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Finanzierung sozialer Arbeit. Alternative Wege

Diplomarbeit 1999 80 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die aktuelle Finanzierungssituation in Deutschland

3. Finanzierungsquellen sozialer Arbeit

4. Finanzierung durch die öffentliche Hand
a) Finanzquellen
b) Finanzierungsformen

5. Fundraising – Mittelbeschaffung für die soziale Arbeit
5.a) Spenden
a) Die Situation auf dem Deutschen Spendenmarkt
b) Formen der Spendenwerbung und Spendermotivation
c) Wertigkeit und Vor- und Nachteile der Spende
5.b) Stiftungen
a) Übersicht über den Stiftungssektor in Deutschland
b) Vorstellung ausgewählter Stiftungen
c) Vor- und Nachteile der Stiftungsfinanzierung
5.c) Social Sponsoring
a) Sponsoring in Deutschland
b) Sponsoring in der Praxis
c) Vorteile und Problemlagen

6. Fundraising – Möglichkeit zu einer autarken Finanzierung?

7. Literatur

8. Anhang

1. Einleitung

Die Debatte um zu öffentlichen Finanzierungsmodellen alternative Finanzierungsformen im Nonprofit Sektor in Deutschland ist seit geraumer Zeit aktuell. Aufgrund knapper öffentlicher Haushalte wird von Seiten der öffentlichen Hand nach Möglichkeiten gesucht, die Finanzierung der sozialen Arbeit zurückzufahren. Dies bedingt, daß auch bei den in der sozialen Arbeit tätigen Nonprofit- Organisationen vermehrt nach Möglichkeiten gesucht werden muß, die Finanzierung durch alternative Mittel sicherzustellen. Die Aktualität dieser Situation habe ich zum Anlaß genommen, mich genauer mit der Thematik zu befassen.

Zuerst werde ich hierbei die momentane Finanzierungssituation sozialer Arbeit in Deutschland darstellen, um aufzuzeigen, welchen Stellenwert die einzelnen möglichen Finanzierungsformen derzeit im 3. Sektor einnehmen.

Im Anschluß daran werde ich eine Übersicht über die üblichen Finanzquellen der sozialen Arbeit in Deutschland hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und ihrer Bedeutung geben.

Davon ausgehend werden die Möglichkeiten und Formen der Mittelbeschaffung von der öffentlichen Hand aufgezeigt und hinsichtlich ihrer Praktikabilität und ihrer Änderungstendenzen betrachtet.

In der Folge wird dann das »Fundraising« als Möglichkeit zur alternativen Mittelgewinnung vorgestellt. Hierbei wird auch auf infrastrukturelle und andere Voraussetzungen eingegangen, die für erfolgreiches Fundraising notwendig sind.

Dann wird zu den alternativen Finanzierungsformen Spenden, Stiftungen und Sponsoring übergeleitet, die in der Folge zum Teil unter Zuhilfenahme von Praxisbeispielen vertiefend dargestellt und bezüglich der Vor- und Nachteile sowie ihrer Bedeutung für sozialwirtschaftliche Nonprofit- Organisationen untersucht werden. Hierbei wird auch auf die Methodik zur Erlangung dieser Gelder eingegangen.

Abschließend erfolgt dann eine Prüfung der alternativen Finanzierungsformen im Bezug auf die Bedeutung für die Organisationen, die in der sozialen Arbeit tätig sind.

2. Die aktuelle Finanzierungssituation in Deutschland

Um alternative Finanzierungsformen sozialer Arbeit in Deutschland aufzeigen zu können, ist es zunächst unabdingbar, die momentane Finanzierungssituation der Nonprofit- Organisationen und die Situation des Nonprofit Sektors im Ganzen zu betrachten. Dies soll nachstehend geschehen. Wenn in der Folge von Nonprofit- Organisationen die Rede ist, sind zumeist in erster Linie die für die Profession der sozialen Arbeit wichtigen Organisationen im sozialwirtschaftlichen Bereich gemeint.

Die derzeitige Finanzierungsstruktur der sozialen Dienstleister in Deutschland ist klar auf eine Finanzierung über staatliche Stellen ausgerichtet. „Nonprofit- Organisationen in Deutschland verlassen sich bei ihrer Finanzierung stärker auf öffentliche Geldgeber als dies in vielen anderen Ländern der Fall ist, direkte Entgelte der Leistungsempfänger für erbrachte Leistungen und besonders private Spenden spielen eine relativ geringe Rolle.“[1] Beleg für diese Ausnahmestellung des Deutschen Nonprofit Sektors sei nachstehende Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Die finanzielle Abhängigkeit der NPO`s vom Staat variiert mit den Tätigkeitsbereichen innerhalb des Nonprofit Sektors. Besonders groß ist sie im Gesundheitswesen und in den sozialen Diensten (mit mehr als 82%)...“[2]

Bei einer Finanzierungsstruktur, die zumindest in den primären Einsatzgebieten des Sozialarbeiters/-pädagogen zu über 80% auf öffentliche Gelder angewiesen ist, liegt es auf der Hand, daß der Nonprofit Sektor in Deutschland bei wirtschaftlichen Rezessionen und den damit einhergehenden Finanzlöchern der öffentlichen Kassen in besonderem Maße mit finanziellen Einbußen zu kämpfen hat. Es zeigt sich, daß die Konkurrenz um vorhandene Mittel immer stärkere Formen annimmt. Dies wird zum Einen durch die Verknappung öffentlicher Mittel, zum Anderen durch die immer größere Zahl von im Nonprofit- Bereich tätigen Institutionen bedingt. „Während die Gesamtbeschäftigungszahlen zwischen 1960 und 1990 um 11% expandierten, steigerte sich die Beschäftigung im Nonprofit Sektor viel kräftiger, nämlich um über 300 %.“[3] Dieses rasante Wachstum konnte so lange gut gehen, wie auch der Sozialetat von Bund, Ländern und Gemeinden anwuchs. Aber bei einem Etat von 40% des Gesamthaushaltes auf Bundesebene scheint die Grenze des Leistbaren erreicht. Wenn nun in der aktuellen politischen Diskussion der Bundesfinanzminister einschneidende Kürzungen eben dieses Etats ankündigt, so darf dies nicht verwundern.

„Die Konkurrenz um die klassischen Finanztöpfe ist härter geworden; Tag für Tag berichten die Medien von geplanten oder bereits in Kraft gesetzten Kürzungen der öffentlichen Finanzmittel. Gerade bei Dienstleistungen für gesellschaftliche Gruppierungen, die keinen großen Einfluß oder keine starke Lobby haben, setzt die Rotstiftpolitik am schnellsten an.“[4] Detlef Luthe – Fundraiser bei der Freiwilligen-Agentur Bremen spricht in diesem Zusammenhang von den „Falltüren des Wohlfahrtsstaates“, die sich öffnen.[5]

Angesichts dieser Finanznot müssen sich auch die Organisationen, die im sozialen Sektor tätig sind, einer bitteren Erkenntnis stellen: Die Zeiten, in denen öffentliche Mittel leicht zu erhalten waren und in genügender Menge zur Verfügung standen, gehören wohl endgültig der Vergangenheit an.

Wo der Staat wenig Geld, jedoch viel Auswahl hat, versucht er naturgemäß, Marktgesetzen entsprechend das Nötige für möglichst wenig Geld zu erhalten. Diese Tatsache zeigt sich in Deutschland daran, daß die öffentliche Hand bei der Leistungsvergütung immer mehr zur pauschalen Fallabgeltung übergeht. „Diese Situation bedeutet einerseits mehr Autonomie für die NPO`s, andererseits aber auch den Druck, die eigenen Leistungen aus einem quasi vom Markt vorgegebenen Preis finanzieren zu müssen.“[6]

Hinzu kommt, daß sich die klassischen Nonprofit- Organisationen (NPO`s) als Organisationen des dritten Sektors zusätzlich zur Konkurrenz im eigenen Lager auch noch verstärkt einer Konkurrenz aus dem Sektor der profitorientierten Unternehmen gegenüber sehen.

„Gewinnorientierte Unternehmen bieten in zunehmendem Maß Leistungen an, die noch vor einigen Jahren »stillschweigend« ein vorwiegendes Tätigkeitsfeld von NPO`s waren“[7]

Ein Beispiel hierfür ist der Bereich der Altenpflege. Sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich drängen hier immer mehr kommerzielle Anbieter auf den Markt.

Diesem Trend müssen sich die sozialen Dienstleister wohl oder übel anpassen, wenn sie nicht die Existenz ihrer Einrichtung auf das Spiel setzen wollen. Mit der Einbeziehung von Marktgesichtspunkten wird mittelfristig das Erscheinungsbild des Nonprofit Sektors an sich verändert. Die Entwicklung wird wohl mehr und mehr zu betriebswirtschaftlichen Strukturen tendieren. Eine Entwicklung, die man durchaus kritisch sehen kann, die aber wohl aus dargelegten Gründen unvermeidbar sein wird. „...die gewohnte Außenansicht des Nonprofit Sektors kann dadurch in Frage gestellt werden, weil sich NPO`s zunehmend als leistungsorientiert und nicht mehr als bloße Wohltäter präsentieren müssen.“[8]

Wie bereits dargestellt, fördert die öffentliche Hand diese betriebswirtschaftlichen Strukturen, weil eine Orientierung hin zu Marktmechanismen in der sozialen Arbeit wahrscheinlich eine kostengünstigere Leistungserbringung bedeuten wird. Dies bedeutet eine Entlastung für die öffentlichen Kassen, und eben diese scheint dringend notwendig.

Wenn nun die öffentliche Hand auf absehbare Zeit keine ausreichend große Geldquelle für alle im Feld der sozialen Arbeit tätigen Organisationen darstellen kann – und dies wird sie wohl auch unter der neuen Bundesregierung schwerlich leisten können – bleibt dem Nonprofit Sektor in Deutschland zwangsläufig nur die Suche nach alternativen bzw. ergänzenden Geldquellen. Teilweise wird diese Alternative in den einzelnen Organisationen sicherlich bereits genutzt, wenn sie auch ausbaufähig scheint. Organisationen, die das gesamte Spektrum der möglichen Geldquellen bei ihrer Mittelaquisition berücksichtigen, sind aber vermutlich absolute Ausnahmen. Die Bequemlichkeit der öffentlichen Finanzierung hat viele Organisationen und deren Mitarbeiter träge gemacht. Sie konnten sich den Luxus leisten, sich über die Geldquellen zur Finanzierung ihrer Arbeit nur wenig Gedanken machen zu müssen; das Thema Geld war bei den idealistischen Zielen gerade im sozialen Bereich nur im Wege und wurde mit einem Tabu belegt. „Dem Tabu Geld steht gegenüber, daß finanzielle Mittel in der Alltagsrealität eine große Rolle spielen. Zwar bestehen zwischen den Organisationen des dritten Sektors erhebliche Unterschiede bei der Größenordnung der benötigten Finanzmittel, doch selbst kleinste Vereine kommen nicht ohne Geld aus.“[9] Diese Feststellung ist inzwischen wohl in jeder Organisation des sozialen Sektors getroffen worden. Daher werden nun wohl auch bisher vernachlässigte Möglichkeiten der Mittelbeschaffung stärker in den Vordergrund rücken.

Das Schlagwort Fundraising macht allerorten die Runde, wird als Ausweg aus der Finanzmisere gepriesen. Die Hoffnung ist da, mit Hilfe von Instrumenten des Fundraisings eine autarke, von den immer mehr verebbenden Mitteln der öffentlichen Hand unabhängige NPO schaffen zu können. Es stellt sich jedoch die Frage: Ist dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt möglich? Welche Voraussetzungen müssen hierfür organisationsintern getroffen werden? Und nicht zuletzt: Ist eine solche autarke Finanzierung überhaupt erstrebenswert? All diese Fragen sind meiner Ansicht nach von elementarer Wichtigkeit. Daher werde ich versuchen, im Rahmen dieser Ausarbeitung einen Überblick über die Finanzierungssituation und die Möglichkeiten alternativer Mittel zu erarbeiten, um abschließend diese Fragen beantworten zu können.

Zunächst einmal ist es wohl unumgänglich, eine relativ vollständige Übersicht über die möglichen Finanzierungsquellen sozialer Arbeit zu erhalten. Diesen Überblick möchte ich im nun folgenden Teil meiner Ausarbeitung darstellen., um auf dieser Basis die wichtigsten Finanzquellen herauszustellen und vertiefend zu beschreiben.

3. Finanzierungsquellen sozialer Arbeit

Es gibt multiple Möglichkeiten der Mittelbeschaffung, über die sich eine NPO finanzieren kann. Hierbei muß die einzelne NPO kritisch prüfen, welche Finanzierungsarten für die Organisation in Frage kommen. Dabei können ideologische, strukturelle oder andere Gründe der Mittelbeschaffung durch bestimmte Finanzquellen entgegen stehen. Ein Beispiel: Die Arbeit einer Arbeitslosenselbsthilfe–Initiative wird sich kaum über Kirchensteuern finanzieren lassen.

In der Folge wird nun ein relativ umfassender Überblick über die möglichen Geldquellen in der sozialen Arbeit gegeben; die einzelnen Quellen werden teilweise anhand von Beispielen erläutert.

Finanzquellen der sozialen Arbeit[10]:

Nutzungsentgelte: Hierbei handelt es sich um direkt vom Nutzer an den Erbringer der Leistung gezahlte Finanzmittel. Diese Finanzierungsform ist nur bei potentiell solventen Klientengruppen praktikabel. Als Beispiele könnten hier Beratungshonorare bei Eheberatungsstellen oder Elternbeiträge für Kindergärten angeführt werden. Nutzungsentgelte schließen allerdings nicht aus, daß zusätzlich von staatlicher oder anderer Stelle Beihilfen an die Nutzer (oder aber Zuschüsse für den Leistungsträger) erbracht werden.

Mitgliedsbeiträge: Verbände der freien Wohlfahrtspflege und sonstige freie Träger, die als Mitgliedsorganisationen aufgebaut sind, finanzieren sich zum Teil aus den Beiträgen ihrer Mitglieder. Prinzipiell kann jeder der Organisation als Mitglied beitreten und durch seine Beiträge die Organisation finanziell unterstützen. Hierbei sind die Mitgliedsformen der Fördermitgliedschaft, welche lediglich zur finanziellen Unterstützung dient, und der Mitgliedschaft, die auch Mitarbeit und Einflußnahme beinhaltet, zu unterscheiden.

Zuwendungen, Entgelte/Pflegesätze, Entgelte/Kostenersatz: Träger dieser Finanzierungsformen sind staatliche oder halböffentliche Stellen. „Staatliche Förderung bedeutet allerdings nicht, daß die Mittel lediglich aus einem Topf fließen. Als Geldgeber fungieren können die Kommunen, die Länder, der Bund oder gar die Europäische Union.“[11] Diese Finanzierungsformen sind, wie bereits dargestellt, für die soziale Arbeit in Deutschland aufgrund ihrer finanziellen Masse momentan noch existentiell notwendig. Wegen dieser Wichtigkeit werden sie im nächsten Teil der Ausarbeitung vertiefend dargestellt.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb: Eine Nonprofit- Organisation kann auch einen Profit –Bereich haben. Dieser dient der Verbesserung der Eigenfinanzierung. Denkbar ist hier z. B., daß auf dem Markt Produkte verkauft werden, die bei der Nonprofit- Organisation hergestellt wurden. Ein Beispiel aus dem ostfriesischen Raum stellen hier die Ostfriesischen Beschützenden Werkstätten (OBW) in Emden dar, die in ihren Werkstätten für Autozulieferer oder andere Firmen Montagearbeiten durchführen und dafür entlohnt werden. Einkünften aus diesen Tätigkeiten sind allerdings nicht steuerbegünstigt, da sie nicht gemeinnützig sind.

Zweckbetrieb: Im Gegensatz zum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb steht der Zweckbetrieb. Dieser ist zur Erreichung des sozialen Zwecks der Organisation notwendig und gilt somit als gemeinnützig und steuerbegünstigt. Ein Beispiel könnte das Betreiben einer Teestube für Drogenabhängige bei einer Drogenberatungsstelle sein, in der vergünstigt heiße Getränke und Kuchen abgegeben werden.

Vermögenserträge: Diese können zum Beispiel entstehen, wenn im Rahmen von Projekten Überschüsse erwirtschaftet und bei einer Bank angelegt wurden. Die so gewonnenen Zinserträge können dann später als Eigenmittel in andere Projekte einfließen.

Events: Hier ist die Phantasie der Initiatoren gefragt. Neben den klassischen Events wie Basare, Tombolas etc. sind viele andere Formen denkbar, um mit Veranstaltungen Geld in die Kasse der Institution zu bekommen. Eine im Bereich der Jugendzentrumsarbeit verbreitete Form von Events ist z. B. die Organisation eines Musikfestivals, bei dem mehr oder minder bekannte Musikgruppen gegen Honorar auftreten und bei denen die Festivalbesucher ein Eintrittsgeld entrichten.

Bußgelder: „Geldbußen werden in freier und unabhängiger Entscheidung des Richters den Institutionen zugewiesen. Als Entscheidungshilfe steht den Gerichten eine Liste zur Verfügung, in der Einrichtungen genannt werden, die als Empfänger von Geldbußen im Strafverfahren in Betracht kommen.“[12] Gemeinnützige Organisationen im Sozialbereich können sich beim zuständigen Gericht in dieser Liste registrieren lassen, und bekommen dann, wenn der Richter das im Urteil verfügt, die Geldbuße für ihre Arbeit zugewiesen. Besonders häufig, so meine Erfahrung, werden dabei Organisationen wie der Bewährungshilfeverein bedacht. Anzumerken ist, daß es meist nicht genügt, nur auf der Liste zu stehen. Persönliche Ansprache der Richter und ein gelegentliches »wieder in Erinnerung bringen«, kurz gesagt Beziehungsarbeit sind hier nötig.

Testate: Das Testat ist eine Sonderform der Spende. Es wird in diesem Zusammenhang später noch vertiefend darauf eingegangen. An dieser Stelle soll nur angemerkt werden, daß Testamentspenden in die Finanzierungsplanung nur bedingt einfließen können, da der Zeitpunkt und häufig auch die Höhe der Spende nicht voraussehbar sind. Vorausgesetzt es ist überhaupt bekannt, ob die Organisation im Testament bedacht wurde.

Kirchensteuern: Jeder, der Mitglied einer der großen Kirchen in Deutschland ist, zahlt mit der Lohnsteuer, automatisch 8-9 % der Lohnsteuer als Kirchensteuer an die seiner Konfession entsprechende Landeskirche. Diese Gelder werden neben den üblichen Verwaltungs-, Personal-, und Instandhaltungskosten auch für soziale Organisationen der Kirche (Caritas, Diakonisches Werk, etc.) verwandt. Für diese Organisationen bedeutet die Kirchensteuer eine wichtige Einnahmequelle. Andere Organisationen, die nicht von den Kirchen getragen werden, haben allerdings keine Möglichkeit Geld aus diesem Topf zu erhalten.

Wohlfahrtsmarken: „Wohlfahrtsmarken und Jugendmarken sind insbesondere in der Weihnachtszeit eine leicht zu erschließende Finanzierungsquelle. Zusätzlich zum normalen Porto haben diese Sondermarken ein »Aufgeld«, das der freien Wohlfahrts- bzw. Jugendpflege zustatten kommt.“[13] „50 Jahre SOS-Kinderdörfer e.V., 25 Jahre deutsche Krebshilfe, 100 Jahre Automobilclub von Deutschland und 50 Jahre Deutscher Gewerkschaftsbund stehen auf der Jahresplanung für Sonderpostwertzeichen der Deutschen Post AG und des Bundesfinanzministers für 1999.“[14]

Spenden, Zuschüsse von Stiftungen, Sponsoring: Dies alles sind wichtige Quellen für eine alternative Finanzierung sozialer Arbeit. Sie werden in später folgenden Teilen der Ausarbeitung ausführlich behandelt.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß viele dieser Finanzierungsquellen durchaus beachtet werden sollten. Kontinuierliche Finanzierung ist allerdings häufig durch sie nicht leistbar. Weiterhin ist die Höhe der Einkünfte höchst unterschiedlich, meist jedoch nur relativ gering. Einige Finanzierungsformen schließlich sind, wie aufgezeigt, nur bestimmten Organisationen zugänglich.

Aufgrund ihrer Bedeutung und möglichen Höhe hervorzuheben sind die öffentlichen und halböffentlichen Finanzierungsformen, sowie das Spendenwesen, die Stiftungsfinanzierung und das Sponsoring.

In der Folge sollen nun zunächst die Finanzierungsmöglichkeiten durch die öffentliche Hand vertiefend dargestellt werden, bevor dann zum Hauptteil dieser Ausarbeitung, nämlich den alternativen Finanzierungsformen, übergeleitet wird.

4. Finanzierung durch die öffentliche Hand

Wie bereits ausgeführt, finanzieren sich Organisationen des Nonprofit- Sektors zu großen Teilen mit Hilfe öffentlicher Gelder.

„Allerdings kann die Finanzierungsstruktur einzelner Organisationen erheblich von dem dargestellten Grundmuster abweichen. So existieren auch bei uns Organisationen (wie etwa Greenpeace), die aus Prinzip keinerlei öffentliche Mittel in Anspruch nehmen und sich voll aus Spendengeldern finanzieren.“[15]

Im Bereich der klassischen Sozialarbeit gibt es momentan allerdings kaum Organisationen, die öffentliche Gelder ausschlagen. Dies liegt sicherlich teilweise an den mangelnden finanziellen Mitteln. Im Allgemeinen hat die im Bereich der sozialen Arbeit tätige NPO wohl nicht die Gelder, um im großen Maße Spenden einzuwerben, und die Organisationen, die diese Mittel doch haben, sind sich der Wirksamkeit dieser Einwerbeaktionen, die Geld und personelle Ressourcen erfordern, nicht sicher. Klassische Sozialarbeit, so meine These, ist oft einfach zu unspektakulär, um große Mengen Spendengelder einwerben zu können. Auf dieses Thema wird später im Kontext Spendermotivation noch näher eingegangen. Ein weiterer wichtiger Grund für die große Bedeutung öffentlicher Finanzmittel in diesen Organisationen ist wohl der, daß ein Hauptaufgabenfeld klassischer Sozialarbeit schon immer in der Umsetzung der Aufgaben bestand, die der Staat sich selbst auferlegt hat (z. B. im Rahmen von SGB VIII und BSHG). Dort, wo staatliches Interesse an einer Aufgabe besteht, sorgt der Staat natürlich auch für finanzielle Ressourcen zur Umsetzung dieser Interessen. Daher besteht die Möglichkeit einer rein öffentlichen Finanzierung. Da aber diese Gelder, wie dargelegt, aufgrund von Haushaltseinsparungen und zunehmender Zahl von konkurrierenden Organisationen für die einzelne NPO immer knapper werden, müssen mittelfristig Alternativen geschaffen werden.

Um diese aufzeigen zu können, soll nun aber erst einmal das Finanzierungssystem der öffentlichen und halböffentlichen (z. B. Sozialversicherungsleistungen) Kassen dargestellt werden. Weiterhin gibt es auch in diesem System Mittel, die als Alternative zu den klassischen Mitteln angesehen werden können. Auch um die Fragestellung, ob eine von öffentlichen Geldern autarke Finanzierung überhaupt möglich ist, weiter verfolgen zu können, ist es wichtig die öffentlichen Finanztöpfe und die Art und Weise ihrer Verteilung zu kennen.

Nachstehend werden daher zuerst einmal die verschiedenen Quellen staatlicher Förderung dargestellt. Dabei wird auf die grundsätzlichen Voraussetzungen eingegangen, unter denen die einzelnen Quellen als Finanziers der Arbeit in Frage kommen.

Im Anschluß daran werden dann die verschiedenen Formen der Förderung aufgezeigt und kritisch beleuchtet.

a) Finanzquellen

„Neben den Zweigen der Sozialversicherungen, die insbesondere in den Bereichen der beruflichen und sozialen Rehabilitation, der Aus-, Fort- und Weiterbildung, der Gesundheits- und Familienhilfe sowie der Pflege als Finanzierungsträger sozialer Arbeit in Erscheinung treten, obliegt der Großteil bei der Finanzierung sozialer Arbeit und sozialer Hilfen beim Bund, den Ländern und den Kommunen bzw. Kreisen.“[16]

Förderung durch die Kommune

In der Finanzierung sozialer Aufgaben gibt es in Deutschland eine klare Dominanz in der Zuständigkeit der örtlichen Träger. Regelaufgaben (z. B. durch SGB VIII oder BSHG geregelt) werden fast ausnahmslos von diesen finanziert. In diesem Kontext ist auch die von kommunaler Seite immer wieder betonte Finanzmisere der kommunalen Haushalte zu verstehen.

Da die kommunalen Träger den weitaus größten Teil der finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellen, wäre es wohl wenig sinnvoll, alle von ihnen prinzipiell zu fördernden Bereiche hier darzustellen. Geregelt sind diese in den entsprechenden Paragraphen von SGB VIII und BSHG. Für die einzelne NPO gilt es nach dem Ausschlußverfahren vorzugehen und zu überprüfen, ob die nachstehenden Bereiche/Kriterien die/nach denen Bund und Länder fördern, auf ein geplantes Projekt zutreffen. Ist dies nicht der Fall, muß versucht werden, auf die kommunale Förderung zurückzugreifen. Beachtet werden sollte hierbei, „In der Finanzierung der Sozialarbeit gibt es zwischen dem überörtlichen und örtlichen Träger in vielen Bereichen Schnittstellen, die sich in Mischfinanzierung äußern.“[17]

Förderung durch das Land

Die Bundesländer konzentrieren sich bei ihren Förderprogrammen vor allem auf die Investitionsförderung, speziell im Rahmen der Bauförderung. Diese Aufgabe liegt auf Landesebene, da es bei Baumaßnahmen im Allgemeinen um sehr hohe Summen geht, mit deren Bezuschussung die kommunalen Träger deutlich überfordert wären. „Aufgrund dieser finanziellen Größenordnungen, aber auch, um die Angebotsstruktur von Einrichtungen politisch steuern zu können und dadurch soziale Versorgungslücken zu vermeiden, ist die Investitionsfinanzierung Aufgabe der überörtlichen Träger...“.[18]

Neben dieser Investitionsförderung konzentrieren sich die Länder vor allem „...auf Vorhaben mit landesbezogenem Modell- und Pilotcharakter sowie auf die Finanzierung entsprechender wissenschaftlicher Begleitungen...“.[19] Darüber hinaus verfügen die Länder meist über Landespläne bzw. Landesprogramme für die Schwerpunktsetzung in den Bereichen der sozialen Hilfen, der Behindertenhilfe, Jugendhilfe etc., an denen sie sich orientieren. Zusammenfassend gilt für die Landesförderung, daß eindeutig lokal orientierte Vorhaben, die keinen Modellcharakter haben, nur selten gefördert werden.

Förderung durch den Bund

Hier werden nur die für diese Ausarbeitung wesentlichen Finanzmittel des Bundes dargestellt, es ist aber zu berücksichtigen, daß der Bund auch noch auf anderen Gebieten tätig ist.

Der Bund finanziert vor allem bundesweit operierende Dachverbände und Forschungseinrichtungen.

Wie die Bundesländer verfügt aber auch der Bund über Bundespläne für die Förderung von Modellprojekten. An den in diesen Plänen festgelegten Schwerpunkten orientiert er sich bei Förderentscheidungen bezüglich einzelner Projekte. Diese Bundespläne sind also vor Antrag auf Bundesmittel auf Übereinstimmung mit dem Projektvorhaben zu untersuchen.

Als grundlegend für die Bundesförderung kann gelten, „daß sich der Bund im System sozialer Arbeit, neben der institutionellen Förderung von bundesweiten Verbänden, Zentralstellen oder Forschungsinstituten, auf die Finanzierung von Modellvorhaben, Pilotprojekten und Forschungsvorhaben mit bundesweiter Bedeutung beschränkt und sich nach Ablauf dieser Projekte aus der Finanzierung zurückzieht.“[20]

Förderung durch die EU

Europäische Mittel werden in der Regel im Rahmen von Fonds zur Verfügung gestellt. Insbesondere für Organisationen, die im Bereich von Berufsbildungsprojekten, Arbeitslosenprojekten oder im beruflichen (Re-) Integrationsbereich tätig sind, bestehen gute Fördermöglichkeiten. Die wichtigsten Fonds im Bereich der für die soziale Arbeit wichtigen EU-Strukturfonds sind der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Mittel aus diesen Fonds werden im Sinne von vom Europarat festgelegter Ziele vergeben. Für den Bereich der sozialen Arbeit besonders interessant scheint das Ziel 3: Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, die Integration von Jugendlichen und Menschen, denen der soziale Ausschluß droht.[21] Die Mittelgewährung nach diesem Ziel ist dem ESF zugeordnet. „Finanziell sind die Strukturfonds im Zeitraum von 1994 bis 1999 EU-weit mit einem Volumen von ca. 145 Mrd. ECU ausgestattet.[...] Auf den ESF entfallen rund 30 % der Mittel.[...] Insgesamt werden nach Deutschland bis 1999 18,7 Mrd. ECU aus den EU-Strukturfonds fließen [...] Der ESF ist am Gesamtvolumen mit 6,5 Mrd. ECU beteiligt...“[22] In Niedersachsen standen/ stehen aus ESF-Mitteln von 1994 bis heute insgesamt 199,6 Mio. ECU zur Verfügung. Für das oben genannte Ziel 3 stehen hiervon 121,2 Mio. ECU bereit.[23] Die Antragstellung für solche Mittel wird immer wieder als recht komplex beschrieben und setzt wohl einige Erfahrung in der Antragstellung bei öffentlichen Kassen voraus. Beantragt werden die Mittel nicht bei der EU direkt sondern über Bund oder Ländern (je nach Art des Projektes).

„Da die ESF-Förderung auf der Projektebene immer nur einen Teil der Gesamtkosten abdecken kann – in den alten Bundesländern liegt der Regelfördersatz bei 45 %[...]- ist für die Deckung der Projektkosten eine komplementäre Finanzierung aus anderen Quellen notwendig.“[24] Weiterhin ist anzumerken, daß die Mittel begrenzt sind und daher in der Regel nur für Projekte gewährt werden, „...wenn sie besonders innovativ sind und neue Wege der Beschäftigungsförderung beschreiten.“[25] Sie werden außerdem nur projektbezogen vergeben. Die Möglichkeit einer institutionellen Förderung besteht nicht. Als Komplementärmittel jedoch sind sie für die eingangs erwähnten Tätigkeitsbereiche sicherlich eine willkommene Ergänzung.

Es bleibt noch die Möglichkeit der Finanzierung über Mittel aus den Töpfen der Sozialversicherung zu erwähnen. Diese kommen je nach Zweig, nach den Vorschriften von SGB III, V, VI, oder XI in Betracht und werden meist in Form von Pflege- und Kostensätzen oder im Rahmen von Leistungsverträgen gezahlt.

Nach der Vorstellung der öffentlichen Finanzquellen sollen in der Folge nun die in der öffentlichen Finanzierung üblichen Finanzierungsformen dargestellt werden. Abgesehen von der Tatsache, daß bei einigen Finanzquellen bestimmte Formen nicht praktiziert werden (Beispiel: EU-Fonds fördern nicht institutionell), gibt es bezüglich der Formen keine
Unterschiede zwischen den einzelnen Finanzierungsquellen. Daher gelten nachstehende Ausführungen grundsätzlich für alle Quellen.

[...]


[1] Haibach, Marita; Die spezielle Finanzierungsstruktur des dritten Sektors, in: Handbuch Sozialmanagement, Düsseldorf, Band 2, Kapitel D/2.5, S. 3

[2] Badelt, Christoph; Ausblick: Entwicklungsperspektiven des Nonprofit Sektors, in: Badelt, Christoph (Hrsg.), Handbuch der Nonprofit- Organisation, Stuttgart 2. Aufl. 1999, S. 527

[3] Anheier, Helmut/ Seibel, Wolfgang; Der Nonprofit Sektor in Deutschland, in: Badelt, Christoph (Hrsg.), Handbuch der Nonprofit- Organisation, a.a.O., S. 32

[4] Haibach, Marita; Fundraising- Spenden, Sponsoring, Stiftungen, Frankfurt 2. Aufl. 1996, S. 13

[5] Luthe, Detlef; Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit- Mittelbeschaffung für soziale Organisationen, in: Sozialmagazin 6/94, S. 48

[6] Badelt, Christoph; Ausblick: Entwicklungsperspektiven des Nonprofit Sektors, a.a.O., S. 528

[7] a.a.O., S. 524

[8] a.a.O., S. 534

[9] Haibach, Marita; Die spezielle Finanzierungsstruktur des dritten Sektors, a.a.O., S. 6

[10] Quelle: Halfar, Bernd; Finanzierung sozialer Dienste, in: Arnold, Ulli/ Maelicke, Bernd; Lehrbuch der Sozialwirtschaft, Baden Baden 1998, S. 410ff.

[11] Haibach, Marita; Die spezielle Finanzierungsstruktur des dritten Sektors, a.a.O., S. 5

[12] Bischoff, Harald/ Damm, Diethelm; Arbeitsplätze selber schaffen, finanzieren und behalten, München 1985, S. 224

[13] Halfar, Bernd; Finanzierung sozialer Dienste, a.a.O., S. 441

[14] Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing (Hrsg.); BSM-Newsletter 1/98, S. 27

[15] Haibach, Marita; Die spezielle Finanzierungsstruktur des dritten Sektors, a.a.O., S. 4

[16] Halfar, Bernd; Finanzierung sozialer Dienste, a.a.O., S. 411

[17] a.a.O., S. 412

[18] a.a.O., S. 426

[19] a.a.O., S. 412

[20] Halfar, Bernd; Finanzierung sozialer Dienste, a.a.O., S. 412

[21] Quelle: Arbeitslosenprojekt Tu Was; Leitfaden für Arbeitslose, Fachhochschulverlag Frankfurt, 15. Auflage 01/98, S. 388

[22] a.a.O., S. 389

[23] Quelle: a.a.O., S. 399

[24] a.a.O., S. 389

[25] a.a.O., S. 391

Details

Seiten
80
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638100625
ISBN (Buch)
9783638636629
Dateigröße
823 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden – Fachbereich Sozialwesen
Note
1
Schlagworte
Alternative Wege Finanzierung Arbeit

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Titel: Finanzierung sozialer Arbeit. Alternative Wege