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Fragmente der Wandmalerei in der Karolingerzeit

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die verschiedenen Dekorationstypen

3. Erläuterung der Dekorationstypen
3.1. Ornamentale Dekorationssysteme
3.2. Schlichte Dekorationssysteme und bilderlose Raumfassungen
3.3. Mehrzonige Bilderwände
3.4. Dekorationssystem in Westfranken
3.5. Dekorationssysteme in Italien
3.6. Entwicklung in spätkarolingischer Zeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Das karolingische Reich existierte seit der Mitte des 8. Jahrhunderts bis ins späte 10. Jahrhundert hinein. Es umfasste das Frankenreich und das Landobardenreich in Oberitalien. In dieser Zeit wurden viele Gebäude errichtet, wobei der Bau aus Stein jedoch überwiegend nur Sakralbauten und Adelssitzen vorbehalten war. Heutige Funde, die sich größtenteils im Alpenraum und in Oberitalien befinden, belegen, dass die Sakralbauten ursprünglich mit großflächigen Gemälden ausgestaltet waren. Betrachtet man die Gesamtheit der erhaltenen Gemälde, zeigt sich, dass die Wandmalerei der Karolingerzeit eine Vielzahl von unterschiedlichen Gestaltungsarten aufweist. Jedoch ist nur noch ein Bruchteil der Ausmalungen erhalten, da viele Malereien in späteren Epochen übermalt oder unsachgemäß freigelegt wurden, wodurch ein großer Anteil verloren ging bzw. schlecht erhalten wurde. Somit kann das gesamte Ausmaß dieser Kunst nur noch erahnt werden.[1]

Im Folgenden sollen die verschiedenen Dekorationstypen vorgestellt werden, wobei zu beachten ist, dass sich die vorgenommene Einteilung nur auf die vorhandenen Funde stützen und daher nicht als repräsentativ für die gesamte karolingische Wandmalerei gelten kann. Stellvertretend für diese Typen sollen anhand von Beispielfunden die Spezifika des jeweiligen Dekors erläutert werden. Um einen differenzierten Überblick über die Arten der Ausmalungen zu geben, wird neben der Einteilung in Gruppen auch eine chronologische Gliederung vorgenommen. Diese spiegelt die Zeiträume wider, in die die vorhandenen Funde datiert werden können. Es ist jedoch zu beachten, dass dies nicht explizit einschließt, dass der angegebene Dekorationstypus nur in dieser Zeitspanne verwendet wurde. Dennoch wird in der Forschung heute eine Entwicklung hin zur figürlichen Dekoration angenommen.[2]

Die folgenden Ausführungen stützen sich hauptsächlich auf die Schriften von Matthias Exner, der wichtige Untersuchungen zu diesem Themenfeld durchgeführt und veröffentlicht hat.

2. Die verschiedenen Dekorationstypen

Die ältesten Funde karolingischer Wandmalerei können bereits ins 8. Jahrhundert datiert werden. Sie zeichnen sich durch imitierte Steinverkleidungen wie Marmorierungen und Felderungen aus. Ein anderer Typus der Dekoration besteht aus Ausmalungen mit vegetabilen Ornamenten Perlenbändern, Marmorierungen und Mäanderfries. Im Dom zu Paderborn zeigt sich, dass sich dieser Dekor aus einer schlichten Ausstattung entwickelte, die sich aus einer vorwiegend weißgrundigen Fassung mit rotem und schwarzem Liniendekor und Inschriftstreifen zusammensetzt.[3] Es wird jedoch nicht klar, ob dies für den gesamten Dekorationstyp zutrifft, oder ob die Entwicklung in Paderborn nur eine Ausnahme darstellt. Der dritte und wohl markanteste Dekor aber ist die figürliche Dekoration.[4]

Bei diesem Überblick muss beachtet werden, dass es sich nur um eine recht grobe, verallgemeinerte Einteilung handelt, die nur der Übersicht dient und die nicht auf alle Funde uneingeschränkt angewandt werden kann.

3. Erläuterung der Dekorationstypen

Um die genannten Dekorationstypen näher zu beleuchten, werden ihre Charakteristika im folgenden anhand von Beispielfunden erläutert.

3.1. Ornamentale Dekorationssysteme

Ein Beispiel für unfigürliche Ausmalung ist in der Ringkrypta von St. Emmeram in Regensburg zu finden. Die Entstehung dieser Malereien kann auf ca. 800 n. Chr. datiert werden.[5] Die Ausschmückung ist hier ein ausschließlich ornamentaler Dekor (unter anderem Flechtband- und Rankenfriese), der mit Inschriften ergänzt wurde. Rot, weiß und grau ablinierte Friese begleiten sowohl Wölbungsansatz als auch Fensterlaibungen. Die sich dabei findenden Motive sind Flechtornamente am Gurtbogen und im Ringgang selber, sowie gerahmte Schriftbänder am äußeren Wölbungsansatz und Rankendekor im Vorjoch.[6] Die genannte Flechtornamentik wird zudem teilweise von einer mit tierähnlichen Figuren ergänzten Rankenmalerei abgelöst.[7] Betrachtet man die Gesamtheit der in St Emmeram auftretenden Flechtornamentik, so kann eine Einteilung in drei Motivgruppen vorgenommen werden. Zum einen zeigen sich Ornamente, die einer Kette aus fünf verflochtenen formverschiedenen zentrierten Bändern gleicht. Um die Bänder untereinander zu differenzieren, sind diese durch eine farbige Mittellinie voneinander abgegrenzt oder in unterschiedlichen Farbtönen gestaltet. Die dabei verwendete Zweifarbigkeit kontrastiert die Bänder, indem ein roter oder gelber Farbton jeweils einem weißen gegenübergestellt wird. Dieses Flechtornamentmotiv findet sich an der Gurtbogenlaibung am Übergang vom Ringgang zum südlichen Vorjoch. Das zweite Motiv, das am Wölbungsansatz im Inneren des Ringganges in St. Emmeram zu finden ist, ähnelt dem vorangegangenen weitestgehend. Zu unterscheiden ist jedoch, dass es sich bei dieser kettenartigen Dekoration nicht um formverschiedene Bänder handelt, sondern dass diese sich in ihrer Form nicht unterscheiden. Die Kette besteht aus Gliedern, deren Enden auf der einen Seite eine brezelartige und auf der anderen Seite eine schlaufengleiche Form aufweisen, mit denen die Glieder abwechselnd ineinander verwoben sind. Das dritte unter den Motiven, das am südlichen Ende der äußeren Ringmauer nachgewiesen werden konnte, grenzt sich deutlich von den vorhergehenden ab. Bei diesem handelt es sich nicht um Ketten, sondern um zwei miteinander verflochtene Taue. Wo diese Taue aufeinandertreffen und sich kreuzen befinden sich zudem zentrierte Bänder, die in Kreisen positioniert sind.[8]

[...]


[1] EXNER, Matthias: Die Wandmalerei im Reich der Karolinger, in: Kunsthistorische Arbeitsblätter. Zeitschrift für Studium und Hochschulkontakt, Nr. 4, 2002, S. 5.

[2] EXNER, Matthias: Die Wandmalerei im Reich der Karolinger, S. 5.

[3] EXNER, Matthias: Die Wandmalerei im Reich der Karolinger, S. 6.

[4] vgl. vor allem EXNER, Matthias: Die Wandmalerei im Reich der Karolinger, S. 8 ff. .

[5] EXNER, Matthias: Denkmäler frühmittelalterlicher Wandmalerei in Bayern. Bestand, Ergebnisse, Aufgaben., in: EXNER, Matthias (Hrsg.): Wandmalerei des frühen Mittelalters. Bestand, Maltechnik, Konservierung, München 1998, S. 104 f. .

[6] EXNER, Matthias: Denkmäler frühmittelalterlicher Wandmalerei in Bayern. Bestand, Ergebnisse, Aufgaben., S. 104 und PREISSLER, Matthias: Fragmente einer verlorenen Kunst. Die Paderborner Wandmalerei, in: STIEGEMANN, Christoph, WEMHOFF, Matthias (Hrsg.): 799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn, Mainz am Rhein 1999, S. 198.

[7] EXNER, Matthias: Denkmäler frühmittelalterlicher Wandmalerei in Bayern. Bestand, Ergebnisse, Aufgaben., S. 105.

[8] EXNER, Matthias: Denkmäler frühmittelalterlicher Wandmalerei in Bayern. Bestand, Ergebnisse, Aufgaben., S. 105.

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638032766
ISBN (Buch)
9783638929493
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87193
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Kunstgeschichtliches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Fragmente Wandmalerei Karolingerzeit

Autor

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Titel: Fragmente der Wandmalerei in der Karolingerzeit