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Soziales Lernen im Projektunterricht in Bezug zur Schul- und Unterrichtsentwicklung

Hausarbeit 2006 22 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziales Lernen
2.1 Psychologische Sichtweisen
2.2 Sozialpädagogische Sichtweisen
2.3 Ziele des Sozialen Lernens

3. Projektunterricht
3.1 Projektmerkmale
3.2 Projektphasen

4. Schulentwicklung – Unterrichtsentwicklung

5. Unterrichtseinheit: Projektunterricht gesunde Ernährung

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturangabe

1. Einleitung

Im Bildungsplan der Grundschule (2004) in Baden – Württemberg stehen die Kompetenzen des sozialen Lernens z. B. im Fächerverbund unter der Rubrik „Menschliches Leben – ich- du- wir: Zusammenleben miteinander gestalten, voneinander lernen.“[1]

Der Bildungsplan beschreibt das soziale Lernen als Kompetenz im Zusammenleben mit anderen. Da aber soziales Lernen nur im Umgang und der Auseinandersetzung mit anderen geschehen kann, muss soziales Lernen im Unterricht konkret handelnd erfahren werden. Sehr gut gelingt dies im Projektunterricht. Projektunterricht deshalb, weil er zum einen in der Grundschule als Unterrichtsform gilt und ein bestimmtes Ziel hat, zum anderen weil er den Unterricht selbst zum Gegenstand macht – er also einen Doppelcharakter hat.

Da es bislang noch keine klare Definition für den Projektunterricht gibt, ist es schwer zu entscheiden, wann konkret ein Projektunterricht vorliegt. Daher wird in der Literatur oftmals von projektorientiertem Unterricht oder der Projektmethode gesprochen.

Der hier vorliegende Text wird anfänglich auf den Begriff soziales Lernen eingehen und ihn versuchen zu definieren. Anschließend wird der Projektunterricht beleuchtet.

Als vierter Punkt wird die Schul– und Unterrichtsentwicklung kurz erklärt, bevor eine Unterrichtseinheit „gesunde Ernährung“ am Beispiel des Projektunterrichts anschaulich beschrieben wird.

2. Soziales Lernen

In diesem Abschnitt wird Soziales Lernen zunächst aus dem Blickwinkel der Psychologie und anschließend aus dem der Sozialpädagogik erläutert. Abschließen wird auf die Ziele des Sozialen Lernens eingegangen.

2.1 Psychologische Sichtweisen

Maßgeblich wurde dieser Begriff von Julian B. Rotter in der Psychologie geprägt. Von Bedeutung waren die Forschungen von A. Banduras zum Modelllernen im Zuge der Sozial-Kognitiven Lerntheorie. Die beiden Theoretiker stimmen in dem Punkt überein, dass sich das menschliche Verhalten weder durch äußere Reize[2] noch durch Kognitive Prädispositionen[3] bestimmt lassen, sondern nur durch die Interaktion von Situationen (äußeren Reizen) und Personen. Diese Haltung wird gemeinhin als Interaktionismus bezeichnet.

2.2 Sozialpädagogische Sichtweisen

Hier stellt das soziale Lernen eine moderne Form der Erziehung und des Erwerbs sozialer Kompetenzen dar, welcher sich ausschließlich oder maßgeblich in einer sozialen Gruppe vollziehen kann. Dabei ist hier der Begriff Gruppendynamik und deren Mechanismen wichtig. In der Sozialpädagogik wird Soziales Lernen als eine Form zur Überwindung hierarchischen, nur an Erfahrungen geknüpftes Lernen verstanden und soll helfen, ein individuelles Demokratiebewusstsein zu entwickeln und im Endeffekt auch bei der Gestaltung der Gesellschaft dienlich sein. Hierbei wird vor allem auf die Ausprägung von Vernunft, Ethik und Zivilcourage – also den allgemeinen Werten – wertgelegt. Handlungskompetenz wird heute aufgeschlüsselt in Sach-, Methoden-, Personal- und Sozialkompetenz. Konkret wird beim sozialen Lernen die Entwicklung von eigenen individuellen emotionalen als auch praktischen Kompetenzen und die Eigenwahrnehmung gefördert, sowie die Akzeptanz des Anderen mit dessen individuellen Kompetenzen und Grenzen.

Soziales Lernen ist keine Methode, die am Ende des Jugendalters beendet ist, sondern ein lebensbegleitender Lernprozess, der flexibel gestaltet wird, um auf neue Bedingungen zu reagieren. Allerdings stellt soziales Lernen eine Grundeinstellung dar, die möglichst früh gefördert werden sollte[4]. Soziales Lernen schließt verschiedene Inhalte der Emotionalen Intelligenz mit ein, die mittlerweile schon in jeder Berufssparte als Schlüsselqualifikationen gelten.

Soziales Lernen kann nicht selbstständig durch einzelne willige Pädagogen realisiert werden und gelingen, sondern muss Schritt für Schritt gezielt und konsequent vom ganzen Team (Schule, Klassengemeinschaft, Familie …) gewollt und realisiert werden[5]. Als Einzelkämpfer hat kaum ein Pädagoge eine Chance. Dass Soziales Lernen an vielen deutschen Schulen immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist von der Sache her nur zu begrüßen. Wenn dieses von Sozialpädagogen und Erzieherinnen gezielt durchgesetzt werden kann, wie beispielsweise an vielen Berliner Schulen, kann es zum Glückstreffer werden, wenn alle Pädagogen dahinter stehen (würden).

2.3 Ziele des Sozialen Lernens

In der Vergangenheit wurde in verschiedenen Projekten der Versuch unternommen, soziales Lernen durch z. B. Trainingsprogramme zu fördern. Beispielsweise das breit angelegte Förderprogramm Child Development Programm (vgl. Krapp 2001, S. 399) . Dies sollte die prosoziale Entwicklung in folgenden Bereichen anregen:

- Anderen Hilfe geben
- Werte, wie Fairness, Rücksicht, Verantwortung schätzen lernen
- Verständnis für andere Menschen entwickeln
- Konflikte gemeinsam lösen lernen
- Die Fähigkeit soziale Kompetenzen zu erlangen um kooperatives Lernen zu ermöglichen

Während es sich bei diesem Ansatz um ein generelles Entwicklungs- und Förderungsprogramm handelt, sind andere Projekte viel stärker auf die Belange und Bedürfnisse des schulischen Lernens ausgerichtet. Dazu gehören vor allem die Konzepte des Lernens in kooperativ arbeitenden Kleingruppen.

Allgemein sollen die Schüler Kompetenzen vor allem in Hinblick auf Emotionale Intelligenz erwerben und ausbauen können.

Der Begriff Emotionale Intelligenz ist durch das gleichnamige Buch des amerikanischen Psychologen Daniel Goleman bekannt und populär geworden. Nach Goleman setzt sich Emotionale Intelligenz aus fünf Teilkonstrukten zusammen:

- Selbstbewusstheit: Fähigkeit eines Menschen, seine Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu akzeptieren und zu verstehen, und die Fähigkeit, deren Wirkung auf andere einzuschätzen
- Selbstmotivation: Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit, sich selbst unabhängig von finanziellen Anreizen oder Status anfeuern zu können
- Selbststeuerung: planvolles Handeln in Bezug auf Zeit und Ressourcen)
- Soziale Kompetenz: Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, gutes Beziehungsmanagement und Netzwerkpflege
- Empathie: Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren

Nicht das bloße Vorhandensein von Gefühlen, Emotionen, Stimmungen und Affekten, sondern der bewusste Umgang mit ihnen machen eine hohe emotionale Intelligenz aus. Darüber hinaus zählen hierzu Eigenschaften wie Vertrauenswürdigkeit und Innovationsfreude oder die Motivationsfähigkeit und das Vermögen, Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen. Dabei werden Befähigungen wie Teamführung, Selbstvertrauen, die Fähigkeit, sich selbst und andere aufzubauen sowie politisches Bewusstsein betrachtet.[6]

[...]


[1] Vgl. Bildungsplan der Grundschule 2004, Kompetenzerwerb

[2] Vgl. Behaviorismus in: Krapp A.: Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. Weinheim: Belz, 2001

[3] Vgl. Kognitionspsychologie in: Krapp A.: Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. Weinheim: Belz, 2001

[4] Vgl. Bildungsplan der Grundschule 2004

[5] Vgl. Gudjons, 1992

[6] Vgl. Behaviorismus in: Krapp A.: Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. Weinheim: Belz, 2001

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638006477
ISBN (Buch)
9783638913195
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85352
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2,0
Schlagworte
Soziales Lernen Projektunterricht Bezug Schul- Emotionale Intelligenz Schulentwicklung Unterrichtsentwicklung

Autor

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