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Kritische Betrachtung zum Thema Religion und Sexualität am Beispiel der Summerhill

Pädagogik von Alexander Sutherland Neill

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.1. A.S. Neill und seine Privatschule „Summerhill“
2.2. Die Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung A.S. Neills

3. Sexualität in Summerhill

4. Summerhill und die Religion

5. Kritische Betrachtung zu Religion und Sexualität in der Summerhill - Pädagogik
5.1. Alexander Sutherland Neill und die Sexualität – Kritische Betrachtung
5.2. Summerhill und die Religion – Kritische Betrachtung

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Alexander Sutherland Neill hatte seine eigene Vorstellung einer gelungenen Erziehung, mit der ich mich in der vorliegenden Arbeit auseinandersetze.

„In Summerhill kommen immer erst die Emotionen, dann der Intellekt. Immer! Einem Kind zu helfen, im Leben glücklich zu sein, ist weit wichtiger, als aus ihm einen zweiten Einstein zu machen.“[1]

Dieses Zitat von Alexander Sutherland Neill zeigt deutlich die Richtung, in die seine Pädagogik geht.

Welcher Erziehungsstil der „Richtige“ ist, beschäftigt viele Wissenschaftler aber auch Erziehungsberechtigte und Eltern.

Jedes Kind bzw. jeder Mensch muss individuell betrachtet und bewertet werden, darüber sind sich alle einig. Der Weg dahin ist aber auf unterschiedliche Weise möglich. Nicht jede Mentalität und Charaktereigenschaft eines Kindes ist geeignet um sich einer völlig freien Erziehung zu stellen. Es gibt Kinder, die brauchen klare Regeln und Strukturen in ihrer Kindheit. Andere sind in der Lage sich zwischen diversen Erziehungs- und Lehrangeboten, wie sie in Summerhill angeboten werden, zu entscheiden und sind so selbständig genug, ihren Alltag eigenverantwortlich meistern zu können.

Dieses Prinzip des Alexander Neills, in dem es darum geht, dass „[…] Kinder von ihrem Unglücklichsein geheilt und – noch wichtiger – zu glücklichen Menschen erzogen werden“[2], werde ich an ausgewählten Beispielen dieser Pädagogik seine Position erarbeiten und anschließend bewertend kommentieren.

Um auf konkretere Beispiele und Aspekte im späteren Teil meiner Arbeit eingehen zu können, bedarf es vorher einer kurzen Darstellung Neills Grundprinzipien und seines Lebenslaufes.

2.1. A.S. Neill und seine Privatschule „Summerhill“

Zunächst gebe ich einen kurzen Überblick über den Werdegang Neills um anschließend auf die von ihm entwickelte Pädagogik einzugehen.

Alexander Sutherland Neill wird am 17.10.1883 in Schottland geboren. Sein Vater unterrichtet ihn und seine Geschwister in der Dorfschule. Anschließend arbeitet Neill als Bürodiener, doch diese Tätigkeit scheint ihn nicht auszufüllen. Er beendet sein Studium als Master of Arts und Master of Education und arbeitet eine Zeitlang in öffentlichen Schulen.[3] „Seine Erfahrungen mit dem repressiven Dressursystem der öffentlichen Schulen, an denen er unterrichtete, ließen ihn zum Gegner der autoritären Erziehung werden.“[4]

Diese Abneigung lässt sich vermutlich schon in seiner Kindheit wieder finden, denn

„[d]a die Großfamilie den Vater zugleich zum Lehrer hatte, wurde es möglich, einen direkten Leistungsvergleich zwischen den Kindern täglich anzustellen. Weil die Eltern dem Spieltrieb [Neills] keineswegs nachgeben wollten, weil für sie der Bildungsweg ihrer Kinder eine Prestigeangelegenheit bedeutete und sie sich nach den gesellschaftlich anerkannten Wertvorstellungen richteten, verlagerte [Neill] seine Ambitionen und Kontakte aus der Familie heraus, zu Beziehungen, bei denen der Leistungsanspruch keine Bedeutung hatte. Er flüchtete sich in Sentimentalität und Tagträumerei.

Obschon Neill dem Elternhaus in späteren Jahren wieder positiver gegenüberstand, blieb doch die Angst vor dem Vater zeitlebens auslösendes Moment für seine kritischen Reflexionen und für seine Abneigung gegenüber tradierten Normen und scheinbar gesicherten Autoritäten.“[5]

Da er das überlieferte Schulsystem absolut in Frage stellte, suchte er Kontakt zur Reformpädagogischen Bewegung. Neill gehörte zu den Mitbegründern der internationalen Reformschule von Dresden-Hellerau und nur kurz darauf eröffnete er im Jahr 1921 seine private Internatsschule „Summerhill“ in der etwa 150 km von London entfernten Gegend Leiston in Suffolk, in der er noch bis kurz vor seinem Tod 1973 unterrichtete.[6]

2.2. Die Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung A.S. Neills

„Neills oberste Leitvorstellung ist das individuelle Glück der Kinder. Darunter versteht er deren Wohlbefinden und Ausgeglichenheit.“[7]

Dieser Leitsatz lässt sich auf die gesamten Prinzipien seiner Erziehungstheorie beziehen.

Neill lehnt in seiner Erziehung jeglichen Zwang und Verbote ab und will den Kindern die Möglichkeit geben sich völlig frei zu bewegen und selbständig Entscheidungen zu treffen:

„Schaffen Sie allen Zwang ab! Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, es selbst zu sein! Schubsen Sie es nicht herum! Belehren Sie es nicht! Halten Sie ihm keine Predigten! Erheben Sie es nicht zu etwas Höherem! Zwingen Sie das Kind zu nichts!“[8]

„Ein Kind, das gerade nach Summerhill gekommen war, begann Fensterscheiben einzuschlagen, um die Reaktionen zu testen und um herauszufinden, ob die Schule wirklich frei sei. Neill ermunterte es kräftig, nur so weiterzumachen. Er bemängelte lediglich, dass es noch nicht genügend Scheiben zerschlagen habe und dass seine bisherige Leistung schwach sei.

Diese Reaktion des Schulleiters hatte das Kind am allerwenigsten erwartet. Es war wie vor den Kopf geschlagen. Aber dieses Kind lernte daraus, dass es nicht bestraft werden würde. Die einzige Bestrafung hatte es sich selbst zuzuschreiben, es musste mehrere Nächte in einem kalten Zimmer schlafen, bis die Scheiben wieder repariert waren.“[9]

Diese Art der nicht vorhandenen Bestrafung der Kinder ist nur ein Beispiel von vielen.

Die Selbstverwirklichung der Kinder steht an höchster Stelle. Es gibt keine direkten und absichtlichen Erziehungsmaßnahmen, sondern die Erziehung dient als Ermöglichung spontaner und freier Selbstverwirklichung.[10]

Neill selbst beschreibt die Anfänge seiner Schule wie folgt:

„Wir machten uns also daran, eine Schule zu schaffen, in der die Kinder die Freiheit haben sollten, sie selbst zu sein. Um das zu ermöglichen, mussten wir auf alle Disziplinierungsmaßnahmen, auf Lenkung, negative Beeinflussung, auf jede ethische und religiöse Unterweisung verzichten.“[11]

Neills Pädagogik beruht auf der Überzeugung, dass ein Kind erst dann glücklich wird, „wenn man ihm Liebe schenkt und es tun lässt, was ihm Spaß macht – vorausgesetzt, dass es sich selbst nicht gefährdet und andere nicht stört.“[12]

Allerdings kommt auch eine Schule wie Summerhill nicht ganz ohne Regeln aus. Diese werden nicht von einer übergestellten Autoritätsperson den Kindern vorgesetzt sondern in einer wöchentlichen Schulversammlung von den Kindern und Lehrern gemeinsam aufgestellt. Die Stimme eines Schülers zählt genauso viel wie die eines Lehrers. Dieses Verfahren wird als Selbstregierung bezeichnet.

Ein besonders interessanter Punkt der Theorie Neills ist, dass die Kinder nicht zum Unterricht gezwungen werden. Sie entscheiden freiwillig, ob sie an dem Unterricht teilnehmen wollen oder nicht. Auch gibt es keine Zensuren und Zeugnisse. Neill sagt dazu: „Die Kinder können zum Unterricht gehen, sie dürfen auch wegbleiben – sogar jahrelang, wenn sie wollen.“[13]

„Neill berichtet mit gewissem Stolz von einem Jungen namens Tom, der als fünfjähriger nach Summerhill kam und das Internat mit siebzehn Jahren wieder verließ, ohne während der gesamten Zeit auch nur an einer einzigen Unterrichtsstunde teilgenommen zu haben.“[14]

In der Regel scheinen die Kinder aber den Unterricht zu besuchen. Staatlich anerkannte Abschlussprüfungen können in Summerhill nicht abgelegt werden.

[...]


[1] Popenoe, Joshua: Schüler in Summerhill, Reinbek bei Hamburg, 1971, S. 25.

[2] Weber, Erich: Autorität im Wandel, Autoritäre, antiautoritäre und emanzipatorische Erziehung , Donauwörth, 1974, S. 44.

[3] Autorität im Wandel, S. 41.

[4] Ebd.: S. 41.

[5] Karg, Hans Hartmut : Erziehungsnormen und ihre Begründung in der Pädagogik von Alexander Sutherland Neill, Frankfurt/Main1, 1983, S. 30-31.

[6] Autorität im Wandel, S. 42.

[7] Ebd.: S. 45.

[8] Ebd.: S. 45.

[9] Schüler in Summerhill, S. 14.

[10] Autorität im Wandel, S. 45.

[11] Ebd.: S. 45.

[12] Ebd.: S. 46.

[13] Ebd.: S. 47.

[14] Ebd.: S. 47.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638030625
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89380
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Allgemeine Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Kritische Betrachtung Thema Religion Sexualität Beispiel Summerhill Familie Sicht Stabilität Wandel Lebensformen

Autor

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Titel: Kritische Betrachtung zum Thema Religion und Sexualität am Beispiel der Summerhill