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Zur pädagogischen Relevanz des Computereinsatzes im Musikunterricht der Primarstufe

Examensarbeit 2006 58 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Computer und Schule
2.1. Der Computer im Grundschulunterricht
2.2. Der Computer im Musikunterricht der Grundschule

3. Software für den Musikunterricht
3.1. Softwarekategorien
3.1.1. Lern- und Übeprogramme
3.1.2. Themenbezogene Datenbestände
3.1.3. Werkzeuge
3.1.4. Multimediale Erlebnisumgebungen
3.1.5. Intelligente tutorielle Systeme
3.1.6. Kommunikations- und Kooperationsumgebungen

4. Der Computereinsatz im Musikunterricht der Grundschule
4.1. Rahmenbedingungen der Schule
4.2. Vorerfahrungen der Schüler
4.3. Kompetenzen der Lehrer
4.4. Eigenschaften des Computers
4.5. Planung von Unterricht
4.5.1. Medienpädagogik
4.5.2. Mediendidaktik
4.6. Methodische Konzeption

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Zur Beantwortung der Frage, ob der Einsatz des Computers im Musikunterricht der Grundschule sinnvoll ist, bestehen zwei Positionen. Die eine, die die Integration des Computers befürwortet und die andere, die eine Gefahr in der Technisierung der Lebenswelt der Kinder sieht. Vor allem im Bezug auf den Musikunterricht der Grundschule stellt sich die Frage, ob der Einsatz des Computers pädagogisch sinnvoll und ästhetisch wertvoll ist, oder ob der Computer konkrete ganzkörperliche Erfahrungen verhindert, die nur durch selbstständiges Musizieren mit Instrumenten oder mit dem eigenen Körper und der Stimme oder im Bereich Musik und Bewegung erfahren werden können. Gerade diese Unterrichtsinhalte sind doch für den Musikunterricht von besonderer Bedeutung und wichtig für die musikalische Bildung der Grundschüler.

Andererseits ist es eine Tatsache, dass 83% der deutschen Haushalte und 12% der Kinder einen eigenen Computer besitzen. Davon nutzen 64% der Grundschulkinder den Computer mindestens einmal pro Woche. Die Haupttätigkeit liegt dabei im Spielen. Mindestens 28% der 6-13 Jährigen verwenden den Computer aber auch, um Musik zu hören, 10% brennen und erstellen Musik CDs. 7% bearbeiten Töne und Musik oder machen selbst Musik mit dem PC. Insgesamt finden 61% der Kinder Computer toll und beschäftigen sich sehr gerne mit diesem Medium.[1]

Diese Zahlen sollten bei der Untersuchung der pädagogischen Relevanz des Computers für den Grundschulunterricht nicht außer Acht gelassen werden. Sie weisen darauf hin, dass durch den Computer ein Stück aktueller Lebensweltbezug der Kinder in den Unterricht eingebaut werden kann. Dies ist bisher noch nicht erfolgt, denn nur 23% der Kinder erfahren den Einsatz des Computers im Unterricht.

Die Aktualität des Computers in unserer Gesellschaft lässt sich nicht mehr von der Hand weisen und auch für Schulkinder nimmt der Computer einen immer größeren Raum ihrer Freizeitgestaltung ein. Ob und wie die Schule diese Tatsache aufgreifen und im Musikunterricht verwirklichen kann und muss, zeigt diese Arbeit.

Im ersten Kapitel gehe ich zunächst auf die allgemeine Legitimation des Computereinsatzes in der Grundschule ein, um dann speziell auf den Musikunterricht zu verweisen. Dazu werden allgemeine Aufgaben der Grundschule hinzugezogen und speziell die positiven Wirkungen des Mediums Computer auf den Lernprozess erschlossen. Hierbei komme ich aber auch auf Befürchtungen und Schwierigkeiten im Einsatz mit Computern zu sprechen.

Im zweiten Kapitel folgt eine Kategorisierung der auf dem Markt befindlichen Software, die für den Einsatz in der Grundschule konzipiert ist. Diese Kategorien werden zunächst durch allgemeine Beschreibungen über Intentionen und Einsatzmöglichkeiten näher charakterisiert. In einem zweiten Schritt beschreibe ich beispielhaft einzelne Musikprogramme detaillierter und mache Vorschläge zu Unterrichtsprojekten. Zusammenfassend ordne ich die Kategorien den Unterrichtsgegenstän­den des Grundschullehrplans für das Fach Musik zu, um einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten zu erhalten.

Im letzen Kapitel werden die Bedingungen und Forderungen für den Einsatz des Computers im Musikunterricht der Primarstufe erörtert. Hierzu gehe ich auf die Faktoren Schule, Schüler und Lehrer ein. Letzteres zieht Überlegungen über einen geeigneten Unterricht und seine methodische Konzeption nach sich.

Eine abschließende Zusammenfassung gibt einen kleinen Ausblick auf die zu wünschende Entwicklung auf diesem Gebiet.

2. Computer und Schule

Die neuen Technologien sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Sie sind Hauptbestandteil unseres täglichen Handelns, sodass der Computer als ein „Spiegelbild der gesellschaftlichen und ökonomischen Wirklichkeit“ anzusehen ist (Mitzlaff 1998a S.13). Dies gilt auch schon für Grundschulkinder, was oben genannte Zahlen zeigen. Die Schule, und besonders die Grundschule, als Sozialisationsinstanz hat die Aufgabe, die Kinder auf die Lebenswirklichkeit vorzubereiten und kann sich dieser Pflicht nicht entziehen. Die Schüler müssen Medienkompetenzen erlangen, sodass sie den mündigen Umgang mit den Informations- und Kommunikationstechnologien beherrschen und sich in ihrer Lebenswelt zurechtfinden. Hierzu gehört auch, dass Grenzen und Pro-bleme der Technologien aufgezeigt werden (Mitzlaff 1990 S.25).

Diese Auffassung ist noch recht neu, was durch die rasante Entwicklung der neuen Technologien in den letzten Jahren bedingt ist. Erst 1987 verfasste die Bund-Länder-Kommission ein Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung. Dieses Konzept sah den Computereinsatz erst ab der 5. Klasse vor. Die Grundschulen wurden ausgelassen. Nur durch verschiedene freiwillige Projekte in wenigen Schulen konnte der Einsatz des Computers erprobt werden. Eine Übersicht über Projekte gibt Abbildung 3 (siehe Anhang).

Die neuen Lehrpläne für die Grundschule von 2003 stellen nun explizit den Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien als Hilfsmittel des Lehrens und Lernens und als Gegenstand des Unterrichts dar. Die Schule hat die Aufgabe, diese sinnvoll zu nutzen und eine Medienkompetenz der Schüler zu entwickeln.

Im Fach Musik sollen die Informations- und Kommunikationstechnologien zur Informationsbeschaffung und musikspezifische Software für die Unterrichtsgestaltung genutzt werden (LPO 2003).

Schule muss also den Umgang mit dem Computer in den Unterricht einbeziehen, um Schlüsselqualifikationen und Handlungskompetenzen im Bezug auf die neuen Medien zu fördern.

Hinzu kommt die Aufgabe einer demokratischen Grundschule, Chancen-ungleichheiten entgegenzuwirken. Da nicht jedes Kind zu Hause die Möglichkeit hat am Computer zu arbeiten und so den Umgang mit ihm zu erlernen, sollte besonders diesen Kindern die Gelegenheit dazu in der Schule gegeben werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Jungen meist mehr mit dem Computer beschäftigen als Mädchen. Ein koedukativer Unterricht muss diesem geschlechtsstereotypischen Verhalten einen gleichberechtigten Umgang mit dem Computer entgegensetzen. Technikbarrieren, die oft bei Mädchen entstehen, müssen verhindert und die Chancengerechtigkeit für den weiteren Bildungsweg aufrechterhalten werden (Mitzlaff 1996 S.226).

Für die grundsätzliche Legitimation stehen somit die Lebenswirklichkeit der Schüler, die Bildung der Medienkompetenz und die Chancengleichheit

im Vordergrund.

Zunächst folgen nun Gründe für den Einsatz des Computers in allen Unterrichtsfächern der Grundschule. In einem zweiten Schritt werden an spezifischen Merkmalen des Mediums Computer Gründe für den gezielten Einsatz im Musikunterricht der Primarstufe dargelegt.

2.1. Der Computer im Grundschulunterricht

Zu der allgemeinen Ausgangslage kommen verschiedenste positive Eigenschaften der Computertechnologie, die ihren Einsatz im Grundschulunterricht als ein zusätzliches Medium befürworten. Durch einen fachgemäßen, pädagogisch durchdachten Einsatz im Unterricht, auf den später in dieser Arbeit noch eingegangen wird, kann der PC einen hohen Motivationsfaktor darstellen. Die meisten Schüler arbeiten gerne am Computer, denn die multimedialen Inhalte, die Verbindung von Text, Bild, Ton und Bewegung, wecken ihr Interesse und ihre Neugier und halten sie aufrecht. So erhöht das Arbeiten am Computer die Konzentration (Mitzlaff 1990 S.165). Die Gefahr, dass Schüler sich zu sehr auf die Arbeit mit dem Computer fixieren, wenn er im Klassenraum eingesetzt wird, hat sich in verschiedenen Projekten nicht bestätigt. Die erste Euphorie nimmt schnell ab und die Lernenden setzen die Funktionen und Möglichkeiten des Computers gezielt in einzelne Aufgabenbereiche ein. Der Computer wird zu einem „alltäglichen Werkzeug“ (Mitzlaff 1990 S.166).

Lern-, Übe- und Spielprogramme bieten die Möglichkeit einen differenzierten, individuellen Unterricht anzubieten. Einstellungsmöglichkeiten innerhalb des Programms oder der gezielte Einsatz verschiedener Programmfunktionen für einzelne Schüler ermöglichen einen persönlich angepassten Lernprozess mit selbst gewähltem Lerntempo und Schwierigkeitsgrad. Das eigenständige Arbeiten mit den Programmen, bei denen wenig Lehrerhilfe notwendig ist, fordert und steigert die Selbstständigkeit der Lerner (Herzig 2001 S.103). Dabei stellt die unmittelbare Rückmeldung der Programme einen wichtigen Faktor dar. Der Lernende erhält eine direkte Beurteilung seines Handelns, sodass der Bezug zwischen seiner Handlung und der Leistungsbeurteilung unmittelbar gegeben ist. In diesem Punkt besteht aber auch noch das größte Problem des Computereinsatzes, denn die Mehrheit der Grundschulprogramme verfügt über eine mangelhafte Feedbackqualität. Hier ist der Lehrer mit einer persönlichen und flexiblen Beurteilung noch lange nicht durch die Technik zu ersetzen.

Die Möglichkeit Fehler zu erkennen und zu verbessern, ohne dass der Lehrer sie mitbekommt, kann sich positiv auf das Selbstwertgefühl der Schüler auswirken. Ein selbstverantworteter Lernprozess führt zu mehr Selbstvertrauen und Lernkompetenz. Vor allem für leistungsschwache Schüler ist diese Lernform durch Übeprogramme von Vorteil. Für sie zeigt sich der Computer als ein geduldiger Lernpartner, der durch unermüdliche Wiederholungen den Lerneffekt erhöhen kann (Mitzlaff 1998 S.91).

Bei der Arbeit am PC lernt der Schüler mit einer „größeren Aktivitätsdichte“ als im Klassenverband (Mitzlaff 1996 S.75). Seine Lösungen und Aktionen sind ständig notwendig, um das Programm fortzuführen. Im Klassenunterricht ist es nicht selten, dass sich einzelne Schüler aus dem Unterrichtsgeschehen zurückziehen und somit den Unterrichtsinhalt nicht verstehen.

Im Bezug auf Arbeits- und Sozialformen stellt der Einsatz des Computers eine Bereicherung des Unterrichts dar. Er lässt sich sowohl in Projektarbeit, Werkstätten, Wochenplänen, als auch in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeiten integrieren. Eine Vereinsamung vor dem Computer und der Verlust der Kommunikationskompetenzen, wie anfänglich befürchtet, erfolgt nicht. Vielmehr entwickeln sich neue “kooperative Arbeitsformen“ unter den Schülern durch verschiedene Kompetenzstufen und Erfahrungen im Bezug auf den Computer. Schüler helfen, erklären und arbeiten gemeinsam kreativ (Mitzlaff 1996 S.24).

Darüber hinaus bietet der Computer die Möglichkeit zum interdisziplinären Unterricht. Fächerübergreifende Projekte lassen sich gut verwirklichen und der Einsatz multimedialer Nachschlagewerke bietet eine neue Form der Informationsbeschaffung.

Probleme und Grenzen bei der Arbeit mit dem Computer treten vor allem in einem unstrukturierten Unterricht auf. Werden Computerprogramme unreflektiert von Lehrern eingesetzt, werden die Vorzüge des Computers hinfällig. Einem einseitigen Informationsaustausch wirken reflektierende Unterrichtsgespräche und Partner- oder Gruppenarbeiten entgegen. Gegner des Computereinsatzes sprechen oft vom Fehlen der direkten und unmittelbaren Erfahrungen. Diese sind aber in verschiedenen Programmtypen durchaus möglich, wenn Schüler durch Interaktionen zum Ausprobieren und/ oder Weiterarbeiten aufgefordert werden. Hinzu kommt, dass der Computer nicht als Universalelement im Unterricht eingesetzt werden soll. Der mannigfaltige und gezielte Medieneinsatz ist entscheidend. Unmittelbare Erfahrungen können in anderen Unterrichtssituationen ohne den Computer erlebt werden. Der Gefahr der Verkürzung von Wissen durch bloße Informationsabfrage kann durch systematische Aufgabenstellungen seitens der Lehrer, die zum Weiterarbeiten, Reflektieren und Transferieren anregen, entgegengewirkt werden (Mitzlaff 1996 S.22).

Ein übergeordnetes Problem stellen die hohen Finanzierungskosten dar. Eine gute und aktuelle Ausstattung lässt sich in den wenigsten Schulen realisieren. Hier kommt es auf eine gute Kalkulierung und Planung durch das Lehrerkollegium an, in welcher Zeit die Anschaffung einzelner Geräte erreichbar ist.

Für den Lernprozess ergeben sich zusammenfassend folgende positive Auswirkungen des Computereinsatzes:

- Förderung der Motivation
- längere Aufrechterhaltung der Konzentration
- Möglichkeiten der Differenzierung
- Selbstständigkeit, eigenverantwortliches Lernen
- sofortige Rückmeldung
- hohe Aktivitätsdichte
- kooperative Arbeitsformen
- fächerübergreifender Unterricht

2.2. Der Computer im Musikunterricht der

Grundschule

Für den Einsatz des Computers im Musikunterricht der Grundschule kommen noch einige spezifische Aspekte hinzu.

Zunächst einmal hat der Computer im Laufe seiner technischen Entwicklung Einzug in jegliche Musikproduktion gehalten und ist somit ein Teil jeder Musik, die die Lebenswelt der Schüler bestimmt. Der Computer sollte als Teil der Musikproduktion auf jeden Fall Thema des Musikunterrichts sein (Deinhardt 2001 S.171). Gleichzeitig wird so auf die Lebenswelt der Schüler eingegangen und ihre Medienkompetenz entwickelt.

Die weiteren Perspektiven für die Nutzung des Computers im Unterricht ergeben sich durch seine multimedialen Fähigkeiten, die unterschiedlichste Sinnesorgane ansprechen, und seinem „kreativen Potential“ (Aufen-anger 2001 S.13). Dabei muss der Computer immer im sinnvollen Zusammenhang mit unterrichtlichen Inhalten und Zielvorstellungen eingesetzt werden, aber nur dann, wenn er zweckmäßig zur Verwirklichung dieser beiträgt (Auerswald 2000 S.47).

Durch den Einsatz entsprechender Musiksoftware sind verschiedenste Herangehensweisen an Musik möglich. Durch Notendruck, Arrangieren, Komponieren, Soundaufzeichnung oder interaktive Nachschlagewerke, ist mit Musikprogrammen ein breiter Umfang zur Darstellung musikunterrichtlicher Inhalte und die Demonstration musiktheoretischer Sachverhalte gegeben (Auerswald 2000 S.91). Zum Beispiel kann differenziert Einfluss auf musikalische Parameter genommen werden, um das Verständnis der Schüler zu fördern und zu unterstützen. Dies gilt insbesondere, wenn das Gehörte nicht den Hörgewohnheiten der Schüler entspricht. Des weiteren ist durch den Computer eine leicht zu handhabende Simulation von Klängen, Instrumenten und Spielmöglichkeiten durchführbar. Der Computer mit der entsprechenden Software unterstützt so die Einsicht in die Zusammenhänge musikalischer Strukturen. Hierbei ergibt sich eine Einschränkung, denn der Klang der „Midi-Instrumente“ ist nicht zu vergleichen mit den realen Klängen (Auerswald 2000 S.90). Unmittelbare Erfahrungen mit greifbaren Instrumenten sind nicht durch nachgeahmte Klänge, die die Schüler häufig alltäglich umgeben, zu ersetzen und sollten gerade in der Schule vermehrt gemacht werden.

Ein weiteres Argument für den Einsatz des Computers ist der direkte Zusammenhang zwischen Klang und visueller Transformation, der in den meisten Programmen gegeben ist. Diese gleichzeitige auditive und visuelle Rückkoppelung macht es Schülern leichter, Gestaltungsprinzipien der Musik nachzuvollziehen (Auerswald 2000 S.56). Laut Lehrplanordnung von 2003 soll ein grundlegender Umgang mit Notationsformen erarbeitet werden, der immer im Zusammenhang mit erklingender Musik stehen soll. Dies ist so sehr gut erreichbar.

Für kreative Gestaltungsaufgaben bietet sich der Computer als „geduldiger Partner“ (Auerswald 2000 S.72) an. Hierfür eignen sich besonders Werkzeugprogramme, die ihrer Konzeption nach dem Schüler Möglichkeiten bieten, eigene Musik zu gestalten. Der Computer setzt widerstandslos alle Eingaben des Schülers um und verwirklicht dessen Ideen. Produktive Schülertätigkeiten sind einfacher durchzuführen. Vor allem betrifft dies Schüler, die im Umgang mit Instrumenten unerfahren sind (Nimczik 1998 S.4). Für sie ist es sehr schwer, auf einem unbekannten Instrument zu spielen und gleichzeitig kreativ zu sein.

Für den Lehrer stellen die Werkzeugprogramme eine Entlastung dar, denn der Computer simuliert menschliche Handlungsprozesse. Es entsteht eine „Multiplikation“ von Lehrperson und musikalischem Gegenstand (Auerswald 2000 S.92).

Einschränkungen sind im Bezug auf ganzkörperliche Erfahrungen zu machen, hierauf wurde weiter oben schon einmal hingewiesen. Diese sind zum Beispiel Inhalt des Lernfeldes Musik und Bewegung (Auerswald 2000 S.88). Ganzkörperliche Erfahrungen sind nur schwer mit einer Unterrichtsreihe, die den Computereinsatz in den Vordergrund setzt, zu verwirklichen. Nur wenige Programme bieten Gelegenheiten dazu. Wird der Computer zu häufig eingesetzt, gehen unmittelbare Erfahrungen verloren. In einer durch die Medien bestimmten Welt ist deren Bedeutsamkeit jedoch überaus hoch und in der Grundschule sollte ein Ausgleich für dieses mediatisierte Umfeld der Schüler angestrebt werden.

Meistens muss ein großer zeitlicher Rahmen angelegt werden, um Musiksoftware sinnvoll in den Unterricht einzubringen. Vor allem bei einer ersten Einführung in die Programme wird sehr viel Zeit benötigt, um einer Überforderung durch deren Vielfalt an Funktionen entgegenzuarbeiten. Die Schüler müssen Kenntnisse und Fertigkeiten über symbolische und ikonische Zeichensysteme erlangen. Nur so können die Aktivitäten der Schüler zielgerichtet ablaufen. Je jünger die Schüler sind umso schwieriger ist dieser Aspekt, denn der Umgang mit Computern bedarf mehr Erklärung. Der Einsatz von zum Beispiel Liederbüchern und Arbeitsblättern ist den Schülern hingegen schnell verständlich.

Der Computer bietet dem Lehrer folgende Möglichkeiten, die für den Musikunterricht zum Vorteil eingesetzt werden können:

- differenzierte Herangehensweisen an Musik
- Hervorhebung musikalischer Strukturen
- Ansprache mehrerer Sinnesorgane
- geduldiger Partner bei gestalterischen Aufgaben

Mittlerweile stellt sich also nicht mehr die Frage, OB der Computer eingesetzt werden soll, sondern vielmehr WIE. Der Computer als Teil unserer Gesellschaft muss Teil des Unterrichts sein, um Schüler zu mündigen Individuen unserer Gesellschaft zu machen. Des weiteren sollten die multimedialen Fähigkeiten des Mediums Computer als erfolgreiche Chance für die Unterrichtsdidaktik genutzt werden, um den Kindern neue, für sie meist sehr motivierende Lernformen anzubieten. Wichtige Leitworte für einen pädagogisch relevanten Einsatz des PCs sollten Medienkompetenz, Chancengleichheit, Motivation und Interesse, Selbstständigkeit und Kreativität sein.

Um den Computer sinnvoll in den Musikunterricht der Grundschule einzusetzen, ist musikspezifische Software erforderlich. Diese wird im Folgenden kategorisiert und vorgestellt, wobei Unterrichtsvorschläge aufgezeigt werden.

3. Software für den Musikunterricht

Das Angebot an musikspezifischen Computerprogrammen ist noch nicht sehr umfangreich und vorhandene Programme zeichnen sich oft durch „mangelhafte Qualität“ aus (Scheuß 2004 S.44). Dies ist vor allem bei Lernsoftware der Fall. Die geringe Anzahl an Programmen lässt sich aus verschiedenen Gründen erklären. Zum einen wird der Musikunterricht meist als nicht so wichtig angesehen, sodass die Entwicklung von Programmen für Hauptfächer wie Deutsch und Mathematik im Vordergrund steht. Zum anderen ist für Musiklernprogramme ein hoher Entwicklungsaufwand erforderlich, der die Verbreitung der Programme erschwert.

Werkzeugprogramme sind im Vergleich zu Lernsoftware vermehrt erhältlich. Dies liegt zum einen daran, dass im musischen Bereich mehr Wert auf eine handlungsorientierte Vermittlung der Inhalte gelegt wird. Zum anderen besteht ein größeres Interesse an Möglichkeiten zur eigenen Ge-staltung als zum Erlernen musiktheoretischer Inhalte (Scheuß 2004 S.45).

3.1. Softwarekategorien

Einzuteilen ist die Software für den Musikunterricht entsprechend ihrer Intention für die sie programmiert wurde. Zu den primären zählen informieren, bilden, bearbeiten oder unterhalten. Diese sind jedoch nicht immer klar zu trennen (Auerswald 2000 S.36).

Nach Ahlers ergeben sich folgende sechs Kategorien:

(Ahlers 2001 S.166ff)

1. Lern- und Übeprogramme
2. Themenbezogene Datenbestände
3. Werkzeuge
4. Multimediale Erlebnisumgebungen
5. Intelligente tutorielle Systeme

[...]


[1] Zahlen entnommen aus der KIM-Studie 2005 des medienpädagogischen Forschungsverbands

Details

Seiten
58
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638007320
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86595
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
Relevanz Computereinsatzes Musikunterricht Primarstufe

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