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Das Bild der ‚Adelsclique’ und des C. Marius in Sallusts ‚Bellum Iugurthinum’

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte und Eröffnung des Krieges - Das Bild der ‚Nobilitätsclique’
2.1 Die Nobilität als Ganze
2.2 Lucius Calpurnius Bestia, Aemilius Scaurus, Gaius Baebius, Spurius Postumius Albinus, Aulus Postumius Albinus

3. Erste Erfolge Roms – Der Krieg unter Quintus Caecilius Metellus und Gaius Marius
3.1 Quintus Caecilius Metellus
3.2 Gaius Marius
3.3 Die Rede des Marius
3.4 Der Sieg über Jugurtha

4. Zusammenfassung

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Denn vor der Zerstörung Karthagos behandelten das Volk und der römische Senat friedlich und maßvoll das Gemeinwesen; es gab unter den Bürgern keinen Wettstreit weder um Ruhm noch um Herrschaft: die Furcht vor dem Feinde hielt die Bürgerschaft in guten Eigenschaften. Als aber jener Schrecken aus den Gemütern gewichen war, brach offenbar das ein, was Glück mit sich zu bringen pflegt: Ausgelassenheit und Hochmut.“ (Sall. Bel. Jug. 41,2)[1]. Gaius Sallustius Crispus, der antike Autor dieser Zeilen, verfasste seine zweite Monographie ‚Bellum Iugurthinum’ um 40 v. Chr., also wenige Jahre nach Cäsars Tod. Sallust hatte sich ins Privatleben zurückgezogen, seine Tätigkeit als Politiker aufgeben und sich der Historiographie gewidmet. Bevor er mit der Schilderung der Ereignisse des ‚Bellum Iugurthinum’ beginnt, begründet er sein Vorhaben: Er will den Krieg Roms mit Numidien beschreiben, „erstens, weil er gewaltig, hart und von wechselndem Sieg war“ (Sall. Bel. Jug. 5,1f), und zweitens, um anhand von beispielhaften Persönlichkeiten die Konflikte in der römischen Gesellschaft zwischen der hochmütigen und korrupten Aristokratie auf der einen und einzelnen Männern als Vertreter des Volkes auf der anderen Seite darzustellen. Dabei ist der persönliche Hintergrund Sallusts nicht gering zu schätzen: Nach dem Einstieg in den ‚cursus honorum’ und dem Volkstribunat 52 v. Chr. wurde er schon bald von der Senatorenliste gestrichen. Auf Geheiß Cäsars konnte er jedoch eine neue Karriere beginnen, die ihn nach Cäsars Afrika-Feldzug bis zum Amt des Statthalters von ‚Africa nova’ führte, woraufhin er sich jedoch nur durch das Eingreifen seines Förderers vor einem Prozess wegen persönlicher Bereicherung im Amt retten konnte und schließlich dessen Ermordung seines Förderers aus der Politik ausschied.[2] Sallust kannte daher nicht nur die Bedingungen eines Wüstenkrieges, er war auch mit den Auseinandersetzungen in der Innenpolitik zwischen Anhängern der popularen und der optimaten Richtung vertraut, besonders als Anhänger und Abhängiger Cäsars. Es liegt nun der Schluss nahe, Sallust wolle als „skrupelloser, wenn auch sehr geschickter Propagandist“[3] die Seite des Gaius Marius, einer der wichtigsten Figuren im Bellum Iugurthinum und Vertreter der popularen Seite, vertreten. Andererseits zeigt sich gerade in der Beschreibung der Taten des Feldherrn Quintus Metellus, eines herausragenden Vertreters der Nobilität, dass sich Sallust als „Mann von höchster idealer Gesinnung [bemüht], Lob und Tadel nach wirklichem Verdienst auszuteilen [, und dabei] faktisch einen hohen Grad der Objektivität des Urteils erreicht“[4].

In dieser Arbeit soll einerseits das von Sallust gezeichnete Bild der Adelsclique anhand einzelner Adliger wie Lucius Calpurnius Bestia, Aemilius Scaurus, Gaius Baebius, Spurius Postumius Albinus, Aulus Postumius Albinus und Quintus Caecilius Metellus, andererseits das Bild von Gaius Marius im Vordergrund stehen. Denn der Streit, der zwischen der Nobilität und der plebs herrschte, war „ein Streit, der Göttliches und Menschliches alles durcheinanderbrachte und bis dahin in seinem Wahnsinn vorstieß, daß den politischen Leidenschaften erst der Krieg und die Verödung Italiens ein Ende setzten“ (Sall. Bel. 5,2).

2. Vorgeschichte und Eröffnung des Krieges - Das Bild der ‚Nobilitätsclique’

2.1 Die Nobilität als Ganze

Bereits im Proömium zum ‚Bellum Iugurthinum’ führt Sallust den Begriff der „Clique“[5] (Sall. Bel. Jug. 3,4) ein. Er meint damit die Vertreter der römischen Nobilität, die sich nicht durch persönliche Leistung und Tugend hervorgetan haben, sondern eher durch Bestechlichkeit und Unfähigkeit in der Kriegsführung. Im Blick auf die Phase vor dem Krieg gegen Jugurtha geht Sallust daher besonders auf einige Bestechungsfälle ein – durch die Häufung der Betonung dieser Bestechungen wohl mit der offensichtlichen Absicht, die Nobilität als Ganze zu diskreditieren. Jugurtha lernte die Bestechlichkeit der römischen Adligen bei der Belagerung Numantias kennen, zu der er von seinem Stiefvater Micipsa als Führer einer numidischen Abordnung geschickt worden war. Die jungen Adligen dort „erhitzten Jugurthas hochstrebenden Sinn durch Versprechungen: wenn der König Micipsa sein Ende fände, werde es so kommen, daß er sich allein der Herrschaft über Numidien bemächtige: in ihm sei große Tüchtigkeit, in Rom sei alles käuflich“ (Sall. Bel. Jug. 8,1)[6]. Nicht einmal die Warnungen des Feldherrn Publius Scipio Aemilanus Africanus, des Eroberers von Karthago, den Einflüsterungen der jungen Adligen keinen Glauben zu schenken, konnten Jugurtha laut Sallust später davon abhalten, das Mittel der Bestechung ausgiebig und erfolgreich anzuwenden, in dem Glauben, er könne damit alle Probleme mit Rom regeln (Vgl. Sall. Bel. Jug. 8,2).

[...]


[1] Sallust, Bellum Iugurthinum, Der Krieg mit Jugurtha, Lateinisch/Deutsch, Übersetzt und Herausgegeben von Karl Büchner, (=Reclams Universal-Bibliothek Nr. 948), Stuttgart 2004.

[2] Vgl. für eine ausführlichere Darstellung der Biographie Sallusts: Volker Werner, Quantum Bello Optimus, Tantum Pace Pessimus, Studien zum Mariusbild in der antiken Geschichtsschreibung, (=Habelts Dissertationsdru>

[3] Kurt von Fritz, Sallust und das Verhalten der römischen Nobilität zur Zeit des Krieges gegen Jugurtha (112-105 v. Chr.), In: Viktor Pöschl (Hg.), Sallust, (=Wege der Forschung Band XCIV), Darmstadt 1970, S. 155.

[4] Von Fritz, Sallust und das Verhalten der römischen Nobilität, S. 155. Von Fritz liefert auch eine ausführlichere Darstellung der Diskussion über die Haltung Sallusts.

[5] Im Original: „potentiae paucorum“.

[6] Die Glaubwürdigkeit dieser Aussage dürfte nicht sehr hoch einzuschätzen sein. Warum sollten junge Angehörige der römischen Nobilität einem Barbaren eine höhere ‚virtus’ bekunde, als sie selbst haben und sich gleichzeitig selbst des Tugendverlustes bezichtigen? Vgl. hierzu: Von Fritz, Sallust und das Verhalten der römischen Nobilität, S. 163f.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638029971
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87756
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1
Schlagworte
Bild Marius Sallusts Iugurthinum’

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