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Nicht-direktives-Verfahren in der Spieltherapie

Hausarbeit 2005 26 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gedanken zum Individuum Carl Rogers

3. Wachstumsförderndes Klima
3.1 Echtheit – Unverfälschtheit – Kongruenz
3.2 Akzeptanz- bedinglose positive Zuwendung
3.3 Einfühlsames Verstehen

4. Die nichtdirektive Spieltherapie
4.1 Zugrundeliegende Persönlichkeitsstruktur
4.2 Die nicht-direktive Therapie
4.3 Angewandte nicht-direktives Verfahren in der Spieltherapie

5. Die acht Grundprinzipien die Therapeuten im Nicht-direktiven Verfahren anwenden sollte

6. Der Fall Dibs
6.1 Begegnung in der ersten Stunde
6.2 Weiterentwicklung von Dibs im Laufe der Therapie

7. Anspruch an den Therapeuten
7.1 Ziel personenzentrierter Kinderpsychotherapie
7.2 Therapeutische Beziehung

8. Schlussbemerkung

9. Literaturhinweis

1. Einleitung

Unterschiedliche Theorienschulen – psychoanalytische, existenzielle, verhaltenstherapeutische sowie die Jungsche Theorie stellen wichtige Rahmenkonzepte für die Durchführung von Kindertherapien dar. Sie bilden deren theoretische Grundlage und unterschiedliche Techniken können von den Therapeuten dazu benutzt werden.

Eine andere Art der Klassifikation besteht in der Unterscheidung direktiver und nichtdirektiver Stile. Die Nichtdirektive bzw. klientenzentrierte Spieltherapie, die die Bedeutung der therapeutischen Beziehung betont, gleicht dem klientenzentrierten Ansatz von Carl Rogers (1951). Maßgeblich für das nichtdirektive Verfahren in der Spieltherapie wurde dann später Frau Axline (1969). (Gil 1993:43)

Im Gegensatz zur direktiven Therapie, in welcher der Therapeut die Verantwortung für die Führung und Interpretation übernimmt, überlässt im nicht-direktiven Verfahren der Therapeut die Verantwortung und Führung dem Kind. (Axline 1972:14)

Die speziellen Merkmale des Spiels in der Spieltherapie, die Freiheit und Eigenverantwortlichkeit der Spielwahl, der Spielgestaltung und der Spannungsregulation sowie die Spontaneität, intrinsische Motiviertheit und anregende Spielstimmung wirken sich heilungsförderlich aus und schaffen ein Ausgangsklima um einen gefühlsoffenen Zustand zu erreichen indem auch unangenehmere Gefühle ans Licht kommen können. So entsteht Raum für neue Erfahrungen oder alte können nacherlebt und korrigiert werden. (Schmidtchen 1996:11-13) Dabei soll zum Einen eine Förderung des allgemeinen Wachstums- bzw. Entwicklungsverhalten und zum Anderen eine Förderung des Störungsbewältigungsverhalten erreicht werden. (Schmidtchen 1996:16) Dabei ist nach Schmidtchen die Spieltherapie für ein Kind der ideale Raum um „die verschiedenen Teilkonzepte seines Selbst zu überprüfen, zu integrieren und – wenn nötig – zu verändern“. (Vgl. Schmidtchen 1996:18)

Das Spielzimmer und das angebotene Spielmaterial sind dabei wichtige Teile des therapeutischen Prozesses. (Axline 1972:55)

Um das nichtdirketive Vorgehen anschaulicher darstellen zu können, möchte ich im folgenden zunächst auf die Grundgedanken von Rogers über das Individuum eingehen und die daraus sich ergebende Persönlichkeitsstruktur die der nicht-direktiven Spieltherapie zugrunde liegt. Daraus entwickeln sich sogenannte Grundprinzipien der nichtdirektiven Spieltherapie.

Wichtig dabei auch sind die Anforderungen an einen Therapeuten der dieses Verfahren anwenden möchte.

2. Gedanken zum Individuum nach Carl Rogers

Nach Rogers liegt jedem Organismus die Tendenz einer konstruktiven Erfüllung seiner innerlichen Möglichkeiten zugrunde. Der Mensch hat ein natürliches Verlangen nach Entfaltung, die sogenannte Selbstverwirklichungstendenz. Damit meint Rogers nicht nur den Menschen, auch Tiere und Pflanzen weist er einen aktiven Prozess im Leben zu. Darin sieht er die Urnatur des Prozesses - der Leben genannt wird. (Rogers 1997:69)

Zwar sieht er die Möglichkeit der Hemmung oder Deformierung dieser Tendenz, aber solange ein Organismus noch lebt, kann sie nicht als völlig zerstört angesehen werden. (Rogers 1997:69)

In der Arbeit mit Männern und Frauen, auch in der Psychiatrie, deren Lebensumstände oft so schwierig sind, dass es gesunden Menschen kaum verständlich erscheint, sah er in der Art dieser Menschen ihr Leben so zu bewältigen, verzweifelte Versuche des Lebens wieder sich selbst zu verwirklichen. Sie sind die einzigen Wege gegangen die ihnen „gangbar erschienen, sich zum Wachsen und Werden hinzutasten“. (Vgl. Rogers 1997:70)

Dieses Menschenbild dient als Grundlage seines personenzentrierten Ansatzes unter den auch Begriffe wie; nichtdirektive Beratung, klientenzentrierte Therapie oder schülerzentrierter Unterricht und gruppenzentrierte Führung fallen. (Rogers 1997:66)

Das Individuum verfügt seiner Meinung nach über „potentiell unerhörte Möglichkeiten um sich selbst zu begreifen und sein Selbstkonzept, seine Grundeinstellungen und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern.“ (Vgl. Rogers 1997:66)

Um dieses Potenzial wiederum zu aktivieren ist es ihm wichtig ein Klima herzustellen das hierzu förderlich ist.

3. Wachstumsförderndes Klima

Dieses Klima gilt nicht nur im Rahmen der Klient-Therapeut-Beziehung auch zwischen Eltern und Kind, Lehrer und Schüler, Mitarbeiter und Führungskraft oder sonstige Leiter und Gruppen. Er sieht dabei drei Elemente als ausschlaggebend an. (Rogers 1997:67)

3.1 Echtheit - Unverfälschtheit - Kongruenz

Der Therapeut soll in Beziehung zu sich selbst stehen, kein professionelles Gehabe und keine persönliche Fassade soll zur Schau gestellt werden. Indem der Therapeut offen seine Gefühle und Einstellungen darlegt, indem er dem Klienten gegenüber transparent ist, gibt er dem Klient die Chance sich auch zu öffnen und dabei zu wachsen. (Rogers 1997:67)

3.2 Akzeptanz - bedingungslose positive Zuwendung

Eine positive, akzeptierende, also wertschätzende Einstellung dem Klienten gegenüber, schafft ein für Veränderungen förderliches Klima dem Klienten gegenüber. Der Therapeut lässt die momentanen Gefühle des Klienten zu, der Klient kann Gefühle wie Verwirrung, Groll, Furcht, Zorn, Mut, Liebe oder Stolz ausleben. (Rogers 1997:67)

Der Therapeut agiert in diesen Momenten (und während der ganzen Therapie) nicht besitzergreifend sondern bringt dem Klienten eine „keine an Bedingungen geknüpfte Wertschätzung entgegen“ (Vgl. Rogers 1997:68)

3.3 Einfühlsames Verstehen

Der Therapeut erspürt die persönlichen Bedeutungen der Gefühle des Klienten und teilt dies dem Klienten mit. Noch optimaler erscheint Rogers wenn der Therapeut auch die Bedeutungen versteht die knapp unter der Bewusstseinsschwelle zu finden sind. Er bezeichnet dies als „aktives sensibles Zuhören“, (vgl. Rogers 1997:68).

Dieses Zuhören mit echtem Verständnis und echter Einfühlung, sieht er als eine ganz besondere Art des Zuhörens, als eine mächtige Kraft, die Veränderung bewirken kann. (Rogers 1997:68)

Carl Rogers geht davon aus, dass ein akzeptierter und geschätzter Mensch dazu tendiert eine „fürsorgliche Einstellung zu sich zu gewinnen“, (vgl. Rogers 1997:68). Durch das einfühlsame Zuhören gelangt der Mensch dazu seinen inneren Erlebnisstrom deutlicher wahrzunehmen.

Die Grundhaltung Rogers wurde zum Ausgangspunkt weiterer psychologischer Forschungen und Therapieformen. Virginia Axline hat diese Grundhaltung weiterentwickelt im Bezug auf klienten-zentrierte Psychotherapie im Umgang mit Kindern.

4. Die nichtdirektive Spieltherapie

4.1 Zugrundeliegende Persönlichkeitsstruktur

Virginia Axeline geht bei ihrem auf Rogers aufbauenden Persönlichkeitsstruktur davon aus, dass alle Erfahrungen, jede Haltung und unsere Gedanken das Individuum ständig verändern und das im Zusammenspiel von psychologischen und umweltbedingten Kräften. Die Wechselwirkung mit anderen Menschen hat für sie unterschiedliche Wirkungen auf das Individuum. Erfahrungen können gestern anders integriert werden als heute oder morgen. Auch Reaktionen die sich wiederholen und zu Angewohnheiten geworden sind, können entfallen wenn das Individuum dafür keine Notwendigkeit mehr sieht. Nach ihrer Ansicht ist die Persönlichkeit des Menschen so beweglich, dass das Prinzip Hoffnung darin einen Platz finden kann. Sie geht davon aus, wenn der Mensch sich seiner Fähigkeit bewusst wird, an der Gestaltung seines Lebens teilzunehmen und wenn er die Verantwortung, die mit dieser inneren Freiheit verbunden ist, auf sich nehmen kann, dann eröffnet sich eine klarere Sicht auf seine Handlungsmöglichkeiten. (Axeline 1972:16)

Vor allem bei Kindern sieht sie grundlegend die „Freude daran, ins Leben hineinzuwachsen“, (vgl. Axeline 1972:17) und weniger nur das triebhafte Bedürfnis der Grundbefriedigung. Virginia Axeline begegnete in ihrer Arbeit vielen Kindern die ohne Beziehungen ihren Weg gehen mussten oder in deren Leben ein erheblicher Mangel an Liebe, Geborgenheit, Sicherheit, Zuverlässigkeit erfahren hatten.

4.2. Die nicht-direktive Therapie

Diese Art der Spieltherapie geht von dem vorangegangen erläuterten Menschenbild aus. Sie baut darauf auf, dass der Mensch in sich selber nicht nur die Fähigkeit besitzt, ein Problem auf zufriedenstellende Weise zu lösen, sondern auch und vor allem, dass ein ihm reifes Verhalten befriedigender erscheint als ein unreifes. (Axeline 1972:20)

Dabei beginnt die Therapie beim jeweiligen Entwicklungsstand des Klienten und der im Moment gegebenen Konstellation. Die Therapie erlaubt dem Menschen er selbst zu sein, ohne Wertung, ohne Druck.

Zum Ausdruck gebrachte Gefühle werden rückgespiegelt, das ermöglicht es dem Kind sich kennenzulernen, gibt Raum für eine konstruktivere Lebenshaltung. (Axeline 1972:20)

4.3 Angewandte nicht-direktives Verfahren in der Spieltherapie

Das angewandte nicht-direktive Verfahren in der Spieltherapie kann eine Gelegenheit für das Kind darstellen, Wachstums- und Reifungshilfe unter günstigeren Bedingungen zu erfahren. Dabei wird das Spiel als das natürliche Medium der Selbstdarstellung des Kindes genutzt, Frustration, Unsicherheit, Angst, Aggression oder Verwirrung „auszuspielen“. (Axeline 1972:20) Durch das Spiel können Emotionen an die Oberfläche gelangen, so dass das Kind lernen kann sie zu beherrschen oder aufzugeben. Findet eine psychische Druckentlastung statt, kann das Kind seine Fähigkeit entdecken, eine eigenständige Persönlichkeit zu sein. Selber zu denken, zu entscheiden und zu reifen.

Die nötige Umgebung dazu schafft das Spielzimmer indem das Kind völlig neue Erfahrungen machen kann. Wie auch immer es seine Ideen und Gefühle ausdrückt, es erfährt Angenommensein. Keine Vorschläge, Ratschläge, Verbote oder Zurechtweisungen stülpen etwas über das Kind was es selbst gar nicht ist. Möglicherweise ist das so neu für das Kind, da es auch weder Einmischung noch Unterstützung erfährt, dass es sich darin erst zurecht finden muss. Virginia Axeline beschreibt das mit anschaulichen Worten: „Es steht nun selber im Licht, und die einzigen Schatten sind die, die es selber wirft. Hierin liegt eine Herausforderung, und tief in der kindlichen Seele antwortet etwas auf die Herausforderung, seiner Lebenskraft Ausdruck und Richtung zu geben.“(Vgl. Axeline 1972:21-22)

Das Kind wird zunächst vorsichtiger und dann mutiger diesen Weg gehen, denn die Gegenwart eines freundlichen und verständnisvollen Menschen gibt ihm Sicherheit. Die Art des Therapeuten, nach den folgenden acht Grundprinzipien erlaubt es dem Kind weiter in seine eigene Welt vorzudringen. (Axeline 1972:22)

5. Die acht Grundprinzipien die Therapeuten im Nicht-Direktiven Verfahren anleiten sollten:

I. Der Therapeut muss eine warme, freundliche Beziehung zum Kind
aufnehmen, um zu einem guten Kontakt zu kommen (Vgl. Axeline 1972:73)

Die erste Begegnung ist mitausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Therapie. Diese Kontaktaufnahme bildet gewissermaßen die Bühne auf der die späteren Handlungen stattfinden. Dabei stehen nicht die Worte im Vordergrund sondern die Art der Beziehung, die zwischen dem Kind und dem Therapeuten entsteht. Nicht Worte sollen erklären sondern die sich entwickelnde Beziehung. (Axline 1972:74)

Es ist wichtig die Gefühle anzuerkennen und sich für die Reaktion des Kindes auf den Therapeuten im Initialkontakt Zeit zu nehmen und sie zu berücksichtigen.

II. Der Therapeut nimmt das Kind ganz so an wie es ist (Vgl. Axeline 1972:73)

Diese Annahme entspringt einer Grundhaltung des Therapeuten, einer inneren Einstellung. Eine ruhige, freundliche Beziehung zum Kind in der Ungeduld, Kritik und Vorwürfe vermieden werden. Das Kind kommt schließlich in die Spieltherapie weil es nicht so ist wie es sein sollte. Was zur Folge hatte, dass es bereits von einem Teil seiner Umwelt abgelehnt wurde und wahrscheinlicherweise diese „zu ändernden“ Anteile des Kindes auch direkt von den Eltern abgelehnt werden. Damit ist die vollständige Annahme des Kindes von Seiten des Therapeuten erforderlich um eine erfolgversprechende Therapie in Gang zu bringen (Axeline 1972:85) und es ist erforderlich diese Grundhaltung auch während der Therapie beizubehalten.

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Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638008310
ISBN (Buch)
9783638918121
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85754
Institution / Hochschule
Fachhochschule Mannheim, Hochschule für Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Nicht-direktives-Verfahren Spieltherapie Personenzentrierte Familienspieltherapie Grundprinzipien der Therapie Personenzentrierte Kinderpsychotherapie Kongruenz bedingungslose positive Zuwendung therapeutische Beziehung Rogers Spielzimmer Virgina Axline Nichtdirektive Spieltherapie Klientenzentrierte Spieltherapie

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