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Pro & Contra Mindestlohn

Mindestlohn als arbeitsmarktpolitische Maßnahme

Seminararbeit 2007 19 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Theoretische Erklärung
2.1 Einfaches neoklassisches Arbeitsmarktmodell
2.2 Keynesianisches Arbeitsmarktmodell
2.3 Monopson auf dem Arbeitsmarkt
2.3.1 Traditioneller monopsonistischer Ansatz
2.3.2 Alternative Erklärungen für monopsonistische Strukturen

3. Beobachtungen im Ausland
3.1 Beobachtungen in den USA
3.2 Großbritanniens Erfahrungen
3.3 Betrachtungen in Frankreich

4. Mögliche Ausgestaltung in Deutschland

5. Prognosen
5.1 Pro Mindestlohn
5.2 Contra Mindestlohn

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Mindestlohn und seinen Auswirkungen auf die Beschäftigung.

Unter einem gesetzlichen Mindestlohn wird im Allgemeinen verstanden, dass es einen Lohn pro Stunde oder aber auch pro Monat gibt, der gesetzlich vorgeschrieben jedem Arbeitnehmer mindestens gezahlt werden muss. Die Einführung eines Mindestlohns steht seit einiger Zeit im öffentlichen Fokus, da einige Politiker sich erhoffen, dadurch die Lohnsituation für gering qualifizierte Arbeitskräfte, im Niedriglohnsektor, zu verbessern und sie davor zu bewahren, trotz Arbeit in Armut zu leben. Nach Definition der OECD beginnt der Niedriglohnsektor unterhalb eines Lohnes von zwei Dritteln des Durchschnittslohns. „Working Poor“, wie man diese Situation im englischsprachigen Raum nennt, ist ein Phänomen, was auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Wer in der öffentlichen Diskussion eine Position bezieht, die Pro-Mindestlohn ist, der kann nicht umhin, seine Absicht zu bekunden mit Hilfe des gesetzlichen Mindestlohns diesen Trend zu stoppen. Die Befürworter des Mindestlohns verweisen an dieser Stelle auch immer darauf, dass in fast allen anderen europäischen Staaten gesetzliche Mindestlöhne existieren. „Wir wollen Löhne, die das eigene Auskommen sichern. Jeder muss von seiner Hände Arbeit auch leben können. Deshalb braucht Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn.“[1], so steht es mittlerweile schon fest im SPD Parteiprogramm verankert.

Die Mindestlohngegner führen als oberstes Argument meist die negative Wirkung auf die Beschäftigung an. „Ein Mindestlohn in Deutschland ist schädlich. Er vernichtet Arbeitsplätze.“[2] Diese Meinung vertritt auch der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts und Professor an der Universität Hamburg, Thomas Straubhaar.

Um die Wirkungsweise eines Mindestlohns zu erklären werde ich zunächst verschiedene theoretische Modelle vorstellen und erklären, wie ein Mindestlohn jeweils auf die Beschäftigung wirken könnte. Im nächsten Abschnitt werden die Erfahrungen mit Mindestlöhnen, die im Ausland bereits gemacht wurden betrachtet und die empirische Relevanz der Mindestlöhne für die Arbeitsmärkte und deren Entwicklung beurteilt. Darauf folgend werden mögliche Erscheinungsbilder und Alternativen des Mindestlohns in Deutschland mit ihren Chancen und Risiken aufgezeigt.

Abschließend wird ein Fazit des Mindestlohns als arbeitsmarktpolitische Maßnahme gezogen. Die zuvor gewonnen Erkenntnisse werden hier abschließend aufgearbeitet und mögliche Implikationen abgeleitet.

2. Theoretische Erklärung

In diesem Abschnitt werden die einzelnen Arbeitsmarkttheorien vorgestellt, mit denen die Wirkungen einer Mindestlohneinführung analysiert werden können. Es wird gezeigt, wie sich in den einzelnen Modellen ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt bildet, oder wie es zur Entstehung von Unterbeschäftigung kommt und welche Funktion der Lohn dabei erfüllt. Gleichzeitig soll natürlich die Einführung eines Mindestlohns und seine Folgen im jeweiligen Modell dargestellt werden. Am Anfang steht ein vollkommener Arbeitsmarkt, ohne jedwede Wettbewerbsbeschränkungen. Die anfänglichen, sehr restriktiven und gleichzeitig unrealistischen Annahmen werden in der Folge immer weiter modifiziert, um so zu einem realitätsnäheren Modell zu gelangen, welches die Wirkung von Mindestlöhnen möglichst zutreffend beschreibt. Dass dies nicht immer eindeutig und einfach ist, wird sich im nächsten Kapitel zeigen.

2.1 Einfaches neoklassisches Arbeitsmarktmodell

Beim Arbeitsmarktmodell nach Art des neoklassischen Standardmodells wird der Arbeitsmarkt behandelt wie ein gewöhnlicher Faktormarkt. Die Annahmen, die für die Gütermärkte getroffen wurden, werden auf den Arbeitsmarkt übertragen. Man geht von vollkommener Konkurrenz aus, es gibt also keinerlei Wettbewerbsbeschränkungen oder Marktzutrittsbarrieren. Die potentiellen Arbeitnehmer sind homogen, sie unterscheiden sich weder in ihren Präferenzen, noch in ihren Fähigkeiten und Qualitäten. Arbeit und Freizeit sind in diesem Modell Substitute. Es herrscht Markttransparenz, die Arbeitnehmer verfügen demnach über vollkommene Information bezüglich der realen Lohnsätze und der eventuell offenen Stellen. Darüber hinaus sind die Löhne völlig flexibel. Die Unternehmer sind außerdem in der Lage, ihren gewinnmaximalen Output immer abzusetzen. Schließlich wird angenommen, dass sich alle Marktteilnehmer ökonomisch rational verhalten, es wird also vom „homo oeconomicus“ ausgegangen.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem Modell sind die Arbeitsnachfrage sowie das Arbeitsangebot abhängig vom Reallohn. Geht man, den Grundannahmen des neoklassischen Modells folgend, von einem Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aus, so gibt es keine Arbeitnehmer, die zu dem gültigen Reallohn arbeiten wollen aber keine Anstellung finden. Genauso wenig gibt es Arbeitsnachfrager, also Unternehmer, die bei diesem Lohnsatz noch Arbeitskräfte zur Besetzung offener Stellen suchen. Dieses Gleichgewicht ist langfristig und stabil, es lässt sich in der grafischen Darstellung in Abbildung 1 am Schnittpunkt zwischen der Arbeitsangebotskurve und der Arbeitsnachfragekurve ablesen. In der Grafik in Punkt E. In der neoklassischen Analyse des Arbeitsmarktes gibt es immer nur kurzfristige Arbeitslosigkeit. Da nämlich aus dem Modell heraus immer ein Gleichgewicht herrscht, kann auch keine Arbeitslosigkeit vorliegen. Ist trotzdem ein Überschussangebot an Arbeit vorhanden, muss dieses von einer exogenen Störung hervorgerufen worden sein, außerdem ist diese Arbeitslosigkeit immer als sog. freiwillige Arbeitslosigkeit anzusehen. Die Arbeitnehmer wollen zu dem herrschenden Lohn ihre Zeit lieber in Freizeit „investieren“, als in Arbeitszeit.

So würden auch ein Tariflohn und ganz besonders ein Mindestlohn als Störungen angesehen. Die Lohnrigidität, die solch eine Begrenzung der Reallöhne nach unten darstellt, würde zu einem Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt führen. Liegt der Lohn, wie im Falle eines Mindestlohns, über dem Gleichgewichtslohn (we), herrscht Arbeitslosigkeit. Liegt er unter dem Gleichgewichtslohn, bleiben offene Stellen unbesetzt. Demzufolge müsste der ideale Mindestlohn genau dem Gleichgewichtslohn entsprechen, wenn es nicht zu negativen Effekten auf dem Arbeitsmarkt kommen soll. Diese Entsprechung führt aber die Einführung eines Mindestlohns ad absurdum. Ergo bleibt festzuhalten, dass bei diesem Wettbewerbsmodell des Arbeitsmarktes ein Mindestlohn eine negative Wirkung auf die Beschäftigungslage haben wird. „Arbeitslosigkeit kann nur Folge überhöhter Reallöhne sein und kann auch nur durch Anpassung dieser zu hohen Löhne nach unten sein.“[4] Langfristige, unfreiwillige Arbeitslosigkeit kann es somit gar nicht geben. Durch die Lohnanpassungen bei Zu- und Austritt der potentiellen Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt wird immer wieder ein Gleichgewicht herbeigeführt. Ein positiver Effekt auf die Bezahlung, also das Einkommensniveau der Wirtschaftssubjekte, kann aus dem neoklassischen Modell heraus wiederum nur von kurzer Dauer sein. Dass diese theoretische Betrachtungsweise des Arbeitsmarktes keine ausreichende Aussagekraft für die Entstehung von Arbeitslosigkeit und deren Abbau liefert, zeigt uns ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik.

2.2 Keynesianisches Arbeitsmarktmodell

Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre „fiel es schwer, den weltweit exorbitanten Anstieg der Arbeitslosigkeit auch nur einigermaßen plausibel mit gestiegenen Löhnen zu erklären.“[5] Somit wurde nach anderen Erklärungsansätzen für die Ungleichgewichtssituation auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Dies war die Geburtsstunde der keynesianischen Theorie. Die Grundannahmen dieser neuen Theorie postuliert John Maynard Keynes in seinem 1936 erschienenem Werk „The General Theory of Employment, Interest and Money“. Auch die keynesianische Betrachtungsweise sieht den Arbeitsmarkt als Wettbewerbsmarkt. Allerdings sieht Keynes den Arbeitsmarkt nicht als isolierten Markt, sondern als vom Gütermarkt abhängig. Es ist also nicht zwingend der Fall, dass die Produzenten ihre gewinnmaximale Menge auch absetzen können. Die daraus eventuell resultierende zu niedrige Nachfrage auf dem Gütermarkt wirkt sich folglich über Produktionsminderung und Rückgang der Arbeitsnachfrage auch auf den Arbeitsmarkt aus. Es kann also zu dauerhafter Unterbeschäftigung kommen. Hier definiert Keynes zunächst einmal die unfreiwillige Arbeitslosigkeit. „Men are involuntarily unemployed if, in the event of a small rise in the price of wage-goods relatively to the money-wage, both the aggregate supply of labour willing to work for the current money-wage and the aggregate demand for it at that wage would be greater than the existing volume of employment.“[6] Der hohe Reallohn, der mit der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit einhergeht, ist auch auf Grund der von Keynes angenommenen Lohnrigidität durch Tarifverträge o. ä. nicht mehr nach unten flexibel, was einen Rückgang der Unterbeschäftigung auf diesem Wege ausschließt. Massive und dauerhafte Arbeitslosigkeit ist somit modelltheoretisch erklärbar geworden.

[...]


[1] SPD Grundsatzprogramm, in http://eintreten.spd.de/servlet/PB/menu/1698787/index.html, zugegriffen am 19.10.2007.

[2] FAZ.net, in http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc~E39299FDCB8DD409B9A24348256026656~ATpl~Ecommon~Scontent.html, zugegriffen am 19.10.2007.

[3] Vgl. Sesselmeier, (1997), S.47 ff..

[4] Sesselmeier, (1997), S.36.

[5] Landmann/Jerger (1999), S.67.

[6] Keynes, (1936), S.15.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638031257
ISBN (Buch)
9783638930390
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85775
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Contra Mindestlohn Wirtschaftspolitik Thema Mindestlohn

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