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Die Beeinflussung des Lernerfolgs durch die Gestaltung des Raums - speziell des Klassenzimmers

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Eingrenzung des Themas

2. Was einen Lernort ausmacht

3. Lernort Schule – Der Klassenraum
3.1 Die Gestaltung des Raums als wichtige Grundlage fördernden Lernens im Unterricht
3.2 Fotoanalyse eines Klassenzimmers

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Eingrenzung des Themas

Der Mensch ist anders als jedes andere Lebewesen dazu in der Lage, seinen Lebensraum im Großen und Ganzen nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten. Jedenfalls sind die Möglichkeiten ungleich größer als etwa bei Tieren. Um sich seine optimale Umgebung oder seinen optimalen Wohnraum zu schaffen, ist dazu zwar oft Hilfe anderer Menschen nötig, aber es ist eben möglich. Der deutsche Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen (1904 – 1976) beschrieb den Unterschied zwischen Mensch und Tier in ihrer Beziehung zur Umwelt folgendermaßen: „Der Mensch ist organisch Mängelwesen, er wäre in jeder natürlichen Umwelt lebensunfähig, und so muss er sich eine zweite Natur, eine künstlich bearbeitete und passend gemachte Ersatzwelt, die seiner versagenden organischen Ausstattung entgegenkommt, erst schaffen, und er tut dies überall, wo wir ihn sehen. Er lebt sozusagen in einer künstlich entgifteten, handlich gemachten und von ihm ins Lebensdienliche veränderten Natur, ….“[2]) Die Kleidung und die Heizung machen uns das Leben auch bei den verschiedensten Witterungsverhältnissen angenehm. Unseren Wohnraum gestalten wir so, wie wir uns darin selbst am wohlsten fühlen – ganz individuell. Die Gestaltung unserer Umwelt hat immer auch psychologische Wirkungen auf uns Menschen. Nicht jeder mag die gleichen Tapeten. Nicht jeder mag dieselben Farben. Und nicht jeder mag das gleiche Design von Möbeln. Die Geschmäcker können sehr verschieden sein.

Aber nicht überall ist das oberste Ziel der Gestaltung unserer Lebensumwelt nur unser Wohlbefinden. Wenn Seminarräume in Universitäten statt mit den entsprechenden Sitzgelegenheiten nur mit Betten und Sofas ausgestattet wären, würden zwar viele sagen, die Räume seien sehr bequem ausgestattet. Jedoch, die eigentliche Intention – das Lernen – würde eher gehemmt werden. Für das Lernen in den öffentlichen Institutionen wie der Schule sind andere Raumgestaltungen und Atmosphären erforderlich als für das gemütliche Wohnen zu Hause. Zweifels-

ohne haben bestimmte Lernumgebungen auch bestimmte Wirkungen auf den Lernenden[1]).

Dies ist kein Geheimnis und wissenschaftlich längst fundiert. Deshalb stellt sich die Frage, welche Faktoren bei der Gestaltung des Raums eine Rolle spielen, wenn darin gelernt werden soll. Dazu möchte ich mich in dieser Arbeit speziell auf die

allgemeinbildenden Schulen konzentrieren. Wie kann mit Hilfe der Klassenraum -gestaltung das Lernen der Schüler gefördert und effektiv unterstützt werden? Und welche nicht fachspezifischen Lernziele können mit den entsprechenden Sitzanordnungen am ehesten erreicht werden?

Zunächst jedoch, soll im folgenden Punkt auf den Begriff Lernort näher eingegangen werden, um deutlich zu machen, was dieser Begriff beinhaltet. Danach wird der Lernort Klassenraum Gegenstand dieser Arbeit sein. Dazu werden anfangs eher allgemeine Dinge zur Gestaltung des Raums als wichtige Grundlage fördernden Lernens im Unterricht gesagt. Anschließend wird die Gestaltung eines Klassenzimmers in einer Realschule mit Hilfe ausgewählter Fotos analysiert. Es ist mir wichtig, die Lernsituationen in Bezug auf die Raumgestaltung im Klassenzimmer darzustellen, wie sie gegenwärtig in unseren Schulen vorliegen.

2. Was einen Lernort ausmacht

Der Seminartitel „Lernort Universität“ lässt bereits vermuten, dass es neben der Universität noch andere so genannte Lernorte gibt. Es scheint einem zunächst vielleicht sofort ersichtlich, was ein Lernort sein soll. Das sind Orte, an denen man etwas lernt, wird man wohl zuerst sagen. Nun werden die einen oder anderen Pädagogen ergänzen, dass überall und in jeder Lebenslage etwas gelernt wird – was und wie viel von dem „Etwas“ auch immer.

Im Rahmen des öffentlichen Bildungswesens (auch in privater Trägerschaft) werden Lernorte als Einrichtungen verstanden, die Lernangebote organisieren. Sie stellen „nicht nur räumlich und rechtlich selbstständige Einheiten dar, sondern sie unterscheiden sich zugleich durch ihre jeweilige spezifisch pädagogisch - didaktische Funktion bei der Vermittlung allgemeiner und beruflicher Qualifikationen.“[1]) Genauer gesagt, erfüllt jeder Lernort „mehrere didaktische Funktionen, diese allerdings mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichem Gewicht.“[2]) Jede Lernortinstitution ist also für spezifische Lernprozesse besonders geeignet. In der Schule sind die Einführungen in die grundlegenden sachlichen und logischen Zusammenhänge kennzeichnend. In einer Berufsschule wird aber wiederum etwas anderes bzw. mit anderen Lernzielen gelehrt und gelernt als in einer allgemeinbildenden Schule. Und im Lernort Betrieb beispielsweise werden die praxisnahen Fertigkeiten und Qualifikationen erworben. Lehrwerkstätten (dazu zählen auch eingeführte Lehrgänge) zielen ebenfalls auf Praxisnähe und sind dennoch eigenständige Lernortinstitutionen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch unzählige andere Lernorte. Es gibt zum Beispiel solche, die berufsspezifisch sind und jene, die auf allgemeine Kenntnisse zielen. An welchen und an wie vielen Lernorten die Berufsausbildung in Deutschland stattfindet, hängt natürlich insbesondere vom jeweiligen Beruf ab. Man unterscheidet jedoch im Allgemeinen vier Lernorte in der deutschen Berufsausbildung: den Arbeitsplatz, die Berufsschule, die Lehrwerkstatt und das Studio. Dabei nimmt der Arbeitsplatz schwerpunktmäßig die wichtigste

Rolle ein. Der Elektroinstallateur beispielsweise wird an den Lernorten Arbeitsplatz (bzw. Betrieb), Berufsschule und Lehrwerkstatt bzw. in Lehrgängen ausgebildet. Die Ausbildung dort, wie auch üblicherweise in jeder anderen Berufsausbildung im deutschen Handwerk und in der Industrie, findet im so genannten dualen System statt, das heißt im Betrieb (zum Teil in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten) und in der Berufsschule. „Die zwei tragenden Pfeiler des Berufsausbildungssystems sind die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb.“[1.1]) Diese müssen ständig miteinander kooperieren. Überhaupt ist es oft notwendig, dass das Lernen (oder speziell eine Berufsausbildung) an mehreren Lernorten stattfindet. Man spricht dann von Pluralität von Lernorten. Das meint „nicht lediglich ein Nebeneinander und Miteinander von Lernorten. Es geht vielmehr um die Kombination verschiedener Lernorte mit dem Zweck, das Lernen nach Art und Zielerreichungsgrad zu optimieren. …. Ein Beispiel dafür ist die Berufsausbildung im Rahmen des dualen Systems.“[1.2]) Das duale Ausbildungssystem hat aber auch seine Kritiker. Vielen ist die Aufgabenteilung zwischen Berufsschule und Betrieb zu unscharf. Das heißt, die scheinbar einfache Formel, dass der Betrieb >>die Praxis<< und die Berufsschule >>die Theorie<< vermittle, „ist vor allem für diejenigen Großbetriebe nicht mehr haltbar, die selbst eine systematisierte Wissensvermittlung organisiert haben.“[1.3]) Mehrere Lernorte für eine Ausbildung sind heutzutage dringend notwendig. Denn der zukünftige Fachmann muss die Vorgänge in seinem technischen Bereich begreifen. Und dementsprechend muss gelehrt werden. Nur so kann infolge des fortschreitenden Entwicklungs -prozesses (in der Technik) eine sichere und qualitativ wertvolle Ausbildung ermöglicht werden. In den Betrieben bzw. an den Arbeitsplätzen werden technische Vorgänge für die Auszubildenden zunehmend weniger anschaulich und

erlebbar. „Erfolgserlebnisse verlagern sich vom konkret erfahrbaren Bereich auf nur abstrakt erfahrbare Bereiche.“[2]) Aber die Pluralität von Lernorten beschränkt sich nicht nur auf die Berufsausbildung. Auch in den allgemeinbildenden Schulen wird, wenn auch nicht in dem hohen Maße, zumindest zeitweise an verschiedenen

Lernorten gelernt – während der Praktikumswochen etwa. Hierbei ist allerdings weniger das Ziel, in diesen Wochen fachkundig in einem bestimmten Bereich zu werden. Vielmehr sollen die Schüler in dieser Zeit Berufe kennenlernen, um sich die Entscheidung der späteren Berufswahl dadurch eventuell zu erleichtern.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich in dieser Hausarbeit durchgehend die männliche Form verwendet. Natürlich sind damit auch immer beide Geschlechter gemeint.

[2] http://www.philos-website.de/index_g.htm?autoren/gehlen_arnold.htm~main2

[1] Betrifft: Berufsbildung, S. 113

[2] Lernorte im dualen System der Berufsbildung, S. 11

[1.1] Lernorte im dualen System der Berufsbildung, S. 12

[1.2] Lernorte im dualen System der Berufsbildung, S. 99

[1.3] Lernorte im dualen System der Berufsbildung, S. 107

[2] Betriebspädagogik, S. 103

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638043373
ISBN (Buch)
9783640155859
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v85786
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Institut für Allgemeine Pädagogik und Erwachsenenbildung / Weiterbildung
Note
Schlagworte
Beeinflussung Lernerfolgs Gestaltung Raums Klassenzimmers

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