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Ein Einblick in soziologische Theorieansätze - Ulrich Beck: "Die Risikogesellschaft"

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Gegenstand der Risikogesellschaft

2. Theorie der Risikogesellschaft

3. Die drei Säulen der Risikogesellschaft
3.1 Das Theorem der dreifachen Individualisierung
3.2 Der Integrationsaspekt

4. Die reflexive Modernisierung

5. Globalisierung

6. Rezeption und Kritik

7. Sport als Spiegel der Risikogesellschaft

8. Literaturverzeichnis

1. Der Gegenstand der Risikogesellschaft

Wenn man heute in Zeiten von Harz IV eine Umfrage zum Thema: „Für wie gesichert halten sie ihren Lebensabend?“ starten würde, wäre die Antwort der meisten Menschen: „Für sehr unsicher.“ oder „Es ist riskant zu planen.“

Arbeitslosigkeit und ihre Folgen sind für viele Menschen die größte Bedrohung in ihrem Leben.

Für dieses und andere Risiken bietet die Sozialwissenschaft seit Mitte der 80er Jahre einen Schlüsselbegriff – die „Risikogesellschaft“.

Die Diskussion um diese Art des Gesellschaftskonzeptes wurde 1986 durch den Soziologieprofessor Ulrich Beck (*1944) entfacht. In diesem Jahr veröffentlichte er sein Buch „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne.“

Als solche bezeichnet er eine moderne Gesellschaft, in der die sozialen, politischen, ökologischen und individuellen Risiken aus einem industriegesellschaftlichen Fortschritt resultieren, der sich mehr und mehr den bestehenden Kontroll- und Sicherungsvorkehrungen dieser Gesellschaft entzieht. Somit thematisiert er also auch die Frage, wie mit derartigen Risiken umzugehen ist.

Ziel seiner Gesellschaftstheorie war die Verknüpfung des Handlungs- und des Strukturaspektes (vgl. Treibel 1993, S. 220).

Man kann annehmen, dass dieses Gesellschaftskonzept unter den heutigen regionalen aber auch globalen Gefährdungslagen der Bevölkerung regen Zuspruch erhält.

2. Theorie der Risikogesellschaft

In der Soziologie gibt es verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung der sozialen Wirklichkeit. Sie wird abgeleitet von den sozialen Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten, damit das resultierende Wissen zur Gestaltung einer besseren Gesellschaft beitragen kann.

Während andere sozialwissenschaftliche Konzeptionen die postmoderne oder postindustrielle Gesellschaft als die Zukunft der Industriegesellschaft sehen, stellt die Risikogesellschaft einen Entwurf der Weiterentwicklung der Industriegesellschaft dar, bei dem zwei gegenläufige Richtungen zu beobachten sind.

Zum einen wird die bisherige Entwicklung wie Modernisierung, Rationalisierung und technischer Fortschritt fortgesetzt. Zum anderen aber werden durch diese Fortführung die Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsform gefährdet.

Hier geht es nicht mehr nur um die Verteilung der gesellschaftlich erzeugten Güter und Reichtümer wie Einkommen, Arbeitsplätze oder soziale Sicherheit. Diese Verteilung bestimmte das Wesen der klassischen Industriegesellschaft und ihrer Institutionen.

In der Risikogesellschaft wird alles von der Frage nach der Zurechnung überschattet. Sie entbrennt darüber, wie die Folgen der mit der Güterproduktion erzeugten Risiken abgewendet, gesteuert und legitimiert werden können. Beck nennt dies die „Logik der Risikoproduktion und die Logik der Risikoverteilung“ (Beck 1986, S. 25).

Die Risikogesellschaft ist also ein Abschnitt oder das Ende der Moderne, in dem die erzeugten Gefährdungen drohen, ein Übergewicht zu erlangen.

Beck zufolge sind diese globalen Gefährdungen so neuartig, dass sie eine neue Gesellschaftsbezeichnung rechtfertigen. „Gesellschaften, die zunächst verdeckt, dann immer offensichtlicher mit den Herausforderungen der selbst geschaffenen Selbstvernichtungsmöglichkeiten allen Lebens auf dieser Erde konfrontiert sind, nenne ich Risikogesellschaften“ (Beck, 1988, S. 109).

3. Die drei Säulen der Risikogesellschaft

Das Konzept der Risikogesellschaft versucht Beziehungen innerhalb der bestehenden Gesellschaft aufzudecken.

Dies bezieht sich zum einen auf das Verhältnis der Gesellschaft zu den Ressourcen von Natur und Kultur. Auf ihnen baut sie sich auf, aber sie minimiert sie durch die Industrialisierung. Dabei handelt es sich nicht nur um Bodenschätze, sondern auch um kulturelle und soziale Kräftereservoire wie die Familie.

Zum Zweiten geht es um die Gesellschaft und die von ihr erzeugten Gefährdungen und Probleme. Sie übersteigen die bisherigen Grundlagen gesellschaftlicher Sicherheitsvorstellungen, und werden sie bewusst, so können sie die bestehende Gesellschaftsordnung erschüttern. So wird heute besonders der Bereich des politischen Handelns und der politischen Entscheidungen in Zweifel gezogen.

In der vorindustriellen Gesellschaft waren die Gefährdungen der Menschheit nicht abzusehen.

Pest, Hunger und andere Katastrophen gehörten zum Leben dazu, wurden aber nicht von Menschenhand geschaffen. Die heutigen Risiken haben sich aber durch die rationale Herstellbarkeit der menschlichen Lebensverhältnisse in unkalkulierbare Risiken verwandelt – auch für die beteiligte und verantwortliche Industrie und Politik.

„Die Risikogesellschaft ist also [...] eine Katastrophengesellschaft. In ihr droht der Ausnahmezustand zum Normalzustand zu werden“ (Beck 1986, S. 105).

Dies gilt nicht nur für z. B. die Kalkulation von Transportrisiken oder Kriegsgewinne, sondern auch für das individuelle Leben: Unfälle, Krankheiten, Tod, soziale Unsicherheit und Armut. Eine Veränderung, die zum Aufbau der Sozialversicherung und zur Auffassung der Gesellschaft als Risikogemeinschaft geführt hat.

Aber auch andere gesellschaftliche Bereiche, die früher als naturwüchsig aufgefasst wurden wie Familiengröße, Berufswahl und Mobilität, gelten nun als sozial und individuell entstanden und damit als verantwortet und entscheidbar.

Diese Situation bietet Möglichkeiten zur eigenständigen Gestaltung, enthält somit aber auch die Gefahr der Fehlentscheidungen. So unterscheidet Beck zwischen Risikogewinnern und Risikoverlieren. „Gerade mit der Entfaltung der Risikogesellschaft entfalten sich daher die Gegensätze zwischen denjenigen, die von den Risiken betroffen sind, und denjenigen, die von ihnen profitieren. Ähnlich wachsen die soziale und politische Bedeutung des Wissens, und damit die Verfügung über die Medien, das Wissen zu gestalten (Wissenschaft und Forschung) und zu verbreiten (Massenmedien). Die Risikogesellschaft ist in dem Sinn auch eine Wissenschafts-, Medien- und Informationsgesellschaft. In ihr tun sich damit neue Gegensätze auf zwischen denjenigen, die Risikodefinitionen produzieren und denjenigen, die sie konsumieren“ (Beck 1986, S. 61-62).

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Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638025522
ISBN (Buch)
9783640108794
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89083
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
Schlagworte
Einblick Theorieansätze Ulrich Beck Risikogesellschaft Aufbaukurs Sport Industriegesellschaft

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