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Sprache als Medium der Verständigung, der Täuschung und Selbsttäuschung im 'Tristan' Gottfrieds von Straßburg

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gottfrieds „Tristan“
2.1 Zum Autor
2.2 Die Entstehungszeit

3. Die höfische Gesellschaft

4. Die Bettgespräche
4.1 Markes erste List
4.2 Markes zweite List
4.3 Markes dritte List
4.4 Die Rolle von Brangäne und Majodo

5. Das praktische Experiment
5.1 Der Hinterhalt Melots
5.2 Der Hinterhalt im Ölbaum

6. Die Minnegrotte

7. Tristan und Isolde Weißhand

8. Die Fortsetzungen von Türheim und Freiberg

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich in meiner Arbeit für das Thema „Sprache als Medium der Verständigung, der Täuschung und Selbsttäuschung“ entschieden, da es mich beim Lesen der Lektüre fasziniert hat, in welch vielfältiger Weise Gottfried von Straßburg seine Hauptgestalten Sprache einsetzen lässt.

Gottfried von Straßburg gehört zu den bedeutendsten Dichtern des hohen Mittelalters.[1] Er schafft es, in sein Werk so viel Gefühl einfließen zu lassen, dass die Geschichte den Leser vollkommen in ihren Bann zieht.

Ich möchte in meiner Arbeit aufzeigen, wie die Liebenden Sprache als Mittel der Täuschung und Selbsttäuschung einsetzen. Schon beim erstmaligen Lesen ist mir aufgefallen, dass die List als ständiger Begleiter der Hauptgestalten fungiert und sich wie ein roter Faden durch das Werk zieht.

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich kurz auf den Autor des Epos und die Entstehungszeit eingehen. Des Weiteren möchte ich auf die problematische Beziehung zwischen Tristan und Isolde mit der höfischen Gesellschaft hinweisen, um dann auf die anfänglichen Hinterhalte einzugehen, die Marke für seine Frau Isolde präpariert. Darauf folgend werde ich zusätzlich auf die eingesetzte Körpersprache eingehen, um zu zeigen, dass die Figuren nicht nur durch Wortsprache täuschen. Es wird sich zeigen, dass alle Hauptfiguren Sprache als Mittel zur Täuschung einsetzen. Für mich als Leser scheint es, besonders in den Bettgesprächen so, als würden die Figuren in einen Wettstreit geraten, wer Sprache besser einsetzen kann und sie sich so darin verlieren, dass sie sich oft selbst täuschen.

Es kann wohl nicht bezweifelt werden, dass in Gottfrieds „Tristan“ die Liebe, die die beiden Hauptfiguren Tristan und Isolde aneinander kettet, Achse und Mittelpunkt darstellt, um die das ganze Geschehen sich dreht.[2] Diese Liebe, die eigentlich nicht sein darf, treibt die beiden Liebenden in eine nicht enden wollende Spirale aus Täuschung und List.

2. Gottfrieds „Tristan“

2.1 Zum Autor

Über den Autor des vor allem aus neuzeitlicher Sicht wohl berühmtesten Tristanromans des europäischen Mittelalters ist nichts bekannt. Seine Person ist weder in zeitgenössischen Urkunden nachweisbar, noch nennt der Autor in der Dichtung selbst seinen Namen,[3] zumindest dann nicht, wenn man die berechtigten Zweifel daran teilt, dass es sich bei dem ersten Buchstaben des von Gottfried kunstvoll in seinen Text integrierten Akrostichons um eine bescheiden abgekürzte und getarnte Selbstnennung des Autors handelt. Allerdings haben so viele Dichter des 13. Jahrhunderts Gottfried von Straßburg in ihren eigenen Werken als Verfasser des Tristan gerühmt, dass niemals ein Zweifel daran entstehen konnte, dass es sich bei diesem Dichter tatsächlich um den Autor des unabgeschlossenen Romans handelt.[4]

Dabei haben nicht allein die Fortsetzer des Gottfriedschen Romans, Ulrich von Türheim und Heinrich von Freiberg, durch zahlreiche Repliken auf dessen Verfasser ein lebhaftes Zeugnis über Gottfrieds Autorschaft des Tristan abgelegt, sondern unter anderen auch Rudolf von Ems in seiner Alexanderdichtung.[5]

Dass die oben genannten Dichter überdies Gottfried immer den Titel „meister“ zugeordnet haben, lässt vermuten, dass er eine hohe Bildung hatte, da diese Bezeichnung unter anderem demjenigen galt, der die akademische Würde eines Magisters erworben hatte.[6]

2.2 Die Entstehungszeit

In der Forschung herrscht große Einmütigkeit darüber, dass das unvollendete Werk etwa um 1210 abgeschlossen gewesen sein muss.[7]

Die Entstehungszeit des Romans wurde nur aus Hinweisen aus dem Werk selbst erschlossen. Der Zeitraum um 1210 ergibt sich vor allem aus den Angaben, die Gottfried von Straßburg in seinem Literaturexkurs[8] über wichtige Dichterpersönlichkeiten seiner Zeit gemacht hat. Heinrich von Veldeke und Reinmar von Hagenau sind nach seinen Angaben bereits verstorben, Hartmann von Aue, Bligger von Steinach, Walther von der Vogelweide und ein nicht namentlich genannter Autor, den die Forschung seit jeher mit Wolfram von Eschenbach identifiziert hat, lebten noch.[9] Diese Angaben machen das Entstehen des „Tristan“ in der Zeit bald nach 1210 wahrscheinlich.

3. Die höfische Gesellschaft

Bereits vor der Liebesbeziehung zu Isolde zeigt sich im Text ein äußerst problematisches Verhältnis des Helden zum Markehof. Die Ursache hierfür ist eine für die Welt des Hofes nicht zu akzeptierende Nähe Tristans zum König. Den Intrigen der Hofbeamten kann der Held nur mit seinen brillanten intellektuellen und kriegerischen Fähigkeiten, mit List und Verstellung begegnen, ohne jedoch der Gefährdung seiner Stellung bei Hof auf Dauer entgehen zu können. Aus dieser Perspektive lässt sich die Liebesbeziehung Tristans zu Isolde als Steigerung der Bedrohung lesen, die für den Helden ohnehin bereits von den Hofleuten ausgeht.[10]

Ehe und Gesellschaft sind Faktoren, die sich durchweg negativ auf die Liebe Tristans und Isoldes auswirken, und sie sind damit Leidaspekte, die zur Besonderheit ihrer Liebesbeziehung gehören, indem sie sie ständig zu Lügen und Betrügereien zwingen.[11]

Tristan und Isolde können bei Hof nur überleben, indem sie ein Doppelleben führen. Die öffentliche Sphäre des Hofes und die heimliche Sphäre ihrer Liebe sind, so suggeriert es der Gottfriedsche Text, grundsätzlich unvereinbar. Die Liebe Tristans und Isoldes bedroht hier letztlich auch die gesellschaftliche Ordnung, indem sie z.B. die politische Handlungsfähigkeit des Königs beeinträchtigt.[12]

[...]


[1] www.wikipedia.org/wiki/Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg

[2] vgl. Tax: Wort, Sinnbild, Zahl im Tristanroman, S.17

[3] vgl. Schausten: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter, S.122

[4] ebd. S.122

[5] ebd. S.123

[6] ebd. S.123

[7] vgl. Schausten: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter, S.125

[8] vgl. von Straßburg: Tristan. Band 1, V. 4589 ff

[9] vgl. Schausten: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter, S.125

[10] ebd. S.172

[11] ebd. S.174

[12] vgl. Schausten: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter, S.175

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638020992
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86432
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Seminar für Deutsche Philologie
Note
1,3
Schlagworte
Sprache Medium Verständigung Täuschung Selbsttäuschung Tristan Gottfrieds Straßburg Gottfried

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Titel: Sprache als Medium der Verständigung, der Täuschung und Selbsttäuschung im 'Tristan' Gottfrieds von Straßburg