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Die Kuba Krise - Bewertung der Handlungsoptionen

Hausarbeit 1999 27 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Enttarnung der Rakentenbasen

3. Die Einberufung des Ex.Comm

4. Duldung der Raketen

5. Militärische Lösungsversuche
5a. Vorteile
5b. Probleme
5c. Invasion Kubas

6. Politische Lösungsmöglichkeiten
6a. Vorteile
6b. Nachteile
6c. Kontaktaufnahme mit Castro

7. Blockade
7a. Nachteile
7b. Vorteile

8. Schlußbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vom 14. bis 28. Oktober 1962 kam es zu einer bedeutenden Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion, welche als 'Kubakrise' oder 'Raketenkrise' in die Geschichte einging.[1]

Die Enttarnung der Raketenbasen durch die USA leitete eine 13 Tage andauernde Diskussion des präsidialen Krisenstabes (Executiv Committee of National Security Council) ein, an dessen Ende die Lösung der Krise stand. Auch heute, nach mehr als drei Jahrzehnten und Ende des Kalten Krieges ist die Kuba-Krise ein positives Beispiel der Krisenbewältigung. Deshalb ist eine Analyse auch heute noch unerlässlich.

Die Klärung folgender Fragen ist Ziel dieser Ausarbeitung:

Warum entschied sich Kennedy für die Einberufung des ExComm.?

Welche Handlungsmöglichkeiten hatte die Regierung Kennedys während der Krise?

Was waren die Vor- bzw. Nachteile der verschiedenen Optionen?

Warum entschied sich Kennedy für die Blockade Kubas?

Insbesondere die Analyse Graham Allisons und die Darstellung Bernd Greiners geben Aufschluss über die in der Ausarbeitung thematisierte Fragestellungen. Des weiteren können Christian Hackes, Elie Abels, und Thomas Patersons Untersuchungen als wichtige Darstellungen herangezogen werden.

Als einzigartige historische Quelle können die Tonbandaufzeichnungen bezeichnet werden, die die Debatten während der Sitzungen des ExComm. wiedergeben. Des weiteren werden schriftliche Quellen, wie beispielsweise Sitzungsprotokolle, Beschlussvorlagen, Reden und öffentliche Stellungnahmen sowie der Briefverkehr zwischen dem amerikanischen Präsidenten Kennedy und dem sowjetischen Staatschef Chruschtschow in die Analyse einbezogen.

2. Die Enttarnung der Rakentenbasen

Am 22. August 1962 berichtete der CIA-Chef John McCone, dass seit Ende Juli beobachtet werde, dass die Sowjetunion massiv Material und Personal nach Kuba schaffe. Er vermutete bereits zu diesem Zeitpunkt, dass die Sowjetunion auch Mittelstreckenraketen nach Kuba transportiere.[2] Zudem behauptete der republikanische Senator Kenneth B. Keating am 10. Oktober vor dem Senat, dass auf Kuba die Bauarbeiten "an mindestens einem halben Dutzend Startrampen für taktische Raketen" begonnen hätten.[3]

Trotz Berücksichtigung dieser ersten Warnungen hatte die politische und militärische Führung der USA jedoch bis zu den ersten Oktoberwochen keinen zwingenden Verdacht bezüglich des Transports von Raketen nach Kuba.[4] Die These, wonach es sich bei der Kubakrise um eine "wohl vorbereitete Krise" oder sogar "gewollte Krise" handele, erscheint daher fragwürdig.[5]

Der Einsatz von Spionageflugzeugen über Kuba war über mehrere Wochen hinweg aufgrund dichter Wolkendecken unmöglich. Niedrig fliegende Maschinen hätten, anders als die U2-Aufklärer, die Kubaner frühzeitig gewarnt und dadurch eine spätere Reaktion erschwert oder gar gefährdet.[6] Erst am 14. Oktober enttarnte ein Überwachungsflug eines U2-Spionageflugzeugs mit letzter Sicherheit den Aufbau von Startrampen auf Kuba. Am Abend des 15. Oktober waren diese Informationen ausgewertet und dem Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsausschusses McGeorg Bundy gemeldet worden. Er übermittelte diese Informationen am Morgen des 16. Oktober Präsident Kennedy.[7]

Besonderen Aufschluss gibt zudem eine öffentliche Bekanntgabe McBundys am Tage des Einsatzes des U2 Flugzeugs am 14. Oktober. Hierin macht er deutlich, dass er nicht glaube, dass "die kubanische und die sowjetische Regierung zusammen den Plan verfolgen, große Offensivkapazitäten zu installieren".[8]

Die These, dass Chruschtschow ein solches Vorhaben nicht wagen würde, erwies sich demnach glaubhafter, als die unbestätigten Warnungen des Geheimdienstes.[9]

3. Die Einberufung des Ex.Comm.

Nachdem Kennedy über die Ergebnisse der Fotoauswertung und somit über die Errichtung sowjetischer Raketenbasen auf Kuba informiert worden war, wurden unverzüglich enge Berater[10] des Präsidenten zu einer Sitzung ins Weiße Haus berufen.[11]

Kennedy ersetzte die Bürokratie des nationalen Sicherheitsrats durch "projektbezogene Arbeitsgruppen" (ExComm.).[12] Kennedy wollte dadurch eine unbürokratische und flexible Entscheidungsfindung, gerade angesichts brisanter außenpolitischer Entscheidungen von grundlegender Bedeutung, erreichen.[13]

Die Gruppe diskutierte in leicht wechselnder Besetzung in den nächsten 13 Tagen in streng geheimen Sitzungen über die Kuba-Krise. Auffällig bezüglich der Zusammensetzung war, dass bei dieser Krise nicht Generale und militärische Berater, sondern Vertreter der Politik[14] ausschlaggebend waren, denen militärisches Denken fremd war.[15]

Das ExComm. sollte die Entscheidungsverantwortung auf mehrere Schultern verteilen.[16] Um innenpolitische Konflikte zu vermeiden, sollten die Entscheidungen des Präsidenten das Ergebnis eines gemeinsamen Konsenses sein.[17]

Wichtiger Aspekt bei der Entscheidungsfindung waren die Kenntnisse zum Ausbruchs des ersten Weltkrieges. Die Welt sollte nicht noch einmal aufgrund von Fehleinschätzungen in einen Weltkrieg geraten. Die "Fehler der Großmächte, die zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges" geführt hatten, erwiesen sich als geschichtliches Beispiel für die negativen Konsequenzen einer Politik, die auf automatisierten Mechanismen basierten.[18]

Des weiteren war man sich der Gefahr bewußt, dass die Entscheidungsträger bei wachsender Krisenanspannung eher emotional als rational handeln.[19] Die Tatsache jedoch, dass es Kennedy gelingen sollte, die Krise während der ersten Tage geheimzuhalten, machte es möglich gefährliche ad-hoc-Entscheidungen zu vermeiden.[20]

Paterson weist jedoch auf die oftmals von Angst, Nervosität und Emotionen beherrschten Diskussionen des ExComm. hin. Die Mitglieder des Ausschusses waren unter enormem Erfolgsdruck und handelten nicht zu jedem Zeitpunkt beherrscht und rational gerade wenn die Situation es erforderte.[21] Diese Einschätzung wird zudem von Robert Kennedy bestätigt, wenngleich seine Beurteilung die positiven Aspekte stärker betont.[22]

Bei einer Beurteilung des ExComm. erscheint es sinnvoll zu analysieren, inwieweit es gelungen ist, sämtliche Möglichkeiten des Handelns zu diskutieren und alle Gefahren zu berücksichtigen, um zu einer, die Krise lösenden Entscheidung zu gelangen.[23]

Insgesamt wurden neben der Möglichkeit, die Raketen zu akzeptieren, drei weitere Handlungsalternativen diskutiert. Neben militärischen Aktionen und politischen Initiativen wurde eine Blockade Kubas erwogen, um die Zerstörung bzw. den Abzug der Raketen zu erreichen.[24]

4. Duldung der Raketen

Da der amerikanische Kontinent bereits durch die Interkontinentalraketen der SU bedroht war, stellte die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba keine elementare Veränderung der militärischen Bedrohung dar. Insbesondere vor dem Hintergrund amerikanischer Raketen außerhalb des eigenen Territoriums in unmittelbarer Nähe der Sowjetunion, muß daher die Möglichkeit einer Akzeptierung der sowjetischen Raketen auf Kuba durch die USA analysiert werden.[25]

Aufschluß über diese Möglichkeit gibt ein Memorandum des Finanzministers Douglas Dillon vom 20.Oktober 1962 über die Möglichkeiten eines Luftangriffs oder einer Blockade. Hier wurde festgehalten, dass die Raketen auf Kuba inakzeptabel seien. Alle zur Diskussion stehenden Varianten hatten zum Ziel, das Problem, "wie die sofortige Beseitigung dieser Waffen aus Kuba am besten zu erreichen", zu lösen sei.[26]

Walt Whitman Rostow forderte in einem Memorandum vom 24. Oktober, dass es für die USA von "vitaler Bedeutung" sei, dass den "Sowjets keinen Erfolg in der Größenordnung" zugestanden werden könne, "wie dies bei einem einsatzbereiten Stützpunkt auf Kuba der Fall wäre".[27]

[...]


[1] Hacke, Zur Weltmacht, S.70.

[2] Greiner, Kuba-Krise, S.24.

[3] Greiner, Kuba-Krise, S.31. Die Bezugsquelle dieser Informationen ist auch heute nicht abschließend geklärt. Garthoff vermutete, dass Keating seine Informationen von dem deutschen Botschafter Graf von Sperti erhalten habe. Garthoff, Reflections, S.14. Ekkert Krippendorff vertritt hingegen die Auffassung, dass Keating die Informationen vom CIA erhalten habe. Krippendorff, S.311.

[4] Kennedy nahm an, dass seine klaren Aussagen zu einer Aufrüstung Kubas mit Atomraketen, Chruschtschow dazu veranlassen würde, von einer Raketenstationierung abzusehen. Garthoff, Raymond L.: Reflections on the Cuban Missle Crisis, Washington 1987, S.18.

[5] Greiner, Kuba-Krise, S.31.

[6] Greiner, Kuba-Krise, S.30.

[7] Hacke, John F. Kennedy und die Kuba Krise, S.47.

[8] zit nach: Hacke, John F. Kennedy und die Kuba Krise, S.47.

[9] Greiner, Kuba-Krise, S.29.

[10] "The President assembled his most trusted advisers."Allison, S.57.

[11] Greiner, Kuba-Krise, S.25. Kennedy stellte eine Ad-hoc-Gruppe hochgestellter politischer und Militärischer Berater zusammen.Kahn, Helmut: Der Kalte Krieg, Band 2, Köln 1987, S.197.

[12] Kennedy entschied sich für einen informellen Weg der Problemlösung. Allison, S.260.

[13] Greiner, Kuba-Krise, S.35. Einrichtungen dieser Art erschienen insbesondere deshalb als unbedingt notwendig, da im Atomzeitalter Entscheidungen gößter Wichtigkeit unter enormem Zeitdruck zu treffen waren. Hierbei ist auf die "magische Zahl" der 15 Minuten einzugehen, die zwischen der Radarortung und dem Aufschlag einer Radarrakete entspricht. Wohlstetter, Krisenmanagement, S.112.

[14] Die Gruppe bestand daher in der Einschätzung Nathans aus "Civilian crisis manager". Nathan, S.271.

[15] Die ExCom-Mitglieder waren neben John F. Kennedy, Robert Kennedy, Robert McNamara, Dean Rusk, John McCone, Douglas Dillon, McGeorge Bundy, Theodore Sorensen, George Ball, Alexis Johnson, Edwin Martin, Llewellyn Thompson, Roswell Gilpatric, Paul Nitze und Maxwell Taylor.Allison, S.57.

[16] Die Gleichberechtigung aller Gruppenmitglieder war daher ein wesentlicher Aspekt des ExCom. der zu einer offenen Diskussion aller Möglichkeiten beitrug.Allison, S.57.

[17] Greiner, Kuba-Krise, S.169.

Die ExComm meetings waren die Basis jeder Entscheidung des Präsidenten. Nathan, S.259.

[18] Abel, 13 Tage vor dem 3. Weltkrieg, S.165.

[19] Wohlstetter, S.114.

[20] "The fact that the crisis did not become public in its first week obviously made it easier for Präsident Kennedy to consider his opinions with a maximum of care and a minimum of outside pressure." The Lessons of the Cuban Missile Crisis, in: TIME, 27. Sept. 1982, S.36-37, S.36.

[21] Paterson, S.149.

[22] "That kind of pressure does strange things to a human being, even to brilliant, self-confident, mature, experienced men" Kennedy, Robert: Thirteen Days: A Memoir of the Cuban Missile Crisis, New York 1971, S.22.

[23] "The President charged this group to make a prompt and intensive survey of the dangers and all possible courses of action." Sorensen, Theodore: Kennedy, London 1965, S.675.

[24] Taylor faßte die Möglichkeiten später folgendermaßen zusammen: "talk them out", "squeeze them out", or "shoot them out". Paterson, S.143.

[25] Allison, S.58.

[26] Memorandum von dem Finanzminister Douglas Dillon über die Alternative Luftangriff oder Blockade, Dokument Nr.22, in: Greiner, Kuba-Krise, S.290.

[27] Memorandum von Walt Whitman Rostow, Vorsitzender des Außenpolitischen Planungsrates im Außenministerium, für McGeorge Bundy, über die relative Bedeutung der sowjetischen Stützpunkte auf Kuba, 24. Oktober 1962, Dokument Nr.28, in: Greiner, Kuba-Krise, S.301.

Details

Seiten
27
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638030007
ISBN (Buch)
9783638928175
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87809
Note
1,00
Schlagworte
Kuba Krise Bewertung Handlungsoptionen

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