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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Flucht und Migration
2.1. Definition der Migration
2.2. Ursachen der Migration
2.3. Historischer Kontext

3. Migration in Deutschland
3.1. Gründe von Einwanderung
3.2. Lebenssituationen von Zuwanderern

4. Fazit - Was schulden wir Migranten?

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die Migration ist eine der wichtigsten Faktoren der Bevölkerungsentwicklung und eines der Zeitprobleme für Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur in Geschichte und Gegenwart.1 Von besonderem Interesse für die Entwicklung und Veränderung der Sozialstruktur von Industriegesellschaften sind Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften sowie Stadt - Land - Wanderungen. Weltweit suchen heute mehr als 100 Millionen Migranten Arbeit und Wohnung außerhalb ihres Landes und etwa 20 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Verfolgung. Ein Großteil der weltweiten Migration findet innerhalb von Regionen statt und hat somit von erheblicher Bedeutung in der interregionalen Wanderungsbewegung gewonnen.

Immer schon waren Migration und Flucht eine entscheidende Triebkraft menschlicher Entwicklung, sowohl die individuelle Suche nach Verbesserung von Lebensbedingungen als auch die Flucht vor Unterdrückung und Verfolgung.2

Das Thema Migration ist ein Reizthema. Diese Bearbeitung wird versuchen, die unterschiedlichsten Facetten des Themenbereichs zu strukturieren und darzustellen. Er wird dabei auf die Gründe von Migrationen eingehen und einige Lösungskonzepte vorstellen.

Der zweite Teil der Bearbeitung wird sich mit der Migration in Deutschland auseinandersetzen. Sich mit Zahlen und Fakten beschäftigen und die Situation von Migranten in Deutschland klären.

2. Flucht und Migration

2.1. Definition der Migration

Eine grundsätzliche Unterscheidung gibt es zwischen Migranten und Flüchtlingen. Im völkerrechtlichen Sinn sind Flüchtlinge Menschen, die ihr Heimatland aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe verlassen haben.3 Diese Definition der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951 ist die Grundlage des internationalen Flüchtlingsrechts und bindet die mittlerweile 144 Unterzeichnerstaaten. Mit der zunehmenden Zahl von Staaten, die die GFK und das Zusatzprotokoll von 1967 unterzeichnet haben, ist ein internationales Flüchtlingsregime entstanden.

Für Migranten ist in den letzten Jahrzehnten ebenfalls ein internationales Regime entstanden. Dieses Regime ist zwar wesentlich schwächer als das Flüchtlingsregime, hat aber die wesentliche Aufgabe die Mindeststandards für Arbeitsmigranten durchzusetzen. Die Politik gegenüber Migranten ist eine Angelegenheit der Nationalstaaten. Sie entscheiden, wer Zugang zu ihrem Territorium erhält. Migranten unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Aufenthaltstatus. Ist es Migranten gestattet dauerhaft sich niederzulassen, dann spricht man von Einwanderer. Klassische Einwanderungsländer sind die USA, Kanada und Australien. In diesen Ländern werden nicht nur Arbeitsmigranten, sondern auch die dazu gehörigen Familien mit aufgenommen.

Als weiter Migrationstypen werden noch unterschieden in freiwillige oder erzwungene Wanderungen und in zeitlich begrenzte oder dauerhafte Wanderungen.

2.2. Ursachen der Migration

Bei den meisten Wanderungen reagieren die Menschen auf eine negative Veränderung ihrer Lebensbedingungen. Sie suchen nach besseren Lebensvehältnissen an einem anderen Ort. Zu solchen Faktoren, die so genannten Druck- oder auch Push-Faktoren, gehören vor allem Klima- und Umweltveränderungen, Nahrungsmittelknappheit, Überbevölkerung, Armut und Arbeitslosigkeit, aber auch wirtschaftliche Aspekte spielen für diese Menschen eine große Rolle in ihrer Wanderung. Dazu gehören die ethnische und religiöse Diskriminierung und Zwangsmaßnahmen, wie Vertreibung, Deportation und Zwangsumsiedlung, sowie die Bedrohung der physischen Vernichtung durch politische Verfolgung und Krieg.4

Es gibt aber auch die positiven Erwartungen an die Zukunft für den Zielort die eine Migration beeinflusst. Das sind die so genannten Sog- oder Pull-Faktoren. Sie dienen der friedlichen Umsiedlung durch reichhaltige Nahrungsquellen, wie Wildreichtum und fruchtbare Böden, Bodenschätze sowie hohe zivilisatorische Standards anderer Gesellschaften.

Von den grenzüberschreitenden Wanderungsbewegungen sind vor allem die ärmsten Länder der Welt betroffen. Nur ein sehr kleiner Teil der Wanderer gelangt es in die deutschen Industrieländer.

Der folgende Überblick zeigt die wichtigsten Wanderungstrends in der Europäischen Union, die spätestens seit Beginn der 80er Jahre auftreten. Sie zeigen die stetige Aufnahme ausländischer Bevölkerung, die Tendenz zu der dauerhaften Niederlassung der Zugewanderten sowie die Art der Wanderungsbewegungen.5

1. Nord- und Westeuropäische Staaten:

- Anwerbung vorübergehender Arbeitsmigranten in den 60er und 70er Jahren
- Auf Grund von der Regierung beabsichtigten Rotationspolitik sind die Angeworbenen nicht in ihr Herkunftsland zurückgekehrt, sondern verlängerten ihren Aufenthalt per Familiennachzug, was zu einer dauerhaften Niederlassung führte

2. Frankreich

- einige Staaten haben in größerem Umfang Einwanderungen aus ihren Kolonialgebieten oder ihrem ehemaligen Staatsgebiet zugelassen

3. Deutschland

- Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen, die in der Regel aus humanitären Gründen auch dann im Land geduldet wurden, obwohl keine Verfolgungssituation bestand

4. Frühere südeuropäische Anwerberländer (Italien, Spanien, Portugal)

- Nettoeinwanderung durch irreguläre Zuwanderer aus Nordafrika

Nach der Definition des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen wird Anfang der 90er Jahre von ca. 20 Millionen Flüchtlingen ausgegangen. Dabei ist die große Zahl der Binnenflüchtlinge ebenso berücksichtigt wie der Großteil von Umweltflüchtlingen. Selbst bei der Schätzung von Arbeitsmigranten muss man unterscheiden zwischen den legalen und irregulären Arbeitsmigranten. Von den 100 Millionen Menschen die sich Ausland aufhalten, sind zwischen 25 und 30 Millionen legale Arbeitsmigranten mit vorhandenen Einreisepapieren und einer Arbeitserlaubnis.6

Man kann selbst heute noch keine genaue Prognose geben über die Anzahl von Flüchtlingen und Migranten, aber eines steht fest: „ Migration ist ein Weltordnungsproblem ersten Ranges “ .7

2.3. Historischer Kontext

Ein Blick in die Geschichte zeigt uns, dass Deutschland schon immer ein Zielraum zahlreicher Wanderbewegungen gewesen war und auch heute noch ist. Die Blütezeit der industriellen Revolution (1815 - 1871) hatte zur Folge, dass der Bedarf in Deutschland an Arbeitskräften wuchs. Seit etwa 1880 benötigte die expandierende Industrie mehr Arbeitskräfte als der natürliche Bevölkerungszuwachs hergab. Über 1,2 Millionen „ausländische Wandarbeiter“8 waren bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beschäftigt. In der Phase des Ersten Weltkrieges begannen die deutschen Unternehmer ausländische Zwangsarbeiter zu beschäftigen.

In der Zeit der Weimarer Republik nahm die Zahl der ausländischen Arbeitsmigranten ab. Dafür kam es mehr zu Zwangswanderungen. Mehr als 10 Millionen Menschen mussten in Europa nach den Friedensverträgen von Versailles unfreiwillig die Grenzen überschreiten. Berlin wurde zum europäischen Zentrum der russischen Emigranten, die vor der Revolution in Russland und dem Bürgerkrieg (1917 - 1922) entflohen waren.9

Der Nationalsozialismus führte damals zu einer der größten Migrantenbewegungen der Geschichte Deutschlands. 1933 bis 1945 wurden die 100.000 Juden und politisch Verfolgten, in Form von Flucht und Vertreibung sowie der Deportation zur Zwangsarbeit, verurteilt. Deutschland wurde zum Zentrum von europaweiten Zwangswanderungen. 10 bis 12 Millionen ausländische Zwangsarbeiter wurden in der deutschen Kriegswirtschaft beschäftigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren über 12 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene sowie rund 12 Millionen „Displaced Persons“ (engl. für eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist), ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Insassen mussten nach dem Krieg eine neue Heimat finden.10

Die heutige Anwesenheit der meisten Migranten ohne die deutsche Staatsbürgerschaft geht jedoch zurück in die 50er und 60er Jahre. In die Zeit der Gastarbeiteranwerbung. Die Bundesrepublik begann eine aktive Anwerberpolitik von Gastarbeitern aus dem Mittelmeerraum und das obwohl sie in den Jahren zuvor bereits über 10 Millionen Vertriebene, Aus- und Übersiedler aufgenommen hatte. Seit der Wirtschaftskrise in den 70er Jahren fand Einwanderung vor allem durch Familiennachzug und Asylanträge statt. Durch die Verschärfung des Asylrechts zu Beginn der 90er Jahre wurde der legale Zugangsweg nach Europa enger. Damit schränkten sich die Möglichkeiten zur Arbeitsmigration stark ein und Migranten versuchten über den Weg über einen Asylantrag oder ohne Asylberechtigung ins Land zu gelangen.

3. Migration in Deutschland

Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verlassen ihre Heimat, um ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leben als Migranten in einem Staat, der nicht ihre ursprüngliche Heimat ist. Dies entspricht etwa der doppelten Bevölkerungszahl der Bundesrepublik. Internationale Migration geht aus von Menschen, die ihre Familien zusammenbringen möchten, von hoch ebenso wie niedrig qualifizierten Arbeitsmigranten sowie von Asylbewerbern und anderen Flüchtlingen. Einige wollen nur für kurze Zeit an einem fremden Ort bleiben, andere für mehrere Jahre oder gar den Rest ihres Lebens. Staaten haben immer wieder versucht, Migration durch Gesetze zu steuern.

In Deutschland ist die Bevölkerungsentwicklung, wie in allen Staaten im Einwanderungskontinent Europa, geprägt durch die sinkenden Geburtenraten, steigende Lebenserwatung und demographische Alterung. Das Erwerbspotenzial wird beispielsweise schon auf mittlerer Sicht quantitativ und qualitativ immer weniger den Herausforderungen der Informationsgesellschaft im Globalisierungsprozess entsprechen. Daraus resultieren viele Zukunftsprobleme, nicht nur für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und die soziale Sicherung, sondern auch für die gesellschaftliche Entwicklung und die verschiedenen Lebensbereiche.

Dieser Abschnitt beschäftigt sich umfassend mit den kontrovers diskutierten Themen Zuwanderung und Integration in Deutschland, es zeigt, wie das Zuwanderungs- und Asylrecht auf europäischer Ebene geregelt wird und bietet Daten, Fakten und Einschätzungen zu den globalen Trends im Migrationsgeschehen.

3.1. Gründe von Einwanderung

Seit 1989 hat eine neue Einwanderungsära begonnen. Mit dem Fall der Mauer im November 1989 und der deutschen Vereinigung im Oktober 1990 ist auch der „Eiserne Vorhang“ zwischen Ost- und Westeuropa gefallen.11 Für Deutschland heißt dies, dass vor allem wieder Migrierende mit so genannter deutscher Volkszugehörigkeit nach Art. 116 GG einwandern.12

„ (1) Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.

(2) Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abkömmlinge sind auf Antrag wieder einzubürgern. Sie gelten als nicht ausgebürgert, sofern sie nach dem 8. Mai 1945 ihren Wohnsitz in Deutschland genommen haben und nicht einen Entgegengesetzten Willen zum Ausdruck gebracht haben. “

Die Einwanderung von Ausländern in die Bundesrepublik Deutschland erfolgt aus unterschiedlichen Gründen und Interessen.

Eine Form ist der Familiennachzug. Diese Form der Einwanderung erfolgt auf Grund von Rechtsansprüchen im Rahmen der EU-Freizügigkeit oder Asylgewährung. Der Nachzug ausländischer Familienangehöriger steht unter dem grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie. Die derzeitigen Regelungen zum Familiennachzug im Ausländergesetz gehen allerdings von einem sehr engen Familienbegriff aus und setzen zahlreiche Bedingungen für den Nachzug.

Eine weitere Form ist der Antrag auf Asyl. Die vorhandenen Regelungen zum Familiennachzug und Asyl sind individuell einklagbare verfassungsrechtliche und gesetzliche Ansprüche, auf die sich die Bundesrepublik Deutschland verfassungsrechtlich und völkerrechtlich verpflichtet hat. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl ist Deutschland nur durchschnittlich mit Asylbewerbern belastet.13 Politische oder humanitäre Gründe, ist eine andere Form der Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie findet über eine Aufnahme aus politischen oder humanitären Gründen statt - Konventions-, Kontingent- und De-facto-Flüchtlinge, die aus humanitären Gründen einen zeitlich begrenzten Aufenthaltsstatus erhalten. Spätaussiedler und ihre Familien, Flüchtlinge aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, Erdbebenopfer oder Einzelpersonen zur medizinischen Versorgung gehören zu dieser Kategorie von Einwanderern.

[...]


1 Microsoft Encarta 2007; Migration; verfasst von Wieland Eschenhagen

2 vgl. Steffen Angenendt: Eine Welt der Wanderung. K. Kaiser / H.-P. Schwarz (Hrsg), Weltpolitik im neuen Jahrhundert, Schriftreihe Band 364, Bundeszentrale für politische Bildung, S.90 - 101

3 vgl. Steffen Angenendt: Eine Welt der Wanderung. K. Kaiser / H.-P. Schwarz (Hrsg), Weltpolitik im neuen Jahrhundert, Schriftreihe Band 364, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 90 - 101

4 vgl. Günter Rieger: Einwanderung und Gerechtigkeit. Wiesbaden 1998, S. 25 - 28

5 vgl. Steffen Angenendt: Eine Welt der Wanderung. K. Kaiser / H.-P. Schwarz (Hrsg), Weltpolitik im neuen Jahrhundert, Schriftreihe Band 364, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 90 - 101

6 vgl. Günter Rieger: Einwanderung und Gerechtigkeit. Wiesbaden 1998, S. 25 - 28

7 vgl. Günter Rieger: Einwanderung und Gerechtigkeit. Wiesbaden 1998, S. 25 - 28

8 www.bpb.de/themen/Q0DBOQ.html: Prof. Dr. Jochen Oltmer; „Deutsche Migrationsgeschichte seit 1871“

9 www.bpb.de/themen/Q0DBOQ.html: Prof. Dr. Jochen Oltmer; „Deutsche Migrationsgeschichte seit 1871“

10 vgl. U. Birsl, R. Bitzan: Migration und Interkulturalität in Großbritannien, Deutschland und Spanien - Fallstudie aus der Arbeitswelt; Leske + Budrich, Opladen, 2003, S. 53 - 62

11 vgl. U. Birsl, R. Bitzan: Migration und Interkulturalität in Großbritannien, Deutschland und Spanien - Fallstudie aus der Arbeitswelt; Leske + Budrich, Opladen, 2003, S. 53 - 62

12 vgl. Prof. G. Binder: Grundwissen Grundgesetz - Art. 116, Ernst Klett Verlag

13 www.bpb.de/themen/MOPDNW.html: Migration und integration in der EU, Dr. P. Bendel, M. Haase: Warum überhaupt Europa?

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638048507
Dateigröße
950 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90687
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Migration Deutschland

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Titel: Migration in Deutschland