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Gestatten - Geraniaceae

Eine Familie mit vielen Fähigkeiten

Seminararbeit 2006 30 Seiten

Biologie - Botanik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Übersicht der Familie Geraniaceae
1.2 Kulturgeschichte
1.3 Biologie

2 Familienportraits
2.1 Geranium
2.1.1 Blüten und Blätter
2.1.2 Geranium Gruppen und ihre Verwendung
2.2 Pelargonium
2.2.1 Blüten und Blätter
2.2.2 Die Sektionen von Pelargonium

3. Verwendung von Pelargonium Arten in Medizin, Parfümindustrie und Küche
3.1 Pelargonium cucullatum
3.2 Pelargonium reniforme und Pelargonium sidoides
3.3 Duft-Pelargonien
3.4 Gourmet Pelargonien

4. Abschließende Betrachtung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gehen wir heute einmal in eine Gärtnerei oder eines der neuen, groß angelegten Gartenzentren mit Erlebnisweltcharakter, die mit ihrer Pflanzenvielfalt und dem allgemeinen Produktangebot den Normalverbraucher bereits teilweise überfordern und fragen dort nach Pelargonium tomentosum oder P. graveolens. Fehlanzeige - denn die wenigsten Gärtnereien oder Pflanzencenter sind mit botanischen Arten der Familie der Geraniaceae ausgestattet. Was heutzutage über die Ladentheke in die deutschen Balkonkästen wandert sind landläufig „Geranien“. Die umfangreichen Unterfamilien der Geraniaceae sind dem normalen Verbraucher kaum bekannt.

Aber genau diese sind es, die in dieser Ausarbeitung einmal näher betrachtet werden sollen, denn Geraniaceae hat viele, faszinierende Gattungen und Arten zu bieten, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Die Vielfalt dieser Pflanzenfamilie und die Verwendung spezieller Arten soll zeigen, dass der Blick über den Tellerrand hinaus - pardon, über den Balkonkasten hinaus - für die Gartengestaltung, die medizinische Nutzung, für die Parfümherstellung oder den Einsatz in der Küche sehr interessant ist.

Insbesondere wird in dieser Arbeit auf Geranium Arten eingegangen, die im Hinblick auf den Trend interessant sind, dass Herzlichkeit und Lifestyle für die Konsumenten an Bedeutung gewinnen (Bundesverband Einzelhandelsgärtner, BVE : Fachhandel in Zukunft, in DEGA, 29/ Juli 2005, S.22).

Außerdem wird im zweiten und dritten Kapitel besonders die Biologie und die unterschiedliche Verwendung von Pelargonium Arten betrachtet. Hierbei stützt sich die Verfasserin auf die umfangreichen wissenschaftlichen Ausarbeitungen, die von Maria Lis- Balchin von der South Bank University London herausgegeben wurden (LIS-BALCHIN et al: Geranium and Pelargonium, The genera Geranium and Pelargonium (Medicinal and Aromatic Plants, Volume 27, 2002)). In diesen Abschnitten wird auf die medizinische Verwendung von Pelargonium reniforme/sidoides eingegangen, da der Einsatz von natürlichen Heilmitteln beschrieben werden soll.

Aber auch der Anbau von Duftpelargonien für die Parfümindustrie wird beleuchtet. Dem liegt der Bericht von Demarne zugrunde, der sich in seiner Arbeit mit Rosenduft-Pelargonien befasste (DEMARNE, F.-E.,: ’Rose-scented geranium’ a Pelargonium grown for the perfume industry, in Lis-Balchin (Hrsg.): Geranium and Pelargonium, The genera Geranium and Pelargonium (Medicinal and Aromatic Plants, Volume 27, 2002)).

Das Kapitel 3.4 geht dann noch auf die Verwendung von Gourmet Pelargonien in der Küche ein und soll somit die Vielseitigkeit der Familie Geraniaceae abrunden. (Grünewald PR: Pelargonien à la carte! In DEGA, 29/Juli 2005, S.20)

1.1 Übersicht der Familie Geraniaceae

Geraniaceae - die Familie der Storch- oder Kranichschnabelgewächse umfasst etwa 750 Arten und elf Gattungen. Sie sind weltweit als ein- oder mehrjährige Pflanzen, Kräuter und Sträucher verbreitet und kommen in gemäßigten und subtropischen Gebieten der Nord- und Südhalbkugel vor. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich auch bei unseren Balkonpflanzen nicht um Geranien, sondern um Pelargonien. Die Verwirrung stammt noch aus der Zeit, in der die Gattungen Geranium und Pelargonium noch nicht unterschieden wurden. Teilweise verdanken wir diese Unordnung keinem Geringeren als Carl von Linné, der im Jahr 1753 mit seinem Werk Species Plantarum versuchte, Ordnung in die Pflanzenvielfalt zu bringen. Er fasste alles, was heute Pelargonium und Geranium sind, unter dem Begriff „Geranium“ zusammen. Linné bestimmte die Pflanzen allerdings nur nach Herbarmaterial, ohne jemals in Südafrika gewesen zu sein, wo das Hauptverbreitungsgebiet der Pflanzen liegt. Die Verwirrung ist perfekt, wenn man weiß, dass „Geranos“ Kranich und „Pelargos“ Storch bedeutet, aber die Namensgebung von Geraniaceae, also Storchschnabelgewächsen und Pelargoniaceae, also Kranichschnabelgewächsen, spricht. Erst L’Heritier de Brutelle unterschied 1789 beide Gattungen. Dennoch ist es heute möglich, zumindest die folgende Übersicht der Familie der Geraniaceae zusammen zu stellen: Pelargonium und Geranium gehören zu einer der sechs Unterfamilien. Die anderen Unterfamilien sind: Erodium, mit etwa 60 Arten, Monsonia, die circa 30 Arten - unterteilt in 14 Sektionen - umfasst und Sarcocaulon, die 14 Arten beinhaltet. Pelargonium wurde inzwischen in 17 Sektionen unterteilt, mit ungefähr 246 Taxa (ALBERS, 2003), Biebersteinia wird hier vernachlässigt, da für die gärtnerische Kultur unbedeutend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.: Übersicht Geraniaceae (nach STEGMEIER, 1994 und WIEGELE, 2000)

1.2 Kulturgeschichte

Pelargonium triste mit ihren kleinen, schwarz-purpur und grün gefärbten Blüten wurde 1621 als erste Pelargonie aus Südafrika nach Europa gebracht. Vom 17. - 19. Jahrhundert, als das Kapland niederländische Kolonie war, kamen zahlreiche Pelargonienarten nach Holland. Die Trockenheit liebenden Pflanzen ließen sich ohne größere Verluste zusammen mit anderer Schiffsladung transportieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.:Pelargonium triste (van der WALT, 1979)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Pelargonium grandiflorum(STEINECKE, 2006)

Bald wurden sie auch in anderen Gegenden Europas etabliert. Zu den ersten wichtigsten kultivierten Arten zählen P. zonale, P. peltatum, P. inquinans und P. grandiflorum. Durch Kreuzung und Auslese kam es innerhalb weniger Jahrzehnte zu zahlreichen Sorten. Im 18. Jahrhundert züchteten besonders die Engländer großblumige Sorten - die Grandiflorum-Hybriden - die als Edelpelargonie oder Englische Pelargonie bezeichnet wurden. Im 19. Jahrhundert selektierten deutsche und französische Züchter die so genannten Deutschen oder Französischen Pelargonien. Heute sind auch viele in den USA entstandenen Sorten auf dem Markt.

Zu den erfolgreichsten und am meisten verwendeten Pelargonien gehören die Zonale-Hybriden, die aus Kreuzungen zwischen Gürtelpelargonien (P. zonale) und der Scharlachpelargonie (P. inquinans) entstanden sind. Da sie aufrecht wachsen, werden sie auch als Stehpelargonien bezeichnet.

Die hängenden Efeupelargonien hingegen gingen aus den beiden Arten P. peltatum und P. lateripes hervor. Seit gut 100 Jahren gibt es auch Hybriden zwischen Gürtel- und Efeupelargonien. Hier waren die Franzosen und die Engländer die ersten Züchter dieser Hybriden.

Eher selten kultiviert und unbekannter sind die sukkulenten Arten, wie beispielsweise P. crassicaule oder P. alternans , mit kräftigem kurzen Stamm. Die Arten besonders trockener Standorte haben im Vergleich zur Gürtelpelargonie meist relativ kleine, tief eingeschnittene Blätter, mit oft sehr schmalen Blattzipfeln.

1.3 Biologie

Die Familie der Geraniaceae ist fast ausschließlich krautig, es kommen jedoch auch Sträucher und Sukkulenten vor. Die gegen- oder wechselständigen Blätter sind häufig, wie die Stängel, von Drüsenhaaren bedeckt. Sie enthalten ein ätherisches Öl, das Geraniol oder Citronellol als monoterpene Hauptbestandteile besitzt. Nebenblätter sind oft vorhanden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung4: Geraniol, offenes Monoterpen (WILLEMS, 1993)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung5: Menthon, Bestandteil des Geraniumöl,zitronenartig riechend (WILLEMS, 1993)

Die zwittrigen, oft protandrischen Blüten sind meist radiär oder zygomorph angeordnet. Die pentacyclischen Blüten besitzen in der Regel fünf freie Kelch- und Kronblätter. Bei der Gattung Pelargonium bildet das mediane Kelchblatt einen Sporn aus, der aber auf seiner ganzen Länge mit dem Blütenstiel verwachsen ist.

Der Blütenaufbau wird auf der folgenden Seite mit der Abbildung 6 beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6:Links: Geranium, Blüte radiär, alle fünf Blütenblätter sind gleich groß, fünf Symmetrieachsen, zehn Staubgefäße

Rechts: Pelargonium, Blüte zygomorph, ungleich große Blütenblätter (zwei oben, drei unten, eine Symmetrieachse, von zehn Staubgefäßen sind meist nur sieben vollständig ausgebildet. (HOFMANN, 1992)

So entsteht eine zygomorphe Blüte, die äußerlich nicht als solche erkennbar ist. Die Staubblätter sind in zwei Kreisen vorhanden. Der äußere Kreis ist obdiplostemon, das heißt er steht vor den Blütenblättern und nicht auf Lücke zu diesen, wie es nach der Alternanzregel normalerweise zu erwarten wäre.

Manchmal ist ein Staminakreis zu Staminodien reduziert. Die Stabblattbasen sind häufig verdickt, zum Teil verwachsen und tragen Nektarien. Der ebenfalls fünfzählige, oberständige Fruchtknoten ist coeno-synkarp und trägt je Loculament zwei Samenanlagen an zentral winkelständigen Placenten, von denen sich jedoch nur eine Samenanlage entwickelt. Als Früchte werden charakteristische Kapseln ausgebildet. Hierbei bleiben bei der Fruchtreife die zentralen Placenten als Säule erhalten, während sich die Fruchtwandaußenseite mit dem Samen ablöst, um an der Säulenspitze befestigt zu bleiben oder sich dort auch abzulösen.. Bei der Gattung Geranium geschieht das Abspreizen der unter hygroskopischer Spannung stehenden Loculamentwände explosionsartig. Der Same wird abgeschleudert. Bei Erodium löst sich der Same samt Wandstiel ab. Durch hygroskopische, korkenzieherartige Bewegungen des Stieles wird der Same in die Erde gebohrt. Wird er zufällig, zum Beispiel auf ein weidendes Schaf katapultiert, so bohrt er sich auch in dessen Haut ein.

Heimisch sind die beiden Gattungen Geranium und Erodium, die sich durch handförmig gefiederte Blätter unterscheiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Geranium phaeum,(van der WALT 1979)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Erodium cicutarium,(van der WALT 1979)

2 Familienportraits

Hier sollen nun die größten Gattungen hinsichtlich ihrer Verwendung bei der Gestaltung von Gärten, Gebäudebegrünungen und Einsatz in Steingärten vorgestellt werden: Wildarten von Geranium und die interessantesten, kultivierten Arten von Pelargonium, die in der ganzen Welt bei Pflanzenliebhabern begehrt sind und sich aufgrund der Art ihrer Verwendung bei bestimmten Personengruppen immer größerer Beliebtheit erfreuen.

2.1 Geranium

Es gibt etwa 400 benannte Wildgeranien, die alle mit dem botanischen Gattungsnamen Geranium bezeichnet werden. Die meisten Arten sind sehr anpassungsfähig und eignen sich daher auch sehr gut für Steingärten, Rabatte und Wildblumengärten.

Ihre Ursprungsheimat allerdings liegt nicht in den subtropischen oder tropischen Regionen. Viele der robusteren Arten wachsen eher in den Hochgebirgsregionen, oft auch auf kargen, steinigen Böden und Schluchten. Einige Wildgeranien sind dagegen auf Wiesen und sogar in Mooren zu finden.

Die Wildgeranien können sich problemlos durch ihre Samen vermehren, die sie aus ihrem „Storchschnabel“ herausschleudern und somit der Anemochorie gute Chancen einräumen. Manche Arten sind in ihrer natürlichen Umgebung so vorherrschend, dass die regionstypisch geworden sind, so zum Beispiel der Blutige Storchschnabel - Geranium sanguineum - in Yorkshire, Derbyshire und County Clare in West Irland. Dort wächst die Pflanze auf Kalkstein und fühlt sich in wasserreichen, aber schnell trocknenden Spalten und Rissen wohl. Auf Madeira beispielsweise wachsen auf den vulkanischen Abhängen am Straßenrand riesige Madeira-Storchschnäbel - Geranium palmatum - und entwickeln sich auf steinigem Untergrund.

So wird schnell klar, dass sich Geranium als Erfolgsgarant bei der Bepflanzung eines Anfängergartens hervorragend eignet. Denn die meisten Wildgeranien sind im Vergleich zu Züchtungen sehr widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und wenig krankheitsanfällig. Sie lassen sich in nährstoffreichen Gartenböden ebenso gut anpflanzen, wie in trockenen Mauerspalten in einem Hinterhof in der Stadt. Geranium endressii, das ursprünglich in den West-Pyrenäen, Spanien und auch Frankreich zu Hause ist, lässt sich sehr gut als Bodendecker verwenden und gedeiht ebenso im Schatten.

Bei der Betrachtung der botanischen Namen wird auch offensichtlich, in welch unterschiedlichen und oft recht rauen Regionen Geranium gedeiht und somit eine sehr anpassungsfähige Pflanze in der Familie der Geraniaceaen darstellt. Die Tabelle wurde nach dem Hauptwörterbuch der Pflanzennamen erstellt (ZANDER, R.2002).

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Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638030885
Dateigröße
4.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86842
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Fachhochschule Wiesbaden
Note
2,0
Schlagworte
Gestatten Geraniaceae

Autor

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