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Prostitution in Deutschland - Eine Subkultur?

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Von der Kultur zur Subkultur
2.1 Die Subkultur und ihre Definitionen
2.2 Milieu oder Subkultur

3. Prostitution: Definitionen
3.1 Formen der Prostitution heute
3.2 Zwangsprostitution und Kinder- und Jugendlichenprostitution

4. Die Subkultur der Prostitution?

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jedes Individuum einer Gesellschaft wird früher oder später, gemäß dem Fall, es isoliert sich nicht völlig gegenüber jeglichem Kontakt ab, mit anderen Individuen seiner Gesellschaft konfrontiert. Im Zuge einer Kontaktaufnahme kommt in allen Bereichen bei einer ungezwungenen Kommunikation auch die Frage nach der persönlichen Vorstellung gegenüber dem Kommunikationspartner. Will man weiterhin etwas außer dem Namen von der Person erfahren mit der man interagiert, fällt zumeist als nächste Frage, die nach der Tätigkeit, die die Person beruflich ausübt. Wobei dabei immer ein gewisses Bild mitschwingt, das sich innerhalb von Sekunden in dem Kopf unseres Gegenüber aufbaut, was er sich aus seiner persönlichen Erfahrung und aus verankerten Normen und Werten, erlangt durch seine Sozialisation, zusammen setzt. Bilitewski u.a. nennen dies das Klischee, das einem jeden Beruf von einer Gesellschaft zugeordnet wird, entsprechend der Konformität oder der Abweichung von den in der jeweiligen Gesellschaft manifestierten Normen und Werten (vgl. Bilitewski u.a. 1989: 11). Dieses Klischee kann zum einen überwiegend positive Konnotationen enthalten, zum anderen aber auch überwiegend negative Konnotationen oder beides im ungefähr gleichen Maße. Dies ist bei der Beurteilung und Sympathielenkung gegenüber der Person mitunter entscheidend. Eine andere Wirkung hat man zu erwarten, wenn man sich mit dem Namen vorstellt und entweder die Worte anfügt, „ich bin Bankkauffrau“ oder wenn man hinzufügt, „ich bin Prostituierte“. Die Reaktion auf letztere Worte, beschreibt die Prostitutionsforschung mit fast einhelliger Meinung als negativ im Sinne von einer daraus resultierenden abwertenden Ansicht des Gegenüber zur Prostitution. „Trotz allgemeiner Liberalisierung, jahrelangen Geschlechterkampfes und sexueller Revolution im Zusammenhang mit dem erstarkten Feminismus in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts sind Sex und Sexualität ein Tabubereich geblieben.“ (Pheterson 1990: 7). Der Sex und die Sexualität, so Pheterson, gehören nach Ansicht der Mehrheit der Gesellschaft in den Privatbereich jeder Person, der unangetastet bleibt, weswegen auch der Handel und der Einkommenserwerb mit Sex als Verstoß gegen gewisse Normen angesehen wird (vgl. ebd.: 7-8). Daher widerspricht auch die „Prostitution, die körperliche Hingabe des Körpers zur sexuellen Betätigung aus anderen Motiven als Liebe, (…) dem sexuell-erotischen Standard und empört das moralische Empfinden.“ (Gödtel 1992: 79). Dennoch wird die Prostitution als fest verankerte gesellschaftliche Institution bezeichnet und gilt als ältestes Gewerbe der Welt. Thomas von Aquin stellte hierzu fest: Die Prostitution gehört zur Gesellschaft, wie die Kloake zum herrlichsten Palast.“ (Thomas von Aquin, zitiert nach Krafft 1996: 129). Der Vergleich zur Kloake verdeutlicht auch hierbei den Status bzw. das Ansehen, das die Prostitution genießt. Direkt von diesem Urteil betroffen sind alle, die aktiv mit der Prostitution zu tun haben, also hauptsächlich die Prostituierten und die Zuhälter.

Bezüglich westlichen modernen Gesellschaften wird daher in der Forschung von einer Ausgrenzung der Prostitution und mit ihr der Prostituierten, die als einheitliche Gruppe aufgefasst werden, gesprochen (vgl. Girtler 2004: 274; vgl. auch Drössler u. Kratz 1994: 33; Bargon 1982: 150). Meyer und Holter sprechen in diesem Zusammenhang von „einer Subkultur der Prostitution“ (Meyer und Holter 1994: 18). Pheterson bemängelt in ihrer Studie zum Beruf der Hure die Stigmatisierung der Prostituierten, die in einer „Prostituierten-Subkultur“ resultiert, ausgelöst durch die herrschende Kultur der Gesellschaft (vgl. Pheterson 1990: 11). Girtler bestätigt ebenfalls die Ausgrenzung, bezeichnet die Prostitution allerdings als „Randgruppe“ (Girtler 1995: 20).

Inwiefern diese Bezeichnung als Subkultur auf die Prostitution zutrifft und ob die Prostitution als einheitliche Gruppe erfasst werden kann, wird nun in dieser Arbeit untersucht.

Dazu wird zuerst näher betrachtet, was unter dem Begriff der Subkultur verstanden wird. Denn hinsichtlich des Begriffs Subkultur und der Begriffe aus denen er sich zusammensetzt, bestehen, wie Wienkoop feststellt, unterschiedliche Auffassungen und Definitionen (vgl. Wienkoop 1989: 16). So haben z.B. im Jahre 1964 „amerikanische Wissenschaftler bei einer Untersuchung nicht weniger als 257 Definitionen des Kulturbegriffs gefunden.“ (Wienkoop 1989: 20).

Nach einer Definition des Begriffs der Subkultur ist dann zu prüfen, was unter dem Begriff Prostitution verstanden wird und ob man dabei von einem einheitlichen Phänomen ausgehen kann. Denn in der Forschung ist dies ähnlich wie der Begriff der Subkultur ein umstrittener Begriff (vgl. Ueckert, Holter, Knörr 1994: 9). Laut Feustel sind an einer einheitlichen Definition schon früher Soziologen gescheitert, wie z.B. Hirschfeld und Götz 1929, die ergebnislos blieben und daraufhin den Vorschlag machten, „von einer Definition überhaupt abzusehen.“ (Feustel 1993: 7). Ab welcher Form von sexueller Handlung von Prostitution gesprochen wird und wer unter den Begriff der Prostituierten fällt, ist daher im Folgenden zu untersuchen. Hierzu wird ein kurzer Überblick über die heutigen Betriebsformen der Prostitution gegeben, um an diesen die Definitionen zu prüfen und um den Umfang des Phänomens Prostitution erfassen zu können.

Weiterhin ist nach Leo festzustellen, dass die Prostitution nicht nur allein auf die Prostituierten zurückzuführen ist, sondern neben den Prostituierten auch deren Zuhälter an der Prostitution beteiligt sind, wobei diese häufiger mit dem Begriff des Milieus in Zusammenhang gebracht werden, der auch sonst gelegentlich zur Umschreibung der Prostitution verwendet wird (vgl. Leo 1995: 15).

Dabei wird der Begriff des Milieus auch zum Teil synonym zum Begriff der Subkultur verwendet wird (vgl. Schwendter 1993: 18-19). Es ist daher ebenso zu prüfen in welcher Beziehung der Milieubegriff zu dem der Subkultur steht.

2. Von der Kultur zur Subkultur

Der Begriff der Subkultur in der Soziologie geht nach Brake zurück „auf McLung Lee (1945) und M. Gordon (1947), die in der Subkultur ein Subsystem der nationalen Kultur sahen.“ (Brake 1981: 15). Wobei der Begriff der Kultur noch genauer umrissen werden muss, um den Begriff der Subkultur auf dessen Teilbegriff der Kultur zurückführen zu können. McLung Lee und Gordon definierten Kultur als erlerntes Verhalten (vgl. ebd.: 15). Brake wendet hierzu ein, dass diese Definition des Begriffs der Kultur zu eng gefasst ist und daher noch weiter gefasst werden muss (vgl. ebd.: 15). Daher verweist auch Schwendter auf die Definition von Kultur Tyler. Denn Tyler definiert Kultur als „jenes komplexe Ganze, das das Wissen, den Glauben, die Kunst, die Moralauffassung, die Gesetze, die Sitten und alle anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten umfaßt (sic!), die sich der Mensch als Mitglied der Gesellschaft aneignet.“ (Schwendter 1993: 10; vgl. auch Brake 1981: 16). Laut Swingwood muss dies noch um eine Erklärung über die Entstehung von Kultur ergänzt werden. Denn diese ist „kein neutrales Konzept, sondern meint historisch gewachsene Ideologien, Eigentümlichkeiten und Besonderheiten.“ (Brake 1981: 16). Wienkoop hingegen verweist auf die gängige Definition in der amerikanischen Cultural Anthropology, da diese ,ihrer Meinung nach, Kultur nicht als abstrakten Wert einfach nur der Natur gegenüberstellt und nicht versucht menschenmögliches Verhalten zu untersuchen, sondern die Erfassung der Kulturen selbst und ihrer Formenvielfalt beschreibt (vgl. Wienkoop 1989: 18). Daher legt sie die Definition der amerikanischen Kulturanthropologen Kroeber und Kluckhohn ihrer Arbeit zu Grunde, die Kultur als „ein erlerntes, historisches menschliches Produkt“ verstehen, das ein komplexes Ganzes bildet, „dessen Hauptinhalt Wertmaßstäbe und Ansichten ausmachen“, wobei diese sich niederschlagen „in typischen Verhaltensmustern, einer expliziten und impliziten Symbolik“ (alle ebd.: 18) und sich in kennzeichnenden menschlichen Leistungen konstituieren. Des weiteren nennt sie als Vorteil dieser Definition das „wertneutrale Verständnis von Kultur“ (ebd.: 19). Allerdings unterscheidet sich, meiner Meinung nach, zum einen diese Definition nur in der Wortwahl von der Definition von Tyler, nicht jedoch in der Bedeutung, zum anderen enthalten beide Definitionen keine Wertungen, sondern nur das Phänomen an und für sich wird von Swingwood als nicht neutrales beschrieben, da es wie bei Wienkoop auch auf Wertmaßstäbe aufbaut. Der einzige Unterschied, der bei Wienkoop aber festzustellen ist, ist die Gegenüberstellung von Natur und Kultur.

Auf diese Unterscheidung baut Schwendter auf, um den Begriff der Kultur abgrenzen zu können, wobei er nicht den abstrakten und weit gefassten Begriff der Natur verwendet. Laut Schwendter ist Kultur „der Inbegriff alles nicht Biologischen in der menschlichen Gesellschaft.“ (Schwendter 1993: 10).

2.1 Die Subkultur und ihre Definitionen

Wobei sich die Kultur nicht als einheitliches Ganzes darstellt, dass bei allen Individuen gleichermaßen auftritt, sondern sich, resultierend aus der Individualität, in mehrere Teile aufspalten lässt. „Jedes komplexe Gesellschaftssystem besteht aus verschiedenen, divergierenden Kulturen und einer Reihe von Untergruppen und Subkulturen, wobei diese sich mit ihren Verhaltensnormen, ihre Wertmaßstäben und ihrem Lebensstil gegenüber der dominanten Kultur der herrschenden Klasse behaupten müssen.“ (Brake 1981: 15).

Gegenüber dieser strukturellen Definition vertritt Jochheim eine eher akteursbezogene Definition einer Subkultur. Sie geht davon aus, dass sich soziale Gruppen und Subkulturen dort, „wo Individuen regelmäßig miteinander kommunizieren und mit der Zeit Intersubjektivität oszillieren können.“ (Jochheim 2002: 171). Wobei die Intersubjektivität nur zu Stande kommt, wenn Individuen regelmäßig und viel miteinander interagieren und kommunizieren (vgl. ebd.: 171). Allgemein formuliert sie zusammenfassend, zeichnen sich „Soziale Systeme/ Gruppen/ Subkulturen (…) also durch gemeinsame Wirklichkeitskonstruktionen aus.“ (ebd.: 172). Diese Wirklichkeitskonstruktion setzt sich laut Jochheim dadurch zusammen, dass „gemeinsame Aufgaben, Ziele, gemeinsame Interessen, gemeinsame Hobbys, gemeinsame Bedürfnisse und Erfahrungen“ (ebd.: 173) kommuniziert werden. Hierbei und an der obigen Äußerung wird deutlich, dass Jochheim zwar zum einen nicht zwischen den Begriffen des sozialen Systems, der Gruppe und der Subkultur differenziert, aber zum anderen, dass sie alle drei Phänomene, also auch die Subkultur, über zwischenmenschliche, individuelle Interaktionen definiert. Um zwischen den drei Begriffen differenzieren zu können, muss die Art der Interaktionen für die jeweilige Bezeichnung zwischenmenschlicher Beziehungen bestimmt werden. Zudem ist Brake der Ansicht, dass man erst nach Gemeinsamkeiten von Individuen schauen kann, wenn man untersucht, wie diese Interessen, Ziele, Aufgaben und Bedürfnisse, wie Jochheim sie beschreibt, bei den Individuen selbst entstanden sind. Daher ist laut Brake zuerst nach der Identitätsfindung von Individuen innerhalb einer Gesellschaft mit bestimmten Kulturen zu schauen (vgl. Brake 1981: 16). Ebenso verweisen Clarke u.a. auf diesen Prozess, den sie allerdings nicht als Identitätsfindung bezeichnen, sondern vielmehr als Verortung der Individuen innerhalb einer bestehenden Gesellschaft ( vgl. Clarke u.a. 1981: 41). „Ein gesellschaftliches Individuum, das in ein bestimmtes System von Institutionen und Beziehungen hineingeboren wird, wird gleichzeitig auch in eine bestimmte Konfiguration von Bedeutungen hineingeboren, welche ihm Zugang zu einer Kultur verschaffen und es in dieser lokalisieren.“ (ebd.: 41). Die Identitätsfindung findet daher im Zuge der Sozialisation immer innerhalb bereits historisch gewachsener Werte und Normen also bestimmter Kulturen einer Gesellschaft statt. Diese wiederum beeinflussen den Identitätsfindungsprozess insofern, dass sich die Individuen an ihnen orientieren, sich also entweder zum Befolgen dieser Werte und Normen entscheiden oder in gewissen Punkten dieses Ablehnen (vgl. Brake 1981: 16-17). Lehnen bestimmte Individuen Werte und Normen der herrschenden Kultur ab und bilden eine Subkultur, so widersetzen sie sich laut Clarke u.a. der herrschenden Kultur. Es entsteht neben der dominanten Kultur eine rezessive Kultur, die im offenen Konflikt mit der Dominanten steht (vgl. Clarke u.a. 1981: 43-44). Daher gehen Clarke u.a. davon aus, „daß (sic!) Kulturen in Herrschafts- und Unterordnungsbeziehungen zueinander stehen, daß (sic!) sie in gewissem Sinn immer im Kampf miteinander liegen.“ (ebd.: 44).

Dem widerspricht allerdings Schwendter, der die Subkultur nicht als Gegenkultur oder Gegengesellschaft versteht. Die Verhaltensweisen in einer Subkultur dürfen laut ihm nicht als Auflehnen gegen die bürgerliche Werteskala interpretiert werden, im Sinne eines revolutionären Verhaltens, da man dadurch eine Politisierung des Verhaltens vornimmt bzw. unterstellt (vgl. Schwendter 1993: 18-19). Die Subkultur ist daher keine organisierte Gegengesellschaft, die eine totale Umwälzung der Gesamtgesellschaft anstrebt. Zwar haben die Angehörigen einer Subkultur gemeinsame Ziele und Werte, allerdings formulieren sie diese nicht gemeinsam um damit einheitlich aggressiv gegen ein bestehendes System vorzugehen, sondern formulieren diese für sich selbst und definieren sich darüber selbst als Zugehörige einer Subkultur. „Somit ist Subkultur ein Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnissen usw. in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesellschaft unterscheidet.“ (Schwendter 1993: 11). Ähnlich formuliert dies Röhr, die allerdings noch Aussagen über das Verhältnis der Gesellschaft zur Subkultur ergänzt und bewertet: „Der Begriff der Subkultur umfaßt (sic!) eine Gruppe von Menschen, deren Verhaltensweisen und Normen von der Gesellschaft, in der sie leben, in einer Art und Weise abweichen, daß (sic!) diese Gruppe von der Gesellschaft in eine Außenseiterposition gedrängt wird. Eine Subkultur kann andere Zielsetzungen haben als die Gesellschaft, oder aber sie hat die selben Ziele, bedient sich jedoch anderer Mittel. Ein weiteres Kriterium der Subkultur ist die Solidarität ihrer Mitglieder gegenüber der Umwelt und stark ausgeprägte Solidarität gegenüber den Gruppenangehörigen.“ (Röhr zitiert nach Meyer u. Holter 1972: 17-18).

An dieser Definition wird zwar deutlich, dass sich Subkultur und Kultur unterscheiden, jedoch sagen Meyer und Holter nichts über das Verhältnis von Subkultur zur Kultur aus. Dieses Verhältnis wird laut Kuhle allerdings schon am Begriff selbst deutlich. Die Präposition „sub“ lokalisiert eine niedrigere Stellung gegenüber dem Begriff der Kultur und impliziert somit „die Ausgrenzung im gesamtgesellschaftlichen Sozialraum“ (Kuhle 2001: 26). Die Machtrelationen, wie Clarke u.a. sie darlegen in vorherrschender Kultur und untergeordneter Subkultur sind daher schon in der Bezeichnung manifestiert.

Daher wählt Girtler zur Beschreibung einer abweichenden Kultur auch den Begriff der „Randkultur“, da bei dem Begriff Subkultur „das Wort `Sub` darauf hindeutet, daß (sic!) die betreffende `Kultur` sozial `unten` angesiedelt ist.“ (Girtler 1995: 22). Der Terminus „Rand“ erscheint Girtler angemessener, da hierdurch eine Lokalisierung auf zum Teil gleicher Höhe möglich ist und somit die Wertungen hinsichtlich sozialem Ansehen wegfallen, da auch die Menschen, die diesen Randkulturen angehören, fähig sind, „hohes Ansehen zu erwerben, wie Wilderer oder Bordellbesitzer“ (ebd.: 22). Er gibt hierzu als Beispiel einen Wiener Bordellbesitzer an, der durch seine geschäftsführerischen und betriebswirtschaftlichen Qualitäten hohe Erträge aus seinen Bordellen schöpft und dadurch ein hohes Ansehen unter anderen Geschäftsmännern aus anderen Gewerben besitzt (vgl. ebd.: 131-133). Deutlich wird hieran, dass er Bordellbesitzer und Zuhälter der Randkultur Prostitution zuordnet. Ein Beispiel für eine Prostituierte, die jemals ein ähnliches Ansehen erworben hat, gibt er allerdings nicht. Auffallend hieran ist allerdings, dass Girtler die Zuhälter ebenso zur Randkultur bzw. Subkultur der Prostitution zählt, aber keine Angaben dazu macht, welches Kriterium Zuhältern und Prostituierten gleich ist, um sie ein und der selben Gruppe zuzuordnen.

Laut Cohen wird die Zugehörigkeit zu einer Subkultur über ein bestimmtes Verhalten vermittelt und an diesem sichtbar für Außenstehende (vgl. Brake 1981: 19). Dieses Verhalten umfasst nach Cohen „die Art der getragenen Kleidung, die Körpersprache, die Art und Weise, wie man sich bewegt, die Vorlieben und Abneigungen, die Themen, über die man spricht, und die Meinung, die man vertritt.“ (Cohen 1965 zitiert nach Brake 1981: 19). Während Cohen zum Verhalten auch z.B. die Wahl der Kleidung hinzu zählt, betonen Clarke u.a. die Aktivitäten der Individuen im Hinblick auf die Reproduktion der Subkultur und deren Vermittlung nach außen. „Jede Gruppe macht etwas aus ihren Ausgangsbedingungen, und durch dieses ´Machen´, durch diese Praxis wird Kultur reproduziert und vermittelt.“ (Clarke u.a. 1981: 42). Der Ansatz von Clarke u.a. ist somit weiter gefasst als der von Cohen. Bei beiden gleich ist, dass sie eine Möglichkeit angeben, Subkulturen über die Aktivitäten ihrer Individuen zu erfassen und zu bestimmen.

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Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638025942
ISBN (Buch)
9783638926997
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89178
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Prostitution Deutschland Eine Subkultur Integration Ausgrenzung Gesellschaften

Autor

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Titel: Prostitution in Deutschland  -  Eine Subkultur?