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Aufbruch der Musikwelt ins Netz

Ein Paradigmenwechsel?

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINE NEUE ENTWICKLUNG IN DER MUSIKWIRTSCHAFT

2. GESCHICHTE DER MUSIK IM NETZ
2.1. Gründung der Tauschbörse Napster
2.2. Der Erfolg von Napster
2.3. Die Probleme mit Napster
2.4. Weiterentwicklungen der P2P-Technologie
2.5. Bertelsmann kooperiert mit Napster
2.6. Napster´s Untergang

3. REAKTION DER MUSIKINDUSTRIE
3.1. Abo-Dienste
3.2. Kopierschutzmechanismen
3.3. Juristischer Umgang mit Tauschbörsennutzern
3.4. Hackermethoden gegen MP3-Fans

4. STRUKTUREN DER DIGITALEN MUSIKWELT
4.1. Pho - Das Nudelsuppennetzwerk
4.2. Indie-Labels als die innovativen Vertreter der Musikbranche
4.3. Spendenportale
4.4. Online-Vertrieb
4.5. Netlabels

5. EINE NEUE MUSIKKULTUR VERÄNDERT DIE BRANCHE

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINE NEUE ENTWICKLUNG IN DER MUSIKWIRTSCHAFT

Der kleine Plattenladen um die Ecke war Teil der Achtziger-Popkultur, die Welt der Medienkaufhäuser Teil der Neunziger. Und im neuen Jahrtausend wird mehr Musik über das Netz verbreitet als über jeden anderen Vertriebskanal.

MP3´s und Tauschbörsen wie Napster sorgen für starke Verkaufseinbrüche, die die Plattenfirmen und nicht zuletzt der Einzelhandel massiv zu spüren bekommen und zu einem Reagieren auffordern. [1]

Durch den Aufbruch der Musikwelt ins Netz findet spürbar eine Entwicklung in der Musikwirtschaft statt, eine neue Form und vielleicht auch Ideologie entsteht. Dieser Entwicklung soll in nachstehender Hausarbeit unter der Fragestellung „Aufbruch der Musikwelt ins Netz – ein Paradigmenwechsel?“ nachgegangen werden.

Dazu wird die Verfasserin im 2.Kapitel die Geschichte der Musik im Netz anhand der Tauschbörse Napster als ein bekanntes Symbol der Tauschbörsen - Historie nachvollziehen. Wie ist diese neue Form der Musikwelt entstanden? Wo liegen die Anfänge? Und wie hat sich die P2P-Technologie auch nach dem Scheitern Napster´s trotzdem weiterentwickelt?

In Kapitel 3 wird die Reaktion der traditionellen Musikindustrie unter die Lupe genommen: Kann die bisherige Musikindustrie mit ihrem Konzept der zum Verkauf stehenden Silberscheiben unverändert parallel fortbestehen? Findet eine Kooperation oder ein Kampf gegen die neue Musikwelt statt? Welche Reaktionen sind zu beobachten?

Im 4.Kapitel widmet sich die Hausarbeit schließlich den Strukturen der digitalen Musikwelt im Netz. Wie sieht dieses neue Feld der Musikwirtschaft aus? Wie präsentiert es sich im Netz? Wie finanzieren sich die verschiedenen Plattformen, wie die Künstler? Welche Ziele, welche Ideologie steht dahinter? Zu erkennen sein wird an diesem Punkt schließlich, ob ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat.

Die Verfasserin wird diese Arbeit mit einer kurzen Zusammenfassung und einer Schlussbewertung der Fragestellung beenden. Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Entwicklung der neuen Form von Musik im Netz aufzuzeigen und die sich daraus ergebenen Veränderungen für die traditionelle Musikindustrie herauszustellen,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Janko Röttgers ist freier Journalist für das Online-Magazin Telepolis à http://www.telepolis.de; seine eigene Website: http://www.lowpass.de befindet sich z. Zt. im Urlaub. Nähere Informationen zum Autor und Buch unter http://mixburnrip.de)

um dann schließlich die Frage beantworten zu können: Hat durch den Aufbruch der Musikwelt ins Netz ein Paradigmenwechsel stattgefunden?

2. GESCHICHTE DER MUSIK IM NETZ

2.1. Gründung der Tauschbörse Napster

Die Idee von Musicshare - einer Tausch-Software für MP3s - hatte Anfang 1999 Shawn Fanning. Der Informatikstudent, dessen Onkel ein Internet-Schach-Portal betrieb, war Mitglied der Hacker-Crew w00w00 [2], einem Zusammenschluss technikbegeisterter Hacker und trug dort den selbst gewählten Namen „Napster“.

Zwar existierten bereits digitale Musikangebote im Netz wie Scour.com und Lycos, doch die meisten MP3s lagen auf obskuren privaten Websites, die ihre Pforten nach wenigen Tagen wieder schlossen. So griff Shawn Fanning den seit den 70er Jahren bekannten Gedanken von „Peer to Peer“ [3] auf, gründete im Mai 1999 die Firma „Napster Inc.“ (30% der Firma gehörten Shawn, 70% seinem Onkel) und veröffentlichte eine Vorab-Version der Anwendungssoftware im Netz. Der überwältigende Download-Erfolg führte September 1999 zur Veröffentlichung von Version 2.0. Innerhalb weniger Wochen wurde Napster zu einem der am raschesten wachsenden Netzangebote aller Zeiten. [4] Im Oktober zog die Firma nach Kalifornien, der Heimat der Internetwirtschaft. [5]

2.2. Der Erfolg von Napster

Mit Napster ging für seine Nutzer ein Traum in Erfüllung: Die Zahl der MP3s wuchs schnell ins Unüberschaubare. Bei Napster gab es fast alles und das völlig umsonst. Neben einem Programm zum Herunterladen von Musik bot die Tauschbörse einige Chaträume, in denen Musikbegeisterte rund um die Welt sich austauschen konnten. Des

Weiteren war es möglich in den Verzeichnissen anderer Nutzer herum zu stöbern und so nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Napster-Nutzer fühlten sich als Teil einer Gemeinschaft. Es war einfach spannend, auf die Festplatte eines Wildfremden Zugriff zuhaben. Doch mit der Fangemeinde wuchs auch die der Kritiker. [6]

2.3. Die Probleme mit Napster

Im November 1999 wandte sich die RIAA [7] mit der Forderung an Napster, den Tausch urheberrechtlich geschützter Werke sofort zu unterbinden, einen Monat später folgte eine Klage wegen Copyrights-Vergehens: 100.000$ Schadenersatz für jeden getauschten Song über Napster. Eine Reihe von Musikern, darunter Metallica, stellten sich hinter die RIAA. [8]

Napsters Grundproblem lag in der Architektur der Tauschbörse: Ein semizentrales P2P-Modell, in dessen Mittelpunkt die Serverfarm der Firma stand. Die Verbindung zu solch einem Server mit einem zentralen Index aller angebotenen MP3s beim Starten von Napster ermöglichte eine schnelle und unkomplizierte Suche. Doch hier lag auch der wunde Punkt des Systems: Ohne die Server kein Napster.

Ende Juli 2000 konnte Napster sich kurz vor der Zwangsschließung letztlich vor einem Berufungsgericht behaupten. In diesem Monat verzeichnete Napster fünf Mal so viele Zugriffe als im Vormonat und schaffte es in die Top50 der meistbesuchten Webangebote. Doch die Diskussion um die Tauschbörse wurde immer hitziger. [9] Es hatte den Anschein, dass die Tauschbörse Napster die Musikindustrie verändern wird.

2.4. Weiterentwicklungen der P2P-Technologie

Als sich die Konflikte um Napster zuspitzten, entwickelte der Tauschbörsen-Fan Justin Frankel das Programm Gnutella, dessen erste Beta-Version im März 2000 im Netz zu finden war. Gnutella umging die Server-Problematik von Napster, indem es komplett auf zentrale Instanzen verzichtete. Keine Server, keine Firma. Das war das erste absolut dezentrale Tausch-Netzwerk. Auch wenn das Programm wenig später wieder entfernt werden musste – es war längst nicht mehr zu stoppen. Innerhalb kürzester Zeit tauchte es auf zahlreichen anderen Websites auf. Die Nutzerzahl wuchs und mit ihr die Attraktivität des Programms als Alternative zu Napster.[10]

Im Juli 2002 kündigten die Internet-Unternehmer Niklas Zennstrom und Janus Friis ihr neues Tausch-Netzwerk Kazaa an: Rechner mit sehr guter Netzanbindung (z.B. in Universitäten) übernahmen die Rolle eines temporären Servers, Supernodes genannt. Der Nutzer baute eine Verbindung zu solch einem Server auf, der wiederum

[...]


[1] Janko Röttgers, Mix, Burn & R.I.P. Das Ende der Musikindustrie. Heise Zeitschriften Verlag GmbH & Co KG, Hannover. 1. Auflage 2003, S.5-6 [Im Folgenden zitiert als J. Röttgers: Mix, Burn & R.I.P.].

[2] à http://www.w00w00.org

[3] „Peer to Peer“ (P2P): Gleiches mit Gleichem vernetzen ohne übergeordnete Server. Shawn Fanning´s Idee dabei war, dass alle Nutzer direkt auf die Festplatten anderer Musikfans zugreifen können.

[4] J.Röttgers: Mix, Burn, R.I.P., S.13,14 u. 15,16.

[5] à http://www.napster.com

[6] J.Röttgers: Mix, Burn & R.I.P., S.16-18.

[7] RIAA: Recording Industry Association of America. Branchenverband der großen Plattenfirmen.

à http://www.riaa.com/default.asp

[8] Rich Menta: „RIAA sues Music Startup Napster for 20 Billion“. MP3sNewswire.net. 12/09/1999. à http://www.mp3snewswire.net/stories/napster.html

[9] J. Röttgers: Mix, Burn & R.I.P., S.18,23,24.

[10] à http://www.gnutella.com

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638059381
ISBN (Buch)
9783640127603
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87204
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Aufbruch Musikwelt Netz Proseminar Online-Dienste

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Titel: Aufbruch der Musikwelt ins Netz