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Strömungen im Islam: Sunniten, Schiiten, Ismaeliten und Drusen

Wissenschaftlicher Aufsatz 2006 19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Entstehung des Islam

Die Schia

Die Ismaeliten

Entstehungszeit der drusischen Religion

Die drusische Religion wird geheim

Drusische Theologie und Morallehre

Das Gebetshaus und die „Weisen“

Religiöse Pflichten

Die sozale Lage

Literaturverzeichnis

Strömungen im Islam: Sunniten, Schiiten, Ismaeliten und Drusen

Einleitung

Ich habe mich schon öfters in diesem oder jenem Zusammenhang mit dem Islam beschäftigt. Daß ich nun wieder dieses Thema bemühe, beruht nicht auf dessen unveränderter Aktualität, der Grund ist mein spezielles Interesse für die Religion der Drusen.

Als Freund Indiens musste ich natürlich aufhorchen, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal vernahm, daß es einen vom Islam abstammenden Glauben gibt, der ganz wesentlich auf Reinkarnation und Karma gegründet ist. Meine ersten vagen Versuche zur Informationssuche ergaben, daß es sich um eine Geheimreligion handelt, über die es kaum Auskünfte gibt. Erst in den letzten Monaten nahm ich mir die Mühe, systematisch nachzuforschen, um den heutigen Stand des für Außenstehende zugänglichen Wissens zu ermitteln.

Es kam mir ein überraschender Umstand zu Hilfe. Die drusische Religion ist im Wesentlichen auch für die meisten Dazugehörigen geheim, die Geheimnisse kennt nur eine Elite von Eingeweihten, die „Weisen“. Das ging bis anhin gut, denn man gehörte durch das Hineingeborensein in bestimmte Sippen zur Gemeinschaft und wer nicht besonders religiös veranlagt war, lebte einfach nach Anweisungen der „Weisen“ mit. Doch die Lockerung der sozialen Bindungen macht heute auch vor dem Nahen Osten, wo die meisten Drusen leben, nicht halt. Die Sippen, ja die Familien drohen zu zerfallen – und wie sollen nicht-mitteilbare Geheimnisse junge Menschen dazu begeistern, bei dem Glauben, den sie nicht kennen, zu bleiben? In diesem Dilemma musste eine Lösung gefunden werden, die Jugend muss über die eigene Identität, über das spezifisch Drusische, über das Verhältnis der Gemeinschaft zu den großen Strömungen des Islam, unterrichtet werden. So kommt es, daß wir heute erfahren können, was über die Geschichte und Religion der Drusen dadurch daß sie unterrichtet werden, öffentlich geworden ist.

Entstehung des Islam

Die Drusen sind Araber, also steigen wir in die arabische Geschichte ein. Schauen wir zunächst auf die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung, auf die arabische Halbinsel, wo die Einwohner, Nomaden, aber auch die Stadtbewohner, sich vor allem mit Viehzucht und Handel beschäftigten. Sie waren beweglich, kriegerisch und hatten eine Mondenreligion, die mehrere Gottheiten kannte. Ihr Wallfahrtsort war Mekka und es ist nur selbstverständlich, daß dieser Umstand den Einwohnern der Stadt einige Nutzen brachte.

Ausgerechnet hier, in dieser Stadt erblickte Mohammed, der Gründer des Islam, im Jahre 570 das Licht der Welt. Er hatte seine Eltern früh verloren und wurde von seinem Onkel aufgezogen. Er stammte aus einem verarmten Zweig einer alteingesessenen Mekkaner Familie. Als Kind war er Hirte und trat dann in die Dienste einer reichen Kaufmannswitwe, Khadidscha, die er schließlich heiratete. Schon als angesehener Kaufmann erlebte er seine ersten Schauungen. Er sah den Erzengel Gabriel, der ihn belehrte. Den Inhalt, ja den von ihm empfangenen Wortlaut dieser Belehrungen zeichneten die ersten Gläubigen auf und legten ihn zwanzig Jahre nach Mohammeds Tode fest als heiliges Buch, als Koran, zu Deutsch Rezitation – nämlich Rezitation der göttlichen Durchsagen.

Allah, etymologisch eine Zusammenziehung von „al illah“, der arabischen Entsprechung von „eloh(a)“, der Einzahl von „elohim“, Allah also, der neben sich keine anderen Götter duldet, ließ ihn in das himmlische Buch blicken und beauftragte ihn durch Gabriel, die Botschaft als göttliches Wort, als ewige Wahrheit, den Menschen zu bringen.

Mohammed nannte sich den Gesandten Gottes, den letzten Propheten. Das von ihm Gebrachte und Dargelebte soll das Verhalten in der religiösen, in der privaten und in der staatlichen Sphäre möglichst lückenlos regeln. Dabei gibt es Obligatorisches, Empfohlenes, Toleriertes und Verbotenes. Was es kaum gibt, ist der Freiheit des Menschen Überlassenes. Die Gesinnung, in der der Koran entgegenzunehmen ist, heißt Islam, zu deutsch Unterwerfung. Diejenigen aber, die diese Gesinnung haben, sind Muslim, zu deutsch Gottergebene. Derjenige, der den Satz „Allah ist Gott und Mohammed sein Prophet“ vor Zeugen als seine Überzeugung ausspricht, gehört unwiderruflich zu den Muslim. An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß die Bezeichnung Mohammedaner von den Muslim als herabsetzend empfunden wird, denn im Zentrum des Islam steht keineswegs Mohammed, der Gesandte, sondern Allah selbst.

Nach seinen ersten Verkündigungen wollten nur wenige Menschen in Mekka dem Propheten folgen, doch in einer Nachbarstadt Yadhrib, die später den Namen „Stadt des Propheten“, kurz Medina, erhielt, waren die Umstände so chaotisch, daß man einen charismatischen Führer suchte. Im Jahre 622 verließ Mohammed Mekka und ging nach Medina, wo er Macht erhielt. Dieser Zeitpunkt ist der Ausgangspunkt der islamischen Zeitrechnung, denn von nun an ging es aufwärts. Mohammed konnte durch geschickte Politik die internen Konflikte schlichten, ließ bald die Karawanen aus Mekka überfallen und wehrte die Rachefeldzüge mit Allahs Hilfe ab. So fanden die Mekkaner es nach sieben bis acht Jahren vernünftiger, sich ebenfalls zu den Lehren Mohammeds zu bekennen und ihre Stadt zum zentralen Wallfahrtsort des neuen Glaubens ausrufen zu lassen.

Bekenntnis zum Islam oder Tributzahlung – vor diese Alternative stellte der Prophet die Bewohner der arabischen Halbinsel. Den meisten fiel das Bekenntnis zum Islam leicht, denn der neue Glaube war genau ihren Bedürfnissen zugeschnitten. So wuchs der Herrschaftsbereich des Propheten rasch. Als Mohammed im Jahre 632 für viele überraschend starb, stand schon ein Heer bereit zum Aufbruch in Regionen, die nicht mehr zur arabischen Halbinsel gehörten.

Die äußere Geschichtsschreibung registriert die erstaunlichen militärischen Erfolge der Reiterheere, die unter Mohammeds Nachfolgern Abu Bakr, Omar und Othman von der arabischen Halbinsel ausschwärmten. Sie besetzten das gesamte mesopotamische Tiefland und auch das iranische Hochland. Nach Westen eroberten sie ganz Ägypten.

Die Schia

Als vierter Kalif – zu deutsch Nachfolger – kam Ali, ein Vetter, Adoptivsohn und (als Gatte der Prophetentochter Fatima) auch Schwiegersohn von Mohammed, zur Herrschaft. Doch die Nachfolge war stark umstritten. Die ersten drei Kalifen kamen aus der Reihe der frühesten Anhänger Mohammeds, von dem kleinen Kreis, der ihm noch vor seiner Übersiedlung nach Medina in Mekka nahestand. Abu Bakr, Omar und Othman waren Mitglieder der mächtigsten, reichsten Sippe von Mekka und Othmans Vetter Muawiya, der Statthalter von Syrien, widersetzte sich dem Kalifat Alis, indem er diese Würde für sich selbst in Anspruch nahm.

Ali wollte nach dem Vorbild Mohammeds auf die Religion zurückgreifen, um politische Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Er wollte nicht nur weltlicher „Führer der Gläubigen“ sein – ein Titel, den sich Omar und Othman zugelegt hatten – er wollte vielmehr als Imam, zu deutsch Wegweiser, als geistlicher Führer, anerkannt werden.

Einer der ersten islamischen Fundamentalisten, ein sogenannter Kharidschit, ermordete Ali.

Es kam zum ersten und bis heute größten Bruch im Islam. Muawiya und seine Familie, die Ommayyaden herrschten und begründeten ihren Rechtsanspruch mit der Sunna, die von dem Leben des Propheten ablesbare Anweisungen, Aussprüche, Verhaltensmuster, ja sogar das schweigsame Tolerieren von Situationen durch Mohammed enthält.

Alis Partei, die Schiiten – Schia heißt nichts anderes als Partei – Alis Getreue also strebten eine Theokratie unter der Herrschaft von Nachkommen aus Mohammeds Familie an. Für sie war Ali der erste und letzte rechtmäßige Kalif und gleichzeitig der erste Imam.

Ali hatte zwei Söhne. Der ältere, Hassan, ließ sich seine Ansprüche auf das Kalifat durch Geld abkaufen, wurde aber später sicherheitshalber doch vergiftet. Die Nachkommen von Hassan, auf die sich die heutigen Königshäuser von Jordanien und Marokko zurückführen, wandten sich der Sunna zu. Die Schiiten gruppierten sich um den zweiten Sohn Alis, Hussain, den zweiten Imam. Muawiya starb und sein Sohn Yazid wurde Kalif. Er ließ Hussain in Kerbela umbringen. Die Schiiten betrauern ihn bis heute als ihren Märtyrer. Eine Wallfahrt nach Kerbela ist für die Schiiten mehr wert als hundert Wallfahrten nach Mekka.

Die Schia, die Partei Alis, war von Anbeginn an nur ein loses Sammelbecken von Alis Anhängern, die sich um eine Folge von Imamen aus Alis Familie scharten. Im Laufe der Jahrhunderte splitterte sich die Schia noch stärker auf.

Die Anhänger des Imams Zeid ibn Ali bilden heute etwa die Hälfte der jemenitischen Bevölkerung und leben im Norden des sonst sunnitischen Landes. Ihre Imame beherrschten das Land mit Unterbrüchen bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts. Eigentlich möchten sie auch heute ihr eigenes, zeiditisches Imamat haben.

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Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638024556
DOI
10.3239/9783638024556
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2008 (März)
Note
-
Schlagworte
Strömungen Islam Sunniten Schiiten Ismaeliten Drusen Vortragsgrundlage
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