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Höfische Liebe - die Beziehung zwischen Erec und Enite in Hartmanns "Erec"

Seminararbeit 2007 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autor und Werk

3. Die Entwicklung der Liebesbeziehung zwischen Erec und Enite
3.1 Einkehren bei Hofe: Karadigan, Karnant und Erecs verligen
3.2 Räuber, Grafen und joie de la cour

4. Der Schluß: eine Krönungsfeier
4.1 Enite
4.2 Erec

5. Fazit

6. Anhang

7. Bibliographie
1. Primärliteratur
2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

… der roc was grüener varwe,

gezerret begarwe,

abehære über al.

dar under was ir hemde sal

und ouch zebrochen eteswâ:

sô schein diu lîch dâ

durch wîz alsam ein swan.

man saget daz nie kint gewan

einen lîp sô gar dem wunsche gelîch:

und wære si gewesen rîch,

sô gebræste niht ir lîbe

ze lobelîchem wîbe.

ir lîp schein durch ir lawe wât

alsam diu lilje, dâ si stât

under swarzen dornen wîz.

ich wæne got sînen vlîz

an si hâte geleit

von schœne und von sælekeit...[1]

Mit diesen Worten ,,würdigt“ Hartmann von Aue das erste Auftreten von Enite in seinem Roman ,,Erec“. Unser Held, Erec, kommt als Gast an den Hof von Koralus, Enites Vater und bittet um ein Nachtgemach. Trotz der ärmlichen Verhältnisse in denen die Familie lebt, wird er aufgenommen. Enite soll nun sein Pferd versorgen und Erec erinnert sich, dass ,,diu was ein diu schœniste maget von der uns ie wart gesaget“[2]. Als sie vor ihm steht, fällt ihm jedoch zuerst ihr schäbiges Gewand auf und gleich darauf die elfenbeinzarte Haut die darunter hervor scheint. Erec ist sich sicher, dass sie, wenn sie nicht so arm wäre, von Freiern umschwärmt werden würde. Doch Erec erbittet sie auch so von Koralus zur Frau und bekommt auch ihre Hand. Er führt sie zu großen Ehren, indem er ein Turnier gewinnt und Enite somit mit Kleidern ausstatten kann die ihrer Schönheit entsprechen. Dann reisen sie zum Hof von Erecs Vater nach Karnant, doch dort ergibt sich Erec in den Müßiggang und es kommt zum verligen in karnant. Um seine Schmach wieder gut zu machen, zieht er mit Enite zusammen zu einer aventurie aus. Gemeint ist in erster Linie, das Bestehen von Abenteuern (wenn möglich Zweikämpfe mit übermächtigen Gegnern). Auf dieser Reise entwickelt sich die Beziehung von Erec und Enite. Doch wie beschreibt Hartmann von Aue die Beziehung der beiden? Welche Symboliken nutzt er? Und wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Mann und Frau an mittelalterlichen Höfen?

2. Autor und Werk

Leider ist von Hartmann von Aue selbst nur wenig bekannt. Arthur F.J. Remy schreibt, dass er zwischen den Jahren 1210 und 1220 gestorben sei, da Gottfried von Straßburg ihn 1210 in seinem ,,Tristan“ als ,,noch lebend“ bezeichnet und Heinrich von dem Türlin in seiner ,,Diu crône“, die zwischen 1215 und 1220 entstand, anmerkt das Hartmann tot sei[3]. Bei nahezu allen Angaben bezüglich seines Lebens müssen wir uns Selbstaussagen in den Werken Hartmann von Aues verlassen oder auf Äußerungen seiner zeitgenössischen Kollegen. In seinem Werk ,,Der arme Heinrich“ beschreibt er sich selbst als:

Ein ritter sô gelêret was

daz er an den buochen las

swaz er daran geschriben vant:

der was Hartman genant,

dienstman was er zOuwe.[4]

Man erfährt also etwas von seinem Stand als Ritter und als Angestellter des alten Adels, einem sog. Ministerialen. Sie waren eigentlich leibeigen, bildeten aber über die Jahre hinweg schließlich den unteren Stand des Adels. Außerdem muss er gebildet gewesen sein, da er sich als Bücher lesend beschreibt, eine Kunst die zur damaligen Zeit nur wenige beherrschten[5]. Bekannt ist auch, dass Hartmann nach dem Tod seines Dienstherrn an einem Kreuzzug teilnahm, entweder 1197 oder schon 1189[6]. So sieht man ihn auf einer Darstellung in den Liederhandschriften B und C in voller Rüstung auf einem steigenden Pferd sitzen. Man sieht hier deutlich sein Wappentier: einen Adler auf schwarzem Grund. Er ist sowohl auf Helm und Schild als auch auf dem Überwurf seines Pferdes zu sehen (siehe auch Anhang, Bild 1). Aufgrund dieses Wappens und der alemannischen Sprache, die Hermann von Aue in seinen Werken verwendet, nimmt man deshalb an, dass er aus Schwaben stammt[7]. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Heldenepen ,,Erec“ und ,,Iwein“, sowie die Heiligenlegende ,,Gregorius“ und das bereits erwähnte Werk ,,Der arme Heinrich“. Der erste deutsche Artusroman ,,Erec“ beruht auf der Vorlage ,,Érec et Énide“ des französischen Autors Chrétien de Troyes. Es erzählt von einem Ritter und einer holden Dame, die gleich zu Beginn heiraten und dann zahlreiche Abenteuer, Probleme und Anstrengungen überstehen müssen um sich am Ende zu versöhnen und gestärkt aus den Erlebnissen hervor zu gehen. Das Werk ,,Erec“ ist uns aus verschiedenen Überlieferungen erhalten: dem ,,Ambraser Heldenbuch“ und Blättern aus Koblenz, Wolfenbüttel, Wien und dem Kloster Zwettl[8].

3. Die Entwicklung der Liebesbeziehung zwischen Erec und Enite

Am Anfang des Werkes reitet Erec mit Ginover (der Frau Artus) und einer Hofdame aus. Sie begegnen einem prächtig gekleideten Ritter, dessen Dame und einem Zwerg. Die Hofdame von Ginover wird vorgeschickt um nach dem Namen des Ritters zu fragen. Doch sie wird von dem Zwerg mit der Peitsche misshandelt. Daraufhin reitet Erec los um den Namen zu erfahren. Doch auch er wird von dem Zwerg geschlagen und kann sich nicht einmal wehren, da er keine Waffen trägt. Betroffen und beschämt über diese Beleidigung kehrt er zu Ginover zurück und erbittet eine dreitägige Frist um der Gruppe nachzustellen und sich für die entstandene Schmach zu rächen. Ginover zögert erst, lässt ihn dann aber doch reiten.[9]

Der Anfang der Geschichte zeigt einen jugendlich ungestümen Erec, der vordergründig darauf bedacht ist die Kompromittierung die ihm zuteil wurde zu vergelten. Er sinnt auf Rache. In erster Hinsicht für sich selbst, die misshandelte Hofdame der Ginover spielt nur eine Nebenrolle. Impulsiv beschließt Erec der Gruppe nach zu reiten, völlig waffenlos wie er ist. Er denkt nicht voraus, sondern handelt einfach im Affekt. Unter diesen Voraussetzungen landet er an Koralus’ ärmlichem Hof. Dort erfährt er die Geschichte vom Sperberkampf auf der Burg Tulmein. Jedes Jahr kämpfen die stärksten Ritter gegeneinander. Derjenige der gewinnt hat gleichzeitig die schönste Frau und erhält als Preis den Sperber. Wer dreimal nacheinander gewonnen hat, darf den Sperber behalten. So kommt es, das Erec erfährt, das der Ritter Iders schon zweimal den Kampf gewonnen hat und eben jener Ritter ist, dessen Zwerg Erec so beleidigend behandelte. Erec sieht in diesem Kampf die Chance seine verlorene Ehre wieder her zu stellen. Er erbittet von Koralus Waffen, Rüstung und Enite zur Frau. Nach einigem Hin und Her erhält er das gewünschte und reitet mit seiner Frau auf die Burg. Es kommt zur ersten Aventuriensequenz. Erec kämpft gegen Iders, zuerst kommt es zu einem Tjost, bis Erec ihn schließlich im Schwertkampf besiegt: sînen geiselstreich er rach[10] , wie Hartmann es schreibt. Erec wird als Turniersieger und Enite als schönste Frau gefeiert[11]. Bemerkenswert ist, dass hier die Attribute Kraft und Schönheit in deutlichem Zusammenhang stehen. Der stärkste Ritter soll automatisch auch die Schönste zur Frau haben. Ziemlich sicher scheint auch, dass mit dieser Schönheit allein die äußere gemeint ist und nicht die ,,innere“ (Wo gleich die nächste Frage aufgeworfen würde: was gilt als ,,innere“ Schönheit in dieser Zeit? Gehorsamkeit dem Mann gegenüber?). Es scheint wie eine Idee der Minne, dass die schönste Frau den stärksten Ritter hat. Man kann einen Klimax erkennen, nicht nur das der Ritter stark ist, er hat auch noch die schönste Frau! Die Symbiose eines nahezu perfekten Paares, Schönheit und Anmut auf der einen Seite Ritterlichkeit und Kraft auf der anderen. Doch wie wird sich unser ,,perfektes“ Paar unter den Augen des Hofes entwickeln? Enite hat bis jetzt nur einen denkwürdigen Satz gesprochen: herre, daz tuon ich[12] , dann muss sie für über tausend Verse schweigen. Wie wird sich das Leben der beiden gestalten?

3.1 Einkehren bei Hofe: Karadigan, Karnant und Erecs verligen

Nach dem Triumph in Tulmein, trägt sich die Geschichte Erecs schnell an den Hof Artus und somit zu Ginover. Die beiden gelangen nach Karadigan und werden gefeiert. Enite wird aus der Armut gehoben indem sie neue Kleider erhält und ihres Standes gemäß behandelt wird. Man feiert große Hochzeit und die beiden verlieben sich:

zewâre ich iu daz sagen wil,

dâ was der Minnen gewin:

diu Minne rîchsete under in

und vuocte in grôzen ungemach.

dô einz daz ander ane sach,

dô enwas in beiden niht baz

dan einem habeche, der im sîn maz

von geschihte ze ougen bringet,

sô in der hunger twinget:

und als ez im gezeiget wirt,

swaz ers dâ vür mêre enbirt,

dâ von muoz im wirs geschehen

dan ob ers niht hete gesehen.

alsô tete in daz bîten wê

zuo der mâze und dannoch mê.

ir beider gedanc stuont alsô:

>jâ enwirde ich nimmer vrô,

ich engelige dir noch bî

zwô naht oder drî.<[13]

[...]


[1] Hartmann von Aue: Erec. Hrsg. von A.Leitzmann. 7. Auflage besorgt von K.Gärtner. Tübingen 2006. V. 324-341.

[2] Ebd. V. 310f.

[3] Vgl. Arthur F.J. Remy: Hartmann von Aue. The Catholic Encyclopedia, Volume VII. New York 1910. in: <http://www.newadvent.org/cathen/07146c.htm>, letzter Zugriff: 27.10. 2007.

[4] Hartmann von Aue: Der arme Heinrich. Hrsg. von Hermann Paul. 8. Auflage besorgt von A.Leitzmann. Halle (Saale) 1941. V. 1-5.

[5] Vgl. Peter Wapnewski: Hartmann von Aue. 4. Auflage. Stuttgart 1969. S. 4.

[6] Vgl. Remy: Hartmann von Aue.

[7] Vgl. Wapnewski: Hartmann von Aue. S. 6ff.

[8] Vgl. Joachim Bumke: Der ,,Erec“ Hartmanns von Aue: Eine Einführung. Berlin 2006. S. 7.

[9] Vgl. Hartmann von Aue: Erec. Hrsg. von S. Dohle. Nach einer Vorlage von A. Leitzmann. Köln 2006. V. 1-159.

[10] Hartmann von Aue: Erec (Hrsg. A.Leitzmann). V. 950.

[11] Vgl. Hartmann von Aue: Erec (Hrsg. S.Dohle). V. 428-1076.

[12] Hartmann von Aue: Erec (Hrsg. A. Leitzmann). V. 322.

[13] Ebd. V. 1857-1875.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638059169
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86831
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Fachbereich: Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Höfische Liebe Beziehung Erec Enite Hartmanns Hartmann

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