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Was Gartenbau bewirken kann: Die Bundesgartenschau 2007 aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 26 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhalt

1 Spätestens zur BuGa! – Eine Einleitung

2 Die kulturwissenschaftliche Perspektive

3 Die Idee der Bundesgartenschau und ihre Entwicklung

4 Das Konzept der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg

5 Von blühenden Landschaften und anderen (Blüten-)Träumen

6 Gärten für Jedermann ? – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Neuordnung des Raums

7 Von der Abrechung mit der Vergangenheit: Auf der Suche nach einem neuen Selbstbild

8 Spätestens zur BuGa! – Ein Fazit

Literatur

Materialien

1 Spätestens zur BuGa! – Eine Einleitung

Es ist Tag 51 vor der Eröffnung der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg. Seit 49 Tagen zählt die lokale Tageszeitung den Countdown bis zum Startschuss für das lang ersehnte und mit allerlei Hoffnungen besetzte Großereignis in der Region. An diesem Tag 51 erkundige ich mich beim Kauf eines Fahrscheins am Schalter des Geraer Bahnhofes nach dem Abschluss der nun schon um einige Wochen, wenn nicht gar Monate verzögerten Bauarbeiten am Hauptbahnhof der Stadt – eines der vielen Bauprojekte, die im Rahmen der Vorbereitung zur BuGa in Gera und Ronneburg gestartet wurden. Nicht wirklich aussagefähig teilen mir die Damen von der Deutschen Bahn mit, dass sie mir hierzu nichts sagen könnten, dass sie das ja überhaupt nichts anginge. »Überaus kompetent«, denke ich mir nur und will mich schon auf den Weg zum Zug machen, da schaltet sich eine weitere Bahnangestellte in das Gespräch ein: Spätestens bis zur BuGa wird das fertig sein, da ist sie sich sicher.

Unabhängig davon, wie die Unwissenheit der örtlichen DB-Mitarbeiterinnen und das Desinteresse für die nur wenige Meter von ihrem Schalter entfernte Baustelle am Bahnsteig zu bewerten ist, ist das, was sich in dieser Situation abspielte, was von der Ticketverkäuferin eher beiläufig geäußert wurde, in den Wochen vor der Gartenschau-Eröffnung vielerorts in Gera zu erleben gewesen.[1]

Spätestens zur BuGa! In diesem Ausruf konzentrieren sich alle Hoffnungen, Wünsche und Ziele, die die Region Gera-Ronneburg seit dem Zuschlag zur Ausrichtung der Bundesgartenschau vor zehn Jahren bestimmen und die nun so kurze Zeit vor der Eröffnung besonders zu Tage treten. Diese wiegen umso schwerer, wenn man sich die Entwicklung der Städte Gera und Ronneburg in den letzten siebzehn Jahren vergegenwärtigt. Trotz aller offensichtlichen Modernisierungen und einer umfassenden Stadtsanierung leidet Gera (wie viele andere ostdeutsche Städte) bis heute an den Auswirkungen der Nachwendezeit, unter dem Wegbruch vieler tausend Arbeitsplätze, am Niedergang der ehemals bestimmenden Textil-, Maschinenbau- und Elektronikindustrie. Arbeitslosigkeit ist nur die unmittelbarste Folge dessen. Abwanderung, vor allem von jungen Leuten, und damit ein stetes Schrumpfen der Einwohnerzahl leiten sich u.a. davon ab.[2] Hinzu kommt ein eher stiefmütterliches Dasein unter den großen Thüringer Städten.

Während die Städtekette Erfurt-Weimar-Jena zu den Leuchtturmregionen im Osten Deutschlands gezählt wird, hinkt die zweitgrößte Stadt des Freistaates[3] nur mühsam und vernachlässigt hinterher.

Ebenso ist in Ronneburg nach der Einstellung des Uranerzbergbaus durch die Wismut eine große Lücke aufgebrochen. Zur wirtschaftlich schweren Lage gesellte sich hier die Einsicht in die unvorstellbaren Umweltzerstörungen, die der Bergbau nach vierzig Jahren in Form von gewaltigen Tagebaulöchern, Schutthalten und verseuchten Böden hinterlassen hatte.

Mit der Ausrichtung der Bundesgartenschau soll vielen der genannten Sorgen Abhilfe verschafft werden und so verlässt man sich ganz auf ihre immer wieder beschworene Wirkung, wie sie z.B. vom Präsidenten des Zentralverbandes für Gartenbau formuliert wird: Gartenschauen haben in Deutschland bereits Großartiges geleistet! Ich betrachte unsere Gartenschauen stets als einen Motor und einen touristischen Höhepunkt für die ausrichtenden Städte. [ ... ] Planer, Architekten und Gärtner gestalten derzeit unter Hochdruck in den beiden Ausstellungsbereichen neue grüne Oasen und neue Parklandschaften [ ... ] . Damit die ganze Region Gera und Ronneburg im Jahr 2007 ein einziges grünes und blühendes Aushängeschild wird.[4]

Mit »blühen« sind gewiss nicht nur die Blumenfelder und die zahlreichen Anpflanzungen in der Stadt gemeint. Der über einen BuGa-Sticker transportierte Slogan Zeit zum Aufblühen weist damit einen doppeldeutigen Sinn auf; erinnert er doch an die nach der Wende versprochenen blühenden Landschaften im Osten der Republik, die hier nun zwar verspätet, aber eben besser spät als nie entstehen sollen. Ergänzt werden könnten diese offiziellen Mottos angesichts der Entwicklung in der Region und den unzähligen Erwartungen auch um Formulierungen wie Letzte Hoffnung Gartenschau oder Von Gartenräumen und Wirtschaftsträumen.

Inwieweit sich diese Erwartungen letztlich erfüllen lassen oder eben doch nur (Blüten-) Träume bleiben, kann noch lang nicht abschließend eingeschätzt werden. Doch schon heute ist die Strahlkraft der Bundesgartenschau zu beobachten.[5] Da sind zum einen die zahlreichen städtebaulichen Umgestaltungen in Gera und die gewaltige Leistung der Renaturierung des ehemaligen Wismutreviers um Ronneburg zu nennen. Aus vormals lebensfeindlichen Mondlandschaften wurden in über zehn Jahren Sanierungsarbeit wieder lebenswerte Naturräume geschaffen.[6] Zum anderen findet kaum eine öffentliche Veranstaltung oder städtische Initiative statt, die sich nicht auf die BuGa beruft und mehr oder minder stark auf sie ausgerichtet ist.[7]

Im Folgenden möchte ich die Geschehnisse um die Bundesgartenschau 2007 genauer in den Blick nehmen.[8] Dabei soll zunächst die Idee der BuGa im Allgemeinen vorgestellt und damit verbunden die Entwicklung der Gartenschau angerissen werden. Wenn ich mich schließlich auf die diesjährige Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg konzentriere, richte ich den Blick – wie das Vorangehende bereits vermuten lässt – weniger auf die entstandenen Landschaften als solche, als vielmehr auf die Bedeutung des Ereignisses für die Stadt und Region Gera. Dabei fokussiere ich mich einerseits auf die erhofften bzw. angezielten, andererseits aber auch auf die tatsächlichen und sich eher im Verborgenen ergebenden Auswirkung auf den städtischen Raum und seine Bewohner.[9] Betrachten werde ich hierfür (1) den öffentlichen Diskurs um die Gartenschau, (2) die vielen Erwartungen, die sich an sie knüpfen und (3) die sich aus der BuGa ergebenden Impulse für die Stadtentwicklung. Insgesamt betrachtet, interessiert mich an der BuGa 2007 ihre Instrumentalisierung zur Überwindung der brüchig und damit problematisch gewordenen Identität der Region, sowie ihre Funktionalisierung für die Entwicklung des städtischen Raums und für die Ausarbeitung dringend benötigter Zukunftskonzepte.

2 Die kulturwissenschaftliche Perspektive

Von einer kulturwissenschaftlichen Perspektive zu sprechen, führt auf zwei unumgängliche Notwendigkeiten hin: Zum einen ist es in Anbetracht der modischen Deklaration der verschiedensten geistes- und sozialwissenschaftlich Disziplinen als Kulturwissenschaften[10] ratsam, das jeweils gemeinte Wesen der kulturwissenschaftlichen Perspektive aufzuzeigen. Zum anderen halte ich es für sinnvoll, ein Bild davon zu skizzieren, was unter Kultur verstanden werden soll.[11]

Um mit der letztgenannten Notwendigkeit zu beginnen, möchte ich auf eine von Hartmut Böhme vorgebrachte Vorstellung von Kultur zurückgreifen: »Unter Kultur wird das in sich plurale [...] und historisch dynamische Ensemble symbolischer Ordnungen und materieller Praktiken verstanden, das eine Gesellschaft zu ihrer Selbstpositionierung im Zusammenhang ihrer Geschichte und im Kontext anderer Gesellschaften zum Zweck ihrer normativen [...], kognitiven und politischen Orientierung ›konstituiert‹, ›aushandelt‹ und mit Verbindlichkeit versieht.«[12] Dieses Ensemble schlägt sich in allen alltäglichen Praktiken nieder und bildet damit erst die von uns gelebte Wirklichkeit; und in gleichem Maße wie wir selbstverständlich danach handeln, reproduzieren wir dieses Gefüge mehr oder weniger konstant durch unser Handeln selbst.

Die kulturwissenschaftliche bzw. kulturanthropologische Perspektive setzt nun an dieser Alltäglichkeit, die für gewöhnlich gar in einer Unsichtbarkeit mündet, an. Ihr geht es darum, die »naiv gelebte Welt«, also das Unsichtbare sichtbar zu machen und die »›Artikulation der Anteilnahme‹ einschließlich der Entscheidungsalternativen des auf ›Lagebewältigung‹ hin handelnden Wesens Mensch zu untersuchen«[13]. Die Selbstverständlichkeiten, die den Menschen zum einen Sicherheit geben, zum anderen ihn aber auch in seinen Möglichkeiten einschränken, sollen damit entlarvt werden.

Auf die Offenlegung der Selbstverständlichkeiten abzielend, zeigt sich der von René Descartes eingeführte radikale methodologische Zweifel[14] als überaus erkenntnisfördernd. Descartes sah sich gezwungen, »daß man an allem, was ich für wahr hielt, zweifeln könne und zwar nicht aus Unbedachtsamkeit und Leichtsinn, sondern aus triftigen, wohlüberlegten Gründen«.[15] Dieser radikale Zweifel erweist sich gerade für eine Kulturanthropologie, die der Emanzipation und der Humanisierung verpflichtet ist, als fruchtbar. Denn Kultur als Menschenwerk zu begreifen, impliziert auch, zu verstehen, dass Kultur von den verschiedensten Interessen der unterschiedlichsten Akteure, die jeweils mehr oder weniger mit Bezug auf die Wahrheit operieren, beeinflusst wird. Dem andauernden Prozess der Aufklärung zu dienen und alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, heißt somit, diese Wahrheiten zu relativieren und die hinter ihnen stehenden Interessen offen zu legen. In diesem Sinne stellt sich die Kulturanthropologie als eine an gesellschaftlichen Problemen sowie deren Lösung und weniger an Fakten orientierte Wissenschaftsperspektive dar. Denn das bloße faktische Vorgehen und Argumentieren reproduziert diese Wahrheiten und stellt sie damit gar auf Dauer.[16]

Der kulturanthropologischen Forschung ist dabei eine inter- oder wenigstens trans-disziplinäre Perspektive zu eigen. Hartmut Böhme hat darauf hingewiesen, dass die Kulturwissenschaft ein »Fach ohne Eigenschaften, das heißt auch: mit allen Eigenschaften?« und dementsprechend »[s]ehr beweglich, aufnahmefähig, mobil, grenzgängerisch, gewissermaßen wildernd« in den Revieren anderer Fächer sei.[17] Diese sich mit anderen wissenschaftlichen Disziplin ergebenden Überschneidungen rühren von dem Ziel her, kulturelle Gefüge und Prozesse zu verstehen. Dabei macht es keinen Sinn enge disziplinäre Grenzziehungen vorzunehmen bzw. sich an die oftmals allein historisch bedingten, heute aber überholten Macht- und Interessenansprüchen der einzelnen Wissenschaften zu halten. Diese stehen der Erforschung des Menschen eher im Wege, als dass sie ihr nützen würden.[18] So hat Rolf Lindner deutlich gemacht, dass »[j]eder Versuch etwa die Wilden Cliquen [des Berlins der 1920er Jahre] ausschließlich als ein politisches und/oder ökonomisches Phänomen der Zeit zu interpretieren, [...] obwohl damit zweifellos Elemente der Wirklichkeitskonstitution richtig erfasst sind [...], notwendig zu kurz greifen [würde]«[19]. Gleiches betrifft auch die hier interessierende Bundesgartenschau. Denn tatsächlich ist sie weit mehr als eine Blumenschau. Statt dessen wird sie als »komplexes Gebilde aus Ideen, Vorstellungen und Erwartungen der verschiedensten Interessengruppen«[20] mit weitreichenden Auswirkungen u.a. auf das Selbstbild, die Raumordnung und (hoffentlich) ebenso auf das wirtschaftliche Gefüge der austragenden Stadt bzw. Region beschrieben. Die kulturwissenschaftliche Perspektive wird ihr damit überaus gerecht.

Der interdisziplinäre Anspruch besteht auch dann, wenn man sich der Bundesgartenschau, genauer gesagt, dem Raum in dem sie stattfindet, durch den sie schließlich erst ihre spezielle Prägung und Ausformung erfährt (gleiches gilt auch reziprok), im Sinne einer von Roland Barthes beschriebenen Stadtsemiologie nähert.[21] Wie Barthes feststellt, sei der menschliche Raum im allgemeinen (und nicht nur der städtische Raum) immer signifikant gewesen.[22] Dementsprechend lohnt es sich, zu hinterfragen, welche Signifikanzen städtische Erscheinungen nun unter Einfluss der BuGa und auch umgekehrt Phänomene der Gartenschau im Kontext der jeweiligen Stadt annehmen.

3 Die Idee der Bundesgartenschau und ihre Entwicklung

Seit über fünfzig Jahren wird alle zwei Jahre eine Bundesgartenschau bzw. eine Internationale Gartenschau auf Initiative des »Zentralverbandes für Gartenbau« ausgerichtet. Im Vorlauf dieser als Leistungsschau der Gärtner gedachten, halbjährigen Veranstaltung werden große Parkanlagen geschaffen, die auch nach dem Ereignis der Bevölkerung der gastgebenden Stadt[23]

zur Verfügung stehen und damit dauerhaft zur Steigerung der Lebensqualität beitragen sollen. Schon Jahre vorher sind die Stadtväter damit beschäftigt ihre Stadt für das Event fit zu machen, ist die eigens dafür ins Leben gerufene GmbH daran, die Gartenschau zu konzeptionalisieren und für sie zu werben.

Gezeigt werden schließlich in Freiland- und Hallenschauen, den entsprechenden Blühzeiten angepasst, die aktuellen Trends im Gartenbau und in der Landschaftsarchitektur. Ein wesentliches, dem einfachen Besucher zumeist aber unsichtbares Element ist dabei der Wettbewerb. Was schon in der frühen Phase der Ideenfindung zur Umsetzung der Bundesgartenschau durch einen Wettbewerb entschieden wird – welche Firmen dürfen welche Gestaltungen einbringen, welche Anpflanzungen werden vorgenommen – setzt sich bis zum Ende der jeweiligen BuGa fort.

[...]


[1] Ob man nun mit dem Zug in die Stadt kam und dabei das entstehende BuGa-Gelände streifte oder mit der Straßenbahn durch die Stadt fuhr, immer wieder waren Gespräche über die bald öffnende Bundesgartenschau und den Fortgang der Vorbereitungen zu belauschen.

[2] Allein im Zeitraum 1998 bis 2006 ging die Einwohnerzahl Geras von 116.419 auf 102.733 zurück. Die Erwerbslosenquote lag im gleichen Zeitraum durchschnittlich bei 18 Prozent. Die Daten sind beim Thüringer Landesamt für Statistik online abrufbar. Siehe www.tls.thueringen.de [10. Juli 2007].

[3] Unglücklicherweise stellte sich gerade während der BuGa eine lang befürchtete und durch verschiedene Eingemeindungswellen immer wieder zu verhindern versuchte Gewissheit ein. Nach aktuellen und überarbeiteten Berechungen der Bevölkerungsstatistik rutscht die Stadt Gera unter die »magische« 100.000-Einwohner-Grenze und muss damit sowohl ihren Status als Großstadt (der gerade in der örtlichen Presse wann immer möglich und fast schon zwanghaft betont wurde) als auch als zweitgrößte Stadt Thüringens einbüßen.

[4] Die Wirkkraft der Gartenschauen wird in vielerlei Publikationen beschworen. Hier: Karl Zwermann (Präsident des Zentralverbandes Gartenbau 1991-2006). In: Stadt Gera/Stadt Ronneburg (Hg.): BuGa-Visionen. Bundesgartenschau Gera und Ronneburg 2007. BuGa-Kalender 2005.

[5] Helga Panten verweist zu recht darauf, dass – »wenn die Rechung aufgeht« – die BuGa-Städte »einen langfristig nutzbaren Park für ihre Bürger, eine Imageverbesserung nach innen und außen, eine Motorwirkung für zahlreiche Rahmenmaßnahmen und eine Belebung der Wirtschaft in vielen Bereichen« gewinnen können. Vgl.: Helga Panten: Die Bundesgartenschauen. Eine blühende Bilanz seit 1951. Stuttgart 1987, S. 7.

[6] Im Tourismus sollen bereits vor der Bundesgartenschau 18 Prozent Zuwächse an Übernachtungen zu verzeichnen gewesen sein.

[7] Als aktuelle Beispiele hierfür kann auf zwei der städtischen Museen verwiesen werden. Passend zur Bundesgartenschau wurden in beiden Häusern Sonderausstellungen installiert, die sich einem »floralen« Thema widmeten. Während das Stadtmuseum in der Ausstellung »Neue Lebenswelten! Gartenstädte in Deutschland« die im Kontext der Lebensreformbewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Gartenstädte thematisierte, lockte das Museum für Naturkunde mit dem Thema »Gartenlust & Blumenpracht. Pflanzendarstellungen aus fünf Jahrhunderten«.

[8] Meine Überlegungen basieren im Wesentlichen auf eigenen Beobachtungen in der BuGa-Stadt Gera, auf der Berichterstattung der örtlichen Presse und auf Dokumenten der Öffentlichkeitsarbeit der BuGa-GmbH.

[9] Nach Norbert Elias verläuft der gesellschaftliche bzw. kulturelle Entwicklungsprozeß ungeplant, aber dennoch strukturiert und gerichtet. In »Über den Prozeß der Zivilisation« weist er darauf hin, dass trotz aller Zielvorstellungen und Pläne der jeweils beteiligten Individuen, niemals vorauszusetzen sei, dass die tatsächliche Entwicklung in deren Sinn verläuft. Siehe: Norbert Elias: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Band 2: Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation. Amsterdam 1997, S. 323ff.

[10] Siehe: Wolfgang Brückner: Volkskunde ist Moderne. In: Volkskultur und Moderne. Europäische Ethnologie zur Jahrtausendwende. Festschrift für Konrad Köstlin zum 60. Geburtstag am 8. Mai 2000. Wien 2000, S. 35-46, hier S. 35.

[11] Ein Verständnis von Kultur zu entwickeln bedeutet nicht, explizit festzustellen, was als Kultur gilt und was nicht. Sinnvoll erscheint mir die Reflexion zu dem jeweils verwendeten Kulturbegriff – gerade in Anbetracht der unzähligen sowohl historisch als gegenwärtig verwendeten Verständnisse – aber insofern, da er stets mehr oder weniger klar erkennbar, jeder kulturanthropologischen Arbeit und den dabei angestellten Interpretationen und Überlegungen zu Grunde liegt.

[12] Hartmut Böhme: Aufgaben und Perspektiven der Kulturwissenschaft. In. Därmann, Iris/Jamme, Christoph (Hg.): Kulturwissenschaften. Konzepte, Theorien, Autoren. München 2007, S. 35-52, hier S. 37f. Ähnlich formuliert auch Rolf Lindner einen im Kontext der Volkskunde gebräuchlichen Kulturbegriff. Siehe: Rolf Lindner: Zur kognitive Identität der Volkskunde. In: ÖZfVk 90 (1987), S. 1-19, besonders S. 8f.

[13] Ina-Maria Greverus: Die Kulturanthropologie und das Wert- und Bewertungsproblem. In: dieselbe: Der territoriale Mensch. Ein literaturanthropologischer Versuch zum Heimatphänomen. Frankfurt 1972, S. 9.

[14] René Descartes: Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie. Leipzig 1891 (Erstveröffentlichung 1641). Methodologisch ist dieser Zweifel insofern, da Descartes hoffte über den absoluten, den radikalen Zweifel Einsicht in das, was gilt, also in die absolute Wahrheit zu gewinnen.

[15] Ebenda, S. 29f.

[16] Siehe: Dieter Kramer: Wem nützt Volkskunde? In: ZfVk 66 (1970), S. 1-16.

[17] Hartmut Böhme: Aufgaben und Perspektiven der Kulturwissenschaft, S. 35f.

[18] Norbert Elias empfand das Neben- statt Miteinander der verschiedenen Kultur- und Sozialwissenschaften Zeit seines Lebens als Hemmnis für die Erforschung der Menschen als »homines aperti«. Entsprechend war er ebenso lang darum bemüht, diese Trennung zu überwinden und ihr statt dessen das Konzept einer interdisziplinären, synthetisierenden Menschenwissenschaft gegenüberzustellen.

[19] Rolf Lindner: Vom Wesen der Kulturanalyse. In: ZfVk 99 (2003), S. 177-188, hier S. 184.

[20] Helga Panten: Die Bundesgartenschauen. Eine blühende Bilanz seit 1951, S. 7.

[21] »Aber ich möchte hinzufügen, daß jemand, der eine Semiotik der Stadt skizzieren möchte, gleichzeitig Semiologe, Geograph, Historiker, Stadtplaner, Architekt und vermutlich Psychoanalytiker sein müßte.« Roland Barthes: Semiologie und Stadtplanung. In: derselbe: Das semiologische Abenteuer. Frankfurt/M. 1988 (Erstveröffentlichung: Paris 1985), S. 199-209, hier S. 199.

[22] Ebenda.

[23] Der Darstellung in diesem Kapitel liegen die Ausführungen von Helga Panten zu Grunde. Vgl. Helga Panten: Die Bundesgartenschauen. Eine blühende Bilanz seit 1951. Der von ihr vorgebrachte historische Abriss zur Entwicklung der Gartenschauen ist auch online verfügbar unter: www.bundesgartenschau.de [20. Juni 2007]

Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638041621
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90124
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Europäische Ethnologie
Note
1,0
Schlagworte
Gartenbau Bundesgartenschau Sicht Hauptseminar

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Titel: Was Gartenbau bewirken kann: Die Bundesgartenschau 2007 aus kulturwissenschaftlicher Sicht