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Der Bertelsmann Transformation Index - Innovation oder nur ein weiterer quasi-objektiver Ansatz?

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Indizes
2.1 Freedom House
2.2 World Bank Governance Indicators (WBI)
2.3 Der Bertelsmann Transformation Index (BTI)

3. Schwächen des BTI und Kritikansätze

4. Korrelation
4.1 Korrelation des Status Index mit World Governance Indicators
4.2 Korrelation des Management Index mit World Governance Indicators
4.3 Korrelation des Status Index Demokratie mit dem Freedom House Indicator

5. Aus den Korrelationen resultierende Schlussfolgerungen

6. Bollens sechs konventionelle Standards

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

„Noch ist die Entwicklungspolitik mit ihrem vorrangigen Fokus auf Bedürftigkeit zu wenig auf weltweite Demokratisierungstrends bezogen. Good governance muss stärker gefördert werden…“ So kritisiert der BTI einerseits direkt das bisherige Zuteilungsvorgehen der Entwicklungshilfe und indirekt empfiehlt er sich Regierungen, für die zukünftige Art und Weiße der Zuteilung, an die Hand. Zu beobachten ist auch, laut Bertelsmann Stiftung, dass immer mehr Medien, Internationale Organisationen und Regierungen den BTI nutzen. Die deutsche Bundesregierung bezeichnet ihn sogar als „bedeutende Innovation“.

In meiner Hausarbeit über den Bertelsmann Transformation Index werde ich der Frage nachgehen, ob der BTI tatsächlich die Innovation ist als die er sich feiern lässt. Um dies beantworten zu können, werde ich zum Vergleich zwei weitere Demokratieindices heranziehen und zwar Freedom House und den World Bank Governance Indicator. Ich werde den Vergleich für den Untersuchungszeitraum 2005 ansetzen, d.h. Freedom in the world 2006 und den BTI 2006 nutzen und die Governance matters VI Studie für den Untersuchungszeitraum 2005.

Zunächst möchte ich die drei Indices kurz vorstellen. Ich werde hier auf ein paar allgemeine Informationen über den jeweiligen Index eingehen, dann auf die theoretische Grundlage, also die Demokratiedefinition. Anschließend werde ich in jedem Abschnitt den Aufbau des Index, die Datenerhebung und die Aggregation der Daten untersuchen.

Im vierten Kapitel werde ich dann die Schwächen des BTI aufgreifen. Hierbei beziehe ich mich größtenteils auf Schwächen, die von der Forschung identifiziert wurden, doch auch auf Kritik, die in der Öffentlichkeit geäußert wurde.

Im fünften Teil meiner Arbeit möchte ich dann durch Korrelationen des BTI mit den anderen beiden Indices Beweiße für die Kritik liefern, die im vierten Teil geübt wurde. Dabei werde ich die Werte von insgesamt zwanzig Ländern vergleichen.

Am Ende werde ich die Schlussfolgerungen vorstellen, die man aus den Korrelationen ziehen kann und den BTI einem Test mit den Bolleschen konventionellen Standards unterziehen. Hierbei werde ich auch schlaglichtartig einen Vergleich mit Freedom House vornehmen. Bei diesem Punkt möchte ich prüfen inwieweit der BTI methodisch gelungen ist und welche Verbesserungen evtl. noch wünschenswert wären.

Schließlich folgt das Fazit mit einer kurzen Zusammenfassung der Erkenntnisse.

2. Die Indizes

2.1 Freedom House

Freedom House ist ein Index, der die politischen und bürgerlichen Rechte in einem Land jährlich misst. Durchgeführt wird die Untersuchung von der Non-Profit- Organisation Freedom House in Washington, D.C. (Schmidt 2000: S.408) Sie wurde in den 40er Jahren als unabhängige und überparteiliche Organisation gegründet. (Pickel/Pickel 2006: S.209) Derzeit ist FH eine der umfangreichsten Messungen, mit 192 eigenständigen Staaten und 18 Regionen. (vgl. ebd.:S.214) Obwohl der Index eigentlich den „Freiheitsgrad“ (ebd.: S.210) eines Landes messen soll, erfasst er doch auch wesentliche Merkmale der Demokratie, was ihn als Demokratieindex rechtfertigt. Viele der genutzten Testfragen ähneln Kriterien, die auch bei anderen Demokratiemessungen genutzt werden. (Lauth 2004: S.268) Entscheidend für die Qualität einer Demokratie sind hier nicht die Institutionen die de jure existieren, sondern die Verfassungswirklichkeit. (vgl. Pickel/ Pickel 2006: S.211) Freedom House liegt eine sehr minimalistische Demokratiedefinition zugrunde: “´At a minimum, a democracy is a political system in which people choose their authoritative leaders freely from among competing groups and individuals who were not chosen by the government.´(Ryan 1995: S.672)” (Lauth 2004:S.268)

Der Hauptindex, der so genannte Freiheitsindex ist in zwei Subindizes gegliedert, die political rights und die civil rights. Die civil rights sollen anzeigen inwiefern der Schutz der Bürger gewährleistet wird. (Pickel/Pickel 2006: S.210) Im Jahre 2006 (seit 2003) untersuchte dieser Subindikator folgende Bereiche: die Meinungs- und Glaubensfreiheit, die Versammlungs- und Organisationsfreiheit, den Rechtsstaat und die persönliche Autonomie, sowie Individualrechte. (freedom house: Internetlink) Die political rights untersuchen die politische Partizipationsmöglichkeiten in einem Staat. (Pickel/Pickel 2006: S.210) Es werden folgende Kriterien untersucht: die Wahlen (frei/nicht frei), der Politische Pluralismus und Partizipation, die Wahlgesetze und die Arbeit der Regierung, z.B. die Korruptionsfreiheit und die Transparenz der Regierungsarbeit. (freedom house: Internetlink)

Die Erhebung erfolgt durch Experteneinschätzungen. Häufig handelt es sich dabei um Experten aus dem jeweiligen Land, die ein qualitatives Urteil abgeben. Diese Urteile werden dann quantitativ umgesetzt. Die Daten werden in jedem der beiden Indikatorenblöcke aggregiert und jedem Block wird aufgrund der Ergebnisse ein Wert von eins bis sieben zugeordnet. Wobei sieben die schlechteste und eins die beste Einschätzung darstellt. Mit einem Wert von 7-5,5 gilt ein Land als frei (free), von 3-5,5 als teilweise frei (partly free) und von 1-2,5 als unfrei (not free). Der Freiheitsindex entsteht durch Addition der beiden Indizes. (Pickel/Pickel 2006: S.213) Die Grenzziehung verläuft hier also nicht, wie bei anderen Demokratieindizes, zwischen Demokratie und Autokratie. (Lauth 2004: S.270) Trotzdem wird zwischen Freiheit und Demokratie eine Verbindung unterstellt, sodass mit dem Gewinn oder Verlust von Freiheit auch eine Veränderung der Demokratiequalität einhergeht. (Pickel/Pickel 2006: S214)

2.2 World Bank Governance Indicators (WBI)

Mit den World Bank Governance Indicators soll die Regierungsarbeit eines Landes gemessen werden. Zum ersten Mal wurden sie von Daniel Kaufmann et ali 1999 im Auftrag der Weltbank veröffentlicht. Die neueste Version der Indizes ist im Juli 2007 unter dem Titel „Governance matters V“ erschienen und untersucht den Zeitraum von 1996-2006. Wobei Indizes für die Jahre 96, 98, 2002 und ab 2002 jährlich erstellt wurden.

In dieser fünften Version wurden 212 Länder bzw. Regionen untersucht.

Es handelt sich hier also nicht um einen Index, sondern um sechs einzelne aggregierte Indizes, die sich mit der Qualität der Regierung beschäftigen. Wobei Regierungsarbeit folgendermaßen definiert wird (Quelle:Booklet S.1):

We define governance broudly as the traditions and institutions by which authority in a country is exercised. This includes (1) the process by which governments are selected, monitored and replaced, (2) the capacity of the government to effectively formulate and implement sound policies, and (3) the respect of citizens and the state for the institutions that govern economic and social interactions among them.

(Kaufmann, Kraay, Zoido-Lobatón 1999: S. 1)

Durch die zusätzliche Bemerkung, dass “good governance” sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes auswirkt und die beschriebenen Belege hierfür („Scholars have discovered that high-quality institutions have the power, over the long run, to raise per capita incomes and promote growth in all parts of the world.“ (Booklet: Governance matters IV: S.1)), wird deutlich welchen Sinn die Indizes erfüllen sollen. Sie helfen der World Bank als Entscheidungshilfe für die Vergabe von Entwicklungshilfe.

Diese Definition wird durch die folgenden sechs Indizes operationalisiert:

- voice and accountability (politische Partizipation und Verantwortlichkeit) untersucht inwiefern sich die Bürger eines Landes an der Regierungs- bildung beteiligen können. Und ob Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gesichert sind.
- Political stability and absence of violence (Politische Stabilität und Gewaltfreiheit): Dieser Indikator untersucht die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung durch öffentliche Gewalt oder Terror stark geschwächt oder gestürzt wird.
- Government effectiveness (Effektivität der Regierung):
misst die Qualität des öffentlichen Dienstes und der öffentlichen Leistungen und die Unabhängigkeit dieser Dienste vom politischen Druck. Außerdem misst er die Qualität der Policy Formulierung, der Umsetzungen dieser und inwiefern sich die Regierung an diese gebunden fühlt.
- Regulartory Quality: Messung der Fähigkeit der Regierung Politik zu formulieren, umzusetzen und Regelungen zu erlassen die Entwicklung des privaten Sektors unterstützen
- Rule of law (Rechtsstaatlichkeit): “measuring the extent to which agents have confidence in and abide by the rules of society” (Kaufmann/Kraay/Mastruzzi 2007: S.4) außerdem wird gemessen inwieweit die Vertragssicherheit gewährleistet ist und wie qualitativ Polizei und Gerichte arbeiten. Wie stark Kriminalität und Gewaltbereitschaft aus- geprägt sind wird in diesem Index ebenfalls untersucht.
- Control of corruption: misst das Ausmaß von Korruption, also inwiefern Institutionen für persönliche Interessen missbraucht werden- von kleiner bis zu groß angelegter Korruption und inwieweit sich illegale Einnahmen über den Staat verschafft werden

(vgl. Kaufmann/ Kraay/ Mastruzzi 2007: S. 3-4)

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Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638021418
ISBN (Buch)
9783640673711
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86589
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Bertelsmann Transformation Index Innovation Ansatz Empirische Demokratieforschung

Autor

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