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Das 1x1 des Selbstmanagements im Leistungssport

Die optimale Vorbereitung auf den Wettkampf

Seminararbeit 2001 14 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Bedeutung von Selbstmanagement im Leistungssport

2. Das Ziel: Intuitiv das Richtige tun

3. Die Voraussetzung: Motivation

4. Die optimale Vorbereitung auf das Sportereignis
4.1 Trainingsmethoden mit Köpfchen
4.1.1 Konzentration / Vorstellungstraining
4.1.2 Erschwerte Trainingsbedingungen als Herausforderung
4.1.3 Die Wichtigkeit von Pausen und Erholung im Sport
4.2 Ängste im Sport
4.2.1 Bewegungsaktivierung durch Angst
4.2.2 Bewegungshemmung durch Angst
4.2.3 Angstbewältigung

5. Der Tag, auf den es ankommt

6. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Die Bedeutung von Selbstmanagement im Leistungssport

Um im Leistungssport dauerhaft Erfolg zu haben und dem vorherrschenden Druck in Wettkampfsituationen gewachsen zu sein, bedarf es einer individuellen Vorbereitung, spezieller Selbstorganisation und Leistungskontrolle. Wie ist es Spitzensportlern immer wieder möglich, ihre Leistungen nochmals zu steigern, Ergebnisse zu toppen und bei wichtigen Wettkämpfen auf den Punkt genau 100% leistungsfähig zu sein? Wie organisiert sich der Leistungssportler in der Vorbereitungsphase, wie schafft er es, mit Druck und Ängsten umzugehen, sie zu positiver Energie umzuwandeln?

Da der Erfolg solcher Methoden im sportlichen Bereich gut meßbar ist, können Ergebnisse wissenschaftlich analysiert und interpretiert werden. Auf den folgenden Seiten wird ein Konzept für erfolgreiches Selbstmanagement im Leistungssport präsentiert, welches dort ansetzt, wo die Weichen auf Sieg gestellt werden: im Kopf des Sportlers.

2. Das Ziel: Intuitiv das Richtige tun

Um im Wettkampf unter dem vorherrschenden Druck bestehen und automatisch in sekundenschnelle reagieren zu können, muß sich der Leistungssportler von Gefühlen, Instinkten und Intuitionen leiten und seine Aktionen leicht und rund ablaufen lassen[1]. Ist ein Tennissportler in Höchstform, kommen Fragen nach dem wie, wann und wohin beim Schlag nicht auf; nach der Ausführung grübelt der Aktive nicht darüber nach, wie schlecht bzw. gut er den Ball getroffen hat. In einer Art automatischem Prozeß wird der Schlag ohne große Überlegung ausgeführt, der Spieler scheint ohne Denken zu wissen, was er tut[2].

In einem Beispiel führt Gallwey an, daß gerade beim Volleyspiel die Zeit zum Nachdenken am Netz nicht ausreicht, man intuitiv reagiert und häufig zu Lei-stungen im Stande ist, die man gar nicht für möglich gehalten hätte[3]. Kommen derartige Situationen gehäuft vor, glaubt der Tennissportler nicht mehr an reines Glück bei seinen Schlägen, sondern fängt an, sich selbst zu vertrauen und Zuversicht davonzutragen.

Bei Aufschlägen von 200 km/h und mehr bleiben dem Körper nur Sekunden-bruchteile zur Reaktion, trotzdem schlägt der Spitzensportler Returns mit Genauigkeit und Härte ins gegnerische Feld zurück. Ziel ist es also, seinem Körper zu vertrauen und ihn den Ball schlagen bzw. den Schläger schwingen zu lassen[4] .

3. Die Voraussetzung: Motivation

Angetrieben durch eine gewisse Energie, die für das Erreichen von Höchst-leistungen erforderlich ist, verwirklicht der Sportler seine Ziele. Diese Motivation ist Voraussetzung für den Erfolg im Wettkampf, hervorgerufen durch ein Motiv, welches durch ein Defizit zum Leben erweckt wird[5]. Um den Hunger nach Erfolg zu befriedigen, wird das Training zur Leistungssteigerung notwendig; der Schritt zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten resultiert somit aus dem Wunsch nach Anerkennung. Zudem ist zu beachten, daß Spitzenleistungen nur in Verbindung mit Freude und Spaß bei der Ausübung der Sportart erbracht werden können[6].

Neben dem Willen und der positiven Einstellung des Sportlers sind sein Können und das Dürfen entscheidend; ist einer dieser Faktoren nicht gegeben, können, laut Niermeyer, Spitzenleistungen nicht erreicht werden[7]. Positive Gedanken stellen zusätzliche Kräfte und Energien frei; deshalb ist eine Vorstellung vom Happy End wichtig, um im Hinterkopf den realen Erfolg zu haben, auf den der Sportler hinarbeitet[8]. Innerlich muß er sich voll auf seine Arbeit konzentrieren und fest dazu entschlossen sein, alles aus seinem Körper herauszuholen. Dazu ist es notwendig, mit Anspannung aber auch entspannt zu handeln, nicht zu verkrampfen aber trotzdem mit dem richtigen Elan bei der Sache zu sein. Ein Mittelmaß zwischen Ernsthaftigkeit und Freude sollte gefunden werden, wobei bereits die schrittweise Annäherung an das Ziel und nicht nur das Ziel selbst motivierend ist.

Lang beschreibt diesen Motivationsprozeß als eine Form des lustvollen Zube-wegens auf das Ziel, dessen Anziehungskraft wie ein Sog wirkt und zusätzliche Energien freisetzt. Hierbei steigern Erfolgserlebnisse das Wohlbefinden des Sportlers, sie halten ihn frisch und verhindern eine vorzeitige Ermüdung[9]. Ähnlich urteilt Niermeyer, der jedoch über die reine Zielvorstellung hinaus den Schlüssel für die Motivation in den Träumen und Visionen des Betroffenen sieht[10]. Ein Olympiateilnehmer setzt demnach ungeahnte Kräfte frei, wenn er - vom Traum einer Medaille geleitet - auf der Zielgeraden über sich hinaus wächst.

4. Die optimale Vorbereitung auf das Sportereignis

4.1 Trainingsmethoden mit Köpfchen

Im physischen Bereich sind Leistungssportler bereits bis an die Grenzen ihres Leistungsvermögens vorgedrungen, so daß einer anderen Variante der Trai-ningskonzeption eine immer gewichtigere Bedeutung zukommt. In Zukunft sollte mehr Wert auf die individuelle Betreuung der Sportler gelegt werden, was eine höhere physische als auch psychische Leistungsfähigkeit bzw. -stabilität verspricht und das Verletzungsrisiko deutlich vermindert. Vergleicht man Mannschaften mit und ohne gezielte Einzelbetreuung so fällt auf, daß die Infektanfälligkeit bei Teams ohne Trainingssteuerung um dreißig Prozent höher liegt als bei Profifußballmannschaften mit Trainingssteuerung[11]. Im Bereich der mentalen Wettkampfvorbereitung ist es für den Leistungssportler wichtig, seine Gedanken handlungsunterstützend einzusetzen und ein optimales Spannungsniveau zu erreichen: bei Müdigkeit muß er über Mittel zur Aktivierung seines Systems verfügen, bei Nervosität muß er wissen, wie er sich beruhigt[12].

Auf wichtige Methoden der psychischen Vorbereitung wird ferner vertiefend eingegangen, wobei die individuelle Anpassung der Übungen an den Sportler und seine Sportart wichtig ist.

4.1.1 Konzentration / Vorstellungstraining

Für die Vorbereitung auf ein Event ist es für den Leistungssportler unum-gänglich, ein klares Ziel zu definieren und sich auf den Wettkampf zu kon-zentrieren. Der Sportler sammelt seine Gedanken und Kräfte, visualisiert seine Ziele und stellt sie sich derart intensiv vor, daß er sie quasi erlebt und das Ge-fühl bekommt, sie bereits erreicht zu haben[13]. Arnold A. und Clifford N. Lazarus betonen die Wichtigkeit des Visualisierens der angestrebten Ziele mit der Aussage, daß eine Handlung erst dann gezielt ausgeführt werden kann, wenn man sich zuvor bereits in der Phantasie in der Situation befunden hat - ein gezieltes Tagträumen kann zusätzliche Energie freisetzen[14]. Um diese Energie richtungsweisend zu konzentrieren, ist die Verwendung von Symbolen wie die Strahlen der Sonne oder das Blinken eines Leuchtturms hilfreich; sie bringt den Athleten unterbewußt seinem Ziel näher.

Je klarer die inneren Bilder vom Sportler gestaltet werden, desto besser kann er Ziele und Aufgaben allein durch die Vorstellungskraft realisieren[15]. Im speziel-len Fall geht der Hürdenläufer zunächst seinen gesamten Bewegungsablauf detailliert durch, lenkt dann in seiner Vorstellung die Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Elemente seines Laufes. Für diese Knotenpunkte sucht der Sportler Metaphern, die seine Gefühlsebene ansprechen und ihn positiv unterstützen, wie z.B. das "Explodieren wie eine gespannte Feder" beim Start[16]. Mit diesen unterstützenden Gedanken im Hinterkopf ist es wichtig, den Weg zum Erfolg in Etappen aufzuteilen, wobei eine konsequente Annäherung an das Ziel erkennbar sein muß. Fokussierung auf das Hier und Jetzt ist entscheidend, Gedanken an mögliche Fehlleistungen und deren Konsequenzen dürfen nicht aufkommen[17]. Sportler konzentrieren sich während ihrer Bestleistung allein auf die Bewegung, die sie gerade ausführen, während sie die schlechtesten Leistungen dann zeigen, wenn sie an den Ausgang des Wettkampfes denken und mit ihren Gedanken abschweifen[18].

Fortwährende Konzentration führt jedoch zu Müdigkeit, welche sich negativ auf die Bereiche Kondition, Technik und Koordination auswirkt. Das Ab-schweifen vom eigentlichen Geschehen kommt im Leistungssport regelmäßig vor, da in diesem Sektor größte Mengen an Energie für die Konzentrationsfähigkeit verbraucht werden. Die Lösung für dieses Problem beschreiben Wörz und Theiner als Umschalttechnik vom Erfassen der Gesamtsituation zur exakten Fokussierung auf einen Bewegungsablauf mit anschließender Entspannung[19]. Ein Tennisspieler sieht beispielsweise als Rahmen den derzeitigen Spielstand und entscheidet demnach auf Angriff oder Abwehr. Sobald der Ball im Spiel ist, muß er umschalten und der individuellen Situation seine volle Aufmerksamkeit schenken. Er konzentriert sich auf seine Schläge und richtet sie nach den zuvor gemachten Überlegungen aus. Nach Beendigung des Ballwechsels hat er kurz Zeit zur Entspannung, bevor sich der gerade beschriebene Prozeß wiederholt.

4.1.2 Erschwerte Trainingsbedingungen als Herausforderung

Um der Wettkampfsituation auch im Training nahe zu kommen, können er-schwerte Trainingsbedingungen als Herausforderung angewendet werden. Durch bestimmte Auflagen wird der Sportler unter Druck gesetzt; er ist gezwungen, sein Bestes zu geben und Topleistungen auch im Training zu zeigen[20]. Ein Golfspieler erhält beispielsweise zehn Versuche zum Einputten von einer vorgegebenen Entfernung aus. Nach Absprache mit dem Trainer wird eine bestimmte Zahl Schläge vereinbart, die erfolgreich abgeschlossen werden müssen. Daraufhin wird über die Konsequenzen bei Nichterreichen der Lei-stung verhandelt, wobei diese nutzbringend gewählt werden sollten. Beispiele sind zusätzliches aerobes Ausdauertraining zur Steigerung der Regenerations- und Konzentrationsfähigkeit oder eine vom Sportler selbst gewählte Entbehrung, wie der Verzicht auf einen Kinobesuch[21].

[...]


[1] Vgl. Wörz, Thomas und Theiner, Egon: Erfolg durch Selbstmanagement in Leistungssport und Berufsleben.

Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, 1999. S. 9.

[2] Vgl. Gallwey, W. Timothy: Tennis und Psyche. Das Innere Spiel. New York. Random House Verlag, 1974. S. 25.

[3] Vgl. Gallwey, W. T.: a. a. O., S. 27.

[4] Vgl. ebda., S. 46f.

[5] Vgl. Wörz, T. u. Theiner, E. : a. a. O., S. 14ff.

[6] Vgl. ebda.

[7] Vgl. Niermeyer, Rainer: Motivation - Instrumente zur Führung und Verführung. Freiburg. Haufe Verlag, 2001. S. 18.

[8] Vgl. Kaminski, Eva: 30 Minuten für mehr Erfolg durch Coaching. Offenbach. Gabal Verlag, 2001. S. 48.

[9] Vgl. Lang, Rudolf W.: Schlüsselqualifikationen. Handlungs- und Methodenkompetenz, Personale und Soziale

Kompetenz. 1. Auflage. München. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2000. S. 80f.

10 Vgl. Niermeyer, R.: a. a. O., S. 32.

[11] Vgl. Wienecke, Elmar: Patient Bundesliga. Mit gezieltem Training und richtiger Ernährung gegen extreme

Leistungsschwankungen und das Verletzungschaos im Leistungssport. 1. Auflage. Bielefeld. LebensBaum

Verlag, 1998. S. 10.

[12] Vgl. Wörz, T. und Theiner, E.: a. a. O., S. 102.

[13] Vgl. Kaminski, E.: a. a. O., S. 47.

[14] Vgl. Lazarus, Arnold A. und Lazarus, Clifford N.: Der kleine Taschentherapeut: in 60 Sekunden wieder o.k.

3. Auflage. Stuttgart. Klett-Cotta Verlag, 1999. S. 18f.

[15] Vgl. Kaminski, E.: a. a. O., S. 47.

[16] Vgl. Wörz, T. und Theiner, E.: a. a. O., S. 70ff.

[17] Vgl. Kaminski, E.: a. a. O., S. 68f.

[18] Vgl. ebda., S. 69.

[19] Vgl. Wörz, T. und Theiner, E.: a. a. O., S. 64ff.

[20] Vgl. ebda., S. 81f.

[21] Vgl. ebda.

Details

Seiten
14
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638040068
ISBN (Buch)
9783638936408
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88711
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück – Wirtschaft
Note
1,0
Schlagworte
Leistungssport Organisation Kommunikation Selbstmanagement Sport Sportmanagement

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