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Der Tourismus in Südeuropa und den Alpen. Eine Unterrichtseinheit (6. Klasse Mittelschule, Bayern)

von Chris K. (Autor)

Unterrichtsentwurf 2020 14 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhalt

Geographiestunde: Tourismus in Südeuropa und den Alpen im Vergleich

Die Sachanalyse
Definition des Tourismus
Die Entwicklung des Tourismus
Tourismus im Alpenraum
Wirkungen des Tourismus im Hochgebirge
Management Strategien in Hochgebirgsregionen: Sanfter Tourismus
Das Beispiel Heiligenblut (Österreich)
Der Badetourismus in Spanien und Südeuropa
Das Beispiel Mallorca: Wirkungen des Badetourismus

Die Didaktische Analyse
Gegenwartsbedeutung
Zukunftsbedeutung
Exemplarische Bedeutung
Thematische Struktur

Die didaktische Reduktion

Der Lehrplanbezug

Die Stundenmatrix für 2 Doppelstunden
1. Doppelstunde: Tourismus in den Alpen
2. Doppelstunde: Tourismus in Südeuropa

Die Methodische Analyse

Die Sachanalyse

Im Folgenden wird die inhaltliche Thematik der Unterrichtstunde fachlich ausgeführt.

Definition des Tourismus

Das Wort Tourismus ist die verallgemeinerte Bezeichnung für Menschen, die touristisch reisen. Diese Touristen zeichnen sich durch drei Merkmale aus. Touristen sind ortsfremd und sie besitzen ihren Wohnsitz an einem anderen Ort. Sie halten sich am Zielort nur kurzfristig auf und üben dort keine berufliche Tätigkeit aus (vgl. Steinecke 2011: 21).

Die Entwicklung des Tourismus

Es gibt verschiedene touristische Trends in kurz- und langfristiger Zukunft. In langfristiger Zukunft zeigen sich heutzutage ungewöhnliche Trends wie intergalaktische Reisen und Cyberspace-Reisen. Aktuelle, kurzfristige Trends zeichnen sich durch eine besondere Trendvielfalt aus. So gibt es mehr Angebote mit Trend- und Extremsportarten. Seit den 70er Jahren gibt es einen Trend zur Größe, den man heute in Ferienparks, Stadthotels oder Multiplexkinos wiedererkennt. Darüber hinaus gibt es einen Trend zu sogenannten Events, also als einmalig deklarierte Veranstaltungen. Man unterscheidet beispielsweise kulturelle, sportliche oder wirtschaftliche Events. Regionale Reisen haben zugelegt, dennoch ist Südeuropa das Hauptreiseziel Europas (vgl. Mose 2012: 11f.). „Mit einem Marktanteil von 51% war Europa im Jahr 2010 mit großem Abstand das Hauptziel der internationalen Tourismusströme.“ (Mose 2012: 37f.). Die Deutschen bevorzugen den europäischen und außereuropäischen Mittelmeerraum. Ebenso beliebt sind auch Reisen im eigenen Land (vgl. Steinecke 2011: 21).

Tourismus im Alpenraum

„In keinem anderen Hochgebirgsraum der Erde hat der Tourismus einen ähnlich eindrucksvollen Siegeszug antreten können, wie in den Alpen: Mit geschätzten 5 Mio. Ferienbetten, 120 Mio. Feriengästen, 550 Mio. Übernachtungen und 45 Mrd. Euro Umsatz im Jahr gelten die Alpen als eine der größten Ferienregionen weltweit.“ (vgl. Mose 2012: 72). Früher dominierte in dieser Region der Erholungstourismus im Sommer, mittlerweile macht die größte Bedeutung der Wintersport aus. Durch den Massentourismus hat sich die Lebens- und Wirtschaftsweise der Alpenbewohner massiv geändert. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung nimmt der nachhaltige Tourismus an Bedeutung zu (vgl. Mose 2012: 72). Seit 1998 zeigt sich ein klarer Trend von zunehmenden Übernachtungen in der Wintersaison und stagnierenden Übernachtungszahlen in der Sommersaison. Es zeigt sich, dass die Winterurlauber deutlich jünger sind, im Internet buchen und mit der Familie anreisen (vgl. Steinecke 2011 174f.).

Wirkungen des Tourismus im Hochgebirge

Die positiven ökonomischen Wirkungen des Tourismus haben zu einer Aufwertung des Alpenraums geführt. Allerdings gibt es eine sehr starke Flächenkonkurrenz, d.h. wenig Siedlungsraum mit viel Nutzungskonkurrenz. Darüber hinaus gibt es auch negative ökologische Folgen für die Alpen. Hier sei das höhere Verkehrsaufkommen, und der verstärkte Siedlungsausbau genannt. Besondere Belastungen gibt es durch den Bau von Aufstiegshilfen und Skipisten. Durch diesen geschieht ein großer Eingriff in den Naturhaushalt. Es werden Rodungen gemacht, Felsen weggesprengt und Erde planiert. Hinzu kommt der Aufbau der Skipisten mit Verbundsystemen. Jedoch sind diese Skipisten auch Verstärker für Touristenaufkommen und Gastronomiebereiche. Die Zerstörung des Oberbodens der Alpen zerstört dessen Wasserspeicherfähigkeit. Der Pistenausbau führt ebenso höheren Windgeschwindigkeiten und Temperaturschwankungen. Besonders negative Folgen hat die Erschließung von Gletscherskigebieten (bspw. Tuxertal, Öztal, Dachstein). Man versprach sich hiervon beispielsweise eine Schneegarantie. Allerdings gibt es auch hier fatale Folgen für die Umwelt. Abfälle, zusätzliche bauliche Maßnahmen in großer Höhe und Luft- und Lärmbelästigung zählen auch in den Gletscherskigebieten zu den Problemen (vgl. Steinecke 2011: 179f.).

Management Strategien in Hochgebirgsregionen: Sanfter Tourismus

Um der Umweltbelastung durch den Tourismus in den Alpen entgegenzuwirken, gibt es eine Suche nach neuen Formen des Tourismus, welcher umweltschonender ist. Dies ist auch unter dem Begriff „Sanfter Tourismus“ bekannt. So gibt es einen Trend zu diesem sanften Tourismus auch in den Alpen. Beispielsweise gibt es den Weitwanderweg „Grande Traversata delli Alpi“, einem Projekt des Sanften Tourismus, mit dem versucht wurde, den Problemen der Region, wie die Abwanderung in Städte oder der Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe zu begegnen. Der Wanderweg verläuft so, dass er Dörfern und Bauern Einnahmen beschert. Es konnten hierfür zudem alte Almwege benutzt werden (vgl. Heinecke 2011: 198).

Der Innovationszwang der Touristenregionen in den Alpen führte zu einer Eventisierung. So gibt es beispielsweise in Ischgl Megaevents mit Weltstars. Ein weiteres Beispiel ist das Spektakel „Hannibal“ am Rettenbach-Gletscher. Darüber hinaus gibt es nostalgische Unterkunftskonzepte mit Bauernhäusern. Die Wünsche der Touristen werden von den alpinen Destinationen angenommen. Ebenso gibt es den Trend einer neuen Muße und Nachhaltigkeit. Ein Beispiel sind hierfür Weitwanderwege, wie „Via Alpina“ (vgl. Steinecke 2011: 196f.).

Das Beispiel Heiligenblut (Österreich)

Die Gemeinde Heiligenblut liegt in Kärnten in Österreich. Aufgrund des Tourismus gab es hier verschiedene Umstrukturierungen. „Mit dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner (3.789 m), war die Gemeinde schon frühzeitig ein begehrtes Ziel von Alpinisten.“ (Mose 2012: 72). Durch den Tourismus wuchs zuerst die Gemeinde. Von einem Bergbauerndorf in den 1890er Jahren entwickelte sie sich zu eine Touristenstadt. Der zunehmende Tourismus hatte auch infrastrukturelle Konsequenzen. 1935 wurde die Großglockner Hochalpenstraße fertiggestellt. Gleichzeitig wurden beispielsweise Hotels gebaut. Die zunehmende Individualisierung des Motorverkehrs führte zu einem hohen Verkehrsaufkommen auf der Großglocknerstraße. Durch den Bau weiterer alpenüberquerender Straßen ging der Verkehr, und damit auch der Tourismus auf der Hochalpenstraße zurück (vgl. Mose 2012: 72). „Erst infolge der Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ nach 1991 kam es zu einem (vorübergehenden) Wiederanstieg der Besucher- bzw. Fahrzeugzahlen. In den 1960er Jahren wurden Wintersporteinrichtungen geschaffen. Aus diesem Grund stiegen auch die Übernachtungszahlen in Heiligenblut und die Zweisaisonalität, die Winter- und Sommersaison für Touristen entwickelte sich. Allerdings musste die Sommersaison einen Bedeutungsverlust erleiden. Es wurden Stadtteile saniert und Seilbahnen sowie Skilifte gebaut. Die heutige touristische Nutzung der Gemeinde Heiligenblut ist in der Sommersaison durch bergsport- und naturorientierten Tourismus geprägt, z.B. durch Schutzhütten oder Wanderwege. Hier entwickelte sich der Nationalpark hohe Tauern. Hier konnten wiederum neue touristische Gebiete erschlossen werden, beispielsweise durch Forschungsstellen und Beobachtungswarten. In der Wintersaison ist der Nationalpark jedoch kaum von Bedeutung. Ebenso wird die sommersaisonale touristische Infrastruktur auf den Nationalpark ausgerichtet. Hier spielt auch die gemischte Nutzung in Form des Naturschutzes und des Tourismus eine Rolle. So gibt es verschieden starke Nutzugsbereiche des Nationalparks, um beides in Einklang zu bringen (vgl. Mose 2012: 73f.).

Der Badetourismus in Spanien und Südeuropa

Besonders in den Ländern des Mittelmeeres hat der Badetourismus einen besonderen Wert. In Spanien hat der Binnentourismus jedoch eine geringere Bedeutung als in Frankreich oder Italien. Aber der Badetourismus hat in diesen Ländern eine hohe Bedeutung, aufgrund steigender Durchschnittseinkommen und anderer Arbeitszeiten. Auch in der Türkei hat der Badetourismus zugenommen mit verschiedenen Folgen für die Bebauung der Küstenstreifen (vgl. Steinecke 2011: 152f.). Ebenso modern sind Langzeitaufenthalte und Ruhesitzwanderungen in den Süden. Mallorca, Andalusien, Tunesien und Mallorca erfahren Langzeitaufenthalte von Rentnern und Pensionären, besonders in den Wintermonaten. Viele Ruhesitzwanderungen gibt es beispielsweise auf Mallorca. Dies sind Rentner aus dem Ausland im Ruhestand. Dabei sind dies nicht nur deutsche Ruheständler, sondern besonders welche aus Großbritannien, aber auch einige aus den Niederlanden oder Belgien (vgl. Steinecke 2011: 154f.). „Neben Spanien sind Italien, Portugal und Malta wichtige Ziele des Residenztourismus“ (Steinecke 2011: 155).

Das Beispiel Mallorca: Wirkungen des Badetourismus

Die Effekte des Badetourismus haben Vor- und Nachteile. Neben der Zuwanderung von Arbeitskräften und Einkommen, stehen Flächenverbrauch und Umweltverschmutzung. Am Beispiel Mallorcas macht sich dies deutlich. Seit den 1960er entwickelte sich der Tourismus zum Massentourismus mit den Folgen überdimensionaler Hotelanlagen und Bauspekulationen. Im Jahr 1960 hatte Mallorca noch 362000 Touristen im Jahr. Im Jahr 2010 waren es 10 Millionen. Dies führte auf der Insel zu gravierenden sozioökonomischen Veränderungen. Zu Beginn war Mallorca eine Agrargesellschaft. Durch den Tourismus entstanden Urlaubsorte an der Küste und junge Menschen zogen in die Städte. Mallorca wurde zu einer Abwanderungsregion, aber auch zu einer Zuwanderungsregion: Viele Festlandspanier zogen nach Mallorca, um in der Baubranche zu arbeiten. So entwickelte sich Mallorca zu einer Dienstleistungsgesellschaft, ohne den Weg zum sekundären Sektor gegangen zu sein. Durch den Tourismus auf Mallorca kam es zu Landschaftszerstörungen und Landschaftsverbrauch. Besonders werden Flächen in Meeresnähe durch Wohnkomplexe oder neue Siedlungen verbraucht. Diese Baumaßnahmen waren oft planlos und ohne Prinzipien erbaut. Darüber hinaus gibt es auf Mallorca eine hohe Wasserverschmutzung und Müllaufkommen, für die auch die große Menge der Touristen verantwortlich ist. Im Jahr 2010 war die Rücklaufquote von Recyclingstoffen in Spanien bei 14%, in Deutschland bei 48% (vgl. Steinecke 2011: 156ff.).

Qualitätsverbesserung des touristischen Angebots

Ab den 1990er Jahren wurden Qualitätsverbesserungen des touristischen Angebots in Spanien vorgenommen. Beispielsweise wurde im Jahr 1990 der „Plan zur Modernisierung der auf den Balearen vorhandenen touristischen Unterkünfte“ durchgesetzt, der die Schließung von Hotels mit mangelhafter Ausstattung vorsah (vgl. Steinecke 2011: 162). In Spanien kam es zu vermehrten Umweltschutzmaßnahmen. „Im Jahr 2002 wurde eine Ökosteuer erhoben, um überlastete Tourismusgebiete zu sanieren und Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen“ (Steinecke 2011: 162). Im Jahr 2010 begann der Umbau des Playa de Palma auf Mallorca. Die Anzahl von 40000 Hotelbetten sollte auf die Hälfte reduziert werden. Da der Badetourismus mit der Zeit eher austauschbar wurde, entwickelten sich neue Wettbewerbsstrategien. Im Mittelmeerraum setzen die Badedestinationen die Strategie der Angebotsdifferenzierung ein. Seit 1992 sollte das Massenpublikum auf die kulturelle Vielfalt Spaniens aufmerksam gemacht werden. Der Kulturtourismus wurde durch neue Events und Strukturen wie dem Bau des Guggenheimmuseums in Bilbao gefördert. Auf Mallorca wurde mehr Qualitätstourismus akquiriert, wie beispielsweise Golftourismus, Agrotourismus oder nautischer Tourismus. Andere Regionen im Mittelmeerraum haben ähnliche Diversifizierungsstrategien. In der Türkei beispielsweise werden folgende neue Märkte erschlossen: Wintersporttourismus, Wellnesstourismus, oder Kulturtourismus (vgl. Steinecke 2011: 163f.).

Die Didaktische Analyse

Im Folgenden findet eine Gliederung nach Haubrich/Reinfried der didaktischen Bedeutung statt.

Gegenwartsbedeutung

Der Tourismus im Alpenraum und in Südeuropa hat eine hohe Bedeutung für die SuS. Diese fahren oft mit ihren Familien in diese Regionen in den Urlaub. Die Verantwortung der SuS für die Umwelt wird somit in der Gegenwartgeweckt.

Zukunftsbedeutung

Auch in Zukunft, als erwachsene Menschen werden die SuS überwiegend in diese Regionen (Alpen, Mittelmeer) in den Urlaub fahren. Ebenso gehört es zum Allgemeinwissen, dass das Mittelmeer und die Alpen zu den größten touristischen Regionen der Erde gehören. Die SuS lernen ebenso, in Zukunft Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.

Exemplarische Bedeutung

Der Alpenraum und der Mittelmeerraum dienen als Beispiel für Massentourismus und seine Folgen für die Umwelt und die Natur.

Thematische Struktur

Das Thema gliedert sich vom Allgemeinen zum Speziellen. Es werden die Entwicklungen im Tourismus und seine Folgen für die Umwelt herausgearbeitet. Diese Entwicklungen werden auf den Raum der Alpen und der Mittelmeerländer fokussiert. Beispielhaft werden die Entwicklungen im Massentourismus und dessen Folgen für die Umwelt am Beispiel Mallorca und Heiligenblut erläutert.

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Details

Seiten
14
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346205193
ISBN (Buch)
9783346205209
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v901010
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Schlagworte
Alpen Spanien Tourismus Unterricht Schule Baden Urlaub Ski Stunde Artikulationsschema Zusammenfassung Didaktik Geographie Schnee Schüler Meer Hotel Wintertourismus

Autor

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    Chris K. (Autor)

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