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Vor- und Nachteile der Systemtheorie

Seminararbeit 1997 9 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Systemtheorie

3. Würdigung

4. Kritik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung.

Die »Systemtheorie«1, entwickelt in den 1930/40er Jahren in den USA, ist eine der neueren Theorien in den Sozialwissenschaften. Verbunden wird sie dort z.B. mit den Namen T. Parsons, D. Easton, G.A. Almond oder K.W. Deutsch. In Deutschland sind es seit den 1960er Jahren beispielsweise N. Luhmann, J.C. Alexander oder R. Münch, die sich um die Systemtheorie bemühen2. Zunächst soll der Begriff der Systemtheorie erklärt werden (2.), es folgen Würdigung (3.) und Kritik (4.) sowie ein Fazit des Dargestellten (5.).

2. Begriff der Systemtheorie.

Gegenstand der Systemtheorie ist die formale Beschreibung und Erklärung der strukturellen und funktionalen Eigenschaften von Systemen. »System« wird definiert als Gefüge von interagierenden und interdependenten Elementen. Das »System« wird durch eine Grenze von seiner Umwelt unterschieden3.

Dieser allgemeine Systembegriff wird auf die Politik angewandt und "zu einem Kreislaufmodell erweitert, das die gesellschaftlichen Bedingun­gen politischer Entscheidungen sowie ihre formalen Abläufe und Rück­wirkungen auf die Gesellschaft in den Blickpunkt rückt"4. Die »Akteure« füllen dabei »Rollen« aus, und soweit die Interaktionen und Interdepen­denzen zwischen diesen Rollen eine gewisse Regelmäßigkeit annehmen, spricht man von einer »Struktur«. Hinzu kommt, daß jede »Struktur« innerhalb des Systems eine »Funktion« erfüllt, wobei das Zusammenwirken dieser »Funktionen« das politische System in die Lage versetzt, die Leistungen zu erbringen, die es erbringen soll5.

"Die zentrale Hypothese der funktionalen Systemtheorie lautet: Unabhängig vom Entwicklungsstand der Gesellschaft erfüllt jedes politische System eine Anzahl politischer Funktionen, die universelle Gültigkeit beanspruchen können"6. Die Wechselbeziehungen zwischen politischem System und Gesellschaft werden als input-output-System dargestellt. »Input« sind die Forderungen und Unterstützungen7, die aus der Gesellschaft an das politische System herangetragen werden; »output« sind die Reaktionen des politischen Systems hierauf, sie können wiederum neue »inputs« hervorrufen.8

»Systeme« werden in der Systemtheorie nicht normativ gesetzt, sondern beschrieben und interpretiert. Die Systemtheorie ist aber keine empirisch-analytische Theorie, sondern "eher ein konzeptioneller Bezugsrahmen"9, sie bleibt an und für sich abstrakt.

3. Würdigung.

Die heuristischen Vorteile der Systemtheorie liegen in ihrem theoretischen Erkenntnisinteresse, in ihrer theoretischen Fragestellung nach Funktion und Funktionsweise institutioneller Strukturen. Es geht um eine Zuordnung und den Zusammenhängen von Institutionen und Verfahren zu bestimmten, abstrakt formulierten Funktionen. Die Systemtheorie verweist auf Strategien zur Erklärung dieser Zusammenhänge und bietet dafür einen Bezugsrahmen, aber keine Erklärung an10. "Es dürfte schwerfallen, sich dem überwältigenden Materialreichtum (und) der Neuordnung des Materials unter den Aspekten der Ausdifferenzierung, Komplexitätssteigerung und Selbstreferenz und den daraus sich er­gebenden Frageperspektiven und Fragemöglichkeiten unbeeindruckt zu entziehen"11.

Das instrumentelle Interesse des Vergleichs politischer Systeme liegt in der Frage, welche ähnlichen Probleme in welcher Gesellschaft besser bzw. schlechter gelöst werden. Da unterschiedliche Systeme ihre Probleme und Aufgaben auch unterschiedlich angehen, kann die Entscheidung zur Problemlösung für ein System reversibel und damit austauschbar sein, denn die gewählte Lösung ist nur eine unter vielen möglichen, vielleicht sogar besseren Lösungen. Über systemtheoretischen Ansätze ließen sich eigentlich demokratische Systeme genauso untersuchen wie totalitäre. Das Auffinden einer Lösung für die untersuchten Probleme ist die heuristische Funktion des Vergleichs. Auf theoretischem Wege kann man durch die Analyse und den Vergleich verschiedener politischer Systeme neue Erkenntnisse gewinnen und diese anwenden, um Probleme effizienter zu lösen. Die output-Funktion des politischen Systems kann für die Bevölke­rung befriedigender gestaltet werden, was sich wiederum positiv auf die support-Funktion der Bevölkerung gegenüber dem politischen System auswirkt und somit dieses insgesamt stabilisiert12.

[...]


1 Zumindest Kurt Lenk erklärt explizit, synonym den Begriff des »Funktionalismus« zu verwenden (vgl. Lenk, Kurt: Methodenfragen der politischen Theorie. in: Lieber, Hans-Joachim (Hg.), Politische Theorien von der Antike bis zu Gegenwart. Bundeszentrale f. politische Bildung, Bonn 21993, S. 1006 ff)

2 vgl. Lenk, Kurt (Anm. 1) und Waschkuhn, Arno, Systemtheorie, in: Nohlen, Dieter (Hg.), Wörterbuch Staat und Politik. BpB, Bonn 31995

3 vgl.: Weber, Jürgen, Die Interessengruppen im Politischen System der Bunderepublik Deutschland. Kohlhammer, Stuttgart 1977, S. 49 ff

4 ebd., S. 50

5 vgl. ebd.

6 ebd., S. 50 f. vgl ebd: Es lassen sich acht Funktionen unterscheiden: Interessenartikluation und -aggregation, Regelsetzung, -anwendung und -überwachung, Kommunikation, Personalrekrutierung und politische Sozialisation.

7 »supplies and demands«

8 vgl. Weber, Jürgen (Anm. 3), S. 51

9 Lehner, Franz, Vergleichende Regierungslehre. Leske+Budrich, Opladen 1989, S. 31. ebd. auch zum Unterschied zwischen "empirisch-analytisch" und "konzeptioneller Bezugsrahmen"

10 vgl. ebd., S. 29 ff

11 Bermbach, Udo, Demokratietheorie und Politische Institutionen. Westdeutscher Verlag, Opladen 1991, S. 330

12 vgl. Lehner, Franz (Anm. 9), S. 32 ff

Details

Seiten
9
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783638155038
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8565
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Fak. f. Sozialwissenschaften und Philosopihe - Institut für Politikwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Systemtheorie Gruppentheorie politische Systeme

Autor

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