigen Lebensbereich entwickelt hat, der die Athleten beinahe vollkommen in Anspruch nimmt.

Es zeigt sich, dass der Spitzensport heutzutage keine Nebensache mehr ist. Eine leistungssportliche Karriere bedarf daher auch eines langen, gezielten Aufbaus.

Der Spitzensport ist jedoch auch gekennzeichnet durch steigende Belastungen in anderen vielfältigen Bereichen. Die Leistungssportler befinden sich in einem Netz sozialer Beziehungen und Strukturen, die ebenfalls Ansprüche an die Athleten stellen. Einerseits stellt das Sportsystem vielfältige Aufgaben, die zu koordinieren sind, andererseits treffen Forderungen seiten der Schule, Beruf, Familie, Partner, Peer-group, Freizeit und Öffentlichkeit auf den Athleten.

So können Mehrfachbelastungen entstehen, die vor allem bei jungen Leistungs-sportlern zwangsweise zu Koordinierungsproblemen und Konflikten führen.

Folgende Ausarbeitung entstand im Rahmen des Hauptseminars „Das Jahr des Talents 2002 in Baden-Württemberg“ und beschäftigt sich vorwiegend mit dem Problem der Karrierebeendigung (Dropout) von Jugendleistungssportlern.

Bei der Literaturrecherche fiel auf, dass bezüglich des Dropouts verschiedene Begriffsdefinitionen zu finden sind.

Je nach Autor und Untersuchung wird anstatt des Anglizimus „Dropout“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Dropout, Quereinstieg oder Wiedereinstieg kann sich sowohl auf die Ebene des Freizeit- und Breitensports, wie auch auf die hochleistungssportlichen Ebene beziehen.

1.1 Schlagwort „Talentbewahrung“

Eine hochleistungssportliche Karriere ist stets auf eine begrenzte Zeitdauer angelegt. Woran liegt es aber, dass viele der mehr oder weniger talentierten Kinder- und Jugendlichen den Leistungssport beenden, bevor sie ihren Leistungshöhepunkt erreicht haben?

Ein nicht geringer Analyseaufwand wurde in den letzten Jahrzehnten betrieben, um die Dropout-Raten, die im Rahmen der Talentförderung und des leistungssportlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen zu beobachten sind, zu erklären.

Der Begriff „Talentbewahrung“ wurde zum zentralen Schlagwort erklärt.

Die sogenannten „Talentverluste“ sind gross, was alle Analysergebnisse zeigen. Je nach Erfassungskriterium und Wissenschaftsmethode werden Prozentraten zwischen 90% und 50% als Talentschwund beziffert, welches verschiedene Studien zeigen.

(s. Kap. 7.1) zum Beispiel:

Andresen/ Kröger: (1979-1984)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Holz: (1978-1985)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gabler: (1969 – 1975)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Dropout

Prinzipiell ist es möglich, den Rückzug aus dem Spitzensport aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen.

Dropouts werden im Folgenden definiert, als diejenigen Athleten, die ihre leistungssportliche Karriere vorzeitig, d.h. vor Erreichen ihres mutmasslichen Höhepunktes beendet haben.“

(Bussmann 1995)

Einige Autoren sprechen bei Dropout auch von einem Rücktritt, wenn in einem bestimmten Alter der Leistungszenit überschritten wurde (Retierement). Da die Probematik aber von Kindern- und Jugendliche im Leistungssport handelt, ist hier nur das Phänomen des vorzeitigen Dropouts relevant.

Ich möchte darauf hinweisen, dass für diese Arbeit im gesamten Kontext ein Dropout als ein unwideruflicher Ausstieg aus dem Leistungssport in einer Sportart betrachtet wird.

Bussmann (1995) sieht durch die derzeitige Entwicklung im Leistungssport weiterhin steigende Dropout-Quoten in den nächsten Jahren. Der Spitzensport ist gekennzeichnet durch weiterhin steigende Belastungen in vielfältigen Bereichen, so z.B. steigende physische Belastungen durch Erweiterung des Trainingsumfangs und -intensität sowie wachsende Anforderungen im psychischen und sozialen Bereich.

Die „Zweigleisigkeit“ der leistungssportlichen und schulisch/ beruflichen Entwicklung ist so nicht mehr realisierbar wie dies noch vor wenigen Jahren möglich war.

„Der Leistungssport ist zu einem komplexen Bedingungsgefüge herangewachsen und entsprechend komplex sind auch die Dropout-Gründe“. (Bussmann 1995)

2.1. Ursachen

Woran könnte es liegen, dass viele hoffnungsvolle Jungtalente unter das Phänomen Dropout fallen? Welche Faktoren begünstigen einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Leistungssport?

Die Literaturrecherche zeigt, dass es nicht den einen Hauptgrund für einen Karriereabbruch gibt, sondern dass jeweils eine Kombination von Faktoren vorliegt, die letztendlich zu einem Dropout führt.

Was letztlich als Entscheidung des Karrierebeenders artikuliert wird, muss demnach auf den Hintergrund des Lebenskontextes des Sportlers bezogen werden.

Das Dropout - Phänomen ist nur multikausal zu verstehen, wobei sowohl internale als auch externale Faktoren aus Sicht der Athleten wirken können.

Einige belastende Faktoren, die einen vorzeitigen Abbruch begünstigen können, treffen jedoch im Prinzip auf alle Athleten/- innen zu, somit auch auf die Aktiven.

Bei den Dropouts wirken sie offenbar in Kombination mit anderen ungünstigen Faktoren. Es ist davon auszugehen, das sich die subjektive Einschätzung von Belastungen und deren Bewältigung zwischen Dropouts und Aktiven unterscheidet. (Bussmann 1995, S12 ff)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.1 Externale Faktoren: Belastungen durch Schule/ Beruf

Grundsätzlich haben Leistungssportler im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einen höheren Bildungsstand. So haben immerhin 51% der A- und B- Kader Athleten von 1986/87 Abitur gemacht. (Bussmann 1995)

Die Grundlagenarbeit für die spätere Berufslaufbahn findet in vielen Sportarten in einer Lebensphase statt, in der zugleich hohe Aufwendungen im Leistungssport notwendig sind. Die optimale leistungssportliche Trainings– und Höchstleistungszeit fällt somit vielfach mit den schulischen/ beruflichen Ausbildungen, dem Studium oder Berufseinstieg zusammen.

Die Doppelbelastung von Schule und Berufsausbildung und Leistungssport stellt für die Sportler ein grosses Problem dar:

Die Aufgaben die an die Athleten gestellt werden sind immer schwieriger aufeinander abzustimmen, so dass es letztendlich zu Koordinierungsproblemen und Konflikten kommen kann.

Der häufigste Grund für einen Karriereabbruch ist daher das Zeitproblem in der Koordination von Schule/ Beruf/ Sport. Die Parallelität der leistungssportlichen und schulischen Anforderungen ist nicht mehr in dem Masse realisierbar, wie sie es noch vor wenigen Jahren war. Die Jugendlichen sind gezwungen, Prioritäten zu setzen: Wer sich nicht bedingungslos für den Sport entscheidet, dürfte dem Sport verloren gehen, da sich in den wenigen Jahren der Höchstleistungszeit kaum ein Sportler eine Trainingsunterbrechung leisten kann.

Bei Vergleichen von Karrierebeendern gegenüber Karrierefortsetzern fallen besonders folgende Unterschiede auf:

- besitzen eher kein Gymnasiumsabschluss
- stehen schon früher in der Berufsausbildung
- haben weniger anspruchsvolle Berufsziele
- erfahren weniger Unterstützung vom Arbeitgeber oder von der Schule.

2.1.2 Externale Faktoren: Verletzungen

Verletzungen, in Kombination mit der daraus resultierenden Leistungsstagnation können ein vorzeitiges Karriereende bedingen. Bei den Sportart- und trainingsspezifischen Verletzungen zeigt sich eine Komplexität von vielfältigen Variationen im Ursachengefüge. Empirische Untersuchungen (z.B. Andresen/ Kröger 1980) zeigen, dass die Ursachen für hohe Verletzungsquoten u.a. in der Trainingsmethodik, der Trainingsorganisation oder durch innere Ursachen zu erklären sind.

Verletzungen durch Fehler in der Trainingsmethodik machen sich z.B. durch zu frühe Spezialisierung im Kindesalter, durch einseitige Konditionsausbildung oder ungenügende Aufwärmprogramme bemerkbar.

Verletzungen in der Trainingsorganisation können beispielsweise durch falsche Boden-beschaffenheit oder fehlerhafte Trainingsmaterialien auftreten.

Mit inneren Ursachen sind sensomotorische Fehlregulationen, Stoffwechselstörungen oder hormonelle Störungen gemeint.

Biochemische Untersuchungen an jugendlichen Leistungssportlerinnen zeigten beispielsweise, dass durch jedes Jahr Leistungssport vor der Pupertät der Zeitpunkt der ersten Regelblutung verzögert wird. Dadurch kann es im weiteren Verlauf des Leistungssportlichen Engagements zu erhebliche Zyklusstörungen kommen. Damit einhergehend entstehen Probleme in der Knochenfestigkeit, wodurch es wiederum im späteren Verlauf zu Ermüdungsfrakturen und Gelenkstraumen kommen kann.

(Mayer 1995, S156 ff)

Bei Vergleichen von Karrierebeendern gegenüber Karrierefortsetzern fallen besonders folgende Unterschiede auf:

- Anzahl und Schwere der Verletzungen ist höher
- mehr chronische Verletzungen
- die sportmedizinische Betreuung im Verein und Verband ist deutlich schlechter.

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Details

Seiten
30
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638154789
Dateigröße
774 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8528
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Sport und Sportwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Dropout Quereinstieg Wiedereinstieg Leistungssport Leistungsport Jahr Talents Baden-Württemberg

Autor

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Titel: Dropout, Quereinstieg und Wiedereinstieg im Leistungssport