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Frauenrollen in der Bibel

Hausarbeit 2000 15 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eva
2.1 Die Rezeptionsgeschichte der Eva
2.2 Die Rolle Adams in der Schöpfungsgeschichte
2.3 Das Frauenbild des Paulus
2.4 Das Frauenbild und die Schöpfungsberichte
2.5 Lilith und Eva

3. Maria
3.1 Die Rezeptionsgeschichte der Maria
3.2 Die Maria der Theologen
3.3 Die Maria des Volkes
3.4 Die geheime Göttin des Christentums
3.5 Die Verehrung der Maria heute
3.6 Maria – Die Sympathisantin

4. Das Frauenbild Jesu
4.1 Jesus – Ein Feminist?
4.2. Jesus und Maria und Martha
4.3 Jesus und Maria Magdalena

5. Resümee

1. Einleitung

In der Landessynode 2000 der Evangelischen Kirche im Rheinland ist zu lesen: „Wie wollen die Bibel nicht mehr gegen die Frau lesen und auslegen.“ Es wird im Folgenden eingeräumt, dass die Diskriminierung der Frau „auch theologische Ursachen habe“. Weiter heißt es in der Landessynode, Frauenrechte seien Bestandteil der Menschenrechte und sie zu schützen, sei eine Aufgabe „grade auch der Kirchen und der einzelnen Christinnen und Christen“.

Vor allem der erste oben zitierte Satz aus der Landessynode 2000 ist von großer Bedeutung für die vorliegende Arbeit: „Wir wollen die Bibel nicht mehr gegen die Frau lesen und auslegen“. Diese Arbeit beabsichtigt, dieser Lesart der Bibel entgegen zu wirken, um zu zeigen, dass auch eine feministische Lektüre und ein feministisches Verständnis der Bibel möglich sind. Sie will – zum Teil konkurrierende – biblische Frauenbilder darstellen und Verfälschungen dieser offen legen. Die Arbeit soll zeigen, dass die Bibel nicht nur ein Buch von Männern für Männer darstellt, sondern, dass sie auch für Frauen durchaus biblische Vorbilder parat hält, in denen „frau“ Orientierung findet. Um dies zu erreichen werden u.a. die biblischen Darstellungen der Eva und der Maria und deren Rezeptionsgeschichten angeführt. Im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte werden ebenfalls die Person des Adam, die Legende der Lilith und das Frauenbild des Paulus thematisiert. Anschließend folgt die Darstellung des Frauenverständnisses bei Jesus u.a. in Zusammenhang mit den Frauen Maria Magdalena, sowie Maria und Martha.

2. Eva

2.1 Die Rezeptionsgeschichte der Eva

Die Eva – Rezeption beginnt bereits in der Bibel selbst. So betont Paulus im 1. Brief an Timotheus :

„Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.“ (Tim.2, 13 – 14).

Im 1. Korintherbrief 11, 3 heißt es weiterhin

„Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; ...“

und in 11, 7 – 9 steht zu lesen:

„Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.“

Diese Aussagen beziehen sich nicht nur auf Eva, sondern verallgemeinernd auf alle Frauen. Adam wird hier als „Gottes Bild und Abglanz“ bezeichnet, während Eva als „Abglanz des Mannes“ angesehen wird und als „um des Mannes willen“ erschaffen dargestellt wird. Weiterhin ist sie diejenige, die sich „zur Übertretung“ hat verführen lassen, während Adam „nicht verführt wurde“, d.h. sich nicht hat verführen lassen.

Tertullian war einer der ersten Theologen, der mit den Worten:

„Weib, du bist das Tor des Teufels.“ (Tertullian 1912, S. 176)

in seiner Theologie die Frau religiös und sittlich deutlich minderbewertet. Er bezieht sich mit dieser Äußerung auf die ersten drei Kapitel von Genesis. Auffallend beim Lesen seiner Schriften ist die Tatsache, dass in diesem niemals den Männern die Schuld an der Sünde Adams angelastet wird, die Schuld Evas aber auf alle Frauen übertragen wird.

2.2 Die Rolle Adams in der Schöpfungsgeschichte

Während Eva in der Schöpfungsgeschichte die aktive Rolle übernimmt, wird Adam als passiv dargestellt. Er ist lediglich Empfänger:

„und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.“ (Gen 3, 6).

Adam folgt Eva, ohne zu fragen oder etwas zu sagen. In vielen Interpretationen wird Adam als beklagenswertes Opfer der verführenden Eva verstanden (siehe u.a. 1.Tim.2, 14). Ist er Opfer, so ist er schwach, schwächer zumindest als seine Frau. Das „Bild“ und der „Abglanz Gottes“ (Kor.11, 7) ist nicht in der Lage, sich gegen Eva zu behaupten und wird dennoch im Folgenden zum Herrn über die Frau ernannt (Kor.11, 9 s.o.). Gleichzeitig wird die Frau als Alleinschuldige für die nun folgende Unterdrückung dargestellt, denn sie hat, so wird es interpretiert, durch ihre Tat die Strafe heraufbeschworen:

1.Tim. 2, 14: „Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen“.

Paulus sieht, im Gegensatz zu anderen Interpreten, auch eine Schuld Adams. Unter diesem Thema verhandelt er die Sünde aller Menschen. Adam wird hier zum Prototyp der sündigen Menschheit. So heißt es in Röm. 5,12:

„Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“

Und in Vers 14 steht weiterhin zu lesen:

„Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte.“

An dieser Stelle ist eindeutig ausschließlich die Rede von „einem Menschen“ und von „Adam“, Eva wird nicht erwähnt.

In Röm.7 ab Vers 7 spricht Adam selbst von seiner Verführung:

„Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und betrog mich und tötete mich durch das Gebot.“ (Röm.7, 11).

Mit diesen Worten wird Genesis 3,13 (die Verführung Evas durch die Schlange) auch auf Adam bezogen.

Paulus geht in Röm.7 noch weiter: er schreibt Adam auch das Versagen Evas zu, denn Adams Schuld ist die Übertretung des Gebotes Gottes:

„Du sollst nicht begehren.“ (2.Mose 20,17)

„Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art; ...“ (Röm.7, 8).

Dieses Vergehen Adams ist der Beginn der Schuld aller Menschen, die alle wie Adam das Gebot Gottes übertreten. In diesem Zusammenhang wird die Sünde als eine, außerhalb der Menschen operierende, personifizierte Macht dargestellt. Die Sünde ist es, die Adam verführt, von Eva ist hier keine Rede. Auch die Sünde selbst – wie Paulus sie darstellt – weist keinerlei weibliche Züge auf, trotz der Tatsache, dass das grammatische Geschlecht des griechischen Wortes „amartia“ ein weibliches ist. Sie wird dargestellt als die Herrschende, dem Kaiser in Rom ähnlich, die selben Herrschaftsbeziehungen aufweisend

wie die damalige patriachalische Gesellschaft. So ist z.B. in Röm. 6, 12 – 23 die Rede von der Knechtschaft des Menschen unter der Hamartia, der Sünde. Hier finden sich Worte, die gleichzusetzen sind mit damaligen Gesellschaftsverhältnissen: Die Menschen sind „Knechte“ der Sünde gewesen (Vers 17). Es ist wird „der Sünde Sold“ erwähnt, weiterhin die „Waffen der Ungerechtigkeit“ usw.

Andere Textstellen führen die Sünde als Weltbeherrscher (Röm. 5, 12 – 21) und als Dämon (Röm. 7, 14 – 25) an.

Der Mensch und als dessen Vorreiter Adam wird bei Paulus als ohnmächtig der Macht der Hamartia gegenüber dargestellt: Der Mensch wird zur Sünde verführt. Er kann sich dieser nicht erwehren und bricht das Gebot Gottes. In dem Zusammenhang der Sündentheorie spart Paulus die spezifische Herrschaftsunterworfenheit der Frau aus, hier geht es ausschließlich um die Ohnmachterfahrungen des Menschen der Sünde gegenüber, wobei alle Menschen, somit auch die Frauen, eingeschlossen werden. Interessant ist – um es nochmals zu betonen – dass Paulus in seiner Theorie der Sünde Eva aus der Schuld der Erbsünde herausnimmt und diese (die Erbsünde), wie oben angeführt, auf Adam als den „Menschen“ fokussiert. Es werden hier keine geschlechtspezifischen Schuldzuweisungen getätigt. Äußerungen zur untergeordneten Rolle der Frau, die Paulus für gottgewollt hält, finden sich jedoch – wie oben bereits angeführt – an anderer Stelle (s. 1.Kor. 11, 2 – 16).

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Details

Seiten
15
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638022781
ISBN (Buch)
9783656451037
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87598
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Frauenrollen Bibel Religionsunterricht Feministische Theologie

Autor

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Titel: Frauenrollen in der Bibel