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Die späten Novellen Theodor Storms

Bürgerliche Krisenerfahrungen an der Schwelle zur Moderne

Magisterarbeit 2007 119 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
I Zielstellung der Arbeit
II Vorgehensweise

1. Das 19. Jahrhundert und die Moderne – historischer Hintergrund
1.1. Die Moderne
1.2. Historischer Hintergrund
1.2.1. Die industrielle Revolution
1.2.2. Der Kapitalismus
1.2.3. Die Wissenschaften
1.2.4. Die Krise des bürgerlichen Selbstverständnisses
1.2.5. Die Philosophie
1.2.6. Der Aufstieg Preußens
1.2.7. Die Soziologie
1.2.8. Die Literatur

2. Theodor Storm
2.1. Biographischer Hintergrund
2.2. Die Novellen Storms

3. Krisensymptome der Moderne in Storms Novellistik
3.1. „Ein jeder Mensch bringt sein Leben fertig mit sich auf die Welt“ – Carsten Curator (1878) und die Macht der Vererbung
3.1.1. Entstehungshintergrund
3.1.2. Von alten Werten und neuen Zweifeln – Die Krise des Bürgers zwischen Tradition und Moderne
3.1.3. Verfall einer Familie – Der gescheiterte Patriarch
3.1.4. Heinrich Carstens als Repräsentant der Moderne
3.1.5. Die Frage nach Schuld und Verantwortung
3.1.6. Abschlussbetrachtung
3.2. „Er wollte zeigen, was aus diesem Erdenfleck zu machen sei“ – Kapitalismus und neue Wirtschaftsformen in Zur Wald- und Wasserfreude (1878)
3.2.1. Das Diktat der Bewegung
3.2.2. Spekulation und Materialismus als destruktive Kräfte
3.3. „Trink einmal, das vertreibt die Grillen!“ – Der Herr Etatsrat (1881) und die bürgerliche Gesellschaft in der Groteske
3.3.1. Der Bildungsbürger als Bestie
3.3.2. Der Exzess als Antwort auf eine grausame Gesellschaft
3.4. „Da galt es auch für ihn noch eine Stufe höher aufzurücken“ – Gesellschaftlicher Aufstieg als bürgerliches Diktat in Hans und Heinz Kirch (1882)
3.4.1. Rastloses Streben als moderne Manie
3.4.2. Die Niederlage der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt
3.4.3. Abschlussbetrachtung
3.5. „Der lieben Mitwelt zur Hetzjagd überlassen“ – Ein Doppelgänger (1886) und der Persönlichkeitsverlust in einer grausamen Gesellschaft
3.5.1. Der Außenseiter in der Raubtiergesellschaft
3.5.2. Kleine Leute und bürgerliche Gesellschaft – Liebe und Moral in unterschiedlichen sozialen Schichten
3.5.3. Eine Absage an die Humanität

4. Die Grenzen des poetischen Realismus – Storms späte Novellen als Vorläufer des Naturalismus und der literarischen Moderne
4.1. Themenkomplexe
4.2. Ästhetik und Stil, narrative Strategien

5. Zusammenfassung und Ausblick
5.1. „Die Unzulänglichkeit der Zeit“ – Raubtiergesellschaft, Isolation und Bindungsverlust
5.2. Modernität und Aktualität

Literatur

Die späten Novellen Theodor Storms – bürgerliche Krisenerfahrungen an der Schwelle zur Moderne

Einleitung

I Zielstellung der Arbeit

Theodor Storm wird gewöhnlich nicht mit Moderne und Modernitätserfahrungen in Verbindung gebracht. In Gesprächen ist mir immer wieder aufgefallen, dass Storm und Modernität von der Öffentlichkeit als Paradoxe wahrgenommen werden. Die Literaturwissenschaft gesteht zumindest dem Schimmelreiter ein gewisses Maß an Modernität zu, doch krisenartige Erfahrungen, die mit dem Übergang zu einer neuen Gesellschaftsordnung gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Erscheinung treten, werden in zahlreichen Novellen Storms, insbesondere des Spätwerks ab Ende der 1870er Jahre, artikuliert; im Vergleich zu Storms Frühwerk fließen zunehmend Themenkomplexe in sein Werk ein, die eigentlich späteren literarischen Epochen wie dem Naturalismus, Symbolismus oder Expressionismus vorbehalten sind. Auch auf sprachlicher Ebene deutet Storms Novellistik durchaus auf die Literatur der Jahrhundertwende voraus. Zu beweisen, dass Storm moderner ist, als ihm zugestanden wird und dass er moderne Entwicklungen in der Gesellschaft, die uns auch heute noch betreffen, geradezu instinktiv vorwegnimmt, ist das Ziel dieser Arbeit.

Storms Lebenszeit fällt in eine Zeit der Krise und des Umbruchs. Neue Wirtschafts- und Lebensformen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschleunigen innerhalb des Bürgertums ein allgemeines Gefühl der Krise, das schon zu Goethes Zeiten seinen Anfang nahm. Technische Mobilität und eine Politisierung der breiten Öffentlichkeit führen zu der Auflösung alter Strukturen in Familie, Gesellschaft und Erwerbsleben und einer darauf folgenden Suche nach neuen Orientierungen. Die Modernitätskrise ist in erster Linie die Krise des Bürgers, dessen Weltbild sich durch Veränderungen in Politik, Technik und Wirtschaft einerseits, aber auch unter dem Einfluss philosophischer Strömungen, wie der Religionskritik, und wissenschaftlichen Theorien, wie der Abhängigkeit des Menschen von Vererbung und Unterbewusstsein, auflöst. Storm stellt die psychologischen und sozialen Auswirkungen einer Zeit dar, die technisch, wirtschaftlich und politisch als Übergangszeit von der alten agrarischen und ständischen Gesellschaft mit fest gefügten Normen und Traditionen zu der beschleunigten Welt des 20. Jahrhunderts zu sehen ist. Somit kann auch ein Bogen zu unserer eigenen Zeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts geschlagen werden, denn – und das hoffe ich, in dieser Arbeit deutlich zu machen – Storms Novellen sind immer noch aktuell. Auch stilistisch nähern sich die Novellen teilweise schon modernen Erzählformen an. Storms Experimentierfreude in späten Jahren ist auch ein Zeugnis einer komplex gewordenen Welt, in der Strukturen sich auflösen. Mit Stilmitteln, die oft erst später Eingang in die Literatur finden, wird Storm einer neuen, veränderten Realität gerecht, die sich mit den Mitteln des Bürgerlichen Realismus immer weniger darstellen lässt.

II Vorgehensweise

Um zu untersuchen, inwieweit Storms Novellen eine brüchige, in sich gefährdete Welt zeigen, habe ich fünf weniger erforschte Werke seiner späten Schaffensphase ausgewählt. Diese umfangreich scheinende Auswahl ist wichtig, um ein umfassendes Bild der Moderne, wie sie der Realist Storm erlebt und artikuliert, zu erhalten. Gerade weil die einzelnen Phänomene der Moderne - Politik, Wirtschaft, Technik, Philosophie, Naturwissenschaft – sich gegenseitig bedingen und beeinflussen, habe ich darauf verzichtet, einzelne Aspekte gesondert darzustellen, sondern untersuche, inwieweit jede Novelle in sich das Wechselspiel jener Faktoren der Moderne reflektiert. Ich werde die ausgewählten Novellen, die sich inhaltlich und stilistisch zum Teil sehr unterscheiden, einzeln in chronologischer Reihenfolge abhandeln, wobei ich natürlich auch Bezüge zwischen den einzelnen Novellen herstellen werde. Dabei möchte ich im Rahmen dieser Arbeit auch untersuchen, ob und inwieweit sich eine Entwicklung der Stormschen Novellen ab Carsten Curator feststellen lässt und ob eine geradlinige Entwicklung aufzuzeigen überhaupt möglich ist.

Ein Schwerpunkt der Arbeit wird die Novelle Carsten Curator sein, da diese sich in vielfacher Hinsicht am deutlichsten von dem Frühwerk Storms unterscheidet und gleichermaßen eine neue Schaffensperiode in Storms Werk einleitet. Des Weiteren erscheint diese Novelle am komplexesten, da sie moderne Krisenerfahrungen nicht nur auf einer, sondern auf vielen unterschiedlichen Ebenen bearbeitet. Im Anschluss werde ich die Novellen Zur Wald- und Wasserfreude, Der Herr Etatsrat, Hans und Heinz Kirch und Ein Doppelgänger betrachten, da auch sie mir als Zeugnisse moderner Krisenerfahrungen geeignet erscheinen. Gerade das durch moderne soziale und wirtschaftliche Entwicklungen ausgelöste Auseinanderbrechen der Familienstruktur wird hier offensichtlich und demonstriert so – in Hinsicht auf die für das Bürgertum traditionell bedeutende Rolle der Familie – eingehend die Gefahren moderner Entwicklungen. Nicht behandeln werde ich die Chroniknovellen Aquis submersus, Renate, Eekenhof, Zur Chronik von Grieshuus und Ein Fest auf Haderslevhuus, da sie zwar während der gleichen Periode entstanden, jedoch aufgrund ihrer in der Vergangenheit liegenden Handlung nicht repräsentativ für die durch die Industrialisierung geprägte Moderne und die Auswirkungen der modernen Technik auf den Menschen sind. Zudem behandeln sie vorwiegend die Auseinandersetzung zwischen Adel und Bürgertum; ich möchte mich jedoch darauf konzentrieren, wie der bürgerliche Stand die Moderne prägt und wiederum durch diese geprägt wird und die Krise somit nicht mehr zwischen den Ständen, sondern innerhalb eines Standes zum Ausdruck kommt. Ein Doppelgänger nimmt hier eine Sonderstellung ein, da diese Novelle als einzige Storms im Arbeitermilieu spielt.

1. Das 19. Jahrhundert und die Moderne – historischer Hintergrund

1.1 Die Moderne

Der etwas schwammige Begriff von der „Moderne“ bedeutet stets die Ablösung eines alten Weltbildes durch eine neue Welt mit einem neuen oder mehreren neuen Weltbildern. Dies trifft auf die Renaissance mit ihren wissenschaftlichen und philosophischen Neuerungen ebenso zu wie für den 30jährigen Krieg oder die Französische Revolution. Es gibt nicht „die“ Moderne, da „Moderne“ immer ein relativer Begriff ist; die „Moderne“ gab es gewissermaßen immer wieder. In dieser Arbeit jedoch werde ich den Begriff „Moderne“ und „Modernität“ an die industrielle Revolution und den Übergang von der agrarischen zu einer industriellen Gesellschaft koppeln. Diese Entwicklung zeichnete sich schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ab, wurde jedoch vor allem ab den 1860er Jahren durch umwälzende Veränderungen in Wirtschaft, Naturwissenschaft, Philosophie und Politik, die alle miteinander in Verbindung standen, auf die Spitze getrieben und hatte gesellschaftliche und mentale Auswirkungen, die allgemein als krisenhaft empfunden wurden und die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der Gesellschaft vorherrschend bleiben sollten. Wohl nicht zufällig beschäftigen sich viele Werke des 19. Jahrhunderts mit der frühen Neuzeit, etwa E.T.A. Hoffmanns Jacques Callot (1815), Wilhelm Hauffs Lichtenstein (1826), Wilhelm Raabes Höxter und Corvey (1874) oder Rilkes Cornet (1899). Wie das 19. Jahrhundert war auch das gemeinhin als frühe Neuzeit bezeichnete 17. Jahrhundert eine Zeit des Umbruchs, der Auflösung, Neukonstituierung und Krise, eine beschleunigte Zeit, eine Zeit von Konfessionalisierung und Ständeproblematik, die ihre Reflektion im 19. Jahrhundert u. a. im Parteienstaat, in Bismarcks Kulturkampf und in der „sozialen Frage“ erfuhr, und eine Zeit der Entdeckung des Individuums oder Subjekts.

Schon bei Goethe lässt sich in den etwas späteren Werken unter dem Eindruck der chaotischen Folgen der Französischen Revolution und der Vorahnung vom Verfall des Ancien Regime eine Übergangs- und Krisenzeit feststellen, von der sich ein Bogen durch das gesamte 19. Jahrhundert schlagen lässt. Faust ist sozusagen der „Urtyp“ des modernen Menschen, dessen Subjektivität nicht mehr mit der Außenwelt übereinstimmt, der nicht „verweilen“ kann und dessen Kolonialisierungs- und Industrialisierungsprojekte seinen eigenen Lebensraum zerstören – Merkmale, die sich auch bei einigen Figuren Theodor Storms konstatieren lassen. Utilitarismus, Technokratie, Vorteilsdenken, Spekulation, Geldgier und Intoleranz, der Einbruch der Politik in die Privatsphäre, kurz: eine Absage an Aufklärung und Humanität, schildert Goethe schon in Das Römische Karneval, Der Groß-Cophta, Die Aufgeregten, Der Bürgergeneral und natürlich Faust. Dieser Zerfall alter Werte und Mentalitäten, der Bruch mit Traditionen, begann also schon vor der eigentlichen industriellen Revolution, wurde durch diese aber außerordentlich beschleunigt. Die Auflösung traditioneller Wirtschaftsformen und das Aufkommen des Kapitalismus gaben dem Materialismus und der Geldgier des Bürgers, die schon Goethe beklagte, ganz neue Nahrung.

1.2 Historischer Hintergrund

1.2.1. Die industrielle Revolution

Um die Problematik dieser Modernitäts- und Krisenerfahrungen in Storms Novellen nachzuvollziehen und zu erörtern, ist es unerlässlich, den historisch-politischen, gesellschaftlichen und philosophischen Hintergrund der Epoche, in die Storms spätes Schaffen fällt, darzustellen, wenn dies auch aufgrund der Komplexität jener Zeit im Rahmen dieser Arbeit nicht erschöpfend möglich sein kann.[1] Wie bereits angedeutet, setze ich als Ausgangspunkt moderner Krisenerfahrungen die „moderne Technik“, i. e. die industrielle Revolution:

Die epochale Leistung des Jahrhunderts und das epochale Schicksal ist auch in Deutschland die industrielle Revolution, die technologische Revolutionierung der Produktionsverhältnisse, die kapitalistische Revolutionierung der Wirtschaftsweisen und –beziehungen, die Maschine, die Fabrik, der Markt, das Wachstum – und die daran sich knüpfenden sozialen, politischen und mentalen Folgen.[2]

Der Fortschritt in Technik und Wissenschaften führte die Agrar- zur Industriegesellschaft. Der Einsatz von Maschinen veränderte Arbeitsweisen und Produktion, man produzierte schneller, effizienter, was durch die Entwicklungen im Transportwesen – das Dampfschiff und die Dampflok, mit denen man sich nun schnell von einem Ort zum anderen bewegen konnte und weniger gebunden war, – noch beschleunigt wurde. Arbeitsplätze in den Bereichen Landwirtschaft und Handwerk schwanden, kleine Manufakturen wurden durch Großbetriebe und Massenproduktion abgelöst. Der Schwerpunkt der Wirtschaft verschob sich von traditionellen Kaufleuten, Handwerkern und Manufakturbetrieben zugunsten der neu entstehenden Industrie, zugunsten der Banken und des völlig neuen Kreditwesens. Die Großstadt mit ihren neuen Fabriken wurde zum Anziehungspunkt für Arbeitsuchende, und so kam es, verstärkt durch die Revolutionierung des Transportwesens, zur sogenannten „Landflucht“ von ländlichen Gebieten, in denen es kaum Arbeit mehr gab, in die Großstädte, die durch diesen neuen Zuzug noch rasanter wuchsen. Da die Industrialisierung in Deutschland im Vergleich etwa zu England (dort trat diese Entwicklung bereits ab 1760[3] ein), Frankreich oder Belgien, relativ spät einsetzte, fanden die dadurch ausgelösten Veränderungen in umso höherem Tempo statt,[4] so dass man auch vom „großen Spurt“[5] ab 1850 spricht. Friedrich Engels prägte 1845 den Begriff „Industrielle Revolution“.[6] Mit der Revolutionierung der Technik setzte ein durchgreifender Wandel in allen Bereichen des Lebens ein; mit dem industriellen Wandel kam der wirtschaftliche Wandel, der wiederum sowohl die politischen Verhältnisse als auch die Mentalität der Bevölkerung veränderte. „Das Tempo der Zeitentwicklung hatte sich bedeutend beschleunigt; in wenigen Jahrzehnten drängten sich auf allen Gebieten eingreifende, krisenhafte Umgestaltungen zusammen, denen keine Grenze gezogen zu sein schien.“[7] Durch die moderne Technik, wie sie die industrielle Revolution hervorbrachte, sah sich der Mensch zum ersten Mal losgelöst von der Natur; er wurde Herr über die Natur, nachdem er sein Leben und Arbeiten jahrtausendelang nach der Natur gerichtet hatte.

1.2.2. Der Kapitalismus

Diese neue Herrschaft über Natur und Produktion bewirkte ein allgemeines wirtschaftliches Umdenken – nicht mehr „genug“ sollte produziert werden, sondern „mehr“. Die nun schnellere und effizientere Produktionsweise erhöhte die Gewinne der Fabrikeigner oder Kapitalisten, die diese Gewinne wiederum neu investierten und ihre Gewinne so immer weiter erhöhten. „Profitdenken“[8], Fortschritt und Aufstiegsstreben wurden nun die Dogmen der Zeit. Nicht gemeinschaftliches Arbeiten in einer traditionellen Handwerksgilde war jetzt gefragt, sondern der schnelle Gewinn des „geschäftemachenden Einzelkämpfer[s]“[9]. „Mechanisierung einerseits, Kapitalismus, Markt und Konkurrenz andererseits“[10] bewirkten sich wechselseitig, die „Konkurrenz schafft überhaupt erst den modernen ‚Markt’.“[11] Das anonyme Wesen des Kapitalismus („[I]m Modellfall bezieht es sich auf den anonymen, den unbekannten Markt.“[12] ) beeinflusste indirekt und in zunehmendem Maße auch zwischenmenschliche Verhältnisse. Während der kleine Familienbetrieb mit Stammkunden von einem Großhändler abgelöst wurde, der für einen unbekannten Markt produzierte, isolierten und anonymisierten sich auch Familienmitglieder und Stadtbewohner voneinander – aus der „Gemeinschaft“ wurde eine „Gesellschaft“. Wenn Nipperdey feststellt, dass der Kapitalismus dazu führe, dass wirtschaftende Subjekte in „Konkurrenz – nicht in harmonischer Solidarität“[13] zueinander stehen, so lässt sich dies auch auf außerwirtschaftliche Bereiche übertragen, vor allem, da Arbeitswelt und Erwerbsleben, wie die im Anschluss besprochenen Novellen Storms zeigen werden, zunehmend in die Privatsphäre des Menschen eindringen und sein Verhältnis zu anderen Familienmitgliedern prägen.

„Technische Neuerungen, im zunftmäßig organisierten Handwerk noch als Bruch mit der Tradition geahndet, waren jetzt Ziel der Bemühungen – sie brachten Gewinn und machten sich bezahlt.“[14] Dies war in gewisser Hinsicht ein Tabubruch mit allen Werten, die die Arbeitswelt des Bürgers Jahrhunderte lang bestimmt hatten. Nicht der hart Arbeitende wurde belohnt, sondern der, der die profitträchtigsten Ideen hatte und dafür auch bereit war, Risiken einzugehen. Schließlich bedeutet Fortschritt die emotionale Lösung von alten Traditionen und Werten, das Streben danach, neue Wege zu finden. Das durch Rationalisierung und Bevölkerungszuwachs verursachte Überangebot an Arbeitskräften erlaubte es den Fabrikeigentümern, Niedrigstlöhne zu zahlen. „Die Produktion, zunächst noch in überschaubaren Handwerksbetrieben und in Heimarbeit angesiedelt, geriet immer stärker unter die Kontrolle von Großkaufleuten und Fabrikanten. Handwerker sowie auch Bauern wurden auf den Status von Lohnarbeitern heruntergedrückt.“[15] Dadurch, dass sich der Arbeitsplatz von der Heimarbeit nach anonymen Fabriken in den rasant wachsenden Großstädten verlegte, fand eine zunehmende Entfremdung des Arbeiters von der Arbeit statt. Durch das Überangebot an Arbeitskräften wurden Arbeitsgänge geteilt, so dass der Einzelne sich immer weniger mit dem nunmehr am Fließband hergestellten Produkt identifizieren konnte. Hatte der traditionelle Zimmermann einen Tisch noch vom ersten bis zum letzten Handgriff selbst angefertigt, so führte der moderne „Proletarier“ nur einen Handgriff am Fließband aus; er war nur noch Teil einer langen Produktionskette.

Die Fortschrittsgläubigkeit der bürgerlichen Bevölkerung wurzelte in der Aufklärung, doch waren in der Zeit der Aufklärung noch Toleranz und Selbstbescheidung die Dogmen des Bürgertums gewesen, wurden Kapitalismus und Gewinnsucht die Doktrinen des Bürgertums der „Moderne“. Das liberale Bürgertum verschrieb sich nun dem wirtschaftlichen Aufschwung; liberale Weltanschauung und kapitalistische Wirtschaft wurden eins.[16] Diese Entwicklung hatte allerdings auch die Entwertung traditioneller Dogmen des Bürgertums, wie es sich seit dem 18. Jh. formiert hatte, zur Folge.[17] Das tägliche Leben wurde zusehends technisierter und rationalisierter. Durch fundamentale Veränderungen in Technik und Wirtschaft veränderten sich sämtliche Bereiche des bürgerlichen Lebens grundlegend, verloren altbewährte Traditionen, die seit Menschengedenken Orientierung und Halt geboten hatten, mehr und mehr an Bedeutung, waren Verhältnisse immer weniger gesichert und vorhersehbar, weil sich alles in immer schnellerem Tempo veränderte. Diese Zustände verursachten Gefühle von äußerster Ambivalenz. Schon die Eisenbahn (1835) hatte durch die plötzliche Möglichkeit, schnell von A nach B zu kommen, einerseits Begeisterung, andererseits Angst ausgelöst, da man die Folgen dieser nie gekannten Erfindung nicht abschätzen konnte.[18] Dieses Schwanken zwischen Hoffnung auf eine bessere Zukunft und der gleichzeitigen Angst davor lässt sich generell auf die Stimmung der Bevölkerung im Zuge der Industriellen Revolution und später der Gründerzeit übertragen. Die Spekulation und das Kreditwesen repräsentierten die Zeit geradezu symbolisch, versinnbildlichten doch das neue Bankenwesen und die aus dem Boden sprießenden Aktiengesellschaften das Unsichere, Krisenhafte, Seiltänzerische der Moderne, das Schwanken zwischen Hoffnung und Untergang, die ungewisse Zukunft.

1.2.3. Die Wissenschaften

Auch im Bereich der Wissenschaften überschlugen sich die Ereignisse. „Seit 1859 stand die Welt im Zeichen Darwins.“[19] Mit seiner Theorie von Evolution und Selektion revolutionierte Darwin das gängige Weltbild, die „Vorstellungen von der Existenz Gottes, der Schöpfung, der Sonderstellung des Menschen“[20] und hatte so maßgeblichen Anteil an der Mentalität und Vorstellungswelt des späten 19. Jahrhunderts. „Die Eingliederung des Menschen in die Kette der Lebewesen machte die Frage nach der Bedeutung von Selektion und Evolution für Mensch und Gesellschaft unabweisbar...“.[21] Ludwig Büchner, der Bruder des Dichters Georg Büchner, brachte die Darwinsche Lehre durch sein populärwissenschaftliches Buch Kraft und Stoff (1855) ins Volk. Der Zuwachs an naturwissenschaftlichem Wissen und Erkenntnissen verkomplizierte, verunsicherte und befremdete aber auch, die Natur wurde „immer vielfältiger, komplexer und unüberschaubarer.“[22] Der Einfluss Darwins war mitbeteiligt an dem Rückgang der Bedeutung von Religion und Kirche und brachte so bis dato unerschütterliche Normen ins Wanken. Vor allem die aufkommende politische Linke konnte sich in ihrem Glauben an den Fortschritt mit Darwin identifizieren. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht schien Darwins Theorie vom Kampf ums Dasein eine Legitimierung des Wettbewerbs und des Drangs nach gesellschaftlichem Aufstieg zu sein. Andererseits verursachte das Gefühl, durch Vererbung und Determinierung nur ein Spielball, eine Laune der Natur zu sein, eine Verstärkung der allgemeinen Verunsicherung. Das Leben schien ein ebensolches Hasardspiel wie die Bankenspekulation zu sein. Die Revolutionierung der Wissenschaften trug in der Tat wesentlich mit zu dem bei, was man als „Moderne“ bezeichnet. Mit der Umwälzung eines jahrhundertealten Weltbildes wurde der Mensch zur Faustfigur, zum modernen Menschen, der unendliche Erkenntnis sucht, dessen Welt sich aber immer mehr verkompliziert, je größer die Erkenntnis ist, die er gewinnt.

1.2.4. Die Krise des bürgerlichen Selbstverständnisses

Die zunehmende Vereinzelung der Individuen machte Werte wie Familie und Heimat obsolet und verursachte Brüche, wie sie sich sehr anschaulich in Storms späten Novellen manifestieren. So wie der Fabrikarbeiter durch die Spezialisierung und Arbeitsteilung den Zusammenhang, das große Ganze, aus den Augen verlor, so war die Epoche allgemein von einem Verlust an Überblick und Orientierung gekennzeichnet, lösten sich alte Zusammenhänge zusehends auf. Egoismus, Konkurrenzdenken und Geldgier triumphierten vor Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit. Der einzelne trat aus traditionellen Bindungen wie der Familie oder dem Beruf heraus und fand sich oft isoliert und orientierungslos. Die Unabhängigkeit des Menschen von Natur oder Kollektiv bot neue Chancen und Perspektiven, doch galt es, in der neuen Zeit, neue Orientierungspunkte zu finden, die es nun mit dem Rütteln an alten Strukturen immer weniger gab. Die Moderne und ihre raschen Veränderungen brachen alte Vertrautheiten und Identifikationsmöglichkeiten auf und führten zu „spezifisch moderne[n] Orientierungen“[23], so dass sich der Einzelne immer weniger mit den gewohnten Werten Familientradition, Heimat, Nachbarschaft oder Berufstradition identifizierte, sondern sich an abstrakten Ideen orientierte, wie an den sich vor allem in politischen und wirtschaftlichen Bereichen neu formierenden Interessengruppen, Lobbys und Vereinen.

„[D]er Kapitalismus wie der Industrialismus lösten die Traditionen auf.“[24] Zwei neue gesellschaftliche „Schichten“, die der besitzenden Bourgeoisie und die des Industrieproletariats, brachten Bewegung in eine bis dato starre gesellschaftliche Ordnung. So, wie man mit der Eisenbahn nun physische Grenzen überschreiten konnte, und zwar in einer nie gekannten Geschwindigkeit, die reflektierendes Nachdenken schwierig machte, überschritt man im Zuge der wirtschaftlichen Umwälzungen immer häufiger auch soziale Grenzen. Der Handwerker konnte zum Industrieproletarier absteigen oder der Kleinbürger zum erfolgreichen Unternehmer aufsteigen. Mit der Bewegung in der Ständeordnung und den neuen Möglichkeiten, mit Hilfe der neuen Wirtschaftsformen gesellschaftlich und finanziell aufzusteigen, verloren auch alte bürgerliche Traditionen, Sitten und Gebräuche an Bedeutung. Wer als bisheriger Kleinbürger wirtschaftlich aufsteigen wollte, ließ als Spekulant und Besitzbürger, der er nun war oder werden wollte, humanistische und bildungsbürgerliche Werte und Normen hinter sich. Und auch wer aufgrund der durch die Industrialisierung ausgelösten Krise des Handwerks und der Landwirtschaft in den Fabriken der Großstädte sein Glück versuchte, konnte auf Traditionen keine Rücksicht nehmen. Mit dem Auftreten der beiden neuen Phänomene des Wirtschaftsbürgertums und des Proletariats gingen auch Traditionen verloren, da weder die bourgeoise, neureiche Schicht noch die Schicht des Proletariats eine Geschichte mit verpflichtendem Erbe hatte wie es Bildungsbürgertum und Handwerk hatten.

Es ist offensichtlich, dass von der neuen Klasse der Bourgeoisie eine Gefährdung der traditionellen bürgerlichen Mentalität ausging. Die gesellschaftliche Klasse des Bürgertums zerstörte sich in der Gründerzeit also gewissermaßen selbst.[25] Einerseits wissend, dass eine neue Zeit unweigerlich angebrochen war, andererseits verunsichert, erlebte das bürgerliche Selbstverständnis eine Krise. Der technische Fortschritt und der wirtschaftliche Aufstieg boten neuen Komfort, doch die neue Sucht nach materiellen Gütern verursachte eine Entleerung von Werten:

Gleichzeitig aber erhöhte sich auch die Begierde nach weiterem Lebensgenuß und das Begehren nach der Anhäufung zusätzlicher materieller Güter ohne die tiefen Bedürfnisse des Gemütes nach einem harmonischen Ausgleich zu berücksichtigen. Das Ergebnis war eine ständige Zunahme von Unzufriedenheit, Freudlosigkeit und Trübsinn.[26]

1.2.5. Die Philosophie

Im Allgemeinen lässt sich von einer Krise der Philosophie sprechen, da die Antworten auf die Fragen, die in der Moderne virulent waren, nunmehr von den empirischen Wissenschaften, der Psychologie, den Naturwissenschaften, der Politik und der Wirtschaft übernommen wurden. Damit wurden auch die Ideale der Aufklärung hinfällig: „Die kantische Begründung der Ethik auf Gesinnung und Willen […] genügt den Normalansprüchen der Wissenschaft an Gegenstände nicht.“[27] Vor allem die Rezeption der pessimistischen Philosophie Schopenhauers in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeugt von dem allgemeinen Lebensgefühl der Resignation und Müdigkeit. Schopenhauer, der das Irrationale als Weltgrund, das Schlechte als Weltsubstanz identifizierte,

kam der Stimmung des enttäuschten Bürgers entgegen.[28]

Schopenhauers Denken gewann eine große Wirkung, weil er den dunklen Hintergrund der Zeit, ihre Bewußtseinsbeklemmungen aufdeckte und als Weltgesetz erscheinen ließ, was die Zeitgenossen in ihrem Gefühl bedrängte. Er lehrte die Unvernunft der Lebensbejahung, eine konservative und fatalistische Skepsis gegenüber der Geschichte und der Politik. Er begründete den Atheismus aus der Erfahrung des Lebens […]. Er machte das Leiden zum inneren Prinzip der Welt – ein Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen, welche nur dadurch bestehen, dass eines das andere verzehrt, wo daher jedes reißende Tier das lebendige Grab tausend anderer […] ist.[29]

Geschichtspessimismus, Fatalismus und Atheismus sind auch Lebensanschauungen, die in Storms Werk artikuliert werden. Storms häufiges Beklagen der modernen „Raubtiergesellschaft“ zeigt, wie sehr auch Storm von Schopenhauer beeinflusst gewesen sein muss, ohne dass er die aktuellen philosophischen Strömungen aktiv verfolgt hat. Erst ab 1890 wurde der philosophische Einfluss Schopenhauers durch den Nietzsches abgelöst. Doch auch Nietzsches Reflektionen über die Krise und Bedrohung der Kultur durch bürgerliches Mittelmaß, Trivialliteratur und Konsum scheinen bei Storm und anderen Spätrealisten schon antizipiert zu werden, bevor Nietzsche sichtbar auf den Plan trat. Mit seiner legendären Äußerung „Gott ist tot. Und wir haben ihn getötet“ entwertet Nietzsche alle bis dahin für das Bürgertum sinnstiftenden Werte. Für Nietzsche gibt es keine ewigen Werte, nur Perspektiven.[30] Diese Krise des Bewusstseins zeigt sich auch in der Literatur der Zeit, übrigens auch in einigen der späteren Novellen Theodor Storms, in denen der Blickwinkel multiperspektivisch zerfällt oder mehrere in Frage kommende Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden anstatt eine einzige absolute Wahrheit zu konstatieren. Mit Nietzsches Kritik der „ersten Modernität“[31], dem Rationalismus und der Gefährdung der Kultur, löste Nietzsche am Ende des 19. Jahrhunderts eine „zweite Modernität“ aus, ein Zeitalter der Reflexion, die bis weit in das 20. Jahrhundert bestimmend bleiben sollte.

1.2.6. Der Aufstieg Preußens

Fortschrittsdenken, Besitzstreben, Rationalismus und Materialismus potenzierten sich, als Otto von Bismarck 1861 Ministerpräsident von Preußen wurde. Konsequent wurde ein Krieg nach dem anderen geführt - 1864 der preußisch-dänische Krieg, 1866 folgte der preußisch-österreichische Krieg und schließlich 1870/71 der preußisch-französische Krieg. Im Kampf gegen den gemeinsamen Feind sollte das aus einem Flickenteppich bestehende Deutschland geeint werden[32], und nachdem Frankreich von Preußen siegreich geschlagen wurde, wurde das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I mit Bismarck als Reichskanzler ausgerufen. In der Folgezeit kam alles auf wirtschaftlichen Aufschwung an. Die hohen Reparationszahlungen Frankreichs, die ins Deutsche Reich strömten, lösten die sogenannten „Gründerjahre“ mit einer Bau-, Spekulations- und Bankenwut aus. Doch trotz der Deutschen Einheit konnte weder von einem Sieg der deutschen Kultur noch von einem Gemeinschaftsgefühl des Volkes die Rede sein. Im Gegenteil, durch den rasanten Wirtschaftsaufschwung, der zwar Gewinner, aber auch Opfer forderte, verschärften sich die innergesellschaftlichen Gegensätze. Deutschland, das im Gegenteil zu England keine parlamentarische Tradition hatte, wurde von Bürokratie und Militarismus beherrscht. Das Deutsche Reich, das aus einem Krieg geboren und von Adligen geschaffen worden war, befand sich in einer permanenten latenten gesellschaftlichen Krise. Die Volksgemeinschaft wurde unter Bismarck zu einer „Klassen–, Erwerbs- und Bildungsgesellschaft“[33], in der immaterielle Interessen keinen Platz hatten, wie auch Storms norwegischer Dichterkollege Henrik Ibsen formuliert: „Denn nach Schönheit lechzt die Erde. / Doch kein Bismarck spricht ihr Werde.“[34] Zitiert sei auch Friedrich Spielhagen: „Die Zeit braucht keine Dichter und Philosophen! Aber sie braucht Politiker, Staatsmänner.“[35] Nicht mehr ethische Werte, sondern Orden, Ruf, Besitz, Titel, Erwerb und eine oberflächliche, triviale Bildung bestimmten das gesellschaftliche Leben.

1.2.7. Die Soziologie

Im Zuge der gesellschaftlichen Umstrukturierung, des Entstehens der neuen Schicht der Arbeiter und der gesellschaftlichen Konflikte entstand die Soziologie, die die Struktur der Gesellschaft analysierte. Auf die gesamte Bandbreite der Soziologie einschließlich Marx einzugehen, wäre im Rahmen dieser Arbeit zu umfangreich, daher beschränke ich mich auf den Soziologen Ferdinand Tönnies (1855-1936), der mit Theodor Storm befreundet war, und mit dem er auch gesellschaftliche Themen besprach. Tönnies’ Werk Gemeinschaft und Gesellschaft (1887), das sich in Storms Bibliothek befand, ist im Zusammenhang mit der Analyse des Stormschen Werks interessant, da sich die von Tönnies’ genannten Merkmale der modernen „Gesellschaft“, die die „Gemeinschaft“ ablöst, in Storms Novellen wieder finden. Nach Tönnies tritt der Mensch in der Moderne aus gemeinschaftlichen Bindungen, etwa der Familie, in die Gesellschaft, der er aus praktischen Gründen angehört, in der er aber immer nur mit einem Teil seiner Persönlichkeit erscheint und dementsprechend keine engen Bindungen zu anderen Angehörigen der Gesellschaft hat. Da das hauptsächliche Anliegen des Menschen in der Gesellschaft sein eigener Profit ist, stehen alle Angehörigen einer Gesellschaft in latenter Konkurrenz zueinander:

Sondern hier [in der Gesellschaft] ist ein jeder für sich allein, und im Zustande der Spannung gegen alle übrigen. […] Keiner wird für den anderen etwas tun und leisten, keiner dem anderen etwas gönnen und geben wollen, es sei denn um einer Gegenleistung willen.[36]

Da nun in ihr [der Gesellschaft] jede Person ihren eigenen Vorteil erstrebt und die übrigen nur bejaht, soweit und solange als sie denselben fördern mögen, so kann das Verhältnis aller zu allen […] als potentielle Feindseligkeit oder als ein latenter Krieg begriffen werden.[37]

Der Übergang von der Gemeinschaft zur Gesellschaft wurde durch die Industrielle Revolution ganz entscheidend vorangetrieben: „This process of transition, which started many centuries ago, was accelerated by changes begun during the Renaissance and particularly by those resulting from the Industrial Revolution.“[38]

1.2.8. Die Literatur

„Ein großer Besitz an Tradition nötigte zur Verarbeitung, zur Klärung und Verantwortung der eigenen Schaffensintentionen“[39], stellt Martini in seinem Werk fest. Und in der Tat spricht man nicht umsonst vom „langen 19. Jahrhundert“, das eine beeindruckende Mannigfaltigkeit verschiedener Strömungen und Traditionen aufweist. So fallen Klassik, Romantik, Biedermeier und Junges Deutschland in Theodor Storms erste Lebenshälfte und bestimmten sein schriftstellerisches Schaffen mit. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Traditionen, ihre Verteidigung oder Verwerfung, sollte für viele Schriftsteller des bürgerlichen Realismus kennzeichnend bleiben. Dies galt in zunehmendem Maße im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als eben diese Mannigfaltigkeit an Tradition zu verschwinden drohte. In dem Maße, in dem sich der Mensch die Natur untertan machte und Großstädte entstanden, büßten „romantisch-pantheistische Stimmungen und Goethes Naturfrömmigkeit“[40] an Validität ein. Dieser Effekt wurde verstärkt durch die sich ausbreitende Säkularisierung, den Atheismus, den Glauben an die moderne Technik und den Darwinschen Evolutionstheorien, die die Natur zu einem „Kausalgewebe“[41] machten anstatt biedermeierlich-romantische Harmonie und Innerlichkeit mit der Natur zu postulieren. Das ästhetische Erbe der Klassik, das noch bis weit in das 19. Jh. präsent war[42], konnte der Darstellung der als krisenhaft empfundenen Realität immer weniger gerecht werden. Nicht zuletzt ging das Erbe der Aufklärung, welches für bürgerliches Selbstverständnis, bürgerliche Kultur und Literatur konstituierend gewesen war, in der Moderne verloren. Die Wissenschaft von Evolution, Selektion und Vererbung sowie der ökonomisch-gesellschaftliche Druck des Gewinnemachens ließen aufklärerische Werte wie Toleranz, Hilfsbereitschaft und den Glauben an Erziehung und das Gute im Menschen der Vergangenheit angehören. Was den meisten Dichtern jener Zeit gemein war, war ein Gefühl der Krise, Unsicherheit und Beunruhigung in „einer vielschichtigen, widerspruchsvollen, wandlungs- und krisenreichen Zeit“[43].

Abgesehen von der Masse an der zu jener Zeit entstehenden Trivialliteratur, deren Autoren heute – zu Recht – weitgehend unbekannt sind und die ihrerseits ein Symptom für die „Industrialisierung“ auch der Literatur war, vermittelte die realistische Literatur genau jenes Zeitgefühl der Unsicherheit, Krise und Ambivalenz. Abhängig davon, welchem Erbe und Hintergrund der realistische Dichter entstammte, wurde diese krisenreiche Zeit unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet. Während Theodor Fontane beispielsweise den Verlust an Bildung zugunsten einer entleerten, phrasenhaften Aneignung von Pseudo-Bildung, wie sie im ökonomisch mächtigen Besitzbürgertum vorherrschend wurde, kritisierte, wird die moderne Krisenerfahrung in Theodor Storms Werk vor allem durch zerrüttete Familienverhältnisse, Mangel an Gemeinschaft und eine veränderte Einstellung zu Heimat und Natur evident. Dabei ging es den realistischen Erzählern nicht um Kritik im aufständischen Sinne, sondern um eine Bewahrung von ethischer und geistiger Überlegenheit, um ein Aufzeigen von Möglichkeiten des Einzelnen, sich über bestimmte unmenschliche Gegebenheiten hinweg zu erheben oder auch sich vor Augen zu halten, was dabei war, verloren zu gehen:

Die Werke der großen deutschen Realisten Keller, Storm, Fontane, Meyer und Raabe leben aus dem Humor, aus der schöpferischen Kraft, sich in der Bedingtheit des Daseins durch die Freiheit des künstlerischen Entwurfs und die Überlegenheit geistiger Erkenntnis zu behaupten. […] Der Erzähler vermag die Entwicklung zum Großgewerbe als Teil der sich ausbreitenden Industrialisierung nicht aufzuhalten, in eindringlichen Sinnbildern aber macht er anschaubar, was verloren geht. Literatur bewahrt auf und erinnert. Konfrontiert mit der ökonomischen Durchdringung aller Lebensbereiche, hält sie das Bild einer versinkenden geistigen Kultur fest.[44]

2. Theodor Storm (1817-1888)

2.1. Biographischer Hintergrund

Der am 14. September 1817 in Husum geborene Theodor Storm entstammte einer angesehenen und wohlhabenden Familie; der Vater war Rechtsanwalt. Mit zahlreichen Geschwistern wuchs er in einem traditionsreichen Haus, „das von Erinnerungen an alte Zeiten erfüllt war, heran.“[45] Theodor Storm darf als wichtiger Zeitzeuge des komplexen und vielfältigen 19. Jahrhunderts bezeichnet werden, ist der Husumer Dichter doch fast gleichaltrig mit Otto von Bismarck (1815-1898), der das Schicksal Deutschlands entscheidend beeinflussen sollte. Des weiteren ist Storm zwei Jahre nach dem Wiener Kongress geboren; seine Kindheit und Jugend fällt also in eine stark restaurative und konservative Epoche, in der die Vergangenheit höher geschätzt wurde als die Zukunft; „die Gespräche im Wirtshaus [drehten sich] um die Französische Revolution und Napoleon.“[46] Storms Lebenszeit von der Restauration über die gescheiterte Revolution von 1848/49 bis zum Deutschen Kaiserreich ist also von auffällig vielen bedeutenden Ereignissen und Entwicklungen geprägt, die ihre Spuren auch immer an Storms Dichtung ließen.

Wie die meisten Dichter des Bürgerlichen Realismus entstammte auch Storm einem bürgerlich-biedermeierlichem Elternhaus, und die Werte und Normen des von einem aufklärerischen Humanismus geprägten Bürgertums sollten für ihn bestimmend bleiben. Einerseits um die erstickende Enge und Starre des alten, biedermeierlichen Bürgertums wissend[47], bot dieses Bürgertum eine ethische Basis, die in der Zeit des zunehmenden Kapitalismus und der Spekulation immer seltener wurde. Storms Familie repräsentierte geradezu das gängige Familienmodell, in dem jahrhundertealte Traditionen ein fester Bestandteil waren und eine Orientierung boten. Storm befürwortete zwar die traditionelle Familie mit dem Patriarchen als Oberhaupt, sollte bei seinen eigenen Kindern jedoch ein „demokratischeres“ Erziehungskonzept, als es gemeinhin üblich war, praktizieren. Seine Kinder, vor allem seinen Lieblingssohn Hans (geb. 1848), betrachtete er als Freunde und Vertrauenspersonen.[48] In einem Brief an seine zweite Frau 1866 rechtfertigt sich Storm für seine liberalen Erziehungsmethoden: „Und darin steht meine Erziehung hoch über der der meisten Menschen; darum sind meine jetzt großen Söhne jetzt meine intimen Freunde, die mir ihr Herz offen hinlegen und denen ich dasselbe tue.“[49]

Überwiegend war Storm jedoch noch der „alten“ Zeit verhaftet, und

[t]rotz seiner liberalen Grundeinstellung empfand Storm die sozialen Unruhen zusammen mit den kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen ab etwa 1850 als unerwünschte Störungen seines tief verankerten bürgerlichen und regionalen Behagens,[50]

wie Chowanietz feststellt. Auch Bollenbecks Storm-Biographie konstatiert:

Untersucht man nämlich, wie Storm seine Zeit lebt, dann zeigt die alltägliche Zeitordnung […] eine vorindustrielle Langsamkeit, die Tempo und Eile, Zeitmangel und Zeitüberfluß, Langeweile und leerlaufende Betriebsamkeit kaum kennt. Undenkbar, daß er […] versuchen könnte, sein Leben dadurch zu verlängern, daß er dessen Tempo beschleunigt. Noch weniger treibt ihn jene das 19. Jahrhundert charakterisierende Tendenz zur Aktivierung des Zeitnutzens an.[51]

Storms „Vorliebe für Fotografien“[52] sowie für das Briefeschreiben, wie seine ungewöhnlich umfangreiche Korrespondenz zeigt[53], sind Zeugnisse für seinen Versuch, das Alte in einer beschleunigten Zeit „festzuhalten“, eine Eigenart, wie sie übrigens für das 19. Jahrhundert mit seiner Leidenschaft für Museen, Denkmaler, Poesiealben, Schatullen und Anthologien wie Heyses „Novellenschatz“, aber auch der Etablierung der Geschichtswissenschaft typisch ist. Hier spiegelt sich auch Storms Zwiespalt zwischen der Bejahung des Neuen und dem Festklammern an dem Alten, da er die neue Technik der Fotografie dazu nutzte, das Alte zu bewahren.

Hält man sich Storms Verbundenheit mit der Natur, seine Liebe zu seiner Heimatstadt Husum und seinen in der Romantik wurzelnden Liebes-, Ehe- und Familienkult vor Augen, so überrascht es nicht, dass der Dichter sich von der Zeit der Industrialisierung abgestoßen fühlen musste. Veränderte Arbeits- und Wirtschaftsweisen wie der Einsatz von Maschinen und die Arbeitsteilung entfremdeten den Menschen von der Natur und von seinem Beruf, die darauf folgende Flucht vom Land in die Großstadt, in der es Arbeitsmöglichkeiten gab, machten eine Identifikation des Individuums mit der Heimat immer schwerer, da Heimat immer weniger selbstverständlich war. Die Auflösung traditioneller Strukturen und die neue Fülle der Wahlmöglichkeiten boten den Menschen neue Chancen, stellten aber auch eine Bedrohung dar, da althergebrachte Orientierungs- und Identifikationsmöglichkeiten zerbrachen und der Mensch sich neue Wege der Identifikation suchen und Lebensentscheidungen treffen musste, deren Konsequenzen er noch nicht abschätzen konnte. Die unüberschaubare Geschwindigkeit, mit der gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen vor sich gingen, führte zu Unsicherheit und Angst. Storm, der, in Einklang mit der Mentalität seiner Zeit, an kein Jenseits glaubte, musste diese Geschwindigkeit des Zeitablaufs daher als besonders bedrückend empfinden, da der Jenseitsglaube ihm wie vielen seiner Zeitgenossen keinen Trost mehr spenden konnte.

Auch ohne sich gezielt für die Philosophen seiner Zeit zu interessieren[54], war Storm doch Kind seiner Zeit und blieb deswegen nicht unbeeinflusst von den philosophischen und mentalen Strömungen derselben. Storms Atheismus war einerseits Produkt seiner antireligiösen Erziehung[55], andererseits Produkt verschiedener philosophischer als auch naturwissenschaftlicher Strömungen. Die Religion konnte ihm nicht die Antworten liefern, nach denen er suchte. So äußert er seinen Zweifel in einem unbetitelten Gedicht aus der Nachlese:

„An deines Kreuzes Stamm o Jesu Christ

Hab ich mein sorgenschweres Haupt gelehnt;

Doch Trost und Kraft kam nicht von dir herab;

Du hattest weder Weib noch Kind, du warst

Ein halber Mensch nur; unseres Lebens Kern

Hast du nur halb erprobt; was uns die Welt,

Uns Lebenden, an Ungeheu’rem auflegt,

Du hast es nicht gekannt; […]

[…]

Komm geliebtes Weib

Wir müssen unser eigner Heiland sein.[56]

Hier vermittelt Storm auch die Bedeutung, die er der Liebe und Ehe gleichsam als Ersatzreligion beimisst – ein Aspekt, der noch später bei der Untersuchung der Darstellung zerrütteter Ehe- und Familienverhältnisse relevant wird. Die Vererbungslehre beeinflusste auch Storms Liebes- und Eheverständnis. Galt ihm die Ehe von jeher als „Heilmittel“, so musste er für seine Söhne von der Ehe als probates Mittel absehen.[57]

Je schneller und unübersichtlicher Veränderungen auf allen Gebieten des Lebens vor sich gingen, je „moderner“ also die Welt wurde, desto bedrohlicher und abstoßender erschien sie dem Dichter. Verfolgt man Storms literarische Entwicklung, so finden sich Melancholie und Pessimismus zwar teilweise schon in seinen früheren Novellen, generell lässt sich aber sagen, dass seine späten Novellen, von Ausnahmen abgesehen, wesentlich düsterer und tragischer als die frühen Werke sind. Der Zusammenbruch der Idylle ließ sich offensichtlich immer weniger leugnen. Dabei ist auch ein Blick auf Storms Biographie unerlässlich, die von zahlreichen politischen Ereignissen und Umwälzungen geprägt ist: Da war die Niederlage der schleswig-holsteinischen Truppen durch Dänemark 1850, in deren Folge Storm von den Dänen Berufsverbot erhielt und in den schlecht bezahlten Justizdienst der ungeliebten Preußen in Berlin und Potsdam treten musste (1853)[58], der Deutsch-Dänische Krieg 1864 und die darauf folgende Herrschaft Preußens über Storms Heimat Schleswig-Holstein, das zuvor zu Dänemark gehört hatte; schließlich der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Darüber hinaus erfuhr Storm die gesellschaftlichen Auswüchse der Moderne persönlich. War in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gesellschaft noch biedermeierlich-behaglich geordnet, fing die Idylle zunehmend an zu bröckeln, auch das äußere politische Geschehen griff zusehends in das Privatleben ein. Storms Abneigung gegen den undemokratischen preußischen Militär- und Bürokratiestaat kommt an zahlreichen Stellen zum Ausdruck. Seinen Eltern gegenüber beklagte Storm während seiner Dienstzeit in Potsdam, er lebe „unter einer wahren Hetzpeitsche“.[59] Die Hektik, Arbeitswut und das Karrierestreben im preußischen Dienst ließen ihm für seine Interessen „weder Zeit noch körperliche Fähigkeiten“.[60] In einem Brief an Ludwig Pietsch beklagt Storm die politische Macht Preußens, denen Schleswig-Holstein ab 1867 als preußische Provinz unterstand:

Wir können nicht verkennen, daß wir lediglich unter der Gewalt leben. Das ist desto einschneidender, da sie von denen [Preußen, Anm. d. Verf.] kommt, die wir gegen die fremde Gewalt [Dänemark, Anm. d. Verf.] zu Hilfe riefen und die uns jetzt selbst als einen besiegten Stamm behandeln […]; die uns, ohne uns zu fragen, unser Recht nehmen und uns nach Gutdünken ihre zum Teil abscheulichen Gesetze dafür diktieren […]. Und obgleich nun die Preußen gewiß alle Ursache haben, in Schleswig-Holstein bescheiden aufzutreten […], so kommt doch jeder preußische Beamte […] mit der Miene eines kleinen persönlichen Eroberers […] hieher.[61]

Storms bitter-ironisches Gedicht Der Beamte (1867) ist ein Seitenhieb auf die preußische Bürokratie, der noch heute Aktualität besitzt:

„Er reibt sich die Hände: „Wir kriegen’s jetzt!

Auch der frechste Bursche spüret

Schon bis hinab in die Fingerspitz,

Daß von oben er wird regieret.

Bei jeder Geburt ist künftig sofort

Der Antrag zu formulieren,

Daß die hohe Behörde dem lieben Kind

Gestatte zu existieren.“[62]

Angesichts des deutsch-französischen Kriegs spricht Storm seinem Sohn Ernst gegenüber von dem

Ekel, einer Gesellschaft von Kreaturen anzugehören, die außer den übrigen ihnen von der Natur auferlegten Funktionen […] auch die mit elementarer Stumpfheit befolgt, sich von Zeit zu Zeit gegenseitig zu vertilgen. Das Bestehen der Welt beruht darauf, dass alles sich gegenseititg frisst, oder vielmehr das Mächtigere immer das Schwächere.[63]

Hier verdichtet sich Storms Eindruck von einer „Raubtiergesellschaft“; sein Glaube an die positive Entwicklungsfähigkeit des Menschen bekommt im Zuge der militärischen Konflikte einen irreparablen Dämpfer. Durch die politischen Ereignisse sowie Storms Sorgen um seine Söhne, vor allem den alkoholabhängigen Hans, schienen weder Familie noch Heimat, die beiden Grundanker des Bürgertums, noch Bestand zu haben. Das Raubtierhafte des modernen Menschen und das Inhumane der ihn umgebenden Welt prägt fast alle Novellen Storms ab den 1870er Jahren.

2.2. Theodor Storms Novellen

Storm schrieb Novellen und keine Romane. Die knappe Form der Novelle, in deren Zentrum ein Ereignis steht, macht die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten des Menschen und seine Abhängigkeit von äußeren Geschehnissen besonders deutlich und war daher geeignet für Storms Anliegen, die Verwicklungen des Individuums in äußere Abhängigkeiten zu unterstreichen. „Im novellistischen Ereignis spiegelt sich eine Zeit im Umbruch.“[64] Diese „Umbruchszeit“, zum einen geprägt durch Wirtschaftsaufschwung und Kapitalismus, zum anderen durch revolutionäre wissenschaftliche Theorien, erschütterte zunehmend Storms „altes“ Weltbild. Die Zuversicht ausstrahlende Idylle seiner früheren Novellen, etwa Ein grünes Blatt (1850), Wenn die Äpfel reif sind (1857) oder Späte Rosen (1857), seine Darstellung selbstbestimmter, human und aufgeklärt handelnder Bürger, wird zunehmend abgelöst durch das Auftreten ichbezogener, von Geld und Macht abhängiger Individuen. Seine Beobachtung des sich ausbreitenden Egoismus und Materialismus seiner bürgerlichen Mitmenschen sowie der Krieg von 1870/71 ließen Storm zunehmend an der Gesellschaft verzweifeln. In einem Gedicht über den Krieg 1870/71 heißt es:

„Hat erst der Sieg über fremde Gewalt

Die Gewalt im Innern besiegt,

Dann will ich rufen: Das Land ist frei!

Bis dahin spar ich den Jubelschrei.“[65]

War in Storms früheren Novellen noch vornehmlich der Adel Zielscheibe der Kritik, so verlagerte sich im Laufe der Zeit mit der Veränderung der sozialen Gegebenheiten die Kritik auf den Stand, dem der Autor selbst angehörte, denn die „Modernisierung der Gesellschaft, die Abschwächung der alten Sozialverbände – Kirche, Nachbarschaft, Gemeinde, Großfamilie–, die Zunahme an individueller Wahl, der Übergang von ‚Gemeinschaft’ zu Gesellschaft - das war doch vornehmlich bürgerlich.“[66] Schon 1862 in der Novelle Auf der Universität ist nicht der Adel der Widersacher des Bürgers, sondern dünkelhaftes Groß- und unzufriedenes Kleinbürgertum befehden sich. Kaum eine Novelle innerhalb von Storms Spätwerk kommt ohne die Kritik am materiellen Besitz als dem Nonplusultra des Bürgers und den daraus folgenden Konsequenzen aus. Wer nichts hat, wird von der Gesellschaft ausgestoßen (Ein Doppelgänger) oder sogar von der eigenen Familie verstoßen (Hans und Heinz Kirch). Wer aber etwas hat wie die alte Madame Jansen in Im Nachbarhause links (1875) oder Hans Kirch in Hans und Heinz Kirch (1882), dem bleibt im Alter nichts als Leere. Hier kündigt sich die Moderne an, in der nicht mehr der Adel der Hauptfeind aller Bürger ist, sondern jeder Bürger für sich alleine kämpft und seinen Mitmenschen als Konkurrenten betrachtet.[67]

Storms späte Novellen sind für das Verständnis der „Moderne“ deshalb wichtig, da sie „moderne“, vorher nicht existente Menschentypen zeigen – Heinrich Carstens (Carsten Curator) und Tobias Zippel (Zur Wald- und Wasserfreude), die skrupellosen Spekulanten, die ihre Familien rücksichtslos in den Ruin treiben, Hans Kirch (Hans und Heinz Kirch) und Hauke Haien (Der Schimmelreiter), die Väter, die so von ihrem gesellschaftlichen Aufstieg besessen sind, dass ihre Familienverhältnisse leiden, schließlich die bürgerliche Gesellschaft als solche in Der Herr Etatsrat und Ein Doppelgänger, eine Gesellschaft, die gleichgültig gegenüber dem Leid anderer ist, und in der jeder nach seinem eigenen Vorteil sucht. Der Typus des geldgierigen Besitzbürgers tritt zwar schon so früh wie in Immensee (1850) in Erscheinung, repräsentiert dort allerdings noch nicht die gesamte Gesellschaft. Storms Novellen zeigen, wie gesellschaftliches Konkurrenzdenken und Geldgier auch in der Familie vorkommen und diese zerstören.[68] Die Themen Familienverfall und Generationenkonflikt, die vor allem in Storms späteren Novellen zu finden sind, sind ein Zeichen für die moderne, krisenhafte Zeit. Dienten viele der Stormschen Novellen bis in die frühen 1870er Jahre dazu, eine Art „Bollwerk“ gegen die unfreundliche neue Zeit darzustellen, war dies in den späteren Novellen kaum noch möglich. Noch 1873, nur vier Jahre vor Carsten Curator, schrieb Storm die heitere Novelle Beim Vetter Christian, die „in das Stilleben zurücklenkte, das Storm als eine verklärende Geschichtstradition des bürgerlichen 18. Jahrhunderts liebte. Er verbarg sich in ihr vor den Bedrohungen, die in sein Lebensgefühl, in seine Gegenwart eindrangen.“[69] Beim Vetter Christian ist von einem „Hauch aus dem 18. Jahrhundert“ geprägt, der bei Storm „einen Eindruck von der damaligen in sich befriedigten Gesellschaft hinterließ.“[70]

Auffällig ist der Verlust von Traditionsgebundenheit und Geschichtsbewusstsein bei Storms Novellenfiguren. So ist sich Heinrich Carstens keinerlei Familientradition oder –Verpflichtung bewusst, Hans Kirch hat traditionelle bürgerliche Werte aufgegeben, um der neuen Klasse der „Bourgeoisie“ anzugehören, Zippel spürt keine Bindung mehr an Familie oder Heimatort und der Herr Etatsrat hat bürgerliche Traditionen bereits vollkommen pervertiert. Auch Hauke Haien in Der Schimmelreiter setzt sich wie Hans Kirch über die Familientradition hinweg und übernimmt nicht den Hof seines Vaters, sondern geht seinen eigenen Weg; er wird zum gesellschaftlichen Aufsteiger. Letztendlich erleiden diese Figuren jedoch Schiffbruch, da sie in der modernen Welt orientierungslos sind, als Einzelgänger oder Außenseiter keine Unterstützung und keinen Halt bekommen (Carsten Curator, Zur Wald- und Wasserfreude, Der Herr Etatsrat, Hans und Heinz Kirch, Ein Doppelgänger, Der Schimmelreiter) oder ihrer eigenen Vermessenheit und Arroganz zum Opfer fallen (Carsten Curator, Zur Wald- und Wasserfreude, Der Schimmelreiter).

So wie der Kapitalismus dazu führte, dass Mitmenschen in Konkurrenz denn in Gemeinschaft zueinander standen, so zeigen auch die Novellen Carsten Curator, Hans und Heinz Kirch, Ein Doppelgänger, Zur Wald- und Wasserfreude und Der Schimmelreiter, wie Arbeit und Erwerb (oder im Falle des Doppelgängers die Arbeitslosigkeit) in das Privatleben der Menschen eindringen und deren Verhältnis zu den Mitmenschen prägen. Novellen wie Bötjer Basch, Zur Wald- und Wasserfreude, Im Brauerhause zeigen, wie Familienbetriebe von anonymen Großbetrieben abgelöst werden und Traditionsbewusstsein verloren geht. Mit seiner Darstellung bürgerlicher Figuren, die trotz gehobener Herkunft nichts mehr „werden“ oder scheitern (Heinrich Carstens, Tobias Zippel, Heinz Kirch, Archimedes Sternow), obwohl der Eintritt des Berufslebens seit Alters her das zentrale Ereignis im Leben des Bürgers war, zeigt Storm, wie das traditionelle bürgerliche System in der neuen Zeit systematisch unterlaufen wird.

Durch die moderne Technik der industriellen Revolution sah sich der Mensch zwar einerseits in der Lage, die Natur zu kolonialisieren, wie Zur Wald- und Wasserfreude und noch düsterer Der Schimmelreiter zeigen; andererseits wurde die Natur immer häufiger zum fremden, bedrohlichen, unkontrollierbaren Monstrum. Während in Storms frühen Novellen die Natur als etwas Tröstendes und Beständiges positiven Charakter hat, ändert sich die Darstellung der Natur im Laufe seiner Schaffenszeit unter dem Einfluss von Modernitätserfahrungen. Heinrich Carstens und Heinz Kirch fallen beide einer Sturmflut zum Opfer, und auch Hauke Haien findet sein Ende in den Fluten; Alkoholismus und Charakterschwächen werden wie in John Riew, Der Herr Etatsrat oder Carsten Curator vererbt, ohne dass der Mensch sich dagegen wehren kann . Der Lebensraum des Menschen, die Natur, wird in dem Maße, wie der Mensch sich zum Herrscher desselben aufspielt und wie Hauke Haien keine Achtung vor Natur und Lebwesen hat, zum Zerstörer des Menschen. Die Moderne in ihrer Geschichts- und Traditionslosigkeit kennt weder Respekt vor noch Einheit mit der Natur, so dass sich der bisherige Lebensraum aufzulösen beginnt. Das Dilemma des modernen Menschen ist, dass er sich durch die Technik von der Natur löst, sich von ihr unabhängig macht, durch Vererbung und Selektion aber wiederum von ihr abhängig ist – so scharf die Intelligenz Hauke Haiens sein mag, sein Kind ist schwachsinnig, und auch in zahlreichen anderen Novellen Storms begründet das Problem der Vererbung den Untergang einer Familie. Die Vererbungslehre, die in zahlreiche Novellen Storms Eingang gefunden hat[71], belegt, dass sich der Autor stark für diese Thematik interessierte und durch sie beunruhigt war. Mit Tönnies erörterte er das Problem der Vererbung, vor allem der Vererbung von Eigenschaften.[72]

Auch bei seinen eigenen Kindern, insbesondere den Söhnen und insbesondere seinem ältesten Sohn Hans, befürchtete Storm, dass die psychische Labilität, die bei allen drei Söhnen zu Tage trat, vererbt sein könnte. Doch obwohl er überzeugt war, Hans’ Willenschwäche und Neigung zum Alkohol sei ein vererbtes Übel, gab Storm den Glauben an den freien Willen zunächst nicht auf. Noch 1878 schrieb er Hans:

Ich will Dir nicht Alles zur Last rechnen, der Blutstropfen, der aus Großvaters Geschlecht kommt, mag einen Theil Deines großen Unglücks, Deiner großen Schuld und des mein Leben zerstörenden Kummers tragen; aber darin liegt Deine Schuld, daß Du, obgleich Dir Deine Schwäche nicht verborgen bleiben konnte, Dich ganz darin hast gehen lassen, ohne auch nur einen Versuch zu machen, Dich aufs feste Land zu retten.[73]

Doch schon sechs Jahre später hörte sich sein Urteil weitaus ernüchternder an:

[M]an sagte einmal: das moderne Schicksal sind die Nerven; ich sage: es ist die Vererbung, das Angeborene, dem nicht auszuweichen ist und wodurch man trotz ehrlichen Kampfes dennoch mit der Weltordnung in Konflikt, auch wohl zum Untergang kommt.[74]

Es findet also eindeutig eine Verschlechterung der Stimmung und ein Ende von Storms Optimismus im Übergang von den 70er zu den 80er Jahren statt.

3. Krisensymptome der Moderne in Storms Novellistik

3.1. „Ein jeder Mensch bringt sein Leben fertig mit sich auf die Welt“ – Carsten Curator (1878) und die Macht der Vererbung

Ein eindrückliches Zeugnis moderner Krisen- und Verfallssymptome ist die düster-pessimistische Novelle Carsten Curator. Der biedere Kleinbürger Carsten Carstens, Repräsentant des traditionsbewussten ortsansässigen Bürgertums, heiratet die wesentlich jüngere Juliane, die Tochter eines ortsfremden Spekulanten, die mit ihrer Lebenslust und ihrem Leichtsinn den genauen Gegensatz zu Carstens vernunftgesteuertem Lebenswandel verkörpert. Die Bedrohung des bürgerlichen Lebens und der traditionellen Strukturen besteht für Carsten auch nach Julianes Tod fort, denn der gemeinsame Sohn Heinrich hat die verantwortungs- und rücksichtslose Art seiner Mutter geerbt. Der modernen Unsitte des Spekulierens und Geschäftemachens verfallen, die den traditionellen bürgerlichen Sitten diametral gegenübersteht, stürzt Heinrich seinen Vater Carsten und damit die Familientradition zunehmend in den sozialen und materiellen Abgrund. Der in den düstersten Farben geschilderte Verfall und Untergang der Familie Carstens durch unkontrollierbare Mächte wie Vererbung, Milieu und gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen ist nicht nur eine bewegende Familientragödie, sondern vor allem auch ein illusionsloses Gleichnis auf die „Moderne“, deren rasche Veränderungen auf ökonomischem, sozialem und politischem Gebiet das Auseinanderbrechen traditioneller Strukturen wie dem Familienverband zur Folge haben, wie das Beispiel der Familie Carstens zeigt. Mit der illusionslosen Darstellung, die hier so ganz ohne die bei Storm sonst so prominente poetische Verklärung auskommen muss, ist Carsten Curator nicht nur eine Parabel auf die „Moderne“, sondern weist darüber hinaus bereits Züge „moderner“ Literatur auf, indem die Darstellung durch ihre Härte die Grenzen des auf Versöhnung bedachten bürgerlichen Realismus sprengt. Carsten Curator ist nicht nur die ungeschönte Zeichnung eines tragischen Familienverfalls, sondern auch eine Darstellung der Bedrohung alter Werte und Lebensweisen durch moderne Entwicklungen und Denkweisen. Was uns als privater Familienkonflikt entgegentritt, ist auf einer anderen Ebene eine Gegenüberstellung des Alten mit dem Neuen. Verglichen mit Fontanes Roman Der Stechlin stellt sich der Generationskonflikt in Carsten Curator anders dar. Während im Stechlin sowohl der alte Stechlin als auch sein Sohn trotz ihrer Unterschiedlichkeit jeweils ihre Berechtigung haben und der Übergang von der alten zur neuen Zeit als etwas Notwendiges, wenn auch zuweilen Bedauerliches dargestellt wird, erscheinen die Figur des Sohnes in Carsten Curator und die neue Zeit, die er vertritt, negativ.[75]

[...]


[1] Die historischen Ausführungen in dieser Arbeit beschränken sich auf den deutschen Raum.

[2] Nipperdey 1983, S. 178

[3] Nach: DUDEN Das neue Lexikon, Mannheim 1996, Band 5, S. 1589

[4] Damit ähnelte die Entwicklung Deutschlands etwa der der skandinavischen Staaten. Über Norwegen im 19. Jahrhundert heißt es: „Während sich Norwegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den wirtschaftlich fortgeschrittensten Ländern deutlich unterschied, brachte eine Konjunktur nach 1850 den Anschluss an die europäische Entwicklung. […] Norwegen erlebte innerhalb kürzester Zeit […] entscheidende ökonomische Strukturveränderungen, die die Demokratie mit den neu entstehenden Widersprüchen konfrontierte.“ In: Rüdiger Bernhardt, Henrik Ibsen. Nora (Ein Puppenheim) Königs Erläuterungen, Hollfeld 2002. Diese Situation lässt sich ähnlich auf Deutschland übertragen.

[5] DUDEN Das neue Lexikon, Mannheim 1996, Band 5, S. 1589

[6] Vgl. Weltgeschichte. Band 10. Gütersloh 1996, S. 60f.

[7] Martini, S. 10

[8] Weltgeschichte Band 10, S. 259

[9] Freund 1987, S. 8

[10] Nipperdey 1983, S. 179

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Weltgeschichte Band 10, S. 259

[15] Weltgeschichte Band 10, S. 259

[16] Vgl. Martini, S. 11

[17] Die bürgerlichen Werte stiegen im Zuge der ökonomischen und gesellschaftlichen Umwälzungen weitgehend zur Phrase herab: „[D]as von der aufgeklärten Humanitätsphilosophie überkommene ideologische Vokabular wurde immer formelhafter, stereotyper, phrasenhafter“, Martini, S. 11

[18] Makropoulos beschreibt die Doppelbödigkeit des technischen und sozialen Fortschritts: „Aber diese Situation wurde keineswegs nur als wünschenswerte Erweiterung des technischen und sozialen Handlungsbereichs und damit nicht nur als Gewinn neuer Möglichkeiten menschlicher Freiheit […] erfahren, sondern von Anfang an auch als akute Orientierungslosigkeit und bodenlose Unsicherheit…“, Michael Makropoulos, Modernität und Kontingenz, S. 29

[19] Nipperdey 1990, S. 613

[20] Nipperdey 1990, S. 614

[21] Nipperdey 1990, S. 627

[22] Nipperdey 1990, S. 623

[23] Nipperdey 1983, S. 266

[24] Martini, S. 12

[25] „In dem spekulativen Erfolgsegoismus dieses Bourgeois, seiner Entäußerung von sittlichen Normen, […] seiner Arbeits-, Geld- und Erfolgsgesinnung, […] seiner Verödung des Gemüthaften lag eine Gefährdung, die die gesamte soziale Schicht aufzulösen drohte“, Martini, S. 22

[26] Chowanietz, S. 45

[27] Nipperdey 1990, S. 682

[28] Martini, S. 25

[29] Martini, S. 35

[30] Vgl. Nipperdey 1990, S. 688

[31] Nipperdey 1990, S. 690

[32] Vgl. Fischer Weltgeschichte, Band 27, Das bürgerliche Zeitalter. Frankfurt 1974

[33] Martini, S. 19

[34] Rüdiger Bernhardt, Ibsen und die Deutschen, Berlin 1989, S. 153

[35] Zit. N. Martini, S. 25

[36] Tönnies, S. 40

[37] Tönnies, S. 53

[38] Pappenheim, S. 67

[39] Martini, S. 2

[40] Martini, S. 18

[41] Martini, S. 19

[42] Martini, S. 2

[43] Martini, S. 3

[44] Winfried Freund: Literaturwissen Theodor Storm, Stuttgart 1994, S. 13/15

[45] Konrad Nussbächer, Nachwort zu Viola Tricolor. Beim Vetter Christian. Stuttgart 1968

[46] Ebersold, S. 11

[47] So beklagte er das gefühlsarme Verhältnis zu seinen Eltern: „Ein nahes Verhältnis fand zwischen mir und meinen Eltern nicht statt; ich entsinne mich nicht, daß ich derzeit jemals von ihnen umarmt oder gar geküßt worden“, zit. n. Vincon, S. 10f.

[48] Vgl. auch Chowanietz, S. 106ff.

[49] Brief an Doris Jensen, April 1866, Goldammer I, S. 485

[50] Chowanietz, S. 53

[51] Bollenbeck, S. 170

[52] Bollenbeck, S. 171

[53] Vgl. Peter Goldammer: „Theodor Storm gehört zu den eifrigsten Korrespondenten seiner Zeit. […] Unter den schreibenden deutschsprachigen Zeitgenossen wird er darin […] nur von Theodor Fontane übertroffen“, in: STSG 56 (2007), S. 109

[54] Bollenbeck, S. 176

[55] An den österreichischen Literaturkritiker Emil Kuh schrieb Storm am 13. 8. 1873: „…von Religion oder Christentum habe ich [in meinem Elternhaus] nicht reden hören“, Goldammer II, S. 64

[56] LL1, S. 263

[57] Vgl. Jackson, S. 289ff.

[58] Diese Angaben stützen sich auf: Winfried Freund, Literaturwissen Theodor Storm. Stuttgart 1994

[59] Brief an die Eltern, 21.04.1854, zit. n. Laage, STSG 54 (2005), S. 69

[60] Brief an die Schwiegereltern Ernst und Elsabe Esmarch, 22.12.1854, Goldammer I, S. 255

[61] Brief an Friedrich Eggers, 16. 8. 1867, Goldammer I, S. 508

[62] LL1, S. 85

[63] Brief an Ernst Storm, 3. 8. 1870, in: Gertrud Storm (Hrsg.), Theodor Storm. Briefe an seine Kinder, S. 119

[64] Winfried Freund, Literaturwissen Storm, Stuttgart 1994, S. 14f.

[65] LL1, S. 268

[66] Nipperdey 1983, S. 421

[67] Vgl. Tönnies’ Theorie von der „Gesellschaft“, in der alle Individuen in latenter Konkurrenz zueinander stehen.

[68] Geldgier und Materialismus als spezifisch moderne Charakteristika treten auch in Fontanes Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ auf: „Der Neue freilich, der knausert und spart, / Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt. Aber der Alte, vorahnend schon / Und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn…“, in: Fontane, Sämtliche Werke. Große Nymphenburger Ausgabe, Band 20, München 1962, S. 249

[69] Martini, S. 648

[70] Zit. n. Martini, S. 648

[71] So unter anderem Aquis submersus, Zur Chronik von Grieshuus, und die bereits genannten Carsten Curator, John Riew, Hans und Heinz Kirch, Der Herr Etatsrat

[72] Vgl. Jackson, S. 287

[73] Zit. n. Altmann, S. 86f.

[74] Brief an Th. Mommsen, 12. 10. 1884; in: Hans-Erich Teitge (Hrsg.), Briefwechsel Storm-Mommsen, Weimar 1966, S. 126

[75] Die Jahresangaben hinter den Novellentiteln bezeichnen das Datum der Erscheinung bzw. des Drucks der jeweiligen Novelle. Die Entstehungszeit liegt freilich meistens etwa ein Jahr zurück.

Details

Seiten
119
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638053525
Dateigröße
876 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90924
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Novellen Theodor Storms Moderne Bürgertum Jahrhundertwende Realismus Storm 19. Jahrhundert Kapitalismus Industrialisierung

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Titel: Die späten Novellen Theodor Storms