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Das System der Interpunktion - Die Satzabschlusszeichen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Satzmodus

3. Die Satzabschlusszeichen
3.1. Die Hauptnormen des Punktes
3.2. Die Hauptnormen des Fragezeichens
3.3. Die Hauptnormen des Ausrufezeichens
3.4. Mischtypen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gehen wir ins Kino!?

Was steckt hinter dieser Satzkonstruktion? Ist es eine Frage, auf die der Produzent eine Antwort erwartet, oder ist es ein Ausruf in Form einer Aufforderung?

Bereits dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die Satzzeichen für die Ausübung der Sprache sind. Durch sie erfährt der Rezipient, ob es eine Information, Aufforderung oder Frage ist, und erst dann ist er in der Lage entsprechend darauf zu reagieren. Das oben angeführte Beispiel kann trotz der identischen Wortstellung zum einen als Frage gestellt werden, folglich stellt es einen Interrogativsatz dar, aber auch zum anderen als Aufforderung gebraucht werden, d.h. als Imperativsatz. In diesem Fall entscheidet das Satzabschlusszeichen über die Interpretation.

Im Bereich der Interpunktion werden drei Hauptgruppen von Satzzeichen unterschieden: zum einen die Satzschlusszeichen, die Satzmittezeichen und die paarigen Satzzeichen. Jedes Satzzeichen hat eine besondere Aufgabe. Übereinstimmend erfüllen alle Satzzeichen eine Grenz- und Gliederungsfunktion, die es dem Leser ermöglichen, umfangreiche Textstrukturen zu erfassen. Innerhalb des Zeichensetzungssystems nehmen die Satzzeichen ein hierarchisches Verhältnis ein, worin die Satzabschlusszeichen die höchste Stufe belegen, da sie sich nicht nur auf ein Wort, sondern auf den ganzen Satz beziehen.

Im Satzmodussystem stehen die Funktionstypen für die rein strukturelle Bedeutung der entsprechenden Satztypen. Diese reine Strukturbedeutung kann vom Produzenten durch den Einsatz von zusätzlichen Ausdrucksmitteln modifiziert oder vollständig verändert werden.

Die folgende Bearbeitung stellt die Satzabschlusszeichen in den Mittelpunkt der Analyse. Die gemeinsame Grundfunktion der Satzabschlusszeichen, Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen, ist die Gliederung von Texten. Neben dieser Grenz- und Gliederungsfunktion besitzen aber auch einige Satzzeichen die Fähigkeit, die Aussageabsicht des Schreibenden darzustellen und die kommunikative Funktion des Satzes deutlich zu machen. Da die Satzzeichen ein stilistisches Mittel zur Schreibung von Texten sind, bleibt folglich dem Produzenten innerhalb der aufgestellten Normen immer noch ein gewisser eigener Gestaltungsspielraum.

Nach einer ausführlichen Darstellung der einzelnen Satzabschlusszeichen, deren Hauptnormen und der Charakterisierung der einzelnen Satzmodi folgt eine Erörterung der Mischtypen. Trotz der überwiegend klaren Beschreibungsmöglichkeiten der Satzarten, können dennoch Mischtypen, wie das oben angeführte Beispiel, auftreten.

2. Satzmodus

Die Dudengrammatik unterscheidet in weitgehender Übereinstimmung mit der neueren Forschung fünf Satzarten: Deklarativsatz, Interrogativsatz, Imperativsatz, Desiderativsatz und Exklamativsatz.

Dabei entspricht der Begriff Satzart den Bezeichnungen Satzmodus oder Ganzsatz, wobei die Bezeichnung Ganzsatz nicht mit ganzen Sätzen gleichzusetzen ist (vgl. Primus 1997: 466).

Dem Duden (1995: 591) zufolge, beschreibt diese Begrifflichkeit

feste sprachliche Muster [...], die aus dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren entstehen. Solche Faktoren sind:

- der Modus des finiten Verbs
- die Stellung des Verbs im Satz
- das Vorkommen bzw. die Besetzung von bestimmten syntaktischen Positionen [...]
- die Intonation und – damit zusammenhängend – bei geschriebener Sprache eine bestimmte Interpunktion.

Satzmodi entstehen folglich durch das Zusammenwirken mehrerer voneinander unabhängiger Faktoren. Dabei ist zu bedenken, dass nicht alle Eigenschaften eines Satzmodus in einer Äußerung auftreten müssen. Ebenso wie in anderen Bereichen der Sprachwissenschaft gibt es hier prototypische Repräsentanten, die das Zentrum bilden und abweichende Formen, welche die Peripherie kennzeichnen. Je weniger Eigenschaften eines bestimmten Satzmodus eine Äußerung hat, um so peripherer ist sie und um so eher können Satzmodusüberlappungen auftreten.[1] So kann ein Fragesatz eine Aufforderungshandlung beinhalten Würdest du jetzt bitte kommen? und ein Aussagesatz als Aufforderung fungieren Ich bestehe darauf, dass du sofort kommst. (vgl. Dürscheid 2002: 170)

Die relevante Bezugsgröße für das Satzabschlusszeichen ist der Satzmodus, nicht die Sprechhandlung. Somit dienen die Satzabschlusszeichen als Kennzeichnung von Sätzen und nicht von Sprechhandlungen (Dürscheid 2002: 170)

Nach Primus (1997: 467) ist ein Satzmodus eine Bezeichnung für eine durch bestimmte Formmerkmale determinierte Klasse von selbstständigen Äußerungen mit einer illokutiven oder illokutiv relevanten Funktion. Ein Satzmodus kann im Gegensatz zu einer Satzform nur syntaktisch selbstständig, d.h. nicht untergeordnet, auftreten.[2] So bilden Nebensätze nur dann einen Satzmodus, wenn sie nicht syntaktisch untergeordnet sind: Wenn er nur käme! oder Ob er mir hilft?

Für Primus (1997: 468) ist die Satzmodusbezeichnung für eine syntaktisch untergeordnete Satzform ein grober sachlicher Fehler. Dabei verweist sie auf die Behauptung des Rechtschreibdudens (1991), dass es Interrogativ-, Imperativ- und Optativsätze gäbe, die von einem Deklarativsatz abhängig seien.[3] Bereits in der Vorlage für die amtliche (neue) Regelung (1995) wird der Satz Sie fragte ungeduldig, ob er endlich käme. nicht als Frage-, sondern als Aussagehandlung über eine Fragehandlung bezeichnet, wodurch der zuvor geäußerten Darstellung des Dudens widersprochen wird.

Hinzukommend weist Primus (1997) den satzförmigen Teilen einer nebengeordneten Satzreihe einen Satzmodus zu, wenn sie als Teile einer Äußerung mit einer gemeinsamen illokutiven Funktion fungieren Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.

Ein Satzmodus kann auch durch eine unvollständige Satzform realisiert werden: Gute Reise!, Danke!, Nein, morgen., oder Warum nicht?. Wichtig dabei ist, dass sie als selbstständige Äußerungen mit einer eigenen illokutiven Funktion verwendet werden (vgl. Primus 1997: 469).

Den Zusammenhang zwischen Satzmodusindikatoren, Satzmodus und Sprechaktfunktion stellt Primus (1997: 469) wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Zusammenhang zwischen Satzmodusindikatoren, Satzmodus und Sprechakt

Auch Meibauer (2001²) setzt sich mit der Thematik Satztypen und Satzmodus auseinander. In Anlehnung an Altmann (1987) beschreibt Meibauer (2001²: 71ff.) folgende Unterscheidungskriterien:

a) Reihenfolgemerkmale (Stellung des finiten Verbs und von Frageausdrücken)
b) Morphologische Merkmale (Modus des Verbs)
c) Kategoriale Merkmale ( bestimmte Wortarten)
d) Intonatorische Merkmale (Intonation und Akzent).

Darin ist eine vollkommende Übereinstimmung mit der Dudenbeschreibung zu verzeichnen.

Aufgrund von möglichen Verwechslungen von Form und Funktion verwendet Meibauer (2001²) für die Bezeichnung der Formtypen lateinische und für die Funktionstypen deutsche Namen. Diese Form der Unterscheidung wird in dieser Arbeit übernommen. So liegt etwa bei dem Satz Du bleibst nachher noch hier. ein Deklarativsatz mit einer Aufforderung vor.

Meibauer (2001²: 76) zufolge, wird von Satzmodus gesprochen, wenn die semantische Einheitlichkeit bestimmter Satztypen ausgedrückt werden und über eine bloße formale Bestimmung hinaus gehen soll. Dabei unterscheidet er zwei wesentliche Auffassungen:

Die erste Auffassung beinhaltet, dass der Satzmodus ein Einstellungstyp ist. Dieser Ansatz geht unter anderem auf Altmann (1987) zurück, welcher die Idee zugrunde legt, dass es neben den formalen Satztypen eine Satzmodalität gibt, die die Einstellung des Sprechers zum Inhalt des Satzes ausdrückt. Altmann (1987: 22) bezeichnet mit dem Begriff Satzmodus „die regelmäßige Zuordnung eines Satztyps (oder einer Gruppe von Satztypen) mit angebbaren formalen Eigenschaften zu einer bestimmten Art von Funktion (oder zu einer Gruppe von Funktionen) im sprachlichen Handeln [...] ‚Satzmodus‘ bezeichnet also ein komplexes sprachliches Zeichen mit einem Form- und einem Funktionsaspekt“.

Die zweite Auffassung beschreibt den Satzmodus als einen Referenztyp nach den Ansätzen von Brandt/ Reis/ Rosengren/ Zimmermann (1992), wobei die Grundidee darin besteht, dass „die Proposition eines Satzes in Korrespondenz zum Sachverhalt der Wirklichkeit steht“ (Meibauer 2001²: 80). Folglich gilt für einen Deklarativsatz, dass ein Sachverhalt existiert, der die Proposition des Satzes verdeutlicht.

[...]


[1] näheres dazu unter Kapitel 3.4. Mischtypen

[2] Satzform = syntaktische Klassifizierung in einfacher vs. komplexer Satz, unterge-ordneter Teilsatz (Nebensatz) vs. übergeordneter Teilsatz (Hauptsatz), satzwertige Infinitiv- und Partizipkonstruktion u.a. (vgl. Primus 1997)

[3] siehe Regelung R 160 des Rechtschreibdudens 1991

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638025454
ISBN (Buch)
9783638921794
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89067
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
System Interpunktion Satzabschlusszeichen Satzzeichen

Autor

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