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Sexuelle Gewalt an Kindern - Was tun?

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung
2.1 Sexueller Kindesmissbrauch
2.2 Sexuelle Kindesmisshandlung
2.3 Sexuelle Ausbeutung
2.4 Inzest
2.5 Sexuelle Gewalt

3 Fallbeispiel: Eine mögliche Meldung

4 Handlungsansatz
4.1 Grundvoraussetzungen
4.2 Ruhe bewahren
4.3 Dem Opfer glauben
4.4 Die Bindung des Opfers an den Täter akzeptieren
4.5 Mit dem Opfer ins Gespräch kommen
4.6 Den Verdacht sorgfältig prüfen
4.7 Für das Opfer Partei ergreifen
4.8 Die Mutter stärken
4.9 Das Opfer schützen
4.10 Geschlechtsspezifische Hilfen für Mädchen und Jungen
4.11 Den Täter (die Täterin) in die Verantwortung nehmen
4.12 Weitere allgemeine / praktische Möglichkeiten
4.13 Wichtige Haltungen im Gespräch mit Betroffenen

5 Reflexion – Schluss

6 Literaturverzeichnis

Sexuelle Gewalt an Kindern

Was tun ?

Sommer Sonne Sonnenschein
baden gehen
viele Leute
und doch so allein

Da ist er
blaues Badetuch mit gelber Ente

Ich will nicht
viele Leute sehen uns

Nichts sehen nichts hören nichts sagen

Viele Leute sehen uns

keiner hilft mir
Viele Leute
und doch so allein

(von Sissi, 13.12.95; aus: Nicht mit uns, S.37)

1 Einleitung

In meinem Jahrespraktikum, das ich an der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche absolvierte, wurde ich zum ersten Mal mit dem Thema sexuelle Gewalt an Kindern konfrontiert. Sicherlich war es nicht das erste Mal in meinem Leben, dass mir dieses Thema begegnete, es war aber das erste Mal, dass ich es als ein solches auch bewusst wahrgenommen habe.

Die Beratungsstelle beteiligt sich an dem Projekt der Theatergruppe Trampelmuse, die das Theaterstück „das Geheimnis“ für Kinder der Grundschule aufführt. Dieses Theaterstück soll einen primär-präventiven Beitrag zur sexuellen Gewalt an Jungen und Mädchen leisten.

Meine Aufgabe war es, in einer dritten Klasse die Nachbesprechung mit den Jungen durchzuführen, meine Kollegin übernahm sie bei den Mädchen. Ich bekam einen Leitfaden für die Nachbereitung ausgehändigt, der gerade zu Anfang für mich sehr nützlich war. In dem Leitfaden sind Möglichkeiten der Fragestellungen aufgezählt, er hilft den roten Faden im Gespräch nicht zu verlieren und auf wichtige Themen zu fokussieren. Der Leitfaden ist ein Hilfsmittel für das: „Was man fragen soll“, leider ist er keine Hilfe für das: „Wie man fragt“. Das kann er auch nicht sein, denn dieses „wie“ muss jeder für sich selbst definieren. Das Problem lag für mich darin, dass ich durch die Tabuisierung sexueller Gewalt an Kindern, auch keine adäquate, persönliche Haltung hatte, „wie“ ich damit vor den Kindern umgehen soll. Es ist nicht möglich, bei diesem Thema, das einen selbst sprachlos und unsicher macht, ohne eine professionelle Haltung, ein kompetenter Ansprechpartner zu sein.

Die Nachbereitungen im Praktikum liefen zunehmend besser, da ich mich mit der Zeit angemessen mit dem Thema auseinandersetzen konnte. Der Weg zur persönlichen, professionellen Haltung ist lang und in Bezug auf das Thema auch schwierig. Deswegen möchte ich die vorliegende Hausarbeit dazu nutzen, mich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Trotz vereinzelter präventiver Maßnahmen, wird es immer wieder zu sexuellen Gewalthandlungen Erwachsener an Kindern kommen. Zur Zeit arbeite ich als Honorarkraft an der Erziehungsberatungsstelle und führe Mediations-Seminare für Schulklassen beim Schülerreferat München durch. Wie kann ich mich professionell verhalten, wenn mir sexuelle Gewalt an Kindern z.B. in diesem Kontext begegnet? Dieser Frage möchte ich im Folgenden nachgehen.

2 Begriffsbestimmung

Es gibt eine Vielzahl von Begriffen, welche den Bereich der sexuellen Gewalt an Mädchen und Jungen beschreiben:

2.1 Sexueller Kindesmissbrauch

Der „sexuelle Kindesmissbrauch“ ist der am weitesten verbreitete Sprachbegriff. Er wird aber häufig abgelehnt, da er einen richtigen, erlaubten „Gebrauch“ suggerieren könnte (vgl. Deitmaring/Schatz 1999, S.3).

2.2 Sexuelle Kindesmisshandlung

In diesem Begriff wird die sexuelle Gewalt an Kindern als Teil der innerfamiliären Kindesmisshandlung gesehen. Also als Untergruppe. Beide Taten werden aber in der Regel in einem unterschiedlichen Kontext ausgeübt. Es könnte angenommen werden, dass keine sexuelle Gewalt vorgekommen ist, wenn es zu keiner körperlichen Misshandlung gekommen ist. Auch wird bei dieser Betrachtungsweise die sexuelle Gewalt als innerfamiliäres Problem gesehen (vgl. ebd.).

2.3 Sexuelle Ausbeutung

Hier wird vor allem das Machtgefälle zwischen Täter und Opfer betrachtet. Es werden aber andere Ausbeutungsformen, wie z.B. die emotionale Ausbeutung innerhalb des Geschehens ausgeblendet (vgl. ebd. S.3f).

2.4 Inzest

Dieser Begriff erweckt den Eindruck, dass sexuelle Gewalt nur innerhalb der Familie oder in der Verwandtschaft geschieht. Er stellt auch nicht klar, dass die Verantwortung beim Erwachsenen liegt (vgl. ebd. S.4).

2.5 Sexuelle Gewalt

Der Begriff beschreibt die strukturelle sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder in unserer Gesellschaft. Der sexuelle Machtmissbrauch wird von den Befürwortern des Begriffs, als Spiegelbild des Machtgefälles zwischen Männern und Frauen, Erwachsenen und Kindern gesehen. Der Täter wendet Gewalt an, um seine sexuellen Bedürfnisse und seine Machtbedürfnisse bei einem Kind zu befriedigen. Dies ist meistens ein strategisches Vorgehen (vgl. ebd.).

Christine Hofmeister sieht sexuelle Gewalt nicht dem Bereich der Sexualität zugeordnet, sondern als sexualisierte Gewalt, wie z.B. Lustgewinn aus Unterdrückung, oder Befriedigung durch Dominanz (vgl. Hofmeister 27.04.01).

3 Fallbeispiel: Eine mögliche Meldung

Ich möchte hier ein mögliches Fallbeispiel beschreiben, um daran den von Ursula Enders entworfenen Handlungsansatz praktisch anzuwenden.

Während der Sprechzeit des ASD erscheint die 15jährige Manuela und fragt die Sozialarbeiterin, ob sie einmal mit ihr sprechen dürfe. Der Sozialarbeiterin ist Manuela bekannt, da deren Eltern sich in der Trennungs- und Scheidungsberatung befinden. In diesem Zusammenhang hat sie Manuela und ihrem Bruder Beratung angeboten.

Manuela kommt nach der Schule ins Büro. Nach anfänglichem, stockendem Gespräch, indem Manuela allgemein über die Schule erzählt, schildert sie ihr Problem:

Eine Freundin habe ihr erzählt, dass deren Eltern sich ständig streiten würden. Vermutlich wollen sich diese Eltern auch scheiden lassen. Das fände sie eigentlich gut. Aber komisch fände sie, dass der Vater ihrer Freundin sich so seltsam verhalte. Dieser wolle, dass sich ihre Freundin auszieht, während er zusieht.

Manuela möchte nun wissen, was sie tun soll oder kann.

4 Handlungsansatz

4.1 Grundvoraussetzungen

Es ist erforderlich, sich mit dem Thema „sexuelle Gewalt“ auseinanderzusetzen, bevor man damit konfrontiert wird, um eine entsprechende Einstellung und Möglichkeiten zum Umgang damit zu haben (vgl. Enders 2001, S.186ff).

Unwissenheit, Schockierung oder Verklemmtheit beeinflussen die Hilfsmöglichkeiten der Fachleute auf sehr negative Weise. Die Jungendhilfe muss ihre Sprachlosigkeit gegenüber der Missbrauchsproblematik überwinden und sich an den realen Problemlagen Betroffener orientieren (vgl. Hartwig/Weber 1991, S.33).

Professionelle sollten ihr eigenes Geschlechtsrollenverständnis reflektiert haben. Sie sollten die Möglichkeit haben sich mit ihren eigenen Erfahrungen im Zusammenhang von Sexualität und Gewalt auseinanderzusetzen und daraus Sensibilität für die Signale der Opfer zu entwickeln (vgl. ebd.).

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638156608
ISBN (Buch)
9783656560821
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8772
Institution / Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule der Salesianer Don Boscos Benediktbeuern – Soziale Arbeit
Note
1,0
Schlagworte
sexuelle gewalt kindern

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Titel: Sexuelle Gewalt an Kindern - Was tun?