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Tourismus in Namibia

Dargestellt an ausgewählten Beispielen

Examensarbeit 2003 250 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Konzeption der Arbeit
1.3. Material und Methoden

2. Tourismus allgemein
2.1. Definitionen von Tourismus
2.2. Kurzer historischer Abriß der Tourismusentwicklung
2.3. Entwicklungsländer-Tourismus
2.4. Forschungsstand

3. Grundlagen des Tourismus in Namibia
3.1. Naturgeographische Grundlagen
3.1.1. Geographische Lage, Größe
3.1.2. Relief
3.1.3. Geologische Voraussetzungen
3.1.4. Böden
3.1.5. Klima
3.1.6. Hydrographie
3.1.7. Flora
3.1.8. Fauna
3.2. Kulturgeographische Grundlagen
3.2.1. Geschichte Namibias
3.2.2. Staats- und Verwaltungsgliederung
3.2.3. Wirtschaftsstruktur
3.2.3.2. Industrie und Bergbau
3.2.3.3. Dienstleistungen
3.2.4. Infrastruktur
3.2.4.1. Luftverkehr
3.2.4.2. Straßenverkehr
3.2.4.3. Bahnverkehr
3.2.4.4. Elektrizität
3.2.4.5. Telekommunikation
3.2.4.6. Wasserversorgung
3.2.5. Bildungsstruktur
3.2.6. Bevölkerungsstruktur
3.2.6.1. Bevölkerungsentwicklung nach der Unabhängigkeit
3.2.6.2. Ethnische Gruppen und deren Sprachen
3.2.6.3. Räumliche Verteilung der Bevölkerung
3.2.6.4. Altersaufbau-Lebenserwartung
3.2.7. Siedlungsstruktur

4. Tourismus in Namibia
4.1. Entwicklung des Tourismus in Namibia
4.2. Struktur des Tourismus in Namibia
4.2.1. Tourismusorganisationen
4.2.2. Touristische Nachfrage
4.2.2.1. Struktur der Touristen
4.2.2.2. Reisemotive
4.2.2.3. Reiseart
4.2.2.4. Vermarktung
4.2.3. Touristische Angebote
4.2.3.1. Im Norden
4.2.3.2. In der Landesmitte
4.2.3.3. Im Süden
4.3. Tourismus am Beispiel der Stadt Swakopmund
4.3.1. Entwicklung des Tourismus in Swakopmund
4.3.2. Touristische Angebote in Swakopmund
4.3.2.1. Ursprüngliches Angebot
4.3.2.2. Abgeleitetes Angebot
4.3.3. Auswirkungen des Tourismus in Swakopmund

5. Auswirkungen des Tourismus auf das Entwicklungsland Namibia
5.1. Wirtschaftliche Auswirkungen
5.2. Agrargeographische Auswirkungen
5.3. Bevölkerungs- und sozialgeographische Auswirkungen
5.4. Siedlungsgeographische Auswirkungen
5.5. Verkehrsgeographische Auswirkungen
5.6. Ökologische Auswirkungen

6. Die Zukunft des Tourismus in Namibia – Chancen und Risiken

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Kartenverzeichnis

Anhang: Liste aller Unterkünfte in Namibia

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Daß die Länder des afrikanischen Kontinents und zwar nicht nur die nordafrikanischen wie Tunesien und Marokko als touristische Ziele sehr gefragt sind, wurde mir beim Durchsehen verschiedenster Reisekataloge über das südliche Afrika klar, indem besonders Namibia als abenteuerversprechendes, mit einer atemberaubenden Landschaft versehenes Land angepriesen und sogar „als eines der faszinierendsten Länder der Erde“ betitelt wird[1].

Angeregt durch einen bebilderten Reisebericht von Bekannten und durch den hilfreichen Emailaustausch mit der Geologiedozentin Dr. Bärbel Haldenwang an der Universität in Stellenbosch in Südafrika, kam ich zu dem Schluß, mich näher mit dem Land Namibia zu beschäftigen.

Durch die Lektüre von Henno Martin „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ und der Biographie von Ernst Kosakow „Lockruf der Wüste“, wuchs mein Interesse, diese ehemalige Kolonie des Deutschen Reiches mit seinen abwechslungsreichen Landschaften und unterschiedlichen Menschen näher kennenzulernen.

Der Besuch einer Multimediashow „Südliches Afrika“ des Touristikbüros „Afrika Pur Touristik“ in Bad Homburg am 7. September 2002 bestärkte meinen Entschluß, die Examensarbeit im Fach Geographie über Namibia unter dem Schwerpunkt Tourismus zu schreiben.

Die Kirmes in meinem Nachbarort Radevormwald im Herbst 2002 unter dem Thema „Afrika“ und eine Afrikaausstellung in meinem Wohnort Hückeswagen zeigten mir, daß die Deutschen sich vermehrt für diesen „schwarzen“ Kontinent interessieren und der „weiße Fleck“ auf der Landkarte sich in den Köpfen der einzelnen langsam formiert und zu verschiedenen Ländern differenziert: Es werden eben nicht nur die „Massentourimusländer“ Tunesien, Marokko oder Algerien als touristische Ziele ins Auge gefaßt.

In der Zeit vom 21. Dezember 2002 bis zum 8. Januar 2003 hatte ich dann die Gelegenheit, das Land zu besuchen und eigene Erhebungen in Form von Befragungen der Touristen und Einheimischen durchzuführen. Die vielen Gespräche mit meinem Reiseleiter Peter Hennes waren mir eine enorme Hilfe und gaben mir einen Einblick in das Land Namibia aus der Sicht eines einheimischen Tourismusexperten.

1.2. Konzeption der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit wird in Kapitel 2 zunächst der Begriff „Tourismus“ näher erläutert und sowohl auf die Entwicklung des Tourismus als auch auf die Entwicklung innerhalb der Tourismusforschung eingegangen. Des weiteren wird dann der speziell für Namibia zutreffenden Entwicklungstourismus beschrieben.

Anschließend werden in Kapitel 3 die natur- und kulturgeographischen Grundlagen des Tourismus in Namibia analysiert, die die wichtigste Voraussetzung des heute bestehenden Tourismus bilden.

Im folgenden Kapitel wird dann der Tourismus in Namibia mit seiner Entwicklung und seiner heutigen Struktur näher beleuchtet. Eigene empirische Untersuchungen in Form von Umfragen und Interviews werden innerhalb der Darstellung des Tourismus miteinbezogen.

Um die Problematik des namibischen Tourismus verstehen zu können, um daraus schließlich in Kapitel 6 Lösungsansätze zu gewinnen, bedarf es zunächst einer Analyse der bestehenden touristischen Nachfrage und Angebote, dargestellt an den meist besuchten Sehenswürdigkeiten Namibias.

Dabei wird vor allem der Schwerpunkt auf das touristische Angebot gelegt, das exemplarisch an der Stadt Swakopmund dargestellt wird.

Im Anschluß daran werden die Auswirkungen des Tourismus auf das Land und seine Einwohner beschrieben.

Im letzten Kapitel werden die Chancen und Risiken des Tourismus anhand der vorher gewonnenen Ergebnisse aufgezeigt und Ideen für einen Tourismus, der auf Dauer Bestand hat und dazu dienen soll, ökonomische und ökologische Aspekte[2] zu vereinbaren, miteinbezogen.

1.3. Material und Methoden

Die Beschaffung von geeignetem touristischem Datenmaterial über Namibia nahm ein Großteil der Zeit in Anspruch. Trotz der vielen Emailkontakte mit dem Umwelt- und Tourismusministerium, sowie mit den einzelnen touristischen Vereinigungen war kein verwertbares neueres statistisches Material aus den letzten Jahren zu bekommen. Es war mir somit nicht möglich, auf offizielle neue Statistiken über den Tourismus zurückzugreifen, so daß aus diesem Grund die vorhandenen Informationen aus neueren Reiseführern, den Homepages der Regierung und der einzelnen Tourismusanbieter gesammelt und eigene Statistiken daraus entworfen wurden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist die Auswertung von Materialien zum touristischen Angebot aus dem Internet in Form von Homepages der offiziellen touristischen Anbieter, von privaten Beherbergungsbetrieben oder Reisebeschreibungen von begeisterten Namibiareisenden.

Eigene Erhebungen in Form von Umfragen und Interviews fließen mit in die Darstellung des Tourismus ein und geben einen tieferen Einblick in die Angebots- und Nachfrageseite des Tourismus, was durch das Einfügen eigener Fotos veranschaulicht werden soll.

Anhand der Kartierung des Stadtzentrums der Stadt Swakopmund soll die Einzelhandels- und Dienstleistungsstruktur dieser touristisch am meisten erschlossenen Stadt aufgezeigt werden, um somit exemplarisch einen Überblick über das Angebot eines touristischen Zentrums zu schaffen.

Aus technischen Gründen sind die Karten am Schluß der Arbeit in einem gesonderten Kartenverzeichnis angefügt.

2. Tourismus allgemein

2.1. Definitionen von Tourismus

Die folgenden Ausführungen sollen nur einen Einblick in die Problematik geben, alle Aspekte des Tourismus in einer Definition zu erfassen und sollen zeigen, daß es bis heute noch keine einheitliche Begriffsbestimmung von „Tourismus“ gibt.

Benthien drückt dies treffend mit folgenden Worten aus:

„Offensichtlich ist aber die Bandbreite der Erscheinungen, die mit den Begriffen Erholung, Fremdenverkehr, Freizeitaktivitäten, Freizeitverkehr, Tourismus usw. beschrieben werden, zu groß, als daß mit nur einer Definition alle Aspekte erfaßt werden könnten. […] Deshalb ist […] manchmal auch der ‚Mut zur definitorischen Lücke’ angebracht.“[3]

Im folgenden soll kurz auf die Etymologie des Begriffes „Tourismus“ eingegangen werden, der sich mittlerweile gegenüber anderen Begriffen wie „Fremden- oder Reiseverkehr" überwiegend durchgesetzt hat.

Der Ursprung des Wortes „Tourismus“, geht auf das Wort „tornus“ aus dem Lateinischen und auf das griechische Wort „tornos“ zurück, die mit den Begriffen Rundgang, Zirkel oder Wiederholung übersetzt werden können. Durch diese Herleitung wird der wiederkehrende, sich jährlich wiederholende Aspekt des Tourismus betont.

Im 17. und 18. Jahrhundert bezeichnete man mit dem Wort „Tour“, was sich auch in dem Begriff der „Grand Tour“ widerspiegelt, (nähere Erläuterungen dazu in Kapitel 2.2.), einen „Rund- oder Spaziergang“. Das ursprünglich französische Wort „Tour“ setzte sich aber in Deutschland nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) nicht durch, so daß die Worte „Reise“, „Wanderung“ oder „Fahrt“ häufiger benutzt wurden.

Der eigentliche Begriff „Tourismus“ kam in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf und war ein aus der französischen („tourisme“) und englischen („tourism“) Literatur entnommenes Wort, das langsam den Begriff des „Fremdenverkehrs“ verdrängte.[4]

Der zeitweilig gebrauchte Begriff „Reiseverkehr“ umfaßt zudem die Aspekte des Umzugs von einem Ort in den anderen, die Flucht oder Auswanderung.

Das heute seltener gebrauchte Wort „Fremdenverkehr“ wird in der Forschungsliteratur größtenteils als Synonym für „Tourismus“ angesehen.

Manche Tourismuswissenschaftler unterscheiden aber auch zwischen den beiden Begriffen, indem sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen, so daß bei der Anwendung des Bergriffs „Tourismus“ die Mobilität des Einheimischen betont wird, während durch den Begriff des „Fremdenverkehrs“ der Fremde, der für eine bestimmte Zeit in eine ihm unbekannte Gegend kommt, fokussiert wird. So bedeutet für Benthien der ältere, deutsche Begriff „Fremdenverkehr“ „der in einzelnen Orten und Gebieten gehäuft auftretende zeitweilige Aufenthalt von Ortsfremden, die dorthin reisen, ohne damit Erwerbstätigkeit zu verbinden oder dadurch eine ständige Niederlassung zu begründen“[5].

Auch die Definition von Hunziker und Krapf schließt sich dieser Tradition der Betonung des „Ortsfremden“ an. Sie verstehen unter „Fremdenverkehr“ den „Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen […], die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung begründet und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden wird“[6]. Diese Definition ist als fortschrittlich für die damalige Zeit anzusehen, da sie schon von einer gewissen Tourismuswirtschaft ausgeht, was durch die Begriffe „Beziehungen und Erscheinungen“ angedeutet wird.

Diese Unterscheidung zwischen „Fremdenverkehr“ und „Tourismus“ ist jedoch nicht stringent, da in beiden Fällen die Mobilität des „Touristen“ beschrieben wird.

Kaspar veränderte diese Definition des Fremdenverkehrs in eine Definition von „Tourismus“ ab, in dem er u. a. das Wort „Ortsfremde“ durch das Wort „Personen“ ersetzte. Für ihn bedeutet „Tourismus […] die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“.[7] Diese Definition gehört heute innerhalb der deutschen Tourismusliteratur mit zu den gängigsten Definitionen.

Mundt versteht unter „Tourismus“ das Fortgehen für eine bestimmte Zeit aus einer „gewohnten Umwelt, bei dem die Rückkehr an den Ausgangspunkt von vorneherein feststeht und ohne deren Gewißheit man die Reise gar nicht erst angetreten hätte“[8]. Für ihn umfaßt „Tourismus“ jegliche Art des Reisens wie beispielsweise den Verwandtenbesuch, die Geschäftsreise oder den „Besuch einer abendlichen Kulturveranstaltung in einer weit vom Wohnort entfernten Stadt“[9].

Die auf der Internationalen Konferenz der Welttourismusorganisation (WTO) im Jahr 1991 festgelegt allgemeine Definition des Begriffs „Tourismus“ beinhaltet „die Aktivitäten von Personen, die sich an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung begeben und sich dort nicht länger als ein Jahr zu Freizeit-, Geschäfts- und anderen Zwecken aufhalten, wobei der Hauptreisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die vom besuchten Ort aus vergütet wird“[10].

Zusätzlich wurde von der WTO zwischen dem „Nationalen Tourismus“, wozu der „Inlandstourimus“, d.h. der Tourismus der Inländer innerhalb des eigenen Landes, und der „Auslandstourismus“, d. h. der Tourismus der Inländer in andere Länder, unterschieden. Nach Festlegung der WTO gehören zum „Internationalen Tourismus“ der „Auslandstourismus“ und der „Ausländertourismus“ oder auch „Einreiseverkehr“ genannt, womit der Strom von ausländischen Touristen ins eigene Land aus der Perspektive des Einheimischen gemeint ist.[11]

Freyer zeigt auf, daß sich im allgemeinen der Begriff „Tourist“ gegenüber „Reisender“ oder „Urlauber“ behauptet hat, was auch an den Bezeichnungen „Tourist Information“ oder „Tourist Office“ deutlich wird, obwohl die Begriffsbezeichnung „Tourist“ bei vielen mit einer negativen Konnotation behaftet ist. Beispielsweise stellt man sich unter einem Touristen einen ungebildeten, mit einer Shorts bekleideten und mit einem Fotoapparat „bewaffneten“ Menschen vor.[12]

Zusammenfassend kann man feststellen, daß alle Tourismusforscher im Laufe der Zeit die mehrere Tage andauernde Erholungs- und Urlaubsreise zum „Tourismus“ dazu gezählt haben. Ob die Geschäftsreise (aufgrund der Motive), der Studienaufenthalt in einem anderen Land (wegen der längeren Aufenthaltszeit) oder die Tagessausflüge (aufgrund der geringen Entfernung vom Wohnort und der kurzen Reisezeit) zum „Tourismusbegriff“ dazugezählt werden, hängt von dem jeweiligen, von den Forschern favorisierten, weiter oder enger gefaßten „Tourismusbegriff“ ab.

Laut Freyer kommen die Fachleute aus der Praxis der Tourismusbranche zu dem Schluß, daß die Begriffe „Fremdenverkehr“ und „Tourismus“ nicht wie in der wissenschaftlichen Forschungsliteratur zumeist als synonym angesehen werden, sondern für sie ist die Schwerpunktsetzung beim „Fremdenverkehr“ der „Nationale Tourismus“, während der Begriff „Tourismus“ den Gesichtspunkt des „Internationalen Tourismus“ hervorhebe.[13]

Im folgenden Verlauf der Arbeit wird die oben zitierte Tourismusdefinition der WTO von 1991 verwendet und somit auch der Geschäftsreiseverkehr mit einbezogen, da sowohl der geschäftlich Reisende als auch der Urlauber oftmals die gleichen touristischen Angebote wahrnehmen.

2.2. Kurzer historischer Abriß der Tourismusentwicklung

Folgendes Zitat von Benthien verdeutlicht die Voraussetzung zur Entstehung des Tourismus, den Drang nach Erholung[14], und verdeutlicht die heutigen Ausmaße des Tourismus, dessen historische Entwicklung, insbesondere innerhalb Deutschlands, in diesem Kapitel näher erläutert werde soll:

„Erholung ist ein grundlegendes Bedürfnis des menschlichen Daseins, und Tourismus macht heute für viele Menschen einen erheblichen Teil ihrer Aktivitäten in der Freizeit aus. Weltweit und zum Teil auch regional stellt die Tourismuswirtschaft einen der wichtigsten Wirtschaftszweige dar.“[15]

Tourismus in der Antike

Die Anfänge des Fremdenverkehrs gehen bis in die Zeit der Antike zurück, wo es bei den Griechen einen aus Sportbegeisterung heraus betriebenen Tourismus zu den olympischen Spielen gab, bei denen sie sich erholen oder etwas erleben wollten. Zudem reisten sie weit, um verschiedene heilige Stätten zu besuchen.

Auch die wohlhabenden Römer der Antike besaßen Häuser zum Erholen in den ländlichen Umgebungen der Städte, machten weite Erholungsreisen zu Orten mit Thermalquellen oder unternahmen Handelsreisen.

Als Fortbewegungsmittel bei diesen Reisen dienten entweder Schiffe, Pferde, bzw. Kutschen oder die eigenen Füße.[16]

Tourismus im Mittelalter

Zur Zeit des Mittelalters war Tourismus gekennzeichnet durch Handelsreisen und religiöse Wallfahrten der europäischen Christen nach Rom oder der Angehörigen des Islam aus Südwestasien und Nordafrika nach Mekka. Dadurch entstanden in größeren Orten und an den Hauptwegen verschiedene Herbergen und Hospize, die als Anfänge einer touristischen Infrastruktur bezeichnet werden können. Umstritten in der Tourismusforschung ist, ob die im Mittelalter stattfindenden „Wissensreisen“ der sogenannten Scholaren, die, um ihr Wissen zu vertiefen, von Universität zu Universität reisten, und die wandernden Handwerkergesellen dem Tourismus zuzurechnen sind, da manche Wissenschaftler eine engere Definition von Tourismus zugrundelegen und diese Art von Reisen aufgrund der beruflichorientierten Motive und der langen Reisedauer nicht zum „Tourismus“ dazuzählen.[17] Nimmt man die in Kapitel 2.1. beschriebene Definition des „Tourismus“ von Mundt als Basis, würde diese Art des Reisens durchaus mit zum Tourismus gezählt werden können.

Tourismus im 18. und 19. Jahrhundert – Anfänge des Massentourismus

Während im 18. Jahrhundert die Kavaliersreisen der jungen Adeligen, die auf „Grand Tour“ gingen, indem sie aus persönlich motiviertem Interesse andere Kulturen und Landschaften kennenlernen wollten, vorerst zur Bildung der oberen Adelsschicht Europas gehörten, wurde es nach und nach auch für den Bürgerlichen möglich, Bildungsreisen oder Reisen zu Orten mit Heilbädern zu unternehmen. Literatur in Form von Reiseführern begleiteten die Urlauber.

Durch die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten in den bevorzugten Urlaubsorten entstanden Gasthöfe, Herbergen und zudem private Übernachtungsmöglichkeiten bei Einheimischen.

An dieser Stelle seien auch die Forschungsreisen während dieser Zeit erwähnt, die oftmals die Phase der Kolonisierung einleiteten. Die Motive einer solchen Reise waren aber meist nicht nur Forschungs- und Eroberungsdrang, sondern auch „touristisch“ in Form von Reise- und Abenteuerlust.

Im 19. Jahrhundert erforschten Wissenschaftler zunehmend die gesundheitlichen Vorteile des Meeres, so daß das Meer immer attraktiver wurde und Heil- und Kurbäder an den Küsten entstanden.

Zudem wurde die Schönheit der Schweizeralpen insbesondere durch Rousseau entdeckt und löste eine regelrechte Massenbewegung in die Alpen aus, wo man in der Abgeschiedenheit die Natur genießen wollte.[18]

Ende des 19. Jahrhunderts baute man deshalb beispielsweise an von europäischen Reisenden bevorzugten Küstenorten oder in den Schweizer Alpen größere Hotelanlagen und Pensionen, so daß dadurch eine räumliche Absonderung der „Fremden“ zustande kam.

Der Ausbau des Straßennetzes in Verbindung mit der Erweiterung des Post- und Nachrichtenwesens und die Erfindung und Einführung des Dampfschiffes und der Eisenbahn beschleunigten von nun an die Mobilität der Bevölkerung, und so konnten auch entfernt gelegene Orte besucht werden.

Insbesondere der Engländer Thomas Cook war darauf aus, die modernen Transportmittel wie die Eisenbahn oder das Dampfschiff für den Tourismus zu nutzen, um somit dem mittleren Bürgertum Pauschalreisen zu ermöglichen. Die erste Pauschalreise, von Thomas Cook organisiert, fand am 05.07.1841 mit der Eisenbahn zwischen den 10 Meilen auseinanderliegenden Orten Leicester und Loughborough statt. Für einen geringen Preis organisierte er für reiseunerfahrene Menschen eine Reise, in der Hin- und Rückfahrt, Verpflegung und Unterhaltung inbegriffen waren. Da diese Reise erfolgreich war, wurden nach gleichem Muster weitere Reisen organisiert.

Durch die Errichtung von Reiseagenturen zunächst in England, einige Jahre später auch in Deutschland, konnten nun Pauschalreisen innerhalb Europas, aber auch nach Übersee organisiert werden. Das erleichterte auch den zahlreichen Auswanderern nach Übersee die Ausreise enorm.[19]

Tourismus des 20. Jahrhunderts

Im Zuge des 20. Jahrhunderts begannen die Menschen sich vermehrt für die Natur zu interessieren. Der Radwander- und Wanderurlaub und der Wintersport z. B. in den Mittelgebirgen oder Alpen rückten in den Blickpunkt, so daß vereinzelte Gasthöfe und Wanderhütten auch außerhalb der Städte gebaut werden mußten, um die Besucherströme beherbergen zu können.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand eine Jugendbewegung mit Reisen zurück zur Natur im Zuge derer im Jahr 1901 ein Ausschuß für Schülerfahrten, „Der Wandervogel“ genannt, gegründet wurde.

Bedingt durch den 1. Weltkrieg ging die Zahl der Touristen stark zurück, da vor allem die Bürgerlichen nicht mehr zur „Sommerfrische“, d. h. zum ländlichen Sommerurlaub in ihr Landhaus oder in eine Ferienwohnung, fuhren.

Durch ein im Jahr 1918 erlassenes Gesetz, das es dem Arbeitnehmer ermöglichte, unbezahlten Urlaub zur Erholung zu beantragen, war es dem Arbeiter möglich, einmal im Jahr ca. drei bis sechs Tage Urlaub zu nehmen und gegebenenfalls das Fremdenverkehrsangebot in Anspruch zu nehmen.

In den 30er Jahren gab es innerhalb der neugegründeten nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ erstmals bezahlten Urlaub. In den folgenden Jahren bis 1939 wurde mittels „KdF“ ein staatlich organisierter Sozialtourismus, beispielsweise auf der Insel Rügen, betrieben, u. a. um ein nervenstarkes Volk zu erhalten.[20]

Nach dem zweiten Weltkrieg lebte der Fremdenverkehr langsam wieder auf und wurde zunehmend zu einer Massenbewegung.

Vor allem in den 50er und 60er Jahren fand ein Aufschwung im Tourismus statt. Der durch das sogenannte „Wirtschaftswunder“ und des damit verbunden Einkommensanstiegs wurde die neu gewonnene Mobilität der Bevölkerung mittels eines eigenen Autos und durch wiederaufgebaute Eisenbahnlinien und Busverbindungen hervorgerufen. Während zu Anfang des „Wirtschaftswunders“ noch Bahn und Bus als Reisetransportmittel dominierten, machte bald das eigene Auto den öffentlichen Verkehrsmitteln den Rang streitig. Freyer gibt an, wie die Mobilität der Bevölkerung durch private Pkws innerhalb von 35 Jahren drastisch angestiegen ist: Während im Jahr 1950 ein Auto auf 120 Einwohner kam, so stieg die Zahl der Pkws bis zum Jahr 1985 auf ein Auto pro zwei Einwohner.[21]

Durch den Bau von Flughäfen und die Ausweitung der Fluglinien, bzw. die Einrichtung von ersten Charterflügen, fand zudem eine Ausbreitung des Massentourismus weltweit statt.[22] Es zeichnete sich eine Entwicklung ab hin zu organisierten Reisen und zu weiter entfernten Reisezielen, bedingt durch das Flugzeug als Verkehrsmittel – der organisierte Massentourismus begann für nahezu alle Bevölkerungsschichten.

Es entwickelte sich der durch Reiseveranstalter organisierte Pauschaltourismus in Form von pauschalen Aufenthaltsreisen und Rundreisen bzw. Bildungsreisen, die ab den 70er Jahren als Studienreisen bezeichnet wurden. In den folgenden Jahren verschwanden diese starren Grenzen zwischen den Studien- und Aufenthaltsreisen. Sport, Spiele, Begegnungen mit dem Land und dessen Einwohnern, dessen Geschichte und Kultur einerseits, sowie das Strandleben, der Besuch von Bars etc. andererseits, wurde in beiden Reisekonzepten aufgenommen.[23]

Aktuelle Entwicklungen im Tourismus

Die Reiseintensität, insbesondere die Tendenz zu häufigen, kürzeren Reisen nimmt weiter zu, was sich beispielsweise an dem breitgefächerten Angebot an „Last-minute-Reisen“ und den Angeboten an Städtereisen deutlich zeigt. Seit den 90er Jahren nimmt der Tourismus eine besondere Stellung ein. Der Urlaub wird nicht mehr wie bis zu den 70er Jahren als Pendant zum Arbeitsalltag angesehen, sondern als „Höhepunkt des Freizeitlebens“[24]. Zudem kann man feststellen, daß sich in den letzten Jahren ein vermehrtes Bewußtsein innerhalb der Bevölkerung aus den Industriestaaten für Umweltprobleme im Urlaubsland breitmacht, so daß der Trend zu „Natur-Erlebnis-Reisen“ in einer unversehrten und unberührten Natur zunimmt, obwohl die Schere zwischen Wahrnehmen der Umweltproblematik und dem umweltbewußten Handeln im Urlaub immer noch weit auseinanderklafft.[25]

Auf der Konferenz der Vereinten Nation für Umwelt und Entwicklung einigten sich 1992 in Rio ca. 170 Länder, das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“ insbesondere im Bereich des Tourismus einzuführen. Für Angela Merkel beinhaltet dies, „die Verbesserung der ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen mit der langfristigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen“[26].

In den letzten Jahren läßt sich im Zuge des höheren Ausbildungsgrades der Bevölkerung eine neue Art des Kulturtourismus feststellen. Dieser stellt nicht vorwiegend die der Vergangenheit angehörende Kultur eines Landes in den Vordergrund, sondern das „Erleben und Genießen gegenwärtiger Kulturelemente und dies häufig im Rahmen anderer erlebnis- und aktivitätsgeeigneter Reiseformen wie etwa dem Wandern oder Fahrradfahren“[27], um somit auch dem Umweltbewußtsein Ausdruck zu geben.

Legt man die einzelnen Stufen der Bedürfnishierarchie nach Maslow (1943) zugrunde, in der es zwischen den existentiellen Grundbedürfnissen auf der niedrigsten Stufe bis hin zu Entwicklungsbedürfnissen, d.h. um den Bedarf an Luxus etc. geht, befindet sich unsere heutige Gesellschaft in Deutschland auf der obersten Stufe: Reisen dient nicht mehr nur der Sicherung des Einkommens in Form von Handelsreisen, als Pendant zum stressigen Arbeitsleben oder der Pflege von zwischenmenschlichen Kontakten in Form von Verwandtenbesuchen etc., sondern gehört zum Lebensstandard und Ansehen innerhalb einer „Wohlstandsgesellschaft“, in der man durch Reisen den Drang nach Selbstverwirklichung, Vergnügen und Glück stillen möchte.[28]

Einen deutlichen Anteil der reisenden Bevölkerung machen zunehmend ältere Menschen über 60 Jahre und Jugendliche aus, die oft innerhalb von gleichaltrigen Gruppen verreisen, so daß in Zukunft die Reiseangebote auf diese speziellen Reisegruppen zugeschnitten werden müssen. Die Steigung der Zahl von Einzel- und Zweipersonenhaushalten führt in der Zukunft zu einer weiteren Nachfragegruppe an Reiseangeboten, die größtenteils, bedingt durch eine vollzeitige Tätigkeit im Berufsleben, überwiegend mehr Geld als Zeit zur Verfügung hat und somit „durch ihr geändertes Konsumverhalten neue Akzente setzt und damit zum Trendsetter auch für weite Bevölkerungsteile werden können“[29].

Obwohl im allgemeinen in den letzten Jahren die Reiseintensität kontinuierlich zunimmt, gab es nach Informationen des „World Travel & Tourism Council“ (WTTC) einen Rückgang innerhalb der Tourismusbranche nach dem Anschlag am 11. September 2001: So fiel die Zahl der Reisenachfragen weltweit im Jahr 2001 und 2002 um ca. 7,4 %. Laut Aussage des Präsidenten des WTTC, Jean-Claude Baumgarten im September 2002, würde sich die Tourismusbranche aus Erfahrung früherer Katastrophen heraus recht schnell wieder erholen, so daß er einen Aufschwung der Tourismusbranche für das Jahr 2003 prognostiziert.[30]

Eine Umfrage zu Anfang dieses Jahres im Zuge der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im März in Berlin macht jedoch deutlich, daß ca. 50 % der Deutschen in diesem Jahr voraussichtlich weniger als bisher für ihren Urlaub ausgeben werden. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der Thomas Cook AG, Stefan Pichler, liegt dies u. a. an dem gefürchteten Irakkrieg und die in diesem Jahr befürchtete wirtschaftliche Rezession.[31]

2.3. Entwicklungsländer-Tourismus

Wie im vorigen Kapitel dargestellt, hat sich der Tourismus, bedingt durch das Aufkommen von Charterflügen, auf immer weiter entfernte, exotischere Zielländer ausgeweitet und ist enorm gewachsen, was die Zahlen der WTO verdeutlichen. So ist z. B. der Anteil von Drittwelt-Ländern am internationalen Reisemarkt nach Angaben der WTO allein in der Zeit von 1978 bis 1998 von 11% auf ca. 28% gestiegen. Der Tourismus ist zudem in jedem dritten Entwicklungsland die hauptsächliche Einnahmequelle für Devisen.[32]

Dabei variiert der Tourismus in Entwicklungsländern vom Massentourismus, der typisches Kennzeichen der afrikanischen Länder Tunesien, Algerien oder Kenia ist, bis zum Bildungstourismus beispielsweise in Ägypten, Indien oder Namibia.

Als Hauptmotive für die Reise in Entwicklungsländer nennt Vorlaufer Abenteuerlust, Entdeckungsdrang und das Verlangen nach etwas Exotischem.[33]

Dabei wird die fremde Kultur von den Reisenden favorisiert und als „eine Art verlorenes Paradies“ gesehen, „das in das entfernte Anderswo projiziert wird, in ein radikales Anderssein, das als die Umkehrung der Unzufriedenheit und der Frustration erscheint, die mit der Kultur, der man angehört, verbunden sind“[34]. Man ist begeistert von der ursprünglichen, naturnahen, nicht durch technische und zivilisatorische Fortschritte beeinflußten Lebensweise der eingeborenen „Wilden“. Somit bedeutet vor allem der Tourismus in Entwicklungsländern die „aktuelle und allgemeine verbreitete Ausprägung des Exotismus, und zwar insofern er die Reise und die Entdeckung des Anderswo als einen Wert an sich darstellt“[35]. Der intelligente Urlauber in diesen Ländern möchte heute an der Kultur der Eingeborenen partizipieren, ihre Lebensweise und Gebräuche „hautnah“ kennenlernen, um seine „ethnologische Neugierde befriedigen“ zu können[36].

Die Tourismusforschung beschäftigt sich insbesondere mit den Auswirkungen, die Urlauber aus den reichen Industriestaaten beispielsweise auf die ärmliche Bevölkerung verursachen. Die einheimische Bevölkerung in den bereisten Ländern verspricht sich zumeist materielle Vorteile durch den Tourismus, um den Preis, ihrer relativ ungestörten, traditionellen Lebensweise und ihrer kulturellen Identität. Vor allem die einzelnen Regierungen der Entwicklungsländer heben stärker die Vorteile des Tourismus für die Wirtschaft und Infrastruktur hervor, ohne die enormen durch den Tourismus verursachten negativen Folgen für die Umwelt und die Menschen mit ihrer Kultur, in den Vordergrund zu stellen.[37] Die Gefahr der Einflußnahme der reichen Touristen auf die einheimische Bevölkerung drückt Freyer treffend mit den Worten aus: „Entwicklungsländer werden zu einem großen Zoo für westliche Touristen.“[38]

2.4. Forschungsstand

Bisher gibt es noch keine allgemeinanerkannte, einheitliche Theorie des Tourismus, bzw. Theorie des Fremdenverkehrs, die die einzelnen wissenschaftlichen touristischen Theorien der Teildisziplinen, die im weiteren Verlauf dieses Kapitels erläutert werden, einbindet und somit eine ‚Querschnittsdisziplin’ durch die einzelnen Fächer bilden würde[40] [39].

Ein erster Schritt zur Vernetzung der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit dem Tourismus befassen, war die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e. V.“, die sich als „wissenschaftliche Vereinigung von Vertretern der Universitäten und Fachhochschulen mit touristischen Schwerpunktbildungen sowie weiterer tourismuswissenschaftlicher Institutionen und Organisationen“ versteht. Diese Vereinigung hat sich u. a. zum Ziel gesetzt, eine interdisziplinäre, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Tourismus und eine touristische Aus- und Weiterbildung zu fördern und Seminare und Tagungen zu veranstalten.[41]

Weltweit existiert eine „Vereinigung der wissenschaftlichen Experten des Fremdenverkehrs“ (AIEST)[42], die darum bemüht ist, eine einheitliche, weltweite Tourismusforschung zu fördern.[43]

Die AIEST wurde 1951 unter besonderer Initiative von Walter Hunziker und Kurt Krapf gegründet und besteht aus ca. 400 Mitgliedern aus 50 Ländern, die sich u. a. zur Aufgabe gesetzt haben, „neue touristische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und vorausschauende Lösungen anzubieten“[44]. Auf den jährlich stattfindenden Kongressen werden verschiedenen Themen des Tourismus vor einem breiteren Publikum aus Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft behandelt. So wird beispielsweise der 53. AIEST-Kongreß in diesem Jahr in Athen zwischen dem 7. bis 11. September unter dem Thema „Sport und Tourismus“ stattfinden.[45]

Einen Schritt, eine ganzheitliche Tourismustheorie zu entwickeln, stellt das Modell von Freyer dar, der sechs Bereiche, die er als „Module“ bezeichnet, unterscheidet. Sein Modell umfaßt das Ökonomie-, Gesellschafts-, Umwelt-, Freizeit-, Individual- und Politikmodul, wobei er keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da das Modell „leicht um juristische, geographische, raumplanerische, pädagogische, historische, architektonische, medizinische und weitere Module ergänzt werden“ könnte[46]. Da Freyer weitgehend die geographische Tourismusforschung ausläßt, wird im weiteren nicht näher auf dieses Modell eingegangen.

Aufgrund der Tatsache, daß es bis jetzt noch keine ganzheitliche Tourismustheorie gibt und die Fragestellungen des Fremdenverkehrs innerhalb der Teildisziplinen der einzelnen Wissenschaften thematisiert werden, wird des weiteren näher auf einige wissenschaftliche Disziplinen eingegangen, die sich mit dem Phänomen „Tourismus“ befassen: So beschäftigt sich die Soziologie beispielsweise schwerpunktmäßig mit den sozialen und gesellschaftlichen Dimensionen des Tourismus, die Wirtschaftswissenschaften mit den ökonomischen Gesichtspunkten. Die Psychologie fragt hauptsächlich nach den Motiven des Reisens.

Im folgenden soll kurz auf die geschichtliche Entwicklung der Tourismusforschung innerhalb der einzelnen Wissenschaften eingegangen werden.

Durch Stradner (1905) wurden erstmals Untersuchungen zu der ökonomischen Dimension des Tourismus durchgeführt, gefolgt von Guyer-Freuler (1905) und Schullern zu Schrattenhofen (1911).

In den 50er Jahren beschäftigten sich Bernecker, Hunziker und Krapf mit dem Wiederaufleben des Tourismus nach dem 2. Weltkrieg und entwickelten eine wissenschaftlich fundierte Tourismusforschung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften.

Innerhalb der Tourismusforschung in der Medizin ist Karl Behm (1924) zu nennen, der sich intensiv mit dem Wunsch des Menschen nach Erholung und nach Urlaub auseinandersetzte.

Hittmair kam im Jahr 1957 anhand von Nachforschungen zu dem Schluß, daß der Mensch erst nach drei Wochen Urlaub anfängt, sich zu erholen.

Die verschiedenen Forschungsansätze der medizinischen Wissenschaft werden von Mundt und Lohmann (1988) ausführlich dargestellt und vor allem die Versuche, den Zeitpunkt zu finden, ab wann die Erholung einsetzt, kritisiert.

Ein wichtiger Vertreter innerhalb der psychologischen Tourismusforschung ist Hahn, der sich seit den 50er und 60er Jahren intensiv mit den Motiven der Reisenden auseinandersetzte. Er zeigt auf, warum beispielsweise Menschen sich Urlaub wünschen und welche Beweggründe sie bei der Wahl des Zielortes hatten. Die Psychologie befaßt sich zudem mit dem Verhalten der Urlauber am Urlaubsort und entwickelt Modelle von unterschiedlichen Typen des Tourismus.

Knebel (1960) beschäftigte sich erstmals intensiv mit dem Tourismus aus der soziologischen Perspektive, indem er empirische Untersuchungen u. a. in Form von Befragungen in den Urlaubsorten durchführte und die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Auswirkungen des Tourismus aufzeigte.

Innerhalb der soziologischen Forschungsliteratur zum Tourismus wird oftmals bemängelt, daß die Tourismusforschung zu wenig theorieorientiert sei.

Der Soziologe Vester (1999) versucht deshalb, die klassischen soziologischen Theorien – angefangen bei dem handlungstheoretischen Ansatz von Max Weber bis hin zur Systemtheorie Talcott Parsons – auf das Phänomen Tourismus anzuwenden, um so zu einer eigenen Tourismustheorie zu gelangen.[47]

Innerhalb der Geschichtswissenschaft setzen sich Historiker seit den 80er Jahren mit der Geschichte des Fremdenverkehrs auseinander, um beispielsweise gegenwärtige Entwicklungen besser in den gesamthistorischen Kontext einordnen und verstehen zu können.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Auseinadersetzung mit dem Phänomen Tourismus aus geographischer Perspektive zunächst durch die Erforschung des Verhältnisses des Raumes zum Fremdenverkehr, wofür Sputz (1919) stellvertretend genannt werden soll.

Im Jahr 1928 verfaßte Grünthal einen Aufsatz, indem er eine Einordnung des Fremdenverkehrs innerhalb der Geographie vornahm und die natürlichen Voraussetzungen der Erde in Bezug zum Fremdenverkehr setzte. Dabei ging er näher auf die geologischen, orographischen, hydrographischen, klimatischen Bedingungen eines Standortes ein. Zudem beschäftigte er sich mit der Pflanzen- und Tierwelt, der Siedlungsstruktur, der Kultur des Menschen und der wirtschaftlichen Struktur eines Raumes und deren Auswirkung auf den Fremdenverkehr.

Posers (1939) geographische Analyse des Fremdenverkehrs im Riesengebirge, insbesondere der unterschiedlichen Arten des Fremdenverkehrs in diesem Raum, können als richtunggebend für die folgenden fremdenverkehrsgeographischen Forschungen angesehen werden.[48]

In den Jahren zwischen 1939 und 1955 rückten fremdenverkehrsgeographische Themen innerhalb der Geographie eher in den Hintergrund. Erst mit Christaller (1955) lebten die Forschungen innerhalb der Fremdenverkehrsgeographie wieder auf. Er erweiterte die Forschungen Grünthals, in dem er die unterschiedlichen Standorte des Fremdenverkehrs in 12 Standortfaktoren aufteilte, wozu z. B. die klimatischen Bedingungen, die landschaftlichen Voraussetzungen, die Möglichkeiten zum Sport oder kulturelle Einrichtungen gehören.[49]

In den 60er Jahren wurde die Erforschung des Fremdenverkehrs innerhalb der Geographie durch den Aspekt des Freizeitverhaltens bereichert, so daß von nun an nicht nur der Fremdenverkehrsraum näher beleuchtet wurde, sondern auch die Wohnumgebung und der Naherholungsraum mit in die Fremdenverkehrsforschung einfloß.[50]

Die fremdenverkehrsgeographischen Forschungen wurden in dieser Zeit auch von Strzygowski vorangetrieben, der den Skitourismus aus geographischer Sicht genauer untersuchte.

Die darauffolgende Zeit bis in die 70er Jahre war durch Analyse und Bewertung der Landschaften gekennzeichnet.

Seit den 80er Jahren beschäftigen sich Geographen zunehmend mit der Entwicklung eines ökologisch vertretbaren Tourismus unter Einbeziehung naturgeographischer und kulturgeographischer Gegebenheiten, wobei Aspekte der psychologischen, wirtschaftlichen und soziologischen Forschung berücksichtigt werden.

Neben der Tourismustheorie existiert innerhalb der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Tourismus auch die Tourismuskritik.

Der Soziologe Vester beschreibt das Verhältnis von Tourismustheorie und Tourismuskritik als ein unausgewogenes, da „mitunter Tourismuskritik als Theorieersatz herhalten muß“[51].

Opaschowski zeigt auf, daß die Kritik am Tourismus, insbesondere am Pauschal- und Massentourismus, sich bisher meist nur in den Köpfen abspielte und es noch keine adäquate Umsetzung in die Praxis gebe. Die Kritiker wollten seiner Ansicht nach einen bewußt reisenden und aufgeklärten Touristen schaffen, der sich am Ende aber nicht viel von einem Massentouristen unterscheide, da er „das Gleiche nur mit einem anderen Bewußtsein macht“[52].

Der Wegbereiter der modernen Tourismuskritik, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts als eine Form der Kulturkritik verstand, war Hans Magnus Enzensberger. Er zeigt auf, daß insbesondere die Massentourismusbewegung eine Flucht aus der Realität und eine Kritik an der bestehenden Gesellschaft sei.

Der Soziologe Knebel entwarf in dieser Zeit eine Theorie des Tourismus aus der Sichtweise der Soziologie und kritisierte „den Touristen“, den er als den erobernden und besetzenden Menschen der einheimischen Kultur beschreibt.

Diese beiden genannten Kritiker des Tourismus stehen stellvertretend für eine Tourismuskritik der Privilegierten da, die eigentlich eine Kritik an der bestehenden Gesellschaftsform war und sich auf einer hohen intellektuellen Ebene abspielte. Die Kritiker stellten die Berechtigung der Touristen zum Reisen in Frage, setzten Reisen mit einer modernen Art der Kolonialisierung gleich und kritisierten die Ursachen für den Massentourismus, die ihrer Meinung nach in den zunehmend „automatisierten, sinnentleerten, unmenschlichen und ungerechten Arbeits- und Lebensbedingungen der heutigen Industrienationen“ zu finden seien[53].

Seit den 80er Jahren entwickelte sich eine Tourismuskritik, die nach Aussage von Opaschowski realitätsnäher sei und nach den Folgen des Massentourismus auf die Umwelt- und die sozialen Strukturen frage. Diese Art von Kritik legt den Schwerpunkt nicht so sehr auf den Touristen an sich, sondern auf die Auswirkungen des Touristen auf die Bevölkerung und die Landschaft des bereisten Landes, woraus wiederum Rückschlüsse auf den Touristen gemacht werden, der beispielsweise ein rücksichtvolleres, anpassungswilliges Bewußtsein entwickeln muß.[54]

Neuerdings versuchen Tourismustheoretiker, die bestehenden Vorurteile gegenüber „dem Touristen“ abzubauen und die Zukunft eines sozial- und ökologisch verträglichen Tourismus in den Vordergrund zu stellen. Obwohl schon Jungck (1980) ein Konzept des „Sanften Reisens“ entwickelte, hat diese Form des ökologischvertretbaren Tourismus erst in den letzten Jahren vermehrt Anklang gefunden. Freyer beschreibt das Konzept des „engen“ „Sanften Reisens“ als einen sanften, stillen, umweltverträglichen, naturnahen, sozialen, soziokulturell verträglichen, motorlosen oder angepaßten Tourismus. Unter einem „weiten“ „Sanften Tourismus“ versteht Freyer auch das Einbeziehen der sozialen und ökonomischen Komponente neben der ökologischen.[55]

3. Grundlagen des Tourismus in Namibia

3.1. Naturgeographische Grundlagen

3.1.1. Geographische Lage, Größe

Namibia liegt im Südwesten Afrikas zwischen 17° und 29° südlicher Breite und zwischen 12° und 25° östlicher Länge. Das Land hat eine Fläche von 824.292 km²[56], die 2,7% der Fläche des afrikanischen Kontinents ausmacht. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt ca. 1500 km, die West-Ost-Ausdehnung schwankt zwischen 600 km zum Nachbarland Botswana und 1000 km einschließlich des Caprivi-Zipfels.[57]

Namensgeber Namibias ist die Nebelwüste Namib, die zu den ältesten Wüsten der Welt zählt. Der Begriff „Namib“ bedeutet in der Sprache der Nama „ödes Land“.[58]

Namibia hat folgende Nachbarländer: Im Norden grenzt es an Angola, im Nordosten an Sambia und Zimbabwe, im Osten an Botswana und im Süden an Südafrika. Im Westen wird Namibia von dem Atlantischen Ozean begrenzt. Im Nordwesten wird Namibia durch den Fluß Kunene abgegrenzt und im Süden bildet der Oranje-Fluß die Grenze zu Südafrika.

An der Ostspitze des Caprivi-Zipfels befindet sich das Vierländereck der Länder Sambia, Zimbabwe, Botswana und Namibia.

3.1.2. Relief

Namibia läßt sich orographisch von Westen nach Osten gesehen in folgende vier Großräume gliedern:[59]

In die ca. 100 km breite Küstenebene, auch Namib-Wüste genannt, die bis zu 100 km breite Große Randstufe (Great Escarpment), das Binnenhochland und das Kalahari-Hochbecken.

Die Wüste Namib erstreckt sich, mit einer Gesamtlänge von 1.800 km, vom südlichen Port Nolloth in Südafrika entlang der gesamten Küste Namibias bis in den Norden nach Mocamedes in Angola.

Sie steigt bei einer Breite von 80 bis 130 km auf eine maximale Höhe von 600 m fast bis zur Großen Randstufe an. Der nördliche Teil der Wüste besteht hauptsächlich aus der felsigen Steinwüste im Kaokoland und der Sandwüste, die als Skelettküste bezeichnet wird. Weiter südlich liegen die zentralen, felsigen Ebenen der Namib, die von Inselbergen – wie z. B. dem Brandberg – gekennzeichnet sind. Ab dem Kuiseb-Rivier findet man ausgedehnte Dünenlandschaften mit den höchsten Dünen der Erde, beispielsweise bis über 300 m bei Sossusvlei. Im Küstenstreifen ist die Namib hauptsächlich von den durch die Südwestwinde geformten Sicheldünen geprägt. Weiter ins Landesinnere sind ungefähr 33 % der Namibdünen lineare Dünen, die sich mehr oder weniger parallel zur Küstenlinie erstrecken. Sterndünen findet man an den östlichen Rändern der Namibwüste.

Im Osten schließt sich die Große Randstufe mit tiefen, breiten Tälern an die Namibwüste an. Sie wird im Norden von den Gebirgen zwischen dem Kunene und dem Huab-Fluß gebildet und u. a. von den Baynes und den Joubert Bergen. Außerhalb der Großen Randstufe, der sog. Randstufenlücke, trifft man auf das Brandbergmassiv, das mit dem Königsstein (2573 m) die höchste Erhebung des Landes ist, die Erongo-Berge (über 2000 m) und die Große Spitzkoppe (1728 m). Im Süden wird die Randstufe durch das Khomas-Hochland, die Rantberge, die Naukluftberge, Tsarisberge, Schwarzrand- und Tirasberge gebildet.

Der größte Teil Namibias besteht aus dem zentralen Binnenhochland. Die durchschnittliche Höhe dieses Hochlandes beträgt 1.700 m mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von ungefähr 1.500 km. Die höchsten Erhebungen des Binnenhochlandes liegen in der Gegend von Windhoek.

Im Norden ist das Hochland durch breite Täler gekennzeichnet und durch einzelne, aus dem Plateau herausragende Berge. Im Süden ist das Hochland flach, es gibt nur einzelne, tiefe Täler mit Steilwänden.

Die Städte Keetmanshoop, Mariental, Windhoek und Tsumeb, die ungefähr auf einer Linie liegen und im Durchschnitt ca. 1700 m hoch sind, bilden den zentralen Teil des Binnenhochlandes.

In östlicher Richtung nimmt die Höhe der Gebirge auf ca. 1200 m ab und geht in das Kalahari-Hochbecken über, zu dem auch die Etoscha-Pfanne gerechnet werden kann. Kennzeichnend für das Kalahari-Hochbecken sind die Senken und Pfannen und die roten Dünen der Kalahari, die zu ca. 85 % aus linearen Dünen bestehen.

Zu erwähnen ist auch die Capriviregion mit ihrer Tropenlandschaft. Diese Region ist ein ca. 460 km langer und ca. 30 bis 90 km schmaler Landstreifen, der im Osten bis zu den Victoria-Fällen reicht.[60]

3.1.3. Geologische Voraussetzungen

Geologisch gesehen begann die Entstehung Namibias zur Zeit des mittleren Präkambrium vor mehr als 2 Milliarden Jahren durch Angliederung von Gebirgen an den afrikanischen Sockel, dem Kalahari-Kraton im Südosten und dem Kongo-Kraton im Norden des heutigen südlichen Afrikas. Da es in Namibia keine Gesteine des Kongo- oder Kalahari-Kratons gibt, sind die Metamorphite, die als Vaalian und Unteres Mokolian bezeichnet werden, die ältesten Gesteine Namibias.[62] Hierzu zählt der Epupa-Metamorphit-Komplex im Nordwesten Namibias beim Fluß Kunene, der Huab-Metarmorphit-Komplex westlich der Stadt Outjo, der Grootfontein-Metamorphit-Komplex im Nordosten und der Rehoboth-Sinclair-Komplex im Südwesten von Namibia.[61]

Die zweite Gebirgsbildungsphase fand vor ca. 1,6 Milliarden bis einer Milliarde Jahren statt, in der die Gesteine des sogenannten oberen Mokolians entstanden. Diese bestehen aus Abtragungsgesteinen der vorher entstandenen Gebirge verbunden mit Graniten und Vulkaniten. Sie sind größtenteils im südlichen Namibia zu finden, wo der Namaqualand-Metamorphit-Komplex zugehört.

Bedingt durch die spärliche Vegetation und den Mangel an chemischer Verwitterung, liegen die präkambrischen Gesteine an manchen Stellen offen an der Oberfläche, so daß Namibia auch als ein „offenes Geologiebuch“ bezeichnet wird[63].

Vor ca. 800 Millionen Jahren begann die dritte Phase der Gebirgsbildung. Bedingt durch Abtragungsprozesse und Verwitterung füllte sich das Meeresbecken zwischen den beiden afrikanischen Kratonen mit Sedimenten, während sich durch plattentektonische Vorgänge der Kongo und Kalahari-Kraton annäherten und schließlich im Laufe von 190 Millionen Jahren zusammenstießen. Dabei wurden die vorher abgelagerten Meeressedimente in die Höhe gepreßt und durch das Aufsteigen von Magma beim Auffaltungsprozeß mit Granit-Plutonen angereichert. Es entstand das Damara-Faltengebirge, wovon heute noch einige Bergzüge, Granit-Kuppen oder Rumpfflächen bei der sogenannten Randstufenlücke zu sehen sind.

Ungefähr zur gleichen Zeit entstand die sogenannte Nama-Formation, die aus Ablagerungen von Abtragungsgesteinen des Damara-Gebirges in ein Flachmeer des Kalahari-Kratons hervorging. Hauptsächlich besteht die Nama-Formation aus Tonstein, Quarzit und Sandstein. Kalkstein findet man an den Stellen, wo das Flachmeer war. Diese Kalke sind beispielsweise bei den Zaris-Bergen aufgeschlossen. Die Nama-Formation ist im südlichen Namibia zu sehen und kann als Deckgebirge bezeichnet werden, welches diskordant, d.h. in einem deutlich erkennbaren Schnittwinkel, auf dem alten Kalahari-Kraton liegt.

Während der Zeit vor ungefähr 300 Millionen Jahren, der Karoo-Zeit, befand sich Namibia südlich auf dem Kontinent Gondwana und somit sehr viel näher am Südpol als heute, so daß Namibia fast vollständig vereist war. Bedingt durch plattentektonische Veränderungen wanderte der Kontinent wieder Richtung Norden in wärmere Klimazonen. Die Eismassen schmolzen und die Dwyka-Formation bildete sich aus den glazialen Sedimentablagerungen, den Moränen, die man beispielsweise im Kaokoveld entdecken kann. Die mächtigsten dwyka-zeitlichen Sedimentablagerungen befinden sich im südlichen Namibia in der Gegend von Karasburg. Durch die Eisschmelze und die dadurch entstandenen Flüsse und Seen und der damit verbundenen Sedimentablagerung, entstanden auch die Omigonde-Formation im zentralen Teil Namibias und die Ecca-Formation im Süden Namibias. Im Norden Namibias verfestigten sich die abgelagerten Sande zu Sandstein und Quarzit – die Etjo-Sandstein-Formation bildete sich. Der Mount Etjo, die Dinosaurierspuren in den äolischen Sandsteinen auf der heutigen Farm Otjihaenamaparero westlich von dem Waterberg, und der sogenannte „Versteinerte Wald“ bei Twyfelfontein entstanden in dieser Zeit.[64]

Beim Auseinanderbrechen des Gondwana-Kontinents vor ca. 130 Millionen Jahren flossen große Mengen an Lava aus dem Erdinneren an die Oberfläche, so daß neben vielen kleineren Vulkanen die sogenannte Entendeka-Formation, die im heutigen Norden des Damaralandes zu finden ist, entstand. Als Folge der Trennung des Gondwana-Kontinents in die einzelnen Kontinente wurde ein Teil des südlichen Afrikas angehoben und die große Randstufe in Namibia bildete sich.

Kennzeichnend für die darauffolgende Zeit zu Beginn des Tertiärs, vor ca. 65 Millionen Jahren, waren enorme Abtragungen des Gesteins aus der Karoo-Zeit, so daß teilweise das ältere Gestein aus dem Präkambrium sichtbar wurde. Durch die Ansammlung dieses Abtragungsgesteins wurde beispielsweise die Tsondab-Sandstein-Formation vor ca. 30 Millionen Jahren geschaffen.

Die vor ca. 20 bis 10 Millionen Jahren einsetzende feuchte Klimaphase wurde vor etwa 5 Millionen Jahren von einer sehr trockenen Phase abgelöst. Die Oberflächengewässer verdunsteten, die Kalk- und Salzpfannen entstanden und die Dünenbildung schritt fort. Die großen Mengen an Kalk kamen größtenteils aus dem Schiefergestein des Khomas- und Windhoeker Hochlandes und wurden an andere Stellen des Landes angeweht.

Die Sedimente, die westlich der großen Randstufe abgelagert wurden, gehören zu der Namib. Der sogenannte Namib-Erg, der ungefähr zwischen dem südlichen Wendekreis und 26° südlicher Breite liegt, formierte sich.

Durch Ablagerungen von terrestrischen Sedimenten im zentralen Becken des südlichen Afrikas entstand die Kalahari.

Die Eiszeit auf der Nordhalbkugel zur Zeit des Pleistozän wirkte sich in Namibia durch Schwankungen im Meeresspiegel aus, die das Landmeergefälle vergrößerten und somit die Erosionskraft der Flüsse verstärkt wurde. Die Flüsse schnitten sich vermehrt in die tiefer liegenden Gesteinsschichten ein. Es kam zur Bildung von Terrassen.

In diesem Kapitel wird nur kurz auf die Bodenschätze Namibias eingegangen – ausführlicher soll dieses Thema im Kapitel 3.2.3.2. behandelt werden.

In den im Präkambrium entstandenen Damara-Schichten lagern die meisten Erze, wie z.B. Kupfer, Eisen, Zinn, Uran etc. Es entstanden in diesen Schichten aber auch Dolomit, Marmor und Gneis.

In der Kreide-Zeit, die auch Post-Karoo-Zeit in Namibia genannt wird, wurden Diamanten wahrscheinlich aus den Regionen Südafrikas durch den Oranje-Fluß an die Küste Namibias angeschwemmt und im Flußbett entlang der Küste und im Meeresgrund abgelagert.[65]

3.1.4. Böden

Bedingt durch das aride Klima in Namibia ist die physikalische Verwitterung von größter Bedeutung bei der Bodenbildung. Hinzu kommt die fluviale Erosion, die größten Teils im zentralen Hochland stattfindet und die äolische Erosion, die in der Namib und der Kalahari dominierend ist. Besonderen Einfluß auf den Prozeß der Verwitterung in der Wüste hat die Insolationsverwitterung, die darauf beruht, daß sich die einzelnen Mineralien bei der Absorption von Sonnenstrahlung unterschiedlich ausdehnen, so daß die Gesteine zersprengen. Es entstehen Lockersedimentdecken und Schuttschichten, die die Funktion der Böden übernehmen, indem sie die angesammelte Feuchtigkeit, Spurenelemente und Nährstoffe für die Pflanzen zur Verfügung stellen.[66]

Chemische Verwitterung findet hauptsächlich in der Wüste Namib statt, wenn der salzhaltige Küstennebel die Gesteine zersetzt.[67]

Die Böden Namibias sind insbesondere durch einen sehr niedrigen Anteil an organischen Substanzen und eine geringe Durchwurzelungstiefe geprägt – sie haben somit einen sehr geringen Gehalt an Humus. Die Böden sind sehr reichhaltig an Mineralien, jedoch fehlen die meisten Spurenelemente.

Leser schließt von der Definition von Boden, nach der Böden „belebt, humos und mit neuen Eigenschaften ausgestattet sein müssen, die auf Bodenbildungsprozesse zurückgehen“ darauf, daß sowohl die nördliche Felsnamib mit einer teilweise nur sehr geringen Verwitterungsdecke als auch die sandigen Gebiete der Namib bodenfrei sind[68].

In trockenen Gebieten wie Namibia hängen geomorphologische Prozesse und Prozesse der Bodenbildung sehr eng zusammen. Dies wird besonders deutlich, bei dem Vorgang, wenn Sedimente an einem Hang abgespült werden. Am höher gelegenen Hang entsteht Feinmaterialarmut bei gleichzeitiger Anreicherung des Feinmaterials an dem Fuß des Hanges, wo das Bodenprofil angehoben wird.

In den Riviertälern ist es insbesondere auf den aus dem Pleistozän stammenden Lockersedimentdecken zur Bodenausbildung gekommen.

Hervorgerufen durch die langandauernde physikalische Verwitterung und den Mangel an Wasser ist die Oberfläche Namibias größtenteils von Lockersedimenten wie Sand, Lehm und Mischsubstraten bedeckt. Durch die Verwitterung von Sandsteinen entstehen verschiedene Arenosol-Typen, d. h. unterschiedliche Formen von Sandböden.

Im humideren Norden und Nordosten des Landes konnte sich in der Trockensavanne ein aus Lockersedimenten wie Sand, Lehm oder Ton und Schluff bestehender roter bis rotbrauner Boden ausbilden. Zusätzlich gibt es hier Pfannen- und Schwemmlandböden und, verursacht durch die hohe Verdunstungsrate, Kalkkrustenböden und Salzböden, bzw. Salzkrustenböden.[69]

In dem zentralen Bergland Namibias sind die Gesteine bzw. die aufliegenden Schuttdecken teilweise verwittert, so daß man dort von Bodenbildung sprechen kann. Dieser Boden, der eine braune bis graue Farbe hat und nicht sehr dick ist, bildet sich auch besonders in den Pfannen, Senken und Endseen, den sogenannten Vleis.

Salzböden entstehen durch die natürliche Verdunstungsrate aber auch durch unsachgemäße Bewässerungswirtschaft der Menschen.

Gipshaltige Böden gibt es parallel zur Küste Namibias, die landeinwärts in Kalkböden bzw. Kalkkrustenböden übergehen.

Kalkkrustenböden mit einer Mächtigkeit von 1,5 bis 2,5 Metern finden sich besonders im nördlichen, östlichen und südöstlichen Teil von Namibia.

Sehr sandige Böden, wie sie beispielsweise in der Kalahari vorkommen, sind sehr wasserdurchlässig, so daß das Wasser in tieferen Bodenschichten angereichert wird. Die Feuchtigkeit reicht aus, um einzelne Bäume mit tiefen Wurzeln wachsen zu lassen. Bedingt durch die nur stellenweise vorhandene Vegetation auf großer Fläche, entsteht dort kaum Humus, weil die abgestorbenen Pflanzen in der Hitze sehr schnell mineralisiert werden.[70]

3.1.5. Klima

Namibia liegt im Trockengürtel der Südhalbkugel, d.h. in den Trockengebieten der Rand- und Subtropen. Im größten Teil des Landes herrscht randtropisches Trockensavannen- und Wüstenklima, in Teilen des Nordens und des Nordostens dagegen Feuchtsavannenklima.[71]

In Namibia – mit Ausnahme des Caprivi-Zipfels – herrscht ein semi-arides bis arides Klima vor. Im Caprivigebiet kann das Klima als semi-humid bezeichnet werden.

Die meisten Gebiete Namibias kommen in der Zeit von Oktober bis April unter den Einfluß des tropischen Sommerregens.

Im südlichsten Teil Namibias machen sich im Zeitraum von Mai bis September die Auswirkungen des subtropischen Winterregens aus dem Kapland, hervorgerufen durch die Tiefausläufer der Westwinddrift, bemerkbar.

Die Niederschlagsmenge nimmt von Nordosten nach Südwesten hin ab. Im Caprivi-Zipfel, wo wechselfeuchtes Tropenklima vorherrschend ist, werden bis zu 700 mm Niederschlag gemessen.

Im Norden Namibias beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge 500 mm in der Zeit von Oktober bis April. In Windhoek liegt der Niederschlag im Durchschnitt bei ca. 350 mm – in Swakopmund dagegen bei weniger als 10 mm.

Das zeigen die folgenden Klimadiagramme von Windhoek und Swakopmund.

Abb. 1: Klimadiagramm Windhoeks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Iwanowski.[72]

Abb. 2: Klimadiagramm Swakopmunds

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Iwanowski.[73]

Durchschnittlich beträgt die Niederschlagsmenge in der Wüste Namib zwischen 0 und 50 mm. In besonders regenreichen Jahren kann es auch mal Niederschlag von bis zu 100 mm geben.

Der Süden Namibias hat durchschnittlich eine Niederschlagsmenge von ca. 100 mm.

Regenzeit bedeutet in Namibia, daß es ab und an mal regnet. Meistens verdunstet der Niederschlag sofort, doch es kann auch zu extrem starken Regenfällen von bis zu 400 mm in 15 Stunden kommen. Besonders in der Kalahari kann es im Sommer zu lokalbegrenzten wolkenbruchartigen Regen kommen, wenn feuchte Luft aus den inneren Tropen auf die trockene kontinentale subtropische Luft trifft.

Folgendes Zitat von Henno Martin beschreibt in sehr anschaulicher Weise ein starkes Gewitter mit heftigem Regenfall, wie es in der Wüste Namib vorkommen kann:

„Ein Windstoß wie ein Faustschlag brachte uns zum Taumeln, bog die Dornbüsche zur Erde und warf uns einen kleinen entwurzelten Baum vor die Füße. [...] Beim Rückweg fiel das Wasser so dicht, daß uns kaum Luft zum Atmen blieb. Fahle Blitze zuckten in breiten Bändern quer durch die peitschende Gischt; unaufhörlich rollte über dem brausenden Wasser der Donner. Schon nach Minuten kam das Wasser in geschlossener Schicht die Talhänge herab und füllte unser Rivier von den Seiten, so daß die Flut von oben in ein volles Bett traf[...]. [...] In der Biegung der Schlucht toste ein wilder Wasserfall, und an allen Büschen wuchsen Verhaue von Schwemmholz empor. [...] Gurgelndes Wasser rauschte unter grauem, flatterndem Gewölk. Der Wolkenbruch hatte eine halbe Stunde gedauert. Wir maßen 100 Millimeter.“[74]

In der Trockensavanne in Zentralnamibia entsteht in der heißesten Zeit meist Konvektionsregen, d. h., warme Luft steigt schnell auf und kühlt sich dabei ab, so daß das Wasserhaltevermögen somit abnimmt, und es zu heftigen, lokalbegrenzten Regenschauern, bzw. Gewittern kommt.

Die Sommertemperaturen erreichen am Tage 35°C (extreme Maxima bis 45°C kommen vor) und in der Nacht um 20°C, wobei es an der Küste meist kühler ist, außer wenn der Wind aus der Wüste kommt.

Die Temperaturen liegen – je nach Ort und Höhe – im Winter bei 25°C am Tag und 10°C in der Nacht, wobei extreme Temperaturen von -8°C erreicht werden können.

Bedingt durch die Lage am Atlantik, ist die Temperaturamplitude in Swakopmund nicht sehr groß. Die Temperaturen im Winter der Südhalbkugel schwanken hier zwischen 9°C und 18°C und im Sommer zwischen 12°C und 20°C.

Die Ursache für die kühlen Temperaturen an der namibischen Küste ist der aus der Antarktis kommende Benguela Meeresstrom. Die Luftmassen über dieser kalten Drift kühlen sich ab, und die Wasserhaltekapazität der Luft verringert sich. Ist der Taupunkt erreicht, bildet sich Nebel, da der Wassergehalt nicht hoch genug ist, damit Regen entstehen kann. Die Namib Wüste ist berühmt für die Nebelschwaden, welche diese zur einzigen Nebelwüste der Erde machen. Bis zu 40 km ins Landesinnere ziehen an manchen Tagen große Nebelwände von der Küste her. Swakopmund liegt deshalb auch mehr als 200 Tage im Jahr in dichten Nebel gehüllt.

Auch die von Osten kommenden Passate bringen kaum Feuchtigkeit, weil die Luftmassen schon vor den Gebirgsketten Südafrikas in Form von Steigungsregen an Feuchtigkeit verloren haben.

Die Ostwinde wehen als Fallwinde über die Namib und führen zu Sandstürmen und zum Anstieg der Temperatur.

3.1.6. Hydrographie

Die Ausführungen in Punkt 3.1.5. zum Klima haben gezeigt, daß Namibia ein Trockengebiet ist, und es deshalb nur sehr geringe Vorkommen an Oberflächengewässer gibt.[75]

Nur die Grenzflüsse Namibias, wie der Kunene und der Okavango im Norden, der Sambesi mit seinen Zuflüssen Kwando, Chobe und Linyanti im Osten, und der Oranje im Süden des Landes führen ständig Wasser, weil sie Fremdlingsflüsse sind, d.h. in den feuchteren Regionen der Nachbarländer entspringen.

Die übrigen Flüsse im Norden sind periodische fließende Gewässer, die sogenannten Riviere, und führen meist nur während der Regenzeit zwischen den Monaten Januar und März Wasser. Im mittleren und südlichen Teil Namibias führen die Flüsse, wie beispielsweise der Omaruru, der Swakop, der Kuiseb und der Fischfluß nur episodisch Wasser. Der wasserreichste Fluß davon ist der Fischfluß im Süden, durch den der südliche und mittlere Teil Namibias entwässert wird. Im Osten sind die Flüsse Auob und Nossob die hauptsächlichen Riviere der westlichen Kalahari. Die meisten Riviere zwischen dem Kunene und dem Oranje entspringen in der Großen Randstufe und fließen in den Atlantik. Viele der Riviere fließen schon vorher nicht mehr oberflächlich weiter und erreichen den Atlantik nicht.

Der Sambesi mit seinen Nebenflüssen, wie z.B. der Kwando-Chobe, mündet als einziges Entwässerungssystem Namibias in den indischen Ozean.

Die Hauptbinnenentwässerungssysteme sind die Etoscha-Pfanne und das Okavango-Delta in Botswana.

Der Mangel an Oberflächenwasser wird durch den geringen Niederschlag und die Beschaffenheit des Bodens verursacht, welcher hauptsächlich im Norden und Osten aus Lockersedimentdecken in Form von Sand besteht. Das Niederschlagswasser wird von den Sandböden schnell aufgenommen, als Bodenfeuchte gespeichert und an die Pflanzen abgegeben, so daß sich hier eine relativ üppige Baum- und Strauchsavanne ausgebreitet hat.

Bei den Sedimentgesteinen, wie dem Kalkstein der Kalahari und dem Namasandstein, besteht die Fähigkeit, das Wasser zu speichern, so daß sich ein Grundwasserspiegel bilden kann.

Der Anteil an artesischem Wasser in Namibia ist verhältnismäßig groß. Dieses oberflächennahe Grundwasser ist oftmals in früheren Zeiten – vermutlich in der Zeit des Pleistozän – entstanden, wie beispielsweise beim artesischen Becken von Stampriet. Große Ansammlungen an unterirdischem Wasser findet man zudem bei den Unterläufen der Flüsse Kuiseb, Omaruru oder Koichab.

Die einzigen Seen Namibias sind die relativ tiefen Karstseen Otjikoto, Guinas und der Drachenhauch-See bei Tsumeb.[76]

Der Drachen-Hauchsee ist angeblich der größte unterirdische See der Welt, der sich 65 m unter der Erdoberfläche befindet, eine 1,9 ha große Wasseroberfläche und ein Fassungsvermögen von ca. einer Million Kubikmeter Wasser hat.[77]

Heiße Quellen existieren beispielsweise bei den Orten Warmquelle im Norden, Groß-Barmen und Rehoboth in der Mitte des Landes, Ais-Ais und Warmbad im Süden Namibias.

3.1.7. Flora

Durch die klimatischen Unterschiede gibt es in Namibia eine große Bandbreite von verschiedenen Pflanzen: Trockenpflanzen, die sich an die extremen Klimabedingungen der Wüste angepaßt haben, Pflanzen, die im Gebirge bei extremer Kälte überleben können und sogar tropische Wälder.[78]

Namibia kann man in folgende vier Vegetationszonen einteilen: Wüsten, Savannen, Trockenwälder und die tropischen Wälder im Caprivi-Zipfel.

Zur Wüste zählen die Namib, die südlichen Gebiete des kapländischen Winterregengebietes mit den Sukkulentenpflanzen und die Strauchsavanne der Etoscha Pfanne. Ein besonderes Kennzeichen der Namib sind die Flechten, eine Symbiose aus dem Schlauchpilz und einer Alge. Einige Pflanzen sind einzigartig auf der Welt und kommen nur in der Namib vor, so z. B. der Köcherbaum (Aloe dichotoma), der zu den Sukkulentenpflanzen gerechnet wird und dessen Äste angeblich von den Buschmännern als Pfeilköcher gebraucht wurden. Außer im sogenannten Köcherbaumwald bei Keetmanshoop, stehen die Köcherbäume normalerweise einzeln. Auch die Wüstenpflanze Welwitschia mirabilis[79] wächst nur in der Wüste Namib. Ihr reicht die Feuchtigkeit aus dem Wüstennebel und dem Tau der Nacht, so daß sie sich besonders in der Gegend um Swakopmund ausgebreitet hat.

Zu der Savanne, die zwei Drittel des Landes ausmacht, gehört die Halbwüste, die Mopanesavanne des Nordwestens Namibias, die Berg- und Karstsavanne im Nordosten, die Dornbuschsavanne und Hochlandsavanne in Zentralnamibia, die Kurzstrauchsavanne im südlichen Namibia und die Kalahari mit ihrer Kameldornsavanne und der Baum- und Strauchsavanne.

Parallel zu der Abnahme des Niederschlags nimmt der Baum- und Buschbestand von Nordosten nach Südwesten ab, so daß Trocken- oder Galeriewälder nur im Norden der Kalahari und im Caprivi-Zipfel vorkommen, besonders an den perennierenden Flüssen Kunene, Kavango und Sambesi. Die Wälder bestehen meist aus unterschiedlichen Akazienarten, wilden Feigenbäumen und Affenbrotbäumen.

Im wechselfeuchten Tropenklima der Caprivi-Region kommen außerdem Bäume vor, die ihr Laub abwerfen können.

Typische Kennzeichen für die Savanne sind ein mit relativ dichtem Gras bewachsener Boden, Buschwerk und einzelne Bäume mit tiefen Wurzeln.

In der Mopanesavanne im Nordwesten Namibias (dazu gehört das Kaokoveld bis östlich zur Etoscha-Pfanne und südlich bis zum Rivier des Ugab) trifft man, wie der Name schon sagt, besonders auf den Mopanebaum, der den Elefanten und Giraffen als Hauptnahrung dient. Auch der Affenbrotbaum, genannt Baobab, wächst hier.

Kennzeichen der Berg- und Karstsavanne, die östlich der Etoscha-Pfanne liegt, sind Sträucher und Akazien. Problematisch in dieser Region ist die starke Verbuschung durch den sogenannten Farbkätzchenstrauch (Dichrostachys cinerea).

An Stellen mit kalkhaltigem Boden steht oft Ahnenbaum, der aufgrund der Überlieferungen der Hereros so bezeichnet wird. Er kann bis zu 20 m hoch werden und ist besonders für sein extrem hartes Holz bekannt.[80]

Die einzige, natürlich gewachsene Palme Namibias ist die Makalani-Palme, die im Norden und Nordosten Namibias vorkommt.

Den zentralen Teil der Kalahari kann man als offene Baumsavanne bezeichnen. Weiter südlich trifft man auf eine Baum- und Strauchsavanne. Hier wachsen Kameldornbäume (Acacia garaffae), überwiegend der Fahlkameldorn oder „das für die Kalahari so charakteristische Gelbholz (Terminalia sericea), ein nichtdorniger, laubwerfender Baum mit kleinen, durch Behaarung silbrig glänzenden Blättern“[81]. Stellvertretend für die verschiedenen Sträucher sei die Dreidornakazie (Acacia Senegal) erwähnt.

Die Dornbuschsavanne findet man nördlich von der Stadt Okahandja bis zum zentralen Hochland. Sie wird von den meisten Touristen als Prototyp der Vegetation Namibias angesehen und besteht vor allem aus verstreut wachsenden Akazienarten und Grasland. Am wertvollsten ist das Ährengras (Anthephora pubescens), das auch im trockenen Winter beweidet werden kann.

Die Hochlandsavanne befindet sich im zentralen Bergland bei Windhoek bis in den Süden bei Rehoboth. Sie wird überwiegend von dem Bergdorn und dem Kudubusch geprägt.

Der Süden Namibias ist von der Kurzstrauchsavanne mit Sukkulentenpflanzen gekennzeichnet, zu denen auch der Köcherbaum (Aloe dichotoma) gehört.[82]

3.1.8. Fauna

Namibia ist nur dünn besiedelt, da weite Teile des Landes kaum nutzbar für den Menschen sind. Dadurch ist eine große Artenvielfalt in der Tierwelt erhalten geblieben. Die zeitweise durch die Jagd vom Aussterben bedrohten Tierpopulationen konnten sich durch Errichtung von Naturreservaten und Wildfarmen wieder vermehren. So gehört Namibia – trotz der Einwirkungen des Menschen mit den negativen Folgen für die Größe der Tierpopulationen – zu einem der tierreichsten Länder Afrikas.[83]

Der Etoscha-Park ist von den Naturschutzgebieten der bekannteste, da dort die meisten Tierarten und vor allem vier von den sogenannten „Big five“ in großer Zahl vorkommen. Es gibt hier, bis auf den Büffel, Löwen, Elefanten, Nashörner und Leoparden[84]. Weitere ca. 130 Säugetierarten kommen in Namibia, besonders im Etoscha-Park, vor, wie beispielsweise Giraffen, Zebras, Gnus, Hyänen, Wildhunde, Löffelhunde, Schakale, Geparden, Warzenschweine und verschiedene Affenarten, insbesondere Paviane.[85]

In fast ganz Namibia trifft man auf viele Antilopenarten, so z.B. auf Elandantilopen, Kudus, Kuhantilopen, Impalas, Steinböckchen, Dikdiks oder Oryxantilopen. Die Oryxantilopen, die das Wappen Namibias zieren, besitzen die Fähigkeit, in extrem trockenen Gebieten fast ohne Wasser bei enormen Hitzeverhältnissen zu überleben. Der Springbock ist die einzige Gazelle, die im südlichen Afrika lebt.

Flußpferde, Kaffernbüffel und Krokodile leben vor allem in dem feuchteren Caprivi-Zipfel.

Das Meer, das durch den kalten Benguela Strom sehr reichhaltig an Plankton ist, bietet für sehr viele verschiedene Arten an Fischen eine Lebensgrundlage. Hier sogar Wale, Delphine und die über ein Meter großen Wasserschildkröten gefunden.

An der Küste leben Robbenkolonien und sehr viele Vogelarten, wie beispielsweise Möwen, Komorane, Pinguine, Flamingos und Pelikane.

Bis jetzt hat man in Namibia 620 von 887 im südlichen Afrika lebenden Vogelarten entdeckt. An dieser Stelle soll nur auf einige Vögel, wie den Strauß, der in freier Natur lebt, aber auch auf Farmen gezüchtet wird, die Riesentrappe, den Sekretär und die Webervögel mit ihren Kugelnestern hingewiesen werden.

Unterschiedlichste Kriechtiere leben in Namibia, wie das schon oben erwähnte Krokodil, das in den Flüssen Kunene und Okavango im Norden und Nordosten des Landes vorkommt. Auch verschiedenste Arten von Geckos finden hier einen Lebensraum, so z.B. der durchsichtige Palmatogecko, der in der Dünennamib zu finden ist. Die Schwarze Mamba, die Puffotter und die Kobra gehören zu den giftigsten Schlangen Namibias. Es gibt aber auch ungefährlichere Schlangen wie einige Arten der Viperschlange. Während der Biß der Sandviper tödlich sein kann, ist die Hornviper ungefährlich für den Menschen.

Namibia gehört zu den Ländern Afrikas mit der größten Insektenvielfalt. Hier leben viele endemische Arten, so z.B. der Schwarzkäfer (Onymacris unguicularis), der in der Nebelwüste Namib überlebt. Er besitzt die Fähigkeit, sich auf dem Dünenkamm an der Küste mit gesenktem Kopf so hinzustellen, daß die Nebel- und Tautropfen sich an seinem Panzer niederschlagen, und bedingt durch seine schräge Haltung, direkt in sein Maul laufen. So hat er genügend Wasser zum Überleben. Von den allein 160 in der Namib lebenden Spinnenarten soll hier nur auf einige näher eingegangen werden: Die Jagdspinne, auch Wheelspider (Carparachne aureoflava) genannt, hat man bis jetzt nur in der Wüste Namib gefunden. Sie besitzt die Fähigkeit, ihre Beine so an den Körper heranzuziehen, daß sie wie eine Kugel die Dünen herunterrollen kann, um so vor ihren Feinden fliehen zu können. Andere Spinnen, wie beispielsweise die Krabbenspinne (Six-eyed Crabspider), sind sehr giftig und können sogar Menschen durch ihren Biß töten. Für die sogenannte „Weiße Dame“ (Leucorchestris arenicola), eine Raubspinne, ist eine tanzende Bewegung charakteristisch.[86]

Von den Skorpionen findet man den Dickschwanzskorpion (Parabuthus) und den gelblichen Dünschwanzskorpion (Opisthophthalmus) am häufigsten vor. Der Dickschwanzskorpion hat kleinere dünnere Scheren als der Dünnschwanzskorpion, ist aber viel giftiger, da er einen größeren Giftstachel besitzt.[87]

3.2. Kulturgeographische Grundlagen

3.2.1. Geschichte Namibias

Die Zeit bis 1485[88]

Die Geschichtsschreibung Namibias beginnt eigentlich erst im Zuge der Kolonialisierung, dabei ist insbesondere die deutsche Geschichtsschreibung sehr ausführlich. Die Geschichte vor der Kolonialzeit ist nur durch mündliche Überlieferungen in Form von Legenden, Riten oder Mythen der verschiedenen Stämme Namibias erhalten. Es gibt kaum historische Schriftstücke aus dieser Zeit.

Der älteste Fund einer Ausgrabung bei Otavi in der Kombat-Mine ist ein schätzungsweise 12 Millionen Jahre alter Kieferknochen eines Otavipithecus namibiensis.

Felsmalereien, die auf die Existenz von Menschen schließen lassen, hat man im Brandbergmassiv, dem Erongo-Gebirge, der Spitzkoppe, dem Khomas-Hochland und bei Twyfelfontein gefunden. Die Felszeichnungen in den Hunsbergen bei dem Nuob Rivier, in der sogenannten Apollo-11-Grotte, sind die ältesten Indizien menschlichen Lebens in Namibia. Diese Zeichnungen sollen Schätzungen nach ca. 26.000 v. Chr. entstanden sein.

Am bekanntesten unter den Felsmalereien ist die „Weiße Frau“, die in der Tsisab-Schlucht am Brandberg gefunden wurde und anhand von Nachforschungen Dennigers auf ca. 1200 bis 1800 Jahre geschätzt wird.[89]

Einige Forscher nehmen an, daß die Felsmalereien von Angehörigen der San angefertigt wurden und diese somit als erste Menschen das Gebiet besiedelten. Dahle und Leyerer führen dagegen an, daß bei den Malereien Zeichnungen des Mondes, der Hasen, Schildkröten und Schakale fehlen, die aber bei den Mythen der San eine große Rolle spielen. Die Autoren stellen somit die Behauptung, die Malerein seine von den San angefertigt worden, in Frage.[90]

Einstimmigkeit unter den Forschern herrscht darüber, daß die Malereien Aufschluß über die Lebensweise der Menschen, die Bilder gemalt haben, geben: Sie waren Jäger und Sammler und lebten in Hütten.[91]

Vermutungen, daß sich um die Zeitenwende die ersten Vorfahren der jetzigen Namas, die Khoe, im südlichen Teil Namibias ansiedelten und ein Leben als Wanderhirten führten, stützen sich auf Reste solcher Siedlungen der Wanderhirtenschaft in der Namibwüste an der Mündung des Kuisebriviers.[92]

Die Gruppe der Nama, von den Europäern als Hottentotten bezeichnet, wanderte ab ungefähr 100 v. Chr. bis ca. 1500 aus dem Gebiet des heutigen Südafrika und Botswana in den Süden Namibias bis hin zur Etoscha-Pfanne ein.

Anfänge der Kolonialisierung

Der erste Europäer, Diego Cão, der die Küste Afrikas erforschen wollte, um einen Seeweg nach Indien auszumachen, landete 1486 in Namibia am heutigen Cape Cross. Er ließ dort ein Kreuz aus Kalkstein errichten.

Im Jahr 1488 umsegelte der Portugiese Bartholomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung und setzte seinen Fuß in der Lüderitz-Bucht auf namibischen Boden, um dort sein Kreuz aufzustellen.

Erwähnt sei an dieser Stelle, daß Anfang des 17. Jahrhunderts Angehörige der Bantusprachen den Norden Namibias besiedelten. Sie kamen aus Gebieten des östlichen Afrikas.[93] Dierks dagegen behauptet, die ersten Ovambo seien schon ab dem 15. Jahrhundert, und die ersten Ovahereros ab dem 16. Jahrhundert nach Namibia eingewandert. Er schreibt weiter, daß einige Geschichtswissenschaftler vermuten, die Vorfahren der jetzigen Ovambo und Ovaherero seien aus dem zentralen Teil Afrikas – aus dem Gebiet der Großen Afrikanischen Seen – ausgewandert, da dort noch bis heute ähnliche Sprachen gesprochen werden wie die der Ovambo und Herero.[94]

Da die Portugiesen kein sehr großes Interesse an dem kargen, trockenen Land hatten, begann eigentlich erst mit der Ankunft der Holländer – durch die Landung von Jan von Riebeck am Kap im Jahr 1652 – die Erforschung des südlichen Afrikas. Dabei sollte insbesondere die südwestafrikanische Küste durch die Mannschaft des Kapitäns Muys (1670) und Womba (1677) erforscht werden. Die Forschungsreisen der Holländer in die Nebelwüste mit ihren Bewohnern, den ihnen nicht sehr freundlich gesinnten Namas, die bewaffneten Widerstand leisteten, entsprachen nicht ihren Vorstellungen, so daß weitere Entdeckungsfahrten vorerst unterblieben.

1738 überquerten schließlich europäische Forscher der südafrikanischen holländischen Ost Indien Gesellschaft[95] den Gariep, d.h. den heutigen Oranje.

Um ca. 1750 wurden die Küstenstandorte bei Lüderitz- und Walfisch-Bucht unter den Schutz der holländischen Regierung gestellt, da man die Einflußnahme anderer europäischer Länder fürchtete.

Die Zeit der Missionare und der Entdecker

Die Missionare, die selbst oft aus tiefer innerer Überzeugung den afrikanischen Menschen das Christentum näher bringen wollten, wurden von den Regierungen der Kolonialmächte England und Holland dazu benutzt, Einfluß auf die Bevölkerung zu nehmen, indem sie europäische Kultur, Bildung etc. einführten.[96]

Die im Jahr 1795 gegründete Londoner Missionsgesellschaft begann 1806 mit der Missionierung der Gruppe der Nama. Das erste Missionshaus wurde in Warmbad errichtet. 1799 formierte sich die Rotterdamer Missionsgesellschaft. 1840 bekam die Rheinische Missionsgesellschaft alle Rechte der Londoner Missionsgesellschaft zugesprochen.

Im Jahr 1805 errichteten die Missionare Albrecht aus Berlin das erste Lehmhaus Namibias in Warmbad und 1811 folgte das – laut Peter und Livia Pack – angeblich erste Steinhaus Namibias in Bethanien durch den Missionar namens Schmelen.[97]

Weitere Missionsstationen wurden beispielsweise in Windhoek (1842), Okahandja (1844), Rehoboth (1845), Gobabis (1851), Keetmanshoop (1866) und Omaruru (1867) gegründet.[98]

Die Oorlam-Nama aus der Kapregion, die dort von der Regierung unterdrückt worden waren, flohen um 1840 in Richtung Norden und baten Missionare, mit ihnen zu kommen.

Die Kämpfe der aus dem Norden kommenden Herero und der aus dem Süden kommenden Nama um Land im Raum Windhoek und Okahandja, veranlaßten die deutschen Missionare, sich Schutz von dem deutschen Reich zu erbeten. Dieses Gesuch wurde vorerst wegen mangelnden Interesses an Kolonien von Seiten des deutschen Reiches abgelehnt.

Francis Galton und Charles Andersson erforschten um 1850 das Gebiet der Ovambo von der Etoscharegion bis zum Kunene hin, auf der Suche nach dem See Ngami, den Andersson 1853 schließlich im heutigen Gebiet Botswanas fand.

Die Kolonialzeit

Wirtschaftliche Interessen, vor allem seit der Entdeckung von Diamanten bei Kimberley im heutigen Südafrika, veranlaßte Großbritannien, nachdem es im Jahr 1878 Walfisch-Bucht annektiert hatte, das Betschuanaland in dem Zeitraum von 1884 bis 1890 zu besetzen, um eine Verbindung zwischen dem südlichen und östlichen Afrika zu bekommen.

Ab 1882 kaufte der aus Bremen stammende Kaufmann Adolph Lüderitz Gebiete bei Angra Pequena, der heutigen Lüderitzbucht, um seinen Tabakhandel auszuweiten. Aus Angst vor den Engländern, bat er um Schutz des deutschen Reiches, der ihm aber zunächst verwehrt wurde.

Bis 1884 gehörte der Teil an der Küste, ausgehend von Cape Frio bis zum Oranje, den Deutschen.

Die Berliner Konferenz (1884/85) legte die Grenzen im Westen Südwestafrikas ab der Oranjemündung bis zur Mündung des Kunene – der Walfisch-Bucht[99], fest und erklärte dieses Gebiet zum Schutzgebiet des deutschen Reiches.

1885 verkaufte Lüderitz sein Land an die neu gegründete deutsche Kolonialgesellschaft, die darauf aus war, Schutzverträge mit der einheimischen Bevölkerung abzuschließen, Siedler anzuwerben und das Land zu verteilen.

Doch die Deutschen konnten aufgrund mangelnder Schutztruppen weder den Nama noch den Herero Schutz bieten, die immer noch sehr verfeindet waren.

Im zwischen dem deutschen Reich und Großbritannien geschlossenen Helgoland-Sansibar Vertrag (1890) wurde der Caprivi-Zipfel – benannt nach dem Nachfolger Bismarcks, dem Reichskanzler Leo von Caprivi – an die Kolonie Südwestafrika angegliedert, um eine Verbindung zu Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, zu schaffen.

Dadurch, daß die Kolonialgesellschaft es nicht schaffte, für Ordnung und Frieden im Land zu sorgen, wurde Hauptmann Curt von Francois mit seinen Soldaten nach Südwestafrika gesandt. Er leitete ab 1891 den Verwaltungsbezirk Windhoek[100] und begann mit einem Festungsbau, der sog. „Alten Feste“.[101]

Doch die Nama unter ihrem Führer Hendrik Witbooi verteidigten sich erfolgreich gegenüber der deutschen Schutztruppe, so daß erst unter dem Nachfolger Francois`, Major Leutwein, im September 1894 ein Friedensvertrag geschlossen werden konnte, der 10 Jahre andauerte. Auf der Grundlage dieses geschaffenen Friedens besiedelten die Deutschen nun vermehrt die Kolonie, so daß Ende 1894 ca. 1200 Europäer in Südwestafrika lebten.

Durch die Abgabe von Land wurde besonders den Herero und Nama die Lebensgrundlage entzogen, so daß diese immer unzufriedener wurden.

Das Gerücht, der den Herero gut gesonnene Major Leutwein sei tot, war der „Funke im Pulverfaß“ und veranlaßte den Führer der Herero, Samuel Maharero, seine Untertanen zum gewalttätigen Aufstand aufzurufen. Die Herero wollten jedoch die Baster, Damara, Nama und Buren, aber auch die deutschen Frauen, Kinder und Missionare nicht angreifen.

Am 12. Januar 1904 begann der gewalttätige Aufstand mit ca. 7.000 bis 8.000 bewaffneter Männer auf Seiten der Herero. Anfangs erzielten die Herero Erfolge, da Leutwein zu dem Zeitpunkt mit seinen Truppen im Süden war, um dort eine Rebellion der Bondelwarts zu vereiteln. Er eilte jedoch auf schnellstem Weg mit seinen Truppen in Richtung der Aufständischen. Es kam zu verschiedenen Kämpfen, doch konnten die Herero nicht besiegt werden. Sie zogen sich nach jeder Schlacht wieder in ihr Hauptlager am Waterberg zurück, von wo aus sie einen sehr guten Überblich über die Vorgehensweise der deutschen Truppen hatten. Am 11. August 1904, unter der Leitung von General von Trotha, dem Nachfolger von Major Leutwein[102], kam es zu der grausamen Schlacht am Waterberg, bei der viele Frauen, Männer und Kinder der Herero schon während der Schlacht starben oder auf der Flucht in die Kalahari. Wie viele Herero starben, weiß man nicht. Schätzungsweise 10.000 bis 14.000, vielleicht aber auch 40.000 bis 60.000. Es überlebten ungefähr nur 20.000 Herero die Schlacht.

Im Oktober desselben Jahres widersetzten sich die Nama gewaltsam der deutschen Besatzungsmacht unter der Leitung von Witboois, der aber 1905 bei einem Kampf starb. Die Unruhen dauerten bis zum März des Jahres 1907 an. Schließlich wurde der Krieg als beendet betrachtet und Schutzverträge unterzeichnet. Die schwarze Bevölkerung durfte von diesem Zeitpunkt an kein Land und Vieh mehr besitzen.

Walter Nuhn beschreibt die Unterdrückung der Eingeborenen von Seiten der Deutschen mit folgenden Worten:

„Und sie [die weißen Siedler] ließen es den Afrikaner spüren, wer jetzt Herr in Südwest war und wie es demjenigen ergeht, der sich dem Willen den [ sic ] weißen Mannes widersetzt! Versuchte ein Afrikaner, sich der verordneten Zwangsarbeit zu entziehen, so wurde regelrecht Jagd auf ihn gemacht. Wer sich nach Meinung des Farmers bei der Arbeit träge, unwillig oder aufsässig zeigte, wer die Arbeit verweigerte, der wurde zur nächsten Polizeistation abgeführt. Hier wurde dann an Ort und Stelle die Prügelstrafe, meist 10 bis 15 Schläge, an ihm vollzogen.“[103]

Die Entdeckung der ersten Diamanten bei Lüderitz (1908) führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und einem Ausbau der Eisenbahnlinien und Straßen.

Die Zeit nach 1914

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges marschierten südafrikanische Truppen unter dem Druck Großbritanniens in Südwestafrika ein. Im Juli 1915 mußten die deutschen Truppen bei Khorab kapitulieren.[104] Soldaten der deutschen Schutztruppe kamen in Internierungslager, so daß beispielsweise 1550 Gefangene in der Nähe der Stadt Aus bis 1918 gefangen gehalten wurden. Die Deutschen, die in dem Kriegsgefangenenlager in Zelten leben sollten, bauten sich aus selbstgebrannten Ziegeln Häuser mit Wasserleitungen, wovon heute noch die Ruinen zu sehen sind.[105]

Im Vertrag von Versailles wurde schließlich im Jahr 1919 bestimmt, daß das deutsche Reich von nun an keinen Anspruch auf seine Kolonien habe, 4000 deutsche Siedler wurden ausgewiesen, Deutsch als Amtssprache wurde durch Englisch und Holländisch ersetzt und viele deutsche Schulen geschlossen. 1921 wurde Südwestafrika durch den Völkerbund für 25 Jahre zum sogenannten C- Mandat Südafrikas erklärt.

Ab dieser Zeit siedelten sich sehr viele südafrikanische Buren in Südwestafrika an.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden aufs neue die Deutschen Südwestafrikas in Internierungslager untergebracht.[106]

Im Jahr 1948 gewann die Nationale Partei Südafrikas die Wahlen und führte die Politik der Apartheid ein, aus der 1962 der Odendaalplan hervorging. Dieser Plan, der ab 1964 umgesetzt wurde, beinhaltete die Errichtung von 10 „Homelands“. Daraufhin wurden die Bewohner Südwestafrikas aufgrund ihrer Ethnie in 11 Bevölkerungsgruppen eingeteilt. Damit war für die Farbigen kein eigenes Gebiet übrig. Die Weißen wurden dabei eindeutig bevorzugt: Sie erhielten 46,7% des Landes, obwohl sie nur 7,5% der Bevölkerung ausmachten, die Schwarzen und Farbigen bekamen 39,7% des Landes mit einer Bevölkerungszahl von 933.700. Der übrige Teil des Landes gehörte der Regierung, zum Diamantensperrgebiet oder zu den Wild- und Nationalparks.[107] Diese Einteilung zeigt die Karte „Homelands anhand des Odendaalplans“ im Anhang.

Von 1950 bis 1971 wurde im Internationalen Gerichtshof in Den Haag immer wieder über Südwestafrika verhandelt, da die UNO der südafrikanischen Regierung ihr Mandatsgebiet entziehen wollte, diese aber die UNO nicht anerkannte und Südwestafrika beanspruchte. 1966 bestimmt die UNO, daß Südwestafrika nicht mehr zu Südafrika gehört und übernahm selbst die Verantwortung für dieses Land. In dieser Zeit begann der bewaffnete Kampf der SWAPO[108] im Ovamboland gegen die südafrikanische Vorherrschaft, die 1960 von der im Exil lebenden namibischen Bevölkerung gegründet worden war.

1968 wurde das Land Südwestafrika vom UN-Sicherheitsrat auf Wunsch der Bevölkerung in „Namibia“ umbenannt.

1971 bestimmte die UNO, daß die Mandatsherrschaft Südafrikas über Namibia illegal sei, und 1973 wurde schließlich die SWAPO von der UNO als Repräsentation des namibischen Volkes anerkannt.

Während die südafrikanische Regierung die Aufständischen innerhalb der namibischen Bevölkerung sehr stark unterdrückte, brach eine Flüchtlingswelle nach Angola los, das seit 1975 unabhängig geworden war, so daß 1988 ca. 50.000 namibische Flüchtlinge in Angola lebten.

Die Angriffe des südafrikanischen Militärs gegen die SWAPO eskalierten am 4. Mai 1978 durch einen Luftangriff auf ein SWAPO-Lager in Cassinga in Angola bei dem ca. 600 Menschen starben.[109]

Der UN-Sicherheitsrat beschloß 1978 die Resolution 435, in der es hieß, daß die Unabhängigkeit Namibias von der Durchführung freier Wahlen unter Aufsicht der UNO abhängig gemacht werde. Die Wahl zur Bildung einer Nationalversammlung, woran sich alle ethnischen Bevölkerungsgruppen erstmals beteiligen durften, wurde aber von der UNO nicht anerkannt, da die SWAPO sich nicht an den Wahlen beteiligt hatte. Wahlsieger war die Partei der DTA (Demokratische Turnhallen-Allianz)[110]. Erfolge der DTA-Regierung unter Dirk Mudge waren die Abschaffung der Apartheidsgesetze.

Von da an folgten bis zum Jahr 1989 mehrere Übergangsregierungen, die aber immer von Südafrika eingesetzt wurden.

Der Weg bis zur Unabhängigkeit Namibias und die Zeit bis heute

1989 geschahen erste Verhandlungen, um die Resolution 435 durchsetzen zu können. Voraussetzung für ein unabhängiges Namibia war ein Waffenstillstand zwischen Südafrika und Angola, und ein Zurückziehen der kubanischen Truppen aus Angola, so daß am 1. April 1989 die Einführung der Resolution 435 begann. Im November desselben Jahres fanden freie, von der UNO beaufsichtigte Wahlen statt, bei der die SWAPO mit 57% der Stimmen gewann.

Im Februar wurde eine demokratische Verfassung aufgestellt und am 21. März 1990, dem Tag der namibischen Unabhängigkeit, nahm die namibische Regierung mit dem Präsidenten Sam Nujoma an der Spitze ihre Arbeit auf.

1993 ist das Jahr, in dem der Namibia-Dollar eingeführt wurde, der bis heute an den südafrikanische Rand mit dem Verhältnis von 1:1 gekoppelt ist.[111]

Walvis Bay und die Atlantikinseln, die bis dahin noch Teil Südafrikas waren, wurden 1994 an Namibia abgegeben. Die SWAPO erhielt in diesem Jahr im Parlament eine Zweidrittelmehrheit.

Die Aussendung namibischer Soldaten (1998) zur Unterstützung des Präsidenten Kabila gegen Rebellen im Kongo führte teilweise zu Protesten der namibischen Bevölkerung.

Obwohl in der Verfassung verankert ist, dass der Präsident nur für zwei Legislaturperioden amtieren darf, beschloß die SWAPO-Regierung, daß der Präsident bei seiner ersten Amtszeit von der verfassungsgebenden Versammlung nicht gewählt, sondern eingesetzt worden wäre, so daß er berechtigt sei, zum dritten Mal als Präsident zu regieren.

Aufstände von Rebellen in Angola (1999/2000) und separatistische Bewegungen in der Capriviregion führten zu Unruhen im Caprivi-Zipfel, so daß man nur mit militärischer Begleitung als Tourist dieses Gebiet besuchen konnte, was zu einem Rückgang der Tourismusbranche im Caprivigebiet führte.

Im Jahr 2002 beruhigte sich die Lage wieder, die Grenzen nach Angola sind wieder geöffnet, wovon Namibia sich einen großen wirtschaftlichen Aufschwung durch einen Handel mit Angola verspricht.[112]

3.2.2. Staats- und Verwaltungsgliederung

Die Republik Namibia, deren Staatsoberhaupt seit den ersten Wahlen im Jahr 1989 der SWAPO-Vorsitzende Samuel Nujoma ist, bildet einen souveränen, demokratischen und säkularen Einheitsstaat mit einem Mehrparteiensystem.[113]

Die am 21. März 1990 in Kraft getretene demokratische Verfassung, die als beispielhaft für Afrika angesehen werden kann, gewährleistet die Menschen- und Freiheitsrechte. Zudem werden eine freie Bildung von Parteien, Rede-, Presse- Religions- und Versammlungsfreiheit garantiert. Jeder namibische Bürger darf sich frei im Land bewegen und hat das Recht auf freie Berufsausübung und auf Eigentum. Die Todesstrafe und Zwangsarbeit sind abgeschafft – jegliche Diskriminierung aufgrund der Rasse, Konfession, Hautfarbe und Geschlecht ist verboten.

Hauptstadt und Sitz der Regierung ist Windhoek. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regieringsvorsitzender und Oberbefehlshaber der Armee. Er ernennt den Premierminister, den Ministerrat und das Kabinett, mit denen er gemeinsam die Regierung ausübt. Der Präsident wird von einem „Rat der traditionellen Führer“, bestehend aus den Oberhäuptern der verschiedenen ethnischen Gruppen, bei seinen Entscheidungen beraten.

Die Nationalversammlung, die sich aus 66 nach dem Verhältniswahlrecht gewählten und sechs vom Präsidenten ernannten Abgeordneten zusammensetzt, und der Nationalrat, die Repräsentation der 13 Regierungsländer, sind für die Gesetzgebung zuständig.

Die Judikative wird von dem Obersten Gericht, dem Supreme Court, das auch als Verfassungsgericht tätig werden kann und höchste gerichtliche Instanz ist, dem Obergericht (High Court) und den Amtsgerichten (Lower Courts) repräsentiert. Außerdem existiert ein sogenannter Ombudsmann, der vom Staatspräsidenten ernannt wird und die Aufgabe hat, bei Grundrechtsverletzungen zu ermitteln und die Exekutive und Judikative darüber in Kenntnis zu setzen.

Seit 1992 gliedert sich die Republik Namibia in 13 gleichberechtigte Regionen: Oshikoto, Ohangwena, Omusati, Oshana im Norden; Okavango und Caprivi im Osten; Kunene und Erongo im Westen; Otjozondjupa, Omaheke, Khomas und Hardap im zentralen Teil Namibias und Karas im Süden. Die Regionen sind jeweils in kleinere Verwaltungseinheiten wie Städte, Gemeinden und Dörfer unterteilt.[114]

[...]


[1] Karawane Reisen, 2003, S. 50.

[2] In einer Zeit, in der die Tourismusbranche in vielen Ländern einen der größten Wirtschaftsfaktoren darstellt, bietet es sich an, das Thema „Tourismus“ im vierten Schuljahr zu behandeln. Die meisten Kinder haben in diesem Alter durchaus Reiseerfahrungen gesammelt oder Kontakte mit Menschen aus anderen Ländern geknüpft, zumal in fast jeder Schulklasse Migrantenkinder sind. Deshalb ist es in einer multikulturellen Gesellschaft, wo Reisen „großgeschrieben“ wird, notwendig, Kinder für die Vor- und Nachteile des wachsenden Welttourismus zu sensibilisieren.

Die Richtlinien für das vierte Schuljahr haben u. a. zum Thema „Natürliche und gestaltete Umwelt“, wozu die Unterthemen „die Abhängigkeit des Menschen, der Tiere und Pflanzen von Umweltbedingungen […] erkennen“ und „sich umweltbewußt verhalten“ gehören. (vgl. Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), 1985, S. 29).

Gerade anhand von Namibia, das zu einem modernen, sicheren Reiseland geworden ist, können die angesprochenen Richtlinienthemen exemplarisch im Unterricht dargestellt werden. Dabei sollen vor allem die Einflüsse des Menschen, insbesondere der Touristen, auf die Natur und die Einwohner Namibias herausgearbeitet werden. Die Wasserproblematik könnte dabei in Verbindung mit dem Richtlinienthema “Luft, Wasser und Wärme“ eine herausragende Position einnehmen. (vgl. Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), 1985, S. 30).

Die vielen ethnischen Gruppen spielen dabei keine untergeordnete Rolle. Die Kinder lernen die verschiedenen Kulturen des Landes kennen, wie es möglich ist, in Toleranz miteinander zu leben, Konflikte und Unterschiede zu überwinden und voneinander zu lernen. Diese Unterrichtserfahrungen sollen ihnen helfen, in ihrem Schulalltag interkulturellen Begegnungen gegenüber offen zu sein und vorhandene Vorurteile abzubauen.

[3] Benthien, 1997, S. 28.

[4] Vgl. Benthien, 1997, S. 22.

[5] Benthien, 1997, S. 17.

[6] Hunziker, 1984, S. 48.

[7] Kaspar, 1991, S.18.

[8] Mundt, 2001, S. 3.

[9] Mundt, 2001, S.3.

[10] Opaschowski, 1996, S. 20.

[11] Vgl. Luft, 1996, S. 19-20.

[12] Vgl. Freyer, 2001, S. 70-71.

[13] Vgl. Freyer, 2001, S. 4; 399-401.

[14] Benthien bezieht sich hierbei auf den Kernbereich des Tourismus, die Urlaubs- und Erholungsreise. Vgl. hierzu Freyer, 2001, S. 400.

[15] Benthien, 1997, S. 7.

[16] Vgl. Freyer, 2001, S. 6.

[17] Vgl. Zimmers, 1995, S. 24-27; Freyer, 2001, S. 2.

[18] Vgl. Opaschowski, S. 72-73; 77.

[19] Vgl. Zimmers, 1995, S. 50-51.

[20] Vgl. Benthien, 1997, S. 18-19.

[21] Vgl. Freyer, 2001, S. 19.

[22] Vgl. Freyer, 2001, S. 10.

[23] Vgl. Günter, 1998, S. 13-14.

[24] Becker u. a., 1996, S. 18.

[25] Vgl. Becker, S. 18-19; 84.

[26] Merkel, 1997, S. 178.

[27] Günter, 1998, S. 15.

[28] Vgl. Freyer, 2001, S. 54-56.

[29] Luft, 1996, S. 34.

[30] Vgl. Gastro Facts online. „Ein Jahr nach dem 11. September“. <http://www.gastrofacts.ch/news/branche/data/2002/09_02/september_2002_05.htm> (10.04.03).

[31] Vgl. Noack, 2002, S. 1.

[32] Vgl. Globales Lernen. „Dimensionen, Perspektiven und Wirkungen des Entwicklungsländer-Tourismus“. <http://www.globales-lernen.de/Schwerpunkte/Reisen/kern1.htm> (13.03.03).

[33] Vgl. Vorlaufer, 1984, S. 9.

[34] Ladmiral/Lipiansky, 2000, S. 136.

[35] Ladmiral/Lipiansky, 2000, S. 137.

[36] Ladmiral/Lipiansky, 2000, S. 137.

[37] Vgl. Opaschowski, 1996, S. 56-57.

[38] Freyer, 2001, S. 61.

[39] Vgl. Zimmers, 1995, S. 91-98.

[40] Freyer, 2001, S. 31.

[41] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e. V. „Ziele“. < http://www.dgt.de/> (13.03.03).

[42] AIEST bedeutet “Association Internationale d`Experts Scientifiques du Tourisme“.

[43] Vgl. Freyer, 1997, S. 218.

[44] Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus . „Association Internationale d'Experts Scientifiques du Tourisme“. <http://www.idt.unisg.ch/org/idt/main.nsf/3740383e39272e4441256c6a002d1251/43c6ad04e4b32713c1256c6a0050c67c?OpenDocument> (18.04.03).

[45] Vgl. AIEST. „Informationen zum Kongreß“ <http://www.aiest.org/org/idt/idt_aiest.nsf/de/AFE3689530F5C6C7C1256CCD002AAD56?OpenDocument> (18.04.03).

[46] Freyer, 2001, S. 31.

[47] Vgl zu näheren Angaben Vester, 1998, S. 67-73 und das 1999 erschienene Buch Tourismustheorie von Heinz-Günter Vester.

[48] Vgl. Bernecker, 1984, S. 46.

[49] Vgl. Christaller, 1984, S. 158-159.

[50] Vgl. Wolf/Jurczek, 1986, S. 28.

[51] Vester, 1999, S. 8.

[52] Opaschowski, 1996, S. 41.

[53] Freyer, 2001, S. 381.

[54] Vgl. Opaschowski, 1996, S. 41- 48.

[55] Vgl. Freyer, 2001, S. 389-390.

[56] Vgl. Borowski, 2000, S.10-11; Iwanowski, 2002, S. 51; Statistisches Bundesamt. <http://www.destatis.de/cgi-bin/ausland_suche.pl> (03.12.02); vgl. hingegen Weber/Wiebus, 2002, S.12 mit der Angabe von 825.418 km².

[57] Vgl. Weber/Wiebus, 2002, S. 12 mit Dahle/Leyerer, 2001, Karte der Umschlagrückseite, mit falschem Maßstab, dessen Maßzahl 100 km statt 200 km heißen müßte.

[58] Vgl. Namibia Tourism Board. “Namibia – Zauber der Natur”.

<http://www.namibia-tourism.com/reitipps/geologie.htm> (27.01.03).

[59] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 52-53; Namibia Tourism Board. “Namibia – Zauber der Natur”. <http://www.namibia-tourism.com/reitipps/geologie.htm> (27.01.03).

[60] Vgl. Borowski, 2000, S. 13.

[61] Vgl. Grünert, 2000, S. 21-28; Schneider, G.I.C./Schneider, M.B., 1989, S. 41-46; Hüser u .a., 2001, S. 14-23.

[62] Schneider benutzt in seinem Artikel „Grundlagen zur geographischen und geologischen Ausgangssituation Südwestafrikas/Namibias“ die in Südafrika verwendeten Begriffsbezeichnungen Vaalium und Mokolium; vgl. dazu Schneider, G.I.C./Schneider, M.B., 1989, S. 41.

[63] Namibia Tourism Board. “Namibia – Zauber der Natur”. Frankfurt, 16.01.03. <http://www.namibia-tourism.com/reitipps/geologie.htm> (27.01.03).

[64] Vgl. Hüser u.a., 2001, S. 18.

[65] Vgl. Schetar/Köthe, 2002, S. 101-102.

[66] Vgl. Leser, 1982, S. 116-118; Schneider, G.I.C./Schneider, M.B., 1989, S.46-49; Hüser, 2001, S. 185-193.

[67] Vgl. Schneider, G.I.C./Schneider, M.B., 1989, S. 46-49.

[68] Leser, 1982, S. 116.

[69] Vgl. Leser, 1982, S.116-119.

[70] Vgl. Hüser, 2001, S. 191-193.

[71] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 54-61; Schetar/Köthe, 2002, S. 96-97.

[72] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 59.

[73] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 58.

[74] Martin, 2002, S. 306-307.

[75] Vgl. Klimm u. a., 1994, S. 27; Iwanowski S. 61-65; Leser S. 92-95.

[76] Der Name „Otjikoto“ bedeutet in der Sprache der Herero „tiefes Wasser“, da man dort wegen der Tiefe die Tiere nicht tränken konnte. Die genaue Tiefe dieses Sees ist nicht bekannt. Taucher sind bis zu einer Tiefe von 75 m in dem See getaucht, von wo aus ein schätzungsweise 145 m tiefer Schacht zu sehen ist. Bis vor einiger Zeit wurde der See als Wasserversorgung von Tsumeb genutzt. Der Guinas-See ist wahrscheinlich 100 m tief. Vgl. hierzu Dahle/Leyerer 2001, S. 383-384.

[77] Vgl. Dahle/Leyerer 2001, S. 387.

[78] Vgl. Borowski, 2000, S. 17-19. Schneider, G.I.C./Schneider, M.B., 1989, S. 53-55.

[79] Diese Pflanze ist nach einem ihrer Entdecker, dem Botaniker Friedrich Welwitsch, benannt, der diese Pflanze 1860 in Südangola entdeckte. Der Brite Thomas Baines entdeckte sie ungefähr zur gleichen Zeit in Namibia im Swakoprivier. Vgl. dazu Borowski, 2000, S. 18.

[80] Vgl. Dahle/Leyerer 2001, S. 25; 36.

[81] Hüser, 2001, S. 221.

[82] Vgl. Dahle/Leyerer 2001, S. 25.

[83] Vgl. Borowski, Barbara, 2000, S. 19-20; Pack, 2002, S. 106.

[84] Hagen, 2002, S. 32.

[85] Frandsen, o.J., S. 7-8.

[86] Vgl. Schetar/Köthe, 2002, S. 110-112.

[87] Vgl. Dahle/Leyerer 2001, S. 94-95.

[88] Vgl. Pack, 2002, S. 130-143; 145-146; Petersen, 1999, S. 35-39.

[89] Vgl. Dahle/Leyerer, 2001, S. 219-220; 224.

[90] Vgl. Dahle/Leyerer, 2001, S. 219.

[91] Vgl. Dahle/Leyerer, 2001, S. 106.

[92] Vgl. Dierks, Klaus. 2003. “Chronologie der namibischen Geschichte. Von der vorgeschichtlichen Zeit zur Unabhängigkeit und danach”. <http://www.klausdierks.com/Geschichte/1.htm> (05.03.03).

[93] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 16.

[94] Vgl. Dierks, Klaus. 2003. “Chronologie der namibischen Geschichte. Von der vorgeschichtlichen Zeit zur Unabhängigkeit und danach”. <http://www.klausdierks.com/Geschichte/2.htm> (05.03.03).

[95] Die „East Indien Company“ war 1602 von den Holländern gegründet worden, um im pazifischen und indischen Ozean Handel zu betreiben.

[96] Vgl. Pack, 2002, S. 131; siehe dazu auch Nachtwei, 1976, S. 33-34, trotz der ideologischen Voreingenommenheit. Das Verhältnis von Mission und Kolonialismus wird besonders ausführlich aufgezeigt bei Vries, 1980, S. 79-123.

[97] Diese Angabe widerlegte der Historiker und Ingenieur Dierks durch die Entdeckung der Ruine eines Festungsbaus der Namas bei den Karasbergene. Nähere Angaben zu dieser Stadtfestung werden in Kapitel 3.2.7. „Siedlungsstruktur“ gemacht.

[98] Iwanowski, 2002, S. 17.

[99] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Übersicht halber die Bezeichnung „Walvis Bay“ anstelle von „Walfish-Bay“ oder „Walfisch-Bucht“ favorisiert.

[100] Lange Zeit wurde der 18. Oktober 1890, an dem der Grundstein der „Alten Feste“ gelegt wurde, als Gründungsdatum Windhoeks angesehen. Kritker der Kolonialzeit verweisen aber auf verschiedene Namensgebungen der heißen Quellen an der Stelle des heutigen Windhoek, die auf eine frühere Besiedlung dieses Ortes schließen lassen: Die Herero nannten den Ort „Otjomuise“, übersetzt „Dampfplatz“; Missionare der Wesleyan Mission nannten die Stelle „Stadt der Eintracht“; Missionare der Rheinischen Mission nannten den Ort “Elberfeld“ oder „Zankbrunnen“. Die Jonker Afrikaner, die ab 1840 hier siedelten, gaben dem Ort den Namen „Winterhoek“ oder „Went Hoek“. Vgl. dazu Dahle/Leyerer, 2001, S. 285-286.

[101] Iwanowski, 2002, S. 19.

[102] Major Leutwein und Generalleutnant von Trotha waren die „Vertreter der zwei politischen Linien innerhalb der Kolonialmacht: Unterwerfung der Afrikaner durch ‘Teilen und Herrschen’ (Leutwein) und Unterwerfung durch ‘Ströme von Blut und Geld’ (Trotha).“ Nachtwei, 1976, S. 37.

[103] Nuhn, 2000, S. 277.

[104] Es wird berichtet, daß die Deutschen aus Angst vor den Südafrikanern auf ihrer Flucht ihr Gold, ihre Dokumente und Diamanten im Otjikoto See versenkt hätten. Vgl. dazu Pack, 2002, S. 344.

[105] Iwanowski, 2002, S. 286.

[106] Von dieser Zeit handelt das Buch des Geologen Henno Martin „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“, der mit seinem Freund, dem Geologen Herrmann Korn, aus Angst vor der Internierung in die Namibwüste in der Nähe des Kuisebriviers flüchtete und dort mehr als zwei Jahre überlebte.

[107] Vgl. Iwanowski, 2002, S. 25.

[108] Die South West African People`s Organization, mit Sam Nujoma als Präsident, wird Nachfolgeorganisation der Ovamboland People`s Organization (OPO).

[109] An dieser Stelle soll auf das Buch „Namibische Passion“ von dem Pastor der Rheinischen Mission Wuppertal, Siegfried Groth, hingewiesen werden, in dem verschiedene Lebensberichte der SWAPO-Dissidenten während der Unabhängigkeitsbewegung beschrieben werden. Siegrfried Groth, der zeitweise als Seelsorger bei den namibischen Exilanten lebte, zeigt in seinem Buch eindrücklich die Greueltaten der Südafrikaner auf. Es werden jedoch auch die Grausamkeiten und Foltermethoden der SWAPO an ihren eigenen Mitgliedern, die von der SWAPO heute geleugnet oder zumindest verschwiegen werden, nicht ausgelassen und mit Aussagen von Betroffenen unterstützt.

[110] Die DTA, benannt nach dem Tagungsort der konstitutionellen Versammlung in einer Turnhalle in Windhoek, die im Jahr 1975 tagte, ist ein Zusammenschluß verschiedener politischer Gruppierungen, die sich gegen die starke Bevormundung Südafrikas wandten.

[111] Dabei ist zu beachten, daß überall in Namibia mit dem südafrikanischen Rand bezahlt werden kann, umgekehrt in Südafrika der namibische Dollar aber nicht als Zahlungsmittel angenommen wird. Vgl. dazu Köthe/Schetar, 2001, S. 228.

[112] Bei Gesprächen mit mehreren namibischen Jugendlichen während einer Reise durch Namibia im Dezember/Januar 2002/2003, stellte sich heraus, daß viele Jugendliche in Südafrika ein Studium oder eine Ausbildung in der Tourismusbranche machen wollen, um dann später in Angola ihren Beruf auszuüben, da sie meinen, daß dieses Land bald einen Wirtschaftsaufschwung erleben würde und auch für den Tourismus interessant wird.

[113] Vgl. Artikel 1 (1) aus dem Kapitel 1 der Verfassung der Republik Namibia, entnommen aus ICL. Februar 1990. „Namibia Constitution“.

<http://www.oefre.unibe.ch/law/icl/wa00000_.html#A001_ > (11.03.03).

[114] Vgl. Borowski, 2000, S. 28-31.

Details

Seiten
250
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638013123
ISBN (Buch)
9783638916677
Dateigröße
4.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87147
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Tourismus Namibia

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Titel: Tourismus in Namibia