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Steuerhinterziehung: Empirie und Experimente

Seminararbeit 2007 24 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Verzeichnis der Schemata

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Begriffsabgrenzungen
2.1.1 Steuern
2.1.2 Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit
2.2. Traditionelles ökonomisches Modell
2.3. Forschungsstrategien im Bereich der Steuerhinterziehung
2.3.1 Empirische Forschung
2.3.2 Experimentelle Untersuchungen
2.3.3 Untersuchungen tatsächlicher Steuererklärungen

3. Empirische Untersuchungen zur Steuerhinterziehung
3.1 Ergebnisse direkter empirischer Untersuchungen
3.1.1 Einflussfaktoren der Steuerhinterziehung
3.1.2 Die Kölner Schule der Steuerpsychologie
3.2 Ergebnisse indirekter empirischer Untersuchungen
3.3 Grenzen der empirischen Untersuchungen

4 Experimente zur Steuerhinterziehung
4.1 Grundlagen
4.2 Ablauf eines Experimentes
4.3 Häufigkeit von Steuerprüfungen und Höhe der Steuerstrafe
4.3.1 Experiment von Friedland / Maital / Rutenberg
4.3.2 Experiment von Kirchler / Maciejovsky / Schwarzenberger
4.4 Unternehmensplanspielserie von Webley / Robben / Elffers / Hessing
4.4.1 Allgemeiner Ablauf
4.4.2 Fairness und Gerechtigkeit
4.4.3 Gelegenheit zur Steuerhinterziehung und Risikoneigung
4.5 Untersuchung über die Vergleichbarkeit von experimentellen und empirischen Meßmethoden
4.6 International ausgerichtete Experimente
4.7 Grenzen von Experimenten zur Steuerhinterziehung

5. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das komplexe Steuersystem, wie wir es heute kennen, ist bei weiten nicht so alt, wie man allgemein hin glaubt. Es entwickelte sich erst mit den Anfängen der Industrialisierung ausgehend von England im siebzehnten Jahrhundert. Vor dieser Zeit wurde der Staatshaushalt vor allem mit Zöllen, Abgaben auf Grundbesitz und Schenkungen gedeckt. Die neu eingeführten Steuern mussten am Anfang auch nicht von allen Bürgern gezahlt, sondern nur von der oberen Gesellschaft. Die Abgabe von Steuern war mit einen hohen moralischen Anspruch verbunden und es galt als unehrenhaft, dieser nicht nachzukommen.[1]

Heute muss jeder Bürger Steuern zahlen und dieser Pflicht haftet bei weitem nicht mehr der moralische Anspruch an wie einst. Sie wird eher als individuelles Opfer für das Gemeinwohl angesehen. Mit Steuern werden öffentliche Güter finanziert, die allen zur Nutzung zur Verfügung stehen und ohne Steuern nur unzureichend bereitgestellt würden. In diesen Zusammenhang spricht man von einem sozialen Dilemma zwischen dem individuellen Interesse möglichst wenig Steuern zu zahlen und dem kollektiven Interesse nach einem funktionierenden Gemeinwesen.[2]

Und damit sind wir auch schon bei dem eigentlichen Kern dieser Arbeit. Was veranlasst den Steuerzahler nun eigentlich Steuern zu zahlen? Oder anderes gefragt: Welche Faktoren führen zur Steuerhinterziehung? Als Pionier auf diesem Gebiet und als Begründer der Steuerpsychologie erkannte Schmölders schon in den frühen 50er Jahren, dass sich viele Gesichtpunkte der Steuerpolitik nur mit Hilfe der Psychologie hinreichend erklären lassen. So widmete er sich in einer Vielzahl von empirischen Studien der Beziehung zwischen Steuersystem und Bevölkerung.[3] Ein zweites Standbein der Steuerhinterziehungsforschung entwickelte sich erst später mit den ersten Laborexperiment über Steuerehrlichkeit von Friedland / Maital und Rutenberg im Jahr 1978.[4]

In diesem Sinne gestaltet sich auch der Aufbau dieser Arbeit. Kapitel 3 und 4 versuchen, ausgehend von den ersten Untersuchungen in den Bereich der empirischen und der experimentellen Steuermoralforschung, einen Überblick über den jeweils aktuellen Stand zu vermitteln. Der Hauptteil dieser Ausführungen wird sich mit den Einflussfaktoren der Steuerhinterziehungen beschäftigen. Zusätzlich sollen Untersuchungen über die tatsächliche Höhe der Steuerhinterziehung den Gesamtüberblick vervollständigen. Im folgenden Kapitel werden jedoch zunächst einmal die grundlegenden Zusammenhänge und Begriffe dieser Arbeit dargestellt.

2 Grundlagen

2.1 Begriffsabgrenzungen

2.1.1 Steuern

Unter Steuern versteht der Gesetzgeber: Geldleistungen, die nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit des Einzelnen vom Staat erhoben werden (§ 3 AO). Der Steuerschuldner erwirbt keinen unmittelbaren Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung gegenüber dem Staat. Jedoch profitiert er, wie eingangs erwähnt, von öffentlichen Gütern und einen funktionierenden Gemeinwesen, welche durch diese Steuern finanziert werden.

2.1.2 Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit

Unter Steuerhinterziehung versteht man unrichtige oder unvollständige (oder gänzlich unterlassene) Angaben bei den Finanzbehörden über steuerrelevante Tatbestände. Steuerhinterziehung wird in Deutschland mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafen geahndet (§ 370 Abs. 1 AO), in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu 10 Jahren (§ 370 Abs. 3 AO).

Im Zusammenhang mit der Steuerhinterziehung fällt auch oft der Begriff Schwarzarbeit. Er bezeichnet das bewusste Verschweigen von erbrachten steuerpflichtigen Leistungen. Aufgrund der Ähnlichkeit beider Begriffe, soll ein Beispiel Klarheit in die Beziehung zwischen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung bringen.

Ein Elektriker verlegt in der Wohnung eines Kunden Stromleitungen ohne Rechnung. Durch diese Schwarzarbeit entgeht den Staat unmittelbar die ansonsten obligatorische Umsatzsteuer. Des Weiteren wird der Elektriker voraussichtlich auch den „schwarz“ erhaltenen Lohn nicht in seiner Einkommenssteuererklärung angeben. Nehmen wir nun an, dass der Elektriker auch noch Mieteinnahmen aus einer Wohnung erzielt und diese ebenfalls nicht in der Einkommenssteuererklärung angibt. Im ersten Fall (Leitungen verlegen) spricht man von einer Schwarzarbeit, die zwei Steuerhinterziehungen beinhaltet. Der zweite Fall (Mieteinnahmen) ist nur eine Steuerhinterziehung. Zusammenfassend kann man festhalten, dass Schwarzarbeit immer mit einer Steuerhinterziehung einhergeht. Eine Steuerhinterziehung jedoch keine Schwarzarbeit voraussetzt.[5]

[...]


[1] Vgl. Kirchler / Maciejovsky (2002), S. 2.

[2] Vgl. Kirchler / Maciejovsky (2002), S. 2.

[3] Für Günther Schmölders wurde daher an der Kölner Forschungsstelle für empirische Sozialökonomie eigens ein Lehrstuhl für Finanzpsychologie eingerichtet.

[4] Vgl. Friedland / Maital / Rutenberg (1978), S.107-116.

[5] Vgl. Bizer / Lange (2004), S. 7 ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638066082
ISBN (Buch)
9783638952620
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87694
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
1,0
Schlagworte
Steuerhinterziehung Empirie Experimente VWL

Autor

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Titel: Steuerhinterziehung: Empirie und Experimente