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Innovationshemmnis Mensch? - Ursachen und Lösungsansätze des Widerstands gegen Veränderungen

Innovationsmanagement im Informationszeitalter

Seminararbeit 2008 28 Seiten

Informatik - Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Die Problematik des organisatorischen Wandels im Informationszeitalter

2 Merkmale von Innovationswiderständen
2.1 Ausprägungsformen von Innovationshemmnissen
2.2 Auswirkungen des Widerstands gegen Innovationen

3 Ursachen von Veränderungswiderständen
3.1 Ursachen auf der Ebene menschlichen Verhaltens
3.1.1 Widerstände im Verhalten von Individuen
3.1.2 Widerstände im Verhalten von Gruppen
3.1.3 Verhaltensträgheit
3.2 Ursachen auf der Ebene von Organisationen
3.2.1 Systemwiderstände
3.2.2 Systemträgheit
3.3 Unternehmensexterne Ursachen

4 Lösungsansätze zur Überwindung von Innovationshemmnissen
4.1 Information und Kommunikation
4.2 Motivation der vom Wandel Betroffenen
4.3 Qualifizierung des Personals
4.4 Partizipation und Arbeitsteilung

5 Fazit und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ursachen von organisatorischem Konservatismus

Abbildung 2: Ursachen und Ausprägung von "Groupthink"

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erscheinungsformen des Widerstands

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Die Problematik des organisatorischen Wandels im Informationszeitalter

Strukturwandlungen in Wirtschaft und Gesellschaft werden, abgesehen von Kriegen und Naturkatastrophen, stets durch Innovationen ausgelöst. Phasen des Innovationsreichtums (Aufschwung) wechseln sich mit innovationsarmen Peri­o­den (Depression) ab. Aufgrund der Regelmäßigkeit dieses Abwechselns der Perioden lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung durch eine sinusförmige Kurve darstellen, in der Hochkonjunktur durch Wellenberge und Wirtschaftskrisen durch Wellentäler gekennzeichnet sind. Nach den vier geschichtlichen Konjunkturphasen „Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektrizität und Automobil“ beobachtet man seit Anfang der 90er Jahre, mit der Informationstechnologie als wichtigste Basisinnovation, den 5. Kondratieff-Zyklus (Theorie der zyklischen Wirtschaftsentwicklung nach Nikolai Kondratjew).[1] Innovative Informationstechnologien (IT) sorgen seitdem für einen erhöhten Strukturwandel in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft.[2]

Die Umsetzung von technologisch begründeten Produkt- und Prozessinnova­tio­nen kann jedoch für Unternehmen einen enormen organisatorischen Wandel der Unternehmensstruktur bis hin zu einer vollständigen Reorganisation bedeuten. Damit verbunden sind häufig Widerstände und Trägheiten, die das Unternehmen daran hindern, Veränderungen in einer gewünschten Art oder Geschwindigkeit durchzuführen („Organisatorischer Konservatismus“).[3]

Das Festhalten am Status Quo und die dadurch verzögerte Anpassung an einer sich immer schneller verändernden Umwelt ist gleichbedeutend mit dem Verlust von Wettbewerbsvorteilen. Bei funktionierenden Marktmechanismen werden Unternehmen daher bei zu langsamer Anpassung durch Wettbewerber vom Markt verdrängt.[4]

Die vorliegende Arbeit geht in diesem Kontext der Frage nach, inwiefern der Mensch ein Innovationshemmnis darstellt bzw. welche weiteren Hemmnisse Innovationen entgegenstehen können. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie Veränderungsprozesse trotz Widerstände erfolgreich durchgesetzt werden können. Ziel ist es, durch rechtzeitige Gegenmaßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu gewährleisten.

Um dieses Ziel erreichen zu können, wird in einem ersten Schritt auf die Wesensmerkmale von Innovationswiderständen eingegangen. Dabei werden Erscheinungsformen des Widerstands und resultierende Auswirkungen der Innovationswiderstände verdeutlicht. Darauf folgt im dritten Kapitel dieser Arbeit die Ursachenanalyse von Widerständen in Veränderungsprozessen und in einem weiteren Schritt Lösungsansätze zur Überwindung der identifizierten Hemmnisse erläutert.

Abschließend werden im Fazit und der Schlussbetrachtung dieser Arbeit die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und kritisch gewürdigt. Dabei soll die oben genannte Fragestellung, neben der Frage nach der Ursache und der Lösung von Veränderungswiderständen, beantwortet werden können.

2 Merkmale von Innovationswiderständen

Die wachsende Bedeutung von innovativen Informationstechnologien ist ein Kennzeichen für den Wandel vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter. Produktion und traditionelle Dienstleistungen werden immer mehr vom Produktionsfaktor „Information bzw. Wissen“ abgelöst.[5] Das kontinuierliche Anwachsen der Anzahl und Leistung vernetzter Rechner führt zu einer „enor­men Zunahme hinsichtlich der über die Datennetze transferierten Bits und Bytes“[6] und damit zu einer enormen Zunahme von Informationen. Der Austausch von digitalisierten Informationen durch die Vernetzung informationstechnischer Systeme ist damit für die zukünftige Gewährleistung des Innovationsprozesses und damit der Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung.[7]

Innovationen werden jedoch vielfach als Störung und Ärgernis empfunden, da sie oftmals eine „erhebliche Veränderung der bisherigen Arbeitsweise“[8] bedeuten. Der sich daraus entwickelnde Widerstand[9] ist vermehrt im Informationszeitalter anzutreffen, da sich Veränderungsprozesse in einem viel stärkeren Maße durch Schnelligkeit und Radikalität auszeichnen.[10]

Die folgenden Kapitel erläutern zunächst in diesem Kontext, welche unterschiedlichen Widerstandsformen existieren und welche Auswirkungen mit Widerständen verbunden sind. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind Grundlage für die weitere Ursachenforschung von Innovationshemmnissen, welche in Kapitel drei ausführlich untersucht werden.

2.1 Ausprägungsformen von Innovationshemmnissen

Innovationshemmnisse können in vielfacher Art und Weise in Erscheinung treten. Die Tabelle geht auf die Klassifizierung durch Ralf Klöter zurück und soll zunächst einen ersten Überblick über die verschiedenen Erscheinungsformen verschaffen.

Tabelle 1: Erscheinungsformen des Widerstands[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zum einen ist es möglich, Widerstandstypen nach dem Aktivitätsniveau der Opponenten zu unterscheiden. Widerstände gegen Wandel können somit durch bewusstes, aktives Handeln bzw. unbewusstes, passives Unterlassen auftreten.[12] Unbewusster Widerstand wird vom Verursacher meist nicht als solcher empfunden, worin ein erhebliches Problem des Umgangs mit dieser Widerstandsart besteht. Dem gegenüber steht der aktive Widerstand gegen Wandel, in dem sich betroffene Personen bewusst resistent gegenüber Veränderungen verhalten und somit aktiv Stellung beziehen.[13]

Des Weiteren können Resistenzen nach der Vorgehensweise der Opposition differenziert werden. Dazu zählen direkte Widerstände, die sich unmittelbar gegen neue Innovationen oder den Innovator richten und indirekte Widerstände, welche über Umwege Innovationen bekämpfen.[14] Indirekter Widerstand beinhaltet dabei die „Formierung einer kognitiven Resistenz“[15] gegenüber Veränderungen, während direkter Widerstand Kritik gegen Wandel vermitteln soll. Im Zusammenhang mit der verbalen „Formulierung“ von Widerständen, spricht man dabei auch von offenen Widerständen.[16]

Da verdeckte Widerstände schwieriger zu identifizieren sind als offene und in über 70%[17] der Fälle in dieser Form auftreten, offenbart dies die Notwendigkeit, Widerstände gegen geplanten Wandel antizipativ zu begegnen, so dass sich diese erst gar nicht bilden können.[18] Als Beispiele für offenen Widerstand können Sabotage, verbale Opposition und Streik angeführt werden. Versteckter Widerstand kann sich demnach in vermindertem Output, der „Zurückhaltung von Informationen“, dem „Verlangen nach einer fundierten Datenbasis“ sowie durch erhöhten Absentismus und dem Wunsch nach Versetzung äußern.[19]

Eine weitere Ausprägungsform von Innovationshemmnissen kann im loyalen- bzw. opportunistischen Widerstand liegen. Loyaler Widerstand bezieht sich auf die ursprünglichen Interessen und Unternehmensziele, während opportunis­tischer Widerstand ausschließlich individuelle Nutzenvorstellungen verfolgt.

Letztlich können Widerstände nach ihrer intentionalen Wirkung der Opponenten unterschieden werden. Diese Auswirkungen werden aufgrund ihrer Komplexität und Bedeutung für die weitere Ursachenforschung im folgenden Kapitel näher betrachtet.

2.2 Auswirkungen des Widerstands gegen Innovationen

Innovationen bedeuten Veränderung des Status Quo. Eine intendierte Zustandsverbesserung kann jedoch eine negative Veränderung bedeuten. Konstruktiver bzw. positiver Widerstand versucht dabei eine Innovation zu verbessern, indem offen gegen eine negative Unternehmensentwicklung vorgegangen wird.[20] Widerstände können in dem Zusammenhang auch als ein Warnsignal für Fehlentwicklungen in Unternehmen interpretiert werden.[21] Opposition kann somit effektiv dazu beitragen, Illusionen zu identifizieren und Innovationen bezogen auf die Durchführbarkeit anzupassen. Neben der Abdämpfung einer möglichen „Innovationshast“ kann Opposition ebenfalls dazu beitragen, dass an Projekten mit geringen Erfolgsaussichten zu lange festgehalten wird.[22]

Beabsichtigt die Opposition jedoch eine negative Wirkung, so lässt sich neben der genannten Widerstandsform ein destruktiver Widerstand konstatieren. Dieser beruht nach Szmigin/Foxall auf drei aufeinander aufbauenden Effekten.[23] Zunächst wird ein radikaler Widerstand versuchen, Innovationen zu verhindern, indem technologische Argumente („Innovation leistet nicht das, was sie behauptet“, „Die Innovation kommt zu früh“, „Das technische Umfeld ist noch nicht reif für die Innovation“)[24], wirtschaftliche Argumente („Zu geringe Nachfrage für das neue Produkt“, „Innovationen sind zu riskant und nicht finanzierbar “, „Der bestehende Zustand ist ausreichend“)[25], und ökologische Gründe vorgebracht werden. Mit Hilfe von internen und externen Allianzen sollen zusätzlich angestrebte Absichten durchgesetzt werden, wobei die Glaubwürdigkeit des Innovators kontinuierlich öffentlich angezweifelt wird.[26]

Der Effekt des Verzögerns setzt ein, wenn die Opposition mit der Verhinder­ungs­taktik die Ziele nicht erreichen konnte. Hierbei wird durch eine möglichst lange Verzögerung der Innovation versucht, erneut die Erfolgsbehauptung der Innovatoren in Frage zu stellen. Die Opposition kann dies weniger offen vollziehen und muss sich nicht als Innovationsgegner offenbaren. Durch vorgetäuschte Zustimmung können weitere Untersuchungen, Tests und Gutachten verlangt werden, wodurch ein Veränderungsprozess durch Innovationen erheblich verlangsamt wird.[27]

Die Strategie der Verformung setzt nach erfolgloser Verhinderungs- und Verzögerungsstrategie ein. Hierbei wird die ursprüngliche Innovation modifiziert und als Alternative präsentiert. Das Ziel ist die Senkung des Innovationsgehaltes, welche durch die Einflussnahme auf den originären Realisationsprozess und der Durchsetzung der Veränderung erreicht werden soll.[28]

Ist der Initiator der Veränderung der Ansicht, dass die Widerstandsbewegung die Innovation zu Unrecht hemmt, so kann von destruktivem bzw. negativem Widerstand gesprochen werden. Es hängt demnach von der subjektiven Betrachtungsweise ab, welche Haltung angenommen wird.[29] Aufgrund der einleitenden Fragestellung, wie Innovationshemmnisse überwunden werden können und wie mit organisatorischem Konservatismus umzugehen ist, soll die nachfolgende Betrachtung auf der negativen Form des Widerstands basieren, welche hemmend auf die zukünftige Unternehmensentwicklung wirkt.

[...]


[1] Vgl. Nefiodow, Leo A. (1991), S. 25ff.; siehe dazu auch Schumpeter (1939).

[2] Vgl. Wirtz, Bernd W. (2000), S. 1.

[3] Vgl. Kieser, Alfred (1998), S. 121.

[4] Vgl. Kieser, Alfred (1998), S. 133.

[5] Vgl. Wirtz, Bernd W. (2000), S. 10f.

[6] Vgl. Kollmann, Tobias (2001), S. 8.

[7] Vgl. Nefiodow, Leo A. (1991), S. 75f.

[8] Vgl. Hauschildt, Jürgen; Salomo, Sören (2007), S. 178.

[9] Anmerkung: Neben dem Begriff „Widerstand“ wird in der Literatur häufig von „Hemmnis, Barriere, Hindernis“ sowie „Restriktion“ gesprochen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird synonym zu Widerstand ebenfalls der Begriff Hemmnis verwandt, da beide Begriffe die Überwindung von Störpotentialen einzelner Innovationsphasen implizieren. Vgl. Nieder, Peter; Zimmermann, Egon (1992), S. 374f.

[10] Vgl. Österle, Hubert; Winter, Robert (2000), S. 44.

[11] In Anlehnung an Klöter, Ralf (1977), S. 133.

[12] Vgl. O’Connor, Carol A. (1993), S. 32.

[13] Vgl. O’Connor, Carol A. (1993), S. 32.

[14] Vgl. Klöter, Ralf (1977), S. 150 ff.

[15] Vgl. Recardo, Ronald J. (1995), S. 8.

[16] Vgl. ebd. S. 8.

[17] Vgl. ebd. S. 8.

[18] Vgl. Cacaci, Arnaldo (2006), S. 87.

[19] Vgl. Cacaci, Arnaldo (2006), S. 87; Staehle, Wolfgang A. (1999), S. 977.

[20] Anmerkung: Auf die Problematik der Beurteilung, welche Innovationen bzw. Veränderungen positiv oder negativ für die Entwicklung eines Unternehmens sein können, soll im Folgenden nicht weiter eingegangen werden, da subjektiv gesehen, jeder beurteilte positive Widerstand negativ sein kann und umgekehrt.

[21] Vgl. Kollman, Tobias (2004), S. 344.

[22] Vgl. Hauschildt, Jürgen; Salomo, Sören (2007), S. 183.

[23] Vgl. Szmigin, Isabelle; Foxall, Gordon (1998), S. 459f.

[24] Vgl. Hauschildt, Jürgen; Salomo, Sören (2007), S. 184.

[25] Vgl. Hauschildt, Jürgen; Salomo, Sören (2007), S. 185f.

[26] Vgl. Szmigin, Isabelle; Foxall, Gordon (1998), S. 459f.

[27] Vgl. ebd. S. 459f.

[28] Vgl. ebd. S. 459f.

[29] Vgl. Cacaci, Arnaldo (2006), S. 90.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638025027
ISBN (Buch)
9783638924740
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88571
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – E-Business und E-Entrepreneurship
Note
2,3
Schlagworte
Innovationshemmnis Mensch Ursachen Lösungsansätze Widerstands Veränderungen

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