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Der Schiffbruch des Tankers Erikas - Die Konsequenzen einer ökologischen Katastrophe für den Tourismus an der Atlantikküste

von Soizic Gueho (Autor) Xavier Rouault (Autor)

Hausarbeit 2001 48 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Die Tatsachen
1.1 Der Schiffbruch des Tankers Erika
1.2 Die einzigartige Vogelwelt gehörte zu den ersten Opfern

2. Die Folgen für den Tourismus, die Reaktionen der Touristen
2.1 Wie wichtig ist der Tourismusbereich für die betroffenen Departements und ihre jeweilige Region
2.1.1 Eine bedeutende touristische Attraktivität
2.1.2 Wichtigkeit der Seeküste für die touristische Attraktivität
2.1.3 Der Tourismus als eine wichtige wirtschaftliche Stütze
2.1.3.1 Verbrauch der Touristen
2.1.3.2 Beschäftigungen in der Tourismusbranche der betroffenen Regionen
2.1.3.3 Bestand der Hotels und Campingplätze
2.2 Die Folgen der Ölpest auf den Tourismus in den Departements Finistère, Morbihan, Vendée, Loire-Atlantique und Charente-Maritime
2.2.1 Ein Rückgang der Anzahl der Touristen
2.2.1.1 Der Rückgang der Anzahl der Übernachtungen war höher in den Campingplätzen als im Hotelgewerbe
2.2.1.2 Der Rückgang des Betrags der Übernachtungen war höher in den Hotels und Campingplätzen auf dem Landesinneren als an den Küsten
2.2.1.3 Der Rückgang der Anzahl der ausländischen Touristen war höher als der der Franzosen
2.2.2 Die Folgen auf die touristische Wirtschaft
2.3 Der Zusammenhang zwischen das Image einer Region und ihre touristische Attraktivität: Die Reaktionen der Touristen
2.3.1 Die Gründe des Rückgangs der Anzahl der Touristen
2.3.1.1 Wegen der Verschmutzung wurden einige Strände für die Öffentlichkeit geschlossen
2.3.1.2 Die Angst vor dem krebserregenden Öl
2.3.1.3 Empfänglichkeit gegen die Umwelt Fragen
2.3.1.4 Die Rolle der Medien bei der Verschlechterung des Images der Bretagne und Frankreichs
2.3.2 Warum sind trotzdem die Touristen gekommen?
2.3.2.1 Die Solidarität hat eine wichtige Rolle gespielt
2.3.2.2 Diese touristische Regionen haben nicht nur die Atlantikküste anzubieten
2.3.2.3 Die Neugierigkeit der Leute
2.3.2.4 Die Loyalität gegenüber der Region

3. Krisenmanagement
3.1 Definition der Krise
3.2 Die Krise im Tourismusbereich
3.3 Wie kann eine Krise bewältigt werden?
3.3.1 Welche Leute/Organisationen beeinflussen die öffentliche Meinung?
3.3.2 Was sind die Regeln zu befolgen?
3.4 Die Reaktion der zuverlässigen Behörden, um das Image der Bretagne aufzubessern
3.4.1 Was hat das Staatsekretariat für Tourismus getan, um die Lage zu verbessern?
3.4.1.1 Wiederherstellung des französischen touristischen Images:
3.4.1.2 Wiedergewinnung des Vertrauens der Touristen durch einige weitere Maßnahmen
3.4.2 Instrumente der Kommunikation der Verkehrsbüros bzw. der Tourismusverbände und der regionalen Behörde
3.4.2.1 Eigene Werbekampagne der Regionen und Departements
3.4.2.2 Transparent sein und die Wahrheit zu sagen
3.4.2.3 Kommunikation anderer Regionen Frankreichs
3.4.3 Die Zwietracht zwischen den Verantwortlichen
3.4.3.1 Der Staat gegenüber den lokalen Behörden
3.4.3.2 Der Staat gegenüber Totalfina
3.4.3.3 Die Freiwilligen gegenüber die Behörden

Fazit

Verzeichnis der Abkürzungen

Verzeichnis der Internetquellen

Literaturverzeichnis

Einführung

„Irgendwo auf der Welt ist immer eine Krise“ formulierte Karl Born, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von TUI Deutschland.[1] In der Tat erklären die unterschiedlichen Formen und Ursachen von Krisen, warum keine allgemeine Lösung dagegen gefunden wurde und sie in jedem wirtschaftlichen Sektor auftreten können. Meistens kennzeichnen sich die Krisen an eine Zerrüttung des anfänglichen Zustands und die Anstrengung der Wiederaufstieg dieses Letzteren.

Dennoch hängen die Folgen einer Krise mehr oder weniger von dem betroffenen Bereich ab. „Tourismus ist ein internationales Geschäft. Für Geschäftsreisende werden in der globalisierten Welt auch die entfernsten Gegenden zum Reiseziel.“[2] Die Tourismusbranche ist deswegen für eine Krise besonders empfänglich und scheint also ein gutes Beispiel zu sein, um die Frage von Krisemanagement zu behandeln.

Übrigens werden die Unternehmen mitten in einem Sektor nicht Gleicherweise durch eine Krise betroffen. „Mit Krisensituationen beschäftigen sich viele Unternehmen, besonders aus dem touristischen Mittelstand“.[3] Jede Krise ist eine Katastrophe, aber jede Katastrophe führt nicht zu einer Krise. Die Entstehung einer Krise und die Bewältigung dieser Letzten finden unter besonderen Umständen statt. Deshalb haben wir uns entschieden, den Fall des „Erikas“ Schiffsbruchs und seiner folgenden Krise in diesem Bericht zu bearbeiten.

Der erste Teil dieses Berichts entspricht den Tatsachen dieser ökologischen Katastrophe: Wann, wo, unter welchen Umständen geschah diese Katastrophe und was waren ihre ökologischen Folgen?

Der zweite Teil beschreibt wie die Touristen auf dieses Ereignis zurückgewirkt haben: Inwieweit haben die Regionen und Sektoren von diesem Letztem erlitten, wie hat sich das Image der Atlantikküste entwickelt, war die Reaktion der Touristen homogen, sind sie dennoch gekommen?

Der dritte und letzte Teil dieses Berichts betrifft das Krisenmanagement: Was definiert eine Krise und insbesondere in der touristischen Branche, welche Maßnahmen können dagegen benutzt werden und wie haben die Verantwortlichen tatsächlich reagieren?

1. Die Tatsachen

1.1 Der Schiffbruch des Tankers Erika

Am 12. Dezember 1999 ist der von dem Ölkonzern Totalfina gecharterte Öltanker « Erika» vor der bretonischen Küste auseinander gebrochen. Wie ist es zu diesem Vorfall gekommen?

Am 10. Dezember (Freitag Abend) passierte der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker „Erika“ aus Dunkerque kommend Richtung Livourne (Italien) die Küste von Ouessant. Die Durchfahrt wurde, wie es nach Vorschrift verlangt wird, beim Cross Corsen im Departement Nord-Finistère angemeldet.

Am 11. Dezember um 14 Uhr meldete der Kapitän „Erikas“ über Funk dem Cross Etel im Departement Morbihan einen Schaden. Eine Stunde später jedoch, um 15 Uhr, gab der Kapitän beim Cross Etel Entwarnung und meldete, dass der Schaden behoben sei. Zu dieser Zeit befand sich „Erika“ irgendwo im Norden von Golfe de Gascogne außerhalb der Reichweite der Radargeräte. Spät in der Nacht funkte der Cross Etel den Kapitän an, um sich nach dem Zustand des Schiffes zu vergewissern. Der Kapitän meldete keine besonderen Vorkommnisse und teilte mit, dass er zum Hafen in Saint-Nazaire durchfahren wolle. Da im Hafen von Saint-Nazaire aufgrund eines Lecks an einem Tanker, der „Estuaires“, die Behörden sich in Alarmbereitschaft befanden, wurde der „Erika“ die Einfahrt verweigert.

Am frühen Morgen des 12. Dezember sendete „Erika“, sich 37 km südlich von Penmarc’h befindend, das SOS-Notrufsignal.. Sofort wurden Rettungsmaßnahmen getroffen, um, die 26 Seeleute zu retten. Bereits zwei Stunden später, um 8 Uhr, brach der Tanker in 2 Teile auseinander; 10000 Tonnen Schweröl flossen ungehindert in den Atlantik. Um 16 Uhr versuchte der Schlepper „Abeille Flandre“ das Heck der „Erika“ von der steilen Küste Belle-Iles weg ins offene Meer zu ziehen, um so das Zerschellen des Teils zu verhindern.

Einen Tag später, am 13. Dezember, versank das Bug,, das bisher noch auf der Wasseroberflache schwamm, im Atlantik, 55 Km südlich von Penmarc’h und 90 Km nördlich von Belle-Ile. Um 16 Uhr versank auch das Heck, das 18 Km südöstlich vom Vorderteil abgetrieben worden war. Aus diesem floss Schweröl aus. Das Schiff war im Sturm zerbrochen, weil seine Struktur dem rauen Seegang keinen Widerstand leisten konnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Starke Winde trieben das ausgelaufene Öl der „Erika“ an die Urlaubsstrände der Departements Finistère, Morbihan, Vendée, Loire-Atlantique und der vorgelagerten Inseln im Norden der Atlantikküste, wie die zu dem Departement Charente-Maritime gehörende Ile de Ré. Die französischen Regionen sind in Departements subdividiert, die Departements Finistère und Morbihan gehören der Bretagne, Vendée und Loire-Atlantique der Region Pays de la Loire und das Departement Charente-Maritime der Region Poitou-Charentes. Es wird auf der folgenden Karte aufgewiesen:

Am 25. Dezember erreichte das Öl die bretonischen Strände. Sehr schnell waren Freiwillige, Soldaten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Zivilschutzes auf den verschmutzten Stränden, um den schwarzen Sand in Eimer und Müllsäcke zu schippen. Insgesamt wurden fast 500 Kilometer Küste durch rund 17000 Tonnen Schweröl, die aus dem Tanker flossen, verschmutzt.

1.2 Die einzigartige Vogelwelt gehörte zu den ersten Opfern

Die Ölpest hat den traurigen Rekord der durch Schweröl getöteten Vögel eingestellt. Das Tankerunglück des Exxon-Valdez im Jahre 1989 in Alaska war mit 21000 verendeten Vögeln die bisherige mörderischste Ölpest[4].

Dem Umweltministerium zufolge konnten von den 63606 Basstölpel, Lumme und Tordalk, die an die Küste gespült wurden, nur 2152 gerettet werden. 61403 fanden den Tod. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da nur einer von zehn ölverschmierten Vögeln die Küste erreicht haben; viele sind bereits im Meer verendet.

Viele Verbände, darunter die LPO (der Bund für Vögelschutz) sind der Meinung, dass die Zahl der Opfer zwischen 185000 und 300000 beträgt. Nach dem Vorsitzenden der LPO Alain Bougrain-Dubourg handelt es sich um die größte Katastrophe in der Vogelwelt. Insgesamt waren 61 Vogelarten betroffen. 88 Prozent der ölverschmierten Vögel gehörten zu den gefährdeten Arten, wie etwa die Lumme und Papageitaucher, von denen nur noch 210 Paaren in Frankreich übrigbleiben sind. Nach dem LPO ist der Ort des Schiffsbruchs der Grund für das Ausmaß der Katastrophe. Der Tanker hat genau zur „richtigen Zeit am richtigen Ort“ Schiffbruch erlitten. 70 Km von den Küsten entfernt versank die „Erika“, und zwar genau in der Zone, wo die Vögeln überwintern. Dazu kommen noch andere Faktoren hinzu, wie etwa das Ausbreiten des Ölteppichs auf eine Breite von 500 Km, die chemische Zusammensetzung des Öls und die unzureichende Rettungsmaßnahme des sogenannten „Polmar“ Plans.

Aber die Solidarität kannte keine Grenzen. Holländer, Belgier und Engländer übernahmen die Versorgung von Tausenden ölverklebter Vögel. Der Gesamtkost dieses Unternehmens betrug etwa 10 Million Francs.

Dieses Tankerunglück hatte katastrophale Folgen für die Umwelt. Viel wirtschaftliche Branchen waren aber durch die Ölkatastrophe in ihrer Existenz bedroht. Die Salzbauern, die Austernzüchter vor allem aber die Tourismusbranche wurden von der Krise hart getroffen.

2. Die Folgen für den Tourismus, die Reaktionen der Touristen

2.1 Wie wichtig ist der Tourismusbereich für die betroffenen Departements und ihre jeweilige Region

Eine Bilanz der touristischen Wirtschaft zwischen 1995 und 1999 der drei durch die Ölpest betroffenen Regionen und ihrer jeweiligen Departements wurde erfasst, um die Folgen der Ölpest auf die Aktivität des Jahres 2000 besser zu erkennen. Diese Bilanz wird teilweise in diesem Bericht verwendet, um die Tourismusbranche vorzustellen und die Folgen auf den Tourismus der Regionen zu zeigen.[5]

2.1.1 Eine bedeutende touristische Attraktivität

Die Bretagne, ist mit ihren 10 Millionen Besuchern pro Jahr, nach Paris die meistbesuchte Region Frankreichs. Im Jahre 1998 betrug die Anzahl der Übernachtungen für inländische Besucher 65,4 Mio. und 19,5 Mio. für ausländische Touristen.[6] In den bretonischen Departements Morbihan und Finistère werden jährlich von 3,6 Mio.[7] und 3,8 Mio.[8] Besucher jeweils 28 Mio.[9] und 32 Mio.[10] Übernachtungen verbracht, die 32,9% und 37,6% der Gesamtzahl an Übernachtungen in der Bretagne entsprechen.

Die Region Pays de la Loire steht an fünfter Stelle, was Tourismus in Frankreich anbelangt. 1998 haben Franzosen und ausländische Urlauber jeweils 62,3 Mio. und 13 Mio. Übernachtungen in dieser Region verbracht. Die Departements Loire-Atlantique und Vendée haben jährlich 1,7 Mio.[11] und 4,5 Mio.[12] Besucher und haben 19,6 Mio. 1998 und 35,7 Mio.[13] Übernachtungen jährlich registriert, was 26% und 47,4% der Gesamtübernachtungen der Region ausmacht.

In der Region Poitou-Charentes wurden im Jahre 1998 37,5 Mio. und 9 Mio. Übernachtungen von den französischen Touristen und den ausländischen Touristen verbracht. Mit 38 Mio. Übernachtungen im Jahre 1998 stellt Charente-Maritime, das zweite touristischste Departement Frankreichs ist, 80% der touristischen Aktivität ihrer Region Poitou-Charentes dar.[14]

Die fünf, von der Ölpest betroffenen Departements, haben somit einen bedeutenden Marktanteil in der Tourismusbranche ihrer Regionen. Insgesamt wurden in diesen drei Regionen 20% der Übernachtungen[15] der Franzosen (Bretagne: 8,2%, Pays de la Loire: 7,1%, Poitou-Charentes: 4,4%) und 8,1% der Übernachtungen von ausländischen Gästen (Bretagne: 3,8 %, Pays de la Loire: 2,5%, Poitou-Charentes: 1,8%) verbracht.

2.1.2 Wichtigkeit der Seeküste für die touristische Attraktivität

Nach einer Untersuchung des Staatssekretariats für Tourismus[16] über die Aufenthalte der Franzosen war die Meeresküste im Jahre 2000 immer noch der meistbesuchteste Raum mit 35% der gesamten Übernachtungen. Während die anderen Orte einen Rückgang der Übernachtungen verzeichnen, ist die Anzahl der Übernachtungen an der Küste im Vergleich zum vorangehenden Jahr eher steigend. Wenn nur die Aufenthalte am Meer berücksichtigt werden[17], werden 14,2% der Übernachtungen auf der bretonischen Küste verbracht, während die Anzahl der gesamten Übernachtungen Frankreichs 6,2% der Übernachtungen in der Bretagne darstellen. In der Region Pays de la Loire entspricht die Anzahl der Übernachtungen 10,9% der Aufenthalte am Meer und 6,5% der gesamten Übernachtungen in Frankreich. In Poitou-Charentes stellt der Umfang der Übernachtungen 6,8% der Übernachtungen am Meer und 4% der in Frankreich verbrachten Übernachtungen dar. Die drei Regionen stellen insgesamt 32% der Übernachtungen am Meer dar. Diese Zahlen zeigen, dass das Meer eine sehr wichtige Komponente der touristischen Attraktivität in diesen Regionen ist, und wie katastrophal eine Ölpest an der Atlantikküste auf die touristische Wirtschaft der drei Regionen gewesen ist.

2.1.3 Der Tourismus als eine wichtige wirtschaftliche Stütze

2.1.3.1 Verbrauch der Touristen

Der Verbrauch der Touristen ist der Verbrauch der inländischen und ausländischen Touristen bzgl. der touristischen Aktivitäten, wie Ausgaben in Hotels, Restaurants und Cafés, touristischen Freizeitaktivitäten, Reisenunternehmensleistungen, und bzgl. der anderen Ausgaben, wie Nahrungsmittel, private Unterbringung, Verbrauch von Gebrauchsgütern[18].

Für das Jahr 1999 schätzte der regionale Tourismusausschuss der Bretagne für diese Region einen Verbrauch der Touristen in Höhe von 12 Milliarden Francs. Der Anteil der beiden Departements Morbihan und Finistère beträgt jeweils 27,5% und 30% der regionalen Verbrauch durch den Tourismus was jeweils den Beträgen 3,3 Mrd. und 3,6 Mrd. Francs jährlich entspricht.

Der Verbrauch der Touristen in der Region Pays de la Loire beläuft sich auf etwa 13,5 Mrd. Francs jährlich. In Vendée beträgt der Verbrauch der Touristen 5,1 Mrd. Francs und in Loire-Atlantique 3,5 Mrd. Francs. Der Verbrauch im Departement Charente-Maritime, der durch den Tourismus erzielt wird, beträgt etwa 5,3 Mrd. Francs jährlich.

In den fünf Departements wurde 1999 ein Umsatz in Höhe von 30 Mrd. Francs erzielt.

2.1.3.2 Beschäftigungen in der Tourismusbranche der betroffenen Regionen

Nach einer Untersuchung des französischen staatlichen Instituts für Statistik und Wirtschaftsstudien (I.N.S.E.E.) sorgte 1995 die Beschäftigung in der bretonischen Tourismusbranche für 20220 Dauerbeschäftigungen und 48335 Saisonarbeitsplätze. Die Dauerbeschäftigungen stellen die jahresdurchschnittliche Anzahl der permanenten Arbeiter und die Saisonarbeiten die durchschnittliche Anzahl der Arbeiter in der Hauptsaison vom 10. Juli zum 20. August dar. In Finistère belaufen sich die Beschäftigungen auf 6710 Dauerbeschäftigungen und 16367 Saisonarbeiten und in Morbihan auf 5333 Dauerbeschäftigungen und 12845 Saisonarbeiten. Auch wenn die Zahlen der Beschäftigungen in Finistère am höchsten sind, ist die Beschäftigung in Morbihan vom Tourismus relativ abhängiger, da der Anteil der Arbeitsplätze im Tourismus in Relation zur gesamten Beschäftigung deutlich höher ist als in den Anderen der Bretagne. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Methode, die spezifisch für die Bretagne ist, und deswegen unvergleichbar mit den anderen Regionen.[19]

Mit 51000 Arbeitsplätzen (39000 Dauerbeschäftigungen und 12000 Saisonarbeiten) ist der Tourismus in der Region Pays de la Loire ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Beschäftigung in Loire-Atlantique beläuft sich auf 13 000 Dauerbeschäftigungen und 7 000 Saisonarbeiten, was einem Anteil von 37,2% der Beschäftigte in der regionalen Tourismusbranche entspricht.[20] In Vendée ist der Tourismus die wichtigste Wirtschaftsbranche mit einer Beschäftigtenzahl von 19500 Personen, die 38,2% der Beschäftigten der Region darstellen.[21] Von den 23 000 Dauerbeschäftigungen im Bereich Tourismus in Poitou-Charentes entfallen 16480 Dauerbeschäftigungen und 6500 Saisonarbeiten auf Charente-Maritime.[22]

2.1.3.3 Bestand der Hotels und Campingplätze

Der Hotelbestand[23] in der Bretagne beträgt 958 Hotels (24522 Zimmer), 784 Campingplätze (87059 Plätze); hinzu kommen noch 187253 Zweitwohnsitze die als Feriendomizile benutzt werden. Die Region Pays de la Loire verfügt über 691 Hotels (19686 Zimmer), 706 Campingplätze (86934 Plätze) und 187171 Zweitwohnsitze. Der Hotelbestand in der Region Poitou-Charentes beläuft sich auf 545 Hotels (16373 Zimmer), 447 Campingplätze (56163 Plätze) und 98095 Zweitwohnsitze.

Insgesamt stellen die durch die Ölpest betroffenen Regionen 10,4% (Bretagne: 4,2%, Pays de la Loire: 3,4%, Poitou-Charentes: 2,8%) des französischen Angebots in der Hotellerie, 25,3% (Bretagne: 9,7%, Pays de la Loire: 9,4%, Poitou-Charentes: 6,2%) des französischen Angebots an Campingplätze und 17,9% (Bretagne: 7,1%, Pays de la Loire: 7,1%, Poitou-Charentes: 3,7%) der Zweitwohnsitze in Frankreich dar.[24]

Bettenkapazität der jeweiligen Departements:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit dem Hinweis, dass es in Frankreich 17,2 Mio. Betten[30] für den Tourismus gibt, stellen die 5 durch der Ölpest betroffenen Departements 13.9% der französischen Bettenkapazität dar.

2.2 Die Folgen der Ölpest auf den Tourismus in den Departements Finistère, Morbihan, Vendée, Loire-Atlantique und Charente-Maritime

2.2.1 Ein Rückgang der Anzahl der Touristen

Die durch die Ölpest betroffenen Regionen Bretagne und Pays de la Loire haben einen Rückgang ihrer Marktanteile im Bereich Tourismus verzeichnet. Die Anzahl der Touristen in der Bretagne während des Sommers 2000 hat um etwa 15-20% abgenommen.

Die Untersuchung, die von dem französischen staatlichen Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien I.N.S.E.E. und der regionalen Tourismusverbände durchgeführt wurde, erlaubt einen Vergleich der Ergebnisse aus den Jahren 1999 und 2000, also Zahlen, die sowohl vor als auch nach der Katastrophe erfasst wurden.[31] Aus dieser Untersuchung ergibt sich einen Rückgang der durchschnittliche Hotelbelegungen und der Anzahl der Übernachtungen in der betroffenen Regionen. Insgesamt betragen die Übernachtungen in der Regionen Bretagne und Pays de la Loire 63 und 53 Mio. im Jahre 2000, es stimmt mit einer Senkung um 3,2% und 4,5% gegenüber dem Vorjahr überein. In der Region Poitou-Charente hat die Anzahl der Übernachtungen um 2,7% zugenommen. Die Zunahme der Anzahl der Übernachtungen in den Hotels hat die Senkung in den Campingplätze kompensiert.

[...]


[1] Prof. Dr. Dreier, Axel (17. Juli 2001) : „Krisenmanagement im Tourismus“, im Internet : Krisenmanagement.

[2] Prof. Dr. Dreier, Axel (17. Juli 2001) : „Krisenmanagement im Tourismus“, im Internet : Krisenmanagement.

[3] Touristikbranche-Background Allgemein (13. Februar 2001) „Kundenbindung ist für die Reisebranche das Thema der Zukunft“, im Internet : afag.

[4] Fouquet, A., « L’Erika a battu le triste record du monde des oiseaux mazoutés », Pressenartikel in Ouest-France, 11. Januar 2000

[5] Vgl. Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[6] Quelle der Anzahl der Übernachtungen in der Regionen der Bretagne, Poitou-Charente und Pays de la Loire: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[7] Quelle: Chambre de Commerce et de l’Industrie du Morbihan

[8] Quelle: o.V., « Forces et faiblesses du tissu industriel et commercial du Finistère » Pressenartikel in Le Progrès-Courrier, 6. März 1999

[9] Quelle: Chambre de Commerce et de l’Industrie du Morbihan

[10] Quelle: o.V., « Forces et faiblesses du tissu industriel et commercial du Finistère », Pressenartikel in Le Progrès-Courrier 6. März 1999

[11] Quelle: o.V., « La Loire-Atlantique, Un département qui marie la performance économique et l'art de vivre », Pressenartikel in: Le nouvel Ouest, Oktober 1999

[12] Vgl. Préfecture de Vendée

[13] Vgl. Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[14] Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[15] Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[16] Quelle: Untersuchung des Staatssekretariat für Tourismus (Secrétariat d’Etat au Tourisme), « Comptes provisoires du tourisme 2000 : Texte du rapport présenté à la Commission des Comptes du Tourisme », April 2001

[17] Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[18] Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc: Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[19] Vgl. Kérouanton, Marie-Hélène, Untersuchung des Insee Bretagne « Les emplois directs du tourisme en Bretagne : de 1,3 % à 5,4 % de l’emploi salarial selon la saison », März 1998

20 Quelle: Comité d’Expansion Economique de Loire-Atlantique, « Conjoncture 1999 et perspectives 2000 », 15. März 2000

[21] Quelle: Préfecture de Vendée

[22] Quelle: Préfecture de Charente-Maritime, 2000

[23] Die folgenden Zahlen entsprechen dem Bestand der Hotels am 1. Januar 2000, dem Bestand der Campingplätze am 30. September 1999 und dem Bestand der zweiten Wohnsitze nach der Volkszählung der INSEE im März 1999,Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc : Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[24] Quelle: Observatoire National du Tourisme, « Livre Blanc : Un état des Lieux de l´économie touristique en Bretagne, Pays de la Loire et Poitou-Charentes, avant la catastrophe de l´Erika », Dezember 2000

[25] Quelle: Chambre de Commerce et de l’Industrie du Morbihan

[26] Quelle: o.V., « Annick Le Loc'h à la tête du comité départemental », Pressenartikel in: Le Télégramme, 18.Mai 2001

[27] Quelle: Chambre de Commerce et d’Industrie de Nantes et St-Nazaire

[28] Quelle: Préfecture de Vendée

[29] Quelle: Préfecture de Charente-Maritime, 2000

[30] Quelle: Secrétariat d’Etat au Tourisme, « Le tourisme en France métropolitaine », Mai 2001

[31] Quelle: Secrétariat d’Etat au Tourisme, « Comptes provisoires du tourisme 2000 : Texte du rapport présenté à la Commission des Comptes du Tourisme » April 2001

Details

Seiten
48
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638157285
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8871
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Werbepsychologie
Note
1,0
Schlagworte
Krisenmanagement touristisches Image Tankerunglück

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