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Mindestlohn als arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Pro und Contra

Seminararbeit 2007 18 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Arbeitsmarkttheorien
2.1 Der neoklassische Arbeitsmarkt
2.2 Keynesianischer Arbeitsmarkt
2.3 Neoklassisches Modell mit veränderter Angebotskurve
2.4 Monopson - Theorie
2.5 Humankapitaltheorie
2.6 Effizienzlohntheorie

3 Mindestlöhne in anderen europäischen Ländern
3.1 Das Angelsächsisches Modell am Beispiel Großbritanniens
3.2 Das Kontinentaleuropäisches Modell am Beispiel Frankreichs

4. Deutschland und der Mindestlohn - Pro und Contra

5 Gewinner und Verlierer

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Marktgleichgewicht und Mindestlohn w2

Abb.2 Neoklassisches Modell mit veränderter Angebotskurve

Abb.3 Monopson und Mindestlohn (w2)

Abb.4 Effizienzlohn w*

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Vorab ist es notwendig eine Definition des Mindestlohnes zu geben:

„Mindestlohn , im engeren Sinn eine gesetzlich, im weiteren Sinn auch eine durch Tarifvertrag festgelegte Untergrenze für den von privaten Unternehmen, öffentlichen und sonstigen Arbeitgebern zu zahlenden Lohn.“[1]

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland ist die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in den letzten Jahren Gegenstand politischer Diskussionen, insbesondere der großen Koalition, geworden. Während die CDU diesem Modell skeptisch gegenübersteht bzw. ablehnt, ist die SPD für eine entsprechende Einführung.

Das Ziel der Befürworter ist ein existenzsichernder Lohn und damit eine Verbesserung der Lage bei den Niedriglohnempfängern.

Die Angst der Gegner, und ein oft genanntes Gegenargument zum Mindestlohn, ist ein Beschäftigungsrückgang, der nach Meinung vieler Ökonomen eintritt, sollte er zu hoch gewählt werden. Ist die Höhe aber zu gering, würde er vielleicht aber keine Auswirkungen haben.

In Deutschland wurde schon in verschiedenen Branchen ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt, so etwa im Baugewerbe und der Gebäudereinigung. Außerdem wirken Firmen- und Flächentarifverträge ähnlich.

Diese Arbeit soll unter arbeitspolitischen Gesichtspunkten die Wirkungen eines Mindestlohnes zeigen. Dazu werden im Folgenden einige Arbeitsmarkttheorien vorgestellt.

2 Arbeitsmarkttheorien

2.1 Der neoklassische Arbeitsmarkt

Die Voraussetzungen für das neoklassische Arbeitsmarktmodell sind mit dem Angebot bzw. der Nachfrage auf dem Gütermarkt vergleichbar. Hier gilt das Prinzip der vollständigen Konkurrenz. Außerdem werden flexible Reallöhne, keine Wettbewerbsbeschränkungen, keine Markteintrittsschranken, vollkommene Information, Vertragsfreiheit und homogene Arbeiter vorausgesetzt.[2]

Im neoklassischen Modell (Abb. 1) ist die Beschäftigungsmenge in Abhängigkeit des Reallohns abgetragen.[3] Arbeitsangebots- (LS) und die Arbeitsnachfragekurve(LD) schneiden sich im Punkt E, der das Arbeitsmarktgleichgewicht beim Markt räumenden Reallohn w­1 und der Beschäftigung L1 darstellt. Dieser Gleichgewichtslohn entspricht dem Wertgrenzprodukt der Arbeit. Es wird bei flexiblen Reallöhnen langfristig immer ein Gleichgewicht erreicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Marktgleichgewicht und Mindestlohn w2

Bei Einführung eines (festen) Mindestlohnes w2, der oberhalb des Gleichgewichtslohnes w1 liegt, ergibt sich ein Angebotsüberschuss, da das Arbeitsangebot die Arbeitsnachfrage übersteigt. Hier ist der Lohn so hoch, dass mehr Arbeiter ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen als die Unternehmen nachfragen.[4] Die Folge wäre, bei rigiden Reallöhnen, eine unfreiwillige Arbeitslosigkeit in Höhe von AÜ(w2)>0. (siehe Abb.1)

Im umgekehrten Fall, ein Reallohn w3 unterhalb des Gleichgewichtslohnes, sind die Folgen offene Stellen, da das Überschussangebot negativ ist. Hier sind die Arbeiter nicht bereit zu diesem niedrigen Lohn zu arbeiten. Die Unternehmen würden sich gegenseitig in der Lohnsetzung überbieten und langfristig wieder bei w1 landen.

Auch ist es möglich, dass ein Mindestlohn so gering angesetzt wird, dass er keine Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt hat.

2.2 Keynesianischer Arbeitsmarkt

1936 wurde das klassische Arbeitsmarktmodell durch das revolutionäre Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money“ von John Maynard Keynes in Frage gestellt. Hauptgrund der neuen Theorie war die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren und der damit verbundene Anstieg der Arbeitslosigkeit. Allein durch die Lohnsetzung konnte dieser nicht mehr erklärt werden.[5]

Keynes erweiterte das neoklassische Modell dadurch, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr isoliert betrachtet wird, sondern auch Güter- und Finanzmarkt eine Rolle spielen. Anders als im neoklassischen Modell wird die Arbeitsnachfrage nicht vom Reallohn, sondern von der Güternachfrage bestimmt. Wenn die Unternehmen ihre Güter nicht absetzen können, werden sie auch nicht mehr produzieren und somit nicht mehr Arbeitskräfte nachfragen. Durch Fiskal- bzw. Geldpolitik kann der Staat aber die Güternachfrage steuern.

Ein weiterer Aspekt war eine neue Interpretation der Löhne. Diese sind nach unten starr (z.B. durch Tarifverträge), d.h., dass sie sich auch bei Arbeitslosigkeit nicht nach unten anpassen. Dies ist eine Darstellung, die der Realität schon näher kommt. Somit kann eine effektive Produktion mit Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt in Konflikt geraten und es entsteht Arbeitslosigkeit, da die Güternachfrage zu gering ist. Reallohnänderungen haben hier keine Auswirkungen. Langfristig anhaltende Arbeitslosigkeit kann somit plausibler erklärt werden.

Wird im keynesianschen Arbeitsmarkt ein Mindestlohn eingeführt, würde es die Kaufkraft der Niedriglohnempfänger und somit auch die Güternachfrage erhöhen. Es wird davon ausgegangen, dass sie ihren Lohn fast komplett in Konsum umwandeln, die Güternachfrage steigt. Dies hätte zur Folge, dass Unternehmen mehr Arbeiter nachfragen, um die Produktion zu steigern. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Auf der anderen Seite könnte eine gestiegene Nachfrage nach Gütern auch die Preise erhöhen und somit den Reallohn senken.

Trotz höherer Nominallöhne ist der Reallohn folglich gleich geblieben.

2.3 Neoklassisches Modell mit veränderter Angebotskurve

Eine weitere Abhandlung des neoklassischen Modells schlug Herr vor.[6]

Seine Annahme war eine veränderte Arbeitsangebotskurve. Der mittlere Teil ist identisch mit der Angebotskurve des neoklassischen Modells. Mit steigendem Reallohn steigt auch hier das Angebot an Arbeit. Es entsteht ein Gleichgewichtslohn (w1) und Markträumung.

Der Unterschied ist im oberen bzw. unteren Teil der Kurve auszumachen. Sinkt der Reallohn auf ein sehr geringes Niveau, steigt der Druck auf die Arbeiter mehr zu arbeiten, um das Existenzminimum zu sichern. Je geringer der Reallohn wird, desto mehr Arbeit wird angeboten. Die Arbeitsangebotskurve knickt ab, verläuft nach rechts unten, schneidet die Arbeitsnachfragekurve und bildet einen weiteren Gleichgewichtspunkt bei w2.

Genau umgekehrt verhält sich das Arbeitsangebot im oberen Teil. Hier knickt die Kurve nach

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Herr, (2002), S. 14

Abb. 2 Neoklassisches Modell mit veränderter Angebotskurve

links ab und bildet das dritte Gleichgewicht (w3). Dies ist die Folge des Freizeiteffektes, der hier überwiegt. Freizeit wird ab einem bestimmten Lohn mehr geschätzt. Somit geht das Arbeitsangebot bei steigendem Reallohn zurück. Freiwillige Arbeitslosigkeit entsteht.

Um zu verhindern, dass der unterste Gleichgewichtslohn (w2) gleichsam einem Armutslohn möglich ist, könnte auch hier ein Mindestlohn zwischen w1 und w2, jedoch näher an w1, eingeführt werden. Die Arbeitslosigkeit wird auch reduziert, wobei ein höherer Reallohn gezahlt wird.[7]

2.4 Monopson - Theorie

In dieser Theorie ist das Unternehmen einziger Nachfrager von Arbeit, wobei das Arbeitsangebot durch viele Arbeiter bestimmt wird. Es besteht ein Nachfragemonopol.[8]

Bei einem nicht diskriminierenden Monopsonisten steigen die Grenzkosten stärker als die Durchschnittskosten. Durch seine Nachfragemacht wählt er einen Lohn unterhalb des Gleichgewichtslohnes dort, wo die Grenzkostenkurve gleich dem Wertgrenzprodukt (VMP) der Arbeit ist (w3). Dies ist die gewinnmaximierende Arbeitermenge L3. Hier fragt der Monopsonist weniger Arbeiter nach als im Gleichgewichtspunkt (w1/L1), was gleichzeitig eine Gewinnerhöhung für ihn bedeutet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Anfertigung

Abb. 3 Monopson und Mindestlohn (w2)

Um die Beschäftigung und das Lohnniveau zu erhöhen, könnte ein Mindestlohn eingeführt werden, der über im gewinnmaximierendem Lohn w3 liegt. Wird der Lohn w2 als Mindestlohn gewählt, hätte dies zur Folge, dass der Zusatzgewinn des Monopsonisten verringert wird.

[...]


[1] Meyers Lexikonverlag (2007)

[2] Vgl. Sesselmeier /Blauermel (1997), S. 47 ff.

[3] Vgl. Wagner/Jahn (2004), S. 32 f.

[4] Vgl. ebd., S. 32

[5] Vgl. Landmann/Jerger (1999), S.67 ff.

[6] Vgl. Herr (2002), S. 13 ff.

[7] Vgl. Herr (2002), S.13 ff.

[8] Vgl. Lachmann (2003), S. 66

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638003476
ISBN (Buch)
9783640325436
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85632
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Professur für Wirtschaftspolitik
Note
1,7
Schlagworte
Contra Mindestlohn Maßnahme

Autor

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