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Berufliche und betriebliche Sozialisation

Berufswahl und Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung: Sozialisation

3 Berufliche Sozialisation
3.1 Sozialisation für den Beruf
3.1.1 Schichtspezifische antizipatorische Sozialisation
3.1.2 Geschlechtsspezifische antizipatorische Sozialisation
3.1.3 Antizipatorische Sozialisation in der Schule
3.2 Sozialisation in den Beruf
3.3 Sozialisation im Beruf
3.3.1 Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung
3.3.2 Beruf und Identität

4 Phasen der betrieblichen Sozialisation
4.1 Die Vor-Eintritts-Phase
4.2 Die Eintritts-Phase
4.3 Die Metamorphose-Phase

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Eintritt ins Berufsleben markiert einen entscheidenden biografischen Einschnitt im Leben eines Menschen. Bis die Berufswahl getroffen ist, durchläuft ein Individuum mehrere Sozialisationsprozesse, die es in seiner Entscheidung prägen. Neben der schicht- und geschlechtsspezifischen Sozialisation spielt hier die Sozialisationsinstanz Schule eine zentrale Rolle. In teils bewussten, teils unbewussten Prozessen wird ein Mensch durch die verschiedenen Sozialisationsinstanzen auf seine spätere Berufsrolle vorbereitet (vgl. Hurrelmann 2006: 172 f.).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der beruflichen Sozialisation und betrachtet dabei insbesondere den Vorgang der Berufswahl und die Auswirkungen des Berufs auf die Persönlichkeitsentwicklung. Nach einer allgemeinen Erläuterung des Sozialisationsbegriffs und der Beschäftigung mit den zu Grunde liegenden Annahmen Emile Durkheims wird zunächst auf die Sozialisation für den Beruf eingegangen. Im Fokus des Interesses steht dabei die bereits erwähnte Sozialisation durch Schicht, Geschlecht und Schule. In diesem Zusammenhang wird deutlich gemacht, warum es fragwürdig ist, von einer freien Wahl des Berufes zu sprechen.

Anschließend geht es um die Sozialisation in den Beruf, wobei vor allem auf die Ausbildung im Dualen System und die Gründe für die Milieukonformität der Berufseinmündung eingegangen wird. Schließlich folgt die Auseinandersetzung mit der Sozialisation im Beruf. Dabei stehen der Einfluss der beruflichen Tätigkeit auf die Persönlichkeitsentwicklung und sonstige Veränderungen, die ein Mensch während seiner Berufstätigkeit durchläuft, im Vordergrund. Im Zusammenhang mit der Thematisierung der Verzahnung von Beruf und Identität soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit eine Differenzierung zwischen fachlichen und persönlichen Eigenschaften möglich ist.

Im Anschluss daran wird das Phasenmodell der betrieblichen Sozialisation vorgestellt. Es soll aufgezeigt werden, welche Anpassungsleistungen sowohl von dem neuen Organisationsmitglied als auch vom Unternehmen selbst gefordert werden, um die betriebliche Integration sicherzustellen. Eingegangen wird sowohl auf die zumeist unrealistischen Vorstellungen und Erwartungen des neuen Mitglieds im Verlauf der Vor-Eintritts-Phase als auch auf die Konfrontation mit der Unternehmenswirklichkeit im Rahmen der Eintritts-Phase. Abschließend soll geklärt werden, wann von einer gelungenen betrieblichen Sozialisation gesprochen werden kann.

2 Begriffsklärung: Sozialisation

Bevor näher auf die berufliche und betriebliche Sozialisation und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung eingegangen wird, soll an dieser Stelle zunächst der Begriff der Sozialisation eingeführt und näher erläutert werden.

Als Begründer der Sozialisationstheorie gilt der französische Soziologe Emile Durkheim (1858-1917), nach dessen Vorstellung Sozialisation als die Internalisierung gesellschaftlicher Normen zu verstehen ist. Durch diesen Prozess der Vergesellschaf-tung werde der Mensch in vorgegebene soziale Strukturen wie Positionen, Rollen oder Organisationen eingegliedert (vgl. Hurrelmann 2006: 11 ff.). Durkheim schreibt der Gesellschaft eine Disziplinierungsfunktion zu, durch die triebhafte menschliche Bestre-bungen kanalisiert und in soziale Bahnen gelenkt werden. Der normative soziale Zwang der Gesellschaft laste auf jedem einzelnen Mitglied und führe zu der Ausbildung eines Systems der individuellen Moral. Der Mensch, den Durkheim größtenteils als ein Ergebnis der Gesellschaft begreift, befolgt danach soziale Regeln nur deshalb, weil sie gesellschaftlicher Natur sind. Erst durch den Prozess der Sozialisation werde aus dem von Natur aus asozialen, egoistischen und triebgesteuerten Menschen ein gesellschaftsfähiges Wesen (vgl. Veith 1996: 117 ff.).

Durkheims Sozialisationstheorie, die sich auf Industriegesellschaften bezieht, gilt aus heutiger Sicht als verkürzt, da sie allein auf die menschliche Unterwerfung unter gesellschaftliche Anforderungen abzielt. Moderne Gesellschaften sind jedoch durch eine Pluralisierung der Lebensformen gekennzeichnet und funktionieren nur mit selbstständigen und autonomen Persönlichkeiten. Die meisten Theorien jüngeren Datums definieren Sozialisation daher als „Prozess der Entwicklung der Persönlichkeit in produktiver Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen […] und mit der sozialen physikalischen Umwelt […]“ (Hurrelmann 2006: 7).

Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass Menschen zwar durch ihre Umwelt beeinflusst werden, sie jedoch durch ihre Aktivitäten gleichzeitig auch selbst mitgestalten. Sozialisation erfolgt danach nicht mehr nur durch die Internalisierung gesellschaftlicher Normen und die Übernahme von Rollenmustern, sondern kann als Prozess der selbstständigen Aneignung von kulturell und sozial vermittelten Umweltangeboten verstanden werden. Durch die lebenslange Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Anforderungen bildet sich die menschliche Persönlichkeit heraus, die als die einmalige Komposition von Eigenschaften, Merkmalen, Einstellungen und Handlungskompetenzen definiert wird. Während des dynamischen Vorgangs der Persönlichkeitsentwicklung kommt es zur Modifikation zentraler Elemente dieses Gefüges. Der Eintritt in die Berufswelt markiert in diesem Prozess einen entscheidenden Punkt. Berufliche Sozialisation beginnt jedoch schon vor den ersten Erfahrungen am Arbeitsplatz (vgl. ebd. ff.).

3 Berufliche Sozialisation

Berufliche Sozialisation wird definiert als „Aneignungs- und Veränderungsprozess von Fähigkeiten, Kenntnissen, Motiven, Orientierungen und Deutungsmustern, die in der Arbeitstätigkeit eingesetzt werden können“ (Heinz 1999: 52). Dies umfasst sowohl die antizipatorische Sozialisation in Familie und Schule, die mit der Berufswahl abge-schlossen wird, als auch die Berufsausbildung und Selektion für bestimmte Arbeits-felder, sowie die Sozialisation im Beruf durch die Arbeitstätigkeit selbst (vgl. ebd.).

3.1 Sozialisation für den Beruf

3.1.1 Schichtspezifische antizipatorische Sozialisation

Es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass die in der Familie stattfindende primäre Sozialisation je nach sozialer Schicht unterschiedlich verläuft. Die schichtspezifische Sozialisationsforschung untersucht die Zusammenhänge zwischen dem sozialen Status der Eltern und der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Zentral ist dabei die Annahme, dass die durch ungleiche berufliche Alltagserfahrung und Bildung beeinflusste Persönlichkeitsstruktur der Eltern in der familiären Sozialisation an die Kinder weitergegeben wird und es auf diese Weise gewissermaßen zu einer Vererbung des sozialen Status kommt. Die Familie gilt nach diesem Ansatz als die zentrale Vermittlungsinstanz für die Reproduktion der so genannten Sozialcharaktere, also der typischen Muster der Persönlichkeitsstruktur, die durch die gesellschaftlichen und dabei vor allem durch die beruflichen Umstände geprägt werden (vgl. Hurrelmann 2006: 172 ff.).

Melvin L. Kohn geht davon aus, dass Eltern, die unteren sozialen Schichten entstammen, andere Wertvorstellungen an ihre Kinder weitergeben als Eltern aus höheren sozialen Schichten. Seiner Ansicht nach werden diejenigen Werte in den familialen Erziehungsprozess hinein getragen, die an den jeweiligen Arbeitsplätzen entwickelt wurden. Auf diese Weise würden Kinder auf die Normen und Lebensstile vorbereitet, denen ihre Eltern anhängen: im Falle von Arbeiterfamilien konformistische Vorstellungen mit Hervorhebung von Konsequenzen; Vorstellungen mit Betonung der Selbststeuerung und Autonomie bei Familien in gut situierten Lebenslagen. Zwischen den verschiedenen sozialen Schichten sieht Kohn nicht nur zentrale Unterschiede in Bezug auf Status und Einkommenssicherheit. Vielmehr hebt er hervor, dass in Mittelschichtberufen eher interpersonale Beziehungen, Ideen und Symbole im Vordergrund stünden, wohingegen in so genannten Arbeiterberufen der Umgang mit Dingen zentral sei. Zudem werde in von Mitgliedern der Mittelschicht ausgeübten Berufen Selbstbestimmung betont, in Berufen der Arbeiterschicht demgegenüber eher Standardisierung und direkte Kontrolle (vgl. Kohn 1999: 70 ff.).

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638055659
ISBN (Buch)
9783640625871
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91060
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Berufliche Sozialisation Personalauswahl Personalentwicklung Unternehmen

Autor

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Titel: Berufliche und betriebliche Sozialisation