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Hobbes - Vom Naturzustand bis zur Bildung des Staates

Hausarbeit 2006 11 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Naturzustand
1.1. Das Menschenbild nach Hobbes
1.2. Der Kriegszustand
1.3. Die natürlichen Gesetze

2. Der Staat - Ausweg aus dem Naturzustand
2.1. Die Ursachen und die Entstehung des Staates
2.2. Die Rechte des Souveräns
2.3. Die Pflichten der Untertanen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Philosoph Thomas Hobbes, der von 1588 bis 1679 lebte, konstruierte auf dem historischen Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem englischen Parlament und der englischen Krone seine Staatsphilosophie, die den Staat als Mittel zur Errichtung einer friedvollen und stabilen innerstaatlichen Ordnung ansah. (vgl. Zippelius 1989, S. 99) Seit dem Ende der dreißiger Jahre verschlechterte sich die politische Lage in England beachtlich, so dass die gegensätzlichen Auffassungen des Verhältnisses von König und Parlament und von Staat und Kirche zu einem Bürgerkrieg zu führen drohten. Hobbes war der Ansicht, dass der Grund dieser Spannungen in den vorherrschenden Auffassungen über den Staat und die herrschende Gewalt sowie über die Rechte des Herrschers und die Pflichten der Untertanen zu finden waren und machte es sich daher zur Aufgabe, nach der „Wahrheit über diese Gegenstände“ zu suchen. Während dieser Zeit hielt sich Hobbes im Exil in Paris auf, wo er sich mit Descartes auseinandersetzte und bereits mit seinen Ansichten zu seiner Naturphilosophie anfing sowie an seiner Staatslehre wirkte. Im Jahre 1642 veröffentlichte Hobbes sein Werk „De Cive“, in dem er seine Rechts- und Staatsphilosophie darlegte. Im selben Jahr brach schließlich auch der Bürgerkrieg in England aus, der nach Jahren des Kämpfens dazu führte, dass der König seine Macht verlor und das Parlament die uneingeschränkte Herrschaft erhielt. Ein weiteres großes Werk von Hobbes, welches seine Staatsphilosophie beinhaltete, wurde 1651 unter dem Titel „Leviathan“ veröffentlicht. (vgl. Hobbes 1959, Vorwort des Hrsg.)

Seine Staatstheorie erbaute Hobbes auf einer Anthropologie, „die den Menschen in einen hypothetischen Naturzustand versetzt“ (Oberndörfer / Rosenzweig, Hrsg., 2000, S. 206). Um die Rechte des Staates und die Pflichten der Bürger ergründen zu können, „muss der Staat zwar nicht aufgelöst, aber doch gleichsam als aufgelöst betrachtet werden.“ Nur unter der Annahme, dass die Staatsgewalt aufgehoben sei, können die Natur des Menschen und die Ursachen für die Bildung des Staates richtig erfasst werden. (vgl. Hobbes 1959, S. 67 f.)

1. Der Naturzustand

1.1. Das Menschenbild nach Hobbes

In diesem hypothetischen Naturzustand stellt der Mensch nach Hobbes zunächst lediglich einen „Körper in Bewegung“ dar, der von Neigung und Abneigung bestimmt wird und daher auch von Natur aus in keinen sozialen Zusammenhang gestellt ist. Stattdessen wird der Mensch als isoliertes, bindungsloses Individuum betrachtet, dessen einziges Streben die Selbsterhaltung ist. (vgl. Oberndörfer / Rosenzweig, Hrsg., 2000, S. 206) „Der Mensch sucht also von Natur aus keine Gesellschaft um der Gesellschaft willen, sondern um von ihr Ehre und Vorteil zu erlangen.“ Die Absicht des Zusammenschließens mit anderen Menschen ist in erster Linie vom eigenen Vorteil abhängig. Denn geschieht dies des Handels wegen, so ist der Einzelne nicht an dem anderen interessiert, sondern nur auf sein eigenes Vermögen bedacht. Kommt man des geistigen Verkehrs oder des Vergnügens wegen zusammen, so neigt der Mensch dazu, sich über seine Mitmenschen lustig zu machen, damit „er selbst durch Vergleich mit Fehlern und Schwächen anderer Menschen wenigstens seiner Meinung nach desto lobenswerter hervortrete.“ Somit wird deutlich, dass die Menschen sich nur verbinden, um eigenen Vorteil, Achtung und Ehre bei den Mitmenschen zu erlangen. (vgl. Hobbes 1959, S. 77 f.)

Hobbes Theorie zufolge sind alle Menschen sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht weitgehend gleich. Es mag zwar Menschen geben, die stärker oder schneller in ihren Gedankengänge sind als andere, aber letztendlich ist der Unterschied zwischen den einzelnen Menschen nicht so beträchtlich, dass ein einzelner Mensch etwas beanspruchen könnte, was einem anderen verwährt ist. Denn in Bezug auf die Körperkraft hat selbst der Schwächste ausreichend Kraft, um den Stärksten zu töten, indem er sich einer List bedient oder sich mit anderen verbündet, die in derselben Gefahr schweben. Und in Bezug auf die geistigen Fähigkeiten können sich die Menschen kaum vorstellen, „dass es viele gibt, die so weise sind wie sie selbst“, denn der Mensch sieht seinen Verstand aus der Nähe und denen der anderen von fern. Dies ist wiederum ein Beweis, dass die Menschen alle gleich sind. (vgl. Hobbes 1996, S. 102 f.)

Nach Hobbes hat „die Natur allen alles gegeben“, d.h. dass jedem Menschen gestattet ist, alles zu haben und alles zu tun. Dementsprechend gilt der Nutzen im Naturzustand als Maßstab des Rechts. Da jeder alles als sein Eigen verlangen kann, ist die Wirkung dieses Rechts „als wenn überhaupt kein Recht [bestehe]“, denn jeder einzelne kann für sich in Anspruch nehmen, von dem bereits jemand anderes behauptet, dass es seines sei. (vgl. Hobbes 1959, S. 82 f.) Aus diesem Grunde gibt es kein Eigentum und keinen Besitz; „jedem gehört, was er bekommen kann und so lange, wie er es halten kann.“ (Hobbes 1996, S. 107) Wenn folglich zwei Menschen nach demselben streben, es jedoch nicht möglich ist, dass beide es bekommen, entsteht Feindschaft, denn das höchste Ziel der Menschen besteht in der Selbsterhaltung. Um dieses Ziel zu erreichen, gehen sie daher soweit, dass sie sich gegenseitig vernichten oder unterwerfen. (vgl. Hobbes 1996, S. 103) Auch wenn der Mensch im Naturzustand lediglich an seinem eigenen Wohl interessiert ist und notwendigerweise böse handeln muss, erklärt Hobbes den Menschen als von Natur aus nicht böse. Denn zum einen ist dem Menschen die erforderliche Vernunft nicht von Geburt an gegeben und zum anderen kann er zwar über die tierischen Leidenschaften wie Begierde, Furcht und Zorn verfügen, jedoch machen diese Leidenschaften allein den Menschen nicht böse, sondern die aus ihnen hervorgehenden Handlungen. (vgl. Hobbes 1959, S. 68 f.)

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Details

Seiten
11
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638040693
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89861
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
Hobbes Naturzustand Bildung Staates Staatskonzeptionen Jahrhunderts

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Titel: Hobbes - Vom Naturzustand bis zur Bildung des Staates