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Das Kopftuch als religiöses Symbol - Zum aktuellen Kopftuchstreit

Hausarbeit 2006 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktionen des Kopftuchs
2. 1 Kopftuch als Kleidungsstück
2. 2 Das Kopftuch als Symbol

3 Das Kopftuch in der aktuellen Debatte
3. 1 Der Kopftuchstreit
3. 2 Kopftuchstreit als Katalysator

4 Zusammenfassung und Perspektiven

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dem Proseminar „Dinge des Alltags“ beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Betrachtung von alltäglichen Gegenständen. Dabei stand neben der Geschichte und Entwicklung des Gegenstands auch die Bedeutung, die er für Menschen hat und beigemessen bekommt, im Vordergrund der Untersuchungen. In dem Seminar wurde klar, daß Dinge mehr sind als nur ihre materielle Existenz und der sich aus ihr ergebende Gebrauch.

Eine Vogelfeder beispielsweise ist einerseits nur ein Teil des Gefieders eines Tieres. Stellt man sie sich aber im Zusammenhang mit einem Buch oder Tinte vor, erkennt man die Symbolhaftigkeit der Feder. Sie ist ein Zeichen für Schreibfertigkeit und für Bildung. Man denkt an Aussprüche wie „die Feder ist stärker als das Schwert“ und sieht alte Gelehrte, wie sie im Kerzenlicht kunstvolle Linien auf altes Pergament schreiben.

Man kann daran, wie und wofür Dinge gebraucht werden, erkennen, welche Bedeutung ihnen zugeordnet wird. Für Emilie Durkheim sind Sachen verfestigte Formen gesellschaftlichen Handelns, auf derselben Stufe wie immateriell institutionalisierte Verhaltensregeln und Zwänge[1]. Das bedeutet, von einem Gegenstand kann man auch viel über den Besitzer, Benutzer, die Gesellschaft usw. erfahren. Insbesondere Kleidung besitzt einen hohen Grad an Zeichenhaftigkeit und bildet ein eigenes kommunikatives Regelsystem[2]. Kleidung soll eine Aussage über unsere Person machen und uns in unserer Umwelt darstellen.

Das Kopftuch ist unzweifelhaft eines der am meisten mit Bedeutung aufgeladenen Kleidungsstücke unserer Zeit. Die aktuellen Diskussionen über das Für und Wieder von Kopftüchern in öffentlichen Ämtern, über Integrations- und Migrationspolitik sind noch nicht beendet und werden noch lange Zeit ein kontrovers diskutiertes Thema bleiben. Diese Hausarbeit beschreibt die Funktionalität, den Symbolcharakter bzw. die Zeichenhaftigkeit des Kleidungsstücks Kopftuch und leitet Schlußfolgerungen daraus ab.

2 Funktionen des Kopftuchs

Im Gegensatz zu anderen Gegenständen, zum Beispiel einer Gabel oder eines Messers, deren Zweck und Benutzung vergleichsweise eindeutig sind, kann man nicht zweifelsfrei erkennen, aus welchem Grund oder zu welchem Zweck jemand ein Kopftuch trägt. Dies läßt sich nur durch weitere Informationen über die Person erfahren. Das Tragen eines Kopftuches kann verschiedene Funktionen für den Träger haben. Oder es können sogar mehrere Gründe einen Menschen dazu bewegen, sich ein Kopftuch umzubinden. Man kann also von einem Benutzungsmuster sprechen, das aus Gründen, Vorstellungen und Funktionen besteht, die der Träger mit „seinem“ Kopftuch verbindet. Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Benutzungsmustern ist wesentlich. Für das juristische Thema Kopftuch besteht zum Beispiel ein Unterschied, ob man ein Kopftuch aus religiösen oder anderen Gründen trägt.

Das Erkennen der verschiedenen Funktionen und Bedeutungen eines Dinges hängt zudem vom Betrachter und von seinen Erfahrungen ab. Je nach Wissensstand wird ein Betrachter andere Bedeutungen mit einer Sache assoziieren als jemand anderes. Wenn jemand kürzlich in einer Tageszeitung einen Artikel über einen Gegenstand in einem bestimmten Zusammenhang gelesen, hat, wird er wahrscheinlich den Gegenstand aus einer anderen Perspektive sehen können, als jemand, der dieses Wissen nicht hat.

Im Folgenden wird zwischen den Funktionen, die sich auf das Kopftuch als Kleidungsstück, also als materiellen Gegenstand beziehen, und solchen, die sich auf den Symbolcharakter des Kopftuches beziehen, unterschieden.

2. 1 Kopftuch als Kleidungsstück

Eine naheliegende Funktion des Kopftuches ist, es als Kleidungsstück zu gebrauchen. Kopftücher wurden und werden in vielen Völkern der Welt als praktisches Utensil gebraucht, um den Kopf abzudecken und die Haare festzuhalten. Das kann zum Beispiel eine Erleichterung der Arbeit bedeuten, wenn die Haare durch ein Kopftuch fixiert sind. Oder der Kopf wird vor der Bestrahlung durch die Sonne geschützt. Auch bei der industriellen Arbeit war ein Kopftuch wichtig, um beispielsweise Verletzungen an Maschinen o. ä. zu vermeiden. Das Kopftuch ist demnach ein typischer Teil der Arbeitsbekleidung der ländlichen und städtischen Bevölkerung auf der ganzen Welt. Eine weitere Schutzfunktion besitzt das Kopftuch oder das Gesichtstuch bei Wüstenvölkern. In Gebieten mit hoher Trockenheit und mit Sandverwehungen wird so das empfindliche Gesicht geschützt.

Bei jedem Kleidungsstück besteht auch die Möglichkeit, es aus modischen Gesichtspunkten zu tragen. So gibt es auch für Kopftücher verschiedenste Modelle in allen erdenklichen Farben und Formen. Es besteht Nachfrage nach ausgefallenen Kopftüchern, die den religiösen Vorgaben entsprechen und gleichzeitig den Stil der Trägerin und dem Anlaß gerecht werden[3]. Um Frauen islamischen Glaubens als Arbeiter zu gewinnen, haben verschiedene Arbeitgeber spezielle Kopftücher für den Beruf entwickelt. Westliche Firmen, die in islamisch geprägten Ländern aktiv sind, lassen Kopfbedeckungen schneidern, die zur Arbeitsbekleidung paßt und die Imame zufriedenstellt. Für muslimische Polizistinnen in London wurde ein passendes Kopftuch zur Uniform entworfen[4]. So vielfältig die Lebensbereiche sind, in denen Kopftücher getragen werden, so verhält sich auch das Angebot. Für Muslime ist wichtig, daß ein Imam die Kleidungsstücke als islamisch korrekt befindet. Die Nachfrage nach Kopftüchern stieg in letzter Zeit auch dadurch, „weil viele Muslime sich wieder stärker ihrer Religion zuwenden, ohne ihr Interesse an westlicher Mode zu verlieren“[5].

Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein war das Kopftuch in Deutschland ein übliches Kleidungsstück. In vielen Modezeitschriften aus den 50er Jahren wurden Kopftücher angeboten. Wobei das biedere und streng am Kopf anliegende Kopftuch in der Mode durch wallende und luftigere Tücher ersetzt wurden. Dem strengen Kopftuch wurde in den Medien und in der Gesellschaft eine stark konservative Frauenrolle zugeschrieben. Das Kopftuch verkörperte das Bild vom „Heimchen am Herd“, von einer sich zurücknehmenden und scheuen Frau. Im Zuge der Frauenbewegung und Emanzipation änderte sich das Frauenbild in der Gesellschaft. Kopftücher wurden unmodern und für Frauenrechtlerinnen als Zeichen der alten Rollenklischees. Das Interesse an Kopftüchern in Deutschland verlor sich.

[...]


[1] Durkheim, E. in: Schutz und Schürze v. E. Gaugele, 2002, S. 6

[2] Gaugele, E. (2002). Schutz und Schürze. S. 17

[3] Rößler, H. (2006). Das Accessoire des Islam. S. 9

[4] siehe Fn. 3

[5] siehe Fn. 3

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638034784
ISBN (Buch)
9783638932554
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88855
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,3
Schlagworte
Kopftuch Symbol Kopftuchstreit

Autor

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