Lade Inhalt...

Kindliche Entwicklung bei Ureinwohnerstämmen

Die kognitive Entwicklung bei Kindern eines Sioux - Stammes und die Erziehung bei den Manus zu Beginn dieses Jahrhunderts

Hausarbeit 2000 33 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Oglala - Sioux
2.1 Topographische Bestimmung, Geschichte und Lebensumstände
2.2 Erziehung und Schule
2.3 Die Untersuchungen zur kognitiven Entwicklung
2.4 Schlußfolgerungen

3. Die Manus
3.1 Hintergrundinformationen
3.2 Kindheit und Jugend bei den Manus
3.2.1 Körperliche Geschicklichkeit und das Lernen durch Nachahmen
3.2.2 Respekt vor Besitz
3.2.3 Die Regeln der Scham und der Weg vom Kind zum Erwachsenen
3.3 Die Erwachsenen in ihrer Rolle als Eltern
3.4 Überlegungen zum Individualitätsempfinden der Manus
3.4.1 Die Determination der sozialen Beziehungen
3.4.2 Das Verhältnis zu Tradition und Religion
3.5 Wodurch die kindliche Entwicklung mitbestimmt wird

- Schluß

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Eine der faszinierendsten Studien, die ein wißbegieriger Geist machen kann,

ist die Entwicklung eines Kindes zu einem erwachsenen Menschen, zu einem

Menschen, der das Gepräge seiner Gesellschaft und seines Jahrhunderts

trägt.“

Mit diesen Worten beginnt Margaret Mead den dritten Teil ihres Bandes „Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften“.

Und mit diesen Worten möchte auch ich in die Thematik meiner Arbeit einsteigen, da sie den Schwerpunkt dieser Arbeit aus einer sehr schönen, reinen Perspektive heraus andeuten. Es soll um die kulturspezifische Entwicklung des Kindes gehen und darüber hinausgehend soll nachgeprüft werden, inwieweit ein Mensch das „Gepräge“ seiner Gesellschaft trägt und in welchem Maße (nicht nur quantitativ sondern vor allem auch qualitativ) er dagegen in seiner Entwicklung bestimmten Regeln oder Vorgängen unterworfen ist, die gesellschafts- und kulturübergreifend und somit zu verallgemeinern sind.

Bei der Erörterung der Frage nach Entwicklungsvorgängen, die allen Menschen gemein sind, geht es mir um solche kognitiver Art. Dabei liegt mir eine Studie von Ph. D. Gilbert Voyat zugrunde, die er bei seinem Aufenthalt in einer Reservation im Nordamerika der siebziger Jahre über die Kinder der dort lebenden Oglala - Sioux angefertigt hat. Voyat, ein gebürtiger Schweizer, ist Professor für Psycholo­gie an der City University of New York und hat mehrere Male bei den Oglala in der Pine Ridge Reservation gelebt.

Da diese unter anderem für ihre schlechten schulischen Verhältnisse und die schlechte Ausbildung der Kinder bekannt geworden ist, wollte Voyat in umfangrei­chen Untersuchungen der Behauptung auf den Grund gehen, die Kinder seien aufgrund fehlender geistiger Fähigkeiten leistungsmäßig und vom Antrieb her so schwach, daß sie die Schule nicht besser bewältigen könnten.

Ich werde seine Tests zur kognitiven Entwicklung und deren Auswertung beschrei­ben und der Frage nachgehen, wo die Ursachen für die schlechten Leistungen und den schwachen Antrieb zu suchen sind.

Um die heutige Situation des Sioux - Stammes, ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft aus Sicht der Amerikaner und ihre ihnen auferzwungene Lebensweise unter den Amerikanern aus ihrer Sicht, besser verstehen zu können, habe ich mich mit einigen weiteren Büchern befaßt, unter anderem mit dreien von Miloslav Stingl:

„Nicht nur in der Prärie“ ( 197?), „Indianer vor Kolumbus“ (1978) und „Indianer ohne Tomahawks“ (1979). Außerdem habe ich das „Indianerlexikon“ von Claus Van der Heyden (1992) zur Klärung einiger Sachverhalte (wie zum Beispiel die Einwohnerzahl der in der Reservation lebenden Oglala) verwendet.

Zur kognitiven Entwicklung habe ich mich an Piagets Büchern „Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde“ (1959) und „Meine Theorie der geistigen Entwicklung“ (1970) orientiert.

Im zweiten Teil meiner Arbeit möchte ich die Erziehung und die Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen in einer Bevölkerungsgruppe beschreiben, deren Normen und Werte den unsrigen nicht in allem gleichen und deren Erziehung an­ders gerichtet ist als bei uns. Eine Bevölkerungsgruppe, deren Leben sich über Jahrhunderte hinweg kaum geändert hat, die von der „modernen Welt“ noch weit­gehend unberührt ist, eine Bevölkerungsgruppe, die nur wenigen äußeren Einflüs­sen unterworfen ist.

So eine Gesellschaft habe ich in einem der Eingeborenenstämme der Südseeinseln gefunden, bei denen Margaret Mead in den Jahren 1925 - 1933 mit Unterbrechun­gen gelebt hat. In diesem Stamm gelten die Kinder als wichtigster Teil der Gesell­schaft und es wird der Rolle des Vaters zugeschrieben, mit ihnen zu spielen und eine gewisse Vorbildfunktion zu übernehmen.

Hier wird sich zeigen, inwiefern das heranwachsende Kind in seiner Entwicklung von der Gesellschaft, in der es lebt, beeinflußt wird - im Hinblick auf bestimmte Fähigkeiten sowohl in vernachlässigender, beziehungsweise unterdrückender als auch in fördernder Weise. Dabei stütze ich mich einzig auf die von Mead herausge­gebenen Berichte über diesen Stamm, da mir keine andere Literatur über ihn be­kannt ist.

Zusätzlich zu dem Buch „Kindheit und Jugend in Neuguinea“ (1970), dem zweiten Band ihrer Trilogie „Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften“

habe ich mich jedoch auch mit dem dritten Band „Geschlecht und Temperament in primitiven Gesellschaften“ (1970) auseinandergesetzt.

Meine Arbeit zerfällt also in zwei Hauptteile - den Bericht und die Untersuchung der Oglala - Sioux, geleitet von der Frage nach eventuellen Unterschieden bzw. Übereinstimmungen in der geistigen Entwicklung des Menschen und die Beschrei­bung des Lebens und der Erziehung bei den Manus unter dem Aspekt der kulturel­len und umweltbedingten Beeinflussung der kindlichen Entwicklung.

2. Die Oglala - Siuox

2.1 Topographische Bestimmung, Geschichte und Lebensumstände

Die von Voyat beschriebenen Oglala - Sioux leben in der Pine Ridge Reservation in South Dakota, der mit einer Fläche von 11200 km zweitgrößten Reservation der USA. Die Oglala sind der größte von sieben Stämmen der Tetonen (die sie­ben Ratsfeuer), die wiederum zu den Dakota gehören. Die Dakota gehören zur Sprachgruppe der Sioux.

Sie waren ursprünglich Nomaden und organisierten ihr Leben um die Büffeljagd. Essen, Kleidung, Hütten, Boote, Bogensehnen, Brennmaterial, Medizin, dies alles bezogen sie von erlegten Büffeln, weshalb diesen Tieren eine zentrale Bedeutung zukommt. Dies zeigt sich in verschiedensten Lebensbereichen. So preisen unter an­derem Jahreszeiten, Zeremonien, Tänze, Kinderspiele und Mythologie Namen und Bild des Büffels.

Nach jahrelangen Kämpfen wurden die Sioux 1890 endgültig von den Weißen durch die Schlacht am Wounded Knee (in der Pine Ridge Reservation) geschlagen. Von da an war es den Europäern möglich, sie zu beaufsichtigen und über sie zu bestimmen .

Anfang dieses Jahrhunderts wurde begonnen, die Kinder der Indianer in staatliche Schulen zu schicken, wo ihnen ihre Sprache verboten wurde, ihre Art der Kleidung und der Haartracht und ihre Rituale. In den Reservaten sollten sich die Sioux mit Ackerbau beschäftigen und sich davon ernähren, was agrartechnisch

kaum möglich ist, da nur wenig Land anbaufähig ist, und für die ursprünglich umherziehenden Jä­ger völlig fremd.

Als Voyat bei den Oglala - Sioux lebte (Ende der 70-er Jahre), gab die Reservation ein ziemlich trauriges, desillusionierendes Bild ab:

Es ist weitgehend isoliert, weder Bus noch Zug fahren vorbei, trotzdem besitzt nur die Hälfte der Familien ein Auto. Mehr als zwei Drittel der Straßen sind nicht be­festigt, das heißt, nach Regenfällen oder Unwetter sind sie kaum befahrbar.

Die Leute leben in kleinen Dörfern oder einzelnen Häusern auf dem Land. Die Hälfte der Häuser besteht nur aus ein oder zwei Räumen, nicht einmal die Hälfte hat fließendes Wasser im Haus, Elektrizität ist in jedem zweiten Haus vorhanden.

Von insgesamt ca. 10.000 Oglala Sioux ist über die Hälfte der Bevölkerung unter

18 Jahren. Unter den Arbeitsfähigen ist nur ein Drittel beschäftigt und dies zum großen Teil auch nur temporär (gegenüber der da­maligen Arbeitslosenrate der gesamten US-Bevölkerung von 4,6 %, vgl. Voyat 1983). Zwei Drittel der Familien haben ein jährliches Einkommen von 3.000 $ oder weniger, jede dritte hat ein jährliches Einkommen von weniger als 1.000 $ (das durchschnittliche Einkommen betrug in den USA zu dieser Zeit 6.682 $, vgl. Voyat 1983)1.

„Katastrophale soziale Verhältnisse ...schlechte Wohnbedingungen, unzureichende medizinische und Bildungseinrichtungen“ sind für die Pine Ridge Reservation kennzeichnend. „Die Selbstmordrate und die Quote von Alkoholabhängigen, vor­nehmlich unter Jugendlichen,“ wie auch die der Schulabgänger „liegen weit über dem Landesdurchschnitt.“ 2 Armut und Krankheit sind Dauerprobleme.

So sieht das allgemeine Bild der Reservation aus. Doch ich möchte etwas tiefer in das Leben, und vor allem in die problematischen Lebensbereiche der Oglala ein­dringen.

2.2 Eziehung und Schule

Trotz dieser schlechten Bedingungen sind Kinder bei den Oglala sehr willkommen. In den ersten Lebensjahren, in welchen die Pflege, ähnlich wie bei uns, weitgehend in der Hand der Mutter liegt, haben sie alle kindlichen Freiheiten.

Sie werden von den Eltern zu nichts gedrängt, sie werden nicht ausgeschimpft, nichts wird ihnen verboten.

Frühestens wenn das Kind im Alter von vier Jahren ist, beginnen die Eltern, es all­mählich zu lenken. Wurde es bisher eher sich selbst und seinen Spielen überlassen, so zeigen die Eltern nun offener ihre Gefühle dem Kind gegenüber. Die Zuneigung beispielsweise drückt sich bei ihnen im Geben von Geschenken aus. Überhaupt sind die Erwachsenen den Kindern gegenüber sehr großzügig.

Mit dem Eintritt ins Schulalter beginnen die Eltern, ihren Kindern auch Disziplin beizubringen. Dazu hat Voyat folgende interessante Beobachtung gemacht: wäh­rend die gemischtblütigen Indianer dies mit Hilfe von Loben und Strafen bzw. Schimpfen tun, reagieren Vollblutindianer auf ein unartiges Kind eher so, daß es sich schämt und das, was es böses getan hat, von sich aus nicht wieder tut.

Es zeigen sich also durchaus Unterschiede zwischen den reinen Sioux und den gemischtblütigen Indianern. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Aufgeschlossenheit und Neugier der Kinder. So stellte Voyat weiter fest, daß Vollblut - Kinder Fremden, besonders Weißen gegenüber scheuer und zurückhaltender sind als gemischtblütige Kinder.

Aus diesen Unterschieden läßt sich ableiten, daß sich Vollblutindianer und Weiße in entsprechend größerem Maße in Bezug auf bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen voneinander unterscheiden, was hauptsächlich auf eine unter­schiedliche Erziehung und auf unterschiedliche Wertmaßstäbe zurückzuführen ist.

Dahin führt auch ein weiteres Beispiel, und zwar die Ansicht der Sioux, daß man nicht zu weinen braucht. Entsprechend dieses Verständnisses findet man bei ihnen kaum ein weinendes oder schreiendes Kind. Wenn sie Hunger haben, werden die Kinder gefüttert, wenn sie auf den Arm genommen werden wollen, werden sie hochgenommen, wenn sie nachts aufwachen, beschäftigt sich die Mutter mit ihnen. Wir Mitteleuropäer dagegen sind der Ansicht, daß das Kind lernen muß durchzu­schlafen, daß es sich nicht daran gewöhnen darf, immer seinen Willen zu bekom­men und daß es seinen Eltern gehorchen muß.

Das sind natürlich ganz andere Voraussetzungen für die kindliche Erfahrung mit seiner Umgebung, die Einordnung der eigenen Person darin und die Beziehung

zwischen der eigenen Person und der Umwelt.

Doch zurück zum Schulalter.

Trotz der recht permissiven Erziehung der Kinder und dem Respekt und der Freude, die ihnen entgegengebracht werden, tun sich mit dem Eintritt in die Schule gewaltige Probleme auf.

Dort werden die Kinder eher unsicher und passiv bis apathisch. Sie zeigen kein In­teresse für die Schule, oft kaum für etwas anderes. Voyat beobachtete bei ihnen das starke Gefühl, abhängig zu sein und sich deshalb unter Druck gesetzt zu sehen. Viele haben keinerlei Ehrgeiz oder Antrieb. Und so kommt es häufig zum Schule­schwänzen.

Laut Voyat haben über 80% der zur Zeit seiner Beobachtungen über 25-jährigen die High - School nicht abgeschlossen, viele der Schüler sind mindestens zwei Jahre älter als es in ihrer Klassenstufe üblich wäre, viele beenden nicht einmal die achte Klasse. Der Grad der Bildung liegt unter dem der gesamten US - Bevölkerung3.

Die Frage ist jedoch, ob aus den schlechten Schulabschlüssen geraden Wegs ge­schlußfolgert werden kann, daß die Oglala - Indianer tatsächlich weniger intelligent sind, oder ob das schulische Desinteresse und die schlechten Noten nicht anders begründet werden müssen.

2.3 Die Untersuchungen zur kognitiven Entwicklung

Um sagen zu können, daß nicht ein Mangel an kognitiven Fähigkeiten oder Ent­wicklungsverzögerungen die Ursache für die schulischen Mißstände und die schlechte Ausbildung ist, sondern daß sie in anderen, außerhalb dieses Bereiches liegenden Bedingungen zu suchen ist, müssen auf der einen Seite die kognitiven Fähigkeiten geprüft und auf der anderen Seite der die Kinder und Jugendlichen hervorbringende Kontext und die schulischen Bedingungen untersucht werden.

Zum ersten Punkt hat Voyat ausgiebige Untersuchungen durchgeführt, die sich auf das Konzept Piagets und sein Stufenmodell der kognitiven Entwicklung beziehen.

Das heißt, seine Untersuchungen sollen Aufschluß darüber geben, zu welchen ko­gnitiven Leistungen das jeweilige Kind fähig ist, welche Wege und Strategien zur Bewältigung einer Aufgabe genutzt werden. Daher stehen bei dieser Methode die verbalen und aktiven Reaktionen des Kindes im Mittelpunkt, es wird auf sie einge­gangen und der weitere Verlauf des Tests paßt sich immer wieder den individuellen Fähigkeiten an.

Geprüft wurde das Verständnis für und der Umgang mit folgenden, verschiedenen Stufen der geistigen Entwicklung zugehörigen, Elementen:

1 .) Erhaltung

- Erhaltung fester Materie, Erhaltung von Flüssigkeiten, Erhaltung von

Gewicht und Erhaltung von Länge

2.) 1:1 - Korrespondenz

- gleiche Anzahl von Gegenständen bei unterschiedlicher Anordnung, unter­ schiedlicher Größe, etc.

3.) Räumliche und zeitliche, sowie Raum - Zeit - Beziehungen

- zum Beispiel geometrisches Zeichnen, Perspektiven

4.) Logisch-mathematische Beziehungen

- Klassifizierung, Seriation, Zahlenverständnis

Die 71 untersuchten Kinder waren im Alter von 4 bis 10 Jahren4.

Bei der Testauswertung stellte sich heraus, daß die Oglala - Sioux den als Vergleichsgruppe fungierenden Kindern einer entsprechenden Untersuchung in Genf in nichts nachstanden. Sie waren im gleichen Alter zu den gleichen logischen Vorgän­gen fähig, hatten ähnliche Schwierigkeiten, zum Beispiel bei topologischen Bezie­hungen, und es konnten innerhalb der vier Bereiche bestimmte Reihenfolgen bei der Erlernung der einzelnen Unterpunkte beobachtet werden, die ebenfalls über­einstimmten.

So wird bei der Erhaltung wie in der oben aufgeführten Reihenfolge zuerst die Erhaltung der festen Materie, dann die Erhaltung von Flüssigkeiten, danach erst die von Gewicht und zuletzt die der Größe gelernt.

Ebenso konnten in beiden Gruppen nur die Kinder die Aufgaben der logisch-ma­thematischen Beziehungen bewältigen, die auch bei der 1:1 - Korrespondenz er­folgreich gewesen waren; das heißt also, das Verständnis für die 1:1 - Korrespon­denz ist Voraussetzung für ein grundlegendes Verstehen von Klassifizierungen, Seriation und Zahlen.

Dazu wurden noch weitere aufschlußreiche Beobachtungen gemacht:

Und zwar haben die Sioux in ihrer Sprache keinen Ausdruck für Vergangenheit und Zukunft, es ist also eine Sprache der Gegenwart, die zeitliche Einordnung ergibt sich aus dem Kontext. Darum hat Voyat folgende Vermutung aufgestellt: wenn räumlich - zeitliche Differenzierung nicht verbal ausgedrückt wird, könnten parallel Schwierigkeiten beim Umgang mit räumlichem Aufbau vorhanden sein, also das räumliche Vorstellungsvermögen beeinträchtigt sein. Wenn das der Fall ist, dann müßte diese Fähigkeit bei den Oglala - Kindern erst später ausgebildet wer­den.

Wenn sich jedoch durch die Tests herausstellt, daß es auf dieser kognitiven Stufe keine Verzögerung gibt, dann würde das bedeuten, daß Fähigkeiten wie Klassifizie­rung, räumliche Koordination, etc. aus einem Ursprung resultieren, der weder perzeptiver noch linguistischer Art ist, sondern von frühen sensomotorischen Aktivitä­ten des Kindes selbst herrührt (wie Piaget behauptet).

Wie die Auswertungen ergeben haben, zeigte sich keine Entwicklungsverzögerung in den genannten Bereichen, womit Piagets These bestätigt wäre.

[...]


Anmerkungen

1 zitiert nach G. Voyat, 1983, S. 26, S.139

2 zitiert nach van der Heyden, Indianerlexikon 1992, Stichwort: Pine Ridge Reservation

3 genaueres siehe G. Voyat, 1983, S. 32/33

4 die insgesamt 71 Kinder im Alter zwischen 4 und 10 Jahren kamen aus drei verschiedenen Districts, das Verhältnis von 54%

Jungen zu 46% Mädchen entspricht dem Gesamtverhältnis der 0 - 14-jährigen, ebenso entspricht das Verhältnis zwischen

Gemischtblütigen und Vollblutindianern mit gut der Hälfte zu knapp der Hälfte der Gesamtpopulation der 4 - 11-jährigen

die zu Hause bevorzugte Sprache:

Englisch: mixed blood 81% full blood 7% insgesamt 47%

Beide: mixed blood 11% full blood 65% insgesamt 36%

Lakota: mixed blood 8% full blood 28% insgesamt 17%

in der Gesamtpopulation:

Englisch: mixed blood 72% full blood 13% insgesamt 41%

Beide: mixed blood 25% full blood 62% insgesamt 44%

Lakota: mixed blood 3% full blood 25% insgesamt 15%

die Angaben, daß gut die Hälfte Elektrizität und knapp die Hälfte Wasser im Haus hat, stimmen auch mit der Gesamtbevölkerung überein, wobei jeweils die Gemischtblütigen die Mehrheit der Haushalte mit Wasser bzw. Elektrizität bilden

Geschlecht, ethnische Gruppe, zu Hause präferierte Sprache und Vorhandensein von Wasser und Strom sind bei der willkürlichen Auswahl also repräsentativ vertreten

Details

Seiten
33
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638155779
ISBN (Buch)
9783638863520
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8666
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Pädagogik
Note
2,3
Schlagworte
Kindliche Entwicklung Ureinwohnerstämmen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kindliche Entwicklung bei Ureinwohnerstämmen