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Frauen- und männerspezifische Kommunikation

Seminararbeit 2016 22 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

A. Inhaltsverzeichnis

B. Abbildungsverzeichnis
I. Hinführung: Frauenspezifische und männerspezifische Kommunikation
II. Frauenspezifische und männerspezifische Kommunikation
III. Nonverbale Kommunikation von Frauen und Männern
1. Anatomie
2. Körperhaltung im Stehen
3. Körperhaltung im Sitzen
4. Unterschiede in der Kopfhaltung und Kopfneigung und deren Wahrnehmung
5. Mimik
6. Attraktivitätsvorstellungen
7. Synopse und Fazit
IV. Die Ursachen für unterschiedliche Körpersprache bei Männern und Frauen
1. Geschlecht als soziale Konstruktion: „Doing gender“
2. Leiblichkeit: Geschlecht und Sexualität – Erkenntnisse aus der Tierwelt
3. Leiblichkeit – Übertragung der Erkenntnisse auf den Menschen
V. Tipps für die pädagogische Praxis
1. Nonverbale Kommunikation und Geschlecht im Kontext Unterricht
2. Geschlecht und nonverbale Kommunikation als Unterrichtsthema
3. Nonverbale Kommunikation in der außerunterunterrichtlichen Arbeit
VI. Fazit: Von der Bedeutung frauenspezifischer und männerspezifischer Kommunikation

C. Literaturverzeichnis

B. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Frauenspezifische und männerspezifische Bilder aus der Werbung

ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): Körpersprache und Pädagogik. Das Handbuch. 4. überarbeitete Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren: S

Abb. 2: Sitzhaltungen von Männern und Frauen aus der Werbung

ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): Körpersprache und Pädagogik. Das Handbuch. 4. überarbeitete Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren: S

Abb. 3: Abbildung eines Mannes mit geradem Kopf und Frauenbild mit geneigtem Kopf

ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): Körpersprache und Pädagogik. Das Handbuch. 4. überarbeitete Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren: S

Abb. 4: Frau auf dem Gemälde „Les Amoureux“

ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): Körpersprache und Pädagogik. Das Handbuch. 4. überarbeitete Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren: S

Abb. 5: Bildmontage des Gemäldes mit aufgerichtetem Kopf

ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): Körpersprache und Pädagogik. Das Handbuch. 4. überarbeitete Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren: S

I. Hinführung: Frauenspezifische und männerspezifische Kommunikation

Die Kommunikation von Männern und Frauen beschreibt einen hochinteressanten Themenkomplex innerhalb der Kommunikationswissenschaften. Inwiefern sich Männer und Frauen beispielsweise innerhalb ihrer nonverbalen Kommunikation unterscheiden, soll in der folgenden Hausarbeit näher unter die Lupe genommen werden.1 Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob und inwiefern sich Männer und Rauen überhaupt in ihrem Kommunikationsverhalten unterscheiden.2 Auch pädagogische Zusammenhänge zwischen der Kommunikation von Männern und Frauen und beispielsweise dem Raum Schule sollen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Auch soll das Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen auf wissenschaftlicher Basis erklärt und Tipps für die pädagogische Praxis ausgearbeitet werden.3

II. Frauenspezifische und männerspezifische Kommunikation

Frauen und Männer sprechen, abseits von den einheitlichen Sprachnormen einer Gesellschaft bzw. Kultur, nicht dieselbe Sprache. Und dies betrifft in erster Linie die engen Bereiche sozialen Handelns, welche Frauen in umfangsarme Verhaltensrahmen innerhalb der Kommunikation nahezu gefesselt haben.4 Zum einen ist dies durch das umfangreichere sprachliche Ausdruckpotential der Frauen im sozialen Handeln der Fall. So greifen Männer im Gegensatz zu Frauen deutlich häufiger auf „dirty words“, sprich Schimpfwörter oder Flüche, zurück, während Frauen diese tendenziell vermeiden.5 Während durch die vermehrte Auflehnung der modernen Frauenwelt gegen die Restriktion in der weiblichen Kommunikation und Ausdrucksweise fluchende Frauen heute keine Seltenheit mehr darstellen, wurde dem weiblichen Geschlecht in den Anstandsbücher der fünfziger und sechziger Jahre auch innerhalb der sprachlichen Äußerungen starke Restriktionen auferlegt.6 So ging man damals davon aus, dass es sich für eine Frau im Zweifel eher schickte zu schweigen, anstatt sich kommunikativ dominant oder gar fluchend einzubringen. Diese Verhaltensratschläge, auch in Bezug auf die Kommunikation von Frauen, sind allerdings keine Neuerung der fünfziger und sechziger Jahre, sondern diese wurden dem weiblichen Geschlecht schon im 18.Jahrhundert durch Werke wie „Mädchenwerth und Mädchenglück“ vom Schweizer Johann Sulzer aus dem Jahre 1783 geradezu eingetrichtert.7 So brauchen Mädchen nach Sicht Sulzers vor allem gute Erziehung zur glücklichen Tugendhaftigkeit, welche einzig und allein auf Selbstüberwindung und Angewöhnung beruhen würde.8 Weiterhin geht der Schweizer in Bezug auf die Deklamation, also der kommunikativen Kompetenz der Frau, davon aus, dass diese frei nach Rousseau eine Gabe der Natur darstellt, welche allerdings bei der Frauendeklamation klaren Regeln zu folgen hat. So soll die Stimme eines Mädchens sowie einer Frau stets harmonisch und weich klingen.9 Des Weiteren dürfe das weibliche Geschlecht in seiner Deklamation den Zuhörer niemals langweilen oder gar ermüden und vor allem nicht kreischen, zanken oder gar schreien wie eine Gans.10 Die Mädchen- und Frauenstimme sollte also stets und in allen Lebenslagen als wohlklingend empfunden und wahrgenommen werden.11

Es gibt ohne Frage auch heute noch gewisse Parallelen zwischen diesen aus dem 18.Jahrhundert stammenden Verhaltensnormen der weiblichen Kommunikation sowie den modernen Verhaltenspotentialen des weiblichen Geschlechts. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Wirkung von Frauen auch heute noch in ihrem sozialen Handeln teilweise nach Kriterien des Wohlklangs der weiblichen Stimme bestimmt wird.12 Allerdings sei ebenfalls erwähnt, dass Sulzer auch moderne und mit den heutigen Ansichten durchaus konforme Ideen in die Erziehung junger Mädchen zur weiblichen Deklamation einbrachte, so zum Beispiel, dass es zu vermeiden sei jungen Mädchen in den Übungsphasen der Kommunikation häufig ins Wort zu fallen und diese voreilig nicht ausreden zu lassen, was später zu Stottern und unsicherem verbalen Kommunikationsverhalten führen kann.13 Eins wird durch das Werk Johann Sulzers somit klar deutlich: Es wird im Vergleich zum Männersprachverhalten ein anderer Maßstab an das Frauensprachverhalten angelegt.14

Aus der Zeit Sulzers, also im ausgehenden 18.Jahrhundert, existieren ebenfalls Handlungsnormierungen für Männer, unter anderem zur verbalen Kommunikation, dem sogenannten Männersprachverhalten, wie jene von J. J. Kämmerer aus dem Jahre 1787. In seinem Werk „Moral für Jünglinge“ stellte er bereits eingangs fest, dass bei Nachahmungen von schönem oder rechtschaffenen Sprachverhalten beim Gegenüber nicht automatisch die intendierte Wirkung erzielt wird, welche man selbst beim Erstkontakt mit dem nachgeahmten Sprachverhalten erfahren hat.15 Diese Erkenntnis stellt für viele Individuen den Anstoß zur Auseinandersetzung mit den Formen des sprachlichen Handelns und den Möglichkeiten der Verbesserung des eigenen Sprachverhaltens dar. Kämmerer ging seiner Zeit davon aus, dass der Ton, durch den sich der Jüngling mitteilt, die Vollkommenheit des Jünglings ausmache, denn man könne vom Ton auf die Beschaffenheit dessen Herzens schließen.16 So würden eine sanfte Sprache und emotionale und leidenschaftliche Charakterzüge einer Persönlichkeit niemals zusammen auftreten, da diese vollkommen gegensätzlich seien.17

Ähnlich wie Sulzer sieht und fordert auch Kämmerer den Zusammenhang von Herzensbildung und Sprachgebrauch bei jungen Frauen und Männern, wobei Mäßigung im Sprachverhalten eine wesentliche Rolle spielt.18 So sei es dem Jüngling aus Kämmerers Sicht untersagt einen bestimmenden und gebietenden Ton an den Tag zu legen, denn er müsse eine gute Mischung an Schüchternheit und Dreistigkeit in seinem Sprachverhalten einüben.19 Kämmerer geht davon aus, dass die Verfassung der Seele und die Aufklärung des Verstandes die Annehmlichkeit der Sprache bilden. Er spricht sich damit für ein Mittelmaß im Sprachverhalten aus, welches in unserer Zeit des selbstbewussten Auftretens und der „Ellenbogen-Gesellschaft“ freilich nicht mehr aktuell erscheint.20 Es ist allerdings bei genauer Betrachtung ratsam geduldiger Zuhörer in der verbalen Kommunikation zu sein und die Bereitschaft an den Tag zu legen Mitteilungen des Handlungspartners aktiv zu fördern, da dies kompetentes Handeln fördert. Nur auf diese Weise werden Handlungsziele auf effektive Art und Weise realisiert und nicht durch laute Töne oder das Überrumpeln des Handlungspartners.21 Geduld und Bereitschaft im Handeln zur Förderung der Vorstellungen anderer Individuen entstehen nur durch Einsicht in den Zusammenhang des Handelns mit sprachlichen Ausdrücken. Es muss somit das eigene Handeln analysiert werden, um dieses kompetent zu organisieren.22 Auch wenn dieser Fakt für Männer und Frauen gilt, weht Frauen bei der Verbesserung ihres sprachlichen Handelns immer noch der Gegenwind der Gesellschaft bzw. der sozialen Umgebung entgegen, was ihnen diesen Arbeitsprozess im Gegensatz zum männlichen Geschlecht erschwert.23 Männern wird zwar in unserer Gesellschaft eine tendenziell höhere Akzeptanz bei der Verbesserung ihrer sprachlichen Verhaltensweisen entgegengebracht, allerdings greift hier nicht selten der Faktor der mangelnden Bereitschaft zum Umlernen. Frauen erlernen insgesamt die Analyse des eigenen Handelns und des nonverbalen Verhaltens anderer, zur Entnahme zentraler Kommunikationsinformationen, wesentlich rascher als dies bei Männern der Fall ist.24 Dabei können ungewöhnliche, zunächst irritierende Sprachmerkmale bei den Aussagen einer Frau, meist als Hinweise auf zentrale Aussagenkerne verstanden werden. Wenn eine Frau beispielsweise über eine andere Frau X folgende Aussage trifft: „Die X ist männermäßig schlecht ausgelastet!“, möchte damit die Frau keineswegs zum Ausdruck bringen, dass die angesprochene Frau X keinen Mann abgekriegt hat, es kommt viel mehr darauf an die beiden zentralen Worte dieser Äußerung, nämlich „männermäßig“ und „ausgelastet“, unter die Lupe zu nehmen, um die intendierte Aussage begreifen zu können.25

Während das erste Wort vor allem einer jungendsprachlichen Wortbildungsform mit Hilfe der Endung „-mäßig“ zuzuordnen ist, gehört das zweite Wort zu einem vollkommen differenten Bereich.26 „Ausgelastet“ ist man eigentlich innerhalb eines Arbeitsprozess und nicht innerhalb einer Liebesbeziehung oder in Partnerschaften generell.27 Die Frau trifft damit auch eine Aussage über die eigene Haltung zur Beziehung von Mann und Frau, denn der Begriff „Liebe“ wird in keinerlei Hinsicht erwähnt und durch eine zweckrationale Konstruktion ersetzt.

Von großer Bedeutung in der Mann-Frau-Kommunikation ist es darüber hinaus, ob sich Sprecher und Angesprochener gegenseitig direkt benennen oder nur ein indirekter Bezug während der Kommunikation hergestellt wird.28 Indirekte Bezüge in der Kommunikation kennen wir beispielsweise aus Institutionen wie dem Krankenhaus, wenn es heißt: „Die Patienten machen sehr häufig den Fehler das Pflegepersonal bei Unbehagen nicht rechtzeitig zu verständigen.“29 Es wird somit, wie im Beispiel klar ersichtlich, ein genereller Normverstoß als kritischer Kommentar formuliert, um direkte Kritik am Patienten zu vermeiden, welche dieser möglicherweise als Belastung empfinden könnte. Eine Aussage wie: „Es wäre schon besser gewesen, wenn sie mich sofort gerufen hätten, als es ihnen schlecht ging.“, mit der direkten Kritik am einzelnen Patienten, wird somit geschickt vermieden, was meist dazu führt, dass Patienten die Sprache und die Kommentierungen der Pfleger und Ärzte als Elternverhalten beschreiben.30 Das Verhalten zeigt somit Elternverhalten sowie eine verstärke Distanz zum Gesprächspartner aufgrund der indirekten Ansprache, vielleicht im Falle der Ärzte und Pfleger im Krankenhaus, um handlungsfähig zu bleiben.31

Diese Tendenz zur indirekten Ansprache findet sich in vielen Experte/Klienten-Kommunikationen in einem ähnlichen Muster, obgleich deren Sinnhaftigkeit stark hinterfragt werden sollte.32 Es wäre gerade in solchen Kommunikationssituationen aus Sicht der modernen Kommunikationswissenschaft von Nöten auf direkte Beziehung der sprachlichen Äußerung zum Gesprächspartner zu achten, da andernfalls durch die Angst einer Vereinnahmung durch den Gesprächspartner ein Kotrollverlust in der Handlung und „Umweg-Kommunikationen“ die Folge sein können.33

Männer und Frauen weisen darüber hinaus Unterschiede in der kooperativen und nichtkooperativen Kommunikation auf, wobei bei Männern tendenziell die nichtkooperative Kommunikation anzutreffen ist. Männer haben vor allem von Kindesbeinen an gelernt sich gegen Konkurrenz durchzusetzen, anstatt mit ihr zu kooperieren, was sich somit auch im Sprachverhalten äußert.34 Es entsteht somit eine kompetitive Kommunikation beim Mann, welche nachteiliger Weise nicht selten den Eindruck von Feindschaft erweckt und die Konkurrenz zur Suche einer Möglichkeit zum Gegenstoß anregt.35 Allerdings bleiben kompetitive Handlungen stets einmalige Handlungen, da keine Möglichkeit zur Fortführung des Handlungskontakts besteht. Ein direktes Anknüpfen bei erneutem Zusammentreffen der Gesprächspartner wird damit nachhaltig verhindert, wodurch Zusatzanstrengungen notwendig werden, da jede Handlungssituation völlig neu entsteht. Auf diese Weise wird bedauernswerter Weise auch der gesamte Zusammenhang komplexer sozialer Handlungssysteme ausgeblendet.36

Frauen hingegen machen sich in ihrer Kommunikation stärker abhängig von den sozialen Reaktionen der anderen Beteiligten und handeln somit wesentlich intensiver im sozialen Gruppenzusammenhang. Dies zeigt sich deutlich innerhalb von Konfliktsituationen, in denen schnelle Überrumpelungserfolge niemals zu Handlungserfolgen führen können.37 Handlungserfolge in Konfliktsituationen können nur erreicht werden, wenn diese auch durch die beteiligten Personen mitgetragen werden. Einzelne Handelnde können keinen Erfolg erzielen, da Erfolge in dieser Situation nur aus der Kooperation aller Beteiligten resultieren können. Das Bild eines kompetitiv handelnden Individuums, welches in der sozialen Realität gar nicht existiert, wird allerdings leider weiterhin in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft propagiert.38 Während ein Mehr an Teamfähigkeit in unserer Gesellschaft zwar häufig gefordert wird, scheitern die Ansätze innerhalb der Umsetzung in der Praxis meist innerhalb kürzester Zeit, wie dies auch bisher beim Kompetenzziel des sozialen Lernens der Fall war.39 Oder sie bleiben – was noch viel bedenklicher ist – reine theoretische Forderungen und Argumente, um deren Umsetzung in der Praxis keinerlei Bemühungen stattfinden.40 Frauen können hervorragende Lehrmeister für soziale Kompetenz sein, da diese durch die Heterogenität ihrer sozialen Handlungsfelder (z.B. komplexe Rollensituationen in Familie und Beruf) in besonderem Maße von Nöten ist und innerhalb des sozialen Lernens der Frau einen ganz wesentlichen Faktor darstellt.41

III. Nonverbale Kommunikation von Frauen und Männern

Vorab gilt es zu bemerken, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema einer frauenspezifischen und männerspezifischen nonverbalen Kommunikation stets Gefahr läuft, als Form der Stereotypisierung eines „typisch männlichen“ und „typisch weiblichen“ nonverbalen Kommunikationsverhaltens herangezogen zu werden. Dabei würde es sich allerdings um einen wissenschaftlichen Fehlschluss handeln.42 Wenn im Folgenden von unterschiedlichen körpersprachlichen Äußerungen von Männern und Frauen die Rede ist, handelt es sich ausschließlich um unterschiedliche Häufigkeiten im Auftreten jener Äußerungen je nach Geschlecht.43 Ebenfalls problematisch ist die Tatsache, dass ein von diesen geschlechtsspezifisch am häufigsten auftretenden nonverbales Kommunikationsverhalten im Auge des Betrachters als die sogenannte „Normalität“ angesehen wird, da dies dem Leser auf eine sprachlich unterschwellige Art und Weise bei der Lektüre der Hausarbeit unbeabsichtigt nahegelegt werden könnte. Um dies zu vermeiden, wird in den folgenden Erläuterungen stets von der Frau ausgegangen und davon ausgehend die Abweichung innerhalb des männlichen Geschlechts beschrieben.44

Viele Kommunikationswissenschaftler gehen davon aus, dass die gesamte Kommunikation zwischen Männern und Frauen so unterschiedlich ist, dass nur ein starker Begriff wie die sogenannte „interkulturelle Kommunikation“ diese geschlechtsspezifische Differenz im Kommunikationsverhalten treffend zu beschreiben vermag. Somit ist klar zu erwarten, dass nicht nur deutliche Differenzen in der verbalen Kommunikation der Geschlechter, sondern eben auch in der nonverbalen Kommunikation zu erwarten sind.45

1. Anatomie

Frauen und Männer unterscheiden sich zunächst augenscheinlich in ihrer Anatomie, wobei das Becken-Taille-Verhältnis bei Männern deutlich weniger ausgeprägt ist, als dies bei der Frau der Fall ist. Dementgegen verfügt der Mann, und wir gehen bei diesen Betrachtungen wie bereits eingangs erwähnt von einem geschlechtsspezifisch nachgewiesenen Mittelwert aus, über die breiteren Schultern, sodass dessen Arme weiter vom Oberkörper abstehen.46 Beide genannten Faktoren haben eine starke Auswirkung auf den Gang der unterschiedlichen Geschlechter. Gepaart mit dem stärkeren Körpergewicht und der größeren Körperlänge ergibt sich damit seitens des Mannes eine im Vergleich zur Frau vom Menschen als stärker wahrgenommene körperlich Präsenz.47

2. Körperhaltung im Stehen

Männern obliegt damit tendenziell raumeinnehmendes Verhalten, welches durch deren Körpersprache noch unterstrichen wird. Es ergeben sich daraus drei typisch männliche Muster der Körperhaltung im Stehen (siehe Abb. 1):48

- Fester und breitbeiniger, im Boden verankerter Stand
- Entspannte und bequeme Spielbein-Standbein-Haltung
- Mit lässig gekreuzten Beinen angelehnt (z.B. an ein Kfz wie in Abb. 1)

Die Muster in der Körperhaltung von Frauen stellen sich, auch in der medialen Darstellung, deutlich abweichend von der männlichen Körperhaltung dar (siehe Abb. 1):49

- Schräger und damit unsicherer Stand
- Schmale Fußstellung mit abgeknickten Körper

Diese typisch weiblichen Körperhaltungsmuster erwecken damit letztlich den Eindruck einer unsicheren Körperhaltung und erfordern dabei zugleich ein hohes Maß an Körperbeherrschung.50

3. Körperhaltung im Sitzen

Diese Unterschiede in den Häufigkeiten geschlechtsspezifisch auftretender Körperhaltungsmuster lassen sich weiter fortsetzen.51 Männer zeigen tendenziell signifikant seltener das sogenannte „Beinflechten“ und neigen klar zu einer breitbeinigeren Form des Sitzens als dies bei Frauen der Fall ist. Damit ist die Sitzhaltung der Männer meist weniger angespannt, auch da die gesamte Sitzfläche von diesen ausgenutzt und Dominanz signalisiert wird. Dementgegen nutzen Frauen die Sitzfläche tendenziell weniger aus, was eine eher angespannte Sitzhaltung mit kürzeren Phasen des Anlehnens an die Rückenlehne zur Folge hat (siehe Abb. 2).52

[...]


1 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 122.

2 Vgl. TANNEN, D. (1993).

3 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 122.

4 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 69.

5 Vgl. TANNEN, D. (1993).

6 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 69.

7 Vgl. ebd.: S. 69.

8 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 70.

9 Vgl. ebd.: S. 71.

10 Vgl. BREITENSTEIN, G. und H. KELLE (1998).

11 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 71 f.

12 Vgl. ebd.: S. 71.

13 Vgl. PAUL, A. und E. VOLAND (1998).

14 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 72.

15 Vgl. ebd.: S. 72.

16 Vgl. ebd.: S. 72 f.

17 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 73.

18 Vgl. ebd.: S. 73.

19 Vgl. SCHOBER, O. (1985).

20 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 73.

21 Vgl. ebd.: S. 74.

22 Vgl. MÜHLEN ACHS, G. (1998).

23 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 74.

24 Vgl. ebd.: S. 74.

25 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 74.

26 Vgl. PRENGEL, A. (1995).

27 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 74 f.

28 Vgl. GRADBRUCKER, M. (1993).

29 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 75.

30 Vgl. ebd.: S. 75.

31 Vgl. ebd.: S. 75.

32 Vgl. ebd.: S. 76.

33 Vgl. ebd.: S. 76.

34 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 76.

35 Vgl. PAUL, A. und E. VOLAND (1998).

36 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 76 f.

37 Vgl. ebd.: S. 77.

38 Vgl. ebd.: S. 77.

39 Vgl. KELLE, H. (1999).

40 Vgl. HARTIG, M. (1997): S. 77.

41 Vgl. ebd.: S. 78.

42 Vgl. TANNEN, D. (1993).

43 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 122.

44 Vgl. ebd.: S. 122.

45 Vgl. ebd.: S. 122.

46 Vgl. MÜHLEN ACHS, G. (1998).

47 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 123.

48 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 123.

49 Vgl. ebd.: S. 123.

50 Vgl. ebd.: S. 123.

51 Vgl. SCHOBER, O. (1985).

52 Vgl. ROSENBUSCH, H. und O. SCHOBER (2004): S. 123.

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346183194
ISBN (Buch)
9783346183200
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v899541
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Schlagworte
frauen- kommunikation
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Titel: Frauen- und männerspezifische Kommunikation