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Soziales Lernen als didaktische Komponente im Schulsport

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2. Soziales lernen
2.1 Sozialisation
2.2 Soziales Lernen

3. Wünschenswertes soziales Handeln im Sportunterricht

4 Spezifische Funktion des Sportunterrichts die Sozialerziehung betreffend
4.1. Sport als positives Modell sozialen Lebens (Grupe 1984):
4.2 Soziales Lernen als kritisches Regellernen (Landau/Dietrich)
4.3 Soziales Lernen als Erwerb der Grundqualifikationen des Rollenhandelns (Ungerer-Röhrich)
4.4 Soziales Lernen als Kultivierung des Sozialleibs(Funke)

5. Didaktische Vorschläge für den Unterricht
5.1 Anregungen Jürgen Funke:
5.2 Didaktische Anregungen Ungerer-Röhrich:
5.3 Vorschlag zur Evaluation didaktischer Maßnahmen

6 Abschließende Bemerkungen

Literatur:

1 Einleitung

Bei der Beschreibung von Zielen und Aufgaben des Schulsports werden, neben den Persönlichkeitsprägenden Wirkungen (Förderung des Selbstbewusstseins- und der Leistungsbereitschaft) und den gesundheitlichen Wirkungen, zugleich die sozialerzieherischen Wirkungen des Sports genannt. Darüber, dass der Sportunterricht eine Sozialisationsfunktion wahrzunehmen hat, die über die Herausbildung und Förderung sportimmanenter Fähigkeiten und Fertigkeiten hinausgeht, besteht in der Sportpädagogik weitgehende Übereinstimmung.[1]

So werden zum Beispiel in den „ Grundsätzen und Bestimmungen f ür den Schulsport“, mit fachlichen Aufgaben übergreifende erzieherische Aspekte verknüpft und folgendermaßen beschrieben.

Dem Schulsport erwachsen insgesamt Aufgaben, die für die Persönlichkeits­entwicklung bedeutsam sind. Dazu gehört vor allem der Erwerb von gesellschaftlich bedeutsamen Wertorientierungen. Hier soll der Schulsport besondere Chancen bieten, die sich vor allem aus den emotional intensiven Formen der Auseinander­setzung, sowie den umfangreichen sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten ableiten.[2]

Des Weiteren wird beschrieben, dass dem Schulsport die Aufgabe zukommt, drei miteinander vernetzte Kompetenzen zu vermitteln. Mit Hilfe von Sachkompetenz, Selbstkompetenz und Sozialkompetenz sollen die Schüler dazu befähigt werden, sich ihre Umwelt zunehmend selbst zu erschließen.

Die Erwartungen an Schule und Lehrer sind höher denn je. Pühse spricht von einem vermehrt festzustellenden Funktions- und Einflussverlustes der Familie. Orientierungslosigkeit ,Ratlosigkeit und fehlende Motivation bei den Jugendlichen ist zum großen Teil, auf die sich entsolidarisierende, immer individualistischer werdende, an ökonomischen Interessen ausgerichtete und vom Medieneinfluss bestimmte Freizeitgesellschaft zurückzuführen. Der Erziehung in der Schule soll wieder mehr Gewicht verliehen werden, um ihre „emotional-soziale Verarmung“ zu überwinden.[3]

Da Erziehung und Unterricht immer in einem sozialen Kontext geschehen, also nicht losgelöst vom faktischen Sozialverhalten der Schüler gesehen werden können, sind Rücksichtsnahme, Kooperation, Gemeinschaftssinn, Empathie und soziale Sensibilität wichtige und notwendige Attribute einer sozialen Institution wie der Schule.[4] Es gibt auch kritische Stimmen, die zwar den immer problematischer werdenden Umgang mit Kindern in der Schule ähnlich einschätzen und auf den gesellschaftlichen Strukturwandel zurückführen, aber nicht der Meinung sind, dass die Schule verstärkt reagieren muss. Sie begrenzen den Aufgabenbereich der Schule auf die Vermittlungsfunktion. Diese Meinung teile ich nicht, daher halte ich es für sinnvoll, ausgehend von den oben erläuterten Forderungen im Rahmen dieser Arbeit folgenden Fragen nachzugehen:

1. Was wird überhaupt unter sozialem Lernen und Sozialerziehung verstanden?
2. Wie sieht wünschenswertes soziales Handeln im Schulsport aus?
3. Hat der Sportunterricht Sozialerziehung betreffend, eine eigene spezifische Funktion?
4. Welche didaktischen Konsequenzen sind sinnvoll?

2. Soziales lernen

Zwischen „sozialem Lernen“ und Sozialisation gibt es einen engen Zusammenhang. Für ein besseres Verständnis ist es sinnvoll, vorerst den Begriff der Sozialisation zu erläutern.

2.1 Sozialisation

Sozialisation meint den Prozess des Hineinwachsens in die Gesellschaft, dazu gehört die Übernahme der gegebenen Kulturtechniken, der Verhaltensstandards, der Normen und Werte, also auch die Anpassung in gesellschaftliche Zwänge. Gleichzeitig geht es auch darum, seine eigene Identität zu entwickeln und selbstständig sozial zu handeln. Einen einheitlichen Begriff bzw. eine einheitliche Theorie von Sozialisation gibt es laut Ungerer-Röhrich nicht.[5] Ich habe mich für folgenden Definitionsversuch, der sowohl die Anpassung, als auch das Herausbilden einer individuellen Identität mit einbezieht, entschieden.

„Sozialisation heißt: sozial vermitteltes Erlernen der Bereitschaft und der Fähigkeit, soziale Rollen auszuüben und zu gestalten. Dieser Prozeß beinhaltet die Aneignung von Wertorientierungen, Normbindungen, Gefühlen und Kenntnissen sowie den Versuch, mit ihrer Verschränkung und Korrektur eine persönliche Identität aufzubauen.“[6]

Sozialisation kann funktional oder intentional beeinflusst werden. Ungerer-Röhrich benutzt die Begriffe „Sozialwerdung“ und „Sozialmachung“ Mit letzterem sind alle gezielten Maßnahmen gemeint, durch die Kinder und Erwachsene zu „passenden“ Mitgliedern der Gesellschaft oder bestimmter Gruppierungen gemacht werden sollen.

„Sozialmachung“ ist demnach den gesamten Bereich der Sozialerziehung zu zuordnen.

2.2 Soziales Lernen

Eine Definition, die wiederum nicht nur den Anpassungsaspekt berücksichtigt, sondern auch die aktiv mitgestaltende Rolle des Individuums, formulierten Cachay/Kleindienst (1976) sinngemäß folgendermaßen:

„Soziales Lernen wird auch als Erwerb sozialer Kompetenz aufgefasst, die als die Fähigkeit verstanden wird, Rollen zu spielen und zu gestalten, aber auch abzulehnen und durch die Veränderung sozialer Strukturen neue Rollen schaffen zu können.“[7]

Ähnlich wie bei der Bestimmung des Sozialisationsbegriffes gilt auch für das „soziale Lernen“, dass verschiedenste Auffassungen existieren. Das führt zu einer unübersichtlichen Spannweite der diesbezüglich entwickelten Zielvorstellungen. Sie reicht von an kulturellen und traditionsgebundenen Werte und Normen, Verhaltensstandards und vom prosozialen Verhalten über Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit und allgemeine Handlungskompetenz bis zur politischen Handlungsfähigkeit.

Als Richtziele einer grundlegenden Sozialerziehung nennt Ungerer-Röhrich in Anlehnung an Prior(1976) unter anderem Identität, Toleranz, Kooperation, Kritikfähigkeit, Solidarität, Sensibilität und Sprache.

Anderen geht es in ihrer Theorie des sozialen Lernens hauptsächlich darum, mit anderen solidarisch und effizient zusammenzuarbeiten und dabei zu lernen, Emotionen bei sich selbst und anderen wahrzunehmen, zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Darüber hinaus soll man im Sinne sozialer Emanzipation politisch handlungsfähig werden. Des Weiteren betonen wieder andere Konzepte die Förderung und Integration schwacher Schüler und die Koedukation als wichtigen Aspekt des sozialen Lernens.[8]

Ungerer-Röhrich verweist darauf, dass soziales Lernen in erster Linie mit Handeln im Zusammenhang steht. Von sozialem Handeln sollte aber demnach nur gesprochen werden, wenn es ein Handeln ist, das von dem Handelnden sinngemäß auf das Verhalten anderer bezogen wird und sich in seinem Ablauf daran orientiert.

Soziales Lernen bezieht sich auf alle Aspekte, die durch das auf andere bezogene Handeln gelernt werden. Dazu gehören alle Einflussfaktoren(Voraussetzungen und Bedingungen) und der eigentliche Ablauf der Handlung. (s.2.1 Sozialwerdung)

Sozialerziehung bezieht sich auf die pädagogische Sicht, also darauf welche Handlungen wünschenswert sind und mit welchen Maßnahmen man in den Prozess des sozialen Lernens eingreifen kann[9] (s. 2.1Sozialmachung)

3. Wünschenswertes soziales Handeln im Sportunterricht

Pühse wirft die Frage in den Raum, ob der Sportunterricht angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung und angesichts seines selbst gesetzten Auftrages nicht auch dazu beitragen müsse, mit seinen Möglichkeiten die soziale Handlungsfähigkeit der Schüler/Innen im Sport aber auch über die engen Grenzen des Faches hinaus zu fördern.[10]

Die Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport führen eine Reihe von Kompetenzen an, die im Unterricht zu fördern sind, um eine stark ausgeprägt Sozialkompetenz bei den Schülern zu erreichen. Gemeint ist die Fähigkeit zum einfühlsamen und verantwortlichen gemeinsamen Spiel- und Bewegungshandeln. Dabei soll die Bereitschaft zum gegenseitigen Helfen und Handeln im Fordergrund stehen. Angegebene Ziele sind unter anderem:

- Die Entwicklung und Gestaltung von Formen gemeinsamen Handelns.
- Bewusstmachung und Aneignung sozialer Verhaltensweisen wie Rücksichtsnahme und Kooperation, als zentrale Elemente.
- Einfühlsames Abstimmen der eigenen Handlungen auf die der anderen.
- Bereitschaft zum Helfen und zur Annahme von Hilfe entwickeln.
- Erkennen von unterschiedlichen sozialen Verhaltensweisen (insbes. geschlechtsbezogene).
- Übernahme von Verantwortung und Erkennen von Verantwortlichkeiten[11]

[...]


[1] Vgl. Ungerer-Röhrich, Ulrike: Singer, Roland: Hartmann, Herbert: Praxis sozialen Lernens im Sportunterricht. Dortmund 1990, S. 9

[2] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg): Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport. Hannover 1998, S.6

[3] Vgl. Pühse, Uwe: Kindliche Entwicklung und soziales Handeln im Sport. Schorndorf 2004, S.36-37

[4] Ebd. S.37

[5] Ungerer/Röhrich, 1990, S.14

[6] Ungerer/Röhrich, 1990, zit. n.Neidhardt 1974, S.14

[7] Ungerer-Röhrich, 1990, zit. n. Cachay/Kleindienst 1976, s.14

[8] Ungerer-Röhrich, U.,1990, S.15

[9] Vgl. Ebd. S.17

[10] Vgl. Pühse,U., 2004, S.44

[11] Vgl. Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport. Hannover 1998,S.9

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638018265
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88116
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
2,0
Schlagworte
Soziales Lernen Komponente Schulsport Fachdidaktische Problemstellungen

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