Lade Inhalt...

Kommunikation in Gruppen

Seminararbeit 2008 17 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Welche geschichtlichen Hintergründe gab es ,die zum jetzigen Stand der wissenschaftlichen Theorien über die Kommunikation in Gruppen führten?

3. Was ist überhaupt eine Gruppe?

4. Wie grenzt sich eine Gruppe von anderen Menschen und Systemen ab?

5. Welche Rolle spielt die Kommunikation in einer Gruppe?

6. Welche verschiedenen Rollen gibt es innerhalb der Gruppe?

7. Welchen Einfluss hat die Gruppe auf die Entscheidungsprozesse der Einzelnen?
7.1 Normative Ansätze
7.2 Informationelle Ansätze
7.3 Individualpsychologische Ansätze

8. Wie macht die Politik sich das Phänomen der Kommunikation in Gruppen zunutze?

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auf das Thema „Kommunikation in Gruppen“ bin ich durch das Seminar Psychologie der Öffentlichen Kommunikation in Rahmen meines Studiums „Vermittlungswissenschaften“ aufmerksam geworden. Ich halte dieses Thema für interessant, da jeder Mensch im Laufe seines Lebens verschieden Gruppen angehört und in ihnen kommuniziert. Da ich nach meinem Studium als Lehrer tätig werden möchte, in dem die Kommunikation als Medium zu Vermittlung von besonderer Bedeutung ist, möchte ich mich näher mit diesem Themenbereich auseinandersetzten. In jeder Schule gibt es verschiedene Gruppen angefangen, vom Klassenverband, dem Lehrerkollegium bis hin zu Sport- und Freizeitgruppen.

In meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Rolle die Kommunikation in der Gruppe spielt und inwieweit Wechselseitigkeiten bei dem Prozess der Kommunikation entstehen. Außerdem möchte ich untersuchen, wie Kommunikationsprozesse in Gruppen aussehen und welche Rollen einzelne Personen aus der Gruppe in diesem Prozess einnehmen. Als letztes werde ich noch darauf eingehen, wie die Politik sich das Phänomen der Kommunikation in Gruppen zu Nutze macht.

2. Welche geschichtlichen Hintergründe gab es, die zum jetzigen Stand der wissenschaftlichen Theorien über die Kommunikation in Gruppen führten?

Erstmals befasste sich Walter Moede 1913 mit dem Phänomen der sozialen Gruppe und ihrer Auswirkung auf den einzelnen Menschen. Im Rahmen seiner Dissertation führte er eine Reihe von Experimenten durch, um zu untersuchen, ob es Unterschiede im individuellen Leistungsvermögen gibt, je nachdem, ob diese sich allein oder innerhalb einer Gruppe befinden. Mit seinen Testreihen wollte er untersuchen, welche seelischen Erscheinungen eintreten, wann immer sich Menschen in Gruppen zusammenfinden.[1]

Unter anderem machte Walter Moede Untersuchungen mit 12 bis 14jähren Schülern, um ihre Schmerzempfindlichkeit zu erforschen. Am Anfang wurde bei jedem Schüler die individuelle Schmerzgrenze festgestellt, danach sollte dann überprüft werden, inwieweit sich die Schmerzschwelle in Wettbewerbssituationen verschiebt. Hierzu wurden jeweils zwei Schüler mit ähnlich individueller Schmerzgrenze paarweise gegenübergestellt und zum Wettkampf aufgefordert. Bei diesem Versuch wurden die Schüler leichten Stromschlägen ausgesetzt. Die Aufgabe der Schüler war es, diese Stromschläge möglichst lange auszuhalten und nach Möglichkeit den anderen Schüler zu Übertreffen. Wenn der Schmerz für einen Schüler zu stark wurde, wurde das Experiment abgebrochen. Es stellte sich heraus, dass unter diesen Wettbewerbsbedingungen die Schmerzschwelle der Schüler um 13 Prozent herabgesetzt wurde. In der nächsten Phase dieses Versuches konnten sich die Schüler ihre Wettbewerbspartner frei aussuchen, dann wurde das Experiment wie oben beschrieben erneut ausgeführt. Diesmal war das Ergebnis sogar noch überrauschender, die Schmerzschwelle der Schüler hatte sich um 37 Prozent herabgesetzt.[2]

Walter Moede zog aus diesen Experimenten die Schlussfolgerung, dass der Mensch in der Anwesenheit anderer Personen beziehungsweise im Wettkampf mit diesen höhere individuelle Leistungen erbringen könne.[3]

Obwohl die Forschungen von Walter Moede wenig Spuren in der deutschen Psychologie hinterließ, gehört sie dennoch zu den Pionierarbeiten auf diesem Gebiet. Angeregt von Moedes Arbeit führte der Amerikaner Allport ähnliche Untersuchungen durch und veröffentlichte dazu 1920 im „Journal of Experimental Psychology)“ das Kapitel „The Influence of the group upon associaton and thougt“. Seine Veröffentlichung zählt ebenfalls zu den Pionierarbeiten auf dem Gebiet der Gruppenpsychologie.[4]

Seit dieser Zeit gehört die Untersuchung von dem Phänomen Gruppe zu einem wichtigen Untersuchungs- und Forschungsgegenstand in der Sozial- und Kommunikationspsychologie.[5]

Während vor und in den Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges vor allem in den USA verschiedene Forschungsprojekte mit dem Schwerpunkt auf die soziale Gruppe durchgeführt wurden (zum Beispiel von Kurt Levin), wurde zwischen den 50er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kaum weitergeforscht. Themen wie Wahrnehmung, Einstellungs- und Urteilsprozesse standen mehr im Mittelpunkt der Forschung und wurden in dieser Zeit verstärkt behandelt.[6]

Erst in den 80er Jahren kam wieder Bewegung in die Forschung der Gruppenpsychologie. Der Wissenschaftler Witte stellte 1995 fest, dass die Forschung über Kleingruppen prägnant in diesem Gebiet der Wissenschaft sei. Dies ist bis in die heutige Zeit so geblieben, immer noch werden verschiedene Forschungen zum Thema Gruppen durchgeführt.[7]

3. Was ist überhaupt eine Gruppe?

„Unter dem Begriff Gruppe verstehen wir ein hochorganisiertes soziales Gebilde, das aus einer übersichtlichen, meist kleinen Zahl von wechselseitig in Beziehung und unterschiedlicher gegenseitiger Abhängigkeit stehenden Individuen zusammengesetzt ist. Die Gruppe besteht aus einem „Füreinander“ von gefühls- und verstandesmäßig verbundenen Mitgliedern, von denen jedes eine bestimmte Funktion im Kollektiv ausübt“.[8]

Eine Gruppe besteht immer aus mehreren Menschen, die miteinander interagieren und die sich dadurch gemeinsam eine Wirklichkeit in bestimmten Bereichen konstruieren. Dieses gemeinsame Wirklichkeitskonstrukt stabilisiert und strukturiert fortlaufende Interaktionsprozesse und zieht so eine Grenze zwischen der Gruppe und ihrer Umwelt. Ein weiteres Merkmal einer Gruppe ist das Entstehen eines Zusammengehörigkeitsgefühls („Wir- Gefühl“). Außerdem wird in einer Gruppe die soziale Identität der beteiligten Interaktionspartner gestützt.[9]

4. Wie grenzt sich eine Gruppe von anderen Menschen und Systemen ab?

Jede soziale Gruppe grenzt sich durch ihre eigene gruppenspezifische Kommunikation ab, die sich von anderen sozialen Systemen unterscheidet. Die Unterschiede liegen sowohl in der Qualität (inhaltlich, nach der Aufgabenspezifik) als auch in der Quantität (Häufigkeit, Dauer, Intensität, Wechselseitigkeit). Weiter lassen sich soziale Gruppen durch ihre individuellen gruppenspezifischen Wirklichkeitskonstruktionen von anderen Systemen unterscheiden. In jeder sozialen Gruppe werden abhängig von den individuellen Möglichkeiten der Mitglieder und in Folge der fortwährenden Kommunikation eigene Wirklichkeiten erschaffen. So entsteht ein „Gruppenwissen“, außerdem werden Normen und Standards gesetzt, die wiederum eine Abgrenzung zu der Außenwelt darstellen.[10]

Die Gruppe tritt als soziale „Deutegemeinschaft“ auf, das heißt, dass die Mitglieder bei gesellschaftlichen Problemen und Vorgängen ähnliche Ansichten vertreten und über dieselben sozialen Konstruktionen verfügen. Außer sozialen Gruppen können solche „Deutegemeinschaften“ aber auch Parteien, Vereine, Interessenverbände, soziale Netzwerke und Sekten sein. Für eine Deutegemeinschaft ist es nicht unbedingt notwendig, dass die Mitglieder sich untereinander kennen, eine ähnliche Konstruktion der Wirklichkeit und identische Ansichten sowie Orientierungen reichen aus.[11]

[...]


[1] vgl. Frindte, 2001

[2] vgl. Frindte, 2001

[3] vgl. Frindte, 2001

[4] vgl. Frindte, 2001

[5] vgl. Frindte, 2001

[6] vgl. Frindte, 2001

[7] vgl. Frindte, 2001

[8] Battegay, 1979

[9] vgl. Frindte, 2001

[10] vgl. Frindte, 2001

[11] vgl. Frindte, 2001

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638035798
ISBN (Buch)
9783638932974
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89519
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Institut für Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Kommunikation Gruppen Psychologie

Autor

Zurück

Titel: Kommunikation in Gruppen