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Digitale Bibliotheken. Sind sie die Zukunft?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 15 Seiten

Bibliothekswissenschaften, Information Science

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung Bibliothek
2.1 Begriffsbestimmung Digitale Bibliothek

3 Aktueller Stand im Bibliothekswesen

4 Stärken und Schwächen einer Digitalen Bibliothek
4.1 Stärken einer Digitalen Bibliothek
4.2 Schwächen einer Digitalen Bibliothek

5 Digitale Bibliotheken - Projekte
5.1 Europeana Collections
5.2 World Digital Library
5.3 Deutsche Digitale Bibliothek

6 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Forschungsliteratur

Quellen

1 Einleitung

Wenn man auf der Suche nach dem Wissen der Welt ist, so geht man in Bibliotheken. Bereits Schopenhauer stellte fest, dass Bibliotheken „das Gedächtnis der Menschheit1 “ seien. Besonders in der heutigen Informationsgesellschaft ist das Wissen als Gut nicht zu unterschätzen. Das 21. Jahrhundert ist eine sehr schnelllebige Zeit, unablässig ent- stehen neue Informationen, die schnellstmöglich verarbeitet und weitergegeben wer- den müssen. Bei dieser überwältigenden Informationsflut ist es von immenser Bedeu- tung, diese zu separieren, klassifizieren und zu gewichten. Dies ist unteranderem eine der zahlreichen Obliegenheiten einer Bibliothek, insbesondere im wissenschaftlichen Bereich. Da sich durch das Internet die Informationsgewinnung der meisten Menschen verändert hat, müssen Bibliotheken entsprechend dieser Veränderungen reagieren und adäquate Vermittlungswege schaffen.

Die Suche nach der passenden Literatur ist oftmals ermüdend. Onlinegestützte Kata- loge unterstützen zwar die aufwendige Literaturrecherche, jedoch müssen alle Publi- kationen zunächst einzeln zusammengesucht und inhaltlich durchgesehen werden. Der Zeitfaktor sowie die nicht vorhandene Komfortabilität nehmen hierbei eine wichtige Rolle ein. An dieser Stelle werden Alternativen gegenüber den konventionellen Bibli- otheken relevant – Digitale Bibliotheken. Sogenannte „Digitale Bibliotheken“ ermög- lichen es dem Nutzer jederzeit und räumlich unabhängig an die benötigte Literatur zu gelangen. Zudem lassen sich beispielsweise Seitenmarkierungen vornehmen, Begriffe im Text suchen sowie direkt übernehmen und weiterführende Seiten (in Form von Links) unmittelbar aufrufen. Nebst diesen Komponenten haben Digitale Bibliotheken den Vorteil, dass die Publikationen vor Umwelteinflüssen und Umweltkatastrophen geschützt sind.

Die Relevanz digitaler Bibliotheken ist in der heutigen Zeit unumstößlich. Aus diesem Grund soll in der nachfolgenden Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, welchen Stellenwert Digitale Bibliotheken im bestehenden Bibliothekswesen einnehmen und was sie letztendlich zu leisten vermögen. Hierfür wird zunächst herausgestellt, was unter dem Begriff der Bibliothek, insbesondere der Digitalen Bibliothek, zu verstehen ist und wie die bibliothekarische Sachlage bezüglich digitaler Medien derzeit in Deutschland aussieht. Dies soll der Verortung dienen, welche Wichtigkeit digitale Me- dien derzeit einnehmen und unter welchen Bedingungen Bibliotheken arbeiten. An- schließend werden die Stärken und Schwächen einer Digitalen Bibliothek beleuchtet und verschiedene Digitale Bibliothek-Projekte vorgestellt. Dabei soll untersucht wer- den, welche Leistungen Digitale Bibliotheken erbringen und wie ihr Potenzial zu ver- orten ist. Am Ende folgt die Schlussbemerkung und die Einordnung, welchen Stellen- wert Digitale Bibliotheken derzeit einnehmen und wie leistungsfähig sie tatsächlich sind.

Für diese Arbeit wurde für die theoretische Basis besonders „Die moderne Bibliothek“ verwendet. Das von Rudolf Frankenberger und Klaus Haller herausgegebene Sammel- werk aus dem Jahr 2004, bietet einen guten Überblick über die Aufgaben und Pflichten einer Bibliothek. Zudem wurde besonders „Speicherbibliotheken – Digitale Bibliothe- ken“ von der Herausgeberin Elisa Böllmann verwendet. Das 1998 erschienene Sam- melwerk bietet einen breitgefächerten Einblick in digitale Medien und Technologien. Verwendung fand das Buch insbesondere im theoretischen Teil der allgemeinen Stär- ken und Schwächen einer Digitalen Bibliothek. Darüber hinaus wurde „Digitale Bib- liothek“, herausgegeben von Albert Endres und Dieter W. Fellner im Jahr 2000, be- sonders für die Begriffsbestimmung und die Stärken und Schwächen von Digitalen Bibliotheken herangezogen. Das Buch bietet einen breitgefächerten Überblick über die unterschiedlichen Grundlagen elektronischer Märkte und digitaler Medien. An dieser Stelle ist zum derzeitigen Forschungsstand zu sagen, dass der Bereich der Digitalen Bibliothek gut erforscht ist, jedoch viele Standardwerke die sich mit der Thematik fundiert befassen, bereits vor über 10 Jahren herausgegeben wurden. Nichtsdestotrotz lassen sie sich verwenden, da sich an der theoretischen Grundlage kaum etwas geän- dert hat. Für die aktuellen Betrachtungen, wie beispielsweise die derzeitige Biblio- thekslage, wurden Lageberichte von 2015 und 2017 des Deutschen Bibliotheksverban- des genutzt. Ebenso wurden für die Vorstellung der Projekte Digitaler Bibliotheken aktuelle Quellen verwendet. In erster Linie wurden die jeweiligen Homepages verwen- det und „Strategie 2020“ der Deutschen Digitalen Bibliothek von 2016.

2 Begriffsbestimmung Bibliothek

Der Begriff Bibliothek kommt ursprünglich aus dem Griechischen (biblos = Buch; theke = Behälter) und bezeichnet ein Behältnis, beispielsweise ein Regal oder Schrank, in dem Bücher aufbewahrt wurden.2 In der Antike wurde die Begrifflichkeit dann für das Gebäude oder den Raum verwendet in dem die Bücher lagerten und schlussendlich auch für die Büchersammlung selbst. Im 17. Jahrhundert kam die Bezeichnung „Bü- cherei“ auf, eine Lehnübersetzung aus dem Niederländischen (vom niederländischen Wort boekerij). Die Begriffe Bücherei und Bibliothek wurden im deutschen Sprach- gebrauch gleichbedeutend verwendet. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat es sich etab- liert, dass mit Büchereien kleinere Büchersammlungen der Unterhaltungsliteratur und mit Bibliotheken größere Sammlungen wissenschaftlicher Natur, assoziiert werden.3 Um 1900 entstanden in zahlreichen deutschen Großstädten sogenannte Bücherhallen nach dem anglo-amerikanischen Vorbild der public libraries. Diese Bücherhallen setz- ten sich vornehmlich programmatisch von den älteren Volksbüchereien ab. Hierdurch entstand, in Anlehnung an die englische Begrifflichkeit, das Verständnis von einer öf- fentlichen Bibliothek und somit auch im Gegensatz dazu, einer wissenschaftlichen Bibliothek. Heute versteht man unter öffentlichen Bibliotheken solche Bibliotheken, deren Buchbestände alle Gruppen der Gesellschaft anspricht und uneingeschränkt nutzbar ist. Wissenschaftliche Bibliotheken charakterisiert die ausgeprägte Sammlung wissenschaftlicher Publikationen zum Zwecke der Forschung und Lehre. Sowohl öf- fentliche Bibliotheken als auch wissenschaftliche Bibliotheken, unterliegen der Ge- brauchsfunktion. Sie stellen die Bestände zum Gebrauch zur Verfügung und vornehm- lich wissenschaftliche Bibliotheken üben auch eine Archivfunktion aus.4

Plassmann/Syré5 sind der Meinung, dass die Bezeichnung Bibliothek „jede plan mäßig angelegte, zum Zwecke öffentlicher oder privater Nutzung aufgestellte Sammlung von Büchern sowie das Gebäude oder den Raum, in dem diese unter- gebracht ist, (bezeichnet). […] Bibliotheken sammeln, erschließen und vermitteln Informationen, indem sie Bücher und andere Medien erwerben und für einen brei- ten Personenkreis nutzbar machen. […] Die moderne Gebrauchsbibliothek ist eine Informationseinrichtung, die […] integraler Bestandteil des öffentlichen Informationswesens ist. Sie ist […] ein Service-Unternehmen, das im Interesse der Allgemeinheit seine qualitativ und quantitativ messbaren Dienstleistungen er- bringt und dabei als Betrieb mit begrenzten Sach- und Personalmitteln rationell zu arbeiten und ökonomisch zu wirtschaften hat. Nicht zu vergessen ist ihr Beitrag zur Förderung der Bildung, Wissenschaft und Kultur eines Landes6 “.

Die vorangegangene Auslegung bezieht sich auf eine materielle Bibliothek, die nach- folgend als „Konventionelle Bibliothek“ bezeichnet wird.

2.1 Begriffsbestimmung Digitale Bibliothek

Es gibt zahlreiche Definitionsansätze, was eine Digitale Bibliothek sei. Thomas Stäcker7 gibt hierfür als Grund an, dass zur Zeit des digitalen Aufkommens eine Be- grifflichkeit gesucht wurde und erst später über die genaue Bedeutungsdimension nachgedacht wurde.

Rückbesinnend lässt sich als Ursprungsbedeutung der Digitalen Bibliothek festhalten, dass sie „technisch spezifiziert, eben digital oder elektronisch ist8 “. Endres/Fellner9 klassifizieren, in Anlehnung an die Definition des Bibliothekars Christoph Binder, die Digitale Bibliothek wie folgt. Eine Digitale Bibliothek sei eine Einrichtung, die „Texte, Bilder, Animationen, Ton- und Videoaufnahmen auf elektronischen Da- tenträgern vorhält (elektronische Bibliothek), die eine Vielzahl von Bibliotheks- diensten in einem ortübergreifenden Verbund anbietet (virtuelle Bibliothek) und deren Bestände und deren Dienste integriert sind, die einen effizienten Zugriff darauf über eine einheitliche Systemoberfläche gestattet und deren >Systemin- telligenz< über die der Teile hinausgeht10 “.

In dieser Auslegung werden die Begriffe „elektronische Bibliothek“ und „virtuelle Bibliothek“ als Teil der Digitalen Bibliothek betrachtet. In zahlreichen anderen Defi- nitionen wird hierbei eine Abgrenzung vorgenommen, für diese Arbeit wird jedoch die Auslegung von Endres/Fellner als Grundlage herangezogen. Ergänzend ist noch zu anzufügen, dass die „Digital Library Federation“ die zur Verfügungstellung von Res- sourcen, wie beispielsweise spezialisiertem Personal, als wichtig ansieht. Zudem sol- len Digitale Bibliotheken Informationen selektieren, strukturieren und für deren stetigen Zugang sorgen.11 Vergleicht man diese Auslegungen mit der bibliothekari- schen Definition von Plassmann/Syré12, so lässt sich feststellen, dass sich Digitale Bib- liotheken in erster Linie nur durch die Materialität von Konventionellen Bibliotheken unterscheiden.

3 Aktueller Stand im Bibliothekswesen

Die Bibliotheken befinden sich durchgehend in einer Identitätskrise aufgrund des ra- santen Wachstums der Bestände. Sie stoßen letztendlich an ihre finanziellen und räum- lichen Grenzen. Grund hierfür ist unteranderem die sich stetig verändernden Anforde- rungen der Wissensgesellschaft, sowohl auf quantitativer als auch qualitativer Ebene. Bibliotheken sind immer auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten und effizienteren Finanzierungsmethoden, um dem Bibliotheksnutzer das bestmögliche Angebot bieten zu können.13 Dies zeigt sich in der Entwicklung, dass die Bibliotheken bestrebt sind, dem Nutzer Texte und Informationen zugänglich zu machen, die nicht materiell in der Bibliothek vorhanden sind. Plassmann/Syré14 vergleichen diesen im- mensen Fortschritt mit dem Gutenbergischen Buchdruck. Die meisten Konventionel- len Bibliotheken wandelten sich innerhalb des letzten Jahrzehnts zu Hybriden. Das Informationsangebot moderner Gebrauchsbibliotheken ist heutzutage sowohl materi- eller als auch immaterieller Natur. Besonders Nachschlagewerke werden von Biblio- theken meist nur noch digital gesammelt und erschlossen.15 Zahlentechnisch lässt sich anführen, dass 2016 insgesamt 32 Millionen E-Medien in wissenschaftlichen Biblio- theken verfügbar waren, wovon 213 Millionen Mal auf E-Books und 79 Millionen Mal auf digitale Zeitschriftenartikel zugegriffen wurde.16 2014 lag die Entleihungssumme virtueller Bestände bei knapp 11 Millionen.17 Wissenschaftliche Bibliotheken geben heutzutage mehr als die Hälfte des Medienetats für elektronische Publikationen aus, in manchen Bibliotheken sind es bereits 90 Prozent. Grund hierfür ist das Lese- und Stu- dienverhalten von Studenten und Wissenschaftlern, die jederzeit auf die nötige Infor- mation zugreifen möchten. Auch öffentliche Bibliotheken haben ein hohes Aufkom- men elektronischer Publikationen, wobei das Problem besteht, dass viele Verlage keine E-Book-Lizenzen verhandeln.18 Des Weiteren sind viele Bibliotheken von Haus- haltskonsolidierungsmaßnahmen betroffen und müssen als Reaktion auf die Sparmaß- nahmen die Öffnungszeiten reduzieren. Immer häufiger können sich die Bibliotheken die stark nachgefragten digitalen Angebote finanziell nicht leisten und somit nicht adä- quat auf die Bedürfnisse der Nutzer eingehen.19 In wissenschaftlichen Bibliotheken wird die Publikationsform „Open Access“ immer wichtiger. Die Bibliotheken beglei- ten Hochschulangehörige bei der digitalen Publikation von Forschungsergebnissen und helfen somit bei der Schaffung eines Forschungsinformationssystems.20

4 Stärken und Schwächen einer Digitalen Bibliothek

4.1 Stärken einer Digitalen Bibliothek

„Wissenschaftliche Bibliotheken sind kraft Gesetzgebung gehalten, die von ihnen er- worbenen Sammelobjekte zu erschließen, dauerhaft zu archivieren und zur Verfügung zu halten.21 “ Diese dauerhafte Archivierung führt in zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken zu akuter Platznot. Die Speichererweiterungen reichen meist nur kurz- zeitig, was zur Folge hat, dass das Problem nur temporär verschoben wird und ab ei- nem bestimmten Punkt keine Provisorien mehr möglich sind.22 Digitale Bibliotheken bieten die Möglichkeit einer langfristigen Archivierung und Verfügbarmachung. So ist die Bestandserhaltung, insbesondere alter Druckwerke oder Publikationen aus an- fälligem Material, gesichert. Diese anschließende Digitalisierung von Druckwerken wird auch als Retrospektive Digitalisierung bezeichnet.23 Darüber hinaus bieten Digi- talisate die Möglichkeit einer beliebig häufigen Ausgabe. Weltweit können mehrere Personen gleichzeitig auf ein Dokument zugreifen und einen Mehrwert daraus ziehen.

Aufgrund der digitalen und weltweiten Einsehbarkeit ist zudem das Dokument besser gesichert.24 Das Buch als bibliothekarisches Nutzmedium bietet nicht die Möglichkeit, Markierungen oder Anmerkungen im Text zu verfassen, dies ist jedoch bei einem Di- gitalisat durchaus möglich. Innerhalb des Dokuments können Passagen kopiert oder ausgeschnitten werden und anschließend neu zusammengefügt. Hierbei müssen selbst- verständlich trotzdem die Urheberrechts- und Lizenzbestimmungen geachtet wer- den.25 Darüber hinaus bietet das Medium der Digitalen Bibliotheken eine neue Nut- zungsform an. Innerhalb der vorliegenden Publikation können Hypertexte und sons- tige Hypermedien unmittelbar aufgerufen werden. Zudem wird die Möglichkeit gebo- ten, vom Literaturverzeichnis direkt zum benötigten Abstrakt zu kommen und bei- spielsweise Verweise direkt zu prüfen. Darüber hinaus lassen sich Videosequenzen, mehrschichtige Abbildungen, drehbare Abbildungen und virtuelle Umgebungen in die Publikation einarbeiten und somit nutzbar machen. Jedwedes Pendant auf Papier wäre in diesem Fall mit akutem Informationsverlust verbunden.26 Des Weiteren haben Di- gitale Bibliotheken gegenüber Konventionellen Bibliotheken den Vorteil, dass es keine festen Öffnungszeiten gibt und sie nicht ortsgebunden sind. Zudem stellen sie durch die weltweite Verfügbarkeit die Möglichkeit zur Vernetzung sowie interaktiver Nutzung mit anderen Anwendern. Anzumerken ist außerdem die verbesserte Recher- che- und Suchfunktionalität innerhalb der Publikation, da anhand von Keywords direkt Passagen durchsucht werden können. Diese Schnelligkeit zeigt sich auch in der allge- meinen Zugänglichkeit zur Publikation. Hinzu kommt, dass Digitale Bibliotheken ei- nen geringeren Platzbedarf benötigen als Konventionelle Bibliotheken und verteilte Bestände kombiniert werden können. Digitale Bibliotheken sind zudem nicht so kos- tenaufwendig wie Konventionelle Bibliotheken, da sie keine ausgeprägten Raum- und Instandhaltungskosten haben.27

4.2 Schwächen einer Digitalen Bibliothek

Digitale Bibliotheken bergen zwar keine hohen Raum- und Instandhaltungskosten, je- doch sind sie nichtsdestotrotz mit bemerkenswerter finanzieller Aufwendung verbun- den. E-Books, sofern diese überhaupt von den Verlagen angeboten werden, sind meist unverhältnismäßig teuer. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Nutzer kontinuierlich abhängig ist von der Technologie. Die Informationsressourcen können lediglich ge- nutzt werden, wenn eine Internetverbindung besteht und ein entsprechendes Endgerät, wie beispielsweise ein Rechner, vorhanden ist.28 Abgesehen davon, empfinden viele Konsumenten das digitale Lesen als unangenehm und anstrengend.29 Betrachtet man das Internet auch als eine Art Digitale Bibliothek, so ist anzumerken, dass viele Nutzer davon ausgehen, dass die erzielten Suchtreffer den vorhandenen Informationen ent- sprechen. Es ist jedoch so, dass die Treffer vielmehr eine Anpassung an das Such- und Konsumverhalten des Nutzers zeigen und keineswegs die tatsächliche Informations- lage abbilden.30 Diesbezüglich ist auch anzumerken, dass durch die Internetverbin- dung die Verlockung besteht, lieber zu surfen anstatt sich mit dem Inhalt auseinander- zusetzen. Ein großer Kritikpunkt an Digitalen Bibliotheken ist das Speichermedium an sich. Bisher ist die tatsächliche Haltbarkeit noch unbekannt und da sich die digitale Welt stetig weiterentwickelt, verlangt dies vermeintlich auch die Erneuerung der Spei- cher-Lesegeräte.31 Hans Zotter32 kritisiert, dass „vor allem der Wechsel des Mediums oder auch nur des Datenträgers zu den wirklich großen Datenverlusten in der Informa- tionsgeschichte führte33 “. Zu bemängeln ist auch die Unüberschaubarkeit sowie Flüch- tigkeit von angebotenen Universal Resource Locators-Adressen. Die flüchtige Natur rührt daher, dass sich die Adressen bei der Umstrukturierung des Servers oder der Übertragung des Dokuments auf einen anderen Server, verändern. Hierbei muss je- doch angemerkt werden, dass es diesbezüglich den Ansatz gibt, die entsprechenden Seiten mit einer Universal Resource Number zu versehen, welche stetig ist.34 Zuletzt lässt sich noch kritisieren, dass die digitale Darreichung die Möglichkeit bietet, Inhalte zu verändern. Auch hier gibt es einen entgegenwirkenden Ansatz. Sogenannte Hash- Code bieten die Möglichkeit, mögliche Veränderungen zu überprüfen und unterbin- den.35

5 Digitale Bibliotheken - Projekte

5.1 Europeana Collections

Europeana ist ein digitales Bibliotheksprojekt, das es sich als Ziel gesetzt hat, das kul- turelle Erbe Europas für die Gesellschaft zugänglich zu machen. Hierfür bietet Euro- peana Zugang zu mehr als 53 Millionen Artikeln, Bild-, Text-, Ton-, Video- und 3D- Material aus den Sammlungen von über 3.700 Bibliotheken, Archiven, Museen, Ga- lerien und audiovisuellen Sammlungen in ganz Europa. Dadurch können sich Interes- sierte ortsunabhängig die unterschiedlichen Sammlungen europäischer Kultureinrich- tungen ansehen. Als Zielgruppe definiert Europeana alle Literatur-, Geschichts-, und Kunstinteressierten.36 Die verfügbaren digitalen Materialien, die man über Europeana finden kann, sind nicht auf einem Zentralcomputer gespeichert. Europeana arbeitet vielmehr wie ein multimediales Internetportal, das lediglich eine kurze Information zu Objekten liefert. Gespeichert sind die digitalen Materialien auf dem Netz der jeweili- gen Kultureinrichtung.37 Die physische Verwaltung von Europeana ist bei der Nieder- ländischen Nationalbibliothek in Den Haag. Organisatorisch lässt sich anfügen, dass 2007 die European Digital Library Foundation gegründet wurde. Die Stiftung dient unter anderem Museen, Archiven und Bibliotheken bei ihren Vereinbarungen mit Eu- ropeana.38 Des Weiteren bietet Europeana über ein einziges Zugangsportal die digita- len Materialen an. Aus diesem Grund arbeitet Europeana genauer als generische Such- maschinen, trotz weniger Treffern.39 Die verfügbaren Kulturobjekte werden nicht von Europeana bestimmt, sondern den Kultureinrichtungen, die sie zur Verfügung stel- len.40 Des Weiteren lassen sich als besondere Projekte die Europeana Regia und die Europeana Collections 1914-1918 nennen. Europeana Regia ist ein Projekt von fünf großen Bibliotheken, die gemeinsam mehr als 1000 Handschriften aus dem Mittelalter und der Rennaissance digitalisiert haben.41 Bei der Europeana Collections 1914-1918 hat sich eine Gruppe aus 12 Einrichtungen, darunter überwiegend Nationalbibliotheken, zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie mehr als 400.000 Objekte aus dem Zeitraum des Ersten Weltkrieges digitalisiert.42

[...]


1 Hauffe, Heinz: Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien. In: Speicherbibliotheken – Digi- tale Bibliotheken. Wissen verteilen und bewahren [Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie / Sonderheft 70]. Hrsg. von Böllmann, Elisabeth. Frankfurt am Main: Klostermann 1998, S. 68.

2 Vgl. Böttger, Klaus-Peter: Basiskenntnis Bibliothek. Eine Fachkunde für Fachangestellte für Me- dien- und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek. 4. Auflage. Bad Honnef: Bock + Herchen 2009, S.11.

3 Vgl. Plassmann, Engelbert / Syré, Ludger: Die Bibliothek und ihre Aufgabe. In: Die moderne Biblio- thek. Ein Kompendium der Bibliotheksverwaltung. Hrsg. von Frankenberger, Rudolf / Haller, Klaus. München: De Gruyter 2004, S. 11.

4 Vgl. Ebenda, S.12.

5 Vgl. Ebenda, S.12f.

6 Ebenda, 12f.

7 Vgl. Stäcker, Thomas: Die Digitale Bibliothek – auf der Suche nach einem Phantom. Zugleich der Versuch einer Einführung. In: Kodex. Jahrbuch der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesell- schaft. Die Digitale Bibliothek. Hrsg. von Haug, Christine / Kaufmann, Vincent. Wiesbaden: Har- rassowitz 2011, S. 2.

8 Ebenda, S. 2.

9 Vgl. Endres, Albert / Fellner, Dieter W.: Digitale Bibliotheken. Informatik-Lösungen für globale Wissensmärkte. Heidelberg: dpunkt.verlag 2000, S. 4.

10 Ebenda, S. 4.

11 Vgl. Digital Library Federation: A working definition of digital library 1998. In: Digital Library Federation. 2004. https://old.diglib.org/about/dldefinition.htm [10.03.2018].

12 Vgl. Plassmann, Engelbert / Syré, Ludger: Die Bibliothek und ihre Aufgabe, S. 11.

13 Vgl. Ewert, Gisela / Umstätter, Walther: Bibliotheksdienst. Bd. 33 (6). München: De Gruyter 1999, S. 957.

14 Vgl. Plassmann, Engelbert / Syré, Ludger: Die Bibliothek und ihre Aufgabe, S.39.

15 Vgl. Ebenda, S.39f.

16 Vgl. Deutscher Bibliotheksverband: Bericht zur Lage der Bibliotheken 2017/2018. http://www.bib- liotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/publikationen/dbv_Bericht_2017_Web.pdf [10.03.2018], S. 4.

17 Vgl. Deutscher Bibliotheksverband: Bericht zur Lage der Bibliotheken 2015. Zahlen und Fakten. http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/publikationen/dbv_Be- richt_zur_Lage_2015.pdf [10.03.2018], S. 2.

18 Vgl. Ebenda, S. 4.

19 Vgl. Ebenda, S. 10f.

20 Vgl. Deutscher Bibliotheksverband: Bericht zur Lage der Bibliotheken 2017/2018, S. 9.

21 Hauffe, Heinz: Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien, S. 67.

22 Vgl. Neuhauser, Walter: Ein weites Feld – ein langer Weg. Die Speicherprobleme einer herkömmli- chen Magazinsbibliothek am Beispiel der UB Innsbruck. In: Speicherbibliotheken – Digitale Biblio- theken. Wissen verteilen und bewahren [Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie / Sonder- heft 70]. Hrsg. von Böllmann, Elisabeth. Frankfurt am Main: Klostermann 1998, S. 26f.

23 Vgl. Sühl-Strohmenger, Wilfried: Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek – Informations- praxis im Wandel. Wiesbaden: Harrassowitz 2008, S. 108.

24 Vgl. Böttger, Klaus-Peter: Basiskenntnis Bibliothek, S. 298f.

25 Vgl. Sühl-Strohmenger, Wilfried: Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek, S. 109.

26 Vgl. Hauffe, Heinz: Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien, S. 68f.

27 Vgl. Endres, Albert / Fellner, Dieter W.: Digitale Bibliotheken, S. 80ff.

28 Vgl. Sühl-Strohmenger, Wilfried: Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek, S. 108f.

29 Vgl. Endres, Albert / Fellner, Dieter W.: Digitale Bibliotheken, S. 80.

30 Vgl. Stäcker, Thomas: Die Digitale Bibliothek, S. 4.

31 Vgl. Hauffe, Heinz: Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien, S. 73.

32 Vgl. Zotter, Hans: Der nicht löschbare Speicher entflammt unsere Phantasie. In: Speicherbibliothe- ken – Digitale Bibliotheken. Wissen verteilen und bewahren [Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie / Sonderheft 70]. Hrsg. von Böllmann, Elisabeth. Frankfurt am Main: Klostermann 1998, S. 76.

33 Ebenda, S. 76.

34 Hauffe, Heinz: Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien, S. 71f.

35 Vgl. Ebenda, S. 72.

36 Vgl. Digital Single Market: Europeana - a European Cultural Heritage Platform for all. https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/europeana-european-digital-library-all [10.03.2018].37 Vgl. Europäische Kommission: MEMO/08/724. Brüssel 2008. europa.eu/rapid/press-re- lease_MEMO-08-724_de.pdf [10.03.2018], S. 1.

38 Vgl. Ebenda, S. 6.

39 Vgl. Ebenda, S. 5.

40 Vgl. Ebenda, S. 3.

41 Vgl. Europeana: Projekt Europeana Regia. http://www.europeanaregia.eu/de/projekt-europeana-re- gia/praesentation [09.03.2018].

42 Vgl. Europeana: Projekt Europeana Regia. http://www.europeanaregia.eu/de/projekt-europeana-re- gia/praesentation [09.03.2018].

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346229977
ISBN (Buch)
9783346229984
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v910198
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Digitale Bibliothek Zukunft der Bibliotheken Relevanz Bibliothek
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Titel: Digitale Bibliotheken. Sind sie die Zukunft?