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Die Nationswerdung der Ainu

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Übersicht

1. Einleitung

2. Definition der ethnischen Gruppe

3. Definition der Nation

4. Entwicklung des Nationalbewusstseins der Ainu
4.1. Japanischer Nationalismus während der Meiji-Restauration
4.2. Die Ainu – eine „sterbende Rasse“
4.3. Ainu-Bewegungen vor dem Zweiten Weltkrieg
4.3.1. Iboshi Hokuto und andere intellektuelle Ainu
4.3.2. Ainu Kyôkai – Die Ainu-Gesellschaft von Hokkaido
4.4. Ainu-Bewegungen in den 60er und 70er Jahren
4.5. Das Erwachen des Ureinwohner-Bewusstseins
4.6. Ainu in den achtziger Jahren und heute
4.6.1. Ainu Shinpô
4.6.2. Der Nibutani-Damm-Prozess
4.6.3. Ainu-Gesetz von 1997
4.6.4. Ainu heute

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Ainu, ein eingeborenes Volk und eine der vielen Minderheiten Japans, waren ursprünglich sesshaft auf dem heutigen Hokkaido und Nord-Honshu, sowie auf Süd-Sachalin und den Kurilen. Die größte Gemeinschaft der Ainu lebt heute auf Hokkaido bzw. „Ainu Moshiri“, wie die Ainu es nennen – „das ruhige Land wo die Menschen (Ainu) leben“.

1997 hat das japanische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das die Ainu-Kultur fördern sollte und das diskriminierende Gesetz „zum Schutz der ehemaligen Hokkaido-Eingeborenen“ (Kyûdojin Hogohô) von 1899 abschaffte. Der Erlass des Ainu-Gesetzes von 1997 war ein geschichtliches Ereignis, da es erst das zweite Gesetz nach 1899 war, das die Ainu betraf. Allerdings kritisieren einige Betroffene das Gesetz, da viele Rechte, die von den Ainu gefordert wurden, im Gesetz keine Berücksichtigung finden. Vielmehr steuert es hauptsächlich die Förderung der Ainu-Kultur an. Dennoch sehen viele Ainu-Aktivisten das Gesetz als einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Selbstentfaltung und Akzeptanz in einer Gesellschaft, die mehr als ein Jahrhundert lang homogen zu sein vorgab.

Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der Schaffung der ethnischen Identität der Ainu und der Entwicklung ihres Bewusstseins eine „Nation“ zu sein. Er untersucht, inwieweit die „Nationswerdung“ der Ainu auf das theoretische Konstrukt von Benedict Anderson (siehe Abschnitt 3.) übertragbar ist. In seinem Buch „Die Erfindung der Nation“ begründet Anderson die Entstehung einer Nation damit, dass sie unter Einfluss bestimmter Faktoren erfunden, bzw. vorgestellt („imagined“ im englischen Original) wird. Sehr deutlich kann dies vor Augen geführt werden, wenn man sich mit der Geschichte der Ainu, beginnend mit der Meiji-Restauration und fortdauernd bis zum heutigen Tag, beschäftigt. Dabei wird den Ainu-Bewegungen und dem Widerstand gegen die Diskriminierung sehr viel Wert beigemessen. Auch das Aufkommen des japanischen Nationalbewusstseins, oder treffender formuliert: die Erfindung der japanischen Nation während der Meji-Restauration hängt sehr stark mit der Selbstfindung der Ainu zusammen. Zwangsassimilierung und immer noch andauernde Diskriminierung der Ainu seitens der homogen vorgestellten Gesellschaft sind weitere entscheidende Aspekte, die einen Beitrag zur Formierung des Ainu-Nationalbewusstseins leisten. Auch den Folgen der japanischen Industrialisierung und der Modernisierung seit der Meji-Restauration, wie der Verbesserung der Kommunikationswege, den Printmedien und der rasanten Entwicklung anderer Kommunikationsmedien nach dem Zweiten Weltkrieg wird eine enorme Bedeutung für die Nationswerdung der Ainu zuerkannt.

2. Definition der ethnischen Gruppe

Die Ainu sind eine Minderheit, eine von mehreren ethnischen Gruppen, die im Land der aufgehenden Sonne beheimatet sind. Bevor der Begriff „Nation“ betrachtet wird, soll das Konzept der „ethnischen Gruppe“ erörtert werden. Wie später zu sehen sein wird, weisen „ethnische Gruppe“ und „Nation“ viele Parallelen auf.

Ethnizität bleibt ein wissenschaftlich unpräzises Konzept, das sich gewöhnlich auf eine Identität bezieht, welche auf gemeinsamer Kultur oder Herkunft beruht. Eine weit verbreitete begriffliche Abgrenzung der ethnischen Gruppe geht davon aus, dass es sich um eine Einwohnerschaft handle, deren Mitglieder sich miteinander auf der Grundlage einer angenommenen gemeinsamen Herkunft identifizieren [Vgl. Abizadeh (2001), S. 24]. Weiterhin wird sie als eine kulturelle Gemeinschaft verstanden, welche durch gemeinsame kulturelle, verhaltensorientierte, sprachliche oder religiöse Praktiken vereinigt wird [Vgl. UNESCO (1952), S. 99]. Heutzutage wird die Ethnizität mehr im Sinne eines subjektiven Bewusstseins der Identität als einer objektiv feststellbaren Tatsache verstanden [Vgl. Siddle (1996), S. 20]. Der Besitz gemeinsamer kultureller oder sprachlicher Charakteristiken ist nicht ausreichend, um eine ethnische Gruppe auszumachen: eine ursprüngliche Besonderheit wird dann ethnisch, wenn sie zum primären Kriterium der Selbstdefinition einer Gruppe wird, welche am Wettbewerb um Macht und Ressourcen in einer modernen Gesellschaft teilnimmt [Vgl. ebd., S. 21]. Im weitesten Sinne geht es also um eine politische Gemeinschaft, deren strategische Wahl die Ethnizität darstellt. Religiöse, sprachliche oder kulturelle Symbole, oft in Kombination, werden umgestaltet oder manipuliert, um die Grenzen einer als natürlich vorgestellten Gemeinschaft zu definieren [Vgl. Siddle (1996), S. 21]. Die Kontrolle über die Geschichte bzw. ihre Neudefinition sowie die Erfindung einer Tradition spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Die offizielle Version der Kolonisationsgeschichte wird mit einer Gegenversion konfrontiert, einer schlüssigen und verwendbaren Vergangenheit, einer gemeinsamen Erinnerung, welche mit der gegenwärtigen Ausgrenzung und dem Kampf die Diskriminierung umzugehen hilft.

Neben Aspekten wie Status, Wohlstand, Alter usw. als Identifikation mit der eigenen Gemeinschaft und dem Volk, wurde die ethnische Identität unter indigenen Bevölkerungen auch dadurch gefördert, dass man sich durch eine wahrgenommene gemeinsame Erfahrung des Ureinwohnerseins als verbunden empfand [Vgl. ebd., S. 22]. Im Falle der Ainu-Identität, welche selten mit der traditionellen Vergangenheit verbunden ist, verdankt sie vieles der Schöpfung neuer historischer und kultureller Erzählungen wie des „Mythos der Mutter Erde“. Der erwachte Sinn für eine neue Identität als eingeborenes Volk, welchem als „sterbender Rasse“ die Teilhabe an den gesellschaftlichen Ressourcen verwehrt wurde, wird meist durch die Identifikation mit ethnischen Symbolen unterstützt. Man sucht nach eigenen Wurzeln, um eine Identität zu erlangen, die mehr bietet und substantieller ist als die dominante Kultur [Vgl. ebd.].

3. Definition der Nation

Eine Nation ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft, die durch zwei Ideen bestimmt wird: durch ihre Begrenzbarkeit und ihre Souveränität [Vgl. Anderson (1996), S. 15]. Die Vorstellung von der Nation ist die Vorstellung, die im Kopf jedes Mitglieds der Nation existiert. Es die Vorstellung von einer Nation, der außer dem Einzelnen selbst viele andere angehören, obwohl er den meisten anderen Mitglieder niemals begegnen oder von ihnen hören wird.

Begrenzbarkeit legt nahe, dass, so groß eine Nation auch sein mag, sie sich räumlich auf einem begrenzten Raum befindet, wobei sicherlich auch variable Grenzen berücksichtigt werden müssen. In einfachen Worten ausgedrückt, teilen sich mehrere Nationen die Erdkugel. Wenn von einer Nation die Rede ist, dann ist dabei eine oder mehrere andere Nationen impliziert, der Begriff der Nation entbehrte im Falle einer einzigen Nation auf der Erde seines Sinnes. Hier wird ein klarer Unterschied zu einer Religionsgemeinschaft deutlich. Was die Nationalität anbetrifft, so können mehrere ethnische Gruppen eine Nationalität teilen [Vgl. UNESCO (1952), S. 79]. Nicht jeder japanische Staatsbürger muss ein ethnischer Japaner sein, seine ethnische Zugehörigkeit kann als die eines Ainu, Koreaners, Chinesen oder einer anderen ethnischen Minderheit angenommen werden.

Der Begriff der Souveränität einer Nation geht auf die Zeit der Französischen Revolution und des Ende der Legitimität der als von Gottes Gnaden aufgefassten hierarchisch-dynastischen Reiche zurück [Vgl. Anderson (1996), S. 16]. Man stellt sich eine Nation als souverän vor, wenn sie frei von Beherrschung durch andere ist und ihre (nationalen) Angelegenheiten selbst regelt. Nationen wollen einen nationalen Staat haben [Vgl. ebd.]. Dies kann man am Beispiel des Zerfalls der Sowjetunion verdeutlichen: Die ehemaligen Teilrepubliken erklärten mit dem Zerfall ihre Souveränität und gründeten eigene nationale Staaten.

Die Vorstellung von der Nation als einer Gemeinschaft impliziert die Vorstellung eines Verbundes von Gleichen, ungeachtet dessen, wie groß die Ausbeutung oder Ungleichheit in der Realität ist [Vgl. ebd., S. 17]. Dieser Verbund ist eine angenommene kameradschaftliche Gemeinschaft von Gleichen, fest verwoben mit einer gewissen Solidarität zwischen ihren Mitgliedern, unabhängig davon, ob diese Solidarität wirklich existiert.

Vorstellbar wird diese Gemeinschaft durch kommunikative Netzwerke [Vgl. ebd., S. 42, S. 134], z.B. durch Post, Verkehr und Medien wie Druck, Rundfunk, Fernsehen und in jüngerer Zeit auch durch Internet. Eine nationale Sprache ist nicht minder bedeutsam. Die Entwicklung der Nationsvorstellung und des Gefühls der Zusammengehörigkeit hängt daher fest mit der Entdeckung oder Erfindung einer gemeinsamen Geschichte [Vgl. Anderson (1996), S. 207] und der Notwendigkeit eines Ursprungsmythos zusammen, welche durch die oben erwähnte Netzwerke Verbreitung findet und beispielsweise mittels eines solchen Mediums wie dem Museum [Vgl. ebd., S. 180 ff.] repräsentiert wird. Die Bevölkerung wird in Zensus und Landkarte integriert. Dies sind zwei weitere Faktoren, die jenes Regelwerk prägen, das für die Entstehung einer Nation verantwortlich ist [Vgl. ebd., S. 186].

Schließlich ist die Vorstellung von einer Nation mit der Vorstellung von einem homogenen Raum und einer homogenen Zeit verbunden [Vgl. ebd., S. 33, S. 118]: Die Begrenzbarkeit der Nation weist auf ihre Existenz innerhalb eines nach außen abgegrenzten homogenen Raums hin. Eine homogene Zeit existiert in der Vorstellung der Mitglieder einer Nation, deren gemeinsame Geschichte sich entlang eines Zeitstrahls bewegt. Wie oben bereits erwähnt, wird dabei mitunter die Geschichte der eigener Nation entdeckt oder erfunden: Man entsinnt sich gemeinsam der rühmlichen Ereignisse und vergisst gemeinsam jene, die der Geburt der Nation und deren Entwicklung zuwiderlaufen.

4. Entwicklung des Nationalbewusstseins der Ainu

Ainu waren ursprünglich ein Volk der Jäger, Fischer und Sammler, sesshaft in Gebieten, die reich an natürlichen Ressourcen waren. Insbesondere auf Hokkaido gab es in Fülle Lachs, Hirsche und Bären, die wichtige Bestandteile der grundlegenden Ernährung der Ainu darstellten. Was heutzutage als Ainu-Kultur verstanden wird, trat um das 13. Jahrhundert, zur Zeit des regulären Handels zwischen den Bewohnern von Süd-Hokkaido und den Japanern aus Honshu (Wajin) [Vgl. Weiner (1997), S. 18] in Erscheinung.

Der fortwährende Kontakt zwischen Wajin und Ainu begann mit friedlichem Handel und ging in eine Ausbeutung und Umsiedlung der Ainu über, resultierend in der Kolonisierung von Hokkaido. Zweimal konnten die Ainu ihr Land erfolgreich verteidigen: unter den Ainu-Führern Koshamain 1456 und Shakushain 1669. 1789 wurde der letzte Aufstand der Ainu niedergeschlagen, mit dem Beginn der Meiji-Restauration 1868 schließlich begann die Massenansiedlung der Wajin auf Hokkaido.

Wahrgenommen als Barbaren und minderwertige Rasse, wurden die Ainu von den Wajin ihres Landes beraubt, diskriminiert und ausgegrenzt. 1899 wurde der Gesetz „zum Schutz der ehemaligen Hokkaido-Eingeborenen“ (Kyûdojin Hogohô) verabschiedet, das die Umformung der Ainu durch Ausradierung ihrer Sprache, Bräuche und Werte in modellhafte japanische Bürger zum Ziele hatte [Vgl. Siddle (1996), S. 70]. Ainu-Bewegungen in den 1920er Jahren und die 1930 gegründete „Ainu-Gesellschaft“ (Ainu Kyôkai) arbeiteten vor allem daran, die Regierung zur Revision des als diskriminierend bezeichneten Gesetzes von 1899 zu bewegen. Außerdem war es das Ziel dieser Bewegungen die Assimilierung der Ainu voranzutreiben und gegen die Diskriminierung zu kämpfen, welche z.T. heute noch besteht. In den späten 1960er Jahren wandten sich junge Ainu-Aktivisten von der Assimilierung ab und begannen nach den Wurzeln ihres Ainu-Seins zu forschen. Der Ethno-Boom in den 1970er und 1980er Jahren führte zu verstärktem Interesse an der Ainu-Kultur, Ainu-Aktivisten begannen weltweit mit Vertretern anderer indigener Völker zu kommunizieren und Erfahrungen auszutauschen. 1984 verfasste die in „Utari-Gesellschaft“ (Utari Kyôkai) umbenannte Ainu-Gesellschaft einen Gesetzesvorschlag (Ainu Shinpô) zur Förderung der Ainu-Kultur, Beachtung der grundlegenden Menschenrechte und Verhinderung der Diskriminierung, welche durch die verbreitete Literatur des Nihonjinron („Japaner-Diskurs“) genährt wurde. 1994 wurde Kayano Shigeru als erster Ainu in das Oberhaus des japanischen Parlaments gewählt und 1997 verabschiedete das japanische Parlament das neue Ainu-Gesetz.

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich genauer mit den Schlüsselperioden der Ainu-Geschichte, die ausschlaggebend für die Formierung des Ainu-Seins und der Ainu-Identität in Japan bis heute sind. Darunter fallen die Entstehung des japanischen Nationalismus während der Meiji-Restauration, die Ainu-Bewegungen der 1920er und 30er Jahre, der Ethno-Boom, Ainu Shinpô, der Nibutani-Damm-Prozess und das Ainu-Gesetz von 1997.

4.1. Japanischer Nationalismus während der Meiji-Restauration

Der vom Staat propagierte Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts nahm sich die Geschichte Frankreichs und Amerikas zum Vorbild und entstand in Reaktion auf die nationalistischen Volksbewegungen [Vgl. Anderson (1996), S. 91]. Er wurde selbst zum Modell, welches im Zeitalter der Kolonisierungen im Erscheinungsbild des Imperialismus Verbreitung fand und von weiteren Ländern übernommen wurde.

Auch Japan, wollte es sich in der Arena der Supermächte des 19 Jahrhunderts behaupten, verstand es als seine Aufgabe, den Weg der preußischen oder britischen Imperialisten zu beschreiten. Mit dem Beginn der Meiji-Restauration 1868 änderte sich an der ungewissen geopolitischen Lage Japans nichts. Um die Macht des Kaisers im Innern zu stärken, empfahl sich die Version des damals üblichen offiziellen Nationalismus, basierend auf dem preußischen Vorbild [Vgl. ebd., S. 99]. Der neue Meiji-Staat versuchte der heterogenen Population einen Sinn der Gemeinschaft und Homogenität einzuflößen, indem er besondere kulturelle Empathien mobilisierte und regionale Eigenheiten unterdrückte oder einem Prozess der kulturellen Neudefinition aussetzte. Kurz: Er versuchte die Realität in eine Linie mit der Ideologie zu bringen [Vgl. Weiner (1997), S. 1]. Der Prozess der Konstruktion einer vorgestellten Gemeinschaft hatte eine Neuzeichnung der symbolischen Grenzen zur Folge, welche alle Japaner im Sinne der Zugehörigkeit zu einer als natürlich angenommenen Gemeinschaft einschließen würde. Dem gemeinsamen Erbe zugrunde liegende Familienstaat wohnte eine gewisse Nationalessenz inne und wurde aufgrund des einzigartigen japanischen Blutes [Vgl. ebd., S. 3] die Eigenschaft einer großen Familie mit dem Kaiser als Vater zugeschrieben. Blut und die Betonung der Einzigartigkeit der japanischen Rasse (Yamato-Rasse) wurden wichtige Komponenten der vorgestellten japanischen Nation [Vgl. Siddle (1996), S. 13].

Die Erfindung des japanischen Bluterbes war eng mit der Existenz von Ainu, Koreanern oder Burakumin verbunden: Die Präsenz der als Anderen empfundenen half die Idee der eigenen Reinheit aufrechtzuerhalten. Mit der technischen Modernisierung kamen auch viele moderne Ideen und Theorien nach Japan, auch der Sozialdarwinismus. Seine Verbreitung in den schnell wachsenden Gebildetenkreisen machte die wissenschaftliche Demonstration möglich, dass einige Kulturen fortschrittlich und zivilisiert seien, während andere zur Zurückgebliebenheit und Unzivilisiertheit verurteilt seien [Vgl. Weiner (1997), S. 5]. Die chinesisch-konfuzianischen Ideen von Barbaren und Zivilisierten wurden schon lange vor der Meiji-Restauration von den Japanern übernommen. Der Sozialdarwinismus schien dabei eine Erweiterung dieser Ideen zu sein - Kampf ums Überleben und Überleben des Stärkeren. Die Klassifizierung der Ainu als eine minderwertige Rasse war eine Rechtfertigung für ihre fortbestehende psychische und physische Ausbeutung, ein Maß für den japanischen Fortschritt hin zu den westlichen Idealen der Zivilisation [Vgl. Siddle (1996), S. 4].

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Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638006828
ISBN (Buch)
9783638913751
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85713
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Ostasienwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Nationswerdung Ainu Sprachtod Sprachen Japan

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