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Kindlicher Spracherwerb: Der Mensch lernt sprechen

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Zusammenfassung

Was ist der Spracherwerb und welche Grundlagen er hat?
Die Sprache selbst fungiert als Vermittler zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Um die Sprache zu erwerben, muss sich der Mensch in dieser Umwelt befinden, da nur die Umwelt ihm die Sprache vermitteln kann. Die Interpretation der Umwelt hängt also wesentlich von der sprachlichen Konvektion ab.
Es sollen die Grundstrukturen des Verlaufs der Sprachentwicklung skizziert werden.
Zuerst wird auf diverse Bedingungen eingegangen, die vorhanden sein müssen, damit ein Kind überhaupt Sprache entwickeln kann. Im zweiten Teil geht es um den Erwerb der Phonologie, die vorsprachlichen Phasen, Ammensprache, Lautproduktion und Protowörter.
Im Anschluss daran geht es um den Erwerb der Semantik:Bedeutung der Wörter, Prinzipien der Affektkonstanz und der Dingkonstanz, Voraussetzungen der Entwicklung von semantischen Strukturen, Bedeutungsverengungen und Bedeutungserweiterungen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG
1.1 Bedingungen für die Sprachentwicklung

2 ERWERB DER PHONOLOGIE (LAUTVERSTÄNDNIS UND LAUTPRODUKTION)
2.1 Die vorsprachlichen Phasen
2.2 Die Ammensprache
2.3 Phasen der Lautproduktion
2.4 Die Lallphase
2.5 Erste Lautbildung
2.6 Die Protowörter

3 ERWERB DER SEMANTIK
3.1 Die Bedeutung eines Wortes
3.2 Die Prinzipien der Affektkonstanz und der Dingkonstanz
3.3 Voraussetzungen der Entwicklung von semantischen Strukturen
3.4 Bedeutungsverengungen und Bedeutungserweiterungen
3.5 Zwei Ebenen
3.6 Semantik und Syntax

4 SCHLUSS

5 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Die moderne Linguistik beschreibt den Spracherwerb nicht als ganzheitlichen Prozess, sondern fasst diesen Prozess als modular auf. Kindlicher Spracherwerb vollzieht sich auf folgenden Ebenen:

- Syntax
- Semiotik
- Phonologie
- Lexikon

Diese Ebenen besitzen einzelnen Module, die laut linguistischer Wissenschaft keinen oder nur wenig Einfluss aufeinander haben.

Der Spracherwerb ist autonom, d.h. Spracherwerb vollzieht sich fast unabhängig von anderen (kognitiven) Funktionen. Bei niedriger kognitiver Leistungsfähigkeit verläuft der Spracherwerb fast normal. Beim Down-Syndrom ist zum Beispiel die sprachliche Entwicklung weiter als die kognitive Entwicklung. Ein weiteres Indiz für die Autonomiehypothese ist das Phänomen des Hyperlinguismus. Hyperlinguisten sind besonders sprachbegabte Kinder und Erwachsene. Es zeigt sich nämlich, dass Hyperlinguismus auch bei unterbegabten Menschen auftritt.

Beim Spracherwerb der ersten Sprache weiß weder das Kind, noch die Umgebung von den sprachlichen Regeln, die im Spracherwerb zur Anwendung gebracht werden. Der Prozess des Spracherwerbs geht also unbewusst vor sich.

Allgemein kann man sagen, dass der Spracherwerb ein Prozess ist, der in der menschlichen Entwicklung sehr früh einsetzt und sich schnell vollzieht. Die Struktur der Sprache wird mit dem 3. Lebensjahr erworben (später differenziert sich nur noch die Komplexität der Syntax).

Um eine Sprache erwerben zu können, benötigt der Mensch sprachlichen Input. Ansonsten wird Sprache nicht erworben, oder es kommt nur zu einer Art „Lautnachahmung“. Man kann festhalten, das dieser Input bis zum ca. 14. Lebensjahr erfolgen sollte, sonst ist der Erwerb der ersten Sprache nicht mehr möglich.

Was ist der Spracherwerb und welche Grundlagen er hat? Laut dem Universalwörterbuch Duden wird der Begriff Spracherwerb folgenderweise definiert: Spracherwerb: Das Erlernen der Muttersprache.[1]

Der Begriff Spracherwerb umfasst viele Arten des Erwerbes. Zum Beispiel den Erwerb der Muttersprache, den Erwerb einer Zweitsprache, sowie den Erwerb der Gebärdensprache. Je jünger der Mensch, umso leichter erlernt er eine Sprache.[2]

Dazu sollte gesagt werden, dass der Spracherwerb von Kind zu Kind verschieden ist, bzw. der Beginn und die Dauer variieren. Der Spracherwerb ist ein lebenslanger Prozess ist, da selbst Erwachsene ihr sprachliches System immerwährend erweitern.

Wie lernt eigentlich das Kind sprechen? Als Antwort bekommt man meist die sogenannte Imitationstheorie des Spracherwerbs. Kinder imitieren Wörter, die sie bereits verstehen. Imitiert wird nicht um Neues zu lernen, sondern um gerade Gelerntes aktiv zu üben.

Die Sprache selbst fungiert als Vermittler zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Um die Sprache zu erwerben, muss sich der Mensch in dieser Umwelt befinden, da nur die Umwelt ihm die Sprache vermitteln kann.

Die Interpretation der Umwelt hängt also wesentlich von der sprachlichen Konvektion ab.[3]

Es sollen die Grundstrukturen des Verlaufs der Sprachentwicklung skizziert werden. Ich werde zuerst kurz auf diverse Bedingungen eingehen, die gegeben sein müssen, damit ein Kind überhaupt Sprache entwickeln kann. Im zweiten Teil geht es um den Erwerb der Phonologie, die vorsprachlichen Phasen, Ammensprache, Lautproduktion und Protowörter.

Dann gehe ich über zum Erwerb der Semantik, also zur Bedeutung der Wörter, zu den Prinzipien der Affektkonstanz und der Dingkonstanz, zu Voraussetzungen der Entwicklung von semantischen Strukturen, zu Bedeutungsverengungen und Bedeutungserweiterungen.

1.1 Bedingungen für die Sprachentwicklung

Ein Kind sollte im Laufe seines Spracherwerbs gewisse Strukturen und Faktoren mitbringen. Es sollte von Geburt an neuromotorische, sensorische und mentale Strukturen besitzen, um überhaupt eine Sprache entwickeln zu können:

- Auditive Faktoren

Hören ist ein wesentlicher Grundstein zum Erwerb von Sprache.

Das Kind muss ein gutes Gehör besitzen, damit Geräusche der Umwelt wahrgenommen werden können und auch Sprache der Bezugspersonen vom Kind gehört werden kann. Durch Hören wird das Interesse an Sprache und damit am Kontakt zur Außenwelt geweckt. Hierbei ist auch die Bedeutung des vorgeburtlichen Hörens nicht zu unterschätzen.

- Organische Faktoren

Der Mund- und Rachenraum des Kindes müssen frei von Missbildungen sein, um eine normale Sprachentwicklung zu durchlaufen. Hinderlich für eine gute Sprachentwicklung sind zum Beispiel eine Kieferdeformation, eine Gaumenspalte oder ein gespaltenes Zäpfchen.

- Visuelle Faktoren

Gestik und Mimik sind mit Sprache verbunden Das Sehen ist eine wichtige Grundvoraussetzung für Sprache. Durch Beobachtung von Mundbildern und Gesichtsausdruck können verschiedene Begriffe schneller erlernt werden.

- Emotionale Faktoren

Mit emotionalen Faktoren sind die Bezugspersonen gemeint. Es ist wichtig, dass diese auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, seine Mitteilungen aufgreifen und ihm Liebe und Fürsorge entgegenbringen. Es sollte Vertrauen aufgebaut werden damit die Bereitschaft zur Sprache gefördert wird. Sprachangst wäre für die Sprachentwicklung nur störend. Das Kind sollte also in einer Umgebung leben, in der es angstfrei Sprache erlernen kann. Ein Kind muss sich ausprobieren.

2 Erwerb der Phonologie (Lautverständnis und Lautproduktion)

Die Stimmbänder sind sofort nach der Geburt fähig, Laute von sich zu geben. Der erste Laut ist der Schrei direkt nach der Geburt. Wenn der Schrei zum Ruf wird, ist das der erste Schritt zur Sprache. Mit sechs bis acht Wochen beginnt das Kind mit zunächst unbewussten Gurgel und Schnalzlauten. Erst mit der Zeit macht das Kind diese Geräusche bewusst nach. Personen können mit dem Kind in Dialog treten, indem man diese Laute zurückgibt.

2.1 Die vorsprachlichen Phasen

Der Prozess des Sprachverstehens geht dem Prozess des Sprachesprechens voraus.

Das Kind kann zuerst lautlich verstehen, erst dann beginnt es zu sprechen, auch wenn es von Anbeginn an selbst Laute produziert (Schreien, Weinen, Gurren, Stammeln, Lallen etc.).

Der erste Kontakt zu Sprachlauten findet sogar schon vor der Geburt statt. Es ist medizinisch erwiesen, dass der Fötus mit sechs Monaten über sein Innenohr auf Laute reagiert. Das Ungeborene hört vor allem die Stimme seiner Mutter. Zum einen nimmt es sie über das Mitschwingen des Knochenskeletts wahr, zum anderen über die Bauchdecke und das Fruchtwasser. So wird zwar nicht verstanden, was die Mutter sagt, aber der Fötus nimmt den Klang und den Rhythmus der Stimme der Mutter wahr. Genauso werden auch die Geräusche der Umwelt gehört, wie zum Beispiel die Stimme des Vaters oder auch Musik.

In der Linguistik unterscheidet man die eigentliche Sprache und die lautlichen Äußerungen eines Babys. Die eigentliche Sprache beinhaltet Äußerungen die eine Zeichenstruktur besitzen4 und die lautlichen Äußerungen eines Babys beinhalten so genannte Lalllaute.

Das Kind vernimmt zuerst aus den situativen Ganzheiten, in die es eingebunden ist, lautliche Ganzheiten, die dann als solche Eigenwert erhalten.

[...]


[1] Drozdowski, G. (Hrsg.): Deutsches Universalwörterbuch, S. 1439

[2] Vgl. Rothweiler, M.: Spracherwerb. In: Meibauer, J. (u.a.): Einführung in die germanistische Linguistik. Stuttgart, Weimar: Metzler, 2002. S. 251-293

[3] Vgl. Francescato, G.: Spracherwerb und Sprachstruktur beim Kinde. Stuttgart: Klett, 1973, S. 7

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638024648
ISBN (Buch)
9783638924306
DOI
10.3239/9783638024648
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Erscheinungsdatum
2008 (März)
Note
1,0
Schlagworte
Kindlicher Spracherwerb Mensch

Autor

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Titel: Kindlicher Spracherwerb: Der Mensch lernt sprechen