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Motorische Förderung von Kindern im Schulsport

Unter besonderer Berücksichtigung der offenen Ganztagsschule

Examensarbeit 2007 71 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Bewegung, Sport und körperlicher Aktivität

3. Bewegungswelt und Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen
3.1 Bewegungsumfänge und Bewegungszeiten messen
3.2 Bewegungsumfänge von Kindern und Jugendlichen
3.3 Bewegungsräume von Kindern und Jugendlichen
3.3.1 Der unmittelbare Wohnraum
3.3.2 Bewegungsraum Wohnumfeld
3.3.3 Bewegungsfeld Sportverein

4. Empfohlene Umfänge im Kindes- und Jugendalter
4.1 Zeitliche und inhaltliche Bewegungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche unter Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte
4.1.1 Die Bewegungspyramide
4.1.2 Die Bewegungsscheibe
4.1.3 Gesundheitliche Vorteile durch Bewegung und Aktivität
4.2 Bewegungsräume und Bewegungsformen, die Kinder und Jugendliche zur Bewegung anregen

5. Bewegungsmangel als Ursache für motorische Defizite und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
5.1 Indikatoren für den Bewegungsmangel
5.2 Zum Motorikbegriff
5.3 Motorische Defizite auf Grund von Bewegungsmangel
5.3.1 Das Problem der Quantifizierung des Bewegungsmangels
5.3.2 Motorische Leistungstests und ihre Vergleichbarkeit
5.4 Übergewicht durch Inaktivität
5.5 Motorische Leistungsfähigkeit und Prävalenz von Übergewicht in Bezug zum Sozialstatus

6. Schule als Institutioneller Ort der Prävention und Intervention
6.1 Die bewegte Schule in der Diskussion
6.1.1 Bewegter Sportunterricht
6.1.2 Bewegung im außerunterrichtlichen Schulsport
6.2 Motorische Förderung in der offenen Ganztagsgrundschule
6.2.1 Die Idee der offenen Ganztagsgrundschule
6.2.2 Außerunterrichtlicher Schulsport in Abgrenzung zum Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot (BeSS) in der offenen Ganztagsgrundschule
6.2.3 Bewegungsförderung in der offenen Ganztagsgrundschule

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

9. Internetverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

Problemstellung und Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der in den Medien sehr präsenten Thematik der motorischen Defizite bei Kindern und Jugendlichen und den daraus resultierenden Möglichkeiten für die Schule, diesen Defiziten entgegenzuwirken. Dabei vermittelt uns die mediale Darstellung ein Bild einer von motorischen Defiziten geprägten Jugend, die dazu noch sehr bewegungsarm lebt und häufig übergewichtig ist. So wird ein Sachverhalt aufgezeigt, der auf eine immer schlechter werdende körperliche Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen begründet ist.[1] Gerade die mediale Darstellung differenziert nur selten, bei welchen Gruppen der Kinder und Jugendlichen die körperliche Leistungsfähigkeit nachlässt, sofern wissenschaftliche Studien eine nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit überhaupt feststellen können. Hierbei sind Unterscheidungen hinsichtlich des Geschlechts, aber vor allem der sozioökonomischen und sozioökologischen Einflüsse von Bedeutung. Besonders diese Einflüsse sind aber hinsichtlich der Bewegungsumfänge, der Entstehung von Übergewicht und dem Auftreten motorischer Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen von Relevanz. Den Nachweis, dass die Kinder und Jugendlichen unserer Gesellschaft motorisch immer schlechter werden und dazu die Anzahl der übergewichtigen Kinder zunimmt, sollen sportmotorische Tests verschiedener Studie belegen.[2] Die angebliche Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren soll auf einen zunehmenden Bewegungsmangel zurückzuführen sein, der durch eine veränderte Lebenswelt begünstigt wird.[3] Diese scheinbar logischen Zusammenhänge sollen in dieser Arbeit analysiert werden. Dabei gilt es zu hinterfragen, was Bewegungsmangel ist, wie er entsteht und ob er Auswirkungen auf die motorische Leistungsfähigkeit und das Gewicht von Kindern und Jugendlichen hat. Nach Klärung dieser Sachverhalte wird untersucht, welche Konsequenzen dies für die Schule, insbesondere für die offene Ganztagsgrundschule (OGS) hat und welche Möglichkeiten daraus resultieren.

Gliederung

Zu Beginn der Arbeit stelle ich zunächst die Bewegungswelt und den Bewegungsstatus hinsichtlich zeitlicher Umfänge dar. Dabei zeige ich auf, wie viel sich Kinder und Jugendliche heute tatsächlich bewegen, ohne jedoch detailliert zu bewerten, ob diese Bewegungsumfänge als hoch oder gering anzusehen sind. Darüber hinaus werden einige Methoden angeführt, die zur Messung von Bewegungsumfängen verwendet werden. Hinsichtlich der Bewegungswelt, aber auch der Bewegungsumfänge, werden besonders der Wohnraum, der unmittelbare Wohnraum und die Sportvereine genauer untersucht. Dabei werde ich auf offensichtliche Veränderungen in der Lebens- und Bewegungswelt der Kinder und Jugendlichen eingehen und aufzeigen, inwieweit sich diese in den letzten Jahren geändert hat. Nach dieser „Ist-Bestandsaufnahme“ stehen die empfohlenen Bewegungsumfänge für Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Dabei werden die Modelle der Bewegungsscheibe und der Bewegungspyramide erörtert und hinsichtlich ihrer Empfehlungen verglichen. Auch die Bedeutung von Bewegungsräumen hinsichtlich der Bewegungsmöglichkeiten soll kurz analysiert werden, da sich bis heute die Lebens- und Bewegungswelt der Kinder und Jugendlichen erheblich verändert hat.[4] Im Anschluss an diese eher darstellenden Kapitel erfolgt nun die kritische Betrachtung der als logisch dargestellten Zusammenhänge von einer veränderten Bewegungswelt und dem daraus resultierenden Bewegungsmangel, der letztendlich in motorischen Auffälligkeiten und der immer stärker zunehmenden Verbreitung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen mündet. Hierbei werde ich auf die Indikatoren eingehen, die einen Bewegungsmangel belegen sollen, und erläutern, was dies für die Quantifizierung des Bewegungsmangels bedeutet.

Darüber hinaus werde ich kritisch auf die motorischen Leistungstests, ihre Vergleichbarkeit und Aussagekraft eingehen. Neben der Analyse der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen ist auch der Aspekt des Übergewichts ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit. Da auch die Entstehung von Übergewicht eine Folge des Bewegungsmangels sein soll, werde ich differenzierter auf den Zusammenhang von Aktivität und Übergewicht eingehen. Hierbei spielt ganz besonders das Ernährungsverhalten eine wesentliche Rolle. Wie bereits bei der Problemstellung und dem Ziel dieser Arbeit angesprochen, sollen die Zusammenhänge von sozioökonomischen und sozioökologischen Bedingungen und der Prävalenz von Übergewicht sowie motorischer Leistungsfähigkeit eingehender analysiert werden.

Nach dem Abschluss der kritischen Betrachtungsweise hinsichtlich der heute angeblich geringeren motorischen Leistungsfähigkeit und der Entstehung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen werde ich im letzten Kapitel auf die Möglichkeiten eingehen, wie die Schule bewegter gestaltet werden kann. Dabei wird insbesondere auf die bewegte Schule, den Sportunterricht und den außerunterrichtlichen Schulsport eingegangen, wozu auch das Sportangebot der offenen Ganztagsgrundschulen zählt. Die Gemeinsamkeiten, aber auch die Abgrenzungen dieser Modelle werde ich eingehender veranschaulichen. Dabei werde ich die Ergebnisse meiner kritischen Analyse hinsichtlich der motorischen Fähigkeiten verwenden, um aufzuzeigen, welchen Beitrag die Schule, besonders die offene Ganztagsgrundschule (OGS), zur Förderung der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern leisten kann. Der Schlussteil meiner Arbeit beinhaltet eine Zusammenfassung der im Folgenden aufgeführten Fakten, Sachverhalte und kritischen Auseinandersetzungen. Hinzu kommt eine abschließende, eigene Bewertung.

Meine Arbeit beruht auf einer umfassenden Literaturrecherche, die sich auf zahlreiche Bücher, Aufsätze und Vorträge aus den letzten Jahren bezieht, die sich besonders hinsichtlich der Aussagekraft der motorischen Leistungsfähigkeit der Heranwachsenden z.T. stark unterscheiden.

2. Definition von Bewegung, Sport und körperlicher Aktivität

Zwischen Bewegung, körperlicher Aktivität und Sport bestehen Unterschiede hinsichtlich ihrer Definierung. Bewegung ist nicht immer Sport und körperliche Aktivität kann anstrengend, aber auch moderat sein. Hinsichtlich der Definierung spielen die Faktoren der muskulären Beanspruchung und des Energieumsatzes eine wichtige Rolle. Auf den Energieumsatz, wie auch auf die Energiebilanz, wird in Kapitel 5.3.1 noch detailliert eingegangen werden, da die Energiebilanz bei der Entstehung von Übergewicht berücksichtigt werden muss.

„Unter körperlicher Aktivität versteht man alle muskulären Aktivitäten, die zu einer nachweisbaren Steigerung des Energieumsatzes führen. Sport ist hingegen eine muskuläre Beanspruchung mit Wettkampfcharakter oder mit dem Ziel einer persönlichen guten Leistung. Bewegung ist eine muskuläre Beanspruchung mit geringer Steigerung des Energieumsatzes.“[5]

3. Bewegungswelt und Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer veränderten Bewegungswelt auf. Kinder unterliegen ständigen Veränderungen in den Bereichen der Technologisierung, Urbanisierung und der zunehmenden Mediatisierung.[6] Diese offensichtlichen Veränderungen werden häufig als Verschlechterungen angesehen, da diese Veränderungen zu einem eingeschränkten Bewegungsraum für Kinder und Jugendliche geführt haben und weiterhin führen werden. „In der Wohnung und im Wohnumfeld existieren mannigfache Bewegungseinschränkungen, die Spiel- und Bewegungsräume vieler Kinder sind außerdem verstädtert, naturfern und technisiert. Kinder leben und spielen viel im Haus und wenig im Freien.“[7] Diese Szenarien gehen von einer bewegungsfeindlichen Umwelt für Kinder aus. Da die Kinder aber einen „natürlichen Bewegungsdrang“ besitzen, wird dieser durch eine bewegungsfeindliche Umwelt stark beeinflusst.[8] Zu fragen gilt es aber, ob die Veränderung der Bewegungswelt nur negative Auswirkungen auf das Bewegungsverhalten der Kinder und Jugendlichen hat oder ob in ihr auch Chancen für neue Bewegungsräume und –arten liegen. Ebenfalls kritisch müssen die Aussagen über die Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf Raum- und Zeitverhalten der Kinder gesehen werden. Die Aussagen beruhen größtenteils auf Annahmen und Spekulationen und beziehen sich häufig nur auf die Kinder im Allgemeinen. Die dann spekulativ getätigten Aussagen werden nicht nach Geschlecht, Alter, Interessen, Herkunft oder den Lebensverhältnissen differenziert und interpretiert.[9] In diesem Zusammenhang müssen aber auch die sozioökologischen und die sozioökonomischen Einflüsse analysiert werden, da diese weitere Aufschlüsse über den Zusammenhang von Umweltbedingungen und Bewegung bringen könnten.

Aber nicht nur Verstädterung, sondern auch Technologisierung soll den Bewegungsraum eingrenzen. Kinder und Jugendliche fahren eher mit dem Bus oder dem Auto zur Schule, als zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Zwar gibt es bisher keine gesicherten Daten zum motorisierten Transport in Deutschland, jedoch kamen 1960 in Deutschland drei Kinder auf ein Auto. Heute kommen drei Autos auf ein Kind.[10] Auf Grund dieser Tatsache und gesicherten Daten aus England und der Schweiz, wo der Anteil des motorisierten Transports stetig steigt, ist zu vermuten, dass diese europäischen Daten auf Deutschland übertragbar sind.[11] Weiterhin spielen Kinder weniger im Freien, da sie mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer verbringen. Kinder wachsen verstärkt in zwei Welten auf: zum einen in einer realen, konsumorientierten und zum anderen in einer virtuellen Welt, der Medienwelt, deren Inhalt der Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen ist. Spiel, Bewegung und Sport sind der realen Welt zuzuordnen, werden jedoch stark durch die virtuelle Welt beeinflusst.[12] Dieser Wechsel wird als Crossing bezeichnet, ist jedoch kein neues Phänomen, da Spielgeräte wie Legosteine, Puppen oder Autos ebenfalls zu einer künstlichen Welt gehören, die Kinder und Jugendliche aus dem Alltagsleben herausführen.[13]

Fernsehen, Internet und auch PC-Spiele sind der virtuellen Welt zuzuordnen. Diese Welt gewinnt immer mehr an Bedeutung bei Kindern und Jugendlichen und ist Teil ihres Aufwachsens. Die zunehmende Bedeutung der medialen Welt wird als eher bewegungsfeindlich angesehen, da sie durch Passivität gekennzeichnet ist und Kinder nicht zur Bewegung anregt. Im Gegenteil, Kinder konsumieren diese Welt fast bewegungslos.[14] Jedoch ist die mediale Welt ein wichtiger Bestandteil im Heranwachsen der Kinder und Jugendlichen. Eine technologisierte Welt erfordert auch Kenntnisse im Umgang mit deren Technologie. Kinder und Jugendliche wachsen in einer medialen Welt auf und kennen keine Welt, in der moderne Medien keine Rolle spielten.[15]

3.1 Bewegungsumfänge und Bewegungszeiten messen

Um sagen zu können, wie viel sich ein Kind bewegt, muss seine Bewegungszeit und sein Bewegungsumfang messbar gemacht werden. Dies erfordert Messmethoden, welche nicht nur die körperlich-sportliche Aktivität ausweisen, sondern auch die Alltagsaktivität, um nicht in Gefahr zu geraten, Art und Ausmaß der körperlichen Aktivität in verschiedenen Untergruppen der Bevölkerung nicht hinreichend zu beschreiben und so zu ungenauen Profilen der körperlichen Aktivität zu führen.[16] Um dieses Problem zu beheben, wird versucht, einheitliche, standardisierte Messmethoden zu entwickeln. Eine Methode stellt das IPAQ[17] dar. Seine Methodik besteht darin, die Intensität und Dauer der körperlichen Aktivität zu messen. Diese wird in anstrengende Aktivitäten, mittelschwere Aktivitäten und zu Fuß gehen unterschieden. Die Dauer der Messung beträgt 7 Tage, wobei die durchschnittliche Anzahl der Stunden erhoben wird, die während eines Tages im Sitzen verbracht wird.

Ein weiteres Instrument ist ein Fragebogen zur Erfassung körperlicher Aktivität verschiedener Bevölkerungsgruppen, welcher die körperliche Aktivität erfasst. Der Fragebogen umfasst die Bereiche Arbeit, Sport und Freizeit. Diese drei Aktivitätsbereiche werden in Beziehung zur körperlichen Gesamtaktivität geprüft. Dabei werden diverse Personenmerkmale, wie Alter, Geschlecht oder Schulabschluss berücksichtigt.

Eine weitere Art von Fragebogen ist jener zur Erfassung körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern und Jugendlichen. Die meisten Erfassungen zur körperlich-sportlichen Aktivität werden nur selten interdisziplinär betrachtet und sind daher eher eindimensional ausgerichtet.[18] Dieser Fragebogen ist ein Aktivitätsfragebogen, der wesentliche Bereiche gesundheitsrelevanter körperlich-sportlicher Aktivität erfasst (u.a. körperliche Alltagsaktivität, Vereinssport, Freizeitsport, Schulsport).[19] Es wird detailliert nach Art, Intensität und Dauer gefragt. Messinstrumente sind das Bewegungstagebuch, der Schrittzähler und Herzfrequenzmesser. Diese Messmethoden ermöglichen ein reliables und valides Testergebnis.[20]

Um die Bewegungsquantität zu messen ist der Schrittzähler, auch Pedometer genannt, ein geeignetes Mittel. Dieser misst die Schritte, die eine Person täglich zurücklegt. So kann eine quantitative Aussage über den Bewegungsumfang gegeben werden. Dabei ist zu beachten, dass der Pedometer einen hohen, qualitativ guten Standard aufweisen muss, da es sonst zu Abweichungen von bis zu 50% kommen kann.[21]

3.2 Bewegungsumfänge von Kindern und Jugendlichen

Die Aktivitäten von Kindern können vielfältig sein und umfassen eine Reihe von Möglichkeiten. Sie können nach freien (informellen) und institutionellen (z.B. Sportvereine) Aktivitäten unterschieden werden, die entweder in geschlossenen Räumen oder im Freien stattfinden. Die Bewegungsumfänge der sechs- bis zehnjährigen Kinder waren in den siebziger Jahren drei- bis viermal so hoch wie heute.[22] Während sich ein Kind heute nur noch ca. eine Stunde pro Tag bewegt, waren es in den siebziger Jahren drei bis vier Stunden täglich. Während dieser einen Stunde bewegt sich ein Kind heute durchschnittlich 15-30 Minuten intensiv. Dazu sitzt und liegt es 9 Stunden täglich und steht 5 Stunden am Tag.[23] Andere Studien zeigen ähnliche Bewegungsumfänge. Kleine zeigt in seinen Untersuchungen, dass Kinder sich bis zu zwei Stunden täglich bewegen, wobei die Jungen sich in der Woche zwei Stunden mehr als die Mädchen bewegen.[24] Das Robert Koch-Institut (RKI) zeigt in einer ersten Veröffentlichung im September 2006 aktuelle Daten ihrer KiGGS-Studie[25], die die körperliche Aktivität und die körperlich-sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen zwischen vier und siebzehn Jahren aufzeigen. Dabei zeigt sich, dass 77% der Drei- bis Zehnjährigen fast täglich im Freien spielen und 52% mindestens einmal in der Woche Sport treiben.[26] Allerdings zeigen die Ergebnisse der KiGGS-Studie, dass es in diesem Alterbereich keine relevanten Unterschiede wischen Mädchen und Jungen hinsichtlich der Bewegungszeiten gibt.[27] Im Altersbereich der Elf- bis Siebzehnjährigen zeigt sich ein differenziertes Bewegungsbild. 84% sind mindestens einmal in der Woche so aktiv, dass sie bei ihren Aktivitäten ins Schwitzen oder außer Atem geraten, wobei 23% sogar jeden Tag dieses Aktivitätsniveau erreichen.[28] Diese Tatsache sagt allerdings noch nichts über den tatsächlichen Fitnesszustand aus, da die Möglichkeit besteht, dass Jugendliche auf Grund eines schlechten körperlichen Zustandes schnell ins Schwitzen geraten. Jedoch bewerten 66% der Jugendlichen ihre eigene körperliche Leistungsfähigkeit als gut bis sehr gut.[29] Dies ist allerdings eine subjektive Einschätzung der Jugendlichen, welche nicht die Wirklichkeit widerspiegeln muss. Im Jugendalter treten hinsichtlich des Bewegungsverhaltens allerdings zunehmend geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Mädchen sind in ihrer Freizeit seltener aktiv und schätzen ihre eigene körperliche Leistungsfähigkeit eher schlecht ein.[30] Sowohl für den Bereich des Kindes- wie auch des Jugendalters ist besonders erwähnenswert, dass Heranwachsende aus Migrantenfamilien und aus Familien mit einem niedrigen Sozialstatus weitaus weniger aktiv sind, was besonders für Mädchen des Jugendalterbereiches gilt.[31]

Hinsichtlich der körperlich-sportlichen Aktivität von Kinder und Jugendlichen ist zu sagen, dass in dem Befragungszeitraum der KiGGS-Studie 95% aktiv waren und 22% davon sogar täglich, was im Durchschnitt vier Tage pro Woche mit insgesamt 6 Stunden sind.[32] Die bisherigen Ergebnisse der KiGGS-Studie zeigen parallelen zu den Ergebnisse des Ersten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht, wobei die sich die Ergebnisse auf die sechs- bis zwölfjährigen Kinder und jungen Jugendlichen beziehen. Mehr als drei Viertel der sechs- bis zwölfjährigen Kinder bevorzugen in der Nachmittagszeit Spielmöglichkeiten im Freien, wobei Jungen bei ihren informellen Aktivitäten zu 75% Gartenanlagen, Bolz- und Fußballplätze, aber auch wildes Gelände nutzen.[33] Bei Mädchen in dieser Altersklasse der sechs- bis zwölfjährigen lässt sich ein anderes Aktivitätsausmaß erkennen. Die Lieblingsaktivität der Zehnjährigen ist bereits das „Shoppen“, und erst danach folgen Aktivitäten, welche dem Bereich des Sports zugeordnet werden können. 30% fahren gerne Rad und 27,5% inlinern gerne in ihrer Freizeit. Es folgen Ballspiele wie Fußball, Basketball oder sonstige Ballspiele.[34] Dies scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, jedoch ist bei genauer Betrachtungsweise zu erkennen, dass sich der Erste Deutsche Kinder – und Jugendsportbericht in dieser Aussage auf die Gruppe der ab zehnjährigen Mädchen bezieht. Die KIGGS-Studie zieht hierbei die Grenze zum Jugendalter, und hier zeigen sich in der KiGGS-Studie wie bereits erwähnt verringerte Bewegungsumfänge der Mädchen. Die Ergebnisse zeigen somit eine Vergleichbarkeit, die die Vermutung zulassen, dass die Ergebnisse als valide gelten können. Die Ergebnisse des Ersten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts umfassen ausschließlich Aktivitäten, die sich auf den Nachmittag beziehen, in dem sich neben den informellen Aktivitäten zunehmend institutionelle Termine wieder finden lassen. Diese, welche sich vor allem auf Sport- und Musikvereine beziehen, sind regelmäßige Termine im Leben der Kinder und Jugendlichen. Zwischen Mädchen und Jungen gibt es bei der Nutzung der institutionellen Termine jedoch wesentliche Unterschiede. Ungefähr 70-80% dieser terminlichen Fixpunkte werden von Jungen im Bereich des Sports verbracht.[35] Mädchen favorisieren eher den musisch-kreativen Bereich. Dabei ist zu erwähnen, dass es besonders Mädchen aus der Oberschicht sind, die in diesem Bereich aktiv sind. Die Wahrnehmung von Kulturangeboten für Kinder und Jugendliche ist gekennzeichnet vom Geschlecht und der sozialen Herkunft.[36] Wie auch bereits durch die KiGGS-Studie erwähnt, ist dies ein besonders wichtiger Faktor in der Analyse der Bewegungsumfänge von Kindern und Jugendlichen . Trotz der bisher dargelegten Aktivitäts- und Inaktivitätszeiten von Kindern und Jugendlichen muss auch gesagt werden, dass heute nicht weniger Heranwachsende in Sportvereinen aktiv sind als in den vergangenen Jahrzehnten. Im Gegenteil, noch nie waren so viele Kinder sportlich aktiv wie heute, jedoch kann das sportliche Aktivitätsniveau den Bewegungsmangel im Alltag nicht ausgleichen.[37] Auf die These des Bewegungsmangels wird in einem späteren Kapitel noch detaillierter eingegangen. Die WIAD-Studie[38] setzt die Grenzen in den Altersbreichen anders und kommt zu folgenden Ergebnissen. Wird der Altersbereich, in dem das Aktivitätsausmaß erfragt wird, auch auf die Gruppe der bis zu achtzehnjährigen Kinder und Jugendlichen ausgeweitet, ergibt sich das Resultat, dass 38% der Jungen, aber nur etwa 21% der Mädchen jeden Tag oder zumindest fast jeden Tag sportlich aktiv sind. Diese Zahlen sind allerdings der Durchschnitt aller Befragten. Bei den Sechs- bis Fünfzehnjährigen ist noch jedes Kind täglich aktiv, bei den über Fünfzehnjährigen sind es nur noch 14%.[39] Generell ist dabei zu sagen, dass mit zunehmendem Alter das tägliche Aktivitätsniveau sinkt. Während ein Fünftel der Grundschulkinder eher weniger sportliche Aktivität zeigen, sind es bei den Sechzehn- bis Achtzehnjährigen bereits 53%, wobei im Gesamtbild aller bisher genannten Werte Mädchen weniger sportlich aktiv sind als Jungen.[40] Dies deckt sich mit dem, was im Ersten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht aufgeführt wird, dass Jungen sowohl bei informellen wie auch bei institutionellen Aktivitäten sich eher sportlich betätigen als Mädchen. Auch das geringere Aktivitätsausmaß für Mädchen im Jugendalter kann durch die WIAD-Studie bestätigt werden.

Die in diesem Kapitel genannten Ergebnisse geben eine verlässliche Orientierung über das Aktivitätsniveau von Kindern und Jugendlichen im Alltag. Die genannten Aktivitätsausmaße beziehen sich hauptsächlich auf die Angaben von Brettschneider (Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht), der KiGGS-Studie durch das RKI und die der WIAD-Studie. Die Ergebnisse und daraus gezogenen Schlüsse müssen jedoch differenziert betrachtet werden, da die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen unterschiedliche Altersbereiche umfassen. Die genannten Studien beziehen sich vor allem auf den Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen und lassen den Bereich Schule relativ unberücksichtigt. Dabei wäre auch die Schule ein Bereich, der genauer hinsichtlich der Bewegungszeiten betrachtet werden sollte, da Schule durch Inaktivität auf Grund von hohen Sitzzeiten gekennzeichnet ist. Zusätzlich sagen die Studien auch nur wenig über die Lebensverhältnisse der Kinder und Jugendlichen aus, was jedoch hinsichtlich der sozioökonomischen und sozioökologischen Verhältnisse in Hinsicht zu den Bewegungsumfängen von Relevanz sein könnte. Die aufgeführten Daten sind ausschließlich als Überblick über die Bewegungszeiten von Kindern und Jugendlichen zu verstehen und werden bisher nur nach geschlechtspezifischen und sozioökonomischen Gesichtspunkten unterschieden. Unterscheidungen nach motorisch starken und schwachen, sowie übergewichtigen und normalgewichtigen Kindern und ihren Bewegungsumfängen wurden bisher nicht gemacht. Die Zusammenhänge wurden bisher auch nur unzureichend untersucht und die KiGGS-Studie unternahm nun den Versuch, erstmals umfassende und bundesweite repräsentative Informationen zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren zu erheben.[41] Ziel der Untersuchung ist es, ob es Zusammenhänge zwischen dem Fernsehkonsum, Bewegung und Übergewicht gibt.[42] Dabei soll auch geklärt werden, in welchem Zusammenhang die Faktoren motorische Fähigkeiten und der gesundheitliche Zustand der Kinder und Jugendlichen zur Bewegung stehen.

3.3 Bewegungsräume von Kindern und Jugendlichen

Kinder besitzen einen angeborenen Bewegungsdrang, der räumliche Möglichkeiten braucht, um ausgelebt zu werden.[43] Die Bewegungsräume von Kindern sind jedoch individuell verschieden und werden mitbestimmt von den Eltern, dem unmittelbaren Nahraum rund um den Wohnungsraum sowie von Institutionen wie Schulen, Kindergärten oder Sportvereinen. Auf diese Lebensräume haben Kinder keinen Einfluss, sondern sie sind den Voraussetzungen unterlegen, die andere schaffen. Gerade die Bewegungsräume Wohnung, Wohnumfeld und die der Sportvereine sollen nun betrachtet werden, da in einem späteren Kapitel auf die Möglichkeiten zur Bewegung, die Schule den Kindern bieten kann, noch eingegangen wird.

3.3.1 Der unmittelbare Wohnraum

Die Wohnung, insbesondere das Kinderzimmer, ist der Ort, in dem sich die ersten Lebensjahre überwiegend abspielen.[44] Die Eltern sind für die Gestaltung der Wohnung und dabei auch für das Kinderzimmer zuständig. Dabei wird allerdings nur selten Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder, auf ihren natürlichen Bewegungsdrang genommen. „Das Kinderzimmer ist meist der kleinste Raum einer Wohnung, ausgestattet mit Schlaf- und Schreibgelegenheiten, bestückt mit Fernsehapparat, Musiktürmen und Computer, angefüllt mit vorgefertigtem Spielzeug aus Plastik.“[45] Kinderzimmer sind in der Regel also nicht der Ort, der Kinder zur Bewegung anregt. Jedoch hat sich die Wohnsituation im Allgemeinen verbessert, was sich durch eine Studie im Raum Hamburg

belegen lässt.[46] Ein Indikator dafür ist, dass mehr Kinder über ein eigenes Zimmer verfügen. Zudem ist der Anteil der Kinder, die in einem Einfamilienhaus leben, ebenfalls gestiegen.[47] Zwar steht mehr Fläche im Wohnbereich für Kinder zur Verfügung, jedoch heißt dies nicht, dass dieser „Mehrplatz“ auch kindgerecht genutzt wird. „Ob der vergrößerte Wohnraum allerdings bessere Entwicklungsbedingungen für Kinder schafft, das steht auf einem anderen Blatt.“[48] Eine wichtige Frage ist die Häufigkeit der Nutzung von Bewegungs- und Spielorten. Hierbei gibt es unterschiedliche Aussagen in Bezug zur Nutzungshäufigkeit der Wohnung. Die Wohnung ist heute, im Gegensatz zu älteren Untersuchungen[49] , die die Straße als dominanten Spielort aufzeigen, hinsichtlich ihrer Nutzungshäufigkeit der beliebteste Bewegungs- und Spielort.[50] Im Gegensatz dazu steht die Aussage, dass sich weder die jüngeren Kinder noch die Mädchen in Wohnungen und Kinderzimmern verstecken würden.[51] Diese gründet sich auf eine Studie, in der 394 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 9,2 Jahren nach ihrem Nutzungsverhalten von Spiel- und Bewegungsorten befragt wurden. Sie sagt aus, dass Kinder ab 8 Jahren vermehrt auf der Straße spielen.[52] Die Stichprobe erfasst zu fast gleichen Teilen Jungen wie Mädchen, die sowohl vom Land, der Mittelstadt und der Großstadt kommen. Kretschmer stützt seine Aussage, dass Kinder zunehmend in der Wohnung spielen, auch auf eigene Untersuchungen in Hamburg. Diese beziehen sich allerdings ausschließlich auf Kinder von Hamburger Grundschulen. Er stellt fest, dass 50 bis 60% der Kinder viel in der Wohnung spielen und länger fernsehen.[53] Beide Aussagen treffen zum Teil zu, können jedoch nicht als generalisierend stehen gelassen werden. Für die sechs bis zwölfjährigen Kinder ist festzuhalten, dass Mädchen ein geringeres und kleinräumigeres Aktivitätsausmaß als Jungen haben und Spieltätigkeiten im Freien gegenüber denen in der Wohnung vorgezogen werden.[54] Dies könnte auf ein Fehlen öffentlicher Räume für Mädchen zurückzuführen sein, welches zur Folge hat, dass Mädchen nicht gezwungen sind eigenaktiv längere Wegstrecken zurückzulegen um diese öffentlichen Räume zu erreichen und stattdessen eher das elterliche Wohnumfeld nutzen.[55] Jungen hingegen spielen oft auf Bolz- und Fußballplätzen sowie im wilden Gelände, wobei das Nutzungsverhalten vom Alter abhängt.[56] Aber gerade diese öffentlichen Plätze, d.h. Bolzplätze, Freiflächen, Spielplätze oder auch größere Plätze in Innenstädten sind z.T. nur durch längere Wegstrecken zu erreichen.

Jüngere Kinder bevorzugen den Spielplatz und ältere den Bolz- und Fußballplatz sowie wildes Gelände oder die Straße.[57]

3.3.2 Bewegungsraum Wohnumfeld

Ein weiterer Bewegungsraum ist das Wohnumfeld des Kindes. In den 50er- Jahren nahm das Wohnumfeld, die Möglichkeit des Spielens im Freien, einen wichtigen Platz im Leben eines Kindes ein.[58] Außerhalb der Familie und von Institutionen bildeten sich heterogene Gruppen, die aus Kindern des Wohnumfeldes bestanden. Heute werden solche Gruppen „peer groups“ genannt. „Mit dem Begriff Peer Group bezeichnet man eine Gruppe von gleichaltrigen Jugendlichen.“[59] Die 50er- und 60er- Jahre boten Kindern eine größere Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten im Wohnumfeld. Die Möglichkeiten, vielfältig auf Brachflächen, Wiesen, in Wäldern oder an Seen und Flüssen zu spielen, waren gegeben und nur selten durch Spielverbote reglementiert.[60] Kinder im Vor- und Grundschulalter spielten überwiegend im näheren Wohnumfeld. In diesem Zusammenhang wird auch von einer „Straßenspielkultur“ gesprochen.[61]

Die Bewegungsumwelt von Kindern hat sich heute im Vergleich zu den 50er- und 60er- Jahren stark verändert. Umfangreiche Baumaßnahmen, Urbanisierung, Technologisierung und zunehmender Verkehr grenzen die Bewegungsräume der Kinder und Jugendlichen stark ein.[62]

Für Kinder in Großstädten ist es schwieriger gefahrlos und selbstständig im Freien zu spielen, als für Kinder in Kleinstädten oder auf dem Land schon auf Grund einer höheren Verkehrsdichte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es auch in Großstädten weniger Möglichkeiten zur Bewegungsanregung gibt. Freie Flächen oder enge, verwinkelte Gassen können Kinder zu Bewegungsspielen anregen, wobei diese Räume nur beschränkt, und unter Beachtung bestimmter Reglementierungen, zugänglich sind.[63] Durch diese Tatsache ergeben sich Veränderungen im Heranwachsen und der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Durch die Verstädterung und den zunehmenden Straßenverkehr verlieren Kinder weitestgehend naturbelassene Areale, in denen die Erwachsenen nur selten mitbestimmen und die Kinder autonom agieren. Dadurch geht ein erheblicher Lernraum für die Kinder verloren.[64] Dieser Lernraum bezieht sich nicht nur auf das Bewegungslernen, sondern auch auf die Sozialisation. Dem fehlenden Lernraum für Kinder, vor allem in den „peer groups“, treten ein sich immer stärker ausweitendes Sportvereinsangebot und normierte Sporträume mit Bewegungsmöglichkeiten gegenüber. Diese neuen Angebote können die fehlenden und reglementierten Bewegungsräume in den Städten aber nicht ausreichend kompensieren. Ein Grund dafür ist, dass zahlreiche Bewegungsaktivitäten verloren gehen, die nicht in der Zielperspektive des organisierten Sports liegen.[65] Sportvereine bieten die Möglichkeit sich sozial anzuschließen. Zudem vermitteln sie nicht nur die für den jeweiligen Sport spezifischen Techniken, sondern tragen auch dazu bei, dass Kinder sich Handlungskompetenzen aneignen, die ihren persönlichen Erfahrungsraum vergrößern, so dass sie „in vielfältiger Weise beim Sport und durch den Sport sozialisiert werden“.[66] Jedoch bleibt dabei unberücksichtigt, dass sich Kinder den veränderten Gegebenheiten auch anpassen. Dies bedeutet für die Kinder nicht nur einen Verlust alter Bewegungsräume, sondern auch die Chance, neue Räume für sich zu erobern. Plätze, die vor allem in Großstädten das Bild prägen, ziehen Kinder wie Magnete an. Die Frage nach dem Warum könnte dadurch erklärt werden, dass die Straße ein Ort ständiger Bewegung ist und nicht erst zu einem solchem gemacht werden muss.[67] Dies würde dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegenkommen. Kinder leben mit den Veränderungen und haben durch ihre Bewegungsaktivitäten jene Räume zurückerobert, die die Erwachsenen für den Verkehr oder für repräsentative Zwecke (s. manche öffentliche Plätze) vorgesehen hatten.[68] Diese Räume wurden allerdings nicht für Kinder angelegt, höchstens nur eingeschränkt, werden jedoch gerne von ihnen genutzt.[69] Skateboarden, Inlinern, Fahrrad fahren oder die Trendsportart Parkour zeugen von Bewegungsaktivitäten, die sich zu einem großen Teil in den Städten wieder finden lassen. Spielplätze oder Schulhöfe werden zwar auch von Erwachsenen für die Kinder und Jugendlichen gestaltet, werden jedoch nicht so stark frequentiert, was darauf hinweisen könnte, dass die Gestaltung nicht den Vorstellungen der Heranwachsenden entspricht.[70]

[...]


[1] Vergl. Deutscher Sportbund (2003).

[2] Vergl. Bös, K. (2003), S. 85 f.

[3] Vergl. Kretschmer, J. (2003a), S. 3.

[4] Vergl. Graf, C./ Dordel, S./ Koch, B./ Predel, H.-G. (2006), S. 221.

[5] Vergl. Samitz, Hollmann, Hettinger (2000).

[6] Vergl. Graf, C. et al. (2006), S. 221.

[7] Vergl. Größing, S./ Größing, N. (2002), S. 14.

[8] Vergl. Graf, C. et al. (2006), S. 220.

[9] Vergl. Deutsches Jugendinstitut (DJI) (1992), S.61.

[10] Vergl. Limbourg, M./ Flade, A./ Schönharting, J. (2000).

[11] Vergl. Brettschneider, W.-D./ Bünemann, A. (2005), S. 75.

[12] Vergl. Wopp, C. (2001), S. 64.

[13] Vergl. Wopp, C. (2001), S. 67.

[14] Vergl. Deutscher Kinderschutzbund Landesverband NRW e.v. (2003).

[15] Vergl. Wopp, C. (2001), S. 67.

[16] Vergl. Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft – Kommission Gesundheit in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes (2004), S. 8.

[17] International Physical Activity Questionnaire

[18] Vergl. Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft – Kommission Gesundheit in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes (2004), S. 10.

[19] Vergl. ebd. (2004), S. 10.

[20] Vergl. ebd. (2004), S. 10.

[21] Vergl. Aerzteblatt-studieren.de (2006, 21. Juni).

[22] Vergl. Bös, K. (2004a), S. 7.

[23] Vergl. ebd. (2004a), S. 7.

[24] Vergl. Kleine, W. (2003).

[25] Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch-Instituts Berlin, welches von Mai 2003 bis Mai 2006 in 167 für die Bundesrepublik Deutschland repräsentativen Städten durchgeführt wurde. Knapp 18.000 Kinder nahmen an dieser Untersuchung teil, die in ihrer Zusammensetzung eine hohe Repräsentativität der Wohnbevölkerung in Deutschland wiederspiegeln.

[26] Vergl. Kamtsiuris, P./ Lange, M. (2006), S. 6.

[27] Vergl. ebd. (2006), S. 6.

[28] Vergl. ebd. (2006), S. 6.

[29] Vergl. Kamtsiuris, P./ Lange, M. (2006), S. 6.

[30] Vergl. ebd. (2006), S. 6.

[31] Vergl. ebd. (2006), S. 6.

[32] Vergl. ebd. (2006), S. 7.

[33] Vergl. Brettschneider, W.-D./ Hartmann-Tews, I,/ Schmidt, W. (2003), S. 37.

[34] Vergl. ebd. (2003), S. 37.

[35] Vergl. Schmidt, W. (2002).

[36] Vergl. Deutsches Jugendinstitut (DJI) (1992), S.61.

[37] Vergl. Brettschneider, W.-D./ Bünemann, A. (2005), S. 75.

[38] WIAD = Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands

[39] Vergl. Deutscher Sportbund (2003), S. 19.

[40] Vergl. ebd. (2003), S. 19.

[41] Vergl. Kamtsiuris, P./ Lange, M. (2006), S. 1.

[42] Vergl. Viciano, A. (2006).

[43] Vergl. Größing, S./ Größing, N. (2002), S. 19.

[44] Vergl. Größing, S./ Größing, N. (2002), S. 20.

[45] Vergl. ebd. (2002), S. 20

[46] Vergl. Kretschmer, J./ Giewald, C. (2001a), S. 44.

[47] Vergl. ebd. (2001a), S. 46.

[48] Vergl. ebd. (2001a), S. 46.

[49] Vergl. Schmidt, W. (1998) und Zinnecker, J. (1990).

[50] Vergl. Kretschmer, J./ Giewald, C. (2001a), S. 47.

[51] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 35.

[52] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 35.

[53] Vergl. Kretschmer, J./ Giewald, C. (2001a).

[54] Vergl. Brettschneider, W.-D. et al. (2003), S. 37.

[55] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 32 f.

[56] Vergl. Brettschneider, W.-D. et al. (2003), S. 37 und Kretschmer, J./ Giewald, C. (2001a), S.47.

[57] Vergl. ebd. (2001a), S. 47.

[58] Vergl. Schmidt, W. (2003a), S. 110.

[59] Vergl. Definition des Begriffs Peer Group.

[60] Vergl. Größing, S./ Größing, N. (2002), S. 22.

[61] Vergl. Schmidt, W. (2003a), S. 110.

[62] Vergl. Graf, C. et al. (2006), S. 221 und Mögling, K./ Ninke, L. (2001), S. 8.

[63] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 36 f.

[64] Vergl. Mögling, K./ Ninke, L. (2001), S. 8.

[65] Vergl. Mögling, K./ Ninke, L. (2001), S. 8.

[66] Vergl. Büchner, P. (2001), S. 895.

[67] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 33.

[68] Vergl. Wopp, C. (2001), S. 70.

[69] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 36 f.

[70] Vergl. Podlich, C./ Kleine, W. (2003), S. 36 f.

Details

Seiten
71
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638021548
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86631
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,7
Schlagworte
Motorische Förderung Kindern Schulsport

Autor

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Titel: Motorische Förderung von Kindern im Schulsport