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Nachrichtenwert-Theorie nach 1965

Hausarbeit 2007 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Gliederung

1. Vorbemerkungen

2. Journalistische Selektion
2.1 Input-Output- Untersuchungen
2.2 Experimentelle Untersuchungen
2.3 Inhaltsanalysen
2.3.1 Winfried Schulz
2.3.2 Joachim Friedrich Staab
2.4 Extra-Media Daten als Vergleichsbasis

3. Selektion durch Rezipienten

4. Ausblick

5. Literaturangabe

1. Vorbemerkungen

Die Nachrichtenwert-Theorie besagt: Je größer die Summe der Nachrichtenwerte der Nachrichtenfaktoren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Meldung publiziert wird, dass sie prominent platziert wird und dass die Meldung umfangreich wird. Diese Theorie soll die journalistischen Selektionsentscheidungen beschreiben und erklären. Das Ziel jeder Theorie sollte die Erklärung eines Phänomens und die sich daraus ergebende Prognose sein. Ob das in der Nachrichtenwert-Theorie erfüllt wurde, wird in der Folge zu klären sein.

Johan Galtung und Marie Ruge legten 1965 den ersten umfassenden Entwurf einer Nachrichtenwert-Theorie vor. Damit begründeten sie die Nachrichtenwert-Forschung. In der Folgezeit entstanden viele kleinere und größere Untersuchungen zu dieser Theorie. Ich möchte mich in meiner Arbeit aber auf wenige zentrale und bedeutende Untersuchungen nach 1965 beschränken.

2. Journalistische Rezeption

Die ersten Ansätze zur Nachrichtenwert-Theorie beschäftigten sich mit der journalistischen Rezeption. Nach Christiane Eilders unterteile ich sie in vier Forschungszweige, (vgl. Eilders 1997, S. 29-58) die ich aus Gründen der Vollständigkeit alle anführe.

2.1 Input-Output-Untersuchungen

Bei den Input-Output-Untersuchungen wird beispielsweise Agenturmaterial mit den darauf basierenden, veröffentlichten Beiträgen verglichen. Diese Forschungen knüpfen nicht an die Realität an, sondern betrachten den Verarbeitungsprozess innerhalb der Medien. Deshalb können keine Aussagen über die Verzerrung der Realität gemacht werden. Es ist durch diese Untersuchungen aber möglich, Kriterien herauszufiltern, die zur Veröffentlichung von Berichten beitragen. Man kann also den Einfluss der Nachrichtenfaktoren auf die Publikationsentscheidung erforschen (vgl. Eilders 1997, S. 51f).

2.2 Experimentelle Untersuchungen

Beim Forschungszweig, bei dem experimentelle Untersuchungen durchgeführt werden, werden Journalisten in einer künstlichen Auswahlsituation Nachrichtentexte – so genannte Vignetten – mit variierten Nachrichtenfaktoren vorgelegt. Diese müssen anhand ihrer Veröffentlichungswahrscheinlichkeit eingeschätzt werden. Somit lassen sich Publikationsentscheidungen direkt auf Nachrichtenfaktoren zurückführen. Eventuelle Verzerrungen auf Grund der Laborsituation wurden in Kauf genommen. Außerdem blieb unberücksichtigt, dass im Redaktionsalltag Meldungen nicht nur zwei sondern viele verschiedene Nachrichtenfaktoren enthalten (vgl. Eilders 1997, S. 53f).

2.3 Inhaltsanalysen

Beim Forschungsdesign der Inhaltsanalyse wird über einen gewissen Zeitraum die Berichterstattung mehrerer Medien beobachtet oder es werden die Berichte zu einem bestimmten Thema gesammelt. Es werden Kategorien ermittelt und danach die Veröffentlichungen kodiert, um die Daten statistisch und quantitativ auswerten zu können. Durch Umfang, Platzierung und Aufmachung versuchten die Forscher den Einfluss von Nachrichtenfaktoren auf die Beachtung von Ereignissen zu ermitteln. Außerdem wurden dabei meist die von Galtung und Ruge aufgestellten Hypothesen überprüft.

2.3.1 Winfried Schulz

Einen wichtigen Beitrag zur Nachrichtenwert-Theorie leistet Winfried Schulz mit seinen Untersuchungen von 1975 und 1977. Er sieht die Nachrichtenfaktoren nicht als Merkmale von Ereignissen, sondern als journalistische Hypothesen von Realität. Zudem führt er den Nachrichtenwert als „journalistische Hilfskonstruktion zur Erleichterung der notwendigen Selektionsentscheidungen“ (Schulz 1990, S. 30) ein, wobei er sich dabei auf Oystein Sande stützt, der den Beachtungsgrad als Hilfskonstruktion benutzte. Für Schulz sind die positive Selektionsentscheidung der Massenmedien und der Beachtungsgrad, der sich aus Umfang, Platzierung und Aufmachung ergibt, Teil des Nachrichtenwerts. Dieser entscheidet also darüber ob, wie und in welcher Weise über ein Ereignis berichtet wird. Darüber hinaus stellt Schulz die These auf, dass vor allem die Ereignisse, die Journalisten für wichtig und berichterstattenswert halten, einen hohen Nachrichtenwert besitzen (vgl. Schulz 1990, S. 30).

Winfried Schulz weist deutlich darauf hin, dass es sich bei der Medienberichterstattung nicht um ein Abbild der Realität handelt, sondern vielmehr um eine Interpretation der Wirklichkeit (vlg. Schulz 1990, S. 28). Während er seine Studie von 1975 inhaltsanalytisch aufbaute, ergänzte er sein Forschungsdesign in der Studie von 1977 durch eine Rezipientenbefragung.

Schon bei seiner ersten Untersuchung modifiziert er den Nachrichtenfaktorenkatalog von Galtung und Ruge hinsichtlich dessen Operationalisierbarkeit und erhält daraus sechs Faktorendimensionen mit insgesamt 18 Faktoren (vgl. Schulz 1990, S. 32ff):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vergleicht man die Faktoren von Galtung und Ruge und die Nachrichtenfaktoren, die Schulz seiner Untersuchung von 1975 zu Grunde legt, so fällt auf, dass er Faktoren sowohl zusammengefasst als auch erweitert hat. Aus Schwellenfaktor und Eindeutigkeit wurde bei Schulz Struktur. Dagegen spaltete er den Faktor Negativismus in Konflikt, Kriminalität, Schaden und Erfolg auf. Aus Bedeutsamkeit wurde Relevanz und Ethnozentrismus. Aus den Faktoren Elite-Nation und Elite-Person machte er regionale und nationale Zentralität, sowie persönlicher Einfluss und Prominenz. Die Faktoren Personalisierung und Überraschung übernahm er. Aus Kontinuität wurde Thematisierung und aus Frequenz Dauer. Außerdem führte er kulturelle, räumliche und politische Nähe als neue Nachrichtenfaktoren ein und verzichtete auf Konsonanz und Variation.

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Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638016261
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86099
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Schlagworte
Nachrichtenwert-Theorie Journalismusforschung

Autor

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Titel: Nachrichtenwert-Theorie nach 1965