Lade Inhalt...

Die außerparlamentarische, republikanische Bewegung in Irland 1925-1945

Magisterarbeit 1992 109 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN

1. EINLEITUNG
1.1 FRAGESTELLUNG UND ABGRENZUNG
1.1.A Der Begriff der “republikanischen Bewegung”
1.1.B Zur politischen Philosophie des irischen Republikanismus
1.1.C Thematischer Schwerpunkt und Fragestellung
1.2 DREI ANMERKUNGEN ZUR POSITION DES AUTORS
1.3 LITERATURLAGE
1.4 ERLÄUTERUNG DER GLIEDERUNG

2. VORGESCHICHTE: KURZER ABRIß DER GESCHICHTE DER REPUBLIKANISCHEN BEWEGUNG, 1914-1925
2.1 DIE AUSGANGSLAGE: IRLAND 1914
2.2 HOME RULE UND WELTKRIEG
2.3 DER OSTERAUFSTAND 1916
2.4 UNABHÄNGIGKEITSKRIEG UND TEILUNG IRLANDS
2.5 DER BÜRGERKRIEG 1922-23
2.6 DAS POLITISCHE SYSTEM DES FREISTAATES
2.7 NORDIRLAND: DER ORANGE-STAAT
2.8 AUFBAU DER IRA NACH DEM BÜRGERKRIEG

3. DIE SPALTUNG DER REPUBLIKANISCHEN BEWEGUNG
3.1 DIE TRENNUNG VON IRA UND SINN FÉIN
3.2 DIE SPALTUNG DER SINN FÉIN
3.3 INTERVENTION DES ARMY COUNCIL
3.4 DIE PARTEIENLANDSCHAFT NACH GRÜNDUNG DER FIANNA FAIL

4. DIE LINKSWENDE DER IRA
4.1 WIRTSCHAFTSKRISE UND LANDAGITATION
4.2 DIE SAOR EIRE-IDEE
4.3 DIE ENTSTEHUNG VON SAOR EIRE
4.4 DIE KAMPAGNE GEGEN DIE ‘ROTE GEFAHR’
4.5 DIE REPRESSIONSWELLE

5. VON SAOR EIRE ZUM REPUBLICAN CONGRESS
5.1 PARLAMENTSWAHLEN 1932
5.2 DE VALERA IM AMT
5.3 FRAKTIONSBILDUNG IN DER IRA
5.4 DIE BLUESHIRTS
5.5 DIE IRA UND DER ANTIFASCHISTISCHE KAMPF
5.6 ARMY CONVENTION 1934

6. REPUBLICAN CONGRESS
6.1 DAS MANIFEST VON ATHLONE
6.2 SPALTUNG DER IRA
6.3 VON ATHLONE NACH RATHMINES: DER CONGRESS IM AUFBAU
6.4 DER KONGREß VON RATHMINES
6.5 VON RATHMINES NACH SPANIEN

7. DIE IRA IM II. WELTKRIEG
7.1 VOM CONGRESS ZUR BOMBENKAMPAGNE, 1934-38
7.2 DIE BOMBENKAMPAGNE
7.3 EXKURS: IRLANDS NEUTRALITÄTSPOLITIK
7.4 KONTAKTE MIT DEUTSCHLAND
7.5 DIE STEPHEN HAYES-AFFÄRE

8. RESÜMEE

9. LITERATURVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGEN:
9.1 QUELLEN
9.1.A Bücher, Broschüren, Pamphlete
9.1.B Autobiographien
9.1.C Periodika
9.2 HANDBÜCHER & NACHSCHLAGEWERKE
9.3 DARSTELLUNGEN
9.3.A Gesamtdarstellungen
9.3.B Bücher
9.3.C Aufsätze
9.3.D Periodika

10. ANHÄNGE
10.1 GLOSSAR IRISCHER AUSDRÜCKE
10.2 VERFASSUNG DER IRA VON 1923
10.3 REPUBLICAN CONGRESS MANIFESTO VON 1934

11. ANMERKUNGEN

Verzeichnis der Abkürzungen

Die Bezeichnungen und Abkürzungen für die Dienstgrade und Kommandostellen der IRA sind generell nicht ins Deutsche übersetzt worden. Dies hätte zwar die Lesbarkeit der vorliegenden Arbeit erhöht, den Vergleich mit der englisch-sprachigen Literatur aber sehr erschwert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Abgrenzung

1.1.A Der Begriff der “republikanischen Bewegung”

Republikanismus als organisierte politische Strömung existiert in Irland seit 1858, als James Stephens in Dublin die Irish Republican Brotherhood (IRB) gründete, zeitgleich und koordiniert mit der Gründung der Fenians durch James O’Mahony in New York.

Bis zu ihrer Auflösung 1924 spielte die Geheimgesellschaft IRB eine wichtige Rolle innerhalb der irischen Unabhängigkeitsbewegung. Planung und Leitung des Osteraufstandes von 1916 lagen in den Händen von Mitgliedern der IRB, die durch eine gezielte Strategie der Unterwanderung in Massenorganisationen wie den Irish Volunteers einen Einfluß ausübte, der weit über ihren proportionalen Anteil an Mitgliedern hinausging. Während der Einfluß der IRB nach dem Osteraufstand rasch dahinschwand, machte die 1907 von Arthur Griffith gegründete Sinn Féin (SF) einen Transformationsprozeß durch und wurde zum neuen, politisch führenden Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung; auf der militärischen Seite entstand aus der Zusammenarbeit von Volunteers und Irish Citizen Army (ICA) während des Aufstandes die Irish Republican Army (IRA). Der Osteraufstand kann daher als Geburtsstunde des Republikanismus als Massenbewegung in Irland angesehen werden.

Nach den Wahlen zum britischen Unterhaus im Dezember 1918 nahmen die Parlamentarier der Sinn Féin, die eine große Mehrheit unter den irischen Abgeordneten bildeten, ihre Sitze in Westminster nicht ein und konstituierten sich als Dail Eireann. Dieses irische Untergrundparlament bestand bis zum Ende des Unabhängigkeitskrieges. Auf der Grundlage des Government of Ireland Act fanden 1921 erstmals Wahlen zu zwei getrennten Parlamenten für Nord- und Süd-Irland statt. SF ignorierte den britischen Beschluß zur Teilung des Landes und benutzte die Wahl zur Bestätigung des Dail. Die Führungsrolle der SF war so unbestritten, daß im Süden nur für die vier Sitze des Trinity College Dublin Gegenkandidaten aufgestellt wurden. Diese Wahl ist bis heute von entscheidender Bedeutung für die Legitimation der IRA, da aufgrund dieses Ergebnisses das Second Dail zusammentrat, das von der IRA als einzig legitime Regierung Irlands betrachtet wird.

In den folgenden Jahren fand ein Prozeß der Differenzierung statt, der 1925 in sein vorerst letztes Stadium trat. Erst mit der Gründung von Fianna Fail (FF) und der Absage der IRA an die politische Kontrolle durch die Sinn Féin kann die außerparlamentarische republikanische Bewegung wirklich abgegrenzt werden. Wenn im folgenden von der “Republikanischen Bewegung” die Rede sein wird, dann ist damit das Geflecht von IRA, Sinn Féin, der Schat- tenregierung des Second Dail, der republikanischen Frauenorganisation Cumann na mBan (CnB) sowie einigen anderen, meist kurzlebigen Organisationen gemeint. Eine Ausgrenzung oder Diffamierung der Fianna Fail als antirepublikanisch, wie sie etwa George Gilmore vornimmt,1 ist damit ausdrücklich nicht impliziert.

Schon bei der ersten Durchsicht der Quellen wurde deutlich, daß der ursprüngliche Ansatz, die Geschichte dieser Bewegung aus der Perspektive der Entwicklung der Sinn Féin zu schreiben, aufgegeben werden mußte. Das unbedingte Festhalten an dem Konstrukt des Second Dail als einzig legitimer Regierung Irlands führte dazu, daß SF über weite Strecken völlig unfähig wurde, politisch in das Geschehen einzugreifen. Auf die in dieser Arbeit behandelten Ereignisse nahm Sinn Féin keinen organisierten Einfluß. Statt dessen erwies sich die IRA als dynamischere Kraft, aus der heraus immer wieder neue Ansätze für eine politische Intervention entstanden.

Die Linke versuchte seit 1925, die IRA als republikanische Organisation durch die Zusammenarbeit mit sozialen Bewegungen, etwa in Zusammenhang mit der Landfrage, oder auch mit radikalen linken Gruppierungen, wie der Kommunistischen Partei, auf eine Politik der Volksfront festzulegen. Anknüpfend an die Gedanken des 1916 hingerichteten Arbeiterführers James Connolly versuchten sie, die Notwendigkeit deutlich zu machen, den Kampf um vollständige nationale Unabhängigkeit mit dem Kampf um soziale Gerechtigkeit zu verbinden. Diese Stoßrichtung, die Schaffung einer über die republikanischen Organisationen hinausrei- chenden antiimperialistischen und antifaschistischen Front, lag der Gründung von sowohl Saor Eire als auch des Republican Congress zugrunde. Dem Prozeß der Entstehung und Auflösung dieser beiden Organisationen galt mein Hauptinteresse bei dieser Arbeit. Nicht die militärische Aktivität der IRA, sondern ihr politischer Hintergrund, die Diskussion um die Einbettung des Konzeptes von der militärischen Befreiung Irlands in einen politischen Überbau, steht daher im Vordergrund.

Einige der bisher benutzten Begriffe verlangen eine Erläuterung. Zur Unterscheidung der verschiedenen Strömungen der irischen Unabhängigkeitsbewegung finden vielerlei Bezeichnungen Verwendung. Sean Cronin unterscheidet fünf Richtungen innerhalb des irischen Nationalismus:

“traditionalist is Catholic and often Gaelic; constitutional nationalism is influenced, but not controlled by the Catholic Church, ... and opposes violence; physical force republicanism refers to Tone and the United Irishmen for its justification, but is often socially conservative; radical republicanism argues that there can be no political change without social revolution and stresses the values of the secular state; cultural nationalism emphasizes the nation and its language rather than the state.”2

Im Sinne dieser Unterscheidung ist im folgenden vom ‘rechten Flügel’ oder von ‘Militaristen’ die Rede, wo “physical-force Republicans” gemeint sind. Die Begriffe ‘linker Flügel’ und ‘Radikale’ beziehen sich auf die Verfechter des “radical Republicanism”. Dabei muß allerdings betont werden, daß sich nicht zwei festgefügte politische Blöcke gegenüberstanden. Während der linke Flügel über weite Strecken Merkmale einer Fraktion innerhalb der IRA aufwies, ist der Begriff des rechten Flügels wesentlich unpräziser. Da sich dieser Teil der Bewegung als weitgehend unpolitisch verstand, wurde von dieser Seite kaum theoretisch argumentiert. Die Ansichten der Militaristen sind oftmals nur durch ihre Spiegelung in den Stellungnahmen der Radikalen dokumentiert, ein Umstand, der eine objektive Beurteilung äußerst erschwert.

1.1.B Zur politischen Philosophie des irischen Republikanismus

Was ist aber das Verbindende, was ist irischer Republikanismus? Der Begriff geht zurück auf die United Irishmen, die Ende des 18ten Jahrhunderts den Kampf für die irische Unabhängigkeit führten. Theobald Wolfe Tone (1763-1798), der in der von Patrick Pearse beeinflußten populären irischen Geschichtsauffassung oft fälschlich als Gründer der United Irishmen ange- sehen wird, formulierte eine neue, radikalere Forderung nach Unabhängigkeit. Neu waren dabei nicht die einzelnen Teile seiner Argumentation, sondern die Art ihrer Verbindung:

“Tone’s originality lay in his ability to give a new and specific focus to what had been a vague aspiration ... A union of creeds was not simply desirable, but a necessary first step towards achieving reform, or, in the end, separation.”3

Beeinflußt von der französischen und der amerikanischen Revolution wollten die United Irishmen einen irischen Nationalstaat errichten, dessen Basis die Union der Protestanten, Katholiken und aller anderen Religionen sein sollte, um so ihre individuelle, nationale und nicht zuletzt wirtschaftliche Freiheit herzustellen.4 Entgegen der Überhöhung und Verzerrung, die Tone durch Patrick Pearse erfuhr, zeigt Tom Dunne, daß Tones Beitrag zur politischen Philosophie des Republikanismus eher bescheiden war. Tones Radikalismus wurzelte in seiner Zeit, die angestrebte Unabhängigkeit war die der besitzenden Klassen.5 Auch Cronin sieht das Erbe der United Irishmen beschränkt auf die Erkenntnis, daß Religion und Politik zu trennen seien.6

Erst die Bewegung der Young Irelanders formulierte im 19ten Jahrhundert die drei grundlegenden Axiome des irischen Republikanismus: Vollständige Unabhängigkeit von England, uneingeschränktes Recht, die Souveränität des irischen Volkes mit allen Mitteln durchzusetzen, und Bewahrung des nationalen Erbes. Drei Namen sind hiermit verbunden:

(1) John Mitchell (1815-1875) forderte die Schaffung einer Republik, die politisch und ökonomisch vollständig unabhängig von England sein sollte;7
(2) James Fintan Lalor (1808-1849) betonte die Volkssouveränität und die Bedeutung der Landfrage: “The principle I state, and mean to stand upon, is this, that the entire ownership of Ireland, moral and material, up to the sun, and down to the centre, is vested of right in the people of Ireland; that they, and none but they, are the land-owners and law-makers of this island; that all laws are null and void not made by them; and all titles to land invalid not conferred and confirmed by them; and that this full right of ownership may and ought to be asserted and enforced by any and all means which God has put in the power of man.”8
(3) Thomas Davis (1818-1845) argumentierte für die Bewahrung des irischen Ursprungs; der Stolz auf die gälische Vergangenheit, die Förderung der irischen Sprache, Literatur und Musik sowie der traditionellen Sportarten wurden durch ihn zum integralen Bestandteil des irischen Nationalismus.9

Patrick H. Pearse (1879-1916) begriff diese drei Männer und Tone als die Evangelisten des Neuen Testamentes des irischen Nationalismus. Für Pearse war der Unabhängigkeitskampf heilig, und diese Eigenschaft übertrug sich auf jene, die diesen Kampf führten: “Splendid and holy causes are served by men who are themselves splendid and holy.”10 Einen besonderen Platz räumte Pearse Wolfe Tone ein, an dessen Grab in Bodenstown er sagte:

“He was the greatest of Irish Nationalists; I believe he was the greatest of Irish men. And if I am right in this I am right in saying that we stand in the holiest place in Ireland, for it must be that the holiest sod of a nation’s soil is the sod where the greatest of her dead is buried.”11

Tone war der erste, der das Gospel des irischen Nationalismus in würdiger Form ausdrückte, und seinen Worten war, so glaubte Pearse, nichts mehr hinzuzufügen:

“He has spoken for all time, and his voice resounds throughout Ireland, calling to us from this grave when we wander astray following other voices that sound less true.”12

Der republikanischen Bewegung gilt Pearse bis heute als einer ihrer wichtigsten Theoretiker, und auch das offizielle Irland sieht in ihm als Verfasser der Proklamation der irischen Republik von 1916 einen der Väter der Nation. Pearse selbst hat diese Vereinnahmung ermöglicht, indem er unter Vernachlässigung aller sozialen Fragen das Ziel der Befreiung Irlands lediglich rückwärts gewandt definierte, als Wiedereroberung eines mystisch verklärten, keltischen Irlands, “not free merely, but Gaelic as well; not Gaelic merely, but free as well”.13 Mit der Annäherung an die These von der Notwendigkeit der militärischen Befreiung Irlands gewann die Idee des Heldentodes eine wachsende Bedeutung für Pearse, wobei sich religiöse und politische Motive zunehmend vermischten. Leidensfähigkeit und Opferbereitschaft wurden die zentralen Voraussetzungen für die Befreiung Irlands. Ruth Dudley Edwards schreibt in ihrer Biographie in Bezug auf Pearse’ letzte Lebensjahre:

“Death became a preoccupation with Pearse. His mysticism, already shown in his attitude to religion, was to manifest itself from now on (1912, d. V.) in his developing political philosophy, a philosophy which called for the final sacrifice in the holy cause of Ireland’s freedom. These desperate elements were soon to crystallize into a conviction that only through death - Pearse’s own death, at that - could Ireland live again.”14

Zu seinen Lebzeiten waren Pearse’ Ansichten noch heftig umstritten. Als Pearse im Dezember 1915 über die Schlachten des 1. Weltkrieges schrieb, es sei gut, daß das alte Herz der Erde wieder einmal mit dem roten Wein der Schlachtfelder gewärmt werde,15 antwortete James Connolly in der Workers’ Republic:

“No, we do not think that the old heart of the earth needs to be warmed with the red wine of millions of lives. We think anyone who does is a blithering idiot. We are sick of such teaching, and the world is sick of such teaching.”16

Nach dem Osteraufstand, nach der Hinrichtung von Pearse, Connolly und den anderen Führern des Aufstandes, wurde Pearse zum Präsidenten der irischen Republik stilisiert. Bis in die 60er Jahre blieb sein Status der eines unangreifbaren Märtyrers.17 Dadurch wurde auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Gedanken der von Pearse zu Evangelisten erhobenen unmöglich, der soziale Gehalt ihrer Schriften ging verloren, und sie wurden ungefährlich. Sean Cronin hat dies sehr treffend formuliert:

“The four ‘evangelists’ - Tone, Davis, Mitchell and Lalor - were less acceptable without Pearse’s endorsement. Tone was remote, his writings unavailable. Davis was safe, except for his views on education and sectarianism, which were ignored. Mitchel’s descriptive Jail Journal writing was good for anthologies. Lalor was forgotten.”18

1.1.C Thematischer Schwerpunkt und Fragestellung

Die Geschichte des Republikanismus zwischen 1925 und 1969, dem Beginn der aktuellen Unruhen in Nordirland, kann als ein Prozeß zunehmender Isolierung beschrieben werden. Mit Saor Eire und dem Republican Congress bestand, dies ist die erste These, die Chance, aus dieser Entwicklung auszubrechen. Für kurze Zeit schien es möglich, sogar die sektiererischen19 Schranken zwischen protestantischer und katholischer Arbeiterklasse in Nordirland zu überwin- den. Mit dem Republican Congress war das Bündnis zwischen Republikanern und dem linken Flügel der Gewerkschaften für kurze Zeit Realität. Daß diese Chancen nicht nur am Kreuzfeuer von Staat und Kirche, sondern auch an der Haltung der republikanischen Militaristen und Traditionalisten sowie auch der Linken selbst gescheitert sind, ist die zweite These.

Während Saor Eire - wenn auch verspätet - noch die Zustimmung des Army Council (AC), des höchsten Organs der IRA, fand, konnte der Republican Congress nur noch gegen dieses organisiert werden, obwohl eine Mehrheit der Volunteers, d.h. der Mitglieder der IRA, das Projekt befürwortete. Die Unbeugsamkeit der Führung führte dazu, daß die IRA in kürzester Zeit durch Austritte und Ausschlüsse einen großen Teil ihres intellektuellen Potentials verlor und für die nächsten Jahre fest unter der Kontrolle rein militärisch denkender Menschen wie Sean Russell blieb. Der Neutralitätspolitik De Valeras im 2. Weltkrieg hatte die IRA politisch nichts entgegenzusetzen. Statt den Versuch zu unternehmen, durch eine konsequent antiimperialistische und antifaschistische Politik Profil zu gewinnen, liebäugelten Teile der Führung mit Kontakten zum faschistischen Deutschland, die in der Durchführung dilettantisch, in der Konsequenz aber verheerend waren. Ohne Verankerung in der Bevölkerung war die IRA dem Gegenschlag De Valeras hilflos ausgeliefert, der die IRA nun nicht mehr als politischen Gegner bekämpfen mußte, sondern sie als Sicherheitsrisiko einstufen und durch Sondergesetze ausschalten konnte.

Das Jahr 1945 bildet den Schlußpunkt dieser Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die IRA so geschwächt, daß ein vollständiger Neuaufbau vollzogen werden mußte. Eine der Konsequenzen war die Annäherung an die Sinn Féin, deren Zustand zu diesem Zeitpunkt kaum weniger desolat war. Allerdings stand diese erneute Zusammenarbeit beider Organisationen unter umgekehrten Vorzeichen: Das Präsidium der Sinn Féin, das Ard Comhairle, billigte 1955 ausdrücklich die Übernahme der Kontrolle der Partei durch die IRA-Führung. Während sich die IRA vor 1925 als Armee der Partei charakterisieren läßt, kann für den Zeitraum ab 1955 von Sinn Féin als einer Partei der Armee gesprochen werden. Diese Dominanz des militärischen Flügels über den politischen hielt bis in die 80er Jahre an; die entscheidenden Weichenstellungen gingen von der IRA aus und wurden von Sinn Féin nachvollzogen.

1.2 Drei Anmerkungen zur Position des Autors

Mit der Linkswende der IRA und der Sinn Féin zu Beginn der 80er Jahre, die ihren Ausdruck in der Übernahme der Führungspositionen durch junge Mitglieder aus Nordirland fand (Adams, Morrisson, McGuinness), wurde das Primat des Militärischen erneut zunehmend in Frage gestellt. Damit ist aber der “physical force Republicanism” nicht verschwunden. Die heftigen Diskussionen in der republikanischen Bewegung, die infolge der Bombenexplosion von Eniskillen, bei der im November 1987 elf Zivilisten getötet wurden, schließlich zur Auflösung der South Fermanagh-Brigade der IRA führten, zeigen, daß bis heute um die politische Kontrolle der Armee gerungen wird.20

Insofern nimmt diese Arbeit in doppelter Weise Bezug auf Auseinandersetzungen, die bis in die Gegenwart reichen, ein Umstand, der eine Darlegung der Position des Autors zwingend macht. Obwohl diese im Verlauf der Untersuchung noch deutlich werden wird, sollen einige grundlegende Gedanken bereits an dieser Stelle formuliert werden.

(1) Ein Ansatz, der die IRA in einem europäischen Kontext als terroristische Vereinigung ähnlich etwa der bundesdeutschen Rote Armee Fraktion, der belgischen Cellules Communistes Combattantes oder der französischen Action Directe zu analysieren versucht, ist letztlich ahistorisch und muß zu kurz greifen. Die IRA selbst weist den Vergleich zurück und besteht zu Recht auf der historischen Perspektive, die die IRA als antikoloniale Be- freiungsbewegung in einem Land der europäischen Peripherie begreift, das in seiner Geschichte und ökonomischen Struktur mehr Ähnlichkeit mit einem Land der 3. Welt aufweist als mit den europäischen Metropolen.21
(2) Wenn das Recht jeder Nation auf Selbstbestimmung als völkerrechtliches Prinzip akzeptiert wird, so kann die Entscheidung, dieses Recht nach Versagen aller anderen Mittel auch militärisch zu erkämpfen, nur vor dem Hintergrund eines bedingungslosen Pazifismus negiert werden, den sich bisher keine britische oder irische Regierung zu eigen gemacht hat.

Die IRA beruft sich bis heute auf die Kontinuität des Second Dail und begreift sich als Rechtsnachfolgerin dieses im Mai 1921 gewählten Parlamentes. Dazu erklärte der Präsident der Fianna Fail, Eamon de Valera, am 14.3.1929 im Parlament des Freistaates Irland:

“Those who continued on in that organisation which we have left can claim exactly the same continuity that we have claimed up to 1925.”22 Wenn auch der spätere Ministerpräsident de Valera und die Fianna Fail diese Position nicht lange vertreten haben, hat sich doch an ihrem Gehalt nichts geändert. In ihrem Selbstverständnis ist die IRA bis heute die Armee der 1916 proklamierten Republik Irland, die die britische Besatzungsmacht in Nordirland und - heute nicht mehr militärisch - einen auf Verrat basierenden Staat in der Republik Irland bekämpft. Politisch ist diese Auffassung zweifelhaft, ebenso wie die behauptete Kontinuität. Eine moralische Bewertung muß aber von der Motivation der handelnden Subjekte ausgehen und wird daher die Handlungen der IRA bzw. ihrer Mitglieder seit der Unabhängigkeit des irischen Südens ähnlich bewerten müssen wie in den vorhergehenden Epochen.

(3) Die IRA muß sich die Frage gefallen lassen, ob sie im Namen oder doch zumindest im Sinne des irischen Volkes handelt. Hierzu ist zunächst festzustellen, daß der Ansatz der britischen Regierungen, die seit 1921 von einem Volk Nordirlands ausgehen, dessen Mehrheit die Aufrechterhaltung der Teilung befürworte, angesichts des artifiziellen Charakters dieser Mehrheit nicht haltbar ist. Die innerirische Grenze verdankt ihren Verlauf eben nicht einer historisch gewachsenen Gebietseinteilung, sondern dem Bemühen, genau diese Mehrheit erst zu erzeugen. Unbestritten ist dagegen, daß im gesamtirischen Kontext eine Wie- dervereinigung von der Mehrheit gewollt ist. Fraglich bleibt aber, ob der Versuch der IRA, Großbritannien mit militärischer Gewalt aus dem Land oder doch wenigstens an den Verhandlungstisch zu zwingen, diesem Ziel dienlich war und ist.

Es scheint, daß zumindest jene militärischen Aktionen der IRA, die losgelöst von politischen Kampagnen stattfanden, wie etwa die Bombenserie in England ab 1939, deren besondere Brutalität gegen Zivilisten in England antiirische Gefühle erstarken ließ, nicht nur die IRA nicht vorangebracht, sondern ihr im Gegenteil schweren Schaden zugefügt haben. Daraus leitet sich die dritte in dieser Arbeit zu untersuchende These ab: Einfluß und Gewicht der IRA nahmen in den hier behandelten Jahren zu, solange sie ihre militärischen Aktionen politisch begleitete und begründete. Der Weg in die Isolation, die 1945 fast vollständig erschien, führte über Kampagnen, deren Gewalt als reine Pose ohne konkrete inhaltliche Bedeutung erscheint.

1.3 Literaturlage

In deutscher Sprache existieren keine, in englischer nur wenige Monographien zur Geschichte des irischen Republikanismus. Dabei fällt zunächst auf, daß Historiker nur einen geringen Anteil an der Aufarbeitung dieses Themas haben.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Unruhen in Nordirland erschienen 1970 gleich zwei Arbeiten, die die Geschichte der IRA aus sehr unterschiedlichem Blickwinkel darstellen: Tim Pat Coogans The I.R.A. und J. Bowyer Bells The Secret Army. Selbst politisch eher bei Fianna Fail beheimatet, betont Coogan in seinem Vorwort:

“I would not willingly write a line which would induce any young man to spend five minutes in the I.R.A. and thus risk his life and liberty or those of someone else, but neither would I willingly detract one iota from the integrity and courage of those who thought otherwise and followed in one of Ireland’s oldest traditions, risking health and happiness and even life itself not for themselves but for an ideal.”23

Ausgehend von dieser Maxime erzählt Coogan die Geschichte der IRA. Eine historische Analyse wird von ihm nicht angestrebt. Die Darstellung ist die eines Journalisten, der vor allem seine langjährigen Kontakte zu vielen Beteiligten zu nutzen vermag. Dies bedeutet einerseits eine Fülle sonst kaum zugänglicher Informationen, führt aber andererseits dazu, daß oftmals der Schutz des Informanten eine präzise Quellenangabe nicht zuläßt. Ein Anmerkungsapparat fehlt bei Coogan.

J. B. Bell gibt keine so eindeutige Positionsbestimmung ab. Er macht aber auch kein Geheimnis daraus, daß seine Sympathie eher der IRA-Linken gehört. Das folgende Zitat aus dem Epilog seiner Arbeit, mit dem Bell die IRA in einen Zusammenhang mit den Befreiungsbewegungen Zyperns (EOKA) und Algeriens (FLN) stellt, gibt einen gewissen Aufschluß darüber, in welcher Rolle er die IRA sieht:

“If the IRA has had few victories to cherish, perhaps the volunteers in a small way share those of EOKA or the FLN. In that mysterious brotherhood of revolutionaries, the IRA volunteer, futile or no, has a reserved seat, perhaps not in the front row but in a prominent position.”24

Kevin Kelleys The Longest War, 1982 erschienen, beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung der IRA in den 70er und 80er Jahren, bietet aber auf den ersten 70 Seiten eine Zusammenfassung der historischen Entwicklung, die aus der Perspektive einer grundsätzlichen Sympathie für den irischen Republikanismus geschrieben ist. Bezeichnend für dieses Herangehen ist Kelleys Epilog, in dem er schreibt:

“One need not approve the Provo’s (Provisional IRA, d.V.) tactics, or even support their cause, in order to acknowledge the historical legitimacy of their campaign. (...) Nothing that the Provo’s have done or might do can be comparable to the suffering inflicted on Ireland by British rulers and armies down the centuries.”25

Der Amerikaner Kelley ist Journalist beim New Yorker ‘Guardian’. Noch näher steht Sean Cronin, Autor von Irish Nationalism, der IRA. In den späten 50er Jahren gehörte er als ‘Director of Operations’ dem Army Council an und entwarf den Plan für ‘Operation Harvest’, die Bombenkampagne gegen die innerirische Grenze 1956-62.26 Heute ist Cronin Korrespondent der ‘Irish Times’ in New York. Cronin steckt den Rahmen seiner 1980 erschienen Arbeit weiter als Coogan und Kelley und versucht, irische Geschichte als kolonialen Konflikt zu beschreiben:

“It (der irische Befreiungskampf, d.V.) inflicted the first defeat, in the twentieth century, on the British Empire and began the break-up of the imperial system. For that reason alone, a study of the ideology of Irish nationalism is important ... In consequence, the Northern Ireland conflict is really a post-colonial problem.”27

Während Cronin in Irish Nationalism, einer überarbeiteten Fassung seiner Doktorarbeit, nur recht kurz auf Saor Eire und Republican Congress eingeht, bietet der erste Teil seiner Biographie Frank Ryan viel Material zum Thema.28

Margaret Ward ist die einzige Historikerin in diesem Kreis. Sie hat ihre politischen Wurzeln in der nordirischen Frauenbewegung, die permanent mit den Ansichten der Frauen in den heutigen republikanischen Organisationen konfrontiert ist, da diese sich als Teil sowohl der republikanischen als auch der Frauenbewegung begreifen. Unmanageable Revolutionaries bietet eine Analyse der Frauen-Organisationen Ladies Land League, Inghinidhe na hEireann und Cumann na mBan, mit dem Ziel, den historischen Rahmen für die als überfällig angesehene Auseinandersetzung zwischen den Frauen innerhalb der republikanischen Bewegung und den feministischen Gruppen in Irland zu liefern.29 Von Interesse für diese Arbeit ist vor allem Wards Untersuchung der Cumann na mBan, die auf zahlreichen Interviews basiert. Die irische Geschichtswissenschaft beginnt erst langsam, sich dieses Themas anzunehmen. Dies dürfte auch in der Zwiespältigkeit der Rezeption der IRA in der irischen Gesellschaft insgesamt und der andauernden Aktualität des Themas begründet liegen. Über die Geschichte des Republikanismus in Irland zu schreiben, heißt zwangsläufig, sich auch zur heutigen Be-deutung der IRA, zum Problem des bewaffneten Kampfes und zur Legitimation der staatlichen Gewalt in Irland zu äußern. Francis Shaw kommt das Verdienst zu, sich als erster von derlei Befürchtungen frei gemacht zu haben. In seinem 1966 verfassten, aber erst 1972 in der katholischen Vierteljahresschrift ‘Studies’ erschienenen Aufsatz The Canon of Irish History - A Challenge untersucht Shaw die populäre Auffassung der irischen Geschichte und fordert eine kritischere Betrachtung der nationalen Helden wie P. H. Pearse und James Connolly. Shaw, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Arbeit bereits verstorben war, wurde damit zum Begründer einer oft als revisionistisch denunzierten Strömung der irischen Historiker, die die Dogmen nationalistisch geprägter Geschichtsschreibung zunehmend in Frage stellt. Während es auf diese Weise gelang, eine Debatte über die historischen Wurzeln der republikanischen Ideologie zu beginnen, blieb die neueste Geschichte der IRA weiterhin Journalisten und Soziologen vorbehalten.

Von den deutschen Arbeiten ist vor allem Hubert Sturms Hakenkreuz und Kleeblatt erwähnenswert. Um das Positive voranzustellen sei gesagt, daß Sturm eine Fülle von Archivmaterial aufgearbeitet und vieles in einem umfangreichen Anhang zur Verfügung gestellt hat. Selbst so exotische Quellen wie die Kriegserinnerungen Charles A. Lindberghs oder Franz Schönhubers Memoiren fehlen nicht in seinem imposanten Literaturverzeichnis. Inhaltlich bietet Sturm dagegen wenig Neues, zumindest was das Thema dieser Arbeit angeht. Originell allerdings seine Bemerkung zur Methodik: er wolle seine Arbeit “nicht durch sozio- ökonomischen Determinismus und aktuelle Imperialismus- und Faschismustheorien” belasten und statt dessen eine von ihm selbst als Teppich-Restaurierung apostrophierte Methode einschlagen. Es solle versucht werden, “komplizierte Muster wieder zu rekonstruieren und den Farben die alte Frische wiederzugeben”.30 Damit impliziert Sturm, daß sich Geschichte auf die bloße Rekonstruktion von Quellen und Quellenkomplexen beschränken kann, ohne die Interessenlagen der historischen Personen zu reflektieren, ein Versuch, der stark an jene historistischen Ansätze erinnert, die Wolfgang J. Mommsen so treffend als “museale Konzep- tion von Geschichte” beschrieben hat.31

Auch stilistisch kann Sturm überraschen, wenn er etwa das “Geflecht vielfältiger Beziehungen zwischen Deutschland und der Grünen Insel” mit den Worten umreißt:

“Wer von den Autofahrern auf dem Weg in den sonnigen Süden vermutet schon hinter dem Ortsnamen Irschenberg den ‘irischen Berg’, der noch heute an die Missionstätigkeit und das Martyrium der irischen Wandermönche Marian und Anian im 7. Jahrhundert erinnert.”32

Bereits 1961 erschien Enno Stephans Arbeit Geheimauftrag Irland, deren englische Ausgabe viel Beachtung fand.33 Stephan hat als erster den Versuch unternommen, die Tätigkeit deutscher Geheimdienste in Irland während des II. Weltkrieges zu rekonstruieren. Für den vollständigen Überblick über die verwendeten Arbeiten sei auf die Literaturliste verwiesen.

Bevor ich auf die herangezogenen Quellen eingehe, möchte ich auf einige unentbehrliche Helfer hinweisen. An erster Stelle ist hier F.S.L. Lyons’ Arbeit Ireland Since the Famine zu nennen, ein Buch, das beinahe als Handbuch der irischen Geschichte bezeichnet werden kann und dem ich viele Anregungen verdanke. D.J. Hickey und J.E. Doherty haben mit ihrem erstmals 1980 erschienen Dictionary of Irish History, 1800-1980 ein hervorragendes Nachschlagewerk geschrieben, das allerdings stellenweise etwas ungenau ist. Dies gilt leider auch für die Sammlung Irish Political Documents 1916-49, herausgegeben von Arthur Mitchell und Padraig O’Snodaigh, die eine gute Zusammenstellung wichtiger Dokumente bietet. Kritisch anzumerken ist aber, daß die etwas knapp gehaltenen Quellenangaben eine Überprüfung der Originale unnötig erschweren. Ein anderes Problem stellt sich bei Robert Fisks Studie In Time of War. Ireland, Ulster and the price of neutrality 1939-45. Fisk hat mit bewundernswerter Akribie die Unterlagen des Public Record Office of Northern Ireland (PRONI) in Belfast ausgewertet und 1983 eine äußerst detailreiche Untersuchung über die Zeit des 2. Weltkriegs in Irland vorgelegt. Der Exaktheit seiner Zitate bin ich auf Treu und Glauben ausgeliefert, da sich bei einem Besuch des PRONI erwies, daß die wichtigsten von Fisk verwendeten Aktensammlungen nach Erscheinen seines Buches mit Verschlußzeiten von 75 bzw. 100 Jahren versehen wurden.34 Die Vermutung liegt nahe, daß ein Zusammenhang zwischen den von Fisk publizierten Ergebnissen und dieser Entscheidung besteht. Eine Begründung war im PRONI nicht zu erhalten.

Daß eine illegale Guerilla-Armee kein besonderes Interesse an einer lückenlosen Dokumentation ihrer Aktivitäten haben kann, liegt auf der Hand. Glücklicherweise hat die IRA eine vergleichsweise umfangreiche Publikationstätikeit entwickelt. An Phoblacht, Republican File und andere Zeitungen erschienen z.T. als offizielle Organe der Armee und veröffentlichten Beschlüsse der Army Convention, Verlautbarungen etc. Die National Library of Ireland (NLI) in Dublin verfügt über eine fast vollständige Sammlung dieser Zeitungen, die die wichtigsten Quellen für diese Arbeit darstellen.

Die sog. McGarrity Papers, die Sean Cronin in seinem gleichnamigen Buch aufgearbeitet hat, bestehen aus der Korrespondenz zwischen der IRA bzw. einzelner Mitglieder mit Joseph McGarrity, dem Vorsitzenden des US-Amerikanischen Clan na Gael, der Nachfolgeorganisation der Fenians. Es ist ein Zeichen für die große Bedeutung der amerikanischen Iren, daß nicht nur Vertreter aller Strömungen in der IRA, sondern auch Ministerpräsident de Valera einen regelmäßigen Briefwechsel mit McGarrity führten. Die vollständige Sammlung befindet sich in der NLI.

In der Sammlung der Berkeley Library des Trinity College Dublin (TCD) finden sich zahlreiche Pamphlete, Flugblätter und Zeitungen. Hervorzuheben ist George Gilmores Schrift The Republican Congress von 1935, die die Programmatik des Congress und die Aus- einandersetzung mit dem Army Council darstellt. Gilmore hat diese Schrift in den späten sechziger Jahren noch einmal vollständig überarbeitet. Diese Fassung ersetzte ab 1978 die Originalfassung in der Ausgabe des Cork Workers Club (Historical Reprints 4), mit dem Titel The Irish Republican Congress.

Anhand des Buches von Gilmore wird ein Problem deutlich, das sich bei einer Reihe der herangezogenen Arbeiten stellt. Die Ausgabe von 1935 verfaßte Gilmore während eines Aufenthaltes in den USA mit dem Ziel, unter den dort lebenden Iren für den Republican Congress zu werben. Sie wird in der vorliegenden Arbeit als Quelle in zweierlei Hinsicht verarbeitet: Zum einen enthält sie - wie auch die überarbeitete Fassung - die vollständigen Texte aller wichtigen Resolutionen, die auf dem Kongreß von Rathmines 1934 diskutiert wurden, zum anderen gibt sie Einblick in die Sichtweise eines prominenten Vertreters des linken Flügels der IRA, der Akteur und Zeitzeuge zugleich war. Etwas anders verhält es sich mit der Ausgabe von 1978, die mehr sein will als bloße Quelle, nämlich eine “Studie über den Republican Con- gress von 1934”.35 Diesem Anspruch wird Gilmore aber in keiner Weise gerecht. Zu unreflektiert wiederholt er Positionen, die 1935 nachvollziehbar waren, in der historischen Rückschau aber unhaltbar sind, wie etwa die Behauptung, in Nordirland habe zu Beginn der 30er Jahre eine faschistische Diktatur bestanden.36 Deshalb wurde auch die überarbeitete Ausgabe als Quelle gewertet und nicht als wissenschaftliche Darstellung.

In den meisten Fällen ist diese Abgrenzung aber weniger eindeutig vorzunehmen. Je näher die behandelten Ereignisse an die Gegenwart reichen, um so komplizierter wird die Trennung von Quelle und Darstellung, um so undurchschaubarer auch die Interessen der Autoren, von denen viele sehr direkt mit der Geschichte der republikanischen Bewegung verbunden sind. Sean Cronins Arbeiten etwa stehen denen von Tim Pat Coogan sicher nicht in ihrer Objektivität nach, obwohl ersterer einmal dem höchsten Führungsgremium der IRA, dem Army Council, angehörte, während letzterer ein renommierter Journalist ist. Die größten Schwierigkeiten bereitete die Einordnung des Buches Questions of History by Irish Republican Prisoners of War, herausgegeben von Sinn Féin 1978. Wenngleich es unter die Quellen eingeordnet wurde, stellt es doch einen Beitrag zur aktuellen historischen Auseinandersetzung um den hier behan- delten Zeitraum dar. Die anonymen Autoren sind inhaftierte Mitglieder republikanischer Organisationen, die die Ergebnisse ihrer Diskussionen über ihre eigene Geschichte, vor allem aber ihre Fragen an diese Geschichte, aus einem nicht benannten Gefängnis herausschmuggeln konnten. Ihre Argumentation ist folgerichtig und präzise, die aufgeworfenen Fragen sind eine Herausforderung an jeden mit diesem Zeitraum befaßten Historiker. Diese Qualität soll durch die Einordnung nicht herabgesetzt werden, die letztlich durch die Intention des Buches, die Politik der IRA zu fördern, bestimmt wurde.

Daraus wird deutlich, daß es zur Beurteilung eines Textes nicht ausreichen kann, nur den Grad der Involviertheit des Autors oder der Autorin zu benennen, sondern daß es notwendig wäre, jede einzelne Arbeit einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Ich habe mich bemüht, diesem Anspruch zumindest dort zu genügen, wo die Einordnung eines Belegstückes problema- tisch erscheint. Da ein großer Teil der Quellen in Deutschland nicht zugänglich ist, wurden Belegstellen im Zweifelsfall eher zu ausführlich zitiert, um dem Leser ein eigenes Urteil zu ermöglichen.

Im Text wurden alle zitierten Titel durch Unterstreichung kenntlich gemacht, Unterstreichungen in den Fußnoten markieren Kurztitel. Die Kursivschrift ist den Ausdrücken vorbehalten, die aus der irischen Sprache übernommen wurden. Eine Erklärung dieser Begriffe findet sich im Anhang. Die Schreibweise irischer Ausdrücke wurde von Hickey/Doherty übernommen. Besonders was das Setzen von Akzenten angeht, herrscht hier bei irischen Autoren Beliebigkeit. Während z.B. Bell, Fisk und Hickey/Doherty Dail Eireann schreiben, benutzt Coogan Dáil Eireann, bei Lyons heißt es Dáil Éireann. Teilweise erstreckt sich diese Beliebigkeit selbst auf Namen; der Vorname ‘Peadar’ wird bei Bell durchgängig ‘Paedar’ buchstabiert.

1.4 Erläuterung der Gliederung

Die Gliederung folgt im wesentlichen der Chronologie der Ereignisse. Eine Ausnahme bildet dabei das Kapitel 7, da die Komplexität der hier behandelten Geschehnisse es geboten erschienen ließ, die Hauptstränge der Entwicklung einzeln zu untersuchen.

Nachdem in Kapitel 2 ein kurzer, notwendig nur kursorischer Abriß der Geschichte der IRA vom Osteraufstand 1916 bis 1925 gegeben wird, beschreibt Kapitel 3 den Spaltungsprozeß, der zur Herausbildung eines parlamentarischen und eines außerparlamentarischen Flügels der republikanischen Bewegung führte.

Kapitel 4 schildert die Auseinandersetzungen um die politische Ausrichtung der IRA, die mit der Entstehung der Organisation Saor Eire verbunden waren. Dabei soll die Herausbildung der verschiedenen Strömungen in der IRA analysiert werden.

Im Kapitel 5 wird die Verfestigung dieser Strömungen zu Fraktionen vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Wandlungen beschrieben, die der Regierungswechsel 1932 mit sich brachte, insbesondere der Herausbildung der quasi-faschistischen Bewegung der Blueshirts.

Kapitel 6 analysiert die erneute Spaltung der IRA und die Entstehung des Republican Congress. Dabei wird vor allem der Frage nachgegangen, ob und inwieweit die bestehenden politischen Differenzen zwischen linkem und rechtem Flügel eine Spaltung unumgänglich machten.

Schließlich wird Kapitel 7 den Weg der IRA in die Internierungslager verfolgen. Schwerpunkte bilden dabei die Bombenkampagne in England, die Kontakte der IRA zu Dienststellen des Dritten Reichs sowie die Affäre um den Stabschef der IRA, Stephen Hayes, der des Verrats beschuldigt wurde.

2. Vorgeschichte: Kurzer Abriß der Geschichte der republikanischen Bewegung, 1914-1925

Im folgenden Kapitel soll in aller Kürze die Entstehung der republikanischen Bewegung in den Jahren 1914 bis 1925 geschildert werden. Da dies nur eine Zusammenfassung bekannter Fakten sein kann, wurde darauf verzichtet, im einzelnen Belege anzuführen. Statt dessen wurde die wichtigste Literatur zu den einzelnen Abschnitten jeweils in einer Fußnote aufgeführt. Generell sei dazu auf das Dictionary of Irish History von Hickey/Doherty sowie auf die im Literaturver- zeichnis unter 9.3.A aufgeführten Gesamtdarstellungen verwiesen, die hier nicht gesondert genannt werden.

2.1 Die Ausgangslage: Irland 1914

Als der erste Weltkrieg begann, befand sich Irland in einer Union mit England, die dem Land 1801 aufgezwungen worden war. Nominell wurde das Land von Vizekönig Lord Wimborne regiert, doch de facto lag die Macht in den Händen von Augustine Birrell, dem britischen Minister für Irland von 1907-1916, und seinem Unterstaatssekretär Matthew Nathan.

Irlands ökonomische Basis war die Landwirtschaft. Nur etwa ein Zehntel der Beschäftigten arbeitete in der Industrie, die sich vor allem in Dublin und Belfast konzentrierte. Die große Masse der überwiegend katholischen Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, zumeist als Pächter auf winzigen Parzellen. Große Ländereien waren im Besitz englischer Landlords, von denen viele in England lebten.

Die vor allem von der katholischen Bevölkerung, aber auch von Protestanten unterstützte Forderung nach einer Unabhängigkeit des Landes fand ihren Ausdruck in der von John Redmond geführten Irish Parliamentary Party (IPP), die den Großteil der irischen Abgeordneten im Parlament von Westminster stellte und dort für eine begrenzte Unabhängigkeit Irlands, die Home Rule, eintrat. Daneben existierte eine Vielzahl von Organisationen, die der Pflege des irischen Erbes dienten. Besonders die katholische Mittelschicht Dublins engagierte sich seit den 90er Jahren des 19ten Jahrhunderts für die Rettung der lange unterdrückten irischen Sprache, Musik und Literatur. Hauptträger dieser Bewegung war die Gaelic League, während die Gaelic Athletic Association sich der traditionellen Sportarten annahm.

In Konkurrenz zur IPP stand die Sinn Féin, die 1907 von Arthur Griffith gegründet worden war. Griffith favorisierte eine englisch-irische Doppelmonarchie nach dem Vorbild Österreich- Ungarns. Gemeinsam war all diesen Organisationen, daß sie von der im Untergrund operierenden Irish Republican Brotherhood (IRB) unterwandert waren, die für die Errichtung einer irischen Republik eintrat, die vollständig unabhängig von England sein sollte.

Das irische Proletariat war in verschiedenen Gewerkschaften organisiert. Am linken Rand der Gewerkschaftsbewegung stand die von James Connolly mitbegründete Irish Transports and General Workers Union, die mit der Irish Citizens Army (ICA) über eine bewaffnete Schutztruppe verfügte, deren Funktion zunächst die Abwehr von Streikbrechern und der Schutz vor Polizeiübergriffen war.

2.2 Home Rule und Weltkrieg

1912 verabschiedete das britische Unterhaus mit den Stimmen der IPP und der Liberalen Partei das Home Rule Bill, das Irland eine begrenzte Unabhängigkeit unter der englischen Krone bringen sollte.37 Dieser Schritt stieß auf den erbitterten Widerstand der meisten irischen Protestanten. Sie befürchteten, am Ende Bürger eines Staates zu sein, der von der katholischen Kirche dominiert wäre, und der ihnen die Privilegien entziehen könnte, die sie vor allem in der Provinz Ulster als Garanten der englischen Herrschaft über Irland genossen. Unter der Parole “Home Rule is Rome Rule” stellten sie eine Freiwilligentruppe auf, um, wie es hieß, das Ter- ritorium der Krone gegen die verräterischen Pläne der Liberalen zu schützen. Offiziere der britischen Armee trainierten diese Ulster Volunteer Force (UVF). In der sogenannten Curragh- Mutiny signalisierten Teile der britischen Armee ihre Bereitschaft zur Meuterei für den Fall, daß die Regierung sie gegen die loyalen Bürger Ulsters, die Loyalisten, einsetzen sollte. Auch die konservative Opposition im Unterhaus rief offen zur Befehlsverweigerung auf. Das House of Lords blockierte das Gesetz so lange wie möglich.

Der erste Weltkrieg verhinderte die dritte Lesung des Gesetzes und damit, so die Einschätzung vieler englischer Historiker, einen Bürgerkrieg in England und Irland. Innerhalb der irischen Unabhängigkeitsbewegung, die als Antwort auf die Aufstellung der UFV eine eigene paramilitärische Truppe, die Irish Volunteers, gründete, standen sich zwei unvereinbare Positionen gegenüber: Die Mehrheit folgte der Argumentation John Redmonds, der hoffte, nach einem irischen Blutopfer an der Seite der britischen Armee würde die Unabhän-gigkeit des Landes in Zukunft als britische Ehrenschuld angesehen werden. Dagegen stand die Position der IRB, die das Motto “England’s difficulty is Irelands opportunity” prägte. Die IRB wollte die Irish Volunteers für einen Aufstand in Irland nutzen, solange die britische Armee durch den Krieg gebunden war.

Etwa 90% der Irish Volunteers zogen mit John Redmond in den ersten Weltkrieg und brachten in der Tat ein Blutopfer - sie wurden in der Schlacht an der Somme, an der Seite der Ulster Volunteers, aufgerieben. Noch heute verkünden Gedenktafeln in Nordirland stolz, daß keine britische Einheit so hohe Verluste hatte wie die irischen Brigaden.

2.3 Der Osteraufstand 1916

Die Minderheit der Volunteers blieb in Irland, wo die Mitglieder der IRB alle Schlüsselpositionen in der Organisation besetzten.38 Lediglich das Amt des Vorsitzenden, Eoin MacNeill, blieb unangetastet. In Vorbereitung des Aufstandes nahm die IRB Kontakt zum Kaiserreich auf und bat erfolgreich um die Lieferung von Waffen, die zwar nach Irland verschifft wurden, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände aber nie dort ankamen.

Der Aufstand wurde hinter dem Rücken MacNeills, unter Umgehung der Statuten sowohl der Volunteers als auch der IRB, beschlossen. Die sich widersprechenden Befehle von MacNeill auf der einen, den IRB-Mitgliedern Pearse und MacDermott auf der anderen Seite sorgten dafür, daß in Dublin nur ein Bruchteil der erwarteten 3.000 Mann am Ostermontag 1916 zur Verfü- gung stand. Außerhalb Dublins war die Resonanz auf den Aufruf zur Rebellion noch geringer. Die Rebellen besetzten die wichtigsten Gebäude in der Dubliner Innenstadt und schlugen ihr Hauptquartier im General Post Office (GPO) auf. Hier verlas Patrick Pearse die Proklamation der irischen Republik, die die Unterschriften führender Mitglieder der IRB, der Volunteers und der ICA trug. Viele der Namen unter der Proklamation waren in der Öffentlichkeit völlig unbe- kannt.

Anhand dieser Episode wird besonders deutlich, wie verklärt das Bild des Osteraufstandes bis heute ist. In einem populären irischen Volkslied über Pearse heißt es: “On Easter morn’ he faced the nation from the steps of the GPO”. Zehntausende passieren täglich das GPO in der belebten O’Connell Street, und Tausende betreten es über die einzige, nicht mehr als 10 cm hohe Stufe, ohne daß dies das Bild von Pearse, hoch über der Menge, beeinflussen würde. Nur wenige Passanten bemerkten damals, dies wird aus den Augenzeugenberichten deutlich, den kleingewachsenen Pearse.

Nach einer Woche hatte die britische Armee den Aufstand zerschlagen. Etwa 2.000 Männer und Frauen wurden wegen Beteiligung am oder Sympathie für den Osteraufstand interniert, 15 der Anführer wurden hingerichtet, und die Stimmung in der Bevölkerung, die den Aufstand zunächst abgelehnt hatte, begann sich zu wandeln. Damit ging das Kalkül Patrick Pearse’ auf, der in der Rebellion von vornherein ein notwendiges Blutopfer gesehen hatte. Obwohl Sinn Féin an dem Aufstand nicht beteiligt war, erntete die Partei nun die politischen Früchte, was nicht zuletzt daran lag, daß Presse und Öffentlichkeit einen unzureichenden Einblick in die Organisationsstrukturen der Unabhängigkeitsbewegung hatten. Vor allem die britische Presse sprach von einem Aufstand der Fenier und verwechselte diese Bezeichnung für die IRB und ihre amerikanische Schwesterorganisation mit der Sinn Féin.

2.4 Unabhängigkeitskrieg und Teilung Irlands

Von Home Rule war nach dem Osteraufstand keine Rede mehr.39 1918 kehrten die überlebenden irischen Freiwilligen aus dem Krieg zurück, und gleichzeitig ließ die britische Regierung die letzten nach dem Osteraufstand internierten Rebellen frei. Die Forderung nach der Unabhängigkeit Irlands wurde immer lauter, Sinn Féin wurde das unangefochtene politische Zentrum der Bewegung. Bei den Unterhauswahlen von 1918 gewann SF 80% der irischen Man- date und bildete aus diesen Abgeordneten das First Dail, das erste irische Parlament seit 1801. Eamon de Valera wurde zum Präsidenten der Republik Irland gewählt, und der Aufbau einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsstruktur begann. Die britische Regierung erklärte das Dail unverzüglich für illegal.

Am 21.1.1919, dem Tag der ersten Sitzung des First Dail, begannen die Volunteers einen Guerillakrieg gegen die britische Armee und Polizei in Irland, worauf die britische Regierung mit der Entsendung einer Söldnertruppe, den Black and Tans, antwortete, die zwei Jahre lang einen Krieg gegen die IRA und die Zivilbevölkerung führte. Mit dem Eid auf die Republik entstand im August 1919 aus den Irish Volunteers die IRA, die Armee der Republik Irland, formal unter dem Oberkommando des Präsidenten de Valera, real unter der Leitung des Finanzministers Michael Collins. Dieser Ursprung bildet bis heute die Basis für die Legitimation des bewaffneten Kampfes der IRA in Irland.

Unter dem zunehmenden Druck der britischen Öffentlichkeit verabschiedete das Unterhaus 1920 den Government of Ireland Act, der eine Zweiteilung des Landes vorsah: die sechs Counties im Nordosten der Provinz Ulster sollten als eigenständige Provinz im Vereinigten Königreich verbleiben, während die restlichen 26 Counties eine eingeschränkte Unabhängigkeit erhalten sollten. Im Mai 1921 fanden die Wahlen zu den zwei neu zu bildenden Parlamenten statt. Während im Norden die konservative, protestantische Ulster Unionist Party die absolute Mehrheit errang, wurde die Wahl im Süden vollständig boykottiert. Statt dessen fanden Wahlen zum Second Dail statt, bei denen die Kandidaten der Sinn Féin keine Gegenkandidaten hatten. Nur die vier Sitze, die für das traditionell protestantische Trinity College in Dublin reserviert waren, wurden von Unionisten gewonnen.

Nachdem de Valera und Lloyd George Anfang Juli einen Waffenstillstand vereinbart hatten, schickte das Dail eine Delegation unter Leitung von Arthur Griffith und Michael Collins nach London, die bevollmächtigt war, nach Rücksprache mit Dublin einen Friedensvertrag abzuschließen. Ihnen gegenüber saß eine außergewöhnlich hochkarätig besetzte britische Delegation: neben Premierminister Lloyd George gehörten u. a. Lord Chanchellor Birkenhead, Winston S. Churchill in seiner Funktion als Vorsitzender des Kabinettsausschußes für irische Fragen sowie Finanzminister Chamberlain dazu.

Nach sechswöchigen Verhandlungen stand ein Vertragswerk zur Entscheidung, das den 26 Counties im Süden Irlands den Status eines Dominions im Commonwealth einräumte, während in den sechs nordöstlichen Counties der Status Quo einer Provinz im Vereinigten Königreich aufrechterhalten werden sollte. Dieser Vertrag wurde vom irischen Kabinett zurückgewiesen, von der Verhandlungskommission aber unter der Drohung Lloyd Georges unterzeichnet, andernfalls binnen drei Tagen Irland in einen erneuten Krieg zu verwickeln. Die damit geschaffenen vollendeten Tatsachen wurden im irischen Kabinett mit vier zu drei Stimmen, im Dail am 7.1.1922 mit 64 zu 57 Stimmen bestätigt.

Damit wurde die Teilung Irlands offiziell anerkannt. Die unterlegene Fraktion unter Führung de Valeras erklärte aber die neu gebildete Regierung unter Michael Collins für illegal und verweigerte ihr auch nach den allgemeinen Wahlen im Juni 1922, bei denen die Vertragsbefürworter innerhalb der SF 58 Sitze, ihre Gegner 35 Sitze und andere (Labour, Far- mers’ Party, Unionisten und Unabhängige) ebenfalls 35 Sitze errangen, die Loyalität. Die Mehr- heit des Parlamentes, die den Vertrag befürwortete, hatte in ihren Augen nicht die Befugnis, die Republik abzuwählen. Die Spaltung an dieser Frage lief quer durch alle Organisationen. Mit dem Verbot einer Versammlung der IRA durch Collins’ provisorische Regierung am 15. März 1922 wurde die Trennung der regulären Armee des neuen Staates von der alten IRA, die nun den Beinamen ‘Irregulars’ trug, formal bestätigt.

Auf der politischen Ebene trennten sich die Vertragsbefürworter im März 1923 von der Sinn Féin und gründeten die Cumann na nGaedheal. W. T. Cosgrave wurde ihr erster Vorsitzender.

2.5 Der Bürgerkrieg 1922-23

In dem Bemühen, sich möglichst günstige Ausgangspositionen zu verschaffen, führten die Irregulars unter Leitung von Chief of Staff Liam Lynch eine Reihe von Überfällen auf Banken und Waffendepots durch und besetzten mehrere Gebäude in Dublin, darunter den Sitz des höchsten Gerichtes in Irland, die Four Courts am Ufer der Liffey.40

Die Four Courts wurden zum Hauptquartier der 1. und 3. Dubliner Brigade, die gegen den abwartenden Kurs Liam Lynchs rebellierten und statt dessen eine sofortige Wiederaufnahme des Kampfes gegen England forderten.

Am 22. Juni wurde der britische Feldmarschall Sir Henry Wilson, Chef des Generalstabes des britischen Imperiums und geschworener Gegner der irischen Unabhängigkeit, in London Opfer eines Attentats, für das die britische Regierung fälschlich die Four Courts Garnison verantwortlich machte. Ultimativ forderte London die Räumung der Gerichtsgebäude, eine weitere Duldung der Besetzung würde als Bruch des Vertrages angesehen werden. Am 28. Juni 1922 begann der Angriff auf die Four Courts und damit der irische Bürgerkrieg. Zwei Tage lang belegte die reguläre Armee unter dem Kommando von Eoin O’Duffy die Gebäude mit Ar- tilleriefeuer aus eigens von der britischen Armee geliehenen Geschützen und verwandelte die Four Courts in einen Trümmerhaufen. Bei diesem ersten Gefecht des Bürgerkrieges kamen allein 65 Menschen ums Leben, 270 Menschen wurden verwundet und 25 Häuser zerstört.

Die Zahl der Opfer des Bürgerkrieges war mit etwa 600 bis 700 Toten relativ gering. Für eine anhaltende Verbitterung sorgte aber die Art und Weise, wie dieser Kampf ausgetragen wurde. Während der Unabhängigkeitskrieg sich durch die wahllose Grausamkeit der Black and Tans gegen die Zivilbevölkerung auszeichnete, war der Bürgerkrieg durch Attentate und Vergeltungsmorde geprägt. Auf die Morde der Irregulars an Politikern der Regierung reagierte diese mit der Erschießung von Kriegsgefangenen.

Am 25. Oktober traten die 35 republikanischen Abgeordneten des Dail zu einer Sitzung zusammen und konstituierten sich erneut als Second Dail. Sie bildeten eine Regierung und bestätigten Eamon de Valera als Präsident der Republik. Ihre Gegner bildeten am 6. Dezember das erste Parlament des Freistaates Irland und wählten W. T. Cosgrave zum ersten Präsident des neuen Staates.

Der Bürgerkrieg dauerte bis zum 24. Mai 1923, dem Tag der Aufgabe der republikanischen Verbände. Frank Aiken erließ Order, die Waffen zu vergraben. Für den Moment müsse der Sieg derer hingenommen werden, die die Republik zerstört hätten. Über 11.000 Republikaner wurden inhaftiert, von denen die meisten innerhalb eines Jahres wieder freigelassen wurden.

2.6 Das politische System des Freistaates

Das erste Parlament des Freistaates Irland bestand ausschließlich aus Befürwortern des Vertrages.41 Es schuf eine Verfassung, die sich eng an das englische Vorbild anlehnte. Jedoch erhielt das Parlament eine stärkere Stellung, und es wurde versucht, ein offeneres System zu etablieren.

Das Parlament (Dail Eireann) dominierte sowohl den Senat als auch die Exekutive. Nur das Dail selbst konnte seine Auflösung beschließen, einer Regierung ohne Mehrheit blieb nur der Rücktritt. Jedes Mitglied der Regierung (Executive Council) mußte mit Mehrheit bestätigt werden. Zusätzlich konnte der Präsident des Council externe Minister berufen, die aber nicht zum Council gehörten. Das Executive Council war dem Dail kollektiv verantwortlich.

An die Stelle des Oberhauses trat ein Senat, dessen Mitglieder nur zum Teil gewählt wurden. Die Hälfte der Senatoren wurde vom Präsidenten des Executive Council ernannt. Dabei sollte vor allem solchen Gruppen Rechnung getragen werden, die im Dail nicht oder nicht angemessen repräsentiert waren. Diese Regelung war vor allem ein Zugeständnis an die Protestanten im Freistaat. Im ersten Senat saßen 16 protestantische Unionisten, die damit etwa 25% der Sitze einnahmen.

Dieses Modell sollte dazu beitragen, die Entstehung eines starren Parteiensystems zu verhindern. Da die Opposition in den ersten Jahren das Parlament boykottierte, wurden die Schwächen des Systems erst mit dem Einzug der Fianna Fail ins Parlament (1927) deutlich. Von diesem Zeitpunkt an wurde das politische System von der Dualität der beiden großen Par- teien, Fianna Fail und Cumann na nGaedheal bzw. ihrer Nachfolgeorganisation Fine Gael dominiert.

2.7 Nordirland: Der Orange-Staat

In Nordirland eröffnete König George V. am 22. Juni 1922 das House of Commons in der Belfaster City Hall.42 Von den 52 Sitzen hielten die Unionisten 40, die restlichen 12 entfielen auf Sinn Féin und die Nationalist Party of Northern Ireland, die jedoch zunächst beide das Parlament nicht anerkannten und ihre Sitze nicht einnahmen. Der erste Premierminister war James Craig (später Viscount Craigavon), der das Amt von 1921 bis 1940 innehatte. 1932 beschrieb er den Staat im Norden so: “We are a Protestant Parliament and a Protestant State” und “I am an Orangeman first and a politician and a member of this parliament afterwards”.

Der Orange-Orden bildete die Grundlage der protestantischen Dominanz im Nordosten Irlands. Er wurde 1795 nach dem Vorbild der Freimaurerlogen gegründet und nahm sich zum Ziel, die Unterdrückung der katholischen Bevölkerung aufrechtzuerhalten und die prote- stantische Herrschaft zu schützen. Seine Mitglieder schworen einen Eid, loyal zu Krone zu stehen, solange diese die protestantische Vormachtstellung verteidige. Der Orden vereinigt bis heute die Mitglieder der verschiedenen unionistischen Parteien Nordirlands, Arbeiter und Fabrikanten saßen und sitzen hier beieinander. Der Begriff “to play the Orange-card”, geprägt von Lord Randolph Churchill, bezeichnet die Taktik, mit der es wiederholt gelang, Ansätze zu einem Bündnis zwischen protestantischer und katholischer Arbeiterklasse Nordirlands zu zerschlagen.

Ideologischer Kern dieser Politik war die Behauptung, nur die Unterdrückung der Katholiken könne das Überleben der Protestanten in Irland sichern, da das Land sonst im Chaos versinken werde. Die Ausschreitungen des Bürgerkrieges im Freistaat trugen nicht unerheblich dazu bei, dieses Bild bis heute zu erhalten.

Auf der anderen Seite sorgte ein System der institutionalisierten Bevorzugung der Protestanten, z. B. bei der Vergabe von Wohnungen und Arbeitsplätzen, dafür, daß ein realer Interessenkonflikt zwischen protestantischen und katholischen Arbeitern geschaffen wurde.

Von Anfang an wurde der Staat mit Sondergesetzen regiert. Bereits im ersten Jahr seiner Existenz schuf sich der Staat in Nordirland mit dem Civil Authorities (Special Powers) Act ein starkes Instrument zur Unterdrückung der Opposition, das dem Innenminister Befugnis zu unbeschränkter Internierung auf Verdacht gab. Neben der Polizei, in der auch einige Katholiken Dienst taten, wurde die rein protestantische Special Constabulary aufgebaut. Ihre Mitglieder leisteten nur zwei Tage Dienst im Monat. Da die Specials bewaffnet wurden, und fast alle Mitglieder dieser Truppe auch Mitglieder des Orange-Ordens sowie in vielen Fällen einer der unbehelligt im Untergrund operierenden paramilitärischen Gruppen waren, führte ihre Aufstel- lung zu einer umfangreichen Aufrüstung der protestantische Bevölkerung.

2.8 Aufbau der IRA nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Bürgerkrieg ging die IRA in den Untergrund.43 Unter Führung von Frank Aiken operierte das General Headquarter (GHQ) von Dublin aus. Die Jahre 1923-24 waren gekennzeichnet durch das Bemühen, die Armee zu reorganisieren.

Am 12. und 13. Juli 1923 fand in Dublin ein Treffen der Führer der IRA statt. Die Versammlung beschloß, die Verbindung zur IRB aufzugeben, da letztere praktisch jede Bedeutung verloren hatte, und verabschiedete neue Statuten für die IRA (vgl. den Auszug im Anhang). Diese Statuten enthielten keine politischen Aussagen, sondern legten den organisato- rischen Rahmen für die IRA fest. Oberstes Beschlußgremium wurde die General Army Con- vention (GAC), der die gewählten Vertreter der regionalen Brigaden, die Kommandanten der vier Divisionen Ulster, Leinster, Munster und Connaught sowie die Mitglieder der Executive, des Army Council (AC) und des General Headquarter angehörten. Zur Wahrung der Konspirativität wurde ein kompliziertes System von Wahlen eingeführt: GAC und Divisions- Hauptquartiere wählten je fünf Vertreter in das Commitee, dessen einzige Aufgabe die Wahl der 16-köpfigen Executive war. Die Executive bildete das oberste Kontrollorgan, ihr unterstanden das von ihr bestimmte Army Council (7 Mitglieder) sowie der Stab des GHQ. Der Chief of Staff (C/S) wurde vom AC gewählt und bestimmte selbst seine Mitarbeiter. Die wichtigsten Funktionen im GHQ waren, neben dem C/S, das Amt des Quartermaster General (QMG), der für die Beschaffung und Aufbewahrung von Waffen zuständig war, sowie der Adjutant des C/S, der Adjutant General (A/G). Mit diesem System sollte sichergestellt werden, daß niemand unnötig viele Informationen besaß.

Entscheidend ist hierbei, daß die Organisation von unten nach oben erfolgte, daß also die einzelnen Einheiten in der Lage waren, unabhängig vom Hauptquartier zu operieren. Nur so konnte sichergestellt werden, daß die Armee auch nach einem Angriff auf die Spitze funktionsfähig blieb.

Auf der politischen Ebene unterstützte die IRA zunächst die Sinn Féin. Im April 1924 erging ein Aufruf an alle Volunteers zu aktiver Mitarbeit in der Partei. Sehr schnell zeigte sich aber, daß innerhalb des republikanischen Lagers tiefe Differenzen über die Perspektive ihrer weiteren Arbeit bestanden, und das Verhältnis der IRA zur Sinn Féin und dem Second Dail begann sich drastisch zu wandeln.

3. Die Spaltung der republikanischen Bewegung

3.1 Die Trennung von IRA und Sinn Féin

Nachdem bereits im Juli 1925 das Midland Battalion HQ die ihm unterstellten Volunteers angewiesen hatte, unverzüglich jede Unterstützung von und Zusammenarbeit mit Sinn Féin einzustellen,44 beschäftigte sich im November die General Army Convention mit dem Verhältnis der Armee zur Sinn Féin. Chief of Staff Frank Aiken berichtete über Überlegungen innerhalb der SF, eine grundsätzliche Neubestimmung der Politik der Partei vorzunehmen und den Abstentionismus aufzugeben. Auf Antrag von Peadar O’Donnell, unterstützt von den anderen Vertretern des linken Flügels in der Armee-Führung, besonders George Gilmore, Frank Ryan und Mick Price,45 beschloß die Versammlung, dem Second Dail die Loyalität zu entziehen. Zur Begründung hieß es:

“It (The Dail, d. V.) utterly failed to perform the functions for which it was organized - the interest, protection and defence of the people and the territory of the Republic of Ireland.”46

Hinter dieser etwas nebulösen Aussage verbargen sich sehr konkrete politisch-taktische wie auch finanzielle Gründe für eine Trennung der beiden Organisationen. Sinn Féin - und damit auch das Second Dail - befanden sich in einer tiefgreifenden Finanzkrise. Der Geldstrom aus den USA ließ deutlich nach, so daß die Partei einen großen Teil ihrer personellen Ressourcen für die Geldbeschaffung einsetzen mußte und immer weniger in der Lage war, politisch aufzutreten. Die Mittel waren so knapp, daß SF nicht einmal imstande war, Sprecher aus Dublin zu Veranstaltungen in die Provinz zu schicken, ohne daß die örtlichen Gruppen (Cumann) im voraus die Reisekosten bezahlten.47

Damit hatte SF ihre praktische Nützlichkeit für die IRA weitgehend verloren, die zudem befürchtete, daß sich die absehbare Spaltung der SF in der Armee fortsetzen könnte. Auch aus taktischen Gründen erschien es nicht sinnvoll, die Kontrolle einer revolutionären Armee durch eine semi-konstitutionelle Organisation aufrechtzuerhalten, wie Peadar O’Donnell später ausführte.48 O’Donnells Intention, mit der Trennung von SF den Weg zu einem verstärkten sozialen und politischen Engagement der IRA zu ebnen, wurde aber nur von einer Minderheit geteilt.49 Die Mehrheit stimmte seiner Resolution aus anderen Gründen zu.

Die von Maurice ‘Moss’ Twomey, Nachfolger Aikens als Chief of Staff, angeführte Strömung der “physical-force republicans” befürchtete, eine Festlegung der Armee auf eine bestimmte politische Richtung würde die Einheit der Bewegung gefährden.50 Die von den Radikalen O’Donnell, Ryan und Gilmore als zu unpolitisch und einseitig auf die Aufrechterhaltung der reinen Lehre bedacht kritisierte Arbeit von SF und Second Dail war für die Militaristen bereits zu politisch. Von nun an galt der IRA ihre Exekutive und damit de facto das Army Council als einzig legitimierte Autorität in Irland.

3.2 Die Spaltung der Sinn Féin

Während die IRA sich bemühte, durch die Entkoppelung der Organisationen den Schaden zu begrenzen, verschärften sich die Widersprüche zwischen den beiden Flügeln in der Sinn Féin. Zwar konnte der Ard Fheis (Parteitag) der SF im November 1925 die Entscheidung über das weitere Vorgehen noch einmal hinausschieben, die mit großer Mehrheit verabschiedete Abschlussresolution erklärte aber ausdrücklich:

“That no subject of discussion is barred from the whole organisation, or any part of it ... and if at any stage a change of policy is proposed an Ard Fheis must be summoned to deal with the proposal.”51

Bereits im Januar 1926 sah sich das Ard Comhairle (Nationaler Rat) der Sinn Féin gezwungen, für den 9. März einen außerordentlichen Ard Fheis einzuberufen. Zur Beratung stand der Antrag des “Präsidenten der Republik”, Eamon de Valera, die Frage des Einzuges in die Parlamente des Freistaates wie auch Nordirlands nicht länger als Grundprinzip der Partei sondern vielmehr als ein Problem der politischen Taktik zu behandeln:

“1. That once the admission-oaths of the Twenty-six County and Six County assemblies are removed, it becomes a question not of principle but of policy whether or not Republican representatives should attend these assemblies.
2. That at the next General Election it shall be the policy of the organisation to put forward candidates, who, if elected, will assert their right to enter any assembly where the other elected representatives of the people meet for public business, without having as a preliminary to deny publicly the national faith ...”52

Vizepräsident Michael O’Flanagan beantragte dagegen eine Änderung des Textes, die den Inhalt des Antrages vollständig umkehrte:

“That it is incompatible with the fundamental principles of Sinn Féin as it is injurious to the honour of Ireland to send representatives into any usurpating legislative set up by English law in Ireland.”53

Es zeugt von der Verwirrung vieler Delegierter, daß diese Änderung zwar zunächst angenommen wurde, im Verlauf der Sitzung aber ebensowenig wie de Valeras Antrag eine Mehrheit als eigenständige Resolution erhielt. De Valera zog am nächsten Tag die Konsequenz aus dieser Niederlage und trat als Präsident der Partei zurück. Mit ihm verließen zehn weitere prominente Mitglieder das Standing Committee (Präsidium) der SF.54 Nachdem zwei Wochen später auch das Comhairle na dTeachtai (Versammlung der Abgeordneten des Second Dail) mit knapper Mehrheit seine Ablehnung der Politik des Präsidenten beschloß,55 trat de Valera auch von seinem Amt als “Präsident der Republik” zurück und konzentrierte sich auf den Aufbau einer neuen Partei. Am 16.5.1926 fand in Dublin die Gründungsversammlung der Fianna Fail (FF) statt.

Damit spaltete sich die Bewegung erneut. Der Riß lief quer durch die Sinn Féin, durch das Comhairle na dTeachtai und durch die IRA. Die - denkbar knappe - Mehrheit beharrte auf der Position, das 1921 gewählte Second Dail sei die einzig legitime Regierung, und lehnte weiterhin jede Anerkennung, jede Bezugnahme auf Organe des Freistaates ab. Diese Position machte es unmöglich, Forderungen an diese Organe zu stellen, so daß sich Sinn Féin in der Folgezeit zunehmend von allen anderen politischen Kräften isolierte.

Fianna Fail dagegen entwickelte eine erstaunliche politische Dynamik und wandelte sich binnen weniger Jahre “von der dogmatisch-konstitutionalistischen Ein-themenpartei, in der die Frage der Staatsform das alle und alles dominierende Issue dargestellt hatte ... zu einer Partei, deren Programm nahezu sämtliche gesellschaftlichen Bereiche umfaßte und von der Führung in konkrete Policy-Konzepte umgesetzt wurde.”56

Auf die weitere Entwicklung der FF wird in dieser Arbeit nur noch insofern eingegangen werden, als diese von Bedeutung für die republikanische Bewegung ist. Es sei hierzu auf die ausgezeichnete Arbeit von Detlef Murphy verwiesen.

3.3 Intervention des Army Council

Die Führung der IRA unternahm einen letzten Versuch, die Einheit der Bewegung zu retten. Bei einem Treffen im Haus Peadar O’Donnells beschloß das Army Council, den Führungsgremien von SF und FF eine 3-Parteien-Konferenz vorzuschlagen, die eine gemeinsame Kandidatenliste für die nächste Wahl zum Dail erstellen sollte. Coogan gibt folgende Darstellung der Vorstel- lungen des Army Councils:

“These candidates where to ‘win a majority’. With this majority secured, they would meet outside the Free State parliament, agree on a government and ‘restore the Republic peacefully’. The Republicans were to enter the Free State parliament and take over all the instruments of state ... The IRA was to get control of all arms in the Free State, and all enemy forces (that is the Free State Army) were to be withdrawn from Dublin, disarmed and demobilised ‘to prevent clashing and overlapping’.”57

Tatsächlich war der Vorschlag des Army Council nicht ganz so naiv, wie Coogan hier durch die Kürze seiner Darstellung und einen sehr ungezwungenen Umgang mit Quellen andeutet. Aus- gangspunkt der Überlegungen war die These, daß bei einem gemeinsamen Vorgehen der drei Organisationen die Möglichkeit bestehe, die “imperialistische Kolonialregierung”58 zu besiegen. Der Einzug einer Minderheit republikanischer Abgeordneter in das Parlament des Freistaates sei aber der Sache der Republik nicht förderlich. Sollte aber eine republikanische Mehrheit aus der Wahl hervorgehen, so solle diese eine Regierung bilden, die das bisherige “Republican Government” (Second Dail) abzulösen hätte. Das Army Council formulierte weiter: “that as a means to achieve this end at the forthcoming elections and to prevent clashing and overlapping a panel of candidates shall be agreed to by the bodies”.59

Coogans Zitierweise grenzt an diesem Punkt an Fälschung, ein Vorgehen, das angesichts seines sonst meist sehr genauen und fairen Umgangs mit den historischen Fakten verwundert. SF stimmte dem Vorschlag pro forma zu, machte aber eine Garantieerklärung der FF zur Bedingung für die Aufnahme von Verhandlungen; FF sollte erklären, daß sie niemals einem fremdbestimmten Parlament beitreten würde, sei es als Mehrheit oder als Minderheit, sei es mit oder ohne einen Eid. Darüber hinaus verlangte SF von allen Beteiligten die Anerkennung der Autorität des Second Dail. Die einstimmige Ablehnung dieses Vorschlages durch das Präsidium der FF, die es nicht einmal für nötig befand, die Vorschläge im Detail zu diskutieren,60 dürfte für keinen der Beteiligten eine Überraschung gewesen sein. Das Army Council reagierte auf diese Entwicklung mit einem Aufruf an alle Volunteers, keine weitere Energie an Parlamentarismus zu verschwenden und sich statt dessen auf den bewaffneten Kampf zu konzentrieren: Wirklich nationale Aktivitäten mit dem Ziel, eine revolutionäre Situation und damit die Voraussetzung für militärische Aktionen zu schaffen, sollten aktiv von allen Volunteers unterstützt werden.61

3.4 Die Parteienlandschaft nach Gründung der Fianna Fail

Mit dem Scheitern dieses Vorstoßes der IRA war zugleich - abgesehen von dem erst im September 1933 erfolgten Zusammenschluß der konservativen Gruppierungen zur Fine Gael - der Kristallisierungsprozeß der politischen Landschaft im Freistaat Irland abgeschlossen. Das resultierende Parteiensystem weist eine Reihe von Besonderheiten auf, die einen Vergleich mit bekannten Zwei- oder Drei-Parteien-Systemen erschweren.

Die Wählerschaft der beiden großen Parteien Fianna Fail und Fine Gael sowie der Labour Party zeigt unter sozialen Kategorien wie Beschäftigung, Bildung, Wohnort oder Geschlecht eine sehr geringe Differenzierung.62 Auch wenn sich daraus noch nicht ableiten läßt, daß soziale Faktoren überhaupt keinen Einfluß auf das Wählerverhalten in Irland haben,63 so legt die Nähe der beiden großen Parteien auch im ideologischen Bereich, verbunden mit der permanenten Schwäche der Linken, doch den Schluß nahe, daß das strukturierende Element dieses Systems anderenortes zu suchen ist. Die verschiedenen Ansätze zu einer Analyse der politischen Land- schaft in Irland wurden von Michael Gallagher ausführlich diskutiert.64 Im Zusammenhang dieser Arbeit erscheint es ausreichend, die wichtigsten Schlußfolgerungen aus Gallaghers Arbeit kurz darzustellen.

Das Parteiensystem des irischen Freistaates bzw. der Republik Irland hat seinen Ursprung in der Spaltung der Unabhängigkeitsbewegung an der Frage des “Treaty”, des Vertrages mit England von 1921, der die Teilung Irlands beinhaltete, und dem folgenden zweijährigen Bürgerkrieg zwischen den beiden Fraktionen. Der Pro-Treaty-Flügel bildete 1923 die Cumann na nGaedheal, die später in die Fine Gael aufging; die Gegner des Vertrages verblieben in der Sinn Féin, von der sich später die Fianna Fail abspaltete.

Dieser Ursprung wirkte sich sowohl auf den Ton als auch auf die Inhalte der politischen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien aus:

“The bitterness of the initial split and the civil war created a division destined to persist no matter how closely the views of those on both sides might come to correspond on subsequent political issues: henceforth the tone of political debate would be bitter, rigid and unforgiving ... The fact that the main divisive issue was a largely constitutional and nationalistic one was to mean that such issues were to dominate ... political debate in the decades to come and in the process play down to some extent at least economic and social issues.”65

Gallagher weist aber unter Berufung auf Tom Garvin darauf hin, daß ein Ansatz, der das Jahr 1921 als eine Stunde Null begreift, zu kurz greifen muß. Vielmehr handele es sich, so Garvin, um ein “second-generation System, with its own cleavage lines, but these cleavage lines are superimposed on older cleavages, generating a complex pattern.”66

Fianna Fail und Fine Gael seien unter strukturellen wie historischen Gesichtspunkten nicht verschiedene Parteien, sondern Fraktionen der in “geist-form” weiterexistierenden pan- nationalistischen Partei des 19. Jahrhunderts, deren eine eine natürliche Affinität zwischen Irland und Großbritannien annähme während die andere dies verneine. Bei der Behandlung des Verhältnisses der IRA zur FF wird über den tatsächlichen Gehalt der FF-Politik noch zu sprechen sein.

4. Die Linkswende der IRA

Nachdem FF an den allgemeinen Wahlen im September 1927 teilgenommen und anschließend die gewonnenen Sitze im Dail eingenommen hatte, stand für die IRA eine Positionsbestimmung an. Während O’Donnell und andere eine politische Linksorientierung forderten und sich aktiv in verschiedenen sozialen Auseinandersetzungen engagierten, war die Mehrheit der IRA-Führung noch nicht bereit, solche Ideen zu unterstützen. Zunächst galt es, den organisatorischen Zusammenhalt und die militärische Schlagkraft der Armee sicherzustellen. Mit Cumann na nGaedheal und der Regierung Cosgrave fest im Sattel hieß dies vor allem, eine Antwort auf die zunehmende Aktivität der Polizei gegen die IRA zu finden. Durch das Fehlen einer deutlichen Perspektive für die weitere Arbeit - sowohl politisch als auch militärisch - geriet dies zum Mit- telpunkt der Tätigkeit der Armee, “the only action readily available and ideologically desirable”.67

4.1 Wirtschaftskrise und Landagitation

Vor dem Hintergrund der Depression, die 1929 auch Irland erfaßt hatte, sahen die Radikalen ihre Chancen steigen, die Massen mit einem antikapitalistischen Programm organisieren zu können. Mit 200.000 Arbeitslosen in ganz Irland, der Krise der Belfaster Leinenindustrie, die alleine 20.000 Menschen um ihre Arbeitsplätze brachte,68 und dem zunehmenden Druck auf die Kleinbauern im Westen, die aufgrund des Rückgangs der Agrarexporte ihren Zah- lungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten, stand die irische Wirtschaft vor dem Kollaps:

“Ireland’s flimsy prosperity vanished. Ireland became again little more than an exploited agricultural province of Britain governed by men who had been grounded in the verities of nineteenth-century economics and were unable to understand the chaotic collapse of world capitalism, incapable of imagining alternatives for Ireland paralysed in the face of crisis.”69

Zu den größten Problemen der kleinen Farmer gehörten die “Annuities”, Tilgungszahlungen, die von den irischen Farmern über die Irish Land Commission und die Dubliner Regierung an den britischen National Depth Commissioner gezahlt wurden. Mit ihnen wurden Kredite abgetragen, die 1891-1909 im Rahmen des sog. “Land Purchase” zum Kauf der Ländereien britischer Landlords in Irland aufgenommen worden waren. Dies kam de facto einer Pacht gleich, die irische Bauern für irische Felder an die britische Regierung zahlten. Die Fortsetzung dieser Zahlungen war Gegenstand sowohl des Financial Agreement zwischen Irland und England von 1923 als auch des Ultimate Financial Settlement von 1926. Zusammen mit den Zahlungen für die Pensionen der ehemaligen britischen Polizei in Irland, Royal Irish Constabulary, beliefen sich die jährlichen Raten auf ca. 5 Millionen Pfund Sterling.70

Bereits seit etwa Anfang 1926 arbeitete O’Donnell im Westen Irlands, vor allem im County Donegal, an der Organisation von “Working Farmer Committees”,71 die die totale Zahlungsverweigerung propagierten und die Bauern z.B. dadurch unterstützten, daß sie deren Vieh vor den Gerichtsvollziehern versteckten. Da es sich bei den “Annuities”, die die Bauern zu zahlen hatten, um Zahlungen handelte, die von der Regierung nach London weitergeleitet wurden, sah O’Donnell die Chance, den Zusammenhang zwischen der nationalen Frage, also der fortdauernden Abhängigkeit von Britannien, und der sozialen Frage herzustellen.

Die Bereitschaft zur Zahlungsverweigerung war weit verbreitet, da die Bauern nicht nur die regulären jährlichen Zahlungen zu leisten hatten. Die nach dem Ende des Bürgerkrieges wieder arbeitenden Gerichte stellten den Kleinbauern Zahlungsbescheide über Rückstände aus den Jahren 1918-1924 zu, deren Zahlung für viele den sicheren Ruin bedeutet hätte.72 O’Donnell sagte rückblickend über seine Arbeit:

“I was a member of the Army Council and I was a TD at the time. I brought the idea of withholding the Land Annuities to the TDs. I was absolutely hammered. I was told that the Land Annuities were an (sic!) honourable undertaking by the Irish farmers to repay the British Exchequer for the money in the land purchase. The IRA at that time was subject to the De Valera government, and I decided that at the next Army Convention, which was happening shortly, I would separate the IRA from the TDs.

I succeeded in doing that. But I found I was as badly off then, because the IRA were just as much clinkers as the TDs, who were just burnt out. There was no question for them involving themselves in any agitation. The Labour Movement - the Trade Union Movement - would not join it, because I was a communist. De Valera and Fianna Fail made an order that no Fianna Fail TD or County Councillor could appear on my platform. So here I was, with the few small townlands in Donegal. I used An Poblacht shamelessly. I was the editor of An Poblacht, member of the Army Council. The IRA owned the An Poblacht, but I used it as though I owned it myself, and hammered away like hell.”73

4.2 Die Saor Eire-Idee

Während seiner Haft im Mountjoy-Gefängnis zur Zeit des Bürgerkrieges hatte Peadar O’Donnell an den dortigen Diskussionen zwischen den Gefangenen teilgenommen, in denen die Gedanken Liam Mellows’ eine wichtige Rolle spielten.74 Mellows und O’Donnell wurden nach der Kapitulation der “Four Courts-Garrison” (vgl. Kap. 2.4) gemeinsam inhaftiert. Stark beein- flußt von James Connolly forderte Mellows ein sozialistisches Programm der IRA und argu- mentierte für den Klassenstandpunkt in der Auseinandersetzung um die Republik:

“In our efforts now to win back public support to the Republic we are forced to recognize - whether we like it or not - that the commercial interest socalled - money and the gombeen men - are on the side of the Treaty, because the Treaty means Imperialism and England. We are back to Tone - and it is just as well - relying on that great body ‘the men of no property’. The ‘stake in the country’ people were never with the Republic. They are not with it now - and they will always be against it - until it wins.”75

Mellows wurde im Dezember 1922 ohne Verurteilung exekutiert.76 Seine Ideen, verbunden mit den Erfahrungen, die O’Donnell als Organisator der Kleinbauern in Westirland gesammelt hatte, flossen in das Programm ein, das O’Donnell 1929 verfaßte und das zwei Jahre später als Plattform der neuen Partei Saor Eire (Freies Irland) verabschiedet wurde.

O’Donnell formulierte drei Hauptziele für die neue Organisation:

− Die Schaffung einer unabhängigen revolutionären Führung für die Arbeiterklasse, die Kleinbauern und die Tagelöhner zur Überwindung des britischen Imperialismus in Irland und seines Alliierten, des irischen Kapitalismus;
− Die Organisierung und Konsolidierung der irischen Republik auf der Basis der Aneignung der Produktionsmittel durch die Arbeiter und Bauern;
− Die Wiederherstellung und Festigung der irischen Sprache, Kultur und des Sports.77

Die IRA-Führung lehnte 1929 das Projekt Saor Eire zunächst ab und versuchte, mit der Gründung von Comhairle na Phoblachta (Republikanischer Rat) erneut, die traditionellen republikanischen Organisationen, SF, IRA, Second Dail und Cumann na mBan enger anein- anderzubinden, ohne daß dieses Projekt irgendwelche Früchte trug.78 Dieses Zögern der IRA- Führung führte dazu, daß Fianna Fail die Dynamik der Kampagne gegen die Annuities fast vollständig für ihren Wahlkampf nutzen konnte. Mit dem Versprechen, die Zahlungen an Großbritannien einzustellen, konnte FF viele der kleinen Farmer für sich gewinnen.79

Die IRA verpaßte 1929 die Chance, sich als politische Alternative zu erweisen. Konfrontiert mit der Aufgabe, den Republikanern eine überzeugende Organisationsform anzubieten,80 entschied sich das Army Council wieder einmal für den Rückgriff auf die Tradition. O’Donnell und die anderen Befürworter einer politischen Neuorientierung, namentlich Michael Fitzpatrick, Frank Ryan und Dave Fitzgerald, erreichten allerdings, daß die Army Convention es den Mitgliedern freistellte, sich in anderen Organisationen zu betätigen.81 Mit dieser Rückendeckung, die auch Beweis dafür war, daß immer mehr Volunteers ein politisches Engagement für notwendig hielten, begannen die Radikalen, ihre Arbeit für die Politisierung der Armee zu intensivieren. Gemeinsam mit Gewerkschaftern gründeten IRA-Männer die Workers’ Defence Corps, später Irish Labour Defence League; IRA-Volunteers gründeten weitere Working Farmers’ Committees und arbeiteten für deren landesweite Vernetzung in der Irish Tribute League.82

Auf internationaler Ebene verfügte der linke Flügel der IRA über gute Kontakte, die nun erweitert und intensiviert wurden. George Gilmore und Dave Fitzgerald hatten 1927 in der So- wjetunion über ein Trainingsprogramm für IRA-Offiziere verhandelt.83 Ebenfalls 1927 nahmen Frank Ryan und Peadar O’Donnell am 1. Weltkongreß der Anti-Imperialistischen Liga84 in Brüssel teil, 1929 fuhren Sean MacBride und Donal O’Donoghue zum 2. Weltkongreß nach Frankfurt,85 und hielten so die Verbindung zur Kommunistischen Internationale (Komintern) aufrecht.

Peadar O’Donnell hatte seit längerer Zeit Kontakte zu verschiedenen an der Landfrage arbeitenden Organisationen in Europa.86 Gemeinsam mit Sean Hayes gründete er eine irische Sektion des European Peasants Committee (EPC), eines Ablegers der III. Internationale. Er vertrat die irische Gruppe auf dem Europäischen Bauernkongreß in Berlin im März 1930,87 und führte den Vorsitz bei der Eröffnungssitzung des Kongresses.88

Auch an der Gründung der Workers’ Revolutionary Party, als Vorläuferin der Communist Party of Ireland (CPI) Mitglied der III. Internationale, waren mit Peadar O’Donnell, Michael Fitzpatrick, Donal O’Donoghue und Donal O’Connor prominente Mitglieder der IRA-Linken beteiligt.89

4.3 Die Entstehung von Saor Eire

Die Army Convention von Templeogue am 15.2.1931 befürwortete schließlich die Gründung der neuen Organisation, Saor Eire. Allerdings, wie O’Donnell betont, von Seiten der Konservativen und Militaristen im Army Council nicht mit dem Ziel, nun endlich in die Aus- einandersetzungen um die Annuities und andere soziale Fragen einzusteigen, sondern um sich von dem fortwährenden Druck zu befreien, den diese Bewegungen auf die Armee ausübten.90 Insbesondere Maurice ‘Moss’ Twomey, Chief of Staff von 1927-1936, lehnte jede Art konstitutioneller Politik ab. Er, den Coogan als ausgesprochen einflußreichen, herausragenden Vertreter des rechten Flügels charakterisiert, fürchtete nicht ganz zu unrecht den Makel des Kommunismus, der von Saor Eire auf die IRA übertragen werden könnte.91

Dementsprechend wurde die Organisation von Saor Eire nicht, wie es die Linke gefordert hatte, zum eindeutigen Schwerpunkt der Arbeit der IRA, sondern blieb ein unverbindliches Experiment. Hinzu kam, daß der rechte Flügel der IRA keineswegs bereit war, die Mehrheitsentscheidung für ein politisches Engagement ohne weiteres zu akzeptieren. Die Militaristen ließen keine Gelegenheit aus, die Arbeit von Saor Eire zu sabotieren und den Volunteers eine Beteiligung zu erschweren. Die Einberufung von Besprechungen oder das Abhalten von Übungen zu Zeiten, in denen Saor Eire Aktionen geplant hatte, war gang und gäbe.92 Die Arbeit für Saor Eire blieb das Privatvergnügen einzelner Volunteers, denen ein großer Teil der Logistik der Armee nicht zur Verfügung stand.

Diese strukturelle Schwäche tat aber der Aufbruchstimmung, die sich unter den linken Republikanern verbreitete, keinen Abbruch. Sighle Ui Dhonnchadha, prominentes Mitglied von Cumann na mBan und Mitglied der National Executive von Saor Eire, faßte das allgemeine Gefühl zusammen mit den Worten:

“I used to feel that a lot of our activities were leading nowhere and the first time I felt that we could have some impact on the ordinary people and show them what freedom really meant was when I joined Saor Eire. We were, at last, doing something worth while.”93

4.4 Die Kampagne gegen die ‘Rote Gefahr’

Für die konservative Regierung von Ministerpräsident Cosgrave, insbesondere für Eoin O’Duffy, den “panischen Polizeichef, der ‘Rote’ an jeder Ecke sah”,94 schienen mit dem vermeintlichen Bündnis der IRA mit den Kommunisten die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden. Die Zahl revolutionärer Organisationen, so ein Memorandum des Justizministeriums, sei beängstigend, und jede Woche kämen weitere hinzu.95 Obwohl dieses Memorandum einen ausdrücklichen Hinweis darauf enthielt, übersah man in der Regierung geflissentlich die Tatsache, daß die meisten dieser radikalen Gruppen sehr kurzlebig waren und zudem von immer den selben Personen getragen wurden.

O’Duffy argumentierte im Kabinett hartnäckig für die Notwendigkeit eines antikommunistischen Kreuzzuges96 und erreichte schließlich eine Erweiterung der Kompetenzen der Polizei sowie die Abschaffung der Jury in Prozessen gegen Terroristen. Diese Initiative, die zur Einführung der Militärtribunale führte, richtete sich nicht nur gegen die ‘Rote Gefahr’.97 Vielmehr versuchte die Regierung gleichzeitig, ihre alten Schwierigkeiten bei der Verurteilung von IRA-Volunteers in den Griff zu bekommen.

Cumann na mBan führte seit 1926 eine Kampagne der republikanischen Bewegung an, die als Reaktion auf die steigende Zahl von Verhaftungen und Prozessen einen direkten Angriff auf den schwächsten Punkt des Justizapparates des Freistaates unternahm. Mit Drohungen, denen ab 1929 auch durch Attentate auf Juroren Nachdruck verliehen wurde,98 erinnerten Cumann na mBan und IRA Zeugen und Juroren an ihre patriotische Pflicht. In der Lesart der Republikaner war bereits die Beteiligung an einem Gerichtsverfahren des Freistaates ein Verrat an der Republik, um so mehr die Verurteilung eines IRA-Volunteers:

“The enemies of Ireland are imprisoning the men and women who are carrying out the only practical programme to attain freedom. Unfortunately some of Dublin’s degenerate and slavish citizens assist them in this work. Last month the following [12 names and addresses, Anm. M. Ward] ... helped Carrigan and the infamous ‘Judge’ Sullivan to send the Irish patriot CON HEALY to penal servitude for five years. These men are traitors to their country. (Death would be their fate in any free country in the world.)”99

Sheila Humphries verfaßte unter dem Pseudonym “Ghosts” eine Reihe dieser Pamphlete,100 die den Juroren direkt per Post zugestellt wurden. Die Kampagne war nicht nur äußerst wirkungsvoll, gemessen an der Anzahl von Freisprüchen,101 sie gab auch jenen in der IRA, die der politischen Arbeit wenig abgewinnen konnten, das Gefühl, mitsamt ihren Gewehren immer noch gebraucht zu werden.

Als Vorstufe zu den Militärtribunalen, die gänzlich ohne Jury zusammentraten, hatte die Regierung bereits im Mai 1929 das “Juries’ Protection Bill” erlassen, das den Juroren Anonymität zusicherte und zugleich eine Verurteilung mit neun von zwölf Stimmen ermöglichte. Zuvor war Einstimmigkeit notwendig gewesen.102 Der Erfolg dieser Maßnahme war allerdings gering, da Cumann na mBan die Namen der Juroren durch eine Kontaktperson im Green Street Courthouse in Dublin erhielt.103

Am 30. Juli 1931 gab das Kabinett dem ständigen Druck O’Duffys nach und beschloß ein koordiniertes Vorgehen. O’Duffy wurde beauftragt, einen Report über die ‘Rote Gefahr’ zu erstellen und diesen der irischen Bischofskonferenz zu übergeben.104 Rechtzeitig zur Einführung der Sondergesetze versorgte dieser Bericht die Bischöfe mit Material, das bei Peadar O’Donnell beschlagnahmt worden war, insbesondere einem Entwurf für die “Constitution of Saor Eire”, der unter anderem folgende Forderungen stellte:

“To abolish, without compensation, landlordism in lands, fisheries and minerals. To establish a State monopoly in banking and credits.

To create a State monopoly in export and import services and to promote co-operative distribution.

To make the national wealth and credit available for the creation and fullest development of essential industries and mineral resources, through Industrial Workers’ Co-operatives, under State direction and management, workers to regulate internal working conditions.”105

Die Bischöfe zeigten sich erwartungsgemäß schockiert: Zum Abschluß ihrer Tagung in Maynooth veröffentlichte die irische Bischofskonferenz eine Erklärung, in der die IRA und Saor Eire verurteilt wurden.106

Die Stellungnahme der Bischöfe wurde am 18.10.31 in allen katholischen Kirchen Irlands verlesen. In ihr erklärten sich die Bischöfe für den Glauben und die Moral des Volkes verantwortlich und fuhren fort:

“We cannot remain silent in face of the growing evidence of a campaign of Revolution and Communism, which if allowed to run its course unchecked must end in the ruin of Ireland, both soul and body”.107

Die Vorgehensweise der IRA stehe in direktem Gegensatz zum göttlichen Gesetz und werde von der katholischen Kirche verurteilt. Das gelte auch für Saor Eire, die als “frankly communistic in its aims” charakterisiert wurde. Kommunismus sei nichts anderes als eine blasphemische Verneinung Gottes und der christlichen Zivilisation. Außerdem rufe Saor Eire zum Klassenkampf, der Aufhebung des Privateigentums und der Zerstörung des Familienlebens auf. Daraus zogen die Bischöfe den Schluß:

“that the two organisations ... whether separate or in alliance, are sinful and irreligious and that no Catholic _can lawfully be a member of them ... Surely the ranks of the communist revolution are no place for an Irish boy of Catholic instincts. You cannot be a Catholic and a Communist. One stands for Christ, the other for Anti-Christ.”108

Diese Erklärung leitete die Schlußphase der antikommunistischen Kampagne ein und lieferte den ideologischen Rahmen für das Verbot der radikalen Organisationen.

4.5 Die Repressionswelle

Während sich Ende September 1931 etwa 130 Delegierte zum nationalen Kongreß in Dublin versammelten, die Grundsatzerklärung von Saor Eire verabschiedeten und eine nationale Executive wählten,109 führte die Cosgrave-Regierung ihren Kampf gegen die linke Subversion auf zwei Ebenen weiter: auf der ideologischen Ebene wurde die Warnung vor der Roten Gefahr mit Unterstützung von Presse und Klerus bis in die letzte Dorfkirche getragen, während Sondergesetze die Voraussetzungen für die staatliche Verfolgung der linken Gruppen schufen.110

Dabei war es für die Regierung entscheidend, eine Solidarisierung der Bevölkerung mit den “good old boys”, den Nachbarn von der IRA, zu verhindern.111 Ein schwieriges Unterfangen: “the horrible communists could either not be found or turned out to be the Murphy lad down the lane.”112 Der Bevölkerung sollte deutlich gemacht werden, daß die IRA der 30er Jahre nichts mit der IRA des “Black and Tan-War” zu tun habe. Ihr geheimes Ziel sei nicht die Unabhängigkeit Irlands, sondern, so Justizminister Fitzgerald-Kenney am 14.9.1931, “to force by means of threats and crimes of violence, a republic of Soviet nature on this country”.113

Als Beweis dienten immer wieder O’Donnells kommunistische Ansprachen,114 der Aufenthalt von Dave Fitzgerald in Moskau oder die Tatsache, daß 1928 einige IRA-Offiziere in der Sowjetunion trainiert worden waren.115

Am 14.10. brachte die Regierung das “Constitution (Amendment No. 17) Bill” in das Dail ein, das Artikel 2A in die Verfassung einfügte. Damit wurde bestimmt, daß eine Verbotsverfügung des Executive Council (Kabinett) gegen eine Organisation als ausreichender Beweis für die Ungesetzlichkeit besagter Organisation anzusehen sei. Diese Blankovollmacht trat noch am Tag ihrer Verabschiedung am 17.10.1931 in Kraft. Zugleich wurden Militär- gerichte eingeführt, die ohne Jury zusammentraten und für politische Verbrechen die Todesstrafe verhängen konnten.116

Unmittelbar nach der episkopalen Erklärung, am 20.10.1931, verfügte das Executive Council das Verbot von zwölf Organisationen: Saor Eire, die IRA, der Jugendverband Fianna Eireann und die Frauenorganisation Cumann na mBan wurden ebenso für ungesetzlich erklärt wie die Friends of Soviet Russia, Irish Labour Defence League, Workers Defence Corps, Women Prisoners Defence League, Workers Revolutionary Party, Irish Tribute League, Irish Working Farmers Committee und das Workers Research Bureau.117 Bezeichnenderweise wurde Sinn Féin nicht auf diese Ehrenliste gesetzt, ein Umstand, den die Organisation nach Meinung Bells ihrer “gesunden ökonomischen Auffassung” verdankte.118 Bezugnehmend auf Saor Eire hatte Sinn Féin erklärt, man weise jeden Versuch zurück, Klassenbewußtsein und Klassenkampf in Irland zu propagieren.119

Obwohl die Verbotswelle nach der Debatte im Dail (14.-17.10.1931) erwartet worden war, wurde die Linke vom Umfang der Verbote überrascht, die weit über die revolutionären Gruppen hinausgriffen. Auch der kleinste Zirkel, der als links von der Labour Party stehend eingeschätzt wurde, sollte zerstört werden.120 Im Eifer des Gefechtes hatte O’Duffy sogar Organisationen verbieten lassen, die gar nicht mehr existierten; die Workers’ Revolutionary Party etwa war längst in die Revolutionary Workers’ Group (RWG), die Vorläuferin der Communist Party of Ireland (CPI), aufgegangen.121

Saor Eire war das eigentliche Ziel und das Hauptopfer der Verbote. In seiner Rede vor dem Dail hatte Cosgrave bereits ausdrücklich auf die Gefährlichkeit von Saor Eire hingewiesen:

“Within the past few month a new element of danger has been added to our existing perils. The I.R.A. has accepted as its ally the new organisation known as ‘Saor Eire’, which is simply an organisation for setting up in this country a state on the lines of the Russian Soviet

Republic ... and they have, I submit, put themselves beyond the pale of constitutional activi- ties”.122

In der gleichen Rede identifizierte Cosgrave An Phoblacht (AP), die wöchentliche Zeitung der IRA, als “prinzipielles Organ der Verschwörung”.123 Noch während der Debatte wurden die Redaktionsräume von AP durchsucht und die Druckplatten beschlagnahmt. Eine deutliche Warnung erging auch an die parlamentarische Opposition: Verschleppungstaktiken würden nur die Liste derer erweitern, die zu bestrafen seien.124 Diese indirekte Drohung, auch Fianna Fail zu verbieten, war allerdings unnötig. Eamon de Valera kritisierte in seiner Antwort auf die Rede Cosgraves keineswegs den prinzipiellen Ansatz der Bekämpfung des Kommunismus. Dafür seien aber die bestehenden Gesetze ausreichend. Das richtige Vorgehen sei, den Radikalen die Existenzgrundlage zu entziehen, indem man ihnen eine parlamentarische Repräsentation ermögliche, was die Abschaffung des Eides auf die englische Krone voraussetze.125

Diese Argumentation war losgelöst von den realen Problemen und eher auf die nächsten Wahlen abgestimmt, als auf eine ernstzunehmende Opposition gegen die Sondergesetze. Keine der radikalen Gruppen wäre bereit gewesen, dem Dail in seiner damaligen Verfasstheit, ob mit oder ohne Eid, die Legitimität zuzugestehen. Vielmehr mußte es für de Valera in dieser Phase darum gehen, ein Mindestmaß an Solidarität mit der IRA zu beweisen, auf deren Unterstützung Fianna Fail noch angewiesen war (vgl. 5.1), ohne die eigene Partei zu sehr in die Nähe der vom Verbot bedrohten Gruppen zu rücken.126 Bereits fünf Jahre später benutzte FF ihrerseits Artikel 2A zum Verbot der IRA.

Für die IRA war die Illegalität nicht neu, und die wirklich kommunistischen Gruppen blieben weitgehend von der Repression verschont. Nur ein Mitglied der RWG wurde festgenommen - wegen Mitgliedschaft in der IRA.127 Saor Eire aber verfügte, drei Wochen nach der offiziellen Gründung, weder über die politischen Perspektiven, um diesem gemeinsamen Angriff von Kirche und Staat etwas entgegensetzen zu können, noch über organisatorische Strukturen, die ein Überleben in der Illegalität ermöglicht hätten. Die linken Republikaner zogen sich wieder in die IRA zurück, die sich auf altbewährte Guerillataktiken besann.

Die Garda Siochana (Polizei) unter O’Duffys Kommando und die Militärtribunale verloren keine Zeit. An Phoblacht, die Zeitung der IRA, war Ziel ständiger Beschlagnahmungen und Durchsuchungen. Im November 1931 mußte die Zeitung ihr Erscheinen einstellen, nachdem vier aufeinanderfolgende Ausgaben verboten worden waren.128 Als Ersatz erschien The Republi- can File, herausgegeben von Frank Ryan, der später auch für die Publikationen des Republican Congress verantwortlich zeichnete. Ryan verzichtete weitgehend auf Kommentare und beschränkte sich auf das Nachdrucken von Nachrichten aus der Tagespresse. George und Char- les Gilmore wurden zu fünf bzw. drei Jahren Gefängnis wegen Waffenbesitzes und Mit- gliedschaft in einer illegalen Vereinigung verurteilt.129 Um Beweise brauchte sich die Garda kaum zu sorgen, konnte sie sich doch darauf verlassen, daß die Angeklagten, die jeden Prozeß als politische Bühne nutzten, keinen Hehl aus ihrer Nichtachtung des Gerichtes machen würden und schon deshalb mit Gefängnisstrafen zu rechnen hatten. George Gilmore etwa erklärte vor dem Tribunal:

“I do not wish to be taken as making any defence at all, because I don’t want anybody to think I excuse myself for such a charge as having arms. I have never tried to conceal the fact that I am admittedly hostile to British Imperialism and international capitalism.”130

Sheila Humphries griff das Tribunal direkt an:

“You are a self-appointed clique of members of the British Army of Occupation, making what I hope will be the final effort to hold this country for England.”131

Diese Äußerung trug ihr eine Gefängnisstrafe wegen Mißachtung des Gerichtes (“Contempt of Court”) ein. Ebenso erging es Frank Ryan, dem das Tribunal zwar die Mitgliedschaft in der IRA nicht nachweisen konnte, ihn aber wegen Mißachtung zu einer dreimonatigen Haft verurteilte.132 Führende Republikaner gaben sich im Gefängnis die Klinke in die Hand; “The others went to ground and sought to roll with the punch”.133

Auch die nicht-republikanischen Organisationen der Linken vermochten nicht, eine überzeugende politische Alternative zu formulieren. Die RWG übernahm als Mitglied der Komintern die vom zehnten Plenum 1929 beschlossene Sozialfaschismus-These, “this ‘economistic-mechanistic view’, always combined - what ever it’s turns and meanderings - with ‘economic catastrophism’”.134 Während im ganzen Land die Unzufriedenheit wuchs, die Menschen zwar äußerst skeptisch jedem sozialistischen Experiment begegneten, aber doch auf der Suche nach Auswegen aus ihrer oft verzweifelten Lage waren, kommentierte die Workers’ Voice, Organ der RWG, am 31.10.31:

“There is no difference between a military dictatorship, a parliamentary democracy, a Free State or a Republic, a religious state or a non-religious one.”135

5. Von Saor Eire zum Republican Congress

5.1 Parlamentswahlen 1932

Obwohl reguläre Wahlen erst im Oktober des Jahres 1932 anstanden, entschloß sich die Regierung Cosgrave, diese bereits für den 16. Februar anzusetzen. Aufgrund des Erfolges der Kampagne gegen die ‘Rote Gefahr’ und der Einführung der Militärtribunale war die Ge- walttätigkeit zurückgegangen, so daß Grund zu der Hoffnung bestand, einen verhältnismäßig ungestörten Wahlkampf durchführen zu können. Außerdem wollte man eine Überschneidung des Wahlkampfes mit dem im Juni in Dublin tagenden Internationalen Eucharistie-Kongreß136 vermeiden und für den Wirtschaftsgipfel des Commonwealth in Ottawa (Juli 1932) eine Repräsentation sicherstellen, die auf eine solide demokratische Legitimation verweisen könnte.137

Noch bevor das Army Council zur Beratung zusammentrat, reagierte Peadar O’Donnell auf die neue Situation. Er prägte den Slogan “Put Cosgrave Out!”, der über die republikanische Presse verbreitet wurde.138 Dies entsprach der in der IRA vorherrschenden Stimmung, wonach Fianna Fail zumindest als das kleinere Übel anzusehen sei.139

Das Army Council hob am 12. Januar den Beschluß der Army Convention von 1927 auf, der Volunteers die Teilnahme an Wahlen im Freistaat und Nordirland verbot. Obwohl keine direkte Wahlempfehlung für FF ausgesprochen wurde, unterstützte das AC O’Donnells Stoßrichtung. Gleichzeitig wurde eingeschränkt:

“The Army Council would, however, emphasize to Volunteers that while advocating voting at these elections, our objects can not be achieved by the methods of politics of the parties seeking election. This fact should be born in mind by Volunteers throughout the elections.”140

Die Unterstützung der IRA für Fianna Fail beschränkte sich aber nicht auf die Stimmabgabe der ca. 30.000 Volunteers.141 Coogan spricht in diesem Zusammenhang von einer dreifachen Unterstützung:

− Die Kampagne gegen die Annuities konnte von Fianna Fail politisch genutzt werden, da die IRA dies versäumt hatte;
− Das Gleiche galt für die Forderung “Release the Prisoners”, die vor allem von den republikanischen Frauen mit großem Echo in der Bevölkerung erhoben wurde. FF versprach für den Fall eines Wahlsieges die Freilassung der politischen Gefangenen;
− Schließlich arbeiteten IRA-Volunteers direkt im Wahlkampf der FF.142

Fianna Fail war sich durchaus bewußt, daß die Aktivitäten des linken Flügels der IRA ihr im Wahlkampf zugute kamen. Sean Lemass, der 1959 Nachfolger de Valeras als Taoiseach (Ministerpräsident) wurde, äußerte gegenüber Peadar O’Donnell: “Damn it, man, can’t you see that we stand to gain from your agitation if we can’t be accused of promoting it?”.143 Coogan ist allerdings zu widersprechen, wenn er - ohne dies im Einzelnen zu belegen - pauschal erklärt: “Fianna Fail party campaigning was carried out by rank and file I.R.A. men”.144 Bell zeigt anhand vieler Beispiele, daß Art und Umfang der Unterstützung von den verschiedenen Einheiten sehr unterschiedlich gehandhabt wurden. Dazu gehörten auch illegale Praktiken wie die Stimmabgabe für Verstorbene und Emigranten und die Mehrfachwahl. Dieses Vorgehen war allerdings allgemein üblich und wurde von den Anhängern der CnG ebenso betrieben, so daß fraglich ist, ob die Wahl dadurch beeinflußt wurde.145 Zusammenfassend schreibt Bell:

“Whatever the Army Council said, some units frowned on voting, although Volunteers might protect the polling booth or bring in voters. Elsewhere, IRA assistance was not visible, while in other places the most intimate co-operation existed.”146

Die IRA erhielt für dieses Engagement keinerlei Gegenleistung. Es handelte sich eher um eine Investition in die Zukunft; zwar wußte niemand genau, was die Organisation von einem Präsidenten de Valera zu erwarten hatte, doch herrschte Einigkeit darüber, daß er keinesfalls schlimmer als Cosgrave sein könnte.147

5.2 De Valera im Amt

Diese Einschätzung schien sich zunächst zu bestätigen. FF erhielt bei den Wahlen 44.5% der Stimmen und errang 72 Sitze, Cumann na nGaedheal kam auf 35.3% und 56 Sitze. Damit fehlten FF nur 5 Sitze zur absoluten Mehrheit. Am 9. März trat das Dail zusammen und wählte mit den Stimmen von Fianna Fail und Labour (7 Sitze) Eamon de Valera zum neuen Präsidenten. Bereits einen Tag später entließ der neue Verteidigungsminister Frank Aiken die politischen Gefangenen.148 Am 18. März erfolgte die Aussetzung von Artikel 2a und die Aufhebung des Verbotes von Saor Eire, der IRA und der anderen betroffenen Gruppen.149

Für die IRA bedeutete die neue Situation zunächst, daß die Einheiten wieder offen trainieren konnten. Zahlreiche neue Volunteers traten der Armee bei. Die Dubliner Brigade allein zählte wenige Monate nach den Wahlen gut 2.000 Mitglieder.150

Als mögliche Gründe für diese Beitrittswelle führt Bell zum einen die Erwartung an, die IRA werde nun eine offizielle Funktion im Staat erhalten und damit zum Sprungbrett in den Staatsdienst werden. Andere seien von der Hoffnung getragen gewesen, mit Fianna Fail im Amt und einer starken IRA nun den letzten Schritt zur Republik tun und die lange erwartete “second round” gegen die Vertragsbefürworter austragen zu können.151

Die Führungsebene der IRA war erheblich vorsichtiger, was die in FF gesetzten Erwartungen angeht. Als Vertreter der beiden Flügel der Organisation trafen Sean Russell und George Gilmore mit Eamon de Valera zusammen. Dabei machte de Valera deutlich, daß FF nicht über die vor der Wahl angekündigten Maßnahmen hinausgehen werde; es werde somit weder die Republik ausgerufen noch die IRA zur offiziellen Armee des Freistaates erhoben. Auch die Vorstellung, die führenden Mitglieder der CnG nun als Verräter vor Gericht zu stellen, wurde von de Valera nicht geteilt.152 Die IRA hatte wiederholt öffentlich eine Bestrafung der Mitglieder der Cosgrave-Regierung gefordert:

“The members of the defunct Executive Council were ... a menace to society and the independence of Ireland, and it behoved all Republicans to unite and wipe out that menace at all costs.”153

Frank Ryan erklärte auf einer Kundgebung in Dublin:

“No matter what anyone says to the contrary, while we have fists, hands and boots to use, and guns if necessary, we will not allow free speach to traitors.”154

Damit waren die Positionen für die Auseinandersetzungen der nächsten Jahre abgesteckt:

− Fianna Fail war entschlossen, den Kampf gegen die ehemaligen Kriegsgegner in der Cumann na nGaedheal politisch zu gewinnen. Für eine weitere Existenz der IRA sah man keine Notwendigkeit, würde sie aber tolerieren, solange sie keine Gefahr darstellte;
− Die IRA unterstützte Fianna Fail in ihren Maßnahmen gegen die Verbindung zu Großbritannien und bekämpfte CnG als Verräter. Diese Stoßrichtung wurde zunächst auch von den Radikalen in der IRA getragen;
− CnG sah sich von der IRA bedroht und erwartete von der FF-Regierung keinen Schutz. Deshalb wurde mit der Army Comrades Association (ACA), den späteren “Blueshirts”, eine Schutztruppe geschaffen, die Züge einer faschistischen Bewegung annahm.

Frank Ryan hat das Verhalten der IRA-Linken nach der Machtübernahme der Fianna Fail später einer vernichtenden Kritik unterzogen. Man habe durch das Versäumnis, in dieser Situation von einem Klassenstandpunkt aus zu agieren, schweren Schaden angerichtet:

“Had we forced our way into view with the slogans and staffwork the hour demanded the vanguard of the masses could have been on the door-step of power. But our platform drove back the upsurge.

We failed to stake the Fianna Fail position in the terms of its Griffith teachings and confront Fianna Fail with the vision and the ways of Connolly.

We abandoned the Republican movement that evening to that level of interest that only wanted it to build tariff walls around small factories. And so the Republic, which was for a moment half revealed, was again lost in fog.”155

5.3 Fraktionsbildung in der IRA

Das Jahr 1933 begann mit der überraschenden Auflösung des Dail durch Eamon de Valera am 2. Januar und der Festsetzung von Neuwahlen für den 24.1.1933.156

De Valera hoffte, mit diesem Schritt die Mehrheit der Opposition im Senat brechen und die Position der Fianna Fail im Dail stärken zu können. Während FF über einen gut organisierten Apparat verfügte, der in kürzester Zeit für einen Wahlkampf mobilisiert werden konnte, stand die Vereinigung der konservativen Opposition noch aus.157 Als weitere Faktoren, die die Ent- scheidung für Neuwahlen beeinflußten, führt Fanning die zunehmende Kritik der Labour-Party an der Wirtschaftspolitik der FF an, sowie de Valeras Hoffnung, durch eine Bestätigung seiner Regierung eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Großbritannien zu erreichen.158

Am 7. Januar trat die General Army Convention zusammen, um über die neue Situation zu beraten. Dabei ging es um eine generelle Richtungsentscheidung. Der linke Flügel forderte die Organisation auf, einen Kongreß aller republikanischen Kräfte einzuberufen, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. Bell beschreibt die Situation wie folgt:

“O’Donnell supported by Ryan, Price, and Gilmore, wanted to form a new organization to capture the high ground of the Republic from de Valera who was busy wrapping himself in the tricolour as Fianna Fail fought the Economic War for what increasingly looked like the benefit of a new class of capitalist entrepreneurs springing up behind the tariff wall. All this was a little much for the solid men and the average Volunteer who could see the danger in the Treatyite ACA or the need to keep Cosgrave out but not the urgency of still another organization to draw the outraged sermons of the clergy. Although the IRA was supposed to be committed to a radical policy much of the leadership had serious doubts about the continuing Leftward drift.”159

George Gilmore bestimmt diese Position noch genauer:

“The change of government in 1932 sharpened acutely the diversity of views within the army control. The unity preserved in face of the police thuggery and ecclesiastical fire and brimstone of the Cosgrave coercion regime was weakened, and, while the leftward members of the leadership saw the change as an opportunity to rectify the shortcomings of 1931 and to press forward on the enthusiasm engendered by the victory in an election fought to the slogan ‘On to the Republic!’, there were those also who, remembering that the roots of the Republican Army and of Fianna Fail were the same roots, were unwilling to risk a cleavage by any sharpening of political struggle beyond what the Fianna Fail Party could accept ... ‘Don’t embarrass Fianna Fail’ became a defence against any suggestion of its (Saor Eire, d. V.) revival.”160

Dabei unterstellt Gilmore ausdrücklich nicht, der andere Flügel in der Armee-Führung hätte auf Fianna Fail vertraut. Zwar hätte Russell immer noch angenommen, IRA und FF hätten das gleiche Ziel vor Augen, MacBride und die anderen Befürworter einer unpolitischeren IRA hätten aber die Erwartung, Fianna Fail werde früher oder später die Republik verraten, mit der Hoffnung verbunden, daß sich die Wähler der FF von dieser abwenden und eine neue Führung suchen würden, sollte Fianna Fail auf dem Weg zur Republik stehen bleiben.161 Gilmore ging aber in all seinen Stellungnahmen von einer zweifelhaften Voraussetzung aus, die er in einem Brief an Gerald O’Reilly auf den Punkt brachte. Seit der Machtübernahme der FF habe es, so schrieb Gilmore, in der IRA zwei Fraktionen mit sich klar gegenüberstehenden politischen Ansichten gegeben.162 Dabei übersah Gilmore, daß von den in Kapitel 1.1 erwähnten fünf Strö- mungen, mit Ausnahme der konstitutionellen Nationalisten, alle in der IRA vertreten waren. Hinzu kamen jene, die Bell als “organization men” charakterisiert,163 deren Hauptanliegen die Bewahrung der Organisation bis zur entscheidenden Schlacht für die Republik war. Wenn auch Traditionalisten und Militaristen oft ähnliche politische Vorstellungen hatten, so ist es doch zu einfach, sie als einen geschlossenen Block zu betrachten. Sean MacBride und Sean Russell z. B. hatten völlig unterschiedliche Vorstellungen, wie im Kapitel 7.1 gezeigt werden wird.

Im Ergebnis war die Convention eine vollständige Niederlage der Linken. Zwar wurde mit dem Dokument “Governmental Policy and Constitution of Oglaigh na hEireann” ein programmatisches Papier verabschiedet, das unter anderem die Verstaatlichung von Industrie und Land forderte,164 dies wurde aber erneut als Aufgabe einer in der Zukunft zu konstituierenden republikanischen Regierung bestimmt und nicht als aktuelle Forderung.165 Die Resolution für einen Republican Congress wurde abgelehnt, statt dessen wurde erneut eine indirekte Wahlempfehlung für FF beschlossen. Zugleich wurde allen Mitgliedern der Armee verboten, sich schriftlich oder mündlich zu politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Fragen zu äußern.166 Frank Ryan, zu dieser Zeit noch Herausgeber der An Phoblacht, schrieb zu den Auswirkungen dieses Beschlusses:

“A split was developing between left and right in the IRA leadership. We would have to go to the right, had we remained on. At the very least, we would be neutralised. Remember, they had actually tied us down (i.e. Peadar, George and I) by preventing us speaking at meetings or writing in An Phoblacht without submitting the articles to them for censorship ... During the last months of my time on the Poblacht I seldom wrote even the editorial: it was dictated to me.”167

Unmittelbar nach der Convention von 1933 begann die Linke, sich auf die nächste Army Convention vorzubereiten. Ryan, Gilmore, Price und O’Donnell entwickelten eine Art Geheimdiplomatie, um bei der nächsten Convention ein anderes Ergebnis sicherzustellen. Sie besuchten die IRA-Units im ganzen Land und sprachen mit vielen Schlüsselfiguren.168

Die Wahlen brachten den erwarteten Stimmengewinn für Fianna Fail, die nun mit 77 von 153 Sitzen über eine absolute Mehrheit verfügte.169

5.4 Die Blueshirts

Im April 1933 erhielt die Army Comrades Association (ACA), ursprünglich ein Traditionsverein von Kriegsteilnehmern, der politisch Cumann na nGaedheal nahestand, eine neue Aufgabe und Struktur. Die Parole “No free speach for traitors!” wurde von der IRA zuneh- mend handgreiflich durchgesetzt, so daß Cumann na nGaedheal eine Möglichkeit suchen mußte, ihre Versammlungen zu schützen. Die ACA erhielt uniformähnliche Blauhemden und wurde einer strafferen Disziplin unterworfen.170 Im Juli übernahm der inzwischen entlassene Polizeichef Eoin O’Duffy die Führung und benannte die ACA um in National Guard.171

Für die radikale Fraktion in der IRA waren die Blueshirts, wie die National Guard allgemein genannt wurde, mehr als nur eine neue Variante der alten Gegner, der Vertragsbefürworter. In seiner Agitationsschrift Republican Congress von 1935 spricht George Gilmore von einer bereits bestehenden faschistischen Diktatur in Nordirland172 und fährt, bezogen auf den Süden des Landes, fort:

“The pro-british Capitalist and rancher-interest (politically represented by the Cosgraveparty) were organizing a fascist (Blueshirt) machine to hold that portion of the country for the british empire ... MacDonald’s Government in England was conducting an economic war against southern Ireland, so that in the ruin and discontent of the farming population, it might make a basis for a fascist dictatorship, which would secure for England the grip upon the naval bases which she holds in the principal harbours of Ireland and upon the foodsupply so vitally important to her in time of war.”173

“Here was a situation crying out for action - on the one side, a determined attempt by the British and their supporters to clamp down on Ireland the straight-jacket of fascist dictatorship. On the other side an increasing spirit of Republicanism amongst the people generally, expressing itself in spontaneous popular uprising and counter-demonstrations at Blueshirt-meetings, but looking in vain for a lead against the growing menace of imperialist fascism.”174

Wenn auch die Annahme, England hätte zu dieser Zeit Interesse an einer faschistischen Diktatur in Irland, zumal im Bündnis mit Deutschland und Italien, haben können, unverständlich bleibt, so muß doch hervorgehoben werden, daß die Angst vor einem bevorstehenden faschistischen Umsturz damals weit über die Kreise der republikanischen Linken hinaus verbreitet war. Sie wurde von allen Strömungen in der IRA geteilt, von allen linken Organisationen und auch, wie sich in der Reaktion der Regierung auf den angekündigten Marsch der Blueshirts im August 1933 zeigte, von maßgeblichen Mitgliedern der Fianna Fail. Aus der historischen Distanz mag diese Befürchtung stark übertrieben wirken - im Irland des Jahres 1933 war sie Realität:

“In the immediate future, however, it did seem for a brief moment that fascism might produce in Ireland not just abstract corporative doctrines, but a flesh and blood dictator.”175

Diese Einschätzung wird auch von Manning geteilt. Zwar gäbe es keine Hinweise darauf, daß die Blueshirts tatsächlich einen Umsturz geplant hätten - aus der Perspektive ihrer damaligen Gegner habe aber vieles für diese Annahme gesprochen.176

Die Ideologie der Blueshirts, die im wesentlichen von den Professoren James Hogan vom University College Cork und Michael Tierney vom University College Dublin entwickelt wurde, entlehnte ihre Ideen sowohl dem italienischen Faschismus, als auch der katholischen Soziallehre, wie sie in der Enzyklika “Quadrogesimo Anno” von Papst Pius XI formuliert worden war. Hogan und Tierney errichteten ein Gedankengebäude, dessen tragende Säulen der Antikommunismus, der Katholizismus und der Gedanke des korporierten Staates waren. Hogan selbst stellte den Bezug zu den italienischen Faschisten her: “It was the growing menace of the communist IRA that called forth the Blueshirts as inevitably as Communist anarchy called forth the Blackshirts in Italy.”177 Und Prof. Tierney stellte fest: “The corporate state must come in the end in Ireland, as elsewhere.”178

Manning weist aber nachdrücklich darauf hin, daß zwar die Ideologie, wie sie von den Exponenten der Bewegung vertreten wurde, deutlich faschistische Züge aufwies, es aber andererseits unzulässig wäre, von einer faschistischen Massenbewegung im engeren Sinne zu reden:

“While the corporate ideas developed by Tierney and Hogan did give to the Blueshirt movement a distinctive ideology, it is clear that for the great majority, both of leaders and of rank-and-file supporters, this issue was largely an academic one. The issues which gave Blueshirtism its impetus, which concerned the minds and activities of its members, and which determined the manner in which it developed, were far from academic. Blueshirtism was essentially the product of Civil War memories, fear and distrust, and the threat of economic collapse. Beside these, the promise of a new corporate state counted for very little.”179

In seiner Analyse der Blueshirts kommt Manning zu dem Ergebnis, daß diese auf dem Weg zur Herausbildung einer faschistischen Massenbewegung gewesen seien. Diese Entwicklung sei aber durch den Zusammenschluß mit Cumman na nGaedheal gestoppt worden. “From that time on ... the Blueshirts had much of the appearance but little enough of the substance of fascism.”180

Im August 1933 kündigten die Blueshirts einen Marsch zum Friedhof von Glasnevin an, der an den Parlamentsgebäuden in Dublin vorbeiführen sollte. In der stark emotionalisierten Atmosphäre wurde dies von den Antifaschisten mit einem zweiten Marsch auf Rom gleichgesetzt.181 Die Regierung de Valera reagierte mit voller Härte auf die vermeintliche Provokation. Die Notstandsgesetze des Artikels 2a wurden wieder in Kraft gesetzt und der Marsch verboten. Zugleich wurde mit den sogenannten “Broy-Harriers” eine neue Polizeitruppe geschaffen, die mit schweren Waffen ausgerüstet wurde und hauptsächlich aus ehemaligen IRA- Volunteers bestand.182 Aus dieser Truppe entstand später die “Special Branch” der irischen Po- lizei. Im Gegensatz zu allen anderen Autoren behauptet Rumpf, der Marsch sei verboten wurden, “weil ernstliche Zusammenstöße mit der IRA zu befürchten waren”.183 Diese Darstellung wird allerdings den Fakten nicht gerecht, und Rumpf gibt auch keine Belege hierzu an.

Die Führung der IRA war ebenso entschloßen, einen faschistischen Putsch mit allen Mitteln zu verhindern. Die gesamte Dubliner Brigade, die über 3.000 Mitglieder zählte, wurde in Bereitschaft versetzt.184 Die IRA verteilte ihre Kämpfer auf alle strategisch wichtigen Punkte in der Stadt. Sämtliche Bahnhöfe wurden besetzt. Das Army Council beschloß, O’Duffys Marschierer anzugreifen, falls sie bis zur O’Connell Bridge in der Dubliner Innenstadt gelangen sollten.185

Angesichts dieser Vorbereitungen wurde der Marsch nach Glasnevin aufgegeben. Nichtsdestotrotz setzte die Regierung die Militärgerichte wieder ein und verbot die National Guard.186

Die konservative Opposition im Parlament sah dieses neue Bündnis von IRA und Fianna Fail mit Schrecken. Cumann na nGaedheal befürchtete einen direkten Angriff der scheinbar vereinigten republikanischen Kräfte.187 Im September schloß sich die konservative Opposition - Cumann na nGaedheal, Blueshirts und die kleine National Centre Party - zur Fine Gael zusammen. O’Duffy wurde zum Vorsitzenden gewählt, Cosgrave, MacDermot und Dillon zu seinen Stellvertretern.188 Die Politik der Fine Gael entsprach im wesentlichen der zuvor von Cumann na nGaedheal vertretenen, angereichert mit einigen Bruchstücken korporierter Ideen.

Lyons betont, daß diese Verbindung mit O’Duffy für die konstitutionelle, konservative Opposition ein schwerer Fehler war:

“The alliance with O’Duffy was a grave error of judgement ... But the real trouble with O’Duffy was not that he was cold-bloodedly authoritarian, but that he was warm-heartedly incompetent. A good police chief, he was a child in politics and, being a vain man with no judgement, was easily betrayed into wild language and false positions ... Whether for reasons of euphony or of irony, the chant ‘Hail O’Duffy’ seemed somehow to lack the hypnotic effect of ‘Heil Hitler’.”189

Maurice Manning gibt eine ähnliche Einschätzung der Person O’Duffys ab. Ihm habe Einfühlungs- und Unterscheidungsvermögen gefehlt, seine Sympathie für kontinentale faschistische Bewegungen sei eher emotional als rational motiviert gewesen.190

Bereits nach einem Jahr verlor Eoin O’Duffy sein Amt als Parteivorsitzender. Seine Unterstützung der Großfarmer, die aus Protest gegen de Valeras Politik des Wirtschaftskrieges gegen England die Steuern verweigerten,191 besonders aber sein überraschender und bis heute unverständlicher Aufruf zu einer Erneuerung des Krieges gegen England, hatten ihn als Führer einer konstitutionellen Partei, die für die Aufrechterhaltung der Verbindung mit Großbritannien stand, untragbar gemacht.192 Im September 1934 wurde er gezwungen, von seinem Amt zurückzutreten. Er gründete daraufhin eine Abspaltung von den Blueshirts, die er 1936 an Francos Seite in den spanischen Bürgerkrieg führte.193

5.5 Die IRA und der antifaschistische Kampf

Im Laufe des Winters 1933/34 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen IRA-Volunteers und Blueshirts. Es kam zu mehreren Attentaten auf Oppositionspolitiker und einzelne Blue- shirts.194 In einem letzten Versuch, die IRA zum Einlenken zu bewegen, forderte Eamon de Valera die Übergabe der Waffen der IRA. Sean Russell antwortete darauf mit der Feststellung, de Valera selbst habe schließlich 1922 den Befehl gegeben, die Waffen bis zur nächsten Runde im Kampf für die Republik aufzuheben. Die IRA sei aber zu Verhandlungen bereit, wenn die Regierung ihren Willen erkläre, innerhalb von fünf Jahren die Republik auszurufen.195 De Valera entschloß sich daraufhin, die Autorität der Regierung mit Gewalt durchzusetzen, und das gleiche Instrumentarium gegen die IRA zu wenden, das zur Bekämpfung der Blueshirts ge- schaffen worden war.196 Die Verurteilungen durch Militärgerichte nahmen zu. Während 1933 34 IRA-Männer und 11 Blueshirts verurteilt wurden, so waren es im folgenden Jahr bereits 102 Volunteers und 349 Blueshirts.197 Dies ungeachtet dessen, daß das Army Council bereits am 17.1.1934 erklärt hatte:

“The present policy of the Army Council is that clashes between Volunteers and Imperialists are forbidden and that conflicts are to be avoided.”198

Dieser Befehl wurde weitgehend ignoriert, und die Führung der IRA sah sich in eine Rolle gedrängt, die sie nicht einnehmen wollte.

“The IRA leadership faced a problem regarding the role of the movement. Throughout the country Volunteers and Fianna Fail members stood together against the Blueshirts. As Cumann na nGaedheal was transformed into Fine Gael under the leadership of Eoin O’Duffy, the IRA found itself in an ‘anti-fascist’ role. The IRA linked the Blueshirts with the rise of Fascism in Europe. Imperialism and Fascism were lumped together. Peadar O’Donnell again urged the IRA to summon a congress of all anti-Imperialist forces ... The

Left within the IRA pushed the scheme at republican gatherings. The leadership opposed it.”199

Die Befürchtung war nicht aus der Luft gegriffen, daß, sollte die IRA sich zur Führerin des antifaschistischen Kampfes aufschwingen und, über den Republican Congress, in eine Volksfront mit anderen linken und radikalen Gruppen eintreten, dies das Gesicht der Or- ganisation grundsätzlich verändern würde - von einer geheimen Armee zu einer revolutionären Massenbewegung, die früher oder später den Weg des Parlamentarismus einschlagen würde. Am Ende wäre, so die Befürchtung der Traditionalisten und Militaristen, nichts gewonnen als eine weitere - wenn auch linke - Partei im illegitimen Parlament des Freistaates.200

Das besondere Dilemma der IRA-Führung lag darin, daß sie zwar nicht den Kampf gegen die Blueshirts als Exponenten einer faschistischen Bewegung in den Mittelpunkt stellen wollte, die Mitglieder aber immer wieder an einem ganz anderen Punkt mit den Blueshirts zusammenstießen: im Kampf um Bierfässer. Seit Oktober 1932 führten Teile der IRA einen Wirtschaftskrieg eigener Art gegen England. Unter der Parole ‘No British Ale’ wurden Biertransporte der Firma Bass Ale angegriffen, es kam zu Verwüstungen von Lokalen.201 Die ACA reagierte im Dezember 1932 mit der Aufstellung einer Sondereinheit zum Schutz der Bierfässer,202 die damit zum Symbol für die Verbindung mit Großbritannien aufstiegen. Da die Angriffe im Rahmen dieser Kampagne vom Army Council unterstützt wurden, waren Zusammenstöße mit den Blueshirts unvermeidlich.

5.6 Army Convention 1934

Die Army Convention tagte am 17. und 18. März 1934 in Dublin.203 Die Versammlung begann mit der Diskussion einer Resolution von Mick Price:

“That we ... redeclare our allegiance to the Republic of Ireland based upon production and distribution for use and not for profit, in which exploitation of the labour of human beeings with all its attendend miseries and insecurities shall not be tolerated as shown in the pamphlet ‘Government Policy and Constitution of Oglaigh na h-Eireann’ ... That the Re- publican Army shall not be disbanded until such time, as the Government of the Irish Repub- lic, based on the political and social principles in the pamphlet referred to, is functioning.”204

Price versuchte damit, die auf der letzten Convention verabschiedete Programmatik von der Ebene einer reinen Willenserklärung zur Ebene aktueller Politik der IRA zu befördern. Nachdem führende Mitglieder des Army Council heftige Kritik an dieser Resolution geübt hatten, zog Price seinen Antrag zurück und verließ die Convention.205 Daraufhin brachten O’Donnell, Gilmore und Ryan - wie schon im Jahr zuvor - die Congress-Resolution ein, die nach langer Debatte von der Mehrheit der Delegierten unterstützt wurde. In der entscheidenen Abstimmung fehlte der Resolution jedoch eine Stimme zur Mehrheit, da die ex-officio Mitglie- der - Army Council und General Headquarter Staff - beinahe geschlossen gegen die Resolution stimmten.206 Price, O’Donnell, Ryan und Gilmore verließen nach dieser Niederlage die IRA. Zur Begründung schrieb George Gilmore später, daß eine weitere politische Tätigkeit bei einem Verbeib in der Armee unmöglich gewesen wäre:

“They would have been subject to the rule which prevented them from speaking or writing or associating themselves with any activities outside the organization. They would have had to be silent while they knew that a situation of great danger was developing. They withdrew, therefore, from the Convention and from the IRA.”207

Damit war die erneute Spaltung der IRA eingeleitet.

6. Republican Congress

6.1 Das Manifest von Athlone

Die Befürworter des Republican Congress gingen davon aus, daß die Führung der IRA angesichts des denkbar knappen Ergebnisses der Convention keine Spaltung riskieren würde und beschloßen, den Congress in eigener Verantwortung auf den Weg zu bringen.208 Am 7. und 8. April 1934 trafen sich 200 Vertreter der republikanischen Linken zu einer Konferenz in Athlone.209 Die Konferenz beschloß die Einrichtung eines Organisationsbüros, die Herausgabe der Zeitung Republican Congress, und das “Republican Congress Manifesto”, das mit einem Bekenntnis zu James Connollys Theorie der Gleichzeitigkeit nationaler und sozialer Befreiung beginnt:

“We believe that a Republic of a united Ireland will never be achieved except through a struggle which uproots Capitalism on its way. ‘We cannot conceive of a free Ireland with a subject working class; we cannot conceive of a subject Ireland with a free working class.’

This teaching of Connolly represents the deepest instinct of the oppressed Irish nation.”210

Die Arbeiter Nord-Irlands müßten begreifen, so der Aufruf, daß ihre eigene Freiheit untrennbar verbunden sei mit der Freiheit Irlands. Die Republikaner im Süden Irlands müßten einsehen, daß der irische Kapitalismus sich in einer prinzipiellen Allianz mit dem englischen Imperialismus befinde, der Kampf gegen den einen daher den Kampf gegen den anderen notwendig mache und nur im Bündnis mit allen antiimperialistischen Kräften gewonnen werden könne. Die Politik der Fianna Fail, die ein reines Lippenbekenntnis zur Republik ablege, aber gleichzeitig den irischen Kapitalismus unterstütze, habe zu einer Konfusion um den Begriff der Republik geführt. Versagt habe aber auch die Führung der IRA:

“Had the I.R.A. leadership understood that the economic war was not being fought to free Ireland but to serve Irish capitalism they would have carried out this mobilisation first before giving any support to that war. On account of their failure the Republican issue has been pushed farther into the background.”211

Vier Zielgruppen sollten für den Republican Congress mobilisiert werden:

(1) Antiimperialisten aus Nordirland, die die dortigen Arbeiter repräsentieren;
(2) Industriearbeiter aus dem Freistaat;
(3) Kleine Farmer und Händler;
(4) Die Landarbeiter-Klasse aus den Gaeltacht-Gebieten Westirlands: “The Gaeltacht youth must get help to tumble the walls and get free access to the broad ranches”.212

Der Aufruf schließt mit den Worten:

“As the Republic when established will be the Republic of the workers and small farmers the forces that will achieve it must be drawn from these sections of our life. In order that these forces may be drawn forward to their task, we, on their behalf, call for a Republican Congress, and pledge ourselves to take up the work necessary to build it”.213

6.2 Spaltung der IRA

Mit Recht wies das Army Council eine Woche später darauf hin, daß das Manifest von Athlone politisch nichts Neues enthielt. Das Army Council erklärte sich in Übereinstimmung mit dem Aufruf, insofern dieser einen Angriff auf das gegenwärtige ökonomische und soziale System, auf Fianna Fail und auf die Regierungen in beiden Teilen Irlands darstelle. Dies alles sei aber wieder und wieder vom Army Council veröffentlicht und in An Phoblacht analysiert worden.214

In der Beurteilung der Zukunftsaussichten des Congress zeigt sich das tiefe Mißtrauen der Traditionalisten und Militaristen gegen jede Art von Politik:

“This party will, in course of time, contest elections and enter the Free State Parliament. Inevitably it will follow the road that has been travelled by other constitutional parties which, though setting out with good intentions, ended in failure. It is not very long ago since Fianna Fail leaders told us that they wanted to go into the Free State Parliament only for the purpose of smashing it up, but they now hold this institution and the whole Free State machine as sacred.”215

Vor allem aber war das Army Council nicht bereit, die öffentliche Kritik der Armee-Führung durch Republikaner hinzunehmen. Dieser Angriff könne nur den Interessen der Kapitalisten und Imperialisten dienen. Michael Price, Peadar O’Donnell, George Gilmore und Frank Ryan wurden in Abwesenheit von einem Kriegsgericht der IRA verurteilt und aus der Organisation ausgeschlossen.216

Auf die Unterzeichner des Manifestes wurde massiver Druck ausgeübt. Sheila Humphries und Eithne Coyle von Cumann na mBan zogen ihre Unterschriften zurück, nachdem es in der Führung von Cumann na mBan zu Kontroversen gekommen war. In einer Erklärung begründe- ten sie ihren Schritt damit, das Hauptziel des Congress sei nicht das Ende des Kapitalismus, sondern die Zerstörung der IRA, mit der sie sich in prinzipieller Übereinstimmung befänden.217

Andere, die das Manifest nicht unterschrieben, aber an der Konferenz in Athlone teilgenommen hatten, schworen öffentlich ab.218 Insgesamt war die Beteiligung aus der IRA geringer, als von beiden Flügeln erwartet worden war. Von den prominenten Linken waren z. B. Donal O’Donoghue und Michael Fitzpatrick, der in Saor Eire noch eine tragende Rolle gespielt hatte, nicht vertreten. Wie viele Volunteers unterstützten sie die Ziele des Congress, ihre erste Loyalität galt aber der IRA.219 Das Army Council bestand auf einer eindeutigen Entscheidung, Kontakt zum Republican Congress wurde bei Strafe des Ausschlusses verboten.220

In der Beurteilung der Bedeutung dieses Prozeßes für die IRA gehen die Meinungen auseinander. Coogan vertritt die Auffassung, der Congress habe die IRA in der Mitte gespalten.221 Diese Aussage läßt sich allerdings kaum mit Zahlen belegen. Coogan selbst gibt an, die IRA habe ca. 4.000 ihrer rund 30.000 Mitglieder durch Austritte und Ausschlüsse verloren.222 Bei diesem Verhältnis kann kaum von einer Spaltung “down the middle” gesprochen werden. Bell wird den Tatsachen eher gerecht, wenn er schreibt: “The IRA was badly hit by the loss of talent and of the ideas of men like O’Donnell, Ryan, Price, and Gilmore; but it was far from destitute - even in men from the left.”223

6.3 Von Athlone nach Rathmines: Der Congress im Aufbau

Zwischen der Konferenz von Athlone und dem Zusammentreten des Congress in Rathmines lagen sechs Monate. Die Organisatoren des Congress unternahmen in dieser Zeit die größten Anstrengungen, das wachsende Potential militanter Proletarier an sich zu binden.224 Die Bedingungen für eine solche Mobilisierung waren 1934 in beiden Teilen Irlands vergleichsweise gut. In den Vorjahren waren die Arbeitskämpfe im wesentlichen defensiv geführt worden, mit dem Ziel, das bestehende Lohnniveau zu halten und Sozialabbau zu verhin- dern.225 Dabei hatte es vor allem in Belfast bemerkenswerte Erfolge gegeben, als 1932 protestantische und katholische Arbeiter - zum ersten Mal seit den Dockarbeiter-Streiks von 1917 - gemeinsam für eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes kämpften. Diese Koalition, die kurzfristig den Orange-Staat ins Wanken brachte, erreichte eine Verdreifachung der Zahlungen für Arbeitslose.226

Das Jahr 1934 war gekennzeichnet durch steigende Unternehmensgewinne dank der von Fianna Fail errichteten Zollschranken, und in einer Reihe von Massenstreiks forderten die Arbeiter ihren Anteil am wachsenden Wohlstand ein.227 Die lokalen Gruppen des RC unterstützten diese Arbeitskämpfe und trugen entscheidend zur Radikalisierung und zur steigenden Militanz der Arbeiterschaft bei.228

In den großen Städten des Freistaates, vor allem in Dublin und Cork, unterstützte der Congress die Entstehung von Tenant Leagues, die die Mieter organisierten und den Kampf gegen Mietwucher und Slumbildung aufnahmen.229

Dieses sozialpolitische Engagement aus republikanischen Kreisen stellte ein Novum dar. Zwar hatte die IRA, etwa bei den Transportarbeiterstreiks von 1930 und 1933, auf Seiten der Streikenden interveniert, dies aber als militärische Geheimorganisation, d.h. durch Attentate und Bomben, ein Eingreifen, das naturgemäß nicht mit den Streikenden abgestimmt werden konnte. Die Beteiligung des RC 1934 geschah offen und als Massenorganisation, mit dem vollen Einverständnis der Arbeiter. Mehr und mehr Arbeiter unterstützten den Congress. Diese Unterstützung reichte weit in die Gewerkschaften hinein und erfaßte selbst protestantische Organisationen im Norden, wie die Northern Ireland Socialist Party.230

Seine größten Erfolg erreichte der Congress aber in Belfast. Peadar O’Donnell und Nora Connolly O’Brien gelang es, Gruppen des Congress in den Hochburgen der Unionisten aufzubauen: im Newtownards Road District und in der Shankill Area231 entstanden James Connolly Workers’ Republican Clubs, die zum ersten und bis heute einzigen Mal das protestantische Proletariat Nordirlands bei der jährlichen Gedenkfeier für Wolfe Tone in Bodenstown vertraten. 500 Mitglieder marschierten am 18. Juni 1934 unter dem Banner “Wolfe Tone Commemoration 1934 - Shankill Road Belfast Branch - Break The Connection With Capitalism” zunächst durch Dublin und später zum Grab Tones.232

Es muß als einer der gravierendsten Fehler des Army Council angesehen werden, daß die Tragweite dieser Entwicklung übersehen, beziehungsweise nur im Kontext eines möglichen Sympathiegewinns des RC zuungunsten der IRA verstanden wurde. Das Army Council ordnete an, die “kommunistischen Banner” zu entfernen:233

“Unfortunately for them (die protestantischen Teilnehmer des Marsches, d.V.) and the course of Irish unity, the IRA leadership saw the whole thing as a Congress plot and the order went out to seize all unauthorized banners. The Shankill men naturally reacted when the Tipperary IRA under Matthie Ryan - acting on orders of GHQ - started to grab a banner ... The Belfast men defended their banner. The Tipperary men saw it as a Communist banner. Bodenstown has not witnessed a more ironic scene: catholics attacking protestants trying to honour Wolfe Tone and the newspapers made the most of it.”234

Die Hauptlast der Organisierungstätigkeit lag beim Congress Organising Bureau. Ihm gehörten zu Anfang Peadar O’Donnell, George Gilmore, Michael Price, Frank Ryan, Eithne Coyle, Nora Connolly O’Brien und Sheila Humphries an.235 O’Donnell und Ryan gaben auch die erstmals am 5.5.1934 erschienene Zeitung Republican Congress heraus.

Coyle und Humphries verließen das Büro nach den Auseinandersetzungen innerhalb von Cumann na mBan. Neu hinzu kamen Vertreter der Gewerkschaftsbewegung: William McMullen aus Belfast, Vizepräsident des Irish Trade Union Congress; Barney Conway für die Workers’ Union of Ireland; Roddy Connolly für das Bray Trades Council; Joe Ellis, Generalsekretär der Irish Seamen and Port Workers’ Union; Murtagh Morgan, Präsident der Belfaster Sektion der Irish Transport and General Workers’ Union. Die Irish Workers’ Clubs aus New York schickten einen Delegierten in das Büro.236

6.4 Der Kongreß von Rathmines

Am 29. und 30. September tagte der RC in Rathmines, einem Stadtteil von Dublin. 186 Delegierte waren anwesend.237 Die Liste der offiziell vertretenen Gewerkschaften macht deutlich, wie erfolgreich die Mobilisierungsarbeit gewesen war. Anwesend waren United La- bourers’ Association, Kilnamona Labour Union, Amalgamated Society of Woodworkers, Irish Union of Woodworkers, Workers’ Union of Ireland, Irish Garment Makers’ Union, Engineering and Foundry Union, Stationery Enginedrivers’ Union, Operative Plumbers and Engineers, Belfast Plasterers’ Union, Irish Transport and General Workers’ Union, Irish Seamens’ Union und Bray Trades Council.238 Hinzu kamen lokale Congress-Gruppen, die Irish Citizens Army,239 die Communist Party of Ireland (CPI), die Irish Labour Defence League, Labor League Against Fascism, Northern Ireland Socialist Party, Irish Unemployed Workers’ Movement und zahlreiche Tenant Leagues.240

Als Gäste sprachen Vertreter der indischen Unabhängigkeitsgruppen, der Irish Workers’ Clubs der USA, der British Youth Anti-War Movement sowie der Internationale Sekretär der League Against Imperialism, R.J. Bridgeman.241 Damit war der Congress “the most representative gathering of working-class and republican militants ever seen in Ireland.”242

Zwei gegensätzliche Vorschläge aus dem Kreis des Organisationsbüros lagen dem Kongreß zur Beratung vor, in Form jeweils einer Resolution zur politischen Einschätzung und einer organisatorischen Resolution. Obwohl beide Punkte ursprünglich getrennt diskutiert werden sollten, wurden sie in der Diskussion rasch als Einheit behandelt.243

Die Mehrheit des Büros plädierte für die Formierung einer republikanischen Arbeiterpartei, mit dem Ziel der Schaffung einer Workers’ Republic. Die Minderheit dagegen forderte eine Einheitsfront der Arbeiterklasse und der kleinen Farmer, um die unabhängige irische Republik herzustellen.244 Dabei handelte es sich nur auf den ersten Blick um einen Streit um Worte.

Einigkeit bestand bei den Delegierten darüber, daß das Endziel ihres Kampfes eine irische Arbeiterrepublik sei. Der Dissens lag in der Frage, welche Organisationsform der Congress annehmen, welche Methoden er im politischen Kampf benutzen und wo der Schwerpunkt seiner Aktivitäten liegen sollte.245 Die Mehrheit im Büro, unter anderen Michael Price, Nora Connolly O’Brien, Roddy Connolly, Seamus McGowan (Irish Citizens’ Army), Ned Drummond (Tralee Republican Labour Party) und James Pimley aus Belfast forderten in ihrer Republican Resolution:

“(1) The task of this Congress is to give a clear direction as to how the ideals of Republicanism and Labour can be welded in a militant movement which will succeed in overthrowing British Imperialism in this country. This Congress pledges itself to continue the struggle of the Irish people for complete and absolute independence.

(2) Our freedom can only be achieved by the destruction of the Imperialist puppet States in the North and South. Whoever stands in the way of a Free United Republic for all Ireland is an ally of British Imperialism. Incessant struggle on every field must expose the hypocrisy and anti-working class bias of those who stand for anything less.

(3) The success of such a struggle can be guaranteed by the leadership of the well organised, disciplined forces of the working class ... Every Republican struggle in the past has been carried out by the workers and small farmers under the leadership of middle-class politicians, anxious only to secure the economic welfare of their own set of exploiters. We must create our own working-class leadership.

(7) Only by uprooting capitalism, the whole system of exploitation from which Imperialist domination flows ... can we assure ourselves of Freedom from English domination.

(8) The intensity of the struggle for Irish freedom is measured and regulated by the intensity and success of the struggle of the Irish workers and toilers to win ever wider concessions from the capitalists, the personal representatives in Ireland of the most hateful system of capitalist exploitation.

(9) By developing these day to day struggles ... by fostering and directing a nation-wide avalanche to destroy the Capitalist States, and then to uprear in their place a United Workers’ State as the political instrument that opens for us the opportunity to create a true democracy in the Co-operative Commonwealth; only by these means can we achieve success.”246

Aus dieser politischen Analyse folgte für die Mehrheit des Büros die Forderung nach der Gründung einer neuen Partei, da keine der existierenden Organisationen die Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern erfüllen könne.247 Während die Mehrheit also auf der Basis einer klassisch marxistischen Betrachtungsweise argumentierte, die die Arbeiterklasse Gesamtirlands als revolutionäres Subjekt in den Mittelpunkt stellte, wollte die Minderheit zunächst eine andere Bestimmung der Zielgruppe des Republican Congress. Sie plädierte für das breite Bündnis aller Kräfte, die für eine vollständige Unabhängigkeit eintraten:

“(1) The Republican Congress is the rallying centre for the mass movement expressing all the forces for complete national independence.
(2) The Republican Congress declares that the dominating political task is the realisation of the Republic, and pledges itself to co-operate with and intensify the rising militancy, ready for a new and decisive campaign to achieve this end.”248

Da die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse des irischen Volkes nur unter der Bedingung vollständiger Unabhängigkeit möglich sei, sah die Minderheit in der Unterstützung und Radikalisierung von Kämpfen in diesem Bereich den entscheidenden Ansatzpunkt. Die Republik werde auf den Schultern dieser Kämpfe entstehen. Dadurch sei gewährleistet, daß mit dem Prozeß der Radikalisierung, der Präzisierung der Forderungen durch die Beteiligten selbst, auch die Forderung nach der Republik ihre Unverbindlichkeit verlieren werde. Aus der Erfahrung der Klassenkämpfe werde die Forderung nach der Workers’ Republic von selbst erwachsen und gleichzeitig deutlich werden, wer tatsächlich auf der Seite des Volkes stehe.249

Die Minderheits-Position, die u. A. von Ryan, O’Donnell und Gilmore unterstützt wurde, setzte sich schließlich mit 99 zu 84 Stimmen durch.250 Die Abstimmung wurde entscheidend durch die Stimmen der Delegierten der CPI beeinflußt, die gegen die Mehrheitsresolution stimmte. Im Hintergrund stand die Absicht, das Entstehen einer konkurrierenden Partei zu verhindern.251 Dies machte die Ablehnung der Mehrheitsresolution zwingend. Allerdings hatte die CPI auch gegen die Minderheitsresolution argumentiert und gefordert, die Frage der Organisationsform zu vertagen. Statt dessen sollte zunächst ein möglichst breites Bündnis an tagespolitischen Fragen entwickelt werden, vor allem im Kampf gegen den Faschismus. Die CPI stellte, aufgrund ihres Einflusses in verschiedenen Massenorganisationen, die größte Delegation auf dem Kongreß in Rathmines.252

Sean Murray, Chef der CPI, argumentierte, der irische Kapitalismus könne erst geschlagen werden, nachdem der britische Imperialismus aus dem Spiel sei.253 In der Konsequenz hieß das, zunächst die bürgerliche, kapitalistische Republik zu erkämpfen, um sie dann bekämpfen zu können. Auf diesem Weg hoffte man, mit Fianna Fail um die Unterstützung des Kleinbürgertums konkurrieren zu können.254 Dabei war den Befürwortern der Mehrheitsresolution bewußt, so die Analyse Milottes, daß sie mit einer Orientierung auf den Republikanismus kleinbürgerlicher Schichten des Freistaates die Unterstützung der nordirischen Arbeiter verlieren würden, die von einer bürgerlichen Republik nichts zu gewinnen hatten - sie lebten schließlich in einer solchen.255

Gilmore argumentiert dagegen, daß jene, die den Kampf um nationale Unabhängigkeit nicht bedingungslos unterstützten, nicht wirklich radikal seien und den Bruch mit dem britischen Imperialismus nur scheinbar vollzogen hätten:

“That carefully nurtured hostility to Irish independence would not be eliminated by a change of phrasing. Those who might venture towards us in that mood would be, for the most part, people who were trying to be radicals without facing the reality - without accepting the anti- imperialist struggle.

It is true that it is easier to talk to a Belfast Protestant worker about a Workers’ Republic than about an Irish Republic ... Unless he grasps the significance of the imperial link, and accepts the breaking of the link as an essential part of the working-class struggle against capitalism, he is unlikely to advance farther than a vote for the North of Ireland Labour Party.”256

Gilmore geht also davon aus, daß der RC die Unterstützung jener Arbeiter aus dem Norden Irlands, die auf der Forderung nach der Workers’ Republic beharrten, ohnehin verloren hätte. Auch Peadar O’Donnell kritisierte nicht das politische Ziel der Büro-Mehrheit. Seine hauptsächliche Befürchtung war, daß der Slogan ‘On to the Workers’ Republic’ zu früh käme und nicht geeignet sei, die Politik der FF als antirepublikanisch zu entlarven.257 Die Argumentation O’Donnells und Gilmores wäre einleuchtend, wenn die Mehrheits-Resolution als Versuch gewertet werden könnte, der Organisation per Konferenzbeschluß eine nur auf dem Papier bestehende neue Radikalität aufzuzwingen. Tatsächlich war der RC aber von Anfang an mit genau dieser Begrifflichkeit und diesen Forderungen angetreten. Die Zeitung Republican Congress trug bis zum November 1934 den Untertitel “For the Irish Workers’ Republic”,258 und auch der Vergleich zwischen dem Manifest von Athlone und der Mehrheits-Resolution zeigt ein großes Maß an Übereinstimmung.

George Gilmore irrt, wenn er selbst aus der Distanz von 40 Jahren seinen damaligen Widersachern vorwirft, es habe sich um gut etablierte Gewerkschaftsführer gehandelt, die - “for one reason or another” - vor der Aufgabe zurückgeschreckt seien, eine neue Phase des Befreiungskampfes einzuleiten.259

Cronin argumentiert, Gilmore und O’Donnell hätten die Radikalität ihrer Anhänger unterschätzt.260 Für diese Einschätzung spricht, neben dem oben gesagten, auch die Tatsache, daß nach dem Ende des RC als politisch relevante Kraft die Streikbewegung keineswegs abnahm, wie die folgende Tabelle zeigt.

Tabelle 1: Streiks in Irland, 1925-1945261

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch wenn die Ansichten während des Kongresses hart aufeinanderprallten, machten die politischen Differenzen eine Spaltung nicht zwingend. In der Frage der Organisation war aber kein Kompromiß möglich, zu allerletzt für die CPI.

Ihr Abstimmungsverhalten entsprach vollständig der Linie der Komintern, die damals international für die Bildung von Volksfronten mit der nationalen Bourgeoisie zur Bekämpfung des Faschismus eintrat,262 und stellte den Abschied von der Theorie Connollys dar, der 1897 zur Frage der Bündnispolitik geschrieben hatte:

“If you remove the English army to-morrow and hoist the green flag over Dublin Castle, unless you set about the organisation of the Socialist Republic your efforts would be in vain As a Socialist I am prepared to do all one man can do to achieve for our motherland her rightful heritage - independence; but if you ask me to abate one jot or tittle of the claims of social justice, in order to conciliate the privileged classes, then I must decline.

Such action would be neither honourable nor feasible. Let us never forget that he never reaches Heaven who marches thither in the company of the devil. Let us openly proclaim our faith: the logic of events is with us.”263

Nach dem Ende des Kongresses, angesichts der beginnenden Auflösung des Republican Congress, gingen Spaltungsvorwürfe in alle Richtungen. Die CPI etwa warf der unterlegenen Fraktion vor, sie überlasse den Kampf um die Unabhängigkeit den Kapitalisten.264

Ein großer Teil der unterlegenen Fraktion verließ den RC. Der Congress verlor die Unterstützung fast aller Gewerkschaften,265 eine Entwicklung, die eingedenk der Diskussionen und Entscheidungen des Kongresses von Rathmines unausweichlich war.

6.5 Von Rathmines nach Spanien

Mit der Spaltung in Rathmines hatte der Congress seinen Zenit überschritten. Zwar existierte die Organisation formal noch bis Ende 1936, konnte aber nicht mehr in dem Maße Einfluß nehmen wie in der Aufbauphase. Die Tätigkeit des Organisationsbüros und die Herausgabe der Zeitung Republican Congress mußten Anfang 1936 aus finanziellen Gründen eingestellt werden.266 Immerhin erreichte George Gilmore bei einer Tour durch die USA, daß namhafte Vertreter der irischen Exilgruppen einen Aufruf zur Einheit der republikanischen Bewegung unterzeichneten, der auch von den Parlamenten der Countys Donegal, Limerick und Clare unterstützt wurde.267 Darin hieß es, man appelliere an alle republikanischen Kräfte, sich in einer Konferenz zusammenzufinden, um die Differenzen zu überwinden und sich gegen den gemeinsamen Feind zu vereinigen.268

So beeindruckend die Liste der Unterzeichner ist, so ist der Aufruf im Kern nur ein Beweis dafür, wie ungenügend die Iren in den USA über die Situation in Irland informiert waren. Es fehlte nicht nur das Bewußtsein für den Umfang der politischen Differenzen zwischen FF, IRA und Congress, sondern auch für die Realitäten des Lebens in Irland, wenn die Situation dort als die eines unmittelbar bevorstehenden zweiten Bürgerkrieges beschrieben wurde.269 Bezüglich der Position des Congress war man in den USA sicherlich weitgehend auf die Darstellung Gilmores angewiesen, der aus der Zeit des Bürgerkrieges einen guten Ruf hatte und entsprechend freundlich aufgenommen wurde.270 Daß Gilmores Darstellung des RC nicht ganz unvoreingenommen war, wurde im letzten Abschnitt gezeigt.

Die Unüberwindbarkeit der Differenzen zwischen FF und IRA hätte den Unterzeichnern aber bekannt sein können. Bereits im Januar 1934 hatte Eamon de Valera Joe McGarrity seine Einschätzung der Lage beschrieben:

“We desire unity, but desires will get us nowhere unless we can get some accepted basis for determining what the national policy shall be and where leadership lies. What is the use of talking any more with people who are too stupid or too pigheaded to see this ... If this country is not to be a Mexico or a Cuba, a basis must be found, or else the party that has got the confidence of the majority will have to secure order by force ... We have undertaken a responsibility to the people at present living, to the future, and to the dead. We will not allow any group or any individuals to prevent us from carrying it out.”271

Während de Valera damit schon 1934 klarstellte, daß kein Platz für eine zweite, nicht unter seiner Führung stehende republikanische Kraft bleibe, brauchten viele in der IRA etwas länger, um die Unvereinbarkeit der beiden Organisationen zu begreifen. Bevor wir uns aber der IRA wieder zuwenden, muß noch der letzte Akt in der Geschichte des Congress beleuchtet werden.

Anfang 1936 war der RC zurückgeworfen auf die engsten Verbündeten, d.h. vor allem die CPI. Zwar kündigte O’Donnell noch im Januar die Aufstellung einer ‘Active Service Unit’ (ASU) an, die die Arbeit des RC in verschiedenen Politik-Bereichen organisiert vorantreiben sollte,272 doch bereits drei Monate später mußte Frank Ryan das Scheitern der Organisation ein- gestehen:

“The Congress - from an organisational view-point - is only a name. It exists only in Dublin. The ASU idea went wallop. Party loyalties are still too strong. Yet the Congress idea has not failed, and if we did nothing else but propaganda and holding of meetings representativ (even to a limited extent) of Republican and Labour elements, we would be doing good work. Eventually, there must be the United Front; at our worst, we make it easier of achievement (sic!).”273

Dies hätte ein Schlußwort zur Geschichte des Republican Congress sein können. Aber am 17. Juli begann der spanische Bürgerkrieg, und sehr schnell bildeten sich in Irland zwei unversöhnliche Lager. Auf der einen Seite jene, die in Spanien den Kampf des gottlosen Kommunismus gegen den Katholizismus ausgetragen sahen. Ihre Führung waren der irische Klerus und Fine Gael,274 ihr Organ die Parteizeitung der FG, der Irish Independent, der den spanischen Bürgerkrieg so beschrieb:

“On the one side is a so-called Government which has abandoned all the functions of government to a Communist junta bent upon the destruction of personal liberty, the eradication of religion, the burning of churches, and the wholesale slaughter of the clergy. On the other side are the Patriot Army gladly risking liberty, property, and life, in defence of their Faith - fighting the same fight that our Irish ancestors fought for centuries for the same cause.”275

Die Gegenseite, angeführt von Congress und CPI, sah eher die spanischen Republikaner in der Tradition des irischen Unabhängigkeitskampfes stehen als die Generäle. Die IRA hielt sich bedeckt, die Befürworter eines Engagements für die spanische Republik, Sean MacBride, Michael Fitzpatrick und Patrick MacLogan, vermochten sich nicht gegen Sean Russell durchzusetzen, der bereits die Bombenkampagne in England plante (Vgl. Kap. 7.1).276

Dieses erneute öffentliche Auftreten des RC an der Seite der CPI, als Verteidiger der spanischen Republik, veranlaßte den Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, Kardinal MacRory, öffentlich das Verbot des Congress zu fordern.277 MacRory war einer der entschiedensten Kirchenvertreter in der Unterstützung der spanischen Generäle. Er unterstützte Geldsammlungen und die Bemühungen O’Duffys, eine Freiwilligentruppe zu mobilisieren.278 Als einer der Sprecher des RC antwortete Frank Ryan in einem offenen Brief an den Kardinal, “that as a Catholic, I will ‘take my religion from Rome’, but that as an Irish Republican, I will take my politics neither from Moscow nor Maynooth.”279

Tatsächlich gelang es dem Congress, an dieser Frage noch einmal ein Bündnis zu schmieden, dem neben Vertretern verschiedener republikanischer Gruppen, wie etwa Michael O’Flanagan, ehemals Präsident von Sinn Féin, erneut auch Vertreter nordirischer Gruppen angehörten, wie Harry Midgley von der Northern Ireland Labour Party.280

Insgesamt war die Kampagne, angesichts des äußerst feindlichen Klimas in der Bevölkerung und des immer mehr um sich greifenden Antikommunismus, ein großer Erfolg. Dieser Erfolg ermöglichte es, eine irische Brigade unter dem Kommando Frank Ryans nach Spanien zu entsenden. Etwa 80 Mitglieder des Republican Congress machten sich mit Ryan im Dezember 1936 auf den Weg nach Spanien,281 und vereinigten sich dort mit anderen Iren, darunter zahlreiche ehemalige IRA-Volunteers, zur insgesamt 200-300 Mitglieder zählenden Connolly Column.282 Als Teil des Lincoln-Bataillons kämpften sie in der Schlacht um Jarama, wo die Iren schwere Verluste erlitten.283 Insgesamt fielen 42 Volunteers in Spanien, 114 wurden verletzt.284 Auf der Gegenseite hatten die Blueshirts unter O’Duffy zweimal Feindberührung: Ihr erstes Gefecht lieferten sie sich mit Franco-Truppen von den Canaren, die sie irrtümlich für Internationalisten hielten. Zwei Tode waren das Ergebnis. Nach ihrem ersten Fronteinsatz wei- gerte sich O’Duffy, seinen Männer noch einmal unter feindlichem Beschuß einen Einsatz zu befehlen.285

Auf die Ereignisse in Spanien soll hier, abgesehen von dem späteren Schicksal Ryans, das in Kapitel 7.5 geschildert wird, nicht weiter eingegangen werden, da sie für die weitere Entwicklung in Irland ohne Bedeutung waren und dieser Abschnitt von Sean Cronin bereits ausführlich dargestellt wurde.286

7. Die IRA im II. Weltkrieg

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde im vorangegangenen Kapitel die Entwicklung des Re- publican Congress getrennt von der der IRA beschrieben. Das Kapitel 7 wird sich nun wieder der IRA zuwenden. Die Jahre 1934 bis 1945 sind gekennzeichnet durch das weitere Abdriften der IRA in eine unpolitische, rein militaristische Richtung. Die Bombenkampagne gegen England, die Verbindungen zwischen IRA und deutschen Agenten und schließlich die Affäre um Chief of Staff Stephen Hayes bilden die Hauptstränge der Entwicklung, die im folgenden zunächst getrennt dargestellt werden sollen, bevor im letzten Kapitel der Versuch unternommen wird, die Fäden wieder zusammenzuführen, und zu einer abschließenden Beurteilung zu kommen.

7.1 Vom Congress zur Bombenkampagne, 1934-38

Die IRA, geschwächt durch das Ausscheiden der Congress-Fraktion, aber keineswegs handlungsunfähig, beriet auf einer außerordentlichen GAC im August 1934 ihr weiteres Vorgehen. Die Reorganisierung des Führungsapparates und der Umgang mit den Blueshirts standen im Vordergrund der Beratungen.287 Auch die Gegner des Congress sahen sich mit den immer militanteren Arbeitskämpfen und den Forderungen der Tenants Leagues konfrontiert. Im November nahmen Vertreter der IRA an Mieterversammlungen teil und versicherten ihre Unterstützung.288 Die Dubliner IRA wurde wiederholt in Auseinandersetzungen mit einer von den Blueshirts organisierten Schlägertruppe verwickelt. Diese sogenannte “animal-gang” bestand aus bezahlten, unpolitischen Jugendlichen aus den Slums, die republikanische Veranstaltungen angriffen.289

Am 3. März 1935 begann der Streik der Dubliner Straßenbahn- und Busfahrer. Er richtete sich gegen Pläne, das Transportmonopol an eine Privatfirma zu verkaufen. Die IRA bot den Streikenden ihre Unterstützung an und erklärte, die Privatisierungspläne widersprächen dem Regierungsprogramm, womit das ‘Governmental Programme’ der IRA von 1932 gemeint war. Daraus leitete die IRA ihre Zuständigkeit ab und bot dem Joint Strike Committee an:

“The Army Council offers the services of the Army to assist in mobilising the maximum support for the Dublin transport workers in their struggle and is prepared to send representatives to meet the Strike Committee for this purpose.”290

Die IRA wandte sich vor allem gegen den Plan der Regierung, die Armee des Freistaates als Streikbrecher einzusetzen und begann, die Lastwagen der Armee zu beschießen. Dabei wurden drei Polizisten verletzt.291 Während die IRA diese Aktionen als Versuch begriff, die illegale Regierung vom Streikbruch abzuhalten, sah die Regierung ihrerseits in den Angriffen einen Versuch der IRA, sich als Gegenmacht zu etablieren, und reagierte alarmiert. Zahlreiche Häuser von Mitgliedern der IRA wie auch des Congress, der ebenfalls den Streik unterstützte, wurden durchsucht, 44 Männer wurden verhaftet. Wegen Mitgliedschaft in einer ungesetzlichen Organisation wurden 18 von ihnen später zu Gefängnisstrafen zwischen einem und sechs Monaten verurteilt. Con Lehane, Mitglied des Army Council, erhielt 18 Monate Gefängnis wegen Aufruhrs.292

Auch außerhalb von Dublin kam es zu Verhaftungen und Verurteilungen. Tom Barry, kommandierender Offizier der IRA in Cork, wurde wegen Anstiftung zum Aufruhr für sechs Monate inhaftiert.293

Die Verhaftungen erschwerten die illegalen Aktivitäten der IRA erheblich und trugen so dazu bei, die Entscheidung für einen erneuten Vorstoß in die Politik zu erleichtern. Am 21.9.1935 beschloß die Army Convention, erneut eine Partei aufzubauen, die an Wahlen in beiden Teilen Irlands teilnehmen, aber gewonnene Sitze nicht einnehmen sollte. Sean MacBride gehörte zu den Hauptbefürwortern dieses Projektes, während Chief of Staff Twomey wiederum zögerte. Trotzdem gehörte er zu den Repräsentanten der IRA auf dem Gründungskongress der Cumann Poblachta na hEireann (CPE) am 7.3.1936. Zur Führung der Partei gehörten außer MacBride und Twomey auch Andrew Cooney, Chief of Staff während des Bürgerkrieges, James P. Brennan, der später in Clan na Poblachta eine wichtige Rolle spielte, und Patrick MacLogan, der für die Nationalistische Partei den nordirischen Wahlkreis South-Armagh in Westminster vertrat.294

Cumann Poblachta na hEireann brachte kein neues Programm hervor. Gegründet als Konkurrenz zum Republican Congress,295 nahm die Partei an den Dubliner Kommunalwahlen im Juni 1936 teil und schnitt ebenso kläglich ab wie die Kandidaten des RC: Im Wahlkreis 2 (Nord-Ost) erhielt Frank Ryan 418 Stimmen, A. Lynn als Kandidat der CPE 482 Stimmen. Im Wahlkreis 3 (Nord-West) stimmten 730 Wähler für Gilmore und 720 für den CPE-Kandidaten Fitzpatrick, bei etwa 32000 Stimmberechtigten je Wahlkreis.296 Die CPE hielt noch einen Parteitag im November ab und verschwand,297 allerdings nicht ohne zuvor eine erneute Krise in der IRA heraufzubeschwören.

Am 19.5.1936 tagte eine außerordentliche Army Convention in Dublin und beriet die Forderung Sean MacBrides nach aktiver Unterstützung der CPE durch die IRA. Moss Twomey argumentierte dagegen, dies sei nichts anderes als de Valeras Forderung vor der Gründung der Fianna Fail. Nach einer hitzigen Debatte, in der sich eine Mehrheit für den Vorschlag MacBrides abzeichnete, verließen Twomey und weitere führende Offiziere die Versammlung.298

Zwei Tage später wurde Twomey verhaftet, gemeinsam mit einem Großteil der Offiziere der Dubliner Brigade. MacBride, Russell und Donal O’Donoghue konnten sich rechtzeitig absetzen. O’Donoghue, der nach dem Ausscheiden von Ryan und O’Donnell die An Phoblacht herausgab, wurde jedoch am 8. Juli in Kerry verhaftet. In Cork entkamen nur Barry, Lynch und Griffin dem Zugriff der Garda.299 Dieser Verlust an Offizieren wog umso schwerer, als bereits im April die gesamte Führung des Northern Command sowie Mike Kelly (GHQ) und Jim Killeen (Adjutant General) in Belfast festgenommen worden waren.300

Die erneute Verhaftungswelle im Freistaat war zum einen ein Reflex auf IRA-Aktivitäten während des Streiks der Bauarbeiter in Dublin. Die IRA hatte englische Streikbrecher angegriffen.301 Entscheidender waren aber drei Morde, die zwischen September 1935 und April 1936 verübt wurden:

− Am 2.9.1935 erschoß eine IRA-Einheit Roderick More O’Farrell in Edgeworthtown. O’Farrell war der Sohn eines Landagenten, den die IRA für die Vertreibung kleiner Pächter verantwortlich machte. Bei dem Versuch, den Vater zu entführen - er sollte vermutlich geteert und gefedert werden -, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf O’Farrell von einer Kugel getroffen wurde.302
− Vize-Admiral a.D. Henry Boyle Townsend Somerville wurde von der IRA beschuldigt, als englischer Agent 52 Iren in die britische Armee geschickt zu haben.303 Er hatte der Bitte einiger junger Nachbarn entsprochen, ihnen Referenzen für eine Bewerbung bei der britischen Marine zu geben. Am Abend des 24.3.1936 wurde er an der Haustür erschossen.

Tom Barry als C/O Cork hatte, mit Billigung des GHQ, Anweisung gegeben, “to ‘get’ the admiral”.304 Nach Meinung Bells war damit seine Entführung gemeint, nicht die Exekution. In der Öffentlichkeit wurde diese Aktion besonders scharf verurteilt:

“The shooting of an elderly man who had come unsuspectingly to the door of his home to answer a knock did more to alienate popular sympathy from the I.R.A. than any single act since the shooting of Kevin O’Higgins”.305

− Volunteer John Egan wurde von einem Kriegsgericht der IRA zum Tode verurteilt und am 24.4.1936 exekutiert. Er wurde beschuldigt, seinen vorgesetzten Offizier der Polizei verraten zu haben.306

Mit diesen Aktionen war für Fianna Fail das Maß voll. Ihre ehemaligen Kampfgefährten hatten sich in ihrer Sicht endgültig diskreditiert. Auf die bereits erwähnten Verhaftungen folgte am 18.6.1936 das Verbot der IRA aufgrund des Artikels 2a der Verfassung, den FF 1932 ausgesetzt, aber nicht aus der Verfassung gestrichen hatte.307 Vor dem Dail, das zwei Tage über das Verbot debattierte, sagte Justizminister Gerald Boland:

“The fact that these murders have occurred ... makes it clear that stern action must be taken against any organisation which claims to have the power of life and death over its members or ex-members, or other citizens, or which claims that it is entitled to use force upon the community to compel obedience to its will. I now give definite notice to all concerned that the so-called Irish Republican Army, or any organisation which promotes or advocates the use of arms for the attainments (sic!) of its object will not be tolerated.”308

Daß FF selbst nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel war, zeigte sich im Prozeß gegen Twomey: Er wurde einen Tag nach dem Verbot der IRA wegen Mitgliedschaft in einer ungesetzlichen Organisation zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt309 - die Mitgliedschaft in der IRA war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung noch kein Verbrechen.

Ende 1936 lag die IRA am Boden. In Nordirland wie im Freistaat saßen zahlreiche Offiziere im Gefängnis, die Kommandostruktur war weitgehend zerschlagen. Sean MacBride, der als neuer Chief of Staff310 nun den politisch orientierten Flügel anführte, und Quartermaster- General Sean Russell als Vertreter des militaristischen Flügels konnten sich nicht auf eine Strategie einigen:

“MacBride’s position was that the IRA should be ready to avail of the world situation in order to make the Irish Republic a reality. Russell wanted positive action to bring about the Republic.”311

Zum Bruch kam es aber nicht an diesen prinzipiellen Fragen, sondern anhand einer Lappalie: Russell, der für Waffen und Geld verantwortlich war, ignorierte die Anweisung MacBrides, exakt Buch zu führen. Obwohl es außer Zweifel stand, daß Russell nie etwas unterschlagen hatte, mußte er sich vor einem Kriegsgericht wegen Mißbrauchs von Finanzen der IRA verantworten, wo MacBride eine Verurteilung erzwang, durch die Russell aus dem Kreis der Führung ausgeschlossen wurde.312 Russell reiste im Herbst 1936 ohne Erlaubnis in die USA, um die Geldbeschaffungsmaßnahmen des Clan na Gael zu unterstützen, und versicherte sich der Unterstützung von Joe McGarrity für seine militärischen Pläne.313 Für seine Gegner bedeutete diese Eigenmächtigkeit, daß Russell als nicht mehr zur Armee gehörend angesehen wurde.

Gleichzeitig arbeiteten jene, die Russells Plan eines Angriffs auf England unterstützen, im Stillen innerhalb der IRA am Aufbau einer Fraktion, die zu gegebener Zeit die Führung übernehmen könnte.314 Die Ungeduld wuchs aber auch unter jenen, die Russells Kampagne nicht unterstützten. Gegen den Rat des AC folgte eine große Mehrheit der Army Convention im De- zember 1936 Tom Barrys Vorschlag, innerhalb von sechs Monaten massive Aktionen gegen die Briten in Nordirland zu beginnen.315 Nach diesem Beschluß bot das AC Tom Barry den Posten des Chief of Staff an. MacBride wäre, so Bells Analyse der Situation, von der Armee nicht auf Dauer akzeptiert worden, da er als zu politisch und generell merkwürdig galt: “the average Vol- unteer felt MacBride was a strange Irishman: he had a peculiar accent, too much education, and was very, very clever.”316 Zudem hätte niemand den Posten haben wollen, angesichts der Ver- pflichtung zur Aktion, die in krassem Widerspruch zur realen Stärke der Organisation stand.317

“If Barry wanted to invade the north within six months, he could now do so as the head of the Army. Less cynically, Barry was a good choice. He was well-known and popular in the IRA and out, one of the outstanding soldiers of the Tan War and, as the Army Executive knew, far shrewder than his simple soldier image and far too practical to involve the IRA in any wild Northern campaign of the scope proposed for England by Russell’s advocates.”318

Unter Barrys Leitung begann die Vorbereitung auf den Angriff in Nordirland. Die Planung beschränkte sich auf einen einzigen, großen Angriff, der bei Erfolg eine allgemeine Kampagne einleiten sollte. Barry verließ sich dabei hauptsächlich auf seine eigene Einheit in Cork. Eine 26-köpfige Einheit war schon auf dem Weg in ihre Ausgangsstellungen nahe der Grenze, von wo aus sie die britische Kaserne in Armagh angreifen sollte, als eine Vertreterin von Cumann na mBan im Hauptquartier eintraf. Sie bat darum, den Mitgliedern von CnB die Teilnahme an der Aktion zu erlauben. Der Angriff wurde sofort abgebrochen, und mit ihr die Kampagne in Nordirland. Die geheime Aktion, von der außerhalb des Hauptquartiers nur die beteiligte Einheit in Cork und wenige Mitglieder des Northern Command unterrichtet sein sollten, wurde, wie sich herausstellte, nicht nur in der ganzen Armee diskutiert, sondern auch offen auf Treffen von Cumann na mBan besprochen!319

Damit war offensichtlich, daß die IRA für den Moment ihre Operationsfähigkeit verloren hatte. Welchen Wert hatte eine Geheimarmee, deren Pläne im voraus quasi öffentlich diskutiert wurden? Hinzu kamen die ständigen Querelen zwischen den verschiedenen Flügeln in der Führung. Peadar O’Flaherty war von Barry zum Adjutant General berufen worden, in der Hoffnung, durch die Ernennung eines engen Vertrauten Russells dessen Gefolgschaft zu beru- higen. Stattdessen weigerte sich O’Flaherty, Befehle des GHQ auszuführen, und ersetzte, so berichtet es Bell, unbemerkt die Führung der IRA in England mit Gefolgsleuten Russells.320 Nachdem dies bekannt wurde, fuhr der neue Chief of Staff, Michael Fitzpatrick (s. u.), nach London, und machte diese Entscheidung rückgängig. Von dieser Darstellung Bells weicht allerdings die Version Coogans erheblich ab. Danach wurde Jack Lynch, C/O von Großbritannien, verhaftet, und an seiner Stelle Jimmy Joe Reynolds ernannt, der den gesamten Stab entließ. Die gesamte Affäre sei, so Coogan, aufgeblasen worden, wobei “Cumann na mBan women’s gossip” eine Rolle spielte.321 Da keiner der beiden Autoren seine Version belegt, und weitere Darstellungen fehlen, kann dieser Widerspruch nicht gelöst werden.322

Sean MacBride war von Barry zum Intelligence Officer ernannt worden, beschäftigte sich aber mehr mit den Resten von Cumann Poblachta na hEireann als mit der IRA.323 Als Mitte 1937 auch noch Barry seine Absicht bekanntgab, als C/S zurückzutreten, blieb nur noch Michael Fitzpatrick aus Dublin übrig, um sein Amt zu übernehmen. Er war QMG unter Barry, stellte aber als C/S für alle Fraktionen nur einen Übergang dar. Die einen hofften auf die Freilassung von Twomey und Killeen, die anderen bereiteten die Übernahme durch Sean Russell vor.324

Die Übernahme erfolgte auf der Army Convention im April 1938 in Dublin. Russell selbst konnte nicht anwesend sein, da er nach Meinung des Army Council nach wie vor nicht zur IRA gehörte.325 Aufgrund der verdeckten Arbeit seiner Anhänger war die Versammlung aber gut besucht, und die Mehrheit der Anwesenden unterstütze die Forderung, endlich wieder aktiv zu werden. Obwohl alle, die in den vergangenen Jahren führende Positionen innegehabt hatten, unter Führung von Barry gegen Russells Plan und gegen seine Nominierung als C/S argumentierten, war ihre Sache verloren, nachdem Maurice Twomey, gerade aus der Haft ent- lassen, sich weigerte, die Führung zu übernehmen. Die GAC wählte eine Exekutive, in der die Anhänger Russells eine deutliche Mehrheit hatten, die Exekutive ernannte ein Army Council, das ausschließlich aus solchen bestand; neben Sean Russell gehörten George Plunkett (bekannt wegen seiner Teilnahme am Osteraufstand), Stephen Hayes (C/O Wexford), Peadar O’Flaherty, Larry Grogan aus Drogheda, Máirtin O’Caidhain (C/O Dublin) und Patrick Fleming (Kerry HQ) zum neuen AC. Sie ernannten Russell zum Chief of Staff.326

Daß Russell für einen Plan, der bis dahin nur eine vage Idee und, wie noch zu zeigen sein wird, von vornherein zum Scheitern verurteilt war, eine Mehrheit bekam, ist nur vor dem Hintergrund der oben geschilderten Ereignisse in den Jahren seit 1934 zu verstehen. Tim Pat Coogan scheint es sich etwas zu einfach zu machen, wenn er in diesem Zusammenhang nur davon spricht, Russell habe an die jungen Männer in der IRA appelliert.327 Es muß betont werden, daß nach dem Scheitern des Republican Congress, dem Scheitern von MacBrides CPE, dem Scheitern von Barrys Plänen in Nordirland, nach vier Jahren, in denen die IRA zahllose Verhaftungen und Beschlagnahmungen von Waffen hinnehmen mußte, Russell tatsächlich der einzige war, der einen Plan für die Zukunft präsentierte. Statements von Russell, in denen er von einer Luftwaffe der IRA sprach, die England bombardieren werde,328 wirken heute geradezu grotesk, wenn man in Betracht zieht, daß zum Beispiel die Bewaffnung der Londoner IRA- Gruppe aus einem Thompson-Gewehr und sechs Revolvern bestand.329 Die Annahme ist aber durchaus plausibel, daß die große Mehrheit der Volunteers die reale Stärke der Armee nicht abschätzen konnte.

Die Wahl Russells zum Chief of Staff führte zum Rückzug fast aller prominenter Offiziere aus der IRA. Die Liste derjenigen, die - zum Teil durch formalen Austritt, zum Teil durch stillen Rückzug - aus der IRA ausschieden, umfaßt u. a. Tom Barry, Thomas MacCurtain, John Joe Sheehy, Sean Keating, Michael Fitzpatrick, Sean MacBride, Con Lehane, Tadgh Lynch, Patrick McLogan, Donal O’Donoghue und James Hannaghan.330 Drei Einheiten in Cork verweigerten dem neuen AC die Gefolgschaft, in Dublin verlangte die 3. Brigade eine außerordentliche GAC.331 All dies wurde von Russell ignoriert, der gezwungen war, zahlreiche Posten neu zu besetzen, und dabei zum Teil auf unerfahrene Volunteers zurückgreifen mußte:

“At last Russell dominated the IRA but it was very different from the organization to which he had given a quarter century of his life ... Russell’s IRA was by no means a rump organization nor were all his officers either untrained or new to leadership but the famous names had gone, the level of competence had been lowered, and the intellectual resources of the Army depleted.”332

In einigen Fällen gelang es Russell, ehemalige Mitglieder zu erneuter Unterstützung der IRA zu bewegen. Zu erwähnen sind besonders Patrick McGrath, als Teilnehmer am Osteraufstand bekannt, der in Russells GHQ mitarbeitete und im Herbst 1939 den Hungerstreik der inhaftierten Volunteers anführte, sowie Seamus O’Donovan, während des Bürgerkrieges verantwortlicher Offizier für Sprengstoffe im Hauptquartier der Republikaner, der den Plan für die Bombenkampagne aufstellte.333 Dieser sogenannte S-Plan war, darin besteht Übereinstimmung bei allen Autoren, für sich genommen genial. Er sah die Zerstörung der Kernstücke der britischen Kommunikationssysteme, der Verkehrswege sowie der Kriegsindustrie vor.334 Wäre die IRA in der Lage gewesen, diesen Plan tatsächlich umzusetzen, “hätte England eine schwere Zeit bevorgestanden”.335

7.2 Die Bombenkampagne

Bevor die Bombenkampagne im Januar 1939 begann, bemühte sich Sean Russell, den Hauch von Putschismus, der seiner Übernahme der Führung anhaftete, durch die Autorisierung von anderer Seite auszugleichen. Es gelang ihm, die verbliebenen Mitglieder des Second Dail davon zu überzeugen, ihre Autorität auf die IRA zu übertragen.336 Von diesem Zeitpunkt an war das Army Council, in den Augen der Republikaner, die einzige legitime Regierung in Irland.

Mit dieser Rückendeckung und der erneuten Bestätigung seiner Politik durch eine außerordentliche Army Convention,337 unternahm das AC am 12. Januar 1939 den entscheidenden Schritt und verschickte einen Brief an den britischen Außenminister Lord Halifax, den britischen Premier Chamberlain, die nordirische Regierung, an Hitler, Mussolini “and anyone else whom the I.R.A. thought would be moved by such a document”.338 Auffällig ist, daß die Regierung des Freistaates Irland hier nicht erwähnt wird.

Unter dem Briefkopf des Hauptquartieres der IRA schrieb Patrick Fleming als Sekretär des Army Council:

“Your Excellency,

I have the honour to inform you that the Government of the Irish Republic, having as its first duty towards the people the establishment and maintenance of peace and order here, demand the withdrawal of all British armed forces stationed in Ireland.

These forces are an active incitement to turmoil and civil strife, not only in being a symbol of hostile occupation, but in their effect and potentialities as an invading army.

It is secondly the duty of the Government to establish relations of friendship between the Irish and all other peoples and to achieve this we must insist on the withdrawal of British troops from our country and a declaration from your Government renouncing all claims to interfere in our domestic policy.”339

Der Text fährt fort, Irland habe keinen Grund zur Feindseligkeit gegenüber irgendeiner europäischen Nation, auch nicht, wenn deren natürliche Entwicklung sie in Konflikt mit Großbritannien bringen sollte. Die Anwesenheit britischer Truppen berge die Gefahr, daß Irland mit England identifiziert und so in einen Krieg hineingezogen werde. Die Regierung wie auch das Volk Irlands wünsche gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Großbritannien auf der Basis zweier absolut souveräner Staaten. Aber, so heißt es abschließend:

“We shall regret if this fundamental feeling is ignored and we are compelled to intervene actively in the military and commercial life of your country as your Government are now intervening in ours.

The Government of the Irish Republic believe that a period of four days is sufficient for your Government to signify its intention in the matter of the military evacuation and for the issue of your Declaration of Abdication in respect of our country. Our Government reserve the right of appropriate action without further notice if on the expiration of the period of grace, these conditions remain unfulfilled.”340

Nachdem in den folgenden vier Tagen niemand auf dieses Ultimatum reagierte, rief das Army Council am 16. Januar in einer von Joe McGarrity verfaßten Proklamation die Iren in aller Welt zum Kampf auf.341 In der selben Nacht explodierten die ersten sieben Bomben in London, Manchester, Birmingham und Alnwick,342 und in Manchester war das erste Todesopfer der Kampagne zu beklagen.343 Damit war gleich zu Beginn der Kampagne Russells Annahme widerlegt, die Kampagne könne sich auf saubere Kriegsführung beschränken, ohne zivile Opfer zu fordern. Sie wurde im Gegenteil äußerst schmutzig und blutig.344

Zwischen Januar und Juni 1939 explodierten 120 Bomben in England, es gab 70 Verletzte und einen Toten, nicht eingerechnet die Volunteers, die beim Hantieren mit ihren hausgemachten Bomben selbst verletzt wurden.345 Zu keinem Zeitpunkt nach dem 16. Januar unternahm die IRA einen ernsthaften Versuch, O’Donovans ambitionierte Planung in die Tat umzusetzen. Dies zeigt sich schon daran, daß den C/O der einzelnen Einheiten freie Hand bei der Wahl der Ziele gelassen wurde.346 Nicht die im S-Plan aufgeführten Nervenzentren wurden angegriffen, sondern Gepäckaufbewahrungsanlagen, Kinos und am Ende Briefkästen.347

Was den Offizieren im Dubliner Hauptquartier von vornherein hätte klar sein müssen, wurde schnell offensichtlich: der Bombenkampagne fehlte jegliche strategische Basis.348 Obwohl zwischen April 1938 und Januar 1939 größte Anstrengungen unternommen worden waren, die technischen und personellen Probleme zu bewältigen, verfügte die IRA am Ende nur über eine kleine Zahl ausreichend geschulter Männer. Fisk bemerkt dazu:

“The bombs were constructed and primed by a contingent of young Irishman, some of whom

- lonely and with only a vague notion of republican ideology - were recruited in London pubs. Others, over-confident and possesing little technical skill, were sent to Britain by the IRA merely to be arrested within a few days by the police.”349

Auch Bell teilt diese Einschätzung und faßt zusammen:

“Moreover, the quality of explosives, home-made or stolen, was not the best. Sophisticated devices were out of the question. Many chemicals were not available to GHQ, some ingredients could only be aquired by theft ... Thus the campaign would have to depend on poorly trained men using doubtful materials of limited efficiency.”350

Coogan formuliert dies sogar noch schärfer: Bezüglich der britischen Einheiten schreibt er, “in terms of military power the I.R.A. scarcely functioned”.351

Zu diesen Schwierigkeiten kamen noch finanzielle Probleme hinzu. Die Kosten der Kampagne überstiegen bei weitem die Mittel der IRA. Zwar hatte der Clan na Gael seine Unterstützung zugesichert, aber, so betont Bell, sollte zu irgendeinem Zeitpunkt die “American pipeline” brechen, wäre die gesamte Kampagne gefährdet.352 Als diese Verbindung durch den Kriegsausbruch tatsächlich unterbrochen wurde, trug die einsetzende Geldknappheit zur Bereitschaft der IRA bei, sich auf Geschäfte mit Nazi-Deutschland einzulassen (vgl. 7.4). Die Einstellung der Schiffsverbindung zwischen Irland und den Vereinigten Staaten hatte aber noch eine andere schwerwiegende Folge: Sean Russell, der sich seit März 1939 in den USA aufhielt, um die Geldsammlung des Clan na Gael zu unterstützen, war der Rückweg versperrt (vgl. 7.5). Dadurch blieb Stephen Hayes, den Russell als seinen Stellvertreter eingesetzt hatte, bis Mitte 1941 C/S. Die Affäre um seine Person wird in Kapitel 7.5 beleuchtet werden. Vorgreifend sei aber zum besseren Verständnis schon an dieser Stelle bemerkt, daß die IRA damit ausgerechnet in einer Situation, in der aufgrund sich überschlagender Ereignisse täglich schnelle Ent- scheidungen von großer Tragweite getroffen werden mußten, einen Mann an ihrer Spitze hatte, der mit dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert war.

Die Bombenkampagne erreichte einen traurigen Höhepunkt mit der Explosion in Coventry am 25.9.1939. Fünf Menschen starben und 60 wurden verletzt, als eine Bombe am Nachmittag in der Hauptgeschäftsstraße explodierte.353 Die Bombe war für ein anderes Ziel vorgesehen gewesen, aber der Volunteer, der die bereits scharf gemachte Zeitzünderbombe mit seinem Fahrrad durch Coventry transportierte, blieb im Verkehr stecken und wurde schließlich so ner- vös, daß er das Fahrrad einfach stehen ließ.354 Der Tod eines 81-jährigen und eines Schulkindes schuf in der britischen Bevölkerung eine Stimmung, die nicht nur den Volunteers die Fortführung der Kampagne sehr erschwerte, sondern sich gegen alle Iren richtete: “suddenly Britain seemed filled with mad celts carrying bombs.”355

Die Bombenkampagne schleppte sich noch bis März 1940 dahin, aber die große Begeisterung und Zuversicht war auch im GHQ vorbei, nachdem mehrere Offiziere englischer Einheiten, unter ihnen der C/O aller Einheiten in England, Eoin MacNamee, bereits im März 1939 die Einstellung der Kampagne verlangt hatten.356 Russell hatte gehofft, de Valera werde zumindest im Stillen die Kampagne befürworten und der IRA dankbar sein, wenn sie die Briten an den Verhandlungstisch zwänge.357 Diese Erwartung ignorierte nicht nur die politischen Realitäten in Irland und England, sondern insbesondere auch die europäische Situation kurz vor Kriegsausbruch. Daß de Valera längst, und aus seiner Sicht erfolgreich, mit Großbritannien verhandelte (vgl. 7.3), scheint Russell und seinen Anhängern keine Überlegung wert gewesen zu sein. Für Eamon de Valera und die Mitglieder seines Kabinetts bedeutete die Bombenkampagne nicht weniger als einen Angriff auf ihre Autorität als Regierung und eine Gefährdung der irischen Neutralität im kommenden Krieg, zumal die Gefahr bestand, daß sich die IRA mit Deutschland verbünden würde.358 Von daher kann es nicht überraschen, daß Irland Groß- britannien mit der Verabschiedung von Sondergesetzen zuvor kam,359 während die britische Polizei sich zunächst mit einer großzügigen Auslegung ihrer normalen Befugnisse zufrieden geben mußte.360

Am 14.6.1939 verabschiedete das Dail den Offences Against the State Act.361 Er erlaubte die Durchsuchung, Verhaftung und Internierung auf Verdacht, wozu aber vorerst noch ein Gerichtsbeschluß nötig war. Am 22. August wurden diese Vollmachten in Kraft gesetzt, drei Tage später folgte die Einrichtung eines militärischen Sondergerichtes in Dublin.362 In England erhielt das Prevention of Violence Bill am 29. Juli in dritter Lesung die Zustimmung aller Fraktionen.363 Dieses sah eine verschärfte Immigrationskontrolle, die Registrierung aller in Großbritannien lebenden Iren, die Möglichkeit der Deportation sowie der Internierung vor.364

Die Polizei durchsuchte systematisch jedes Haus in den von Iren bewohnten Bezirken.365 Unter den wegen Sprengstoffbesitzes Verhafteten waren viele, die nicht einmal wußten, was sie in ihren Häusern aufbewahrt hatten.366 In Coventry wurden James McCormack, Peter Barnes und drei weitere Mitglieder der IRA verhaftet und des gemeinschaftlich begangenen Mordes an- geklagt.367 Barnes und McCormack wurden Mitte Dezember zum Tode verurteilt, obwohl sie an der Operation nur in einem frühen Stadium beteiligt gewesen waren und damit, nach Meinung vieler Iren auch außerhalb der IRA, nicht für das Desaster in Coventry verantwortlich gemacht werden konnten.368 Vor ihrer Hinrichtung am 7.2.1940 gingen Gnadengesuche von jeder Körperschaft in Irland, einschließlich der Regierung, ein.369 In Nordirland erging Weisung, alle Internierten - etwa 60 Volunteers - bis zum Ende des Krieges in Haft zu behalten.370

Für die irische Regierung war die Situation weitaus schwieriger als für die englische, die mit der vollen Unterstützung der Bevölkerung rechnen konnte.371 Noch immer hatten viele Mitglieder und Wähler der FF Sympathien für die IRA, so daß jede Verschärfung der Gesetze, jeder Schritt gegen die IRA sorgfältig geplant werden mußte.

Am 2. September reagierte das Dail auf den Beginn des zweiten Weltkrieges mit der Verabschiedung einer Notstandsgesetzgebung, die noch einmal eine Erweiterung der Befugnisse der Regierung bedeutete (Emergency Powers Bill).372 Eine Woche später übernahm Gerald Boland, innerhalb der FF-Führung einer der entschiedensten Gegner der IRA, das Justizministerium, und ließ die IRA sofort spüren, daß die Lage sich verändert hatte. Bereits am 9. September gelang der Special Branch (ehemals Broy-Harriers) die Verhaftung von vier Mitgliedern des GHQ, Larry Grogan, Peadar O’Flaherty, Willie McGuinness und Patrick McGrath.373 Im Laufe des Monats wurden alle exponierten Vertreter der IRA, mit Ausnahme von C/S Stephen Hayes, verhaftet. Übrig blieben nur jene, die der Polizei noch nicht bekannt waren oder die schon zuvor untergetaucht waren.374

Dadurch verlegte sich der Schwerpunkt der Auseinandersetzungen immer mehr in die Gefängnisse, wo die über 100 Inhaftierten375 die traditionelle Waffe republikanischer Gefangener in Irland, den Hungerstreik, nun erstmals gegen Fianna Fail einsetzten. Bell umreißt die Probleme der Regierung sehr genau:

“To concede too quickly would soon empty the prisons and make a mockery of the law. To wait too long would engender the wrath of a people all too familiar with their heritage of heroes who had sacrificed themselves for their beliefs.”376

Besonders der Hungertod Patrick McGraths, der als Teilnehmer des Osteraufstandes bekannt war, hätte das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung erschüttert.

“To allow him to die - and die he would, for though weak in body his spirit was implacable - would be scandalous. His ‘crime’ was loyalty to ideas once held by the men imprisoning him and his means no different than theirs had been in the past. Times may have changed but McGrath had not.”377

Trotzdem entschloß sich das Kabinett, nicht nachzugeben, und verkündete am 7.11.1939 seine Entschlossenheit, keinen der Gefangenen freizulassen. Nachdem Sean MacBride jedoch erfolgreich eine Verfassungsklage gegen den Offences Against the State Act vorbrachte,378 wurden am 1. Dezember die ersten 53 Inhaftierten auf freien Fuß gesetzt.379 Der Hungerstreik wurde beendet und die Welle der Verhaftungen brach ab.

Damit hätte für die IRA die Chance bestanden, die fruchtlose Kampagne in England abzublasen und ihre stark geschwächten Kräfte in Irland zu reorganisieren. Wenn Bell recht hat mit der Einschätzung, daß in den Augen de Valeras niemand der Neutralitätspolitik so viel schaden konnte wie die IRA,380 dann ist auch nicht auszuschließen, daß ein Rückzug zu diesem Zeitpunkt noch die Möglichkeit eines Stillhalteabkommens zwischen der IRA und der Regierung in Dublin hätte eröffnen können. Diese Frage nach den Handlungsalternativen wird noch einmal aufgegriffen werden, nachdem die bisher fehlenden Elemente, Neutralitätspolitik und deutsche Irlandpolitik, zumindest in ihren Grundzügen umrißen worden sind.

Hayes, der sich aus Angst vor einer Verhaftung so gut versteckte, daß er zeitweise völlig den Kontakt verlor,381 ließ auch diese Chance ungenutzt verstreichen. Statt dessen gab er grünes Licht für eine Aktion, die mit Sicherheit alle konstitutionellen Bedenken gegen die Internierung beiseite wischen mußte: während die Regierung alle diplomatischen Kanäle nutzte, um die befürchtete Invasion Irlands, sei es von deutscher oder britischer Seite, abzuwenden, machte sich die IRA daran, praktisch die gesamten Munitionsvorräte der regulären Armee zu stehlen.

Spätestens seit 1937 wurden in der IRA Überlegungen angestellt, die Munitionsknappheit durch einen großen Coup zu beheben.382 Da sich die Situation durch das Ausbleiben von Lieferungen aus den USA erheblich verschärfte, beschloß das AC, die Möglichkeit für einen Überfall auf die Hauptmunitionsdepots der irischen Armee, das Magazine Fort im Dubliner Phoenix Park und die nahegelegenen Islandbridge Barracks, zu prüfen. Dabei stellte sich heraus, daß im Magazine Fort keine ernstzunehmenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden waren.383

Am 23.12.1939 erbeutete die IRA im Magazine Fort dreizehn Lastwagen voll Munition, insgesamt 1.084.000 Schuß, ohne daß es zu einem Schußwechsel gekommen war.384 Die Freude über den gelungenen Coup war allerdings von kurzer Dauer. Zwar waren die Einheiten im ganzen Land angewiesen worden, Verstecke vorzubereiten, über den zu erwartenden Umfang der Beute waren sie aber nicht informiert worden. Als am nächsten Morgen die bis dahin größte Durchsuchungsaktion in der Geschichte Irlands begann, war für einen Großteil der Munition noch kein Versteck gefunden. Bereits nach einer Woche hatte die Armee 850.000 Schuß zu- rückgewonnen, am Ende besaß sie sogar mehr Munition als vor dem Überfall.385

Trotz dieses schnellen Erfolges war die Regierung nun entschloßen, die Internierung durchzusetzen. Mit der am 5. Januar verabschiedeten Änderung des Emergency Powers Act wurde die Ermächtigung zur Internierung irischer Staatsbürger in die Kriegsgesetze übernommen und so der Kontrolle durch die Justiz entzogen.386 Von diesem Zeitpunkt an war es bedeutungslos, wie die Gerichte entschieden: “the length of sentence was in fact immaterial. Boland’s new powers ensured that men released from prison went directly into the Curragh Camp, and internment would last as long as the government felt an emergency existed.”387

Ab Februar 1940 war die IRA im Freistaat nicht mehr zu größeren Aktionen in der Lage. Mit der ständig steigenden Zahl von Inhaftierten lösten sich die Kommandostrukturen auf, der Kontakt zwischen GHQ und den einzelnen Einheiten wurde schwieriger. Das Army Council bestand zeitweilig nur aus Stephen Hayes, und das GHQ mußte sich damit begnügen, soweit wie möglich die Organisation am Leben zu halten.388

Lediglich in Nordirland gelang es dem Northern Command unter der Führung von Sean McCaughey (C/O) und Frank McGlade (A/G), seine Strukturen weitgehend intakt zu erhalten und sogar auszubauen.389 Damit wurde die Voraussetzung für die Übernahme der Führungspositionen in der IRA nach der Absetzung Hayes’ geschaffen.

7.3 Exkurs: Irlands Neutralitätspolitik

Der folgende Abschnitt soll dazu dienen, einen Teil des Hintergrundes zu erhellen, vor dem sich die Geschichte der republikanischen Bewegung in Irland zwischen 1939 und 1945 abspielte. Im Rahmen dieser Arbeit können dabei nur grobe Umriße skizziert werden.390

Der Politologe Trevor C. Salmon weist darauf hin, daß bereits bei den Verhandlungen über den Anglo-irischen Vertrag 1921 von irischer Seite der Vorschlag gemacht wurde, Irland das Recht einer von Großbritannien garantierten Neutralität einzuräumen. Die britische Delegation lehnte nicht nur diesen Vorschlag ab, sondern erzwang darüberhinaus die Nutzungsrechte für drei Häfen des künftigen Freistaates, die sogenannten “Treaty-Ports”.391 Als Teil des Commonwealth wäre Irland verpflichtet gewesen, England im Kriegsfall zu unterstützen. Erst mit dem Statut von Westminster (1931) erlangten die Dominien das Recht, eine eigenständige Außenpolitik zu betreiben.

Seit seinem Amtsantritt 1932 bemühte sich de Valera, Schritt für Schritt die Verbindung zu Großbritannien zu lösen. Die Abschaffung des Eides auf die britische Krone, den Abgeordnete des Dail bis 1933 zu leisten hatten, die langsame Demontage der Befugnisse des britischen Generalgouverneurs in Irland, und schließlich die Rückgabe der Treaty Ports, die nach der Unterzeichnung des Anglo-Irish Agreements durch de Valera und den britischen Premier Chamberlain 1938 erfolgte, waren Teil dieses Prozeßes.

Damit war die Grundvoraussetzung für die irische Neutralität im II. Weltkrieg geschaffen. Im September 1939 begründete de Valera im Dail, warum er, trotz großer Sympathien für die zukünftigen Alliierten, auf der Neutralität Irlands bestand:

“We, of all nations, know what force used by a stronger nation against a weaker one means. We have known what invasion and partition means; we are not forgetful of our own history and, as long as our own country, or any part of it, is subject to force, the application of force, by a stronger nation, it is only natural that our people, whatever sympathies they might have in a conflict like the present, should look at their own country first and should, accordingly, in looking at their own country, consider what its interests should be and what its interests are.”392

Die irische Regierung sah die Neutralität des Landes von Deutschland und England gleichermaßen bedroht. Für beide Seiten hatte Irland eine wichtige strategische Bedeutung, sowohl als Flottenbasis im Atlantikkrieg als auch durch seine Lage an Englands unzureichend geschützter Westküste. Winston Churchill, zu dieser Zeit First Lord of the Admirality, forderte 1939 im britischen Kabinett, Irland die Treaty Ports notfalls mit Gewalt wieder zu entreißen.393 Churchill hatte von Anfang an Chamberlains Nachgeben in dieser Frage scharf kritisiert. Für ihn waren die Häfen überlebensnotwendig, um die Transportwege über den Atlantik offen zu halten:

“the fact that we cannot use the South and West coasts of Ireland to refuel our flotillas and aircraft, and thus protect the trade by which Ireland as well as Great Britain lives, that fact is a most grevious burden and one which should never have been placed on our shoulders.”394

Während des Krieges, der in Irland meist etwas verharmlosend “the emergency” genannt wird, sah sich die irische Regierung permanent einer drohenden britischen Invasion gegenüber. Dieser Umstand, verbunden mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit Irlands von Großbritannien,395 zwang Irland, “eine gewisse Rücksichtnahme” für England zu zeigen.396

Auch auf deutscher Seite war das Interesse an Irland groß. Während das Außenministerium am 26.11.1940 versicherte, von sich aus werde Deutschland die Neutralität Irlands nicht verletzen,397 und Irland Unterstützung für den Fall eines alliierten Angriffs anbot,398 beschäftigte sich das Oberkommando der Wehrmacht mit den Möglichkeiten zur Inbesitznahme des Landes. Im Kriegstagebuch heißt es am 27.11.1940:

“Irland: Führer beschäftigt sich eingehend mit den Möglichkeiten, Irland in Besitz zu nehmen, ist der Auffassung, daß Irland in deutschen Händen Ende Englands bedeutet. Kriegsmarine untersucht Frage.

LIL: Operationsmöglichkeiten der Luftwaffe. 1. Was bedeutet Besitz Irlands für England gegen uns, 2. was Besitz Irlands für Deutschland, 3. Op. Möglichkeiten.”399

Die erwähnte Untersuchung der Marine kam zu dem Ergebnis, daß “die Entsendung eines Expeditionskorps und die Besetzung der irischen Insel angesichts der überlegenen feindlichen Seemacht, der ungünstigen geographischen Gegebenheiten und der Unmöglichkeit der Zuführung von Nachschub nicht möglich” sei.400 Aufgrund dieser Einschätzung ordnete Hitler an, durch Hempel feststellen zu lassen, ob die irische Regierung deutsche Unterstützung, z. B. in Form von erbeuteten Waffen, wünsche.401 Drei Wochen später meldete Hempel, die irische Regierung habe diesen Vorschlag abgelehnt, gleichzeitig aber durchblicken lassen, daß man im Falle eines englischen Angriffs um deutsche Hilfe bitten werde.402

Lyons weist darauf hin, daß der Verzicht Deutschlands auf eine Invasion Irlands zu diesem Zeitpunkt keineswegs eine Garantie für die Neutralität bedeutete. Bei einem erfolgreichen deutschen Angriff auf England wäre das Schicksal Irlands ebenfalls besiegelt gewesen. “It is fair to say, therefore, that Irish neutrality depended not alone upon the Allies observing it, but upon their forces being strong enough to prevent the Germans from infringing it.”403

De Valera setzte in dieser doppelten Bedrohungssituation voll und ganz auf die Diplomatie. Während auf der einen Seite in formalen Fragen Zugeständnisse an Deutschland gemacht wurden - Eduard Hempel, der einzige deutsche Diplomat, der während des II. Weltkrieges in einem Commonwealth-Land akkreditiert war, durfte sogar die Hakenkreuzfahne vor der Botschaft wehen lassen, während der britische Gesandte auf den Union Jack verzichten mußte404 -, führte de Valeras “certain consideration” auf der anderen Seite zu einer informellen Zusammenarbeit Irlands und Großbritanniens. Diese erstreckte sich von der humanitären Hilfe, der Aufnahme von 2000 Frauen und Kindern aus den zerbombten englischen Städten, über den Informationsaustausch der Geheimdienste bis zu der Erlaubnis für die britische Marine, deutsche U-Boote in irische Gewässer verfolgen zu dürfen.405

Die deutschen Erfolge auf dem Kontinent nahmen im Sommer 1940 für England so bedrohliche Ausmaße an, daß jederzeit mit einer deutschen Invasion Irlands gerechnet wurde. Von den Geheimdiensten gingen Berichte ein, die Deutschen hätten in Zusammenarbeit mit der IRA detaillierte Pläne ausgearbeitet.406 Sir Charles Tegart, Spezialist für Aufstandsbekämpfung, meldete, in Irland warteten bereits 2000 zukünftige Gauleiter unter Führung des “lokalen Quisling” Sean Russell auf die Machtübernahme.407

In dieser Notlage war das Kabinett sogar bereit, die Kontrolle über Nordirland aufzugeben. Chamberlain äußerte im Kabinett, “that the interests of Northern Ireland could not be allowed to stand against the vital interests of the British Empire.”408 Es kam zu Verhandlungen zwischen de Valera und dem britischen Gesundheitsminister MacDonald, der im Auftrag des Kabinetts einen Tausch anbot: sollte Irland an der Seite der Alliierten in den Krieg eintreten, so würde England die Vereinigung mit Nordirland herbeiführen. Diese Verhandlungen wurden hinter dem Rücken der Regierung Nordirlands geführt. Zu einer Einigung kam es letztendlich nicht; England war nicht bereit, vor dem Kriegseintritt Irlands mehr als eine grundsätzliche Erklärung über die Vereinigung der Insel abzugeben, und de Valera weigerte sich, aufgrund eines vagen Verspre- chens das irische Volk in einen Krieg zu führen.409

Diese Ereignisse, die sich zur gleichen Zeit wie die Bombenkampagne abspielten, machten für das irische Kabinett eine Unterdrückung der IRA zwingend.

“To avoid provocation was vital, and the illicit coterie who called themselves the Irish Re- publican Army and the Government of Ireland, who sent misguided men to detonate bombs in Britain, was provocative in the extreme ... Thus, to maintain the neutrality that every Irishman desired he (de Valera, d.V.) would have to neutralize the IRA ... The IRA had the potential to do more damage more quickly than any other group in Irish politics.”410

Der einzige Versuch, eine republikanische Politik in Antwort auf den Beginn des Krieges und de Valeras Strategie zu formulieren, kam von Peadar O’Donnell und George Gilmore. Sie veröffentlichten ein Poster, das unter dem Titel A Republican Answer die wichtigsten Aspekte der Situation in Irland analysierte. Darin wurde jede Unterstützung für einen der Kriegs- teilnehmer abgelehnt, die Politik der Regierung zur Unterdrückung der IRA verurteilt und die IRA selbst aufgefordert, alle Kontakte zu Deutschland und seinen Helfern in Irland abzubrechen. Für alle republikanischen Kräfte sei die Verteidigung des Landes gegen eine drohende Invasion die vordringliche Aufgabe, die nur durch ein Bündnis zwischen der IRA und Fianna Fail gelöst werden könne: “the question for everybody with any responsibility to the Republican movement is, how best to co-operate with the people to organise for neutrality as they were organised to beat off conscription. The first need for such organisation is unity among Republicans.”411

Es gibt keinen Hinweis darauf, daß in der Führung der IRA diese Problematik überhaupt diskutiert wurde, weder unter der Führung von Russell, noch unter Hayes, noch unter McCaughey.

7.4 Kontakte mit Deutschland

Die Verbindungen der IRA zum deutschen Außenministerium bzw. zur Abwehr II sind der am gründlichsten untersuchte Aspekt der Geschichte der IRA. Die Bewegungen der deutschem Agenten wurden minutiös rekonstruiert. Von daher erscheint es nicht sinnvoll, diese Einzelheiten hier noch einmal zu wiederholen.412 Statt dessen soll der Frage nachgegangen werden, was die treibende Kraft hinter diesen Kontakten war, welches Interesse beide Seiten aneinander hatten.

Auf deutscher Seite lag die Zuständigkeit für die Zusammenarbeit mit aufständischen Gruppen im Ausland bei der Abwehr II unter Oberstleutnant Lahousen. Sie gehörte zum Amt Auslandsnachrichten und Abwehr, dessen Chef Admiral Canaris war. Im Sommer 1938 meldete Helmut Clissmann aus Dublin, die IRA bereite eine Kampagne gegen England vor.413 Clissmann war zuerst 1930 als Austauschstudent nach Irland gekommen, und hatte durch seine irische Frau Kontakte zu Russell und anderen führenden Republikanern.414

Die Abwehr zeigte sich zunächst desinteressiert; aus dem Außenministerium war Weisung zu strikter Zurückhaltung ergangen. Außenminister von Ribbentrop teilte die Einschätzung des Gesandten Hempel in Dublin, daß eine deutsche Einmischung die irische Neutralität gefährden könnte, und verbot ausdrücklich jede Zusammenarbeit mit der IRA.415

Bis 1939 beschränkte sich die Abwehr deshalb im wesentlichen auf die Sammlung von Informationen, wozu zum einen die irische Sektion der NSDAP unter Prof. Adolph Mahr, Direktor des Nationalmuseums in Dublin, zum anderen Studenten wie Clissmann in Dublin und Jupp Hoven in Belfast benutzt wurden.416

Das Interesse der Abwehr II erwachte jedoch mit Beginn der Bombenkampagne. Im Februar 1939 traf der erste Agent in Irland ein, Oskar Carl Pfaus, um einen Kontakt zur IRA herzustellen. Daß die Informationsarbeit der Abwehr zu wünschen übrig ließ, zeigt sich daran, daß Pfaus ausgerechnet Eoin O’Duffy aufsuchte, um mit der IRA in Kontakt zu kommen.417 Aufgrund dieses Kontaktes, der schließlich über O’Duffys Sekretär zustande kam, reiste James O’Donovan dreimal nach Deutschland, um mit der Abwehr über die Lieferung von Waffen und Funkgeräten zu verhandeln. Konkrete Ergebnisse wurden dabei jedoch nicht erzielt.418

Im Februar 1940 brachte ein deutsches U-Boot Ernst Weber-Drohl nach Irland. Er sollte der IRA einen Sender und die dazugehörigen Codes übergeben, verlor den Sender aber, als bei der Landung sein Ruderboot kenterte.419

Unzufrieden über die langsame Entwicklung schickte Hayes im April einen Kurier nach Deutschland, der der Abwehr einen Invasionsplan für Nordirland überbrachte und um die Entsendung eines Verbindungsoffiziers bat. Einen Monat später landete schließlich Hauptmann Hermann Görtz mit dem Fallschirm in Irland, um den Kontakt mit der IRA zu intensivieren.420

Görtz sollte die Unterstützung der IRA in zwei Fragen sicherstellen:

− Hilfe im Falle einer deutschen Invasion Englands;
− Maßnahmen zur Trennung der Verbindung zwischen England und Irland bei Wahrung der irischen Neutralität.421

Bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung im November 1941 traf Görtz regelmäßig mit Vertretern des AC zusammen. Besonders zu Hayes hatte er intensive Kontakte.422 Dabei gewann Görtz den Eindruck, “daß man auf die IRA als Armee nicht zählen konnte.”423 Er hielt die Bom- benkampagne für wenig sinnvoll und argumentierte dafür, alle Operationen im Süden Irlands einzustellen. Stattdessen sollte sich die IRA mit Fianna Fail aussöhnen, um ein gemeinsames Vorgehen gegen die Briten im Norden zu ermöglichen. Nachdem Hayes dieser Idee prinzipiell zugestimmt hatte, entwarfen Görtz und O’Donovan einen konkreten Vorschlag für Verhandlun- gen.424

Hayes konnte sich aber, so die Schilderung von Görtz, nicht entschließen, diese Initiative in die Tat umzusetzen. Ob FF an Gesprächen dieser Art interessiert gewesen wäre, ist ohnehin zweifelhaft. Nach der Exekution zweier IRA-Offiziere am 6. September im Dubliner Mountjoy- Gefängnis (McGrath und Harte), waren endgültig alle Chancen für eine solche Beilegung des Konfliktes verschwunden.

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diese Exekutionen macht deutlich, daß das Image der IRA deutlich geschwächt war; so lehnten die Dubliner Kinobesitzer, die noch im Februar anläßlich der Hinrichtung von Barnes und McCormack in Coventry einen Tag lang ihre Kinos geschlossen hatten, im September ein entsprechendes Ansinnen der IRA ab.425 Dies ist nur ein Indiz für das langsame Abdriften der IRA aus dem Zentrum des Geschehens.

Nicht nur Görtz befand die IRA als untauglich, auch die Abwehr II hatte kein Vertrauen in die irischen Republikaner. Schon Ende 1939 begannen deshalb Vorbereitungen zur Entsendung eigener Sabotagespezialisten. Im Januar 1941 war die Desillusionierung soweit fortgeschritten, daß der Leiter der Abwehr II, Lahousen verfügte:

“Solange nicht durch einen wechselseitigen Funkverkehr die Möglichkeit der unmittelbaren Einwirkung und Steuerung von Berlin aus gegeben ist, kommt die Aufwendung erheblicher Mittel für die IRA nicht ohne weiteres in Frage.”426

Stephan merkt dazu an, daß dieser Eintrag nur die halbe Wahrheit enthält, da er die Unzufriedenheit der Abwehr über das Versagen der IRA in England unterschlägt. Effiziente Sabotage im Sinne des S-Plans wäre willkommener gewesen als die planlosen Angriffe der IRA.

Zwei Interessen auf Seiten der Abwehr lassen sich herauslesen:

− Die Hoffnung, eine Einigung zwischen der IRA und FF herstellen zu können, so daß “ihre vereinigte Kampfkraft exklusiv gegen Deutschlands Feind eingesetzt werden könnte.”427
− Die Unterstützung durch die IRA im Vorfeld und Verlauf einer deutschen Invasion in England oder Nordirland durch Spionage, Sabotage und Guerillakrieg.

Ab Mai 1942 schränkte die Abwehr ihre Tätigkeit in Irland stark ein, nachdem “die Aktionen mehrfach politische Komplikationen verursachten, die das oberste Ziel der deutschen Irlandpolitik, die Bewahrung der irischen Neutralität, ernst gefährdeten.”428

Dieses oberste Ziel wurde nicht in der Abwehr formuliert, sondern im Außenministerium, das in dieser Frage weisungsbefugt war. Die Position des Außenministeriums wird in einem Brief Ryans deutlich, der von Berlin aus mit dem irischen Botschafter in Madrid, Kearney, korrespondierte. Diese Briefe waren nach Ansicht Cronins zu großen Teilen vom Außenministerium diktiert, in der Absicht, auf diesem Wege deutsche Positionen an die irische Regierung zu übermitteln.429 Am 6.11.1941 schrieb Ryan:

“There is a very definite hands-off policy with regard to the little island (Irland, d.V). The Foreign Office chokes off everybody who tries to interfere there. On two occasions to my knowledge in 1940 things were done behind their backs, & there was hell to pay, as a result. The office is apparently dominated by the fear that Sam (USA, d.V.) or John (GB, d.V) would find an excuse to step in there. (The Gentleman who is at large there at the moment (Görtz, d.V.) is not a representative of the office, and was in fact sent there without their knowledge.) The office appears very satisfied with your Boss’ (de Valera, d.V.) unyielding attitude towards Sam and John. They look upon him as a future potential friend. Recent home news discredits, in their eyes, an organization which they consider to be misled by the influence of John’s Northern agents.”430

Der letzte Satz bezieht sich vermutlich auf die Affäre um die Entführung Stephen Hayes’ (vgl. 7.5). Unter dem Strich muß für die Aktivitäten der Abwehr II in Irland ein vollständiges Scheitern konstatiert werden. Lahousen selbst sagte nach dem Krieg:

“Every undertaking we attempted proved abortive ... In the first place there was the difficulty of making contact - of finding the right people in the I.R.A. Even when you found them what happened? They would go off and do things on their own without a word to anyone ... guns, guns to fight the English ... that was all they were interested in.”431

Was die IRA angeht, so ist unbestritten, daß nicht Sympathie für den Faschismus ihre Annäherung an Deutschland motivierte. Einzig Sturm spricht in diesem Zusammenhang von einem “Flirt von Teilen der IRA, insbesondere in Ulster, mit dem italienischen und dem deutschen Faschismus, der sich vor allem in einer Wendung der IRA gegen den Kommunismus äußerte.”432 Als einzigen Beleg für diese schwerwiegende Behauptung führt Sturm einen Brief Russells an, in dem dieser sich für die deutsche Unterstützung des Osteraufstandes bedankt und Deutschland seine Freundschaft versichert.433 Eine profaschistische Haltung ist hieraus nicht zu schließen.

Richtig ist aber, daß es auch in Irland antisemitische Tendenzen gab, von denen die IRA nicht frei war. Besonders O’Donovan, von dem George Gilmore sagte, er habe von allen IRA- Offizieren die meisten Sympathien für den Faschismus gehabt,434 tat sich durch antijüdische Äußerungen hervor.435 Insgesamt hatten die Republikaner in den 30er und 40er Jahren nicht mehr Sympathien für den Faschismus als die Anführer des Osteraufstandes für das Kaiserreich. Nicht das politische System Deutschlands war für sie entscheidend, sondern ausschließlich die gemeinsame Gegnerschaft zu England. Von einer ähnlichen Haltung zeugt das Verhalten der ka- tholischen Bevölkerung Belfasts, die gezielt die Verdunkelungsbestimmungen mißachtete, um den deutschen Bombern den Weg zu weisen.436 Deshalb ist Bell zuzustimmen, wenn er in Bezug auf die deutschen Versuche zur Beeinflussung der IRA schreibt: “The IRA wanted aid to fight the common British enemy, not advice on how to deny its Republican principles.”437

Abschließend muß noch auf eine Episode eingegangen werden, die damals für erhebliche Verwirrung sorgte. Anfang August 1940 trafen Sean Russell und Frank Ryan in Berlin zusammen und machten sich an Bord eines deutschen U-Bootes auf den Weg nach Irland, wo sie nie ankamen.

Sean Russell war bei Ausbruch des Krieges in Amerika und konnte auf den normalen Routen nicht nach Irland zurückkehren. Eine direkte Verbindung existierte nicht mehr, und eine Reise über England kam nicht in Frage. Deshalb nahm er im Januar 1940 Kontakt zum Auswärtigen Amt in Berlin auf und fragte an, ob man ihn mit einem U-Boot nach Irland schleusen könne.438 Nachdem Canaris bereits sein Einverständnis gegeben hatte, zog Ribbentrop die Angelegenheit an sich. Am 22.2. fiel die Entscheidung, Russell zunächst einmal nach Deutschland zu bringen.439 Am 1. Mai traf Russell in Genua ein und wurde von dort nach Berlin gebracht,440 wo ihn Dr. Edmund Veesenmayer empfing. Veesenmayer, ein SS-Mann mit Ausbildung in Volkswirtschaft und Staatswissenschaften, war der “Staatsstreich-Spezialist” des Auswärtigen Amtes und ab 30.3.1940 für Irland zuständig.441

Bedenken, das Auftauchen Russells in Irland könnte zu diplomatischen Verwicklungen führen, ließen die Landung Russells in Irland (“Unternehmen Taube”) zunächst nicht ratsam erscheinen.442 Russell nutzte die Zeit in Deutschland, um Sabotage-Techniken zu studieren.443

Während Russells Geschichte soweit keine Fragen offen läßt, ist es im Falle Frank Ryans ungleich schwieriger, den Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren. Stephan gibt folgende Schilderung: im Spätsommer 1938 geriet Ryan während der Schlacht am Ebro in Ge- fangenschaft italienischer Truppen, die ihn an Franco übergaben. Dort wurde er von amerikanischen Journalisten entdeckt, die die Meldung über seine Gefangennahme verbreiteten. De Valera appellierte daraufhin an Franco, von der Exekution Ryans abzusehen. Nach dem Ende des Bürgerkrieges erreichten de Valera und Leopold Kearney, der irische Gesandte in Madrid, die Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslängliche Gefängnisstrafe.444

Ganz anders Sean Cronin. Er gibt an, Ryan sei bereits am 31. März gefangen genommen worden,445 und habe durch einen verschlüsselten Brief an seine Schwester Ende Juni darum gebeten, de Valera und Peadar O’Donnell um Hilfe zu bitten.446 O’Donnell habe daraufhin eine Kampagne für Ryans Freilassung initiiert, die in Irland und Amerika ein großes Echo her- vorrief,447 während de Valera versuchte, über den spanischen Botschafter in Dublin Einfluß zu nehmen.448 Da Cronin die Geschichte Frank Ryans wesentlich gründlicher recherchiert hat als Stephan und ihm, 19 Jahre später, Dokumente und Aussagen zur Verfügung standen, die für Stephan nicht verfügbar waren, ist Cronins Darstellung vermutlich die korrektere.

Ähnlich widersprüchlich sind die Darstellungen über das Zustandekommen der deutschen Intervention im Fall Ryan. Stephan sieht in Jupp Hoven, dem ehemaligen Studenten in Belfast, der nun für die Abwehr arbeitete, den Initiator der Aktion. Er habe auf Canaris eingewirkt, sich um die Freilassung Ryans zu bemühen, da dies einen guten Eindruck in Irland machen würde. Canaris seinerseits habe Kontakt mit dem Chef der spanischen Geheimpolizei aufgenommen, der sich bereit erklärt habe, Ryan an Deutschland zu übergeben. Diese Aktion sei, so zitiert Stephan Helmut Clissmann, mit Kearney und de Valera abgesprochen gewesen. Als Mittelsmann habe der Rechtsanwalt Champourcin gedient, der sich im Auftrag der irischen Regierung um den Fall Ryan kümmerte.449

Wiederum ist Cronins Darstellung präziser und besser belegt. Sie wird im übrigen von Robert Fisk unterstützt.450 Nicht nur Hoven, sondern auch und besonders Clissmann, Russell und das Army Council setzten sich danach für Ryan ein, letzteres durch den Kurier, der den Plan für “Operation Kathleen” überbrachte.451 Clissmann war durch seine Heirat mit Budge Mulcahy sowohl mit Ryan als auch mit Kearney befreundet. Clissmann und Hoven gehörten zum Brandenburg Regiment, das als Ausbildungsstelle der Abwehr diente, und unterbreiteten ihrem Regimentsführer den Fall Ryan, der seinerseits Canaris ansprach. Canaris wiederum beauftragte den Chef der Abwehr in Spanien, Wolfgang Blaum, mit Verhandlungen, die dieser direkt mit Franco führte, unter Hinzuziehung des Chefs der spanischen Polizei. Der Rechtsanwalt Champourcin wurde, so Cronin, nicht nur von der irischen Regierung bezahlt: er stand auch im Sold der Abwehr sowie des spanischen Geheimdienstes. Die Absprache mit Kearney und de Valera sowie der Ablauf der Übergabe Ryans werden von Cronin bestätigt.452

Am 5. August 1940 traf Ryan in Berlin mit Russell zusammen, und Russell forderte ihn auf, ihn nach Irland zu begleiten. Ryan stimmte zu, und beide begaben sich am 6.9. nach Wilhelmshaven, wo sie ein U-Boot erwartete. An Bord des Schiffes erlag Russell einem offenen Magengeschwür und wurde auf See bestattet. Ryan, der Russells Auftrag nicht kannte und befürchtete, sein plötzliches Auftauchen mit der Meldung von Russells Tod könnte zu Mißver- ständnissen führen, entschied sich zur Rückkehr nach Deutschland.453 Diese Darstellung Cronins, die auf den Aussagen Ryan und Clissmanns sowie dem Tagebuch der Abwehr basiert, wird heute nicht mehr bestritten. 1940 führten aber die durch den Krieg eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten dazu, daß eine Vielzahl von Gerüchten über Russells Tod kursierten. Am hartnäckigsten hielten sich die Behauptungen, Ryan habe seinen alten Wider- sacher vergiftet, bzw. Russell sei in Gibraltar vom britischen Geheimdienst erschossen worden.454

Einen konkreten Auftrag hatte Russell nicht erhalten. Abwehr und Außenministerium, die seine Reise nach Irland gemeinsam planten, wollten ihm eine Chance geben, eine sich bietende Gelegenheit für Irland zu nutzen, ohne daß dies präzisiert worden wäre.455 Fisk fügt unter Berufung auf Hempel hinzu, man habe gehofft, in Russell einen verläßlicheren Partner als Hayes zu haben. Zwischen Russell und dem Auswärtigen Amt sei ein Zeichen vereinbart worden, mit dem Hempel den Beginn der Invasion Englands signalisieren sollte.456

Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde Ryan dort als offizieller Vertreter der IRA angesehen. Sein Status entsprach dem eines Diplomaten. Über seine Funktion in Berlin machte Ryan selbst scheinbar widersprüchliche Aussagen. In einem Brief an Gerald O’Reilly, der allem Anschein nach nicht zensiert worden war, schrieb er am 8.12.1940:

“The fact is that I met Mr. John (Russell, d.V.) last July ... He took me on as Secretary. A month later, he had a serious illness, when we were travelling together. His death was a terrible blow, as I had to carry on the business while I awaited instructions from the Head Office (Army Council, d.V.) ... All my efforts are concentrated of assuring the success of the firm (IRA, d.V.).”457

Danach hatte Russell Ryan wieder in die IRA aufgenommen, der sich nun als deren Vertreter ansah. In dem selben Brief forderte er, alle aus politischen Gründen Ausgetretenen sollten in dieser Notsituation der IRA helfen. Nach dem Krieg werde die Position der IRA sehr gut ein.

Völlig anders stellte Ryan den Sachverhalt ein Jahr später in einem Brief an Kearney dar:

“I act merely in a ‘consultative’ capacity - my views are asked when there are situations and news that require interpretation ... I am not working for anybody here. I am not working for - not even in consultation with - any organisation at home.”458

Zwei Ereignisse lagen zwischen diesen beiden Briefen, die Ryans Position veränderten: der Angriff auf die Sowjetunion und die Stephen Hayes-Affäre. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion trat Irland in den deutschen Überlegungen weiter in den Hintergrund, wichtig war allein die unbedingte Aufrechterhaltung seiner Neutralität.459 Die Verhaftung Stephen Hayes durch Mitglieder des Northern Command (vgl. 7.5) bedeutete das Ende von Ryans Rolle als Vertreter der IRA in Deutschland.460 Zwar engagierte er sich weiterhin, hatte aber anscheinend keinen direkten Kontakt mehr zur Führung der IRA. Ryan starb im Juni 1944 in Dresden.

7.5 Die Stephen Hayes-Affäre

Die Affäre um die Person des Stabschefs der IRA Stephen Hayes ist bis heute nicht eindeutig aufgeklärt worden. Strittig ist dabei nicht der Ablauf der Ereignisse, der hier anhand der ausführlichen Darstellung bei Bell rekonstruiert wird, sondern die Frage, ob Hayes tatsächlich ein Verräter war und ob in seinem Geständnis zumindest ein Körnchen Wahrheit verborgen ist.

Im Mai 1941 entsprach Hayes der Forderung des Northern Command, den Vertretern des Belfaster Hauptquartiers mehr Gewicht im GHQ zu verleihen. McCaughey, bis dahin C/O des Northern Command, übernahm das Amt des Adjutant General, sein Adjutant McGlade wurde Quartermaster General. Die Forderung der Nordiren wurde damit begründet, daß Hayes die Kommandostrukturen der IRA zerfallen ließ und mehr auf den Rat seines Schwagers Larry de Lacy hörte als auf das Army Council.461

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der verbreitete Verdacht, es gäbe einen Spitzel in der Führungsetage der IRA, bei McCaughey und McGlade bereits gezielt auf Hayes gerichtet. Dieser Verdacht fußte zum einen auf ihrer Abneigung gegen Hayes’ Persönlichkeit: “flabby, grey-faced, with a reputed weakness for the bottle and his fingers stained by chain-smoking”462 ; zum anderen auf der Bilanz seiner Amtszeit:

“Under his leadership the IRA had descended from failure to failure. Most of the men of reputation were in prison. McGrath, D’Arcy, and MacNeela were dead ... Dumps all over Ireland had been uncovered ... Old Republicans of consequence indicated that the Army was near collapse and all the evidence examined by McCaughey confirmed this unpleasant fact.”463

Den letzten Beweis lieferte eine Falle, die McCaughey für Hayes aufbaute: er teilte Hayes Sekretär mit, wo er sich aufhielt, und bat um ein Treffen mit Hayes. Kurz darauf traf Polizei dort ein und durchsuchte das Haus, das McCaughey aus der Distanz beobachtete.464

Am 30.6.1941 wurde Stephen Hayes von Sean McCaughey und weiteren Mitgliedern des Northern Command verhaftet. Nach dreiwöchigem Verhör, das von Mißhandlungen begleitet war, trat am 23.7.1941 ein Kriegsgericht zusammen, das aus je einem Vertreter des Northern, Western und Southern Command bestand - McCarthy aus Cork, Farrell aus Galway und Kelly aus Belfast. McCaughey vertrat die Anklage. Nach einer zweistündigen Verhandlung wurde Hayes des Verrates für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Exekution wurde jedoch aufgeschoben, da McCaughey hoffte, noch weitere Einzelheiten von Hayes zu erfahren. Hayes begann, ein umfassendes, schriftliches Geständnis abzulegen, und zögerte dieses so lange hinaus, bis ihm am 8.9.1941 die Flucht gelang und er sich der Polizei stellte. Im anschließenden Prozeß gegen McCaughey sagte Hayes als Zeuge des Staatsanwaltes aus, und wurde so zumindest nachträglich zum Verräter.465

Soweit ist die Affäre im wesentlichen geklärt, für ihre Beurteilung sind die verbliebenen offenen Fragen nicht von entscheidender Bedeutung.466 In der Beurteilung von Hayes’ Geständnis, das kurz nach seiner Flucht vom Army Council an wichtige Persönlichkeiten in Irland verschickt wurde, gehen die Meinungen aber weit auseinander. Auf etwa 150 Seiten breitete Hayes eine Verschwörung aus, die der Tätigkeit der IRA jeden Sinn nahm. Danach waren praktisch alle Aktionen der Armee seit 1935 zwischen Hayes und der Fianna Fail abgesprochen:

“The collusion began in 1935 and continued up to June 1941 and largely determined the course of events relating to the IRA. In almost all ways, it is an embodiment of the devil theory in history : every disaster, every defeat, even the apparent successes had been planned long in advance by the conspirators. Apparently the IRA had for years been completely manipulated ... The conspirators, for ulterior motives, arranged the timing of the English campaign, the December 1938 Belfast internments, the difficulties of the IRA in Britain, the departure of Russell, the Coventry explosion, the arrests in Dublin, the Magazine Fort raid and so on and so on ... the conspirators apparently never faltered, never failed.”467

Den Kern des Geständnisses bildet die Behauptung, Hayes habe sich, vermittelt durch de Lacy, mehrfach mit Landwirtschaftsminister Dr. James Ryan und Senator Chris Byrne, dem Vorsitzenden der Fianna Fail, getroffen, und von diesen detaillierte Anweisungen für Aktionen der IRA erhalten.468

Viele Details des Geständnisses sind, soweit besteht Einvernehmen, eindeutig falsch. Wie steht es aber mit der Einschätzung des damaligen Gesandten der USA in Dublin, David Gray, der seiner Regierung berichtete, “while the fabric of the document is probably falsehood, it is evident that there is a residuum of truth in it dangerously embarrassing to the government”?469 Diese Auffassung, nach der der Verdacht gegen Hayes nicht gänzlich unbegründet, das Ge- ständnis aber weitgehend erfunden war, hat viele Fürsprecher. So berichtete Hempel nach Berlin, er habe den Eindruck, das Geständnis sei gefälscht oder zumindest verzerrt.470 Dr. Veesenmayer von der Abwehr vertrat die Auffassung, die ganze Affäre könnte auf einen sehr cleveren Plan des englischen Geheimdienstes zurückgehen,471 und wird hierin von Peadar O’Donnell und Sean MacBride unterstützt, die in diesem Zusammenhang auf die zentrale Rolle verweisen, die Larry de Lacy in der Affäre gespielt habe, ohne daß dieser Verdacht näher begründet wird.472 Unabhängig von dem Geständnis waren MacBride und auch Moss Twomey überzeugt, Hayes sei ein Verräter gewesen.473 Das amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) kommt dagegen zu dem Schluß, der ganze Vorwurf sei “inaccurate and untrue”.474 Hayes selbst bestand zeit seines Lebens auf seiner Unschuld.475

Ebenso gegensätzlich sind die Positionen in der historischen Debatte. Während Robert Fisk sich ohne Diskussion eindeutig darauf festlegt, Hayes sei kein Verräter gewesen,476 läßt Enno Stephan die Frage völlig offen. Zwar geht auch er davon aus, daß große Teile des Geständnisses frei erfunden sind, zitiert aber eine interessante Passage aus dem Statement von Görtz:

“Zweimal, als Hayes betrunken war, erzählte er mir von seinen Beziehungen zur Polizei ... Beim zweiten Mal - nach Weihnachten 1940 - erzählte mir Hayes, daß er seine Mitarbeiter einen nach dem anderen der Polizei opfern müsse. Nur so könne er den Druck des Staates mildern und die IRA - er meinte sich selbst - am Leben erhalten.”477

Einschränkend muß allerdings gesagt werden, daß Stephan wiederholt auf den zweifelhaften Charakter von Görtz’ Aussagen hinweist. Tim Pat Coogan argumentiert auf einer anderen Basis: für ihn ist es unvorstellbar, daß eine Regierung sich derart verhalten könnte.478 Diese Voraussetzung ist aber zweifelhaft, betrachtet man z. B. das Verhalten von Mitgliedern der FF in den Jahren 1969-70, als mehrere Minister aktiv die Spaltung der IRA und Sinn Féin unterstützten. Gegen den späteren Taoiseach Charles Haughey und andere wurde in diesem Zusammenhang wegen Waffenschmuggels ermittelt.479

Ein gewichtigeres Argument führt Bell ein: glaubt man dem Geständnis, so waren hier praktisch unfehlbare Kräfte am Werk.480 Gerade die Behauptung, die Verschwörer hätten jedes Detail vorausgeplant, scheint tatsächlich ein ausreichender Beweis dafür zu sein, daß zumindest ganze Abschnitte frei erfunden worden sind. Bei dem in Kapitel 7.2 geschilderten Ablauf der Explosion von Coventry etwa ist nicht vorstellbar, auf welche Weise dieser hätte beeinflußt werden können.

Eine abschließende Beurteilung kann auf der Grundlage des vorliegenden Materials nicht vorgenommen werden. Die Hauptbeteiligten sind inzwischen verstorben, so daß als einzige Möglichkeit, zu einer Klärung zu kommen, die Hoffnung auf bisher nicht zugängliche Akten der irischen Regierung bleibt. Einen konkreten Hinweis in diese Richtung gibt es aber nicht.

Für viele Volunteers war diese Frage aber nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Mit der Veröffentlichung des Geständnisses war die IRA so oder so diskreditiert:

“If Hayes were a traitor, then membership in the IRA had been a farce; if he were not, then the means to force his confession had contaminated the army. Few signed out, but many in their hearts had finished with the army. Men would say later, if a conspiracy to destroy the IRA had been planned, than no better means could have been found than the Hayes affair.”481

So bedeutete die Affäre, auf die eine erneute Welle von Verhaftungen folgte, den Anfang vom Ende der IRA. McCaughey wurde noch vor der Flucht Hayes’ verhaftet, und verbrachte den Rest seines Lebens im Gefängnis. Er starb nach Kriegsende im Hungerstreik.482 Pearse Kelly war der erste in einer langen Reihe von Männern, die nach McCaughey C/S wurden und ihm ins Ge- fängnis folgten. Als Ende 1941 eine Army Convention zusammentrat, waren nur noch zwölf Mitglieder anwesend, die angesichts des desolaten Zustandes der IRA beschloßen, alle Operationen im Süden des Landes einzustellen.483 Banküberfälle und Schießereien mit der Polizei waren das einzige, was die Armee noch zu leisten imstande war, während Polizei und Special Branch nach und nach die Internierungslager mit Volunteers füllten.

Nur in Nordirland gelang es, für eine kurze Zeit die Organisation intakt zu halten, da sich die IRA-Volunteers in den katholischen Vierteln Belfasts und Derrys in der Sicherheit bewegen konnten, daß jedes Haus ein mögliches Versteck für sie wäre. Bei aller auch in der katholischen, nordirischen Bevölkerung vorhandenen Kritik an der IRA, war die Auslieferung eines Volunteers an die protestantische Polizei unvorstellbar.484

Dieser Zustand im Norden hielt an, solange die IRA sich ruhig verhielt. Der Versuch, im September 1942 erneut eine Serie von Angriffen auf Armee- und Polizeieinrichtungen in Nordirland zu organisieren, führte zu einem massiven Einsatz der Polizei, der auch hier das Ende einleitete:

“Belfast was soon no better than Dublin, a little huddle of men seeking refuge not action, holding on out of pride and habit, unable to act, barely able to keep in contact ... The Irish Minister of Justice, Gerald Boland, announced in pride that the IRA was dead and that he had killed it. He had been helped by the RUC, the British police, the Irish Army, and of course by the IRA itself, but to all intents and purposes he spoke the truth.”485

Als Chief of Staff Charlie Kerins am 1. Dezember 1944 in Dublin hingerichtet wurde, existierte die IRA nur noch in den Lagern und Gefängnissen. Zum ersten Mal seit dem Osteraufstand gab es keinen Chief of Staff, kein Hauptquartier und kein Army Council mehr.486

Das Schlußwort sei Prof. Lyons überlassen, der die Entwicklung der ehemaligen Kampfgefährten IRA und Fianna Fail während dieser Jahre in ihren großen Zusammenhang stellt:

“So the wheel came full circle and the logic of the Civil War was worked out to its own grim conclusion. The men who had upheld the revolution against the state now upheld the state against the men who still believed that revolution was a sacred duty ... They (die IRA, d.V.) saw themselves, in short, as the soldiers of a perpetual revolution, or rather of a revolution which would end only when all thirty-two counties entered the republican fold ... We can see now what was hidden from them, that Mr. de Valera, by dismantling the treaty and advancing constitutionally ever nearer towards a de facto Republic, had cut the ground from beneath their feet. The balance of forces, so evenly poised at the time of the Civil War, had been tilting against them ever since. The IRA, formerly at the centre of events, now found itself peripheral and regarded by most irishmen as irrelevant.”487

8. Resümee

The Irish are no

Philosophers by rule;

They proceed too rapidly From thought to action. (James Connolly, 1910)

Die Geschichte des irischen Republikanismus zwischen 1925 und 1945 könne, so hieß es in der Einleitung, als ein Prozeß zunehmender Isolierung beschrieben werden. Drei Thesen wurden in diesem Zusammenhang formuliert:

(1) Mit Saor Eire und dem Republican Congress bestand die Möglichkeit, aus dieser Entwicklung auszubrechen.
(2) Diese Chance scheiterte nicht nur am Kreuzfeuer von Staat und Kirche, sondern auch an der Haltung der republikanischen Militaristen und Traditionalisten sowie auch der Linken selbst.
(3) Einfluß und Gewicht der IRA nahmen in den hier behandelten Jahren zu, solange sie ihre militärischen Aktionen politisch begleitete und begründete. Der Weg in die Isolation führte über Kampagnen, deren Gewalt als reine Pose erscheint.

Diese drei Thesen sollen im folgenden zusammenfassend diskutiert werden. Zudem wird versucht werden, eine Antwort auf die in Kapitel 7.2 aufgeworfene Frage nach den Handlungsalternativen zu finden.

In Kapitel 3 ist gezeigt worden, daß Saor Eire von der staatlichen Repression zu einem Zeitpunkt getroffen wurde, als die Organisation noch in der Anfangsphase steckte. Von daher bestand nie die Chance, über den Kreis der Mitglieder hinaus eine nennenswerte Massenbasis aufzubauen. Dies wurde auch durch das Zögern der IRA-Führung begünstigt, die die Herausbil- dung einer politischen Massenbewegung nicht als Voraussetzung für die weitere Arbeit der IRA begriff. Saor Eire führte aber zur Entstehung einer Strömung innerhalb der IRA, die mit dem Aufruf zur Bildung des Republican Congress die entscheidende Frage stellte: konnte die Forderung nach der irischen Republik ausreichen, um den bewaffneten Kampf in Irland zu legi- timieren, solange der Unterschied zwischen der Republik und dem bürgerlichen Staatsverständnis der Fianna Fail nicht deutlich gemacht wurde?

Die IRA selbst hat sich bis heute nie in vollem Umfang den staatstheoretischen Implikationen ihrer Auffassung der irischen Geschichte gestellt. Wenn das Second Dail wirklich die einzig legitime Regierung ist, wie ist dann die Tatsache zu bewerten, daß die große Mehrheit dieses Parlamentes die Bildung des irischen Freistaates als einen ersten Schritt auf dem Weg zur vollständigen Unabhängigkeit akzeptierte? Für die IRA der späten 30er Jahre war die Antwort auf diese Frage schlicht die Verweigerung, “to talk politics”. Als der Republican Congress sich anschickte, auf diese Fragen politische Antworten zu suchen, sah die IRA ihre sakrosankte Rolle als einzige Bewahrerin des Erbes des Osteraufstandes gefährdet und reagierte mit Ausschlüssen und Angriffen auf die protestantischen, nordirischen Bündnispartner des Congress.

Das Dilemma des Congress lag darin, daß er aufgrund seiner eigenen Programmatik das Bündnis auch mit solchen Kräften suchen mußte, die für die IRA gänzlich inakzeptabel waren und den Congress in die Schußlinie des kirchlichen Antikommunismus stellten. Die Nähe des Congress zur CPI mit ihrer schematischen Übertragung der Komintern-Linie auf die irische Si- tuation, machte es den Befürwortern einer rein militärischen Option leicht, jeden Dialog zu ver- weigern.

Die Unfähigkeit der IRA, die eigene Politik im Kontext der internationalen Entwicklung wie auch der von de Valera eingeleiteten Evolution der Anglo-Irischen Beziehungen zu analysieren, verweist auf eine frappierende Schwäche der politischen Theorie der IRA.

Als Produkt einer Gesellschaft, deren nationalstaatliche Ambitionen jahrhundertelang durch den übermächtigen Nachbarn England unterdrückt wurden, lag es für die IRA nahe, in England den Grund für jedes Übel zu sehen. Zudem erschwerte die Parallelität von nationaler und religiöser Repression die Herausbildung einer kritischen Betrachtung des Katholizismus, die eine notwendige Voraussetzung für die Herausbildung eines zugleich nationalen wie sozialemanzipatorischen Ansatzes darstellte.

Diese drei Faktoren führten dazu, daß eine ungenügende Differenzierung zwischen den der irischen Gesellschaft immanenten Konflikten und der diese stets überlagernden Rolle der englischen Kolonialmacht lange Zeit vorherrschend blieb. Diese Unklarheit in der Bestimmung der Bedingungen der jeweiligen Aktionen begünstigte die Verfestigung tradierter strategischer Vorstellungen und blockierte damit notwendigerweise die Neubestimmung einer festgefahrenen Politik. Diese Neubestimmung bleibt Aufgabe jeder emanzipatorischen Politik in Irland.

9. Literaturverzeichnis

Abkürzungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.1 Quellen

9.1.A Bücher, Broschüren, Pamphlete

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.1.B Autobiographien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.1.C Periodika

The Bell. Dublin 1934ff. TCD.

The Irish Citizen Army Bulletin. Dublin 1934/35. NLI.

Irish Freedom. Dublin 1926-37. NLI.

Irish Worker. Dublin 1930-32. NLI.

Irish Workers Voice. Dublin 1932-36. NLI.

An Phoblacht. Dublin 1925-1936. NLI.

Republican Congress. Dublin 1934/35. NLI.

Republican File. Dublin 1931/32. NLI.

Republican Review. Dublin 1938/39. NLI.

Republican Voice. Dublin 1932-36. NLI.

War News. _Dublin 1939. NLI.

Wolfe Tone Weekly. Dublin 1937-39. NLI.

9.2 Handbücher & Nachschlagewerke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.3 Darstellungen

9.3.A Gesamtdarstellungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.3.B Bücher

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.3.C Aufsätze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9.3.D Periodika

Comparative Politics. Vol. II/4, London 1979, TCD.

Economic and Social Review. Vol. I/1+2, Dublin 1969, TCD.

Eire-Ireland. An Irish Quarterly. Dublin 1965ff, TCD.

Historical Studies. Vol. 10, Dublin 1976, TCD.

Iris. The Republican Magazine. Dublin/Belfast 1981ff.

Irland-Informationen. Unregelm., Altenberge 1982ff.

Journal of Commonwealth Political Studies. Vol. 8, London 1970.

Journal of Contemporary History. Vol. 8, London 1973.

An Phoblacht/Republican News. Dublin und Belfast 1982ff, NLI.

Studia Hibernica. Vol. 7, Dublin 1967, TCD.

Studies. An Irish Quarterly Review. Vol. 53ff., Dublin 1969ff, TCD.

10. Anhänge

10.1 Glossar irischer Ausdrücke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

10.2 Verfassung der IRA von 1923

Auszug aus der “Constitution of Oglaigh na hEireann”, die im Juli 1923 von der Army Convention in Dublin beschlossen wurde. (Zit. nach Coogan: The I.R.A., S. 64-67.)

“...

(3) Its objects shall be:

(a) To guard the honour, and maintain the independence of the Irish Republic.
(b) To protect the rights and liberties common to the people of IRELAND.
(c) To place its service at the disposal of an established Republican Government which faithfully upholds the above objects.

(4) Control of the Army

The ARMY shall be controlled by an Executive of 16, which shall be appointed by a Committee of twenty-five elected as follows:--

Each Province elects five delegates. Each Province nominates five further delegates, from whom the whole Convention will elect the remaining five. Any serving Volunteer to be eligible to act on the Executive.

This Executive shall have supreme control of the Army, and this Executive shall not itself, directly or indirectly, be subordinate to, or be controlled by any other body; subject to alteration necessary to put into operation Section 3, subsection © above. Such proposed alterations to be sanctioned by a General Convention.

(5) Duties and Powers of Executive

The duties of the Executive shall be to define policy for the Army. It shall have supreme control over the Army Council, and General Headquarter Staff. It shall not, however, have power to interfere with General Headquarter Staff in respect of purely Army matters such as Organisation, Training, method of conducting operations etc.

Ten shall form a quorum at meetings of the Executive.

(6) Financial Powers

The Executive shall be responsible for the raising and safeguarding of funds for Army purposes.

(8) Army Council

The Executive shall appoint an Army Council of seven, of which four shall be chosen from members of the Executive, and the remaining three may be appointed from outside the Executive. Four shall form a quorum at meetings of the Army Council. In the event of a vacancy occurring on the Council, it shall be filled by co-option, to be approved by the Executive.

(9) General Headquarter Staff

The Executive shall appoint a Chief of Staff, who will appoint his Staff.

(10) General Convention

A General Convention, representative of the whole Army, shall meet at least once in each twelve month, and shall elect a Committee to appoint an Executive as in Section 4, who shall hold office until the next General Convention. It shall also receive a report from the Chief of Staff, and a Financial statement from the Executive.

(14) General Convention

The constitution of the General Convention shall be as follows:

(a) All members of the Executive.
(b) All members of the Army Council.
(c) All members of the General Headquarter Staff.
(d) All Divisional Commandants, and two other members of the Divisional Staff as elected by that Staff.
(e) The delegates elected at the Brigade Convention.

(20) Oath

The oath of Allegiance to be taken by every member of the Army shall be as follows:

I do solemnly swear that to the best of my knowledge and ability I will support and defent the Irish Republic against all enemies, foreign and domestic, that I will bear true faith and allegiance to the same. I do further swear that I do not and shall not yield a voluntary support to any pretended Government, Authority, or Power within Ireland hostile or inimical to that Republic.

I take this obligation freely without any mental reservation or purpose of evasion - so help me God.”

10.3 Republican Congress Manifesto von 1934

Aufruf zur Organisierung eines republikanischen Kongreßes, herausgegeben von der republikanischen Konferenz in Athlone, 7-8 April 1934. (Zit. nach Gilmore: Congress (1978), S. 30-32)

“We believe that a Republic of a united Ireland will never be achieved exept through a struggle wich uproots capitalism on its way. `We cannot conceive of a free Ireland with a subject working class; we cannot conceive of a subject Ireland with a free working class.’

This teaching of Connolly represents the deepest instinct of the oppressed Irish nation.

The Fight for Freedom in our day has been weakened by the failure of the workers in the North-East to see that their freedom is inseparable from the national struggle for freedom. Now that deep wedges of workers there are freeing themselves from the illusions which so long held them in bondage to their imperial exploiters the national issue must be brought sharply forward.

On the other hand, the Republican movement in the Twenty-Six Counties must see that Irish capitalism is the holdfast at this end for the imperial connection and that the forces which defend Irish capitalism are the forces which in the final push for freedom will be called out to maintain the connection `with an economie of british lives’.

The lip-service paid to the Republic by leaderships that are tethered to Irish Capitalism can therefore only confuse sincere Republicans and withhold them from the struggle for freedom.

Such organisations steadily dwarf the National demands. It was such an Organisation that reduced the Republic to the stature of Document No. 2 in 1921.

It was a Government based on such an organisation which, when the British challenged the sovereignty of this Nation on the Annuities, met the challenge not by raising the Republic and rallying the people but by waving British Acts of Parliament and by a parade of lawyers.

This retreat from the Republic was not, unfortunately, resisted by those Organisations which could have rallied the people on the high ground of the Republic. Had the I.R.A. leadership understood that the economic war was not beeing fought to free Ireland but to serve Irish capitalism they would have carried out this mobilisation first before giving any support to that war. On account of their failure the Republican issue has been pushed farther into the background.

This mistake must now be remedied. A Congress of Republican opinion must be assembled to make the Republic a main issue dominating the political field and to outline what are the forms of activity that move to its support.

Into this Congress will come Anti-Imperialists from N.E. Ulster representing sections of workers who have hitherto held allof from, or have been hostile to the National struggle. The areas of recruitment for Republican forces in the South of Ireland are:

(1) Industrial workers who are beeing dragged into degrading working conditions to found a factory system at a time when the experiences of Europe and America are there to warn us of the horrors ahead;
(2) In Gaeltacht areas which must be in close support of the Irish working-class. The waste of confining this youth in among rocks to dig with spades and to face the horrors of migratory conditions is becoming clear to an ever-widening area of Gaeltacht minds. The Gaeltacht youth must get help to tumble the walls and get free access to the broad ranches;
(3) Small farmers and petty traders are strongly represented in Republican Organisations, and here is urgent work, for this section of the nation can only free itself as the allie of the working-class. The Land Commission will never be abolished and the road open to the ranches except when a revolutionary government of workers and small farmers has achieved power. Only under such a government can this present Civil Service be dismantled and re- built from its lower ranks at wages related to what general conditions in field and factory can afford.

As the Republic when established will be a Republic of the workers and small farmers the forces that will achieve it must be drawn from these sections of our life. In order that these forces may be drawn forward to their task, we, on their behalf, call for a Republican Congress, and pledge ourselves to take up the work necessary to build it.”

Signed Nora Connolly O’Brien, Belfast. Michael Price, Dublin. Sean McGuiness, Offaly. Patrick Lynch, Offaly. Tom Maguire, Collinstown, Westmeath. Frank Ryan, Dubl_in. Sheila Humphries, Dublin. Maire Laverty, Belfast. Brian Corrigan, Mulrunny, Co. Mayo. Eithne Coyle, Tir Chonaill. Patrick Norton, Athlone. Seamus McCann, Derry. Joseph Doyle, Dublin. Robert Emmet, Dublin. Patrick Gralton, Leitrim. John Joe Hoey, Leitrim. Michael Feely, Kiltoom, Co. Roscommon. George Gilmore, Dublin. Sean Mulgrew, Mulranny, Co. Mayo. Peadar O’Donnell, Tir Chonaill. Liam Kelly, Dublin. James Cahill, Galway. Peter Doolan, Offaly.

11. Anmerkungen

[...]


1 11 Vgl. Gilmore, George: The Irish Republican Congress. Cork 1978, S. 8 [Zit.: Congress (1978)].

2 Cronin, Sean: Irish Nationalism. A History of its Roots and Ideology. Dublin 1980, S. 3[Zit.: Nationalism]. Hervorhebungen im Original. Diese Bezugnahme auf Cronin erfolgt nicht, weil es einen Streit um diese Begriffe gäbe, sondern deshalb, weil Cronin die Begriffe am klarsten voneinander abgrenzt.

3 Dunne, Tom: Theobald Wolfe Tone, Colonial Outsider. An analysis of his political philosophy. 2. Aufl. Cork 1984, S. 23 [Zit.: Tone].

4 Cronin: Nationalism, S. 23.

5 Vgl. Dunne: Tone, Kap. 3: The Limitations of Tone's Radicalism, S. 28-40.

6 Cronin: Nationalism, S. 23.

7 Lyons, F.S.L.: Ireland Since the Famine. 2. überarb. Aufl. London 1973, S. 110 [Zit.: Ireland].

8 Brief an die Zeitschrift Irish Felon. In: Fogarty, L. (Hrsg.): James Fintan Lalor. Patriot & Political Essayist (1807-1849). 3. Aufl. Dublin 1921, S. 60f.

9 Lyons: Ireland, S. 112.

10 Pearse, Patrick H.: Collected Works of Patrick H. Pearse, Vol. 5. Political Writings and Speeches. Dublin/Cork/Belfast 1922, S. 135 [Zit.: CW 5].

11 Ebenda, S. 53f.

12 Ebenda, S. 55.

13 Ebenda, S. 135.

14 Edwards, Ruth Dudley: Patrick Pearse - The Triumph of Failure. London/Boston 1977, S. 156 [Zit.: Pearse].

15 Pearse: CW 5, S. 216.

16 Workers' Republic, 25.12.1915. Zit. nach Edwards: Pearse, S. 245.

17 Vgl. Edwards: Pearse, S. 339-342. Dies gilt in abgeschwächter Form für alles, was mit dem Osteraufstand zusammenhängt. Deshalb formulierte F.X. Martin im Vorwort der anläßlich des 50ten Jahrestages des Osteraufstandes von ihm herausgegebenen Sammlung 'Leaders and Men of the Easter Rising' (London 1967) den Anspruch, "to transfer the rising of 1916 from the realm of mythology to the sphere of history" (S. xi).

18 Cronin: Nationalism, S. 107f.

19 Der Begriff "sektiererisch" wird hier analog dem englischen "sectarian" verstanden. Damit ist im nordirischen Kontext die Überlagerung sozialer Konflikte durch religiöse Differenzen gemeint.

20 Vgl. diverse Beiträge auf den Leserbrief-Seiten der An Phoblacht/Republican News. Dublin, November 1987 - Januar 1988.

21 Danny Morrison (Pressechef der Sinn Féin), Interview, 28.5.1986.

22 Eamon de Valera, Rede vor dem Dail Eireann, 14.3.1929, zit. nach Coogan, Tim Pat: The I.R.A. London 1970, S. 82. Das Buch erschien 1980 und 1987 in jeweils erweiterten Auflagen. Da der erste, für diese Arbeit allein relevante Teil jedoch unverändert blieb und auch die Seitenzählung beibehalten wurde, wurde hier die erste Ausgabe benutzt.

23 Coogan: The I.R.A., S. XI.

24 Bell, J. Bowyer: The Secret Army. A History of the IRA 1916-1970. Paperb. London 1972 (London 1970), S. 446 [Zit.: The Secret Army].

25 Kelley, Kevin: The Longest War. Northern Ireland and the IRA. Dingle/ Westport/London 1982, S. 350f. [Zit.: The Longest War].

26 Cronin: Nationalism, S. 283.

27 Cronin: Nationalism, S. 38f.

28 Cronin, Sean: Frank Ryan. The Search for The Republic. Dublin 1980 [Zit.: Frank Ryan].

29 Ward, Margaret: Unmanageable Revolutionaries. Women and Irish Nationalism. London/Dingle 1983, S. 3 [Zit.: Revolutionaries].

30 Sturm, Hubert: Hakenkreuz und Kleeblatt. Irland, die Alliierten und das 'Dritte Reich' 1933-1945. Frankfurt a.M., Bern, New York, Nancy 1984, S. 19 [Zit.: Hakenkreuz und Kleeblatt].

31 Mommsen, Wolfgang J.; Der perspektivistische Charakter historischer Aussagen und das Problem von Parteilichkeit und Objektivität historischer Erkenntnis. In: Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft. Hrsg. v. Reinhart Koselleck, Wolfgang J. Mommsen und Jörn Rüsen. München 1977, S. 463.

32 Sturm: Hakenkreuz und Kleeblatt, S. 77.

33 Stephan,Enno: Geheimmauftrag Irland. Deutsche Agenten im irischen Untergrundkampf 1939-1945. [Zit.: Geheimauftrag Irland].Oldenburg und Hamburg 1961. Die englische Ausgabe erschien unter dem Titel Spies in Ireland 1963 in London.

34 Dabei handelt es sich um die Cabinet Secretariats Files, die Cabinet Miscellaneous Papers, die Ministry of Home Affairs Papers und die Ministry of Public Security Records.

35 Gilmore: Congress (1978), S. VII des Vorworts.

36 Vgl. Kapitel 5.4.

37 Die britische Perspektive behandeln u. a.: Havighurst, Alfred F.: Britain in Transition. The Twentieth Century. 3. Aufl. Chicago und London 1979; Stewart, A.T.Q.: The Ulster Crisis. Resistance to Home Rule 1912-14. London/Boston 1967; Thomson, David: England in the Twentieth Century. 1914-63. Harmondsworth 1965. Mit der irischen Unabhängigkeitsbewegung vor 1916 beschäftigen sich: Alter, Peter: Die irische Nationalbewegung zwischen Parlament und Revolution - Der konstitutionelle Nationalismus in Irland 1880-1918. München und Wien 1971; Davis, Richard: Arthur Griffith and Non-Violent Sinn Féin. Tralee 1974; Großmann, Anton J.J.: Irische Nationalbewegungen, 1884-1915. Phil. Diss., München 1978; Lee, Joseph: The Modernisation of Irish Society, 1848-1918. Dublin 1973; Mansergh, Nicholas: The Irish Question 1840-1921. London 1968; O'Broin, Leon: Revolutionary Underground. The Story of the Irish Republican Brotherhood 1858-1924. Dublin 1976.

38 Zur Geschichte des Osteraufstandes vergleiche: Edwards, Ruth Dudley: Patrick Pearse - The Triumph of Failure. London/Boston 1977; Gallagher, Michael: Socialism and the Na- tionalist Tradition in Ireland, 1798-1918. In: Eire-Ireland XII:2, Summer 1977, S. 63-102, Dublin 1977; Lynch, Diarmaid: The IRB and the 1916 Rising. Cork 1957; Martin, F.X.: Leaders and Men of the Easter Rising. London 1967; Martin, F.X.: 1916 - Myth, Fact and Mystery. In: Studia Hibernia VII, Dublin 1967; Martin, F.X.: The 1916 Rising - A Coup d'Etat or a "Bloody Protest"? In: Studia Hibernia VIII, Dublin 1968; Nowlan, Kevin B. (Ed.): The Making of 1916. Studies in the History of the Rising. Dublin 1969; Reeve, Carl/A. B. Reeve: James Connolly and the United States. The Road to the 1916 Irish Rebellion. Atlantic Highlands, New Jersey 1978; Shaw, Francis: The Canon of Irish History - A Challenge. In: Studies LXI, No. 242, Sum- mer 1972, S. 113-115, Dublin 1972; Thompson, William Irvin: The Immagination of an In- surrection. Dublin, Easter 1916. New York 1967.

39 Zum Unabhängigkeitskampf siehe: Bowden, Tom: The Irish Underground and the War of Independence 1919-21. In: Journal of Contemporary History 8, S. 3ff., London 1973; Bowden, Tom: The Breakdown of Governability in Ireland, 1919-21. In: Rose, Richard (Hrsg.): The Dynamic of Public Policy: A Comparative Analysis. London und Beverly Hills 1976; Townsend, Charles: The British Campaign in Ireland, 1919-21. Oxford 1975. Der vollständige Text des Anglo-irischen Vertrages in Mitchell, Arthur und Padraig O'Snodaigh: Irish Political Documents, 1916-1949. Dublin 1985, S. 116-121 [Zit.: IPD], sowie in Hickey, D. J. und J. E. Doherty: A Dictionary of Irish History, 1800-1980. Paperb. Dublin 1980, S. 566- 570 [Zit.: DIH]. Siehe dazu auch Pakenham, Frank: Peace by Ordeal. An Account from Firsthand Sources of the Negotiation and Signature of the Anglo-Irish Treaty 1921. London 1962.

40 Zum irischen Bürgerkrieg siehe: Flynn, Phil: Liam Mellows and the Irish Civil War. In: Iris 5, Dublin 1983; Neeson, Eóin: The Civil War in Ireland, 1922-23. Cork 1967; Younger, C.: Irelands Civil War. London 1968.

41 Die Grundlagen des Staatswesens behandeln: Chubb, Basil: The Constitutions of Ireland. 3. Aufl. Dublin 1970; Farrell, Brian: The Founding of Dáil Eireann. Parliament and Nation-Building. Dublin 1971; Prager, Jeffrey: Building Democracy in Ireland: Political Order and Cultural Integration in a Newly Independent Nation. Cambridge 1986.

42 Mit der Entstehung und Entwicklung der Provinz beschäftigen sich: Bell, Geoffrey: The Protestants of Ulster. London 1976; Bew, Paul, Peter Gibbon, Henry Patterson: The State in Northern Ireland: 1921-1972. Political Forces and Social Classes. Manchester 1979; Blake, J.W.: Northern Ireland in the Second World War. Belfast 1956; Buckland, Patrick: Ulster Unionism and the Origins of Northern Ireland 1886-1922. (Irish Unionism, Vol. 2), Dublin und New York 1973; Calvert, Harry: Constitutional Law in Northern Ireland. London und Belfast 1968; Craig, William: The Future of Northern Ireland. Belfast n.d.; Darby, John: Conflict in Northern Ireland. The Development of a Polarised Community. Dublin 1976; Dudley Edwards, Oven: The Sins of our Fathers. Roots of Conflict in Northern Ireland. Dublin 1970; Farrell, Michael: Northern Ireland: The Orange State. 2. Aufl. London 1980; Farrell, Michael: Arming the Protestants - The Formation of the Ulster Royal Constabulary 1920-1927. London 1983; Harbinson, John F.: The Unionist Party, 1882-1973. 2. Aufl. Belfast 1974; Hezlet, Arthur: The B-Specials - A History of the Ulster Special Constabulary. 3. Aufl. London 1973; Miller, David: Queen's Rebells: Ulster Loyalism in Historical Perspective. Dublin 1978; Moody, T.W.: The Ulster Question, 1903-1973. Dublin 1974; Moody, T.W./J.C. Beckett: Ulster since 1800 - A Political and Economical Survey. London 1954; Moody, T.W./J.C. Beckett: Ulster since 1800 - A Social Survey. 2. Aufl. London 1958; Patterson, Henry: Class Conflict and Sectarianism. Belfast 1981; Wallace, Martin: Northern Ireland - 50 Years of Self Government. Newton Abbot 1971.

43 Siehe hierzu: Bell: The Secret Army, S. 55-70; Coogan: The I.R.A., S. 59-77.

44 Irish Independent, 27.7.1925, zit. nach Pyne, Peter: The New Irish State and the Decline of the Republican Sinn Féin Party, 1923-1926, S. 51. In: Eire-Ireland, XI:3, Autumn 1983, S. 33-65 [Zit.: The New Irish State].

45 Murphy, John A.: The New IRA 1925-62, S. 152f. In: Williams, T.D. (Ed.): Secret Societies in Ireland. Dublin 1973, S. 150-165 [Zit.: The New IRA].

46 Brief des Chairman des Clan na Gael an das Army Council der IRA, 1.10.1929, basierend auf Dokumenten, die Clan na Gael nach der Convention von 1925 von der IRA erhielt. MacGarrity Papers, NLI, zit. nach Cronin: Irish Nationalism, S. 325.

47 Pyne: The New Irish State, S. 45. Pynes Untersuchung der finanziellen Verhältnisse der SF basiert vor allem auf den Akten des Sinn Féin Funds Case. In den 40er Jahren führte SF einen Prozeß um Gelder, die von der Partei vor 1917 deponiert worden waren. Es ging um die Frage, ob SF oder der Freistaat Irland als Rechtsnachfolger anzusehen sei. Die Akten dieses Prozeßes füllen 49 Bände und gehören zum Bestand des Public Record Office of Ireland (PROI) in Dublin.

48 O'Donnell, Peadar: There will be another Day. Dublin 1963. Zit. nach Pyne: The New Irish State, S. 52.

49 Als weiteres Motiv nennt O'Donnell an anderer Stelle, er habe den Mitgliedern des Second Dail seine Kampagne zur Verweigerung der Annuities (Vgl. Kap. 4.1) vorgestellt und sei auf totale Ablehnung gestoßen. Daraufhin habe er beschloßen, bei nächster Gelegenheit die IRA vom Second Dail zu trennen. O'Donnell, Peadar: Monkeys in the Superstructure. Reminiscences of Peadar O'Donnell. Hrsg. v. Committee of Concerned University Staff, University College Cork. Cork 1986, S. 22 [Zit.: Monkeys].

50 Murphy: The New IRA, S. 152.

51 Coogan: The I.R.A, S. 76.

52 An Phoblacht. Dublin 1925ff., 5.3.1926 [Zit.: AP].

53 Pyne: The New Irish State, S. 58.

54 AP, 2.4.1926.

55 AP, 9.4.1926.

56 Murphy, Detlef: Die Entwicklung der politischen Parteien in Irland. Opladen 1982, S. 298. Vgl. hierzu auch das Programm der FF, verabschiedet auf dem Ard Fheis im November 1926, in: Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 185.

57 Coogan: The I.R.A., S. 78.

58 Statement of the efforts made by the Army Council to secure co-ordination between Republican bodies for the General Election in the Free State. General Headquarter, Dept. of the Adjutant-General, 20.5.1927. McGarrity Papers, NLI. Zit. nach Cronin, Sean: The McGarrity Papers. Tralee 1972, S. 197 [Zit.: Papers].

59 Ebd., S. 197.

60 Ebd., S. 200.

61 Ebd., S. 201.

62 Rose Richard (Ed.): Electoral Behaviour: A Comparative Handbook. New York 1974, S. 17.

63 So etwa bei Carty: "social charakteristics do not structure voting behaviour in Ireland". Carty, R.K.: Party and Parish Pump: Electoral Politics in Ireland. Waterloo (Ontario) 1981, S. 24.

64 Gallagher, Michael: Political Parties in the Republic of Ireland. Dublin 1985.

65 Manning, Maurice: Irish Political Parties. An Introduction. Dublin 1972, S. 7.

66 Garvin, Tom: The Evolution of Irish Nationalist Politics. Dublin 1981, S. 137.

67 Bell: The Secret Army, S. 94.

68 Cronin: Frank Ryan, S. 32.

69 Bell: The Secret Army, S. 100.

70 Coogan: The I.R.A., S. 89f.

71 O'Donnell konnte den Beginn dieser Aktivität in einem Interview mit Coogan nicht genauer bestimmen. Coogan: The I.R.A., S. 89.

72 O'Donnell: Monkeys, S. 21.

73 Ebenda, S. 21f. Die Schreibweise An Poblacht ist veraltet, tritt aber noch häufig auf (statt An Phoblacht).

74 Cronin: Irish Nationalism, S. 154.

75 Mellows, Liam: Notes from Mountjoy. Zit. nach Cronin: Irish Nationalism, S. 153f.

76 Hickey/Doherty: DIH, S. 364.

77 Cronin: Irish Nationalism, S. 156.

78 Bell: The Secret Army, S. 98.

79 Coogan: The I.R.A., S. 90.

80 "Faced ... with the task of giving Republicans a coherent form ...". Bell: The Secret Army, S. 99.

81 Ebenda, S. 98.

82 Ebenda, S. 101.

83 Ebenda.

84 Die 'Anti-Imperialistische Liga' wurde unter starker Beteiligung kommunistischer Parteien im Februar 1927 (1. Weltkongreß) gegründet. Vorläuferin war die Ende 1924 in Mexico gegründete 'All-amerikanische Anti-imperialistische Liga'. Auf dem 1. Weltkongreß waren 137 Parteien und Organisationen aus 37 Ländern anwesend. Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung in Daten. Hrsg. v. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Berlin (Ost) 1986, S. 239 [Zit.: GIAD].

85 Coogan: The I.R.A., S. 124. Bell's Darstellung weicht etwas von der Coogan's ab: danach waren MacBride und O'Donnell in Frankfurt, Ryan und O'Donoghue in Paris. (Bell: The Secret Army, S. 101). Auch Cronin spricht von einer Teilnahme Ryans und O'Donoghues an einer Konferenz in Paris. (Cronin: Frank Ryan, S. 24). Weder Cronin noch Bell geben hier ein Datum an, so daß unklar ist, auf welche Pariser Konferenz sie sich beziehen. Auf eine weitere Prüfung dieser Ungereimtheit wurde verzichtet, da es im Zusammenhang dieser Arbeit einzig relevant ist, daß diese Verbindungen hergestellt wurden.

86 Bell: The Secret Army, S. 101.

87 Coogan: The I.R.A., S. 125.

88 O'Donnell: Monkeys, S. 23.

89 Bell: The Secret Army, S. 101.

90 Zit. in Cronin: Frank Ryan, S. 34, ohne Quelle.

91 Coogan: The I.R.A., S. 84f.

92 Larkin, Leonhard: Manuskript ohne Titel, undatiert, zit. in Bell: The Secret Army, S. 104.

93 Sighle Ui Donnchadha, Brief an S. Cronin, 26.1.1975, zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 36. Sighle Ui Donnchadha wird in der Literatur meistens mit ihrem Geburtsnamen erwähnt (Sighle Nic Amhlaoibh oder Sheila Humphreys), aber auch als Sheila O'Donoghue.

94 Milotte, Mike: Communism in Modern Ireland. Dublin 1984, S. 107 [Zit.: Communism].

95 Irish Free State, Department of Justice, 5.4.1930 (S 5864), zit. nach Bell: The Secret Army, S. 101f.

96 Bell: The Secret Army, S. 111. Der Begriff 'Anti-Communist Crusade' stammt von Sean Cronin. Vgl. Cronin: Frank Ryan, S. 63.

97 Der Begriff "Red Scare" wurde zu einer ständigen Wendung. Die Großschreibung wurde aus der englischsprachigen Literatur übernommen. Vgl. Bell: The Secret Army, Coogan: The I.R.A..

98 Coogan: The I.R.A., S. 72.

99 Ward: Revolutionaries, S. 207.

100 Ebenda.

101 Coogan: The I.R.A., S. 72.

102 Ward: Revolutionaries, S. 208.

103 Bell: The Secret Army, S. 119.

104 Saorstat Eireann, 1931a:140 (Protokolle des Executive Committee des Dail Eireann), zit. nach Milotte: Communism, S. 108.

105 Coogan: The I.R.A., S. 84.

106 Bell: The Secret Army, S. 111.

107 Catholic Bishop's statement on the I.R.A. and Saor Eire. Irish Independent, 19.10.1931, zit. nach Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 187.

108 Ebenda, S. 189.

109 Die folgenden Personen gehörten zur "National Executive" von Saor Eire (soweit be- kannt, wurde die Organisationszugehörigkeit in Klammern vermerkt): Sean McGuinness (IRA), Sean Hayes (Irish Working Farmers), May Laverty (CnB), Helena Moloney (CnB), Sheila Dowling (Friends of Soviet Russia, Irish Woman Workers' Union), Sheila Humphries (CnB), D. McGinley, Michael Fitzpatrick (IRA), Sean MacBride (IRA), Mike Price (IRA), Peadar O'Donnell (IRA), David Fitzgerald (IRA), Michael Hallissey (IRA), M. O'Donnell, Patrick McCormack, Tom Kenny, L. Brady, Nicholas Boran, John Mulgrew, Tom Maguire (IRA). Coogan: The I.R.A., S. 84.

110 Bell: The Secret Army, S. 111.

111 Bis heute wird der Ausdruck "the good old boys" in Irland gebraucht, wenn es um die IRA früherer Jahre geht. Wie weit diese zurückliegen müssen, hängt vom politischen Standpunkt des Betrachters ab.

112 Bell: The Secret Army, S. 118.

113 Irish Press, 14.9.1931, zit. nach Milotte: Communism, S. 107.

114 Beispielsweise griff Cumann na nGaedheal in einer Wahlkampfbroschüre 1932 Peadar O'Donnell namentlich an. Show Me Your Company and I'll Tell You What You Are, Dublin 1932, zit. in Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 192-194.

115 Cronin: Irish Nationalism, S. 156. Nach britischen Protesten stellte die Sowjetunion das Training ein.

116 Dail Eireann, Official Report, Vol. XL,14.10.-17.12.1931, Dublin 1932, S. 25 [Zit.: DEOR XL]. Der bei Mitchell/O'Snodaigh abgedruckte Text weist mehrere Fehler auf. Zudem sind sowohl Quellenangabe als auch Datum falsch.

117 Constitution (Declaration of Unlawful Association) Order, 20.10.1931, zit. nach Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 190f.

118 Bell: The Secret Army, S. 113.

119 Ebenda.

120 Milotte: Communism, S. 109.

121 Ebenda.

122 DEOR XL, S. 43f.

123 Ebenda, S. 32.

124 Ebenda, S. 46.

125 Ebenda, S. 57.

126 Zur Politik der Fianna Fail in dieser Phase vergl. Murphy, Detlef: Die Entwicklung der politischen Parteien in Irland. Opladen 1982, Kapitel 4.1 "Konsolidierung: Der etablierte Bipolarismus (1927-1932)", S. 296-307.

127 Milotte: Communism, S. 110.

128 Republican File, 28.11.1931, S. 3.

129 Ebenda, 12.12.1931, S. 2.

130 Bell: The Secret Army, S. 114-15.

131 Republican File, 23.1.1932, S. 4.

132 Ebenda, 16.1.1932, S. 1.

133 Bell: The Secret Army, S. 113.

134 Poulantzas, Nicos: Fascism and Dictatorship. The Third International and the Problem of Fascism. London 1974, S. 37 (Fascisme et dictature. Paris 1970).

135 Workers' Voice, 31.10.1931, S. 1.

136 Anläßlich des 1500sten Jahrestages der Ankunft St. Patricks in Irland fand der 31. Internationale Eucharistie-Kongreß in Dublin statt. An dem abschließenden Pontificalamt im Phoenix Park nahmen ca. eine Million Menschen teil - dies entspricht etwas einem Drittel der damaligen Bevölkerung des Freistaates. Hickey/Doherty, DIH, S. 156.

137 Bell: The Secret Army, S. 115.

138 Ebenda.

139 Vgl. Bell: The Secret Army, S. 116, Coogan: The I.R.A., S. 86.

140 Oghlaigh na h-Eireann, Adjutant-General to C/Os of each Independent Unit, GHQ Dublin, January 12, 1932. Zit. nach Bell: The Secret Army, S. 116.

141 Zahlenangabe nach Coogan: The I.R.A., S. 86.

142 Coogan: The I.R.A., S. 86.

143 O'Donnell: Monkeys, S. 25.

144 Coogan: The I.R.A., S. 86.

145 Bell: The Secret Army, S. 117.

146 Ebenda, S. 116-17.

147 Ebenda, S. 118.

148 Cronin: Frank Ryan, S. 42.

149 Coogan: The I.R.A., S. 90.

150 Bell: The Secret Army, S. 125.

151 Ebenda.

152 Ebenda, S. 124.

153 Sean McGuinness am 19.6.1932 in Bodenstown. Zit. nach Coogan: The I.R.A., S. 91.

154 Coogan: The I.R.A., S. 91.

155 Republican Congress, Vol. I/1, Dublin 5.5.1934, S. 1.

156 Bell: The Secret Army, S. 128.

157 Lyons: Ireland, S. 526f. Ebenso Murphy: Parteien in Irland, S. 315f.

158 Faning, Ronan: Independent Ireland. Dublin 1983, S. 114.

159 Bell: The Secret Army, S. 129.

160 Gilmore, George: The Irish Republican Congress. Cork 1978, S. 24 [Zit.: Congress (1978)].

161 Ebenda, S. 25f.

162 Brief an Gerald O'Reilly, 3.9.1936, Zit. in Cronin: Frank Ryan, S. 70f.

163 Bell: The Secret Army, S. 138.

164 Cronin: Frank Ryan, S. 45f.

165 Gilmore: Congress (1978), S. 29.

166 Ebenda. Ebenso Bell: The Secret Army, S. 129.

167 Brief an Gerald O'Reilly, 17.9.1936. Zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 46. Die beiden Schreibweisen Phoblacht und Poblacht so im Original; das nachgestellte 'h' ist eine neuere Form.

168 Bell: The Secret Army, S. 132. Bell merkt an, daß diese Geheimhaltung sich z.T. gegen die Linke kehrte, da einige Delegierte zum ersten Mal bei der Convention 1934 vom CongressProjekt hörten. Bell: The Secret Army, S. 139.

169 Bell: The Secret Army, S. 130.

170 Lyons: Ireland, S. 527.

171 Ebenda, S. 529.

172 Gilmore, George: Republican Congress. Reprint Cork 1974 (New York 1935), S. 10 [Zit.: Congress (1935)]. Ebenso: Ders.: Congress (1978), S. 19.

173 Gilmore: Congress (1935), S. 10f.

174 Ebenda, S. 15.

175 Lyons: Ireland, S. 528f.

176 Manning, Maurice: The Blueshirts. Dublin und London 1970, S. 82-88.

177 Zit. nach Thornley, D.: The Blueshirts. In: MacManus, Francis (Ed.): The Years of the Great Test 1926-1936. Cork 1967, S. 45.

178 Ebenda, S. 49.

179 Manning: The Blueshirts, S. 230f. Es wäre in einem anderen Zusammenhang sicher interessant der Frage nachzugehen, ob diese Motivation sich grundsätzlich von der etwa der deutschen SA unterschied.

180 Ebenda, S. 244.

181 Lyons: Ireland, S. 529.

182 Ebenda.

183 Rumpf, Erhard: Nationalismus und Sozialismus in Irland. Historisch-soziologischer Versuch über die irische Revolution seit 1918. Meisenheim am Glan 1959, S. 151.

184 Bell: The Secret Army, S. 133. Kommentar von Bell: "The IRA had at last found an op-ponent worthy of their spleen ...".

185 Coogan: The I.R.A., S. 99.

186 Die Blueshirts änderten nach jedem Verbot ihren Namen. Da sie in der Öffentlichkeit wie auch in der Presse meist nur als Blueshirts bezeichnet wurden, wird auch in dieser Arbeit darauf verzichtet, die jeweils gültigen offiziellen Namen zu verwenden.

187 Coogan: The I.R.A., S. 93.

188 Lyons: Ireland, S. 530.

189 Ebenda.

190 Manning: The Blueshirts, S. 219.

191 "De Valeras 'war' was well on the way to bankrupting the entire grazing farmer class." Bell: The Secret Army, S. 142.

192 Diesen überraschenden Schritt O'Duffys erklärten Vertreter der republikanischen Lin- ken damit, daß O'Duffy auf Anraten seiner deutschen und italienischen Freunde versuchte, die Speerspitze der Antiimperialistischen Bewegung zu übernehmen. Leider versäumt Bell hier eine Quellenangabe, so daß auch dieser Erklärungsansatz nicht weiter verfolgt werden kann. Bell: The Secret Army, S. 159.

193 Lyons: Ireland, S. 531.

194 Ebenda.

195 Ebenda, S. 532.

196 Ebenda.

197 Coogan: The I.R.A., S. 104.

198 Ebenda, S. 100.

199 Cronin: Frank Ryan, S. 52.

200 Bell: The Secret Army, S. 138.

201 Ward: Revolutionaries, S. 231.

202 Bell: The Secret Army, S. 127.

203 Coogan zitiert in The I.R.A (S. 93-97) auf annähernd vier Seiten den vollständigen Text eines Dokuments mit dem Titel "General Army Convention 1933", das mit Datum vom 18.2.1933 zu einer Convention einlädt. Absender ist der Adjutant General, GHQ, Empfänger die Kommandeure aller Einheiten. Diese Convention wäre die zweite im Jahre 1933 gewesen. Vieles deutet darauf hin, daß das von Coogan zitierte Dokument nicht authentisch ist bzw. ein falsches Datum trägt. Es ist ohnehin verwunderlich, daß Coogan einem Dokument, dem er so viel Platz einräumt, nur einen Satz der Analyse widmet. Dieser beschränkt sich auf die l apidare Feststellung, Cumann na nGaedheal hätte anders gehandelt, hätte die Partei 1933 dieses Dokument gekannt. Drei Punkte machen das Dokument besonders unglaubwürdig:
1) Weder bei Coogan noch in irgendeiner anderen Arbeit noch in den Quellen findet sich ein Hinweis darauf, daß diese Versammlung tatsächlich stattgefunden hätte, die immerhin, so das Dokument, Grundsatzentscheidungen über die Zukunft der IRA hätte fällen sollen. Die zur Diskussion gestellten Punkte entsprechen dagegen exakt denen, die auf der Convention von 1934 besprochen wurden.
2) In dem Dokument ist davon die Rede, daß der Eid auf die britische Krone abgeschafft sei. Dieses war aber erst im Mai 1933 der Fall, nicht im Februar.
3) Das Dokument nimmt Bezug auf die Aufstellung der Volunteer Reserve Force der i r i schen Armee. Diese begann jedoch erst im Januar des Jahres 1934. Auch der Hinweis auf die sich verschärfenden Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung gegen die IRA legt nahe, daß dieses Dokument zu Anfang des Jahres 1934 verfasst wurde.
Am wahrscheinlichsten scheint, daß Coogan die Jahreszahlen 1933 und 1934 ver- tauscht hat. Unerfindlich bleibt aber, wieso diese Widersprüche Coogan selbst nicht augefallen sind. Da Coogan keinerlei Quellenangabe zur Herkunft des Textes macht, konnte es auch nicht für die Analyse der Konferenz von '34 herangezogen werden.

204 Zit. nach Bell: The Secret Army, S. 139.

205 Cronin: Frank Ryan, S. 52.

206 Coogan: The I.R.A., S. 107.

207 Gilmore: Congress (1978), S. 30.

208 Bell: The Secret Army, S. 140.

209 Ward: Revolutionaries, S. 229.

210 Gilmore: Congress (1978), S. 30. Der vollständige Text des Aufrufs befindet sich im Anhang.

211 Ebenda, S. 31.

212 Ebenda, S. 32.

213 Ebenda.

214 AP, 14.4.1934. Wobei anzumerken ist, daß es eben gerade die linke Fraktion war, die diese Analysen in AP veröffentlicht hatte, woran sie zuletzt durch das Schreibverbot gehindert worden war.

215 Ebenda.

216 Coogan: The I.R.A., S. 108.

217 Ward: Revolutionaries, S. 231.

218 Vgl. Brief von Reynolds, de Burca und Leonard, AP, 21.4.34.

219 Bell: The Secret Army, S. 141.

220 Coogan: The I.R.A., S. 109.

221 Ebenda.

222 Ebenda.

223 Bell: The Secret Army, S. 141.

224 Milotte: Communism, S. 150.

225 Ebenda, S. 151.

226 Vgl. Gilmore: Congress (1978), S. 19f.

227 Milotte: Communism, S. 152. Vgl auch Tabelle 1, Kapitel 6.4, die einen deutlichen Anstieg der Streik-Teilnehmer für die Jahre 1933-1938 zeigt.

228 Ebenda, S. 151.

229 Ebenda.

230 Ebenda, S. 152.

231 Bis heute sind diese Bezirke Hochburgen protestantischer Paramilitärs. In der Newtownards Road hat die Ulster Defence Association ihr Hauptquartier, in der Shankill Road residiert die Ulster Volunteer Force. Schulze-Marmeling, Dietrich/Ralf Sotscheck: Der lange Krieg. Macht und Menschen in Nordirland. Göttingen 1989, S. 328.

232 Milotte: Communism, S. 153.

233 Ebenda.

234 Cronin: Frank Ryan, S. 55.

235 Ebenda, S. 54.

236 Ebenda, S. 56.

237 Ebenda.

238 Irish Workers' Voice, 6.10.1934, S. 1 [Zit.: IWV].

239 Michael Price hatte diese Organisation 1934 wieder ins Leben gerufen. Sie zählte etwa 300 Mitglieder. Bell: The Secret Army, S. 142.

240 IWV, 6.10.1934, S. 1.

241 Ebenda.

242 Milotte: Communism, S. 154.

243 Gilmore: Congress (1978), S. 51.

244 Der vollständige Text aller Resolutionen in Gilmore: Congress (1978), S. 46-50.

245 Ward: Revolutionaries, S. 231f.

246 Majority Republican Resolution, zit. n. Gilmore: Congress (1978), S. 46f.

247 Majority Resolution on Organisation, zit. nach Gilmore: Congress (1978), S. 49.

248 Minority Republican Resolution, zit. n. Gilmore: Congress (1978), S. 48.

249 Ebenda.

250 IWV, 6.10.1934, S. 1.

251 Milotte: Communism, S. 155.

252 Ebenda.

253 "We cannot rid ourselves of capitalist oppression until we destroy the power of British imperialism." 'Forward Against Imperialism': Sean Murray's Speech. IWV, 6.10.1934, S.4. Im Republican Congress vom 13.10.1934 ist ein etwas abweichender Text des Beitrages veröffentlicht. Inhaltlich besteht aber Übereinstimmung.

254 Milotte: Communism, S. 156.

255 Ebenda.

256 Gilmore: Congress (1978), S. 56.

257 Zit. in Cronin: Frank Ryan, S. 57, ohne Quellenangabe.

258 Ebenda.

259 Gilmore: Congress (1978), S. 57.

260 Cronin: Frank Ryan, S. 57.

261 Zahlen nach: GIAD. Angegeben sind offizielle Streiks. Aus den Angaben ist nicht zu entnehmen, ob sich diese Zahlen auf die ganze Insel oder nur auf den Freistaat beziehen.

262 Milotte: Communism, S. 157.

263 Connolly, James: Socialism and Nationalism. In: Ders., Collected Works. Vol. I, Dublin 1987, S.307f.

264 IWV, 6.10.1934, S. 1.

265 Cronin: Frank Ryan, S. 57.

266 Coogan: The I.R.A., S. 112. Ryan stimmte der Stillegung der Zeitung erst zu, nachdem Peadar O'Donnell gedroht hatte, er würde ansonsten Fußball-Notizen veröffentlichen, um die Auflage zu halten. Cronin: Frank Ryan, S. 69.

267 Cronin: Frank Ryan, S. 58.

268 Coogan: The I.R.A., S. 143. Als Unterzeichner listet Coogan auf: John J. Reilly, Ame- rican Association for the Recognition of the Irish Republic; Joe McGarrity, Clann na Gael; James Brady, Federation of Societies for Irish Independence; Sean Hayes, Associated Irish Societies of New York; John Staunton, Irish Societies of State of Ohio; Con Mounihan, Irish Societies, Boston, Mass.; Pat Hegarty, United Irishmen of Springfield, Mass.; M. J. Mullane, Irishmen of Butte, Mont.; M. J. McGing, Associated Irish Societies of Chicago; M. H. Enright, Clann na Gael Guards of Chicago; Robert Monteith, Casement Brigade; Gerald O'Reilly, Congress Supporting Groups of U.S.

269 Coogan: The I.R.A., S. 142.

270 Cronin: Frank Ryan, S. 58.

271 Cronin: Papers, S. 157f.

272 Coogan: The I.R.A., S. 111. Der Begriff 'Active Service Unit' wird heute von der IRA als Bezeichnung für ihre kämpfenden Einheiten benutzt.

273 Brief an Gerald O'Reilly, 18.4.1936. Zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 65.

274 Cronin: Frank Ryan, S. 82.

275 Irish Independent, 8.9.1936. Zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 77. Hätten Francos maurische Truppen in Spanien tatsächlich für ihren moslemischen Glauben gekämpft, so hätte der Independent wohl anders Stellung bezogen.

276 Coogan: The I.R.A., S. 151.

277 Cronin: Frank Ryan, S. 79.

278 Ebenda.

279 Ebenda, S. 80.

280 Ebenda, S. 81.

281 Ebenda, S. 84.

282 Lyons: Ireland, S. 533. Nach Bell waren es ca. 400 Freiwillige. The Secret Army, S. 164.

283 Vgl. Cronin: Frank Ryan, S. 88-103.

284 Bell: The Secret Army, S. 164.

285 Ebenda, S. 165.

286 Vgl. Cronin: Frank Ryan, Part II: Spain, S. 75-161.

287 Bell: The Secret Army, S. 144. Über das Ergebnis der Beratungen liegen keine Angaben vor.

288 Ebenda, S. 147.

289 Ebenda, S. 142.

290 Coogan: The I.R.A., S. 114.

291 Bell: The Secret Army, S. 150.

292 Coogan: The I.R.A., S. 114f.

293 Ebenda, S. 115.

294 Ebenda, S. 115f.

295 Hickey/Doherty: DIH, S. 107.

296 Coogan: The I.R.A., S. 116.

297 Hickey/Doherty: DIH, S. 107.

298 Coogan: The I.R.A., S. 116.

299 Ebenda, S. 120.

300 Bell: The Secret Army, S. 154.

301 Coogan: The I.R.A., S. 118f.

302 Ebenda, S. 121. Die Darstellung aller drei Fälle auch bei Lyons: Ireland, S. 533, sowie Bell: The Secret Army, S. 148 u. 155f.

303 Bell: The Secret Army, S. 156.

304 Ebenda, S. 155f.

305 Coogan: The I.R.A., S. 122. O'Higgins bekleidete verschiedene Ministerämter in der Regierung Cosgrave, darunter das des Justizministers. In dieser Funktion war er mit- verantwortlich für die Ermordung republikanischer Kriegsgefangener während des Bür- gerkrieges. Am 10. Juli 1927 wurde er auf dem Weg zur Kirche von einer republikanischen Einheit erschossen, die ohne Befehl der IRA operierte. Hickey/Doherty: DIH, 438f.

306 Coogan: The I.R.A., S. 122.

307 Ebenda, S. 123. Ebenso Bell: The Secret Army, S. 156.

308 Coogan: The I.R.A., S. 123.

309 Ebenda, S. 123.

310 MacBride wurde nach der Verhaftung Twomeys vom AC zum C/S ernannt, bis eine Army Convention zu einer regulären Wahl zusammentreten konnte. An seiner Seite standen Russell als QMG und Donal O'Donoghue als A/G. Bell: The Secret Army, S. 160.

311 Cronin: Frank Ryan, S. 71.

312 Bell: The Secret Army, S. 160f.

313 Cronin: Frank Ryan, S. 72.

314 Bell: The Secret Army, S. 161.

315 Ebenda, S. 164.

316 Ebenda, S. 160.

317 Ebenda, S. 164. Die Schilderung dieser Episode muß sich notgedrungen weitgehendst auf Bell stützen, da er als einziger ausführlich darauf eingeht. So erfrischend Bells Zynismus manchmal ist, so wünschenswert wäre hier eine genauere Untersuchung der politischen Gegensätze.

318 Ebenda, S. 164.

319 Ebenda, S. 165f.

320 Ebenda, S. 167.

321 Coogan: The I.R.A., S. 157.

322 Wobei aber doch zu sagen ist, daß Coogans Darstellung schon durch die diskriminierende Wortwahl an Glaubwürdigkeit verliert.

323 Bell: The Secret Army, S. 168.

324 Ebenda.

325 Ebenda, S. 197.

326 Ebenda, S. 175f.

327 Coogan: The I.R.A., S. 157.

328 Interview, Daily Mirror, 14.8.1936. Zit. in Coogan: The I.R.A., S. 154f.

329 Coogan: The I.R.A., S. 157.

330 Bell: The Secret Army, S. 177.

331 Ebenda.

332 Ebenda.

333 Ebenda, S. 178.

334 Coogan: The I.R.A., S. 158.

335 Bell: The Secret Army, S. 189. Um hier Mißverständnissen vorzubeugen, sei deutlich gesagt, daß - bei aller Sympathie für die irische Unabhängigkeitsbewegung - die Vorstellung einer effektiven Sabotage der britischen Kriegsindustrie im Jahr 1939, mit ihren unabsehbaren Folgen für den Kriegsverlauf, keine angenehme ist.

336 Lyons: Ireland, S. 534.

337 Bell: The Secret Army, S. 186.

338 Coogan: The I.R.A., S. 164. Die gleichen Adressaten nennt Fisk, Robert: In Time of War. Ireland, Ulster and the Price of Neutrality 1939-45. London 1983, S. 73 [Zit.: Time of War].

339 Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 220. Der gleichlautende Text auch in Coogan: The I.R.A., S. 164f.

340 Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 220. Die etwas kuriose Grammatik so im Original.

341 Der vollständige Text in Coogan: The I.R.A., S. 165-167.

342 Bell: The Secret Army, S. 188.

343 Coogan: The I.R.A., S. 167.

344 Fisk: Time of War, S. 73.

345 Zahlen nach Lyons: Ireland, S. 534.

346 Bell: The Secret Army, S. 179.

347 Für eine Schilderung der einzelnen Aktionen vergl. Bell: The Secret Army, S. 175-197, sowie Coogan: The I.R.A., S. 150-173.

348 Bell: The Secret Army, S. 178.

349 Fisk: Time of War, S. 73.

350 Bell: The Secret Army, S. 181.

351 Coogan: The I.R.A., S. 157.

352 Bell: The Secret Army, S. 182.

353 Ebenda, S. 195.

354 Ebenda.

355 Ebenda, S. 189.

356 Coogan: The I.R.A., S. 171.

357 Bell: The Secret Army, S. 182f.

358 Ebenda, S. 197.

359 Fisk: Time of War, S. 74.

360 Bell: The Secret Army, S. 193.

361 Coogan: The I.R.A., S. 173.

362 Bell: The Secret Army, S. 194.

363 Ebenda.

364 Ebenda, S. 193.

365 Ebenda, S. 194.

366 Coogan: The I.R.A., S. 160.

367 Bell: The Secret Army, S. 195.

368 Ebenda, S. 205.

369 Coogan: The I.R.A., S. 172. Der tatsächlich verantwortliche Volunteer war noch 1970 in Irland in psychatrischer Behandlung. Ebenda, S. 167.

370 Bell: The Secret Army, S. 203.

371 Ebenda, S. 195.

372 Coogan: The I.R.A., S. 173.

373 Bell: The Secret Army, S. 202.

374 Ebenda.

375 Ebenda, S. 204.

376 Ebenda.

377 Ebenda, S. 204f.

378 Coogan: The I.R.A., S. 179.

379 Bell: The Secret Army, S. 205.

380 Ebenda, S. 197.

381 Ebenda, S. 210.

382 Ebenda, S. 206. Die Standardwaffe der IRA war das Thompson-Gewehr, eine Maschinenpistole, für die Munition vom Kaliber .45 benötigt wurde. Da diese Munition auf dem europäischen Markt nicht in größeren Mengen erhältlich war, waren die Bestände der ebenfalls mit dieser Waffe ausgerüsteten irischen Armee eine naheliegende Quelle. Ebenda.

383 Ebenda, S. 206f.

384 Ebenda, S. 207. Übereinstimmende Angaben bei Coogan: The I.R.A., S. 177.

385 Ebenda, S. 208f. In den Einzelheiten gibt es kleine Unterschiede in der Darstellung Coogans, im großen und ganzen stimmen Coogan und Bell jedoch überein. Vgl. Coogan: The I.R.A., S. 177f.

386 Eine umfassende Erläuterung dieser juristischen Winkelzüge bietet Coogan: The I.R.A., S. 180f. Durch den Widerstand des Staatspräsidenten Douglas Hyde, der sich weigerte, dieses Gesetz ohne vorherige juristische Prüfung zu unterzeichnen, verzögerte sich die Inkraftsetzung bis zum 9. Februar.

387 Bell: The Secret Army, S. 214. Das Militärcamp Curragh im County Kildare wurde als spezielles Internierungslager für IRA-Volunteers eingerichtet.

388 Ebenda, S. 210f.

110 Ebenda, S. 211-213.

390 Ausführlich behandeln dieses Thema: Cronin, Sean: Washington's Irish Policy 1916- 1986. Independence, Partition, Neutrality. Dublin 1987 [Zit.: Washington]. Dwyer, T.R.: Irish Neutrality and the USA 1939-1947. Dublin 1977. Fisk: Time of War. Share, Bernard: The Emergency: Neutral Ireland 1939-45. Dublin 1975.

391 Salmon, Trevor C.: Die Neutralität Irlands - Eine politische Entwicklung? In: NATOBrief, Nr. 1/1984, Hrsg. v. NATO Information Service, Brüssel 1984, S. 29. Salmon spricht irrtümlich von fünf Häfen.

392 DEOR, Vol. 77 3/4, 2.9.1939. Zit. nach Mitchel/O'Snodaigh: IPD, S. 221.

393 Lyons: Ireland, S. 555.

394 Irish Press, 6.11.1940. Zit. nach Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 222.

395 50% des irischen Importes kamen aus Großbritannien, 90% des Exportes gingen dorthin, 64% des Außenhandels erfolgten auf britischen Schiffen. Memorandum des Dep. of Industry and Commerce, 18.4.1939, SPO S11394. Zit. in Fisk: Time of War, S. 84.

396 De Valera gebrauchte den Begriff "a certain consideration" gegenüber dem deutschen Gesandten in Dublin, Eduard Hempel. Hempel an Außenministerium, 31.8.1939. Zit. nach Fisk: Time of War, S. 55.

397 Außenminister v. Ribbentrop an Hempel, 26.11.1940. Zit. in Stephan, Enno: Geheimauftrag Irland. Deutsche Agenten im irischen Untergrundkampf 1939-1945. Oldenburg und Hamburg 1961, S. 196 [Zit.: Geheimauftrag Irland].

398 Mit Schreiben vom 13.11.1940 beauftragte Staatssekretär v. Weizsäcker den Gesandten Hempel, de Valera mitzuteilen, "daß entschlossener Widerstand ... Irland selbstverständlich in eine Front mit Deutschland führen werde. Wenn England 'endgültig zerschmettert' sei, dürfe Irland 'eine völlig veränderte Situation' erwarten, die es dem Land ermöglichen werde, seine nationalen Ziele zu verwirklichen." Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 195.

399 Schramm, Percy E. (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Paperb., 8 Bd., München 1982. Band I/1, S. 191. Kursivschrift im Original. LIL: Abt. Landesverteidigung, Gruppe I: Operation, Luftwaffe.

400 Bericht über den Lagevortrag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, am 3.12.1940. Ebenda, S. 197.

401 Ebenda.

402 Hempel an Außenministerium, Telegramm 825, 17.12.1940. Zit. in Stephan: Geheim-auftrag Irland, S. 199f.

403 Lyons: Ireland, S. 555f.

404 Fisk: Time of War, S. 135.

405 Ebenda, S. 150.

406 Generalmajor Ismay an W. Churchill, 29.5.1940. PRO PREM 3/130. Zit. in Fisk: Time of War, S. 160. Vermutlich bezog sich Ismay auf den Plan für "Operation Kathleen", den die IRA im April nach Deutschland schickte. Dieser Plan einer Invasion Nordirlands war allerdings so phantastisch, daß die deutschen Stellen ihn sofort verwarfen: er sah u. a. vor, deutsche Panzer nach Irland zu bringen, indem man sie hinter U-Booten herschleppte. Vgl. Cronin: Washington, S. 88.

407 Zusammenfassender Bericht von Desmond Morton, pers. Berater Churchills, 10.6.1940. PRO PREM 3/131/2. Zit. in Fisk: Time of War, S. 122. Der Begriff "local Quisling" bezieht sich auf den Norweger Vidkun Quisling, der die völkische Bewegung "Nasjonal Samling" gründete und im besetzten Norwegen Regierungschef wurde. Er wurde 1945 als Kollaborateur hingerichtet.

408 Cabinet Minutes, 20.6.1940. PRO CAB 66/9. Zit. nach Fisk: Time of War, S. 167.

409 Vgl. die ausführliche Darstellung bei Fisk: Time of War, S. 169-177.

410 Bell: The Secret Army, S. 196f.

411 Invasion! If the British Come Back? If the Germans Land? If Both Come - What Then? A Republican Answer. By Peadar O'Donnell and George Gilmore. NLI Poster Collection. Zit. in Mitchell/O'Snodaigh: IPD, S. 226. Der Hinweis auf die "Conscription" bezieht sich auf den zweimal gescheiterten Versuch der nordirischen Regierung, die Wehrpflicht auf die Provinz auszudehnen (April 1939 und Mai 1941). Der Plan, beim zweiten Anlauf mit Unterstützung Churchills vorgetragen, traf auf heftigen Widerstand nicht nur der Republikaner, sondern auch der irischen Regierung, der katholischen Kirche sowie liberaler Kreise in England. Vgl. Fisk: Time of War, S. 78-83.

412 Vgl. dazu: Carter, Carolle J.: The Shamrock and the Swastika. Palo Alto, Cal. 1977; Coogan: The I.R.A., S. 260-279; Fisk: Time of War, besonders S. 287-328; Stephan: Geheimauftrag Irland; Sturm: Hakenkreuz und Kleeblatt, besonders S. 204-213.

413 Fisk: Time of War, S. 75.

414 Ebenda.

415 Sturm: Hakenkreuz und Kleeblatt, S. 207.

416 Fisk: Time of War, S. 76.

417 Ebenda.

418 Ebenda.

419 Ebenda, S. 118.

420 Ebenda, S. 300f. Bei dem Invasionsplan handelte es sich um den bereits erwähnten Plan für "Operation Kathleen". Für die Abwehr wirkte dieser Plan so amateurhaft, daß sein Überbringer, Stephen C. Held, zunächst für einen britischen Agenten gehalten wurde. Fisk: Time of War, S. 301.

421 Ebenda, S. 301.

422 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 189.

423 Ebenda, S. 190. Görtz hat nach seiner Verhaftung zwei Papiere verfaßt, in denen er seine Geschichte erzählt. Das Statement Nr. 1 datiert vom Dezember 1941, Statement Nr. 2 vom Oktober 1945. Soweit Einschätzungen von Görtz zitiert werden, beziehen sich alle Autoren auf diese Dokumente.

424 Ebenda.

425 Coogan: The I.R.A., S. 194,

426 Kriegstagebuch der Abwehr II, zit. nach Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 193.

427 Fisk: Time of War, S. 306.

428 Sturm: Hakenkreuz und Kleeblatt, S. 209.

429 Cronin: Frank Ryan, S. 196.

430 Ebenda, S. 239f.

431 Wighton, Charles und Günter Peis: They Spied on England. Based on the German Secret Service War Diary of General von Lahousen. London 1958, S. 67. Zit. nach Sturm: Ha-kenkreuz und Kleeblatt, S. 210.

432 Sturm: Hakenkreuz und Kleeblatt, S. 185.

433 Russell an den deutschen Botschafter in den USA, 21.10.1936. Zit. in Sturm: Haken-kreuz und Kleeblatt, S. A 140 (Anhang).

434 Cronin: Frank Ryan, S. 183.

435 Ebenda.

436 Fisk: Time of War, S. 87.

437 Bell: The Secret Army, S. 204.

438 Fisk: Time of War, S. 293.

439 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 102f.

440 Fisk: Time of War, S. 293f.

441 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 104f.

442 Fisk: Time of War, S. 294. Ebenso Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 102f. Stephan gibt an, daß hierzu eine Stellungnahme Eduard Hempels eingeholt wurde, der eindringlich vor einer Landung warnte. Die deutsche Gesandtschaft war vermutlich die einzige Stelle in Irland, die über den Verbleib Russells informiert war.

443 Fisk: Time of War, S. 294. Ebenso Stephan: Geheimauftrag Irland, S.160.

444 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 162-164.

445 Cronin: Frank Ryan, S. 134.

446 Ebenda, S. 146.

447 Ebenda, S. 156-160.

448 Ebenda, S. 152.

449 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 164-166.

450 Vgl. Fisk: Time of War, S. 295.

451 Diesen Punkt bestätigt auch Stephen Hayes in einem Interview mit der Zeitschrift The People im November 1962. Danach versuchte die IRA, durch die Befreiung Ryans einen Propagandaerfolg gegen de Valera zu erreichen. Zit. in Cronin: Washington, S. 88.

452 Cronin: Frank Ryan, S. 161f.

453 Ebenda, S. 188-190.

454 Ebenda.

455 Kriegstagebuch der Abwehr II, 3.9.1940. Zit. in Cronin: Frank Ryan, 188f.

456 Fisk: Time of War, S. 295. Hempel hat seine Version im November 1963 in einer Artikelserie für die Dubliner Sunday Press unter dem Titel Ireland on the Brink dargestellt.

457 Ryan an O'Reilly, 8.12.1940. Zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 199.

458 Ryan an Kearney, 6.11.1941. Zit. nach Cronin: Frank Ryan, S. 239.

459 Cronin: Frank Ryan, S. 195f.

460 Ebenda, S. 192.

461 Bell: The Secret Army, S. 237. De Lacy gehörte schon vor dem Osteraufstand zur repu- blikanischen Bewegung. 1915 floh er in die USA und arbeitete Anfang der 20er Jahre mit Devoy und McGarrity an Waffenlieferungen für die IRA. Durch die Hochzeit mit Hayes Schwester kam es zur Freundschaft zwischen ihm und Hayes. Vgl. Cronin: Washington, S. 85.

462 Bell: The Secret Army, S. 238.

463 Ebenda.

464 Ebenda.

465 Diesen Teil der Geschichte berichten übereinstimmend Coogan: The I.R.A., S. 197f., Bell: The Secret Army, S. 238-244, sowie Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 223-226, wobei Stephan 1961 aus Sicherheitsgründen noch keine Namen nennt. Bei dem von ihm auf den Seiten 249f. als "X" zitierten Mitglied des Kriegsgerichtes handelt es sich vermutlich um Pearse Kelly.

466 Ungeklärt ist vor allem die Frage, ob und in welchem Umfang Hayes mißhandelt wurde, um sein Geständnis zu erzwingen. Diese Frage wird vermutlich nicht mehr geklärt werden können. Angesichts des massiven psychischen Drucks, dem Hayes ausgesetzt war, ist sie aber irrelevant zur Beurteilung des Wahrheitsgehaltes von Hayes Geständnis.

467 Bell: The Secret Army, S. 248. Eine ausführliche Darstellung des Geständnisses bietet Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 228-248.

468 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 233.

469 Gray an State Department, 24.11.1941. Zit. nach Cronin: Washington, S. 83.

470 Hempel an Außenministerium, 2.11.1941. Zit. in Cronin: Frank Ryan, S. 194.

471 Veesenmayer an Staatssekretär Woermann, 18.11.1941. Zit. in Cronin: Frank Ryan, S. 194.

472 Zit. in Cronin: Washington, S. 85.

473 Zit. Ebenda, S. 84.

474 J.E. Hoover an Assistant Secretary of State A.A. Berle, 30.9.1943. Zit. nach Cronin: Washington, S. 86.

475 Bell: The Secret Army, S. 245.

476 Fisk: Time of War, S. 309.

477 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 252.

478 Coogan: The I.R.A., S. 202.

479 Vgl. die Darstellung eines der beteiligten Minister: Boland, Kevin: 'We won't stand (idly) by'. Dublin o.J., sowie Downey, James: Them & Us. Britain, Ireland and the Northern Question 1969-1982. Dublin 1983, S. 61-73.

480 Bell: The Secret Army, S. 249.

481 Ebenda, S. 250.

482 Stephan: Geheimauftrag Irland, S. 249.

483 Bell: The Secret Army, S. 258f.

484 Ebenda, S. 262.

485 Ebenda, S. 278f.

486 Ebenda, S. 279.

487 Lyons: Ireland, S. 535.

Details

Seiten
109
Jahr
1992
ISBN (Buch)
9783640478736
Dateigröße
884 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Geschichte
Note
Sehr gut
Schlagworte
Irland IRA Sinn Fein Terrorismus Republikanismus

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die außerparlamentarische, republikanische Bewegung in Irland 1925-1945