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Über die Entstehung des Weltstaates, seinen Geist und den Übergang bzw. die Befreiung desselben zum Gottesstaat bei Augustinus

Hausarbeit 2000 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Weltstaates

3. Der Geist des Weltstaates
3.1 Die Bedeutung des Geistes des Weltstaates für den Gottesstaat

4. Der Übergang des Weltstaates zum Gottesstaat

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Erstellung dieser Hausarbeit ergab sich die Schwierigkeit den mit umfangreicher Recherche verbundenen Sachverhalt verständlich, d. h. vereinfacht darzustellen, ohne dabei wichtige Erkenntnisse auszulassen. In Anbetracht dieser Problematik hoffe ich, daß die Thematik - auch ohne auf Termini wie Neuplatonismus, Manichäismus etc. eingegangen zu sein- adäquat abgehandelt wurde. Um dennoch den Anforderungen in bezug auf die Substanz der Arbeit Genüge zu leisten, wurde versucht möglichst gezielt die Aufgabenstellung zu beantworten, womit sich die Aufgliederung dieser erklären sollte. Sekundäres Ziel dieser Arbeit war es weiter, insbesondere diejenigen Aspekte der geistigen Weltanschauung vom Gottesstaat herauszuarbeiten, welche elemenateren Einfluß auf die Basis für die gesamte mittelalterliche Philosophie und Theologie hatten. Anmerken möchte ich diesbezüglich, daß hierbei der mittelalterliche Gedanke vom „Gottesstaat auf Erden“, dessen Verwirklichung die Kaiser und Päpste jener Geschichtsepoche oftmals als ihre Aufgabe begriffen (mittels einer gregorianischen Interpretation des Gottesstaates), nicht mit dem augustinischen Gedanken korrespondiert. Dieser soll deshalb im Folgendem nachvollziehbar gemacht werden. In diesem Zusammenhang hatte Augustinus nicht die absolute Unterordnung alles Weltlichen im Sinn, den man sich im Rahmen eines politischen Prozesses vorstellen könnte.

„Auch wenn bei Augustinus das Wort „Gottesstaat“ gleichbedeutend ist mit „Kirche“, fehlt dem augustinischen Kirchenbegriff jede Vorliebe für Hierarchien.“[1]

Vielmehr sind seine Vorstellungen vom Gottesstaat vor dem Hintergrund jener Glaubensschar zu verstehen, die die Wiederkehr Christi erwarteten. Seine ausbleibende Weltherrschaft führte schließlich zu jener Enttäuschung unter den Gläubigen, der Augustinus das gegenwärtige Reich Gottes entgegensetzte. Erwähnenswert ist dieser Aspekt allemal, da Augustinus Weltanschauung den Übergang der Antike zum Mittelalter entscheidend geprägt hat.

2. Die Entstehung des Weltstaates

Augustinus Vorstellung von der Entstehung des Weltstaates leiten sich primär von seiner Auffassung über das Weltgeschehen ab, d. h. er begreift den Prozess der Menschheitsgeschichte als einen einmaligen Ablauf (im Gegensatz zum geschichtszyklischen Denken der Antike, welches ein Schema der ewigen Wiederkehr des Gleichen bildet). In diesem Sinne wurde der nach Augustinus definierte Weltstaat erschafften, womit der Zeitpunkt seiner Entstehung absolut gesetzt wird. Augustinus grenzt des Weiteren diesen absoluten Zeitpunkt scharf ein, indem er bereits im Geist des Brudermörders Kains, von welchem im ersten Buch Moses berichtet wird, die Verkörperung des Weltstaates vorzufinden glaubt.

„Als erster wurde in den Eltern des Menschengeschlechts Kain geboren, der zum Staat der Menschen gehört, und nachher Abel, der zum Gottesstaat gehört."[2]

Rückblickend auf das oben angeführte Zitat kristallisiert sich nun ein weiterer wichtiger Aspekt heraus, nämlich die Tatsache, dass nach der Entstehung des Weltstaates sogleich die Entstehung des Gottesstaates erfolgte. Kain und Abel können diesbezüglich als die historisch kleinsten Einheiten dieser sich zu Gemeinschaften formierenden Staatengebilde begriffen werden, deren unterschiedliche Wertesysteme, d. h. die Gottesliebe Abels bzw. die Selbstliebe Kains, diese haben erst entstehen lassen.

„Zwei lieben sind es, die die beiden Staaten schufen: die Selbstliebe bis zur Gottesverachtung schuf den irdischen, die Gottesliebe bis zur Selbstverachtung schuf den himmlischen Staat.“[3]

Nach Augustinus werden nur beide Staaten fortan bis zum Ende des Menschengeschlecht vermischt nebeneinander existieren. Nur durch die pure Willensrichtung zu unterscheiden, werden sie am Tage des Gerichts getrennt. Es wird deutlich, dass die Entstehung des Weltstaates also nicht als sie Bildung eines Staates auf einem abgegrenzten Gebiet mit all seinen souveränen Organisationen und bestehenden Rechtsordnungen begriffen werden darf, sondern vielmehr als die Entstehung einer Gemeinschaft, welche die „falschen Götter“ verehrt bzw. die „falschen Tugenden“ verfolgt.

[...]


[1] Flasch (1980), S. 386

[2] De Civitate Dei XIX, 17

[3] De Civitate Dei XIV, 28

Details

Seiten
9
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638021494
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86610
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
Entstehung Weltstaates Geist Befreiung Gottesstaat Augustinus Propädeutikum Herrschaft

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Titel: Über die Entstehung des Weltstaates, seinen Geist und den Übergang bzw. die Befreiung desselben zum Gottesstaat bei Augustinus